Nachdruck verboten!
7. Fortsetzung.
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ch Lauter, 24. Sept. Gestern hat die Dresch, maschine nach sechswöchiger Arbeit die dies, jährige Druscharbeit beendet. — Am kommenden Samstag beginnen die diesjährigen Herbstferien, die bis Mitte Oktober dauern. — Nächste Woche werden die Gemeindeäpfel versteigert. Für Wirtschaftsäpfel zahlen die Händler augenblicklich 8 Mark für 50 Kilogramm.
od Langsdorf, 24. Sept. Heute wurde einer unserer letzten Zeugen großer deutscher Vergangenheit zu Grabe gebracht, der Zimmermeister Heinrich Weil. Aus Bellersheim gebürtig, diente er seit 1869 bei der hessischen Artillerie, mit der er im Juli 1870 gegen Frankreich ins Feld rückte. Die siegreichen Kämpfe um Metz brachten ihm die Feuertaufe. An dem für die hessische Division so ruhmvollen, aber auch blutigen Tag von Grave- lotte bediente er hart am Feind sein Geschütz noch ganz allein, als alles um ihn her tot und verwundet lag. Die Regimentsgeschichte erwähnte deshalb ehrend seinen Namen. Im Yager vor Metz erkrankte Weil und wurde in der Heimat geheilt. Danach kehrte er wieder zu seinem Truppenteil zurück und nahm an den Kämpfen im Raume der Loire teil. Der Artillerieverein gab seinem ältesten und Ehrenmitglied das letzte Geleite. Unser nunmehr noch einziger Alt-Veteran trug seinem Kameraden, vor dem Sarg herschreitend, seine Ehrenzeichen voraus. Der Vorsitzende der Artilleristen, unser Ortsbauernführer Wilhelm Bender III., widmete dem Verewigten reffliche Worte des Nachrufs, in denen der Tapferkeit und Vaterlandstreue des Verblichenen ehrend gedacht wurde.
Kreis Friedberg.
)( B u tz b a ch , 24. Sept. Im Rahmen der Wein-Werbe-Woche fand gestern abend im großen Saale des „Hessischen Hof" ein Volkswinzer- f e st statt. Eine gute Vortragsfolge füllte den Abend aus, der in der Hauptsache von dem über 30 Mann starken Orchester der Kapelle der Butzbacher Werke für Eisenverarbeitung bestritten wurde. Daneben wartete die Mandolinen- und Mundharmonika-Vereinigung mit passenden Musikstücken auf. Wie beim ersten Abend, so zeigten auch diesmal die Turnerinnen des Turn- und Sportvereins auf die Veranstaltung abgestimmten Volkstänze.
= Münzenberg, 24. Sept. Gestern wurde hier das Gemeindeobst versteigert. Da das Angebot gering, die Nachfrage aber recht groß war, wurden ziemlich hohe Preise erzielt. Äm Baum kosteten Wirtschaftsäpfel durchschnittlich 8—10 RM., bessere Sorten bis zu 15 RM.; Birnen galten bis 8 RM.; Zwetschen bis 4 RM.
Kreis Schotten.
+ Groß-Eichen, 25. Sept. Der Turnverein G r o ß-E i ch e n veranstaltet am morgigen Samstag und Sänntag sein Abturnen. Der Turnverein Ober-Seemen wird aus diesem Anlaß in unserem Orte zu Gast sein. Der Samstag bringt einen Gemeinschaftsabend. Der Sonntag wird durch Wettkämpfe ausgefüllt sein.
Kreis Alsfeld.
# Aus dem oberen Ohmtal, 24. Sept. Schon ganze Wagenladungen Zwetschen sind aus den Dörfern verfrachtet worden, und immer noch nimmt der Zwetschensegen kein Ende. Vielen Bauern fehlt es an Zeit, jetzt, wo rege Nachfrage nach Zwetschen herrscht, diese alle zu pflücken. Mehr als genug bleiben für den eigenen Haushalt übrig, und mancher Kessel Mus wird in diesem Herbst gekocht werden. Die Kartoffelernte ist in vollem Gange. Der Ertrag befriedigt.
