Einzelbild herunterladen

gefahren ist? Dieser historische Augenblick ergab sich kurz vor Bologna, dort wo alle Straßen zu­sammenlaufen und alle Schienenstränge sich ver­knoten.

Ja, und dann geht es stundenlang im Rheintal dahin, hundert Kilometer, bis Piftoja fast, wenn man die richtige Straße eingeschlagen hat, die über den Porrettapaß. Manche wandern über den Raticosapaß, um schneller nach Florenz zu kommen, andere geraten ins Settatal und kommen dann bei Prato heraus. Irgendwo kommt man immer aus den Appenninen heraus und ins Arnotal. Die neueste Eisenbahnlinie zieht es vor, die Berge von innen zu betrachten, wobei es natürlich nur zu einer technischen Romantik langt. Das Renotal ist schöner. Und heiter und manchmal ein bißchen schwermütig wie die Lorelei.

Aber sonst darf man sich den italienischen Rhein nicht so mächtig und majestätisch vorstellen wie den deutschen. Er ist überhaupt kein Strom, sondern nur ein Fluß, im Sommer gar wird er so unschein­bar wie die meisten auf der Apenninenhalbinsel. Die werden oft sogar unsichtbar: mit Roß und Wagen ziehen die Kieshändler aus, um das trockene Flußbett auszubeuten. Keine Gegend für Angel­sportler. Paddler (in Italien eine unbekannte Men­schenrasse) seien gewarnt.

Der Reno führt, wenigstens seit ich ihn kenne, immer so viel Wasser mit, auch im August, als er braucht, um sich eine Illusion zu bewahren. Im Winter kann er zuweilen auch aufsässig und bis zum Ueberlaufen wütend werden. Sein Alltags­gesicht ist von einer beschaulichen Gelassenheit, wie es den Menschen eignet, die ihre Stürme hinter sich haben und durch keine ungewöhnlichen Ereig­nisse aus ihrer geregelten Bahn gebracht werden. Wo es einmal hart auf hart gehen würde, weicht man lieber aus; so dramatische Lösungen eines Lebenskonfliktes, wie wir sie staunend bei Schaff­hausen erleben, nein, die sagen dem Reno nicht zu.

Er hat seine Pappeln, die ständig gerupften und daher immer schütteren Weißpappeln, die manchmal so wunderbar aufsilbern; er versorgt die bescheide­nen Stauwehre, das ist seine Arbeit, und für den Sonntag bleiben ihm die alten Brücken, von denen die schwarzhaarigen Mädchen herabschauen und ihm Narzissen in den Schoß werfen oder Anemonen oder auch die ausgekauten Trauben.

Auf der einen Seite ist die Straße, auf der andern .die Bahn, wie sich's gehört. Man schlängelt sich halt so durch. Von der Wiege dort oben auf der Por- rettahöhe geht es ja etwas schnell und holperig hinab zu dem gleichnamigen Bad, wo die Sommer- . frischler immer so sehnsüchtig dem römischen Schnell­

zug nachschauen, nicht lange aber, eine halbe Auto­stunde nur, kommt Vergato, ein schon ansehnlicher Orte, und nun treten die Berge zurück, man kann sich dazwischen einmal nach Herzenslust dehnen. Jetzt fangen die Zypressen an, schwarz und feierlich zum Licht hinaufzuschreiten, es ist, als gingen sie durch ein blaues Tor. Ach, es war kein in die Zukunft weisen­des, es war ein zurückschauendes Toskanabild dort unten wachsen aus blaugrauem Dunst Türme heraus, es riecht nach Weite, nach hitzebrütender Ebene, schon rattert die erste Straßenbahn heran, wie Trauben hängen heimkehrende Arbeiter daran: zu Stein und Staub, zu Lärm und Zwang wird das grüne, lustige, freie Bergleben.

Bologna.

