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Geschichten aus aller Welt

schieussner

mit Garantieschein I I

der eine Feind ist in der Wüste, so ist der Wind der andere. Es gibt Tage, da man schon mit schwe­rem Kopf aufwacht. Bedrückende Atmosphäre bei schönstem Wetter. Bei scheinbar schönstem Wetter. Denn in erschreckend kurzer Zeit ist die Sonne weg, der Himmel ist gelb.Chamsin", derFünfzig­tägige" der Sandsturm, der aus dem Süden

V. A. Mit der Veröffentlichung des Sommer­flugplanes, der ab 19.4.1936 Gültigkeit hat, gibt die Leitung unserer Lufthansa der Oesfentlichkeit aufschlußreiche und bedeutsame Einblicke in die ver­antwortungsvolle Arbeit eines unserer^ größten Derkehrsunternehmen. Beachtlich ist zunächst, daß trotz aller politischen Unklarheiten und Uneinig­keiten über Beginn und Durchführung des Som­merflugdienstes schnell eine internationale Rege­lung erzielt wurde, bemerkenswert ist auch die Tat­sache, daß . Berlin mit weitem Vorsprung an der Spitze aller europäischen Flughäfen steht. Von Berlin aus verkehren täglich 49 Flugverbindungen im Reich und im Ausland. Das bedeutet täglich 98 abfliegende und ankommende planmäßige Ver­kehrsflugzeuge in Tempelhof, ganz abgesehen von den zahlreichen Verdichtungs- und Rundflugzeugen, die den Zentralflughafen benutzen werden.

Das Flugverkehrsnetz nach den anliegenden euro­päischen Staaten wurde wesentlich verbessert. Z. B. bestehen jetzt zwischen Berlin und Amsterdam und London täglich 3 durchgehende Verbindungen, die morgens um 7,05, mittags um 11,25 und nach­mittags um 16,50 von Berlin abgehen. Für Luft­reisende aus Berlin, die am gleichen Tage wieder zurückfliegen müssen, ist es wichtig zu wissen, daß man jetzt über 6 Stunden Zeit in London zur Verfügung hat. Rach dem Norden, also nach Ko­penhagen, Malmö, Stockholm, Gotenburg und Oslo bestehen von Berlin aus täglich 2 Flugverbindun­gen, während man von Hamburg aus sogar fünf Strecken verfügbar hat.

Ausgezeichnet sind die Anschlüsse verschiedener Fernstrecken. So ist es möglich, den Weg Athen London, rund 3038 Kilometer, an einem Tage zu befliegen. Ein anderes Beispiel ist Moskau bzw.

kommt, besonders häufig jedes Jahr während einer Periode von 50 Tagen. Der Sand, den der Wind mit sich trägt, dringt durch alles durch: die wohl- verschlossensten Kisten können ihn nicht abhalten. Heiß, schwer, schlagend. Jede Sicht ist verhindert. Neue Spuren werden zugedeckt, alte aufgeweht. Naturgewalten, denen nichts entgegenzusetzen ist.

Leningrad. Von beiden Städten aus hat man am selben Tage Anschluß nach London und überbrückt damit fast 3000 Kilometer. Diese Deru-Luftstrecken haben ebenfalls Anschluß nach Paris, da die Pa­riser Maschine um 16.10 Berlin verläßt und man aus Moskau bzw. Leningrad bereits um 15.45 in Berlin eintrifft. Die durchgehende Verbindung Ber­linMadrid, die durch die Verlängerung der Strecke 22 BerlinBarcelona geschaffen wurde, ermöglicht auch den unmittelbaren Luftverkehr zwischen den Reichshauptstädten Deutschlands und Spaniens an einem Tage.

Aber auch im Jnlande wurden die Flugstrecken verbessert und weitestgehend wenn man so sagen darf aufKundendienst" eingestellt. Neu ist z. B. die Einrichtung einer Theaterstrecke für die Bewohner Leipzigs und Halles, die Berliner Thea­ter besuchten und abends um 23.15 von Tempel­hof abfliegen und um 0.05, also 5 Minuten nach 24 Uhr in Halle bzw. Leipzig eintreffen. Die Luft­hansa ist der Ansicht, daß diese vielen Wünschen entgegenkommende Flugverbindung lebhaft benutzt werden wird.

