Nr. UZ Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
greitag, 26. Zuni (956
war
wurden alle nichts weiter als deutsch. Das unser Erlebnis, von jedem einzelnen erlebt.
„Gefangenschaft war nicht Kampf um den Sieg Deutschlands, Gefangenschaft war Kampf um die Ehre Deutschlands."
Wir sammeln in der REK. alle Kameraden, die erst an der Front um den Sieg, dann in der Gefangenschaft um die Ehre Deutschlands gekämpft haben. Wir suchen die, die diesen doppelten Kampf nicht vergessen haben und stellen sie in unserer Arbeitsgemeinschaft an die Stelle, wo sie in der heutigen Zeit mit ihren Erlebnissen nützen können.
Wir haben uns die Aufgabe gestellt, aus den tausend und tausend Linzelerlebnissen ein Gesamterlebnis zu gestalten, mit dem wir die Notwendigkeit unserer Mitarbeit an den großen Arbeitszielen Adolf Hitlers beweisen können.
Der Nationalsozialismus hat uns klar unseren Kampf in der Gefangenschaft als völkischen Kampf erkennen lassen. Im Vergleich zur heutigen Zeit, die an jeden deutschen Volksgenossen die Forderung stellt, nichts anderes sein zu wollen, als nur deutsch, sehen wir, daß auch uns die Gefangenschaft damals unbewußt dazu gezwungen hatte. Alle Kraft, die wir gebrauchten, holten wir uns aus uns selbst, aus unserem deutschen Wesen. Wir alle in allen Gefangenenlagern auf der ganzen Welt kämpften in gleicher Weise aus der gleichen, ganz bestimmten, inneren Haltung, wir bekamen alle in gleicher Weise eine neue Gesinnung, wir
Leuchtturm! — Wir haben uns schnell vorher ein Bild gemacht: ein hoher Turm, einsam im weiten Meer, der Sturm braust, und oben sitzt ein stiller, alter Wärter, der über das Licht wacht, das wie ein lauter Ruf die Dunkelheit einer sternenlosen Nacht durchschneidet und den Schiffen den rechten Weg zum festen Land weist.
Eine romantische Angelegenheit. Zuweilen sollen Schiffe auf einen Sand fahren, weil sie das Licht des Turmes nicht beachtet haben. Zuweilen sollen Menschen in Seenot sein, und der Mann im Turm hat sie retten können, weil er das Land anrief, damit Hilfe gesandt würde.
hat man uns nicht auch von Leuchtturmwärtern erzählt, die draußen in der Einsamkeit und Stille des Turmes wahnsinnig wurden?
Acht Wochen ohne Frauen!
Zwei Monate ganz einsam da draußen!
Der neue Hafen „An der Geeste" in Bremerhaven liegt in der Dunkelheit. Die Kaisermauer ist naß und schlüpfrig. Unten klackert das Wasser gegen eine Schiffswand.
Wenn man zum erstenmal über ein Fallreep geht, dann sucht man eine Stelle, wo man seine Füße am besten aufsetzen kann Man will das forsch und echt seemännisch machen, und so kann es sich ereignen, daß man ins Gleiten kommt und den Tonnenleger „Weser" mit dem hinterteil zuerst berührt, den man eigentlich nicht dafür bestimmt hatte.
Ein kleiner Fischlogger tackt mit Hellen Bullaugen vorbei. Es dauert eine ganze Weile, bis man sich daran gewöhnt hat, durch enge Kombüsen zu gehen und steile Treppen zu steigen. Der Tonnenleger, ein Schiff der Wasserstraßendirektion, macht täglich Fahrten zur Wesermünde hinaus in die offene Nordsee, versorgt die Mannschaften der Feuerschiffe und Leuchttürme mit Proviant, Kohle, Petroleum, Del, Post und Zeitungen, legt an den Fahrstraßen neue Tonnen, Bojen und Spieren aus, füllt die Leuchtbojen auf, repariert die Wasserwege und Zeichen im Meer, löst die Mannschaften ab — ist die Verbindung zwischen den Wach- und Vorposten an der Wesermündung, auf der Nordsee und dem Festlande.
Die Ufer der Weser treten weit zurück. Vor uns die Nordsee: Meer und Himmel, Grau an Grau. Sechsundzwanzig Seemeilen sind es bis zum „Roten Sand". Dreieinhalb Stunden Fahrt. Die Sicht ist schlecht.
Der Käpten hat mir unterwegs schon einige Winke gegeben. Alles halb so toll mit der Romantik, erklärte er, die haben ihre Arbeit. Mehr, als manch einer denkt.
