Nr. U6 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Donnerstag, 25. Juni 1936
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Der romantische Dichter Ludwig T i e ck hat sich ■ zu wenig bisher nachgegangen ist in de» Jahren 1803 und 1806 m Heidelberg auf-1 Landschaft, von Dürer in Far!
Geburtstagsparade vor König Eduard VIII
gehalten und den Ort in seinem „Phantasus" in folgenden Worten gepriesen:
„Die große wundervolle Heidelberger Ruine stand mit den verfallenen Türmen, den großen Höfen und der herrlichen Natur umher so schön in Harmonie, daß sie wie ein vollendetes Gedicht aus dem Mittelalter wirkte, ich war so entzückt über diesen einzigen Fleck unserer deutschen Erde,
- Die deutsche . , Durer in Farben dargestellt,
dann von den Romantikern wie Richter oder Runge neu entdeckt, gibt sich in Heidelberg in ganz besonderer Schönheit, und die vielen Tausenden von fahrenden Scholaren des Mittelalters und von Studenten der neueren Zeit, die aus aller Welt nach Heidelberg zum Studium kamen, haben diese deutsche Landschaft „wonnetrunken" in sich aufgesogen, sie haben ihre Pracht und Schönheit in aller Welt verkündet, und sie haben sie nicht zuletzt darum gepriesen, weil sie vor trockener und laubiger Gelehrsamkeit durch eben diese Landschaft bewahrt blieben.
Deutsche Menschast und deutsches Schicksal
Zur 550=3at)rfeier der Universität Heidelberg vom 27. bis 30. Juni.
Don Hans Hartmann
Art Inbegriff deutschen Wesens, deutscher Natur, deutschen Lebensgenusses erscheint.
Darum erhebt es uns, wenn jetzt Heidelberg unter der Anteilnahme der ganzen Welt sein 550. Jubiläum begehen kann. Die vielen, die durch die Hörsale, Seminare und Institute seiner auf allen Gebieten hervorragenden Universität gegangen sind, werden im In- und Auslande dankbar dieser Zeiten gedenken und sie werden sich des Triumphes deutscher Wissenschaft freuen, der in den vielen geschichtlichen Erinnerungen in diesen Festtagen zum Ausdruck kommen wird.
Da wird nun ganz von selbst neben der Idee der „naturverbundenen Heidelberger Wissenschaft" ein zweiter Gedanke in uns lebendig. Wie hat sich doch in dieser 550jährigen Geschichte das Schicksal des deutschen Geistes widergespiegelt! Der unendliche Reichtum deutscher Forscher- und P i o n i e r t ä t i g k e i t auf allen Gebieten hat hier einen besonders deutlichen Ausdruck gefunden. Lebensnahe Wissenschaft, auf die wir heute den allergrößten Wert legen und im Interesse des deutschen Aufstieges legen müssen, ist in Heidelberg reichlich und immer wieder getrieben worden.
Zunächst freilich stand die Universität ganz unter päpstlicher Herrschaft. Das hängt mit ihrer vor 550 Jahren erfolgten Gründung zusammen. Damals nämlich bestand die Kirchenspaltung, es gab einen Papst in Avignon, dem die Franzosen und mit ihnen ihre berühmte Pariser Universität, die 1255 von Robert von Sorbon gegründete „Sorbonne" huldigten. Sein Gegenspieler war Papst Urban VI. in Rom, der durch seine Bulle vom 23. Oktober 1384 die Universität „genehmigte". Die Bulle wurde am 24. Juni 1386 dem Kur- fürsten Ruprecht von der Pfalz, der um die Genehmigung nachgesucht hatte, auf Schloß Wersau bei Schwetzingen ausgehändigt, und von da an nahm die deutsche Wissenschaft ihren großen Aufschwung; denn Heidelberg ist die älteste auf reichsdeutschem Boden gegründete Universität (Prag war 1348 und Wien 1365 vorangegangen, aber
Manchmal hat sie sogar dem Gefühl überschwänglich Nahruna gegeben. Viktor von Scheffel hat seine Lieder über Alt-Heidelberg gedichtet. Die theaterhafte, heute verstaubte und verschollene Romantik des Stückes „Alt-Heidelberg", einer der großen Bühnenerfolge, hat Unzählige 'zu Tränen gerührt. Und wenn auch das rein künstlerische Urteil feststehen dürfte, so mag doch zur Verteidigung dieses Rührstückes etwas gesagt wer- den, das ein Heidelberger Gelehrter von Weltruf gelegentlich einmal aussprach, daß „das Rührstück Alt-Heidelberg das Sujet hat, daß der Prinz in seinem feudalen Korps hier zum reinen, warmen, liebenden, natürlichen Menschen werden darf". Es ist also das Unmittelbare und Natürliche, das in dieser von der Natur so gesegneten Universität durchbricht und nicht nur Unzählige beglückt, sondern auch der Wissenschaft wahrhaft gedient hat, indem es sie vor einseitiger Büchergelehrsamkeit bewahrte. Und es ist kein Zweifel, daß auch heute noch immer 'den Ausländern Heidelberg als eine
Neckarbrücke und Brückentor in Heidelberg. (Aufnahme: Dr.P. Wolff. jRDV.-M.j)
An seinem 42. Geburtstag nahm König Eduard VIII. die Parade seiner Gardetruppen ab. (Scherl-Bilderdienst-M.)