Fragen Sie einmal den Nächstbesten, was hinter Bologna kommt! Oder, wenn es ein weltkundiger Mann ist, der schon einmal bis Forli oder Florenz den Wanderstock trug, was eigentlich vor Bologna kommt. Er wird in Tiefsinn versinken und endlich bekunden: Was da kommt? Eigentlich nichts!

Hier ist keine Gegend, um mit dem Berliner zu sprechen. Modena, Parma, Ferrara wer kann das auseinanderhalten? Endloses, mit Maulbeer­bäumen abgestecktes, gestückeltes, katalogisiertes Grün, die fruchtbare Po-Ebene, wie es im Geogra­phiebuch heißt. Der Rhein verliert sein Gesicht, er wird auch charakterlos. Ein Fluß wie hundert an­dere, ohne besondere Kennzeichen. Einmal stößt er mit einem toten Po-Arm zusammen, man kennt beide nicht auseinander. Die Ebene macht alles gleich. Im Winter, im Herbst, im Frühling sind Nebel hier, und dann liest man in der Zeitung, daß ein Auto in den Fluß geraten ist. Kann auch ein Kanal sein.

Vor Ferrara besinnt sich der Rhein daher eines Besseren, kehrt um, es sieht aus, als wolle er in seine Berge zurücklaufen. Da aber besticht ihn auf einmal eine andere Weite, eine maßlos eintönige, aber blaue Fläche: das Meer.

In Wirklichkeit ist es freilich erst das Lagunen­gebiet von Comacchio, doch darf man die Täuschung verzeihen. Fischerbarken mit grellfarbenen und bunt­bemalten lateinischen Segeln fahren so dicht an den Reno heran, daß er sich seiner hohen Bestimmung schon hingegeben fühlt. Noch ein kurzer Gang, da weitet sich ihm die Brust, er sieht Angler auf sich zulaufen, ein anderer Strom fließt, stürzt, schlüpft, preßt in ihn hinein, Aale, lauter Aale, es zerreißt ihn das Neue, ein stechend blaues Licht bricht un­geheuerlich auf, es ist nicht mehr zu unterscheiden zwischen Himmel und Wasser, und mit weiter er­gebener Gebärde verströmt er sein Blut ins Meer, geht auf im Unendlichen.

nliche ssenscha

m, leichtversMc rschiedenen Prosit erlagserzeupiisst tiefen Einblick im es Naturgeschehi :h erweitertes Wis- e an den vielfältig er Natur. Verlar? id auch Probehefte i -t Naturforichtf nüh lerVerfae ichtert&to

hnei|lS^

<ßen *

71 «feine

Fend

em Wettei b kein Schleuß netten Reifet

wert, t Körper enpferd"

M-i

überall zu 1

Serie E.

Serie E, I »Serie C,.

ermann P|

tigesi ,b H.

kfurterStr.52:

HrJ72 Zweites Blatt

Fremdenverkehr und Volkswirtschaft.

Don ©r. Jan Eißen.