Schwere Bluttat an der Bergstraße.
Den Schwiegersohn mit dem Messer lebensgefährlich verletzt.
LPD. Heppenheim a. d. B., 24. Sept. In der kleinen Bergstraßengemeinde Oberlaudenbach kam es zwischen dem 72 Jahre alten Landwirt Horneff und seinem 50jährigen Schwiegersohn Maier im Garten zu Auseinandersetzungen. Maier, der mit dem alten Mann Anteil an der Ernte eines Apfelbaumes hatte, wollte fein Obst abmachen, wogegen Horneff Einspruch erhob. Als Maier dem Willen des alten Mannes nicht nachkam, schlug dieser mit einer Hacke auf seinen Schwiegersohn ein und griff schließlich zu einem Messer, mit dem er Maier lebensgefährliche Stiche in den Leib und in die Brust beibrachte, so daß M. in lebensgefährlichem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Horneff wurde in Haft genommen.
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John Herbing läßt seine Orangeade stehen, klemmt sich den Tennisschläger unter den Arm und bummelt langsam den Kiesweg zu den Plätzen hinunter. Er kommt gerade in dem Augenblick als Hanna Brandes mit ihrem Partner den Platz wechselt.
„Tag, Güdt. Pech heute, was?"
Der lange Jurist sieht auf, deutet dann auf Hanna.
„Sie hat schlecht geschlafen oder Wut. Jedenfalls schläft sie hier weiter und verpaßt die bequemsten Bälle." t
„Sie übertreiben/' wehrt sich Hanna und bekommt rote Ohren. „Güdts Bälle sind nicht zu kriegen, wenn man in der prallen Sonne steht.
„Quatsch," sagt Güdt bloß verärgert.
„Geben Sie mir den Satz ab, Güdt? Darf ich Mich übrigens vorstellen — Herbing."
„So, Sie sind Herbing. Ich habe schon manchmal von Ihnen gehört." ei r , ..
Während Hanna ihre Hand ausstreckt, sehen ihre grauen Augen in die dunklen des Mannes. Ihre Blicke halten einander für Sekunden fest; unauffällig richtet sich John Herbing aus seiner saloppen Haltung auf, das Mädchen hat etwas an sich, das "'ne leise Korrektur aus der Lässigkeit in ange - veutete Ehrerbietung verlangt. Und warum sollte nian das nicht tun, wenn man die Absicht hat, von Hanna Brandes mehr zu erfahren?
„Wie ist das mit dem Satz, Güdt? , fragt Herbing noch einmal, er hält es nickt einmal für notwendig, den Juristen dabei anzusehen.
„Wenn es dir Spaß macht, und Fraulein Brandes will, — bitte. Ich habe mich so abrennen müssen, daß mir eine Selter jetzt sehr gut tut. Habt ihr etwas dagegen, Brunner?", ruft der Jurist gereizt über den Platz und wischt sich seinen Kahlkopf mit dem Handtuch ab.
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Vornan von Ilse Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68
Braune Messe in Gießen.
Eröffnung am heutigen Ireitagnachmittag. — Heimische Wirlschastskreise werben in zahlreichen Ausstellungsständen.
Ja wochenlanger organisatorischer Vorarbeit und in regem Schaffen der handarbeitenden Kräfte ist in der Gießener Dolkshalle, veranstaltet von dem Institut für Deutsche Wirtschaftspropa- ganda in Berlin, eine „Braune Messe — Deutsche Woche" unter der Ausstellungsleitung von Gustav Hinte geschaffen worden, die am heutigen Freitagnachmittag mit einer Eröffnungsfeier der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Kreisleiters Dr. Hildebrandt. Sie soll als Ausstellung für Handwerk, Industrie, Handel und Landwirtschaft allen Bevölkerungskreisen die Leistungsfähigkeit der heimischen Wirtschaft vor Augen führen und damit zu einem Faktor des weiteren wirtschaftlichen Aufstiegs in unserer engeren Heimat werden.