Die Zeit ist vorbei, wo Leuchturmwärter ganze Dreivierteljahr auf einem Leuchtturm Dienst haben, heute kommt der Tonnenleger von Zeit zu Zeit heraus, bringt ihnen Post und Nachrichten von Hause. Und oben in der Turmkammer des Leuchtturms „Rote Sand" steht ein Vierröhren- Apparat, der die Wärter mit dem Land verbindet. Um sieben Uhr hören sie die neuesten Nachrichten. Hinrich Kimme und Dirk Temmen wissen über Abessinien besser Bescheid, als manch einer von uns. —
Ein paar hunderttausend Menschen gibt es in Deutschland, die den Leuchtturm „Rote Sand" schon gesehen haben. Die „Krait-durch-Freude"- Dampfer machen regelmäßig eine Ehrenrunde um ihn. Aber bestiegen haben ihn doch nur die allerwenigsten.
Endlich: ganz hinten der Leuchtturm. „Rote Sand" sagt der Käpten und ruft von der Brücke herunter seinen Jungens zu, daß sie die Petroleumfässer für den Turm bereitlegen sollen. Die Wärter haben schon gelünkert. Einer von ihnen steht in der Breite der Turmtür, die sich etliche zehn Meter über dem Meeresspiegel und dem eisernen Grundsockel befindet. Eine ganz nette Dünung hier. Um den Turm brodelt es. Schäumender Gischt spritzt ein paar Meter hoch auf und schlägt sich um den
Dieses Erlebnis wieder zu wecken, damit einen Vergleich zu ziehen: wie war es damals, wie ist es heute: das ist die Aufgabe der REK.
Ganz nüchtern fragen wir: Warum? Um, wie der Führer es will, damit an der vertieften Arbeit in der Bewegung mitzuarbeiten und dadurch ein Glied in der großen Gemeinschaft „Volk" zu werden. Indem sich jeder Kamerad von uns, rückblickend, Rechenschaft ablegt, wie sein Erlebnis der Gefangenschaft ihm zu neuem Denken brachte, in ihm eine neue Gesinnung legte, kann jeder begreifen, um was es heute im neuen Deutschland geht.
Aus unserer Barackengemeinschaft wurde unsere Arbeitsgemeinschaft.
Wie schaffen wir damit in der heutigen Zeit? Wir vergleichen unsere Einzelerlebnisse mit den heutigen neuen Fragen und sehen daran, daß desselben Fragen täglich damals in der Gefangenschaft uns gestellt wurden.
Beispiele:
I. Wie zwang uns die Baracke zur Volksgemeinschaft? Wir standen Mensch neben Mensch, zusammengezwängt, ohne Namen, ohne Titel, ohne Geld, Kopfarbeiter neben Handarbeiter. Alle waren wir gleich, alle nur gefangene, alle nur Kameraden.
Was will die Neichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener?
Zum Aautreffen in Limburg.
Licht rüst durch die Nacht
Drei Tage auf Vorposten im Meer.
Sockel. Das Schiff fahrt nur bis auf zehn Meter heran; für alle Fälle sind die Rammsäcke über die Reelmg geworfen. „Smiet de Sinn!" ruft ein Matrose.
3uerft bie Pakete. Ein Korb saust durch die Luft an der Leine, die straff gespannt, zwischen Turmtür und dem Mast am Vorderschiff, zittert. Zuerst denkst du an eine Schwebebahn, sitzst da eingeduckt m dem Korb, wenn die sausende Fahrt anhebt. Na- lurlich will man sich festhalten, legt die Hände um den Korbrand, aber jetzt fallen einem blitzschnell die Worte des Käptens ein: vor dem Krieg haben sie mal einen rübergehievt, da ist der Korb fest gegen die eiserne Turmwand geschlagen. Die Hände waren Matsch und der Mann im Korb tot.
Unten braust das Meer. Ein paar Arme haben ben Korb gefaßt und ihn in das Turminnere gezogen. Die Wärter bekümmern sich nicht um mich. Einer hat sich einmal kurz umgewendet: „So, Se bliewt up den Torm?" fragt er.
So beginnt mein dreitägiges Leuchtturrnleben.
Ganz unten, zehn Meter über dem Flußfpieael, ist der Vorratsraum. Eine Treppe höher: der Schlafraum mit neun Alkoven. In der dritten Etage ist die Küche, darüber das „Amtszimmer", und schließlich als Krönung oben im Turm, in der Kuppel, die riesigen Lampen mit blendenden Prismen und automatischen Blendvorrichtungen.