Die Deutschen sind immer ein wanderfrohes Volk gewesen. Die Germanenzüge nach Südeuropa amb Nordafrika, die Völkerwanderung, sowie schließlich die Fahrten der Sachsen- und Staufen- Kaiser nach Italien waren in der Hauptsache hohe Politik sind indessen auch soziologisch zu werten, haben also etwas an sich, was nach echter deutscher ' Wanderlust aussieht. Heute sind es nicht mehr die Lippe und der Stamm, auch nicht die große Po­litik, die Wanderlust und Wanderziel bestimmen, : sondern vor allem die Verkehrsmittel und die Lerkehrstechnik, endlich auch der Reiz, den das Reiseziel ausübt. Dor 135 Jahren konnte ein Seume noch nach Syrakus zu Fuß wandern, um darüber ein wundervolles Buch zu schreiben, das noch immer zu den Perlen der deutschen Dichtung 'gehört. Heute steht für eine Fahrt nach Syrakus der v-Zug oder das Flugzeug derxit, wenn man i >5 nicht vorzieht, die Reife im eigenen Kraftwagen ;u machen. Heute kann die Fahrt nach Syrakus in I ebensoviel Stunden erledigt werden, wie zur Zeit Seumes in Monaten. Als die Postkutsche dem Dampfwagen weichen mußte, war das auch eine Umwälzung des Fremden- oder Reiseverkehrs. Deutsche Wanderlust war im 19. Jahrhundert noch ungebrochen; dieser Wanderlust verdanken wir auch die ,.Naturgeschichte des deutschen Volkes" von Wilhelm Heinrich Riehl. DieseNaturgeschichte" ist buchstäblich erwandert und erlebt worden; sie ist darüber hinaus ein Zeugnis für das sinnvolle Wandern, das sich darauf stützt, daß der Wanderer licht nur das Straßennetz kennt, sondern auch die beschichte des Gebiets, das er durchwandern will.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Fremdenverkehr in Deutschland eine Sache, die aus Ilern Bereich des persönlichen Erlebens hinaustrat, nm in die Volkswirtschaft und in die Statistik, da­mit aber auch in die Steuer und Finanzpolitik hin- Lberwechseln. So tief die Wanderlust dem Deut- >chen im Blute steckt, so mußte erst doch der wirt- »chaftliche und soziale Aufstieg nach den Einigungs- 'riegen kommen, um die Deutschen aus den Gassen und Häusern ihrer Wohnstätten herauszuholen. Noch m den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts galt eine Rheinreise für eine Angelegenheit, die nur den Be­güterten zugänglich war, während die Masse in ten Großstädten sich in der Regel mit sonntäglichen Kremserfahrten begnügte. Erst der wachsende Wohl- tianb im Zweiten Reich gestaltete den Fremdenver­ehr in Deutschland um; nicht zum Vorteil der deut- «chen Wirtschaft. Die Deutschen fingen zwar wie- [, >er an zu xeisen, aber das Reiseziel lag häufig nußerhalb der deutschen Grenzen, lag in Italien so- mie in den Spielhöllen an der Riviera. Um das Yahr 1910 wurde einmal berechnet, daß die Summe, Hie die Deutschen, seitdem sie mit der Gotthardtbahn d eschleunigt nach Mailand und Genua kommen lonnten, in die Spielhöllen nach Monte Carlo eine Summe geizigen hätten, die höher sei, als die 1871 r on Frankreich gezahlte Kriegsentschädigung von Her Milliarden Mark. Verhältnismäßig hoch, Denn auch nicht so hoch wie der an Monte Carlo mtrichtete Tribut, war die Summe, die die Deut­schen nach der Schweiz, nach den österreichischen

\ AW e.MJ.altF

len

flt.r dUNM angen.rM Aussteuer- ipamiiien-'

Vere

es

ckten

>tm- Ge­

ier : rt :U.

t atze

t, oD

9 nz. ift en- sen.

19, guD IS.

tlb. lis-

*6

Heil« 3 dir. A 03372flJ, Jg.tzrr. gut. Neu nettes, ir temvera» Mädels kenneiM spaterl

Heil echt. Am Munt.'

UiinWl > SieesmB ) sagen, $ nebrereir eine$e^

W

Lage ten. utit.

ZamsR 20.3» «t neue«' «MI

lllpenländern und in die holländisch-belgischen See- I aber trugen. Dabei war und ist Deutschland an Haturschönheiten sowie am Heilwert seiner Bäder !gemessen, ebenso reich, wenn nicht noch reicher, cls jedes andere Land Europas. Das von den Deut­schen nach der Schweiz und nach anderen soge­nannten Reiseländern ausgeführte Kapital war es, : as das großzügig gestaltete Gasthauswesen in die- >2N Ländern überhaupt erst möglich machte. Die Fr-''n^'en weisen nicht ins Ausland; die Italiener uch nicht, während die Engländer zahlenmäßig nicht so stark sind, um die internationalen Kurorte u bevölkern.