Für die Ausstellung steht eine Fläche von rund 6000 Quadratmeter zur Verfügung, die sich über den Raum der Dolkshalle und ein hinzugenommenes Freigelände an der Ostseite der Volkshalle nach dem Trieb zu erstreckt. 110 ausstellende Firmen haben auf diesem Gelände ihre Stände aufgebaut. Die Ausstellung ist in a ch t Abte i l u n g e n gegliedert, die sich im einzelnen wie folgt darbieten: 1. Abteilung „Handwerk und Gewerbe", 2. Abteilung „Technik in Küche und Haus", 3. Abteilung „Schönheit der Wohnung", 4. Abteilung „Volks- und Hauswirtschaft", 5. Abteilung „Bekleidung und Wäsche", 6. Abteilung „Schaffende
des Reichsnährstandes, die Werbearbeit des städtischen Verkehrsamtes und interessante Ausschnitte aus den geistigen Werkstätten der Universität zur Geltung. Bon besonderem Interesse wird es aber auch sein, in dieser Abteilung an Hand von aufschlußreichem Material die Arbeit der NS.-Volks- wohlfahrt in Augenschein nehmen zu können. Erfreulich ist die Tatsache, daß man beim Aufbau der Warenschau in der Halle auch auf die Verschöne- runa des Gesamtbildes durch die Anlage von hübschen Blumen- und Rasenflächen Bedacht genommen hat.
Das Freigelände neben der Dolkshalle dient vor allem zwei Einrichtungen: dem Tagungszelt und der Sonderschau „Der Garten". Das Tagungs- zelt ist rund 1000 Quadratmeter groß. Hier wird am heutigen Freitagnachmittag die Eröffnungsfeier stattfinden, in deren Mittelpunkt die Ansprachen des Kreisleiters Dr. Hildebrandt, des Oberbürgermeisters Ritter und des Verwaltungsratsmitgliedes des Instituts für Deutsche Wirt- schastspropaganda Diplomlandwirt Elsner von G r o n o w stehen werden. Der Musikzug der SA.- Standarte 116 unter Leitung des Musikzugführers Herrmann wird den musikalischen Teil dieser Feier bestreiten. Im Anschluß an die Eröffnungsfeier soll ein Rundgang durch die Ausstellung statt- finden. In diesem Tagungszelt werden in der nächsten Woche verschiedene größere Tagungen stattfinden, u. a. eine Bauernkund-
Zahnen heraus zur Vraunen Neffe in Gießen
Vom Eröffnungstag Freitag, 2 5. September bis zum Erntedanktag, 4. Oktober.
Wir bitten alle Einwohner der Stadt Gießen und des Kreises Detterau, durch regen Besuch der Braunen Blesse in Gießen dazu beizutragen, daß diese für unsere heimische Wirtschaft ein Erfolg wird.
Kreisleitung Gießen der NSDAP.
3. A.: Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Industrie", 7. Abteilung ,Steiss, Verkehr, Transport", 8. Abteilung „Landwirtschaft und Gartenbau". Eine Sonderschau „Der Garten" ist außerdem auf dem Freigelände vor der Volkshalle zu sehen.
Bei einer Vorbesichtigung der Presse am gestrigen Donnerstagnachmittag konnte man beobachten, daß in allen Ständen die letzten Aufbauarbeiten flott im Gange waren. Da wurden in emsiger Arbeit sehr interessante Gruppierungen der verschiedensten Waren aufgebaut, bei deren Anblick der Besucher seine Freude haben* kann über die Vielseitigkeit dessen, was ihm hier gezeigt wird. Aus allen Gebieten des täglichen Lebens, der Erzeugung sowohl wie der Bedarfsdeckung, aber auch aus dem Schaffen der Wissenschaft und aus dem Wirken öffentlicher Verwaltungsstellen und sozialer Hilfsorganisationen werden den Besuchern außerordentlich vielseitige Schaumöglichkeiten geboten, daß der Rundgang durch die Ausstellung zweifellos jedermann viele wertvolle Erkenntnisse und Anregungen geben wird.