daß dieses Bild seit Jahren meiner Phantasie vor- schwebte."
Der Zauber der Universitätsstadt Heidelberg hat nun seit 550 Jahren Tausende und Abertau- sende betört, die dem Reiche der Wissenschaft dienten. Das ging einmal so weit: Professor Creu- z e r, der Hauptbegründer der modernen Mythenforschung und Religionsgeschichte, erhielt 1809 einen Ruf nach Leiden in Holland; aber schon im Oktober kehrte er wieder nach Heidelberg zurück, weil seine Phantasie diesen Ort nicht entbehren konnte. Die Ebenen Hollands waren ihm zu eintönig und gaben seinen hochfliegenden Gedanken über die Entstehung der Mychen und Symbole besonders in der altgriechischen Religion nicht genügend Nahrung. Man kann ja diese Religion auch wirklich nur verstehen von den griechischen Verhältnissen aus, seine Berge und Wälder waren mitbeteiligt an der Bildung der Mythen, die Götter wohnten au* dem Olymp, dem gewöhnlichen Sterblichen nicht zugänglich — und das alles läßt sich in der Heidelberger Landschaft leichter vorstellen als in der holländischen. Es ist nicht von ungefähr, daß sein Nachfolger, Erwin Rohde, der Freund Nietzsches, gerade als Heidelberger Professor sein für die griechische Religion bahnbrechendes Buch „P s y ch e" geschrieben hat
So ist mit Heidelberg in ganz besonderer Weise das Problem „Wissenschaft und Landschaft" gestellt — eine Frage, der man wohl noch I
Professor Dr. Groh
Rektor der Universität Heidelberg. — (Scherl-M.)
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Wien hatte sich zunächst schlecht entwickelt). Jener 24. Juni gab auch den Anlaß zur Datierung der Feier auf Ende Juni.
Auf lange Zeit war die Universität in den Händen einer außerdeutschen Macht, und dieser Zustand wiederholte sich im 18. Jahrhundert noch einmal, als die Jesuiten sie beherrschten. Im 14. Jahrhundert hatte sich die Ueberfremduna des deutschen Geistes bereits in unheilvoller Wei'se auszuwirken begonnen, und so nimmt die Universität Heidelberg teil an diesem merkwürdigen Schicksalsweg des deutschen Menschen, der zum Glück ein steter Weg der Befreiung zu sich selbst geworden ist. Wenn schon im 15. Jahrhundert der berühmte Humanist Reuchlin nach Heidelberg berufen wurde, der von der Selbständigkeit und Freiheit deutscher Wissenschaft Überzeugt war, so war das entscheidend wichtig, obwohl er gar nicht an der Universität lehrte und diese sich zunächst dem Humanismus gegenüber ablehnend verhielt. Auf die Dauer freilich waren die Gedanken von der freien Wissenschaft nicht zu bannen und unter der Regierung des ausgezeichneten Fürsten Ottheinrich von der Pfalz, der auch den Hauptteil des Heidelberger Schlosses baute, nahm denn die Universität einen großen Aufschwung, und ihr Ruhm in aller Welt mehrte sich zusehends.
Der Dreißigjährige Krieg zerstörte aber alle Blütenträume, und erst seit 1803 darf die Universität wieder mit Ehren genannt werden. Im 19. Jahrhundert war sie bahnbrechend auf allen Gebieten der Wissenschaft. Und wenn wir sagen dürfen, daß das 19. Jahrhundert leider auf dem politischen Gebiete einem oft unheilvollen Zickzackkurs der deutschen Einheit entgegensteuerte, so hat es auf dem Gebiete der Wissenschaft einen ungeahnten Siegeslauf, ungehemmt durch Hindernisse, angetreten, und einer der stärksten Mitbeteiligten an diesem Siegeslauf war eben die Heidelberger Wissenschaft.
In aller Kürze umschreiben wir die wesentlichen Wissenschaftsbereiche, die von Heidelberg aus eine so fruchtbare Förderung erfuhren. Das ist zunächst die Geschichtswissenschaft. Sie fand in Schlaffer, der die berühmte Weltgeschichte schrieb, in Gervinus, in dem für die deutsche Einheit so verdienten Ludwig H ä u ß e r und in Treitschke, der auch eine Zeitlang in Heidelberg wirkte, große Vertreter. Diese Geschichtsforscher waren fast alle von der Ueberzeugung beseelt, daß die Geschichte nicht um ihrer selbst willen betrieben werden dürfe, sondern damit wir daraus für die Gestaltung der Gegenwart lernen. Kam bann, wie
Helles Fenster in der Rocht.
Von Max Hungmckel.
Es ist spät nach Mitternacht. Die kleine verwinkelte Hargstadt schläft tief' Kein Fenster ist hell. Am Himmel der Mond. Die Stadt ist so still, daß ich das Wehen der Blätter im Nachtwind deutlich höre und das Flackern der Gaslaternen. Mein Schatten geht groß und deutlich auf dem Kopfsteinpflaster vor mir her. Bäume, Sträucher, Brunnen und Bänke haben auf einmal etwas Gespensterndes.
Da, in dem alten Haus, das wie ein trutziger Klotz an der Ecke steht, ist noch ein Fenster hell! Ein einziges, helles Fenster mitten in der schlafenden, träumenden, dunklen Stadt. Seltsam, wie mich das berührt. Es ist, als ob der Schein dieses hellen Fensters bis tief in mein Herz bringt. Und nun erhebt sich bie große Frage, spricht mich an, rüttelt mich, zwickt mich, geht nicht von mir weg: Weshalb ist bieses Fenster noch hell? — Ich will bie Frage abschütteln, aber sie bleibt vor mir stehen unb begleitet mich.
Ist hinter biefem Fenster ein Kranker? Ein Sterbenber? Sitzt bort in ber Stube einer mit einem schlechten Gewissen wie mit einem Bleiklumpen in der Brust? Ist einer wiedergekommen, ganz plötzlich unb heimlich? Von einer langen Reise? Aus ber Verschollenheit? Erleben hinter bem hellen Fenster zwei Menschen einige Stunben, bie so kostbar unb selig sinb, baß sie bas ganze Leben aufwiegen? Sitzt vielleicht hinter diesem Fenster — ein junger Dichter unb schreibt ein Gebicht, bas vor ber Ewigkeit mehr wiegt als bas alte Schloß in ber Stabt, als alle Maler unb Denker, die aus biefer Stabt tarnen, mehr wiegt als alle Kriege, bie über bie Stabt hingingen unb alle Fürsten, bie bas Stäbtchen einst beherrschten? —
Immer wieder, bei Schritt unb Tritt: .Weshalb ist das Fenster hell? Berechnet vielleicht em Alter, ein Weiser bie Bahn ber Sterne, ohne ben Blick vom Papier zu erheben? Ober ist ihm eben ein Gedanke eingefallen, der lange mit den Wolken zog, den niemand beachtete und der nun plötzlich wie ein Blitz in ein Menschenhaupt schlug? Em Gedanke, so einfach wie ein gefaltetes Handepaar. Wer weiß es, aber vielleicht pocht jetzt hinter diesem Fenster ein Menschenherz in Sorgen, in Verzweiflung, in Angst, in Tränen und Glück? Sitzt vielleicht bei diesem einsamen Licht ein junger Baumeister unb baut eine Straße bes Deutschen Reiches? Beschwört sie, die Großen, die Ruhm- reichen, die Heroischen. Sie stehen jetzt, übermensch
lich und groß in einer Kleinstadtstube, schauen in bas strahlenbe Gesicht eines jungen Baumeisters, sehen ihn immer roieber an, bis er sie in bie große, weite, furchtbare unb sternengleiche Straße bes Deutschen Reiches bannte. — Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Nein, ein Musiker sitzt bestimmt nicht hinter dem Fenster. Ich stehe unb lausche, stehe immer noch unter bem Fenster in tiefer Nacht unb will einen Ton, einen Seufzer, ein Wort erhaschen. Da, auf einmal ein Schrei! Ein kleiner, kräftiger Schrei. Es ist jetzt, als ob mir bas Blut in ben Abern stehen bleibt. Das Rauschen in ben Kastanien- bäumen hört augenblicklich auf. Unb nun roieber ein Schreien, aber bas ist nicht mehr so brängenb, so auffahrenb. Das ist ein quarrenber Kinberschrei. Ich stehe noch immer.--
Da erlischt plötzlich bas Licht. Ich gehe Als ich mich umschaue, steht bas Licht groß unb funfelnb im Hausflur. Ein Schlüsse! breht sich, eine Frau in einem Pelerinenmantel, mit einer großen Tasche an ber Hanb, wirb von einem Mann aus bem Haus gelassen. Ich höre noch bie Frau fragen:
Na wie soll er benn heißen?" — Der Mann antwortet mit polfernber Fröhlichkeit: „Wir waren ja so ganz auf ein Mäbchen eingerichtet, aber nun ist's eben ein Junge, ba soll er Hermann heißen!"
Wahrhaftig, daran hatte ich nun nicht gebucht, als ich mir Gebauten über bas helle Fenster machte. Daran hatte ich nicht gebacht, büß bahinter uuf em Kinb geronf^ wurde.
Tarragona
Bon Or Tritt Hessel, Madrid
Wer kennt nicht bie vielgerühmten Tarrugona- Weine? Sie haben Weltruf. Aber weiß man auch, baß Tarragona früher eine ber bebeutenbften Stabte Spaniens zur Römerzeit gewesen ist? Hört man je in ber Heimat von ben bebeutenben Rumen biefer Stabt, bie an seine glorreiche Vergangenheit erinnern^ Darum möge nut wenigen Worten Die Vergangenheit ber heutigen Wemstabt an unseren Augen vorüberziehen.
Die Ursprünge biefer Stabt, bte am Ranbe bes Mittellänbischen Meeres auf einem felsigen Hügel 160 Meter über bem Meeresspiegel gelegen ist unb früher ben Namen Tarraco trug, sind bestimm chon in prähistorischer Zeit zu suchen. Vielleicht ist ie eine Grünbung ber Iberer. In einer alten griechischen Reisebeschreibung, bie vielleicht schon aus
bem 6. Jahrhunbert v. Ehr. stammt, wirb von einer Stabt Gallipolis (bie schöne Stabt) gesprochen. Damit scheint Tarragona gemeint zu sein. Als bie Griechen biefe Kolonie grünbeten, knüpften sie halb Beziehungen zu ben Eingeborenen an, unb es ist nicht ausgeschlossen, baß ein geringer Teil ber Wälle eine Schöpfung ber Griechen ist. Die Ausgrabungen, bie man in ber letzten Zeit unternommen hat, haben bas Ergebnis gezeitigt, baß hier eine ausgebehnte iberische Sieblung bestaub. Auf ihren Resten sinb bann später bie ersten römischen Bauten errichtet worben.
Genauer sinb wir über bie Stabt zu ber Zeit unterrichtet, als sie in bas Blickfelb bes großen geschichtlichen Geschehens trat. Tarragona war nämlich bas Einfallstor ber römischen Kultur auf ber spanischen Halbinsel. Zu Beginn bes 2. Panischen Krieges (218—201) brangen hier bie beiben Sci- pionen ein unb vertrieben bie Karthager fast ganz aus ber Halbinsel. Tarragona, bas man zuerst kolonisierte, würbe zu einem wichtigen Stützpunkt ber römischen Herrschaft. Im 1. Jahrhunbert v. Ehr. beschenkte Cäsar bie Stabt sogar mit einem Namen feines eigenen Hauses, bes berühmten julianischen Geschlechts. Sie hieß bamals „Colonia Julia victrix Triumphalis Tarraco“ Wegen ihrer bebeutenben Stellung wählten einige römische Kaiser sie später vorübergehend zur Resibenz. Augustus unb Habrian hielten sich in biefer Stabt längere Zeit auf. Im 2. Jahrhunbert erreichte sie ben Höhepunkt ihrer Entwicklung unb zählte bamals über 30 000 Einwohner. (Heute sinb es auch nicht mehr.) Einige, bie keinen Platz mehr innerhalb ber Mauern fan- ben, mußten sich in ber Ebene vor ben Toren an= fiebeln. Der römische Geschichtsschreiber Pomponius Mela nannte sie urbs opulentissima (eine sehr reiche Stabt). Augustus schmückte sie mit mancher- r»i Prachtbauten. Sie selber weihte bem „göttlichen" Augustus einen Tempel. Auch ein Zirkus, ein Theater, Thermen unb anbere Tempel würben bamals gebaut unb machten Tarraco zu einer ber bebeu- tenbften römischen Stäbte auf spanischem Boben. Auch bie Weine würben bamals schon von Plinius gepriesen. Nach bem Verfall bes Römerreiches teilte Tarraaona bas vielgestaltige Schicksal ber übrigen spanischen Stäbte unb wechselte oft feinen Besitzer, bis es heute zu einer ziemlich bebeutungs- losen Stabt herabgesunken ist, bie nur noch von ihrer Vergangenheit zehrt.
Obgleich bie Ruinen noch in reicher Zahl vorhanden sinb, können sie boch kein vollstänbiges Bilb ber einstigen Größe geben. Das wichtigste Zeitbokument sinb bie Stadtmauern, die sich 3 Kilometer lang um bie Stabt herumziehen unb teilweise noch bis
zu einer Höhe von 10 Meter erhalten sinb. Ueberall erkennt man noch beutlich bie gewaltigen unbehauenen Felsblöcke ber iberischen Zeit, auf bie bie Rö- mer ihre Quabern fetzten. An einigen Stellen fin- ben sich noch Inschriften, bie von iberischen Steinmetzen herrühren bürsten. Zur Zeit bes Augustus mürbe bann noch eine Festung gebaut. Von bem Forum, auf bem sich nach bem Dorbilbe Roms bas ganze politische unb wirtschaftliche Leben abspielte, ist nur ganz wenig überliefert. Von bem Theater, von bem man wie in Sagunt unb an anberen Orten eine herrliche Aussicht auf bas Meer hatte, sinb leiber nur noch einige Stufen vorhanben. Der Zirkus bagegen hat uns noch einige unterirbifche Gewölbe hinterlassen.
Außerhalb ber Stabt gibt es noch weit besser erhaltene Denkmäler, so ben Aequäbukt von Ferreras, der 217 Meter lang unb 24 Meter hoch ist. An ber tiefsten Stelle finben sich sogar zwei Bogenreihen übereinanber. Der Aquäbukt hatte bie Aufgabe, ben Thermen ber Stabt bas Wasser bes Gaya zuzuführen. — Auf ber großen Fahrstraße nach Bar- celona befinbet sich in 6 km Entfernung von Tarragona ein Grabbenkmal. bas man heute immer noch Torre de los Escipiones nennt, obgleich man längst erkannt hat, baß es aus einer viel älteren Epoche stammt. In seine Außenwanb, bie brei Stockwerke enthält, sinb zwei Figuren eingemeißelt —15 Kilometer weiter auf ber gleichen Straße erhebt sich ber prächtige Arco be Bara, ber entweder als Friebenszeichen ober als Grenzstein zwischen zwei benachbarten Volksstämmen biente. Er ist bestimmt einer ber schönsten römischen Bogen in ganz Spanien. Der Inschrift zufolge ist er von einem svanischen Freunbe Kaiser Traians errichtet unb muß baher aus bem 2. Jahrhunbert n. Ehr. stammen. Jeber Autofahrer, ber biefe Straße benutzt, fährt noch heute unter biefem herrlichen Boben dicht am Mittelmeei hindurch.
Eine kostbare frty«.
Bei einer der letzten Versteigerungen, die bei ber berühmten Kunsthanbelsfirma Christie in Lon- bon abgehalten würbe, entstanb ein lebhaftes Wett- bieten um eine Uhr aus ber Zeit Ludwigs XVI. Die Angebote wurden schnell von 3500 Mark auf 18 500 Mark hinaufgetrieben. Das Gehäuse der Uhr ist mit einer Terrakotta-Gruppe von drei tanzenden Nymphen von Clodion geschmückt, gezeichnet unb batiert von 1788; barüber erhebt sich eine Glasglocke mit bem Uhrwerk