Schon vor dem Kriege war auch der Fremdenver- «ehr in Deutschlav» aus einer Nebensache zu einer

(Sommer der Kindheit.

Don Anton Schnack.

Knabensommer.

Die Knabensommer schmecken noch lange nach Sonne, Fischschuppen, Teerflecken, trockenen Sand- iaufen, Muscheln und Schlickbrei. Knabensommer lind verwilderte Gesellen, dunkelbraun und voller Zeschrei. Sie bringen den Duft von Heu, Baum- iinbe, grünen Aepfeln, zerquetschten Grbbeeren und Dassertümpeln mit nach Hause. Zu einem Knabe n- pmmer gehören Schweißtropfen, viel Wasser, Boote, (in Ball, Bogen und Pfeile, Steinschleudern, em Lngelstecken, ein Luftgewehr, Flußränder, nackte srüße, Gartenmauern, Wiesengräben, Schlupfwinkel, Stommeln, Badehosen, schnelles Kaufen, Pftsse, nerschmitzte Blicke und Wichtigtuerei. Ein Knaben- tommer erfüllt eine ganze Landschaft mit Lärm, Sumult, Ueberraschungen, Unbotmäfjigfeit, Leben, Srup?5 und Rudeln. Knabensommer haben er- ilberungsgierige Augen, fröhliche Gesichter Hunger, lange Nachmittage, eine Freiheit ohnegleichen, sind halb nackt und von unverwüstlicher Gesundheit. Schön sind sie, Paradiese, selige Rodinsonlnseln. 11 nb hat ein Knabensommer Sanbkörner zwischen isn Zehen, Spreißeln im Gesäß, einen verbrannten Lücken, verklebte Haare, Vogelfedern in der Tasche, runde Kiesel in ber Hand und zerkratzte Berne, so v»ar er wie eine Ballade, glorreich und abenteuerlich.

Mädchensommer.

Mädchensommer haben einen Margneritenkranz in Haar, blaue Vergißmeinnichtstrauße m Den rRnblichen Fingern, helle Kleider, farbige Bänder, «iwße Strohhüte und von Heidelbeersaft befleckte tippen. Wo Mädchensommer Vorbeigehen, sind Blumen verstreut, welkender Löwenzahn, zervlar- titer Klatschmohn und zerpflückte Kornblumen; >2hannisbeerträublein sind liegengeb heben v eiße Kirschkerne. Mädchensommer streift am länd­lichen Bach entlang, watet mit nackten Fußen über dinnrieselndes Mühlenwehr, erschrickt vor hupsen- dn Fröschen, vorüberglitzernden Blindschleichen und zschenden Gänseherden. Auch er macht Geschrei tm lorf, in der Gasse, am Fluß, am Waldrand, auf d-r Abendtreppe und im Gartenweg, der m Der oeißen Landstraße versinkt. Mädchensommer liebt d n gelben Schmetterling, den rollenden Reif, den Din Hand zu Hand springenden Ball, das Plantschen in Wasser, das dahintreibende Boot, das Winken 1 mit Tüchern, das Spiel mit jungen Hunden und dcs achtsame Bestaunen einer aus dem Rest ge- jadenen Grasmücke. Mädchensommer haben sonnen-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Hauptsache geworden; die Zahl der Personen, die unmittelbar und mittelbar auf den Fremdenverkehr angewiesen waren, wuchs immer mehr. Heute ist der F r em d e n v e r ke h r eine der Tragsäulen ber deutschen Volkswirtschaft geworden. Die volkswirtschaftlichen Werte, die im Fremden­verkehr angelegt sind, erschöpfen sich nicht nur in den Gasthöfen, sondern erfassen auch die Verkehrs­mittel und Wege, unter denen die Reichsbahn an erster Stelle steht. Der Personenverkehr der Reichs­bahn ist heute wesentlich Fremdenverkehr, was auch dadurch zum Ausdruck kommt, daß sechs bis sieben Zehntel aller Fahrten, die die Reichsbahn besorgt, zu Vorzugstarifen geschehen, die die Reichs­bahn für den Fremdenverkehr eingerichtet hat. Das ist mit Einschluß der Gepäck- und Güterbeförderung für den Fremdenverkehr an sich schon ein Umsatz von eine Milliarde Mark, wozu noch kommt, was sich auf den deutschen Land- und Kraftverkehrsstraßen vollzieht. Ohne die Entwicklung des Kraftverkehrs wäre die volkswirtschaftliche Bedeutung des Frem­denverkehrs nicht so groß. Der Kraftwagen hat nicht nur den Fremdenverkehr beeinflußt, er hat auch das Wahnbild der deutschen Städte und Orte umgestaltet. Der Kraftwagen macht es möglich, Deutschland vom Memelufer bis zu den südlichen Ausläufern des Schwarzwaldes kennenzulernen; ebenso von den Eifelbergen bis zu den einsamen Hängen und Dörfern des Bayerischen Waldes. Der Führer hat selbst einmal gesagt, daß es der Kraft­wagen fei, der ihm die Wunder und Schönheiten der deutschen Landschaft offenbart hätte, Wunder und Schönheiten, die so dicht beieinander liegen wie in keinem anderen Lande Europas. Wie hoch die Summe ist, die im Kraftwagenverkehr steckt, ist ebenso schwer zu schätzen, als die Summe, die für die Herstellung und die Entwicklung des Gasthof­wesens in Deutschland unter dem Einfluß des Frem­denverkehrs angelegt ist. Diese Summen, die einen beträchtlichen Teil des Dolksvermögens ausmachen, die das Volksvermögen sogar tragen helfen, müssen aber nicht nur verzinst, sondern vielfach wieder er­