Der Vorraum der Volkshalle ist in schöner Weise zu einem E h r e n h o f gestaltet worden, in dem eine Büste des Führers, geschaffen von Hedwig Maria Ley, den Mittelpunkt bildet. Blumen- und Blattpflanzendekorationen, die von der Stadtgärtnerei zur Verfügung aestellt wurden, dazu gediegene handwerkliche Ausstattung des Raumes lassen ein gefälliges, wohlabgerundetes Bild entstehen. In der Ausstellungshalle selbst ist nicht nur der weite Raum zu ebener Erde mit Ständen zahlreicher Firmen besetzt worden, sondern auch die dreiteilige Galerie weist eine große Anzahl von Ständen auf. Während zu ebener Erde der Halle die Geschäftswelt aller Branchen, insbesondere die Ladengeschäfte, das Schwergewicht der Ausstellung biloen, kommen auf der Galerie das Schaffen unserer Handwerker, nach Innungen geordnet, die Tätigkeit der wichtigsten örtlichen Dienststellen
„Nee!", ruft Brunner zurück. „Herbing habe ich lange nicht vor dem Netz gehabt, also ran mit ihm!"
Ehe der zweite Satz beginnt, fragt Herbing Hanna im Vorbeigehen:
„Setzen Sie ihm Schmetterbälle vor die Nase, und geben Sie mehr Kraft."
Hanna schweigt. Aber bei diesem Spiel haben die Zuschauer doch etwas zu staunen. Sie kommt in Form, setzt dem korpulenten Brunner die Bälle in die Ecken, jagt ihn ans Netz zurück, daß dem Hören und Sehen vergeht, seine Partnerin verliert allmählich den Kopf, weil Herbing auch keine Kraft spart und die Bälle knapp hinters Netzt setzt, die sie regelmäßig verpaßt.
„Da hat er sich ja nun gut eingeführt," sagt Bartel zu der kleinen Frau Dr. Bland, die mit Interesse das Spiel verfolgt. Sie läßt Herbing nicht aus dem Auge, als sie wie nebenher fragt:
„Bei wem? Im Klub oder--"
„Ja, oder," kann es sich Bartel nicht verkneifen zu antworten. Er weiß, daß Herbing im Winter sehr viel mit Thea Bland ausgegangen ist, und daß er sie jetzt kaum mehr beachtet. Frauen, die nur hübsch sind, verschmerzen das nicht, vor allem dann, wenn der Nachfolger ausbleibt. Und Bar- tel hat keine Lust, das Erbe Herbings anzutreten. Hübsch und dumm ist eine Mischung, die ihm nicht bekommt. Außerdem macht_ es ihm Spaß, Thea Bland, die ihrem Mann Hörner aufsetzt, in Harnisch zu bringen. „Warum auch nicht. Herbing ist im besten Alter, und Hanna Brandes eine bezaubernde Frau. Wenn ich nicht so in Lena verschossen wäre —"
„Was hat denn das zu sagen? Gar nichts," unterbricht ihn die Frau nüchtern. „Lena wird daran nicht sterben. "
„Wohl kaum. Mich aber für einen Jämmerling halten. Wir beide sind nämlich für Sauberkeit, Thea. Es wäre gut, wenn das andere auch täten, es gäbe dann weniger Spektakel in Häusern und — Ehen."
„Sie haben mich lange nicht mehr so gelangweilt, wie eben jetzt. Gehen Sie doch unter die Moralprediger, Heinz Bartel, müßte Ihnen ganz gut stehen."