Alles ist genau eingeteilt. Hier mußte jeder Tag ein festumrisienes, vorgeschriebenes Programm bekommen.
Der „Koch" hat die erste Wache. Er macht das Frühstück und den Morgenkaffee fertig. Schlechte und rechte Seemannskost. Speckrüben, Goulafch und heute, zur Feier des Tages, Frischgemüse.
Sie lassen sich auch durck den Gast nicht stören. Während es unten aus der Küche heraufdustet, arbeiten die beiden anderen oben in der Kuppel und reinigen die Prismen und Lampen. Jeden Morgen, Tag für Tag, ist das so. Ab und zu sehen sie von ihrer Arbeit auf, nehmen den langen Kieker zur Hand und suchen das Meer ab, und ist es so
nah herangekommen, daß sie den Namen am Bug erkennen können, dann gehen sie in das „Amtszimmer", machen ihre Eintragungen und telegraphieren nach Bremerhaven durch, daß das Schiff soundso gesichtet ist: „Richtung Bremerhaven" oder „Ausfahrt Kanal England". Das mag den Reedern guten Dienst tun. Die an der Küste arbeiten ihre Wettermeldungen nach den Berichten aus, die täglich vom Turm durch den Draht laufen.
Aber das ist ja nicht die Hauptsache. Die Nacht kommt und sie liegt undurchdringlich und schwarz auf dem Meer. Du stehst oben auf dem Kuppel- runögang neben der großen Nebelglocke unter dem Lichtkegel, der über dir dus den Lampen schießt und die Nacht zerreißt. Ganz hinten glühen irgendwo Topplaternen auf von Schiffen, die den Weg nach Hause suchen oder in die Welt hinausfahren. Die Turmfeuer weisen ihnen den Weg.
Oben im „Amtszimmer" sitzt der Wärter und lieft in einem Buch, das Freunde des „Rote Sand- Leuchtturms", den alle Welt kennt, geschickt haben. Aus Australien sind Briese gekommen, aus England und Amerika. Es sind viele Mütter unter den Schreibenden, die ihren Sohn auf weiter See wissen...
Wenn du dich hinsetzt, die Hände in den Schoß legst und nichts tust, dann wird dich bald Langeweile überkommen. Man muß sich einfügen in den Arbeitsgang der Männer, die alles genau und präzise machen, weil ihnen Unendlichkeiten an Zeit zur Verfügung stehen. Das Mittagessen dauert genau eine halbe Stunde, das Fegen der Treppen eine Stunde. Der Tag ist eingeteilt vom Anfang bis zum Ende.
Und es vergeht ein Tag und eine Nacht und wieder ein Tag. Nachts wache ich plötzlich auf, höre den Sturm um den Turm heulen, der heftig zittert. Dirk Temmen hat die Bullaugen fest verschließen müssen. Die Gischt spritzt bis zur Kuppel, dreiundzwanzig Meter hoch. Oben fönt die Nebelglocke. Die Nordsee hat Sturm! Aber das Licht und die Glocke rufffl durch die Nacht. Die da draußen wissen Bescheid. Längst hat sich das Feuerschiff auf dem „Minseener Sand", ein paar Seemeilen von uns entfernt, losgerissen und ist an die Küste gefahren. Der Turm steht fest, und die Männer auf Vorposten wachen die ganze Nacht.
Hans H. Henne.
Jeder wurde bewertet, wie er als Mensch, als Kamerad lebte. Da wurden wir zu einer Volksgemeinschaft. Darum kann jeder Kamerad heute in der REK., wenn er an dieses Erlebnis zurückdenkt, wenn er daran denkt, wie dort bestes Menschenmaterial in allen Schichten, in allen Klassen gleichmäßig verteilt war, für die Volksgemeinschaft im neuen Deutschland einstehen und daran mitar- beiten.
II. Wie zwang uns die Baracke zur Arbeit aus eigenem Wesen? Die Arbeit, die der Feind von uns verlangte, kam uns sinnlos vor, sie kam nicht aus unserem eigenen Wesen, sie war für uns kein Schaffen. Rettung wurde für uns in dunkler Baracke zu lernen, aus uns selbst heraus, für Deutschland. Darum kann jeder Kamerad heute in der REK. verstehen, wenn es heißt, jeder Mensch im deutschen Volk hat in sich die Sehnsucht des deutschen Menschen, sich im Schaffen zu erfüllen.