neuert werden. Der Fremdenverkehr ist volkswirt­schaftlich so wichtig, weil die Zahl der Volksgenossen, die von ihm leben, mindestens 15 Millionen beträgt.

Der Fremdenverkehr ist aber auch nicht etwa eine Angelegenheit ber Reisebüros, sondern eine Ange­legenheit, die den Volks- und Staats- haushalt unmittelbar angeht. Jedoch es darf nicht immer nur die Sache der Deutschen sein und bleiben, wieder im eigenen Lande zu reisen, son­dern es ist volkswirtschaftlich notwendig, Deutsch­land zu einem Reiseland zu machen. Die Vor­aussetzungen dazu sind gegeben, denn Deutschland verfügt nicht nur über Seebäder, Kurorte in den Mittel- und Hochgebirgen, es verfügt auch über Heilbäder, wie sie in dieser Bedeutung sonst nicht anzutreffen sind. Der Fremdenverkehr ist nicht mehr eine Sache der Sommermonate, sondern er ersaßt das ganze Jahr. Es ist nicht nur der Wintersport, der diese Wandlung vollzogen hat, es ist auch die Erkenntnis, baß Deutschlanb von ber Natur so glück­lich und reichhaltig ausgestattet ist, baß es zu jeber Zeit möglich erscheint, nicht nur Erholung, sonbern auch ein lohnenbes Reiseziel zu suchen und zu finden.

Was vor 30 Jahren vielleicht noch als Luxus gelten konnte, ist heute als Fremdenverkehr eine volkswirtschaftliche und soziale Notwendigkeit geworden. Sozial auch des­halb, weil die NS. - GemeinschaftKraft durch Freude" es jedem Volksgenossen möglich macht, sich ein Reiseziel zu suchen, das nicht unbedingt inner­halb der deutschen Grenze zu liegen braucht, das aber a u f deutschen Schiffen zu erreichen ist. Noch vor dreißig Jahren war Urlaub für Arbeiter und Angestellte eine Seltenheit! Je mehr der Deutsche wieder wandert und reift, je mehr sich die Kennt­nis ber heimatlichen Gaue ausweitet, befto enger unb unlösbarer wird feine Verbunbenheit mit bem beutschen Boben. So ist der Fremdenverkehr zu einer Sache ber Politik geworben, gerabe so, wie die Germanenzüge und Kaiserfahrten in den Anfängen der deutschen Geschichte.