„Möglich. Dort kommt Wendt, sehen Sie zu, daß Sie mit ihm zusammen spielen. Wenn Sie feine
g e b u n g und eine Landarbeiter tagung am kommenden Montag, ferner eine Einzelhandelstagung, außerdem am nächsten Mittwoch eine Werbeveranstaltung der Abteilung Volks- und Hauswirtschaft im Deutschen Frauenwerk. Ferner soll hier am Sonntag, 4. Oktober, am Erntedanktag, der Gemeinschaftsempfang erfolgen.
Die Sonderschau „Der Garten" will den Besuchern die neuzeitliche, nach den Gesichtspunkten der Gartenarchitektur geschaffene Gartengestaltung anschaulich machen. An dieser Stelle wird man auch ein Blockhaus sehen, das nach der Ausstellung als Landjugendheim irgendwo in unserer engeren Heimat an einer schönen Stelle des Waldes Verwendung finden soll.
Damit die Bevölkerung aus der engeren und weiteren Umgebung von Gießen die Möglichkeit des Besuches zu annehmbaren Bedingungen eryält, hat die Reichsbahn Fahrpreisvergünstigungen im Umkreis von 75 Kilometer um Gießen in Gestalt von Sonntag srückfahr- karten geschaffen. Diese verbilligten Fahrkarten gelten vom 25. September 0 Uhr bis 28. September 24 Uhr, am 30. September von 0 Uhr bis 24 Uhr und vom 3. Oktober 0 Uhr bis 5. Oktober 12 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt).
An einem Fliegenstich gestorben.
LPD. Fulda, 23. Sept. In Eichenzell war vor einigen Tagen ein 36jähriger Einwohner von einer Fliege gestochen worden. Nachdem jetzt Wundstarrkrampf hinzugetreten war, mußte der Munn in ein Krankenhaus eingeliesert werden. Leider waren alle ärztlichen Bemühungen erfolglos; der Bedauernswerte starb an einer schweren Blutvergiftung.
Aufschläge halten sollen, verderben Sie Ihrem Partner die Sätze. Ob Herbing Sie dann heraus- paukt wie eben Hanna — fragt sich."
Damit läßt er Thea Bland allein. Die bleibt sitzen, schlägt die schlanken Beine Übereinander und wartet mit steigendem Unbehagen auf das Ende des Spieles. Es wird von Herbing und Hanna gewonnen.
„Durst?" will Herbing wissen.
„Und Hunger" ist Hannus eben so kurze Antwort.
„Ich lasse uns ein nettes Abendbrot zusammenstellen. Kleine, kalte Ente ist auch gut. Bleiben Sie hier sitzen,, ich hole Sie in zehn Minuten."
Hanna Brandes wendet dem Mann ihr Gesicht zu, ihr Blick ist prüfend, aber Herbings Mienen verraten nichts, in seinen Augen liegt keine plumpe Vertraulichkeit, fast scheint es, als habe er für Selbstverständlichkeiten keinen besonderen Aufwand an Zeit und Worten übrig. Er wendet sich schon zum Gehen. Hanna setzt sich und findet es auch nicht weiter sonderbar, daß Thea Bland brüsk aufsteht. Sie ist doch vom scharfen Spiel mitgenommen und fragt sich auf einmal, warum sie denn vorher so versagt hatte. Es ist ihr dauernd etwas durch den Kopf gegangen: ihr Vater und Melanie Mor- holt. Die Gedanken waren vom Tennis immer wieder zu der Sängerin zurückgelaufen, dann hatte sie sich über das offensichtliche Mißfallen Güdts geärgert. Und als Herbing auftauchte und ihr die Partie anbot, war es mehr der Trotz gewesen, die Gedanken an die Kandare zu nehmen. So und nicht anders war das Spiel gewonnen worden. Vielleicht auch diesem John Herbing, von dem sagenhafte Dinge im Klub erzählt würden, beweisen, daß man etwas konnte.