III. Wie zwang uns die Baracke zu freien Menschen? Der Wille des Feindes brachte uns nicht zum Nachgeben, nicht zum Sichbeuaen. Immer störrischer, immer gerader wurde unsere Haltung, immer freier wurden wir innerlich.
Wir waren wohl Gefangene, doch niemals Sklaven. In uns wuchs ein freier Wille, der sich niemals zerbrechen ließ, der aber lernte, sich freiwillig unterzuordnen, wenn es zum Wohl des ganzen Lagers ging.
Darum kann jeder Kamerad heute in der REK. sich dem Volksganzen unterordnen, sich der Idee unterordnen, die zum Wohl eines ganzen Volkes nötig ist.
Iv. Wie zwang uns die Baracke zu neuen Menschen? Kriegsgefangenschaft war der Wendepunkt unseres Lebens. Sie zwang uns mit alten, übernommenen Ansichten zu brechen, wir mußten neu werden, wollten wir leben. Darum kann jeder Kamerad aus der REK. heute die Forderung der neuen Zeit begreifen, die verlangt, daß mit alten, morschen Ansichten gebrochen wird und daß dafür neue Anschauungen aus eigenem Wesen angepackt werden sollen.
Alles dieses schöpfen wir nicht aus Büchern, alles dieses schöpfen wir aus unserem Erleben.
Frhr. v. Lersner (Potsdam.)
Wohlgeborgen in deutscher Erde.
Französisches und irisches Soldalen-Denkmal in Limburg.
LPD. Limburg, 26. Juni. Am 27. und 28 Juni treffen sich mehrere tausend ehemalige Kriegsgefangene aus Süd- und Westdeutschland in Limburg zu einer Gautagung, an der auch eine Infanteriekompanie der Wehrmacht und
Das Franzosendenkmal auf dem Kriegs- gesangenen-Friedhof. (DNB.-Heimatbilder- dienst. Aufn.: Photo-Heinz.)
DNÖ
.4'.7-' ■/'
-M
spritzige Musik dazu geschrieben. Alles in allem: eine harmlos-heitere, sommerliche Unterhaltung. — Am Beiprogramm sieht man einen guten Kulturfilm, „Markttag in Nordafrika". — r —
Gloria-palast: „Die Puppenfee".
Das „Puppenfee"-Ballett (von Joseph Bayer) spielt in diesem Bavaria-Lustspiel, Wien um die Jahrhundertwende, eigentlich nur eine dekorative Rolle, obwohl es dem ganzen Film seinen Namen gab; es schafft einen bewegten und angeregten Schauplatz und liefert dem Regisseur E. W. Emo die geschickt ausgewerteten Motive zu der einzigen wirklich filmischen Szene, einer Silvesternachtvision nämlich der jungen Komtesse Felizitas. Eine viel wichtigere Rolle spielt dagegen ein nur flüchtig flatternd sichtbarer Kanarienvogel, der auf eine merkwürdige und lustige Art die verwickelte Liebesgeschichte und endlich die lang ersehnte Verlobung der Komteß mit dem Freiherrn Alexander von Kautzenbichl ins Reine bringt. (Magda Schneider und Wolf A l b a ch - R e 11 y.) An dem Durcheinander sind natürlich noch eine Anzahl anderer Zeitgenossen um 1900 beteiligt: eine der hübschesten und liebenswürdigsten Figuren sieht man von Hörbiger, der hier seinem angeborenen wienerischen Schauspielertemperament die Zügel schießen lassen kann, und für den man übrigens in Fritz Imhoff den richtigen, ebenfalls originalwienerischen Gegentyp gefunden hat. Die S a n d r o ck, wieder mal festgelegt auf eine ihrer bekannten „Korpskommandantenrollen", Lizzi H o l z s ch u h und Dagny S e r v a e s vervollständigen das kleine Ensemble. Ralph Benatzky hat «ne leichte,
„Herr Heinrich saß am Vogelherd".
Am 2. Juli sind es tausend Jahre her, daß König Heinrich I. in Memleben gestorben ist; der Gedenktag an diesen Herrscher, der in einem ganz beson- deren Sinne ein deutscher König gewesen ist, wird festlich begangen werden. Der Heidelberger Ge- schichtsforscher Prof. Dr. Willy Andreas veröffent- licht aus diesem Anlaß im Juliheft von Del- f) a g e n & Klasings Monatsheften einen auch bildlich fesselnden Beitrag, in dem er u. a. ge- raöe die Persönlichkeit des Königs anschaulich dar- stellt. Sie wirkte nicht durch Herrscherlichen Glanz, sondern durch ihre Echtheit, ihren Geradsinn, ihre Einfachheit. Er war ein Mann von gehaltenem Ernst, zur rechten Zeit auch einmal fröhlich, aber oon einer Zurückhaltung in der Art sich zu geben, die man als niederdeutsch empfindet. Die lieber« lieferung sagt ihm nach, er habe eine offene Hand für die Seinen gehabt, wie ihm denn auch fein Hausgesinde und seine Gefolgschaft unbedingt ergeben waren. Beim Mahle gesellig, vergab er doch nie etwas der königlichen Würde. Im'Kampfspiel überwand er alle, so daß er beinahe Furcht ein- flößte. Seine Überlegenheit im Reiterkampf und im Schwertgefecht verführte jedoch den nüchternen Mann nicht, damit zu prunken oder sich ruhmredig zu gebärden. Die Liebe zur Jagd paßte zu feiner mannhaft schlichten Art. Die äußere Erscheinung des Königs entsprach der Herrscherhaften lieber» legenheit seines Wesens. Breitschultrig und hoch- gewachsen, so wird er uns auf der Hohe seines Lebens und seiner Regierung geschildert, alle anderen überragend, mit klaren blauen Augen und kurz- gehaltenem blonden Bart. Fern jeder Phantastik, ohne den leisesten Anflug zum Abenteuerlichen, aller Schwärmerei abhold, ein nüchterner Mensch, der auch der Kirche gegenüber wohlbedachten Abstand wahrte, stand Heinrich fest auf dieser ErdÄ. Eine glückliche Verbindung von Kraft und Klugheit, oon Willensstärke und Maß, von Wucht und Milde macht Heinrichs Walten aus. Man versteht es, daß das Herrschertum eines solchen Mannes, der als Hüter von Friede und Recht empftinden wurde, in der Lohengrinsage fortlebt, die König Heinrich im fernen Brabant als Schirmherrn und Retter der Bedrängten austreten läßt.
Nationalpark Nobinson-Lnsel.
3uan Fernandez, die Znsel der Abenteuer.
Die Regierung von Chile hat soeben die 650 Kilometer westlich von der chilenischen Küste gelegene Inselgruppe Juan Fernandez zum „Nationalpark" erklärt und unter Naturschutz gestellt. Schilder und Führer werden künftig die berühmtesten Stätten aus der Geschichte von Juan Fernandez bezeichnen. Zugleich soll aber auch der Andenkenjagd ein Ende bereitet werden, durch die im Laufe der letzten Jahrzehnte wertvolle Erinnerungsstücke von den Inseln verschleppt wurden.
Juan Fernandez ist eine der merkwürdigsten Inseln des Stillen Ozeans. Ihre Geschichte ist reich an seltsamen Abenteuern und ungeklärten Rätseln. Ihren Namen verdankt die Insel dem spanischen Kapitän Juan Fernandez, der im Jahre 1563 im Auftrag der spanischen Konguistadoren mit seinem Schiff von Callao nach Valparaiso segelte. Ein Sturm verschlug das Schiff auf die bis dahin noch unbekannte Inselgruppe. Fernandez entdeckte zugleich einen Seeweg, der die bisher eingeschlagenen Seglerrouten längs der Küste erheblich abkürzte. Aber sein Bericht über die Auffindung einer neuen fruchtbaren Insel und seine unwahrscheinlich schnelle Fahrt wurds von den chilenischen Machthabern als Zauberei ausgelegt, und der kühne Kapitän entrann mit knapper Not dem Hexenrichter. Der Statthalter oon Peru, Pizarro, rettete ihn vor dem Todesurteil und schenkte chm sogar die von ihm entdeckte Insel.
Fernandez siedelte sich später auf seiner Insel an. Aber nach einem anfänglich sehr erfolgreichen Handel mit Seehundfellen und Fischen verließen ihn seine Matrosen, denen das Einsiedlerleben nicht be- hagte, und Fernandez kehrte als armer Mann nach Spanien zurück. r
Ein Jahrhundert später ergriffen spanische Je- suiten Besitz von der Insel. Sie legten Kartoftel- felber, Gemüse- und Obstgärten an, setzten zahlreiche Ziegen aus und trugen sich mit dem Plan, aus Juan Fernandez eine große Kolonie ihres Ordens zu machen Aber auch diese Pläne scheiterten. Juan Fernandez wurde ein Schlupfwinkel der englischen Flibustier, die um 1670 den Stillen Ozean be- herrschten.
Der Piratenkapitän M o r g a n, vor dessen Flottt die spanischen Kauffahrer zitterten, erwählte sich diese wenig besuchte Inselgruppe zum Ausgangspunkt feiner Raubfahrten. Auf der größeren der
des Grafen S p e e nach tapferem Kampf ins Meer sank. In einer schützenden Bucht vor Mas a tierra suchte die „Dresden" Zuflucht vor den Verfolgern. Doch schon am 14. März wurde sie von drei englischen Kriegsschiffen entdeckt und angegriffen. Da die Maschinenanlage defekt war, vermochte sich das manövrierunfähige Schiff nur schwach zu wehren. Nach kurzem Kamps verließ die Mannschaft den Kreuzer und versenkte ihn. Acht in dem Gefecht gefallene deutsche Matrosen fanden in der Erde oon Mas a tierra ihre letzte Ruhestätte...
Noch sind mancherlei Spuren und Zeugnisse dieser wechseloollen Geschichte von Juan Fernandez zu sehen. Die Fremdenführer, die in diesem seltsamen Nationalpark tätig sind, zeigen den Reisenden die Hohle, in der der wahre Robinson einst gehaust hat, den Felsen, von dem er sehnsüchtig Tag für Tag nach einem Schiff ausschaute, die Bäume, die einst von den Jusuiten gepflanzt wurden, und die Bucht, auf deren Grund neben spanischen Goldschiffen der letzte Kreuzer des Heldengrafen Spee ruht... G. F.
beiden Hauptinseln, Mas a tierra, hatten die Seeräuber jahrelang ihr Lager aufgeschlagen. In einer ihrer Buchten ruhen noch die drei spanischen Schiffe, die dort 1675 in einen Hinterhalt Morgans gerieten und nach heftigem Kampf von den Piraten gekapert und versenkt wurden. Und irgendwo zwischen den Felsen auf Mas a tierra soll angeblich noch der riesige Goldschatz ruhen, den der Piratenkönig hier vergraben ließ. Unzählige Abenteurer durchsuchten später die Insel nach dem sagenhaften Morgan-Schatz. Aber er ist bis heute noch nicht gefunden
Berühmt geworden ist Juan Fernandez vor allem durch seinen „Robinson", den englischen Seemann Alexander S e l k i r k, dessen Schicksale Daniel D e f o e — allerdings mit vielen dichterischen Zutaten — beschrieben hat. Aber Selkirk war nicht der erste Einsiedler auf Juan Fernandez. Schon 20 Jahre vor ihm wurde ein Moskito-Indianer von Freibeutern auf der Insel ausgesetzt. Er hieß Robin, und nach ihm hat Defoe auch sein Buch benannt. .
Auch Selkirk war Offizier auf einer Piraten- fregatte. Er faßte 1704, als die Seeräuber Juan Fernandez anliefen, den Entschluß, auf der Insel zurückzubleiben, da er die Grausamkeit feines tyrannischen Kapitäns nicht länger zu ertragen glaubte. Fünf Jahre hauste er dann auf der Insel — ohne den „Freitag", den ihm Defoe in feinem Buch zum Begleiter gegeben hat! Er erlebte mancherlei aufreaenbe Abenteuer, so eine verzweifelte Flucht vor Spaniern, die sein Versteck ausfindig gemacht hatten, und denen er nur durch seine ungewöhnliche Schnelligkeit entrann. 1709 wurde er von den Mattosen eines englischen Kriegsschiffes gerettet. t _ .. , , . .
Was die Inseln für die Seeräuber besonders wertvoll machte, waren die hefigen Herden wilder Ziegen, die seit den Zeiten der jesuitischen Kolo- nisten auf Juan Fernandez hausten. Um den Flibustiern diese natürliche Dorratsquelle zu nehmen, setzten die Spanier im 18. Jahrhundert ganze Rudel von Bluthunden aus, die den Ziegen den Garaus bereiten sollten. Aber in dem jahrelangen Kamps, der sich zwi chen Hunden und Ziegen abfpielte, blieben die Ziegen schließlich Sieger. Noch heute sind die Inseln von großen Ziegenherden bewohnt, Nachkommen jener von den frommen Patres ausgesetzten Ziegen, die sich in drei Jahrhunderten ungeheuer vermehrten...
Im März 1915 gelang es dem deutschen Kreuzer „D r e s d e n", aus der Seeschlacht bei den Falklandinseln zu entkommen, wo das Geschwader