Aus aller Well.

Oberst Lindbergh in Döberih.

Oberst Lindbergh besichtigte die Anlagen und Einrichtungen der Fliegergruppe Döberitz des Jagdgeschwaders Richthofen. Im Anschluß hier­an fand ein kameradschaftliches Zusammensein im Osfiziersheim statt.

LuftschiffHindenburgs in Rio.

Das LuftschiffHindenburg" traf Freitag früh 5 Uhr (9 Uhr MEZ.) mit 34 Passagieren über Rio ein und machte in der Luftschiffhalle von Santa Cruz um 7.15 Uhr (11.45 Uhr MEZ.) fest. Die Abfahrt erfolgt heute (Samstag). Das Luftschiff ist wieder voll besetzt.

Schwerer Verkehrsunfall in Kassel.

In Kassel ereignete sich ein schwerer Ver­kehrsunfall. Der Führer eines Lastkraftwa­gens, der einem Motorradfahrer ausweichen wollte, das ihm entgegenkam unb mit einem Ehepaar be­setzt war, steuerte seinen Wagen auf den Bür­gersteig und fuhr dabei in eine Gruppe spie­lender Kinder. Ein fünf Jahre alter Knabe wurde sofort getötet, ein Mädchen so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Das Motorrad wurde auch noch erfaßt und zur Seite geschleudert. Die Frau des Motorradfah­rers, eines Lehrers aus Mülheim, wurde dabei so schwer verletzt, daß sie nach kurzer Zeit st a r b. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.

Trauer um 14 deutsche Seeleute.

Der Führer ber deutschen Seeschiffahrt, Staats­rat Esseberger, unb ber Gauinspekteur See­schiffahrt der Auslandsorganisation der NSDAP., W e r m k e, haben im Hinblick auf das ungewisse Schicksal des DampfersW a grien", der seit dem 18. Juli überfällig ist und von dem man an- nehmen muß, daß er in den Sturmtagen des 16. bis 18. Juli in der östlichen Ostsee mit seiner 14-

köpfigen Besatzung untergegangen ist, einen Auf­ruf erlassen. Cs heißt darin:Die gesamte deutsche Seeschiffahrt nimmt erschüttert Anteil an bem Schicksal ihrer in treuer Pflichterfüllung unter­gegangenen Berufskameraben. Alle deutschen Seeschiffe setzen am Samstag, dem 25. Juli, ihre Flaggen auf Halbmast."

Raubmörder festgenommen.

An der t irolisch-bayerischen Grenze bei Landl wurde durch Gendarmerie- und Forstbeamte der von den reichsdeutschen Behörden wegen Raubmor­des verfolgte 33 Jahre alte Otto Theiß aus Otter­berg (Pfalz) festgenommen und in das Gericht nach Kufstein eingeliefert.

Wir suchen den besten Zeitungsroman."

Der Einsendungstermin zu dem von ber Reichs­schrifttumsstelle beim Reichsministerium für Volks­aufklärung und Propaganda ausgeschriebenen Wett­bewerbW ir suchen den besten beutschen Zeitungsroman" ist in diesen Tagen ab­gelaufen. Zu dem Wettbewerb sind mehr als 400 Arbeiten eingegangen, die jetzt dem Preisgericht vorgelegt werben. Diese Zahl mag am besten be­weisen, welches Interesse man im Reich und dar­über hinaus ber neuen Aktion der Reichsschrift­tumsstelle entgegengebracht hat. Nach gewissen­hafter Prüfung durch die Reichsschrifttumsstelle sollen die Preisträger während derWoche des Deutschen Buches 1936" befanntgegeben werden. Die drei ersten Preise betragen, wie bekannt ist, 5000 RM., 3000 RM. und 2000 RM. Die preis­gekrönten Romane werden außerdem in der Zeit­schriftDeutsche Wochenschau" veröffentlicht.

10 Todesfälle nach Genuß von kamelfleifch.

In El Matania bei Kairo erkrankten nach dem Genuß von Kamelfleisch 90 Personen an schweren Vergiftungserscheinungen. Zehn von ihnen starben vor der Einlieferung ins Krankenhaus.

warme Haare, geröstete Haut, Dornrisfe an den Armen, Schrammen an den Beinen und zerfetzte Schürzen. Sie duften nach Heu, frischgemähtem Gras, nach herbem Fichtenharz, nach abgeschältem Holz, nach plötzlichen Regenspritzern, nach Staub und Blättern. Ein Mädchensommer sitzt gerne am warmen Rain mit der Puppe im Schoß und ver­spielt die Tage im Sand, und wenn er aufgestanden ist, bleiben Kuchen aus Erde und vergessene Blech­formen zurück. Ein Mädchensommer radelt, schwimmt, wandert, blitzt mit hellen Kleibern in den Wäldern auf, hat bunte Märchenbücher in den Hänben, far­bigen Bast und farbige Wolle, trinkt an Brunnen­röhren, lagert sich schnatternd im großen Linden­schatten, sucht Muscheln unb glitzernden Glimmer, Bernstein, wenn er am Meere ist, und tritt mit blauem Emaillebecher an das sonnendurchglühte Himbeergesträuch. Mäbchensommer besuchen bie runzligen Großmütter auf bem Lande, besprengen aus Gießkannen bie Gartenbeete unb schielen voll Neid nach dem Knabensommer, dessen Lungenkraft, Wildheit und Ungestümheit sie mit Bewunderung erfüllt. Mädchensommer schenken einer Landschaft Heiterkeit, Helle, Wärme, Gezwitscher und Ge­lächter, Liederfetzen, alte Kinderreime und Reigen­tänze. Ein Mädchensommer, wenn er unter Blu­men, Vogelnestern, zwischen Hecken und Garten- zäunen sich bewegt, ist wie ein Volkslied, schön unb innig.

Am italienischen Rhein.

Von unserem römischen E.-Korrespondenien.

Rom, im Juli.

Auch Italien hat seinen Rhein. Er heißt genau so wie sein nördlicher Bruber, Rhenus im Lateini­schen und Reno im Italienischen, und bei Licht betrachtet, beim nicht immer ganz zuverlässigen Licht ber Etymologen nämlich, wäre bas gar nicht so verwunderlich. Wunbern muß man sich vielmehr barüber, daß nicht noch mehr, viel mehr große Flüsse so heißen, denn wenn das Wort wirklich keltischen Ursprungs ist, wie die Sprachforscher be­haupten, so bedeutet es einfach so viel wie Strom.

Man geht über viele reizvolle Wörter hinweg, ohne es zu wissen; wie viele Reisende aus bem rechtsrheinischen Deutschlanb in Konstanz eintreffen, ohne zu ahnen, daß sie über den Rhein gefahren sind. Und zwar auf der ersten Brücke, die über den heiligen Strom der Deutschen führt.

Hand aufs Herz: Wer unter den Millionen und aber Millionen von Rompilgern, wer weiß, daß er, mann er und wo er über den italienischen Rhein

Sam$tag,25.3uli (936

Kunst und Wissenschaft.

FestlicheWalküre" in Bayreuth.