„Es ist angerichtet, Fräulein Brandes," sagt da eine Stimme hinter ihr. „Wir wollen nicht lange warten, ich habe einen Bärenhunger."
Hanna nickt und steht auf. Langsam gehen die Beiden, von den Augen der Kameraden gefolgt, zum Klubhaus. Sie sprechen nicht viel, sie setzen sich, und Herbing legt, ohne dazu aufgefordert zu werden, Hanna die Klubjacke leicht über die Schultern. Auch dies erscheint ihm eine Selbstverständlichkeit. Das Mädchen will etwas Abwehrendes sagen, unterläßt es aber. Auch während des
Verdunkelung im Hause.
* 7 * Immer stärker tritt der Selbstschutz der Bevölkerung in Erscheinung. Immer häufiger finden in Stadt und Land Haus- und Verdunkelungs- Übungen statt. Es zeigt sich, daß bei zweckmäßiaer Vorbereitung und Durchführung ein erheblicher Schutz der in der Heimat bleibenden Volksgenosien gegen Angriffe aus der Luft geschaffen werden kann. Allerdings läßt sich oft beobachten, daß der Zweck der Verdunkelung noch nicht verstanden wird.
Ls handelt sich nicht darum, während einer bestimmten Stunde das Licht überall im hause auszuschalten und sich in drangvoll fürchterlicher Enge in der Küche zu versammeln,^ „bis die Sache zu Ende ist", sondern es kommt darauf an, alle Verdunkelungsmaßnahmen so zu treffen, daß angreifenden Fliegern gezielte Bombenabwürfe unmöglich gemacht werden. Vor- anssehung dafür ist eine vollkommene Abblendung aller Fenster.
Da im Ernstfall mit tage-, ja wochenlangen Verdunkelungen zu rechnen sein wird, muß das normale Leben in der Wohnung und auf der Treppe weitergehen können. Es muß also peinlich jeder Lichtschein nach außen vermieden werden. Die Abblendung aller Fenster, Glasdächer, Oberlichter usw. kann nicht erst in der letzten Minute gemacht, sondern muß im Frieden sorgfältjg vorbereitet werden. Der Luftschutzhauswart ist für diese Arbeit verantwortlich, er kann und soll allen Hausbewohnern mit Rat und Tat beistehen. Was ist nun besonders wesentlich?
Alle Abblendungsvorrichtungen müssen lichtdicht abschließen. 3n den Wohnhäusern sind die Fenster aller nicht ständig benutzten Räume dauernd abzublenden. 3n den übrigen Räumen sind Fenster, die zur Beleuchtung des Raumes bei Tage und zum Lüften nicht notwendig sind, ebenfalls dauernd abzublenden oder mit Einrichtungen zu versehen, die jederzeitiges schnelles Abblenden ermöglichen. Alle Vorrichtungen müssen ständig bereit sein und schnell angebracht werden können. Geeignet sind z. V. dichte, tichtundurchlässige Decken, die zum Aufhängen eingerichtet sind, oder einfache Holzrahmen mit lichtundurchlässiger Pappe. Am zu verhindern, daß beim Oeffnen der Türen Lichtschein aus dem 3nnem des Hanfes fallen kann, sind „Lichtschleusen" anzulegen. Diese Licht- schleufe ist ein abgeblendeter Vorraum zwischen der Haustür und dem innenbeleuchteten Raum. Die Außentür darf im Ernstfälle nicht gleichzeitig mit der Tür zwischen Lichtschleuse und 3nnenraum geöffnet werden. Solche Licht- schleusen sind besonders erforderlich in Räumen mit starkem Publikumsverkehr.
Zum Schluß noch eins: Bei guter und einwandfreier Vorbereitung der im Ernstfall erforderlichen Abblendung, die allem Behelfsmäßigen vorzuziehen ist, bedarf es — und dies ist wichtig! — keiner besonderen Abschirmung der Lichtquellen im Innern eines Hauses. Geeignete Notbeleuchtung muß bereitliegen, falls die Hauptbeleuchtung versagt.
Briefkasten der Redaktion.
Fr. Str. Die sog. Revolutions-Etüde ist die leidenschaftlich bewegte, stark akzentuierte Etüde op. 10, Nr. 12, in c - m o 11, die Chopin, auf der Reise nach Paris begriffen, in Stuttgart unter dem Eindruck der für ihn als Polen niederschmetternden Nachricht von der Einnahme Warschaus durch die Rufsen (8. September 1831) geschrieben hat.
Beide (ceu&t sich über ihr zartes, glänzendes Haar, das Mutti Immer mit Schwarzkopf „Extra-Zart*4 wäscht „Extra-Zart*4 mit dem Spezial -Kräuterbad (DRP. A-» angem.) ist mehr als eine Kopf- Wäsche: es führt zartem Haar und jugendlicher Kopfhaut die röfe nötigen ßufbaustoffe zu. Bei Schuppen und Schinnen, sprödem oder schnellfettendem jfr Haar auch für Sie vorzüglich geeignet!
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Essens — Herbing hat aus allerlei netten Dingen eine erlesene Platte zusammenstellen lassen — duldet sie es, daß er ihr vorlegt und auch immer wieder einschenkt. Dabei erzählt er. Auf eine seltsam interessierende Art. Es ist fast so, daß man ihm die Worte von den Lippen lieft, manchmal stockt er und scheint auf einen Einwurf zu warten . . .
Hanna tut ihm langsam den Gefallen, sie braucht eine halbe Stunde Zeit, um sich an diese Art Unterhaltung zu gewöhnen. Aber dann hat sie Spaß daran. Der Mann vor ihr ist für sie außergewöhnlich. Vielleicht fehlt seiner Haltung ein Zoll von dem, was den idealen Sportsmann oder auch den Soldaten ausmacht. Er würde dann größer sein und breiter in den Schultern. Aber über der ganzen gepflegten Erscheinung liegt etwas Faszinierendes, der Ausdruck der Augen allein ist undeutbar, es flackert darin auf und erlischt fast im selben Augenblick; wenn er lächelt, und er tut das ganz gern, auch im Spott, zeigt er starke, weiße Zähne, und wenn er spricht, wechselt die Stimme. Es liegt Sinnlichkeit in dem tiefen Klang, oder auch Zärtlichkeit. Hanna Brandes kann das nicht ausdeuten, weil ihr das alles sehr fern liegt, aber sie ist immer, wo es ihr begegnet, betroffen. Jung ist John Herbing nicht mehr, das sagen schon die grauen Schläfen, wenn auch das Haar sonst tiefschwarz ist und starken Glanz hat. Man sieht es auch an den Kerben zwischen Nase, Mund und Kinn. Was aber Hanna am meisten fesselt, sind seine Hände. Breit und kraftvoll in der Wurzel, langgliederig die Finger, die Nägel stumpf, aber gut gepflegt.
„Segen Sie einmal Ihre Hand daneben, Fräu- lein Hanna," sagt Herbing, als er ihren Blicken folgt. Sie zögert, tut es aber bann doch. „Sehen Sie, ganz ähnliche Struktur. Interessieren Sie sich für Hände? Man sollte eine Wissenschaft daraus machen. Ihr Studium würde sich lohnen. Ich beurteile die Menschen sehr oft nach ihren Händen und täusche mich wenig."
„Man müßte die Gesetze kennen, nach denen man sich richten kann," meint Hanna nachdenklich und zieht langsam ihre Hand wieder zurück.
Ich bringe Ihnen das nächste Mal ein fleinc» Heft mit, vielleicht hilft es Ihnen weiter."
(Fortsetzung folgt.)