Für den Verkehr der Erholungsreisenden nach den Nordseebädern stehen weit günstigere Bäder­strecken als in den vergangenen Jahren zur Ver­fügung. Die Ostsee wird von Berlin über Stettin erreicht, angeflogen werden Swinemünde und Sel­lin. Hingewiesen sei auch auf die neue, schöne, zweimal täglich beflogene Riesengebirgsstrecke von Breslau nach Hirschberg und auf die ins Schwaben­land und an den Bodensee Mrende Verbindung

ob mit Flugzeug oder Luftschiff: im Wettbewerb der Völker der Erde nimmt sie eine führende Stel­lung in der Verkehrsluftfahrt ein. Das haben die Erfolge der letzten Jahre gezeigt, und so wirbt unsere Lufthansa im wahrsten Sinne des Wortes für deutsche Wertarbeit, für deutsche Maschinen und deutschen Unternehmergeist.

sich aus folgenden kurzen Angaben:

Es gibt kein einfaches Verbum, um ganz allge­mein den Begriffgeben" auszudrücken. Man muß vielmehr genau unterscheiden, was man gibt, wem man es gibt und wer man selbst ist, der als Ge­bender auftritt. Jedes dieser drei verschiedenen Verben mit dem Begriffgeben" hat sieben Flek- tionen, um wiederum die Bestimmung des Gegebe-

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Zwischen Schwarz und Weitz.

B/Li. Nanking.

Die chinesische Zentralregierung hat kürzlich eine Verordnung erlassen, derzufolge in Zukunft die Trauerfarbe in China schwarz sein soll. Das hort sich sehr unbedeutend an, kann aber unter Umstan­den von nicht geringerer Tragweite werden als der mißglückte Versuch des ehemaligen afghanischen Kö­nigs, in seinem Land den Frauenschleier abzuschas- fen. Schwarz ist bislang in China die Farbe des Festes und der Freude, während die Trauerfarbe weiß ist. Unter den traditionsliebenden Chinesen hat der von Amts wegen angeordnete Farbenwech­sel nicht geringe Erregung hervorgerufen, denn man hält ihn für den ersten Schritt auf dem Wege zur Europäisierung Chinas. _

Die Zahl der konservativen, an den alten Brau­chen hängenden Chinesen ist weit größer als die der modernen. Nur in Großstädten wie Schanghai, Nanking usw. ist überhaupt etwas von dem west­lichen Einfluß zu merken. In den kleinen Städten und vor allem auf dem Lande sieht China heute noch genau so aus wie vor Jahrhunderten, und es ist anzunehmen, daß man sich hier gegen die schwarze Trauerfarbe erheblich wehren wird.

Da freuen sich die Freunde der Grammatik.

(o) Bombay.

Vor kurzem ist der britische Leutnant I. L.Lorimer aus Kaschmir zurückgekehrt. Er hielt sich hier in dem nördlichsten Bereich jenes Gebietes auf, das am Zusammenschluß der mächtigen Bergketten des Hindukusch und Karakorum liegt. Hier findet man ein kleines Land, das 20 000 Menschen beherbergt und an den Ufern des Flusses Guilguit, eines Ne­benflusses des Indus gelegen ist. Die Einwohner jenes Landes nennt man Boruschos, ihr Land die Hunza. Aber nicht der Namen, nicht die merkwür­dige Natur, nicht die Lebensweise und gewisse Er­innerungen an sehr ferne europäische Einflüsse machen das Land so interessant und bemerkens­wert, sondern die Sprache ist das größte Problem, was sich für den Wissenschaftler in diesem Lande Hunza aufwirft. Die Einwohner würden zweifels­ohne die besten Freunde aller Liebhaber gram­matikalischer Absonderlichkeiten werden. Ihre Sprache, das Buroschaki, ist vollkommen einzig­artig. Es handelt sich den Wortstämmen nach um das Ueberbleibsel eines Sanskrit-Idioms. Die Sprache hat sich vom Sanskrit selbstverständlich ziemlich weit wegentwickelt. Welches Vergnügen es aber bereiten muß, dieses Idiom zu lernen, ergibt

Bankbilanzen den Quartalsdispositionen angepaßt.

Die zu den Quartalsterminen vielfach notwendige Verfügung der Wirtschaft über größere Mittel spiegelt sich in den jetzt erscheinenden Märzbllan- zen deutlich wider. Die im Februar beobachtete Saisonbelebung, die in einer Vermehrung der Kre­ditansprüche und des Remboursgeschäftes ihren Ausdruck fand, hat sich zunächst nicht fortgesetzt. Infolgedessen zeigt die Aktivseite der Banken in den PostenSchuldner" undRembourskredlte

Feierlicher Auftakt zum Schlußkamps der Reichsberusswettkämpse

stand, den man gibt, genau zu kennzeichnen. Auch wenn man z. B. das WortVater'gebraucht, muß man sorgfältig unterscheiden, wessen Baler genannt werden soll, ob dieser Vater alt oder jung ist, ob dieser Vater in irgendeiner Verwandt­schaft zu dem Sprechenden steht usw. Auch bist gibt es wieder eine Unzahl verschiedener Formen. Es gibt in dieser Sprache ferner genau 28 Mög­lichkeiten, die Mehrzahl auszudrücken. Man mutz wirklich schon ein Liebhaber der Grammatik-nb ein Sprachgenie sein, wenn man sich durch bi/e geheimnisvollen Formen und Fälle hindurchfinden will.

Frische Fische.

Da. Washington.

Kennen Sie die hübsche Geschichte von dem Mann, der einem anderen stundenlang beim Angeln zu- schaute? Nachdem er vier Stunden geduldig aus- geharrt hatte, ohne zu erleben, daß der andere auch nur eine tote Katze fing, fragte er ihn:Gibt es eigentlich etwas Stumpfsinnigeres als zu an» geln?"O ja," erwiderte der,zuzuschauen, wie ein anderer angelt."

Diese Anekdote hat zwar unmittelbar nichts mit dem zu tun, was hier erzählt werden soll, aber sie beweist immerhin, daß Angler schlagfertige Leute sind, die sich in allen Lebenslagen zu helfen wis­sen. Sie wissen sich sogar zu helfen, wenn sie trotz größter Geduld und Ausdauer keine Fische fangen. Mr. John Churchill, Inhaber einer großen Fische» rei in der Nähe von Memphis, kann es bezeugen.

Mr. Churchill hat nämlich eine kleine Indiskre­tion begangen, was den unzähligen amerikanischen Anglern nicht gerade angenehm sein wird. Er be­hauptet, allein im vergangenen Jahre mehr als 500 000 Pfund frische Fische an Angler verkauft zu haben, denen Petri Heil versagt blieb, und er erklärt, daß schlechte Angler seine besten Kunden

Wer jemals Gelegenheit hatte, die Scharen angel­lustiger Amerikaner zu beobachten, die sämtliche Seen der Vereinigten Staaten bevölkern, der w"d überzeugt davon sein, daß Fischereiaktien eine aus- gezeichnete Kapitalsanlage sind.

Dieschwarze Maria" im Fahrstuhl.

(th) Neuyork.

Die berühmte oder berüchtigteGrüne Minna", jenes im Interests seiner wohlbehüteten Jnsasi'n vor jedem schädlichen Luftzug hermetisch geschlossene Staatsgefährt, in dem die Schützlinge unserer Ge­setze ihre Ortsveränderungen in uniformierter Be­gleitung vorzunehmen pflegen, heißt in Neuyork Black Mary, dieSchwarze Maria". Sie hat kürzlich ein Erlebnis gehabt, dessen sich bisher wohl noch keine ihrerKolleginnen" rühmen kann. Der Polizei war zu Ohren gekommen, daß sich in einem Geschäftsraum im zehnten Stockwerk eines

keine Zunahme; wohl aber weist der Wechsel- bestand einen starken Zuwachs auf, der sich bei den Großbanken auf 35 Millionen, und bei ben Spezial-, Haus- unb Branchebanken unb "Sonstl- gen Krebitbanken" auf runb 125 Millionen belauft. Ebenso erforberte ber PostenFällige Zins- und Divibenbenscheine" für bie Einlösung ber Coupons ein Mehr von 60 Millionen.

Dieser flüssigen Anlage stehen aus der Passiv­seite bie Debitoren gegenüber, ^le sich nicht un- erheblich vermehrt haben. Bei ben Großbanken be­trägt bie Zunahme 65 Millionen unb bei den der­ben anberen vorstehenb genannten Gruppen 135 Millionen, wobei beachtenswert ift, batz feste und Künbigungsgelber als jeberzeit fähige Gelber um» gelegt worben finb. Wir haben also bas Bild einer sehr liquiden Quartalsbilanz, bas uns erneut zeigt, wie sich bie Banken ben jeweiligen Erfordernissen ber Wirtschaft sripassen unb wie stark geruste. sie sind, um erneuten Krebitcmsprüchen jederzeit ent­sprechen zu können.

Oberqebietsführer Ar mann eröffnete am Donnerstagabend im Hofe des historischen Ordensschlosses von Königsberg den Endkampf des Reichsberufswettkampfes der deutschen Äugend. 700 Jungen und Mädel nahmen neben zahlreichen Ehrengästen an dieser eindrucksvollen Feier teil. Man sieht hier einen Ausschnitt von der Feierstunde im Schloßhof. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Weltgeltung unserer Lufthansa.

StuttgartFriedrichshafen.

Die Deutsche Lufthansa schlägt Brücken von Volk zu Volk unb erfüllt bamit eine friedvolle Aufgabe, uuutu, um witvuum .......YC 'm"

deren Bedeutung kaum abzusehen ist. Gleichgültig nen, den Empfänger, den Gebenden und den Gegen-

Das Schicksal benutzt Bona.

Eine Anekdote von Karl ^erbs.

Wer sich berechtigt glaubt, gegen das irdisch sicht­bare Verfahren der höheren Gerechtigkeit auf Grund eigener Erlebnisse und Beobachtungen Einwände zu erheben, wird mit beträchtlichem Gewinn bie hier folgenbe Geschichte lesen, weil sie bie löblichen Ab­sichten ber angegriffenen Instanz mit einem klaren Falle erweist. Wollte man aber anmerken, baß bie Lenkung ber Ereignisse ein wenig zu sehr nach ab­sichtlicher Beispielgebung aussieht, so wäre bem ent­gegenzuhalten, baß man der erwähnten Stelle billigerweise nicht bas Recht absprechen kann, sich mit einem Schulfall gegen bie so häufige Kritik an ihrem Verhalten zu becken.

Die hier ohne erfunbene Zutaten geschilberten Ereignisse begaben sich mit einem gewissen Doktor Bona, ber, aus bem Schwarzburgischen gebürtig, während der Felbzugsjahre 1813 unb 1814 bas rus­sische Heer auf bem Marsche nach Frankreich als Wunbarzt begleitete. In seinem Namen ist bereits, wenngleich leider mit einem Verstoß gegen die lateinischen Sprachregeln, angebeutet, baß er ein Mann von großer Lauterkeit unb Trefflichkeit bes Wesens war; unb zahllose Wohltaten, bie er in stiller Hilfsbereitschaft wirkte, schrieben sein Anbenken un­austilgbar in viele Herzen. Hier fei nur berichtet, baß er eines Tages auf feinem Jnspektionsgange durch ein Stuttgarter Lazarett ein lautes Jammer­geschrei vernahm unb, mitleibig herzutretenb, einen jungen Kosaken gewahrte, dem ein emsiger Felbscher eben bas von einer Kugel zerschmetterte rechte Bein abnehmen wollte. Bona untersuchte bie Wunbe unb fanb sie zwar bebenklich, aber nicht aussichtslos. Er schob den kaltherzigen Knochensäger entrüstet beiseite, nahm sich selbst der Sache an und besorgte sie trotz seiner fast über Menschenkraft schweren Arbeitslast in ber Folge so umsichtig, baß er seinem Schützling das Bein erhalten unb ihn völlig ausgeheilt ent­lassen konnte. Es war ein chirurgisches Meisterstück, über bas Bona später eine Abhanblung geschrieben hat.

Balb barauf hatte Bona einen Solbaten zu unter« sucken, ber wegen eines Dienstvergehens zu einer großen Anzahl von Knutenhieben verurteilt worben war; bie russischen Heeresgesetze schrieben vor, baß solche Sünber zuvor von einem Arzt untersucht wer­den mußten, ob sie bie Strafe ohne Gefährbung ihres für bie Kriegsführung oermenbbaren Lebens ertragen konnten. Bona fetzte sich unerschrocken für den armen Teufel ein, obwohl ein gefährlicher Exe- kutionsoffizier dem ungebetenen Menschenfreund den

Sieg grimmig schwer machte; unb wenn ber Doktor bas Opfer auch nicht gänzlich befreien konnte, so vermochte er boch bie größere Hälfte ber Hiebe her- unterzuhanbeln.

Währenb bes Felbzuges sparte bie erwähnte hohe Stelle ben guten Doktor Bona ohne ersichtliche Kunb- machung ihrer Absichten für ihre Zwecke auf; als er inbeffen nach bem Kriege in Lobz als Arzt wirkte, begann sie über ihn zu verfügen. Sie setzte ihm zu­nächst mit einer uns nicht überlieferten Begrünbung ben Gebauten in ben Kopf, baß er seine Praxis auf­geben und ausgerechnet in Odessa am Schwarzen Meer das Heil seines Lebens suchen müsse. Er ver­wandelte seine beträchtlichen Besitztümer in bares Geld, nahm von seinen betrübten Freunden und Patienten Abschied und trat auf einem Dnjeprschiff seine abenteuerliche Reise an. Da nun erging es ihm schlimm genug: In einer schwarzen Sturmnacht ge­riet das Schiff in Brand, und Bona durfte sich glücklich schätzen, daß er nicht gleich vielen anderen Fahrgästen verbrannte oder ertrank, sondern schwim­mend das Ufer erreichte; während seine Habe von den Flammen verzehrt wurde, verlor er auch noch seinen Brustbeutel mit dem Rest seines Geldes. Er durch­tastete, an Augen und Füßen vom Feuer verletzt, blindlings die Finsternis, fand eine Tür und sank auf dem Steinboden eines dunklen Raumes ohn­mächtig nieder.

Genug der Prüfung, meint man, unb nun müsse bie Erhebung beginnen? Mitnichten. Zwar würbe Bona, der sein Augenlicht verloren wähnte unb in bemütigem Gebet am Boben kniete, im Morgen­grauen von frommen Nonnen entbeeft unb in ihrem Kloster barmherzig gepflegt; als er inbeffen, kaum genesen, von seiner brängenben Unrast auf eine mühselige Wanberfahrt getrieben würbe, fanb er wohl einen Schiffer, ber ihn ein Stück flußabwärts fuhr, aber ber habgierige Schurke setzte, als ber von ben armen Nonnen gefpenbete Zehrpfennig nach seiner Berechnung burch bas Fahrgeld verbraucht war, ben Doktor mit vielen guten Wünschen an bas Ufer. Da schleppte sich nun Bona, besser» Augen immer noch nicht roieber ganz gefunb waren, müh­selig burch ein ödes, rauhes Lanb; unb es kam eine Stunbe in ber Nacht, ba er, vom eisigen Regen zer- peitscht, von stvßenben Böen gerüttelt, nur noch durch ein Wunder bem Tobe entrissen werben konnte. Als er, zusammenbrechenb, mit ber letzten Kraft feines Atems um Hilfe schrie, sah er, was er längst nicht mehr zu erhoffen wagte: ein Licht. Bald dar­auf gewahrte er über sich im roten Flackerschein einer qbalmenden Fackel ein Gesicht, aus dem zwei kleine mißtrauische Augen zu ihm niederspähten. Was aber war es, bas mitten im schwarzen Bart­

gestrüpp bes Fremben ein plötzliches Aufleuchten entzünbete unb seinem 'borstig umwucherten Munbe ein gewaltiges Freubengebrüll entlockte? Wieber- schensjubel war es; und Dr. Bona lag in der Um­schlingung des Mannes, dem er im Lazarett zu Stuttgart das Bein gereitet hatte. M issen wir sagen, daß der Brave, der übrigens Zöllner geworden war, und ber biblischen Ueberlieferung feines Berufes ge­treulich nachlebte, ben Doktor wie einen Bruber pflegte und sogar heimlich feine einzige Kuh ver­kaufte, um ihm Reisegeld vvrstrecken zu können? Bona verließ die Hütte des Zöllners erst nach Wochen als ein völlig gesunder Mann unb gelangte wohlbehalten nach Kiew, wo er Freunbe fanb unb seinen Retter reichlich belohnen konnte.

Kaum war bas Unwetter vorüber unb ruhigeren Tagen gewichen, als Bona seine neue Praxis im Stiche ließ unb sich roieber auf bie Reise nach Obessa machte; unb zwar, ba er gegen ben Wasserweg eine begreifliche Abneigung gefaßt hatte, in einem ge­mieteten Fuhrwerk. Alles ging vortrefflich, bis eines Abenbs der Kutscher in einem ber roilben deßarabi- schen Wälber bie Richtung verlor unb, bie Pferbe am Zügel sührenb, mit einem lieblichen Wechsel zwischen kräftigen Flüchen unb gläubigen Gebeten einen Zickzackweg in immer schwärzeres Dickicht steuerte. Aber auch biefe Fahrt bauerte nur so lange, bis ihr zwei wüste Kerle, bie burch malerische Lum­pen, brohