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m. 276 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Mittwoch, 25. November 1936

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Das Opfer des Zustizfrevels von Rowo-Gibirsk.

Schicksal eines deutschen Marxisten im fowjetrufsifchen Arbeiterparodies

Wer ist Emil Stickling?

Berlin, 24. Rov. (DBB.) Wie sich nach einer Bochumer Mitteilung heraussiellle, ist der in Nowo­sibirsk von einem Sowjelgecicht in einem Theater­prozeh 3 um Tode verurteilte deutsche Bergingenieur Emil Stickling der Sohn eines Schachtmeisiers aus Wanne- Eickel und hat feine Laufbahn selbst als Gru­benarbeiter begonnen. Er hat am Weltkrieg teilgenommen und galt als Marxist. 1929 wurde er von einer deutschen Firma für einen grohen Auftrag in Sowjelruhland angeworben. Er ging

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Der deutsche Ingenieur Stickling. (Scherl-M.) als marxistischer Arbeiter nach Sow­ie truhl and, um die Leistungen des Bolsche­wismus kennenzulernen. Als der Auftrag feiner Firma beendet war, trat er, wie Verwandte Stick- lings mitteilen, notgedrungen in die Dienste einer fowjetrufsifchen Firma, da er sich inzwischen in Sowjetruhland erneut verheiratet hatte, seiner Frau aber, die nach sowjetrussi­schem Gesetz Sowjetbürgerin bteibt, die Aus­reise aus S o w j e t r u h l a n d nicht mög- l i ch war.

Stickling ist, wie soviele deutsche Arbeiter, die mit grohen Hoffnungen nach Sowjetruhtand gingen und dort vielleicht ihrer grenzenlosen Enttäu­schung Ausdruck gaben, ein Opfer der sow­jetrussischen Rachejustiz geworden. Er wurde in unmenschlicher Weise gequält und gefoltert, und es wurde von ihm schlieh- lich ein sogenanntes Geständnis erpreßt, wie man es bei allen bisherigen sowjetrussischen Schau- prozesfen nachgerade gewohnt ist. Es kann festge­stellt werden, dah über Stickling feit seiner Auswanderung nach Sowjetrußland bei deut­schen Stellen nicht das Geringste mehr be- könnt geworden ist. Der Fall Stickling ist ein er­neuter Beweis dafür, dah auch deutsche Mar­xisten vor dem hah der Sowjetmachthaber nicht sicher sind und ihnen im Lande der Bolschewisten das gleiche Schicksal blüht wie allen Deutschen.

Auch SMina steht im Schutz des Reiches.

Obwohl Stickling Marxist war, hat sich die Reichs- regierung trotzdem mit aller Kraft seines Schicksals angenommen, denn es spielt für das nationalsozialistische Deutschland keine Rolle, welche Weltanschauung der deutsche Volks­genosse im Auslande früher vertreten hat. Die deut­sche Volksgemeinschaft als Schicksalsgemeinschaft nimmt fich selbstverständlich jedes deutschen Volksgenossen und Reichsangehöri- gen an, dem im Auslande Unrecht widerfährt. Jeder deutsche Reichsangehörige ist auch im Aus­lande des Schuhes der deutschen Volksgemeinschaft sicher. Es ist eine Frage der Ehre der deutschen Ration, keinen Angehörigen dieses Volkes jemals preiszugeben. Die bolschewistischen Siele, die von den Machthabern im Kremt mit dem Prozeß gegen den Ingenieur Stickling verfolgt wer­den, sind jedem Denkenden klar. Daher wendet sich die deutsche Reichsregierung mit Nachdruck gegen ein offensichttiches Theaterverfahren, das, durch­sichtig in seiner Absicht, nicht den Ingenieur Stick­ling, sondern den Deutschen in ihm treffen soll.

Vier wettere Reichsdeutsche verhaftet.

Moskau, 24. Nov. (DNB.) Nach einer Mittei­lung der Agentur des Außenkommissariats in Char­kow sind am 21. d. Mts. dreiweitereReichs-

angehörige verhaftet worden, nämlich Monteur Friedrich Bösherz der Zschocke-Werke, Kaiserslautern, Reinhold Schindler aus Jena, beide in Mariupol und Hermann S t a m m e r, Elektromonteur, gebürtig und wohnhaft in Char­kow. Der ehemalige Kriegsgefangene Beriebsleiter Heinrich Schäfer aus Tfchurnysch (Kasakstan) wurde am 21. Oktober auf seiner Arbeitsstelle bei Frunso ohne Angabe eines Grundes verhaftet. Er befndet sich in Semipalatinsk und war am 11. No­vember noch nicht verhört. Wie verlautet, wird er derKonterrevolution zugunsten Deutschlands" be­schuldigt. Die deutsche Botschaft in Moskau ist bemüht, die Fälle aufzuklären.

Die Verhaftungswelle.

Auch Führer der Roten Armee bleiben nicht verschont.

Warschau, 24. Nov. (DNB.) Der Berichter­statter des DNB. hatte Gelegenheit, sich von frühe­ren österreichischen Schutzbündler und Kommunisten, die aus der Sowjetunion ausgewiesen wurden und jetzt in ihre Heimat zurückreisen, über den Umfang der Verhaftung der GPU. berichten zu lassen. Allein in das Moskauer Butyrki-Gefängnis, das besonders für politische Gefangene bestimmt ist, werden täglich einige DutzendTrotz­

ki st en" eingeliefert. Nach kurzem Aufenthalt wer­den die Gefangenen in der Regel f ü r fünf Jahre in d i e Zwangsarbeitslager ver­schickt. Die Zahl der politischen Gefangenen, die in diesem Jahr allein durch dieses eine Moskauer Gefängnis gegangen ist, beläuft sich auf etwa 8 0 0 0 0. Unter den in letzter Zeit in das Butyrki- Gefängnis eingeliefertenTrotzkisten" befindet sich auch einer der höchsten Armeeführer, Marschall Gamernik, der unlängst mit 64 General­stabsoffizieren verhaftet wurde. Die meisten politischen Gefangenen kommen in das Bam-Lager", das an derBaikal-Amursk-Magi- strale" in Ostsibirien liegt und in dem sich mindestens 800 000 bis 900 000 politische Gefangene und Verbrecher befinden. Ein zweites Zwangs­arbeitslager befindet sich in der Tajga-Steppe mit der Zentrale Tschibju an der Pjetschura. In diesem Lager, in dem im vorigen Winter bis 54 Grad Kalte gemessen wurden, befinden sich etwa 50 000 Gefangene. Aus allen Berichten geht hervor, daß man sich in den europäischen Ländern völlig un­zureichende Vorstellungen über den Terror und das Ausmaß der täglichen Verhaftungen in der Sowjet­union macht. Es gibt heute in der ganzen Sowjet­union wahrscheinlich niemand, der nicht wenigstens einen Angehörigen in einem Zwangsarbeitslager oder in einem Gefängnis hat.

Enimsteles Scho in aller Well.

Ein aggressiver Akt.

Budapest, 24. Nov. (DNB.) Das Todesurteil in Nowo-Sibirsk wird übereinstimmend als eine politische Herausforderung beurteilt. DerPester Lloyd" schreibt, die Haltung der sowjetrussischen Regierung in dieser Angelegenheit sei vollkommen unbegreiflich oder viel zu deutlich und verrate jeden­falls die unlautere Taktik, den Widerstand der Geg­ner- mit allen Mitteln herauszufordern, um dann vor der irregeführten Welt in der Rolle des schutz­bedürftigen Angegriffenen dastehen zu können. Daß ein politisches Todesurteil gegen einen Ausländer, ohne normales Gerichtsverfahren und ohne die Kontrolle der Oeffentlich- keit gefällt, einen aggressiven Akt * gegen den Staat des Verurteilten darstellt, liege auf der Hand, und in Moskau wisse man das ganz genau. Es sei zu hoffen, daß die unparteiischen Mächte sich auf dieses dreiste Spiel nicht einlassen und Moskau den dringendsten Rat zur Mäßigung und Selbstbe­sinnung erteilen würden. Es handle sich hierbei heute nicht mehr um eine innersowjetrussische Ange­legenheit, sondern um einen schweren inter­nationalen Konflikt.

Ein gefährliches Sviel.

Wien, 24. Nov. (DNB.) Die Nachricht von dem Schandurteil in Nowo-Sibirsk hat in Wien wie eine Bombe eingeschlagen. Die kommunistenfeindliche Be­wegung, die in letzter Zeit einen starken Auftrieb erhalten hat, wird dadurch noch wesentlich gestärkt werden. Die amtlicheWiener Zeitung" gibt der Ansicht Ausdruck, daß sich die Sowjetdiplomaten für ihre Mißerfolge der letzten Zeit an Deutschland rächen wollten, und schreibt:Wenn sich der Stalin-Staat irgenwie in der Klemme befindet, dann veranstaltet er nach Massenverhaftungen verwegene Schauprozesse, deren letzte Beweggründe gewöhnlich nur den ganz wenigen Drahtziehern des Kreml be­kannt sind. Es sind dies sozusagen plötzliche Stich­proben für die Haltbarkeit des S y - ft e m 5 , Versuche, wohl auch, die Aufmerksamkeit der Welt durch Herausforderungen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Wie im Jahre 1928 sind jetzt wieder deutsche Ingenieure und sonstige reichsdeutsche Staatsbürger das Opfer einer sichtlich politischen In­quisition. Ein reichsdeutscher Ingenieur wurde zum Tode verurteilt. Begreiflich, daß eine Woge der Entrüstung durch das Reich stürmt. Offensichtlich will der Bolschewismus ein sehr gefährliches Spiel wagen, um sich für die Mißerfolae der Diplomatie zu rächen, und um den eigenen Anhän­gern durch gewaltiges Auftrumpfen zu imponieren. Ein ehrliches Wirken für den Frieden müßte aller­dings ganz andere Vorzeichen haben.

Eine Herausiorderuna der aanzen zivilisierten Wett.

Rom, 24. Nov. (DNB.) Die fowjetrufsifchen Todesurteile finden in der italienischen Presse stärkste Beachtung.Giornale d'Jtalia" spricht von einemunerhörten Prozeß", undTribuna" betont, daß die sowjetrussische Herausforderung nicht nur gegen das Reich, sondern gegen d i e ganze zivilisierte Welt gerichtet sei. Der grausame und ruchlose Versuch, für das völlige Scheitern der sowjetrusischen Grundsätze einige wenige Auslän­der verantwortlich zu machen, müsse aufs schärfste verurteilt und allgemein ab­gelehnt werden. DerCorriere della Sera" stellt fest, daß das Urteil von Nowo-Sibirsk die Span­nungen zwischen Berlin und Moskau in einer Weise verschärft habe, die noch Weiterungen er­warten lasse. Die Sowjetregierung ziele darauf ast, einen Bruch mit Berlin herbeizuführen.

Kommunistisches Theater.

Basel, 24. Nov. (DNB.) Zu den sowjetrussi­schen Todesurteilen bringt als einziges Schweizer Blatt, dieThurgauer Zeitun g", einen aus­führlichen Kommentar. DieThurgauer Zeitung" meint, alle Angeklagten hätten mit so erstaunlich lückenlosenGeständnissen" aufgewartet, daß man sie alle alsSelbstmörder" bezeichnen müßte, wenn sie sie tatsächlich abgelegt hätten. Sofern der deutsche Ingenieur Stickling tatsächlich nach den Plänen ge­handelt hätte, die er allerdings unter Aus­schluß der O e f f e n t l i ch k e i tzugebe", dann würde er wohl kaum ein so offenes Geständ­nis abgelegt haben. Daß etwas daran nicht stimme, scheine gewiß. Zweifellos werde man in den nächsten Tagen auch erfahren, daß die Ver­urteilten hingerichtet worden seien, aber, so meint das Blatt, an einer solchen Meldung werde - man mit Recht zweifeln dürfen, denn alles deute darauf hin, daß die Verurteilten Leute seien, die nicht wie behauptet von einer ausländischen Macht, sondern allein von der Kommuni st ischen Partei dazu gedungen worden seien, Sow­jetrußland und der Welt ein Theater vorzu- spielen.

Unsicherheit im Kreml.

Das Antzenkommissariat für Begnadigung.

L o n d o n , 24. Nov. (DNB.) DerDaily Expreß" veröffentlicht eine Meldung seines Berichterstatters in Warschau. Darin heißt es:Diktator Stalin be­rief eine Sondersitzung der Sowjet- regierung in den Kreml, um die durch das Todesurteil gegen Stickling geschaffene Lage zu besprechen. Die Sowjetführer spalteten sich in zwei Gruppen. Beamte des Außenkom- missariats und Gemäßigte, die durch Berlins heftige Ausbrüche beunruhigt find, forderten die Begnadigung. Die radikalen Kommunisten behaupteten, daß es der Wille des Sowjetvolkes sei, daß derfaschistische Hund" Stickling sterben soll, und verwiesen auf Hunderte von Telegrammen ört­licher kommunistischer Parteigruppen aus der Sow­jetunion, die den Tod verlangten. Sie setzten sich mit Verblendung über die Befürchtungen der außen­politischen Sachverständigen hinweg, daß Deutsch­land eine kraftvolle Aktion unternehmen könne, und drängten Stalin, ein Beispiel zu st a - t u i e r e n , um den Terrorismus in der Sowjet­union auszurotten. Eine Stunde vor der stürmischen Sitzung sprach der deutsche Botschafter Graf von der Schulenburg noch einmal im Außenamt vor und verlangte dringend, daß eine günstige Ant­wort auf seinen Schritt zur Begnadigung so bald wie möglich gegeben werde. Der stellvertretende Außenkommissar K r e ft i n f f i sagte dem Botschaf­ter, daß vor der Sitzung keine Antwort gegeben werden könne. Zu später Nachtstunde wartete Botschafter Graf Schulenburg noch immer.

Abscheu in London

London, 24. Nov. (DNB.) Die englischen Blät­ter bringen ausführliche Berichte über das skanda­löse Urteil von Nowo-Sibirsk. Wenn eine eigent­liche Stellungnahme in den Berichten auch noch nicht enthalten ist, so zeigt doch die Form der Be­richterstattung und die Schilderung der Entrüstung in Berlin deutlich, daß die englische Presse sich voller Abscheu von einer derartigen Justizmethode abwendet.Times" sagt, das ganze Gerichtsver­fahren habe sehr dem gegen Sinowjew geglichen. Die Angeklagten sollen angeblich die phantastischsten Verschwörungen und Verbrechen gegen den Staat eingestanden haben.Daily Telegraph" überschreibt seinen Bericht:Angebliche Spionage und Sabo­tage", woraus schon das Mißtrauen gegen das Urteil spricht.

Zwischen Dardanellen und Katalonien.

Von unserem römischen 6-Korrespondenten.

Rom, Ende November.

Wechselnde Bewölkung über dem Mittelmeer. Wenn das berühmte Azorenhoch und das nicht minder bekannte, wenn auch weniger beliebte Js- landtief sich einmal so verlagern sollten, daß sie sich gegenseitig decken wie gleichgroße Scheiben, so mutz das ungefähr so aussehen wie die gegenwärtige Wetterlage zwischen England und Italien: die be­rühmte Entspannung und die nicht minder be­kannte Spannung decken sich wie kongruente Figu­ren. Mit dem dafür eingebürgerten mathematischen Zeichen könnte jeder Tertianer den gegenwärtigen Zustand einfacher und genauer ausdrücken, als es den Kommissionen und Unterkommissionen in Genf unter Zuhilfenahme eines Doppelzentners Akten­papiers möglich wäre.

In einundderselben Zeitungsspalte findet man das von Mussolini angeregte, von London begrüßte Gentlemens Agreement, die wieder in Italien ein­treffenden englischen Kohlen, die Reise Grandis nach Nom, die fällige französische Mißstimmung über die neue Verbrüderung und einen Aus­bruch über die tollen Anmaßungen der Engländer einerseits, wie eine fühlbare britische Verschnup- fung andrerseits. Es ist heute eben so, daß die Rotationsmaschinen nicht mehr nachkommen. Zu schnell ändern sich die Dinge, brechen die Ereignisse aus, wechseln die Meinungen.

Beginnen wir mit jenen Vorfällen, die geeignet sind, die bekannten diplomatischen Beziehungen ab­zukühlen. Was ist geschehen? Nun, nicht mehr und nicht weniger als die Gründung einer italienisch- japanischen Interessengemeinschaft. Aber die sonst so lordhaft-vornehm zurückhaltenden Times haben vor Schreck den Zylinder verloren und poltern nun los wie ein Droschkenkutscher: Also Italien aner­kennt Mandschukuo und Japan dafür Abessinien wenn nicht viel Ehre in diesem Geschäft zu er­blicken ist, so doch wenigstens die gegenseitige Be­wunderung zwischen Dieben. So steht das da und wird in Rom gelesen. Zusammen mit dem Reuter- Kommentar über die verheißungsvolle Aussprache zwischen Grandi und Eden.

Uebergehen wir die Rückäußeruna der römischen Diebe", um nicht ins parlamentarische Fahrwasser zu geraten, und verzeichnen wir nur das, was die italienischen Zeitungen dazu sachlich zu sagen und zu fragen haben. Hat England vielleicht, so fragen sie, fein aus soundsoviel Kolonien zusammengesetztes Weltreich fix und fertig vorgefunden ober vom Völkerbund geschenkt erhalten? England kann nicht verlangen, so sagen sie, daß alle ohne seine Vor­mundschaft zustandegekommenen Vereinbarungen anderer Länder als gegen England geschlossen be­trachtet werden müssen. Und wenn die Herren in London kritisch auf das italienisch-japanische Verc hältnis schauen, so könnten wir uns einmal ein­gehender mit dem türkischen Flottenbesuch in Malta und dem holländischen im indischen Archipel be­fassen.

In der Tat sind ja die Hafenrechte, die sich Eng« land bei wichtigen Anstößern im Mittelmeer zu sichern wußte, keine Lappalie, und der Schutz, den die holländische Flotte unter Umständen im briti­schen Singapore finden kann, steht nach Meinung des Admirals Holfrich, des Kommandanten der holländischen Ostindienflotte, demjenigen gleich, den Java den Briten bieten kann. Nun braucht es, hört man noch die englischen Meinungen über den an­geblich harmlosen Bolschewismus, nicht viel Kombi­nationsgabe, um zu erkennen, daß das heutige Großbritannien im Gegensatz zu Old England Japan weit mehr fürchtet als Rußland.

Vom Land der aufgehenden Sonne zum Schwar­zen Meer mit seinen auslaufenden Hilfsschiffen für die erträumte Sowjetkolonie Spanien ist jetzt aber nur ein Sprung und der Leser wird sich erinnern, welche Bedeutung man in Rom der plötzlich wieder­auflebenden Dardanellenfrage beilegte. Um aleich das gewagteste Bild hinzuwerfen: Italienische Kriegsschiffe verhängen die Quarantäne über Kata­lonien, um das Einschleppen der Moskauer Pest zu verhüten. Die möglichen Weiterungen kann sich jeder nach seiner Phantasie ausmalen. Wir wollen nicht schwärzer sehen, als es unbedingt sein muß, dürfen aber auch nicht den Kopf in den Sand stecken, nachdem Mussolini fest entschlossen ist, ei» Festsetzen Rußlands im Mittelmeer unter kei­nen Umständen zu dulden, nicht einmal eine aktive Propagandazentrale, wie sie ein scheinbar katalanischer, in Wirklichkeit sowietrussischer Staat sein würde.Wenn einige Großmächte in Montreux den sowjetrussischen Kriegsschiffen die Pforten zum Mittelmeer öffnen zu müssen glaubten, so sind Italien und andere starke und entschlossene Natio­nen bereit, zu verhüten, daß aus dem großen Irr­tum (gemeint ist die Oeffnung der Dardanellen) der Beginn der Zerstörung der euro­päischen Ordnung werde." So schreibt un­mißverständlich das Giornale d'Jtalia.

Bezeichnend, daß die gemeinsame deutsch-italie­nische Anerkennung der spanischen National-Regie- rung und die Blockade Kataloniens nicht nur in Moskau einen Wutausbruch verursachte, sondern auch in Frankreich zu kopflosen Betrachtun-

Kein Volk lebt länger

als die Dokumente seiner Kultur!

Adolf Hitler auf dem Reichsparteitag 1935