Die zyklische Aufführung besNibelungen- Ringes" in Bayreuth würbe mit berW a l - küre" fortgesetzt. Wieber wohnte ber Führer ber Vorstellung bei. Außer den Reichsministern Generaloberst Göring, Dr. Goebbels unb Dr. Schacht sah man unter ben neuangetomme- nen Festspielgästen den Reichskriegsminister, Ge- neralfelbmarschall von Blomberg unb ben Oberbefehlshaber bes Heeres, Generaloberst Frei­herrn von Fritsch. Das gesellschaftliche Bilb, bas sich allabenblich im Vorgarten bes Festspielhauses zu entwickeln pflegt, war an biefem Tage besonbers vielgestaltig. Die Verehrer Wagnerscher Musik aus aller Welt fanben sich wieder ein und tauschten begeistert ihre Einbrücke aus. In vielen Sprachen tat sich bie Bewunberung über ben herrlichen Kunstgenuß bes Tages kunb, unb in bas Lob ber Auslänber mischte sich ber Stolz der deutschen Besucher.

Im Verlauf der diesjährigen Festspiele stellt die Aufführung derWalküre" einen Höhepunkt dar. Es war ein Triumph der Festspielidee im Sinne des Außergewöhnlichen und einer stetigen Arbeit, die feit mehreren Jahren von Heinz Tietjen als Regisseur unb Emil Preetorius als Büh­nenbildner geleistet wirb. In Wilhelm Furt­wängler erhielt diese vorbilbliche Werkgemein­schaft einen gleichwertigen Dirigenten, ber, über- raschend schnell mit den besonderen Klangverhält­nissen bes Festspielhauses vertraut geworben, ber Aufführung plastische Umrisse, mitreißenbe Bewe­gung unb unvergeßliche musikalische Akzente gab.

Im Rahmen bieser beispiellosen Wiebergabe bes ersten Hauptwerkes der Nibelungen-Trilogie nahm ber erste Akt roieberum eine Sonberstellung ein; es gelang ber Kunst Maria Müllers unb Franz Völkers, bas wundersame Erkennen Siegmunbs unb Sieglindes zu einem darstellerischen unb ge­sanglichen Erlebnis von außergewöhnlicher Ein- bringlichkeit zu gestalten. Joseph von M a n o - warba war ihnen als Hunbing ein unheimlich bebrohender Gegenspieler. In den Götter- und Walkürenszenen der beiben anberen Auszüge stan­den in Rudolf Bockelmann und Margarethe Klose klassische Vertreter desWodan" und der Fricka" auf der Bühne. Eine Brünnhilde von un­gewöhnlichem stimmlichen Format verkörperte Frida Leider. Mit ausgewählten Stimmen war das Walküren-Ensemble besetzt. Die Aufführung fand nach jedem Akt außerordentlich starken Beifall, obwohl die Künstler nach Bayreuther Brauch den Dank ber Zuschauer nicht persönlich entgegen« nahmen.

hessen-nassauische Künstler auf der Olympischen Kunstausstellung.

Die Landesstelle Hessen-Nassau der Reichskammer der bildenden Künste hatte wie überall in Deutsch­land die besten Werke bedeutender Künstler des Gaues ausgewählt und zur olympischen Kunstausstellung eingesandt. Dabei war allerdings die Bedingung zu erfüllen, baß die Kunstwerke sich in irgendeiner Weise mit dem Sport beschäftigen. Von ben eingesandten A r - beiten aus Hessen-Nassau hat die Jury fünf Werke zum internationalen Wettbewerb zuge- faffen und auf ber olympischen Kunstausstellung ausgestellt. Die fünf Künstler, die somit Hessen- Nassau auf ber großen Schau vertreten, sind Ha­rold Winter- Oberursel mit einer Skiläuferpla­ketteAbsahrtslauf", der Bildhauer Richard Mar­tin Werner- Frankfurt mit einer PlastikStar­tende Säuferin", der Bildhauer Prof. Hermann G e i b e l - Darmstadt mit einer PlastikSitzender Boxer", der Maler Alexander Posch- Darmstadt mit einem Gemälde ,Dor dem Tore" und der Ma­ler Heinrich H o e l - Frankfurt mit einem Bild Eishockey".

OLYMPAN

Oer neue Foto-Film mit öarantiesthein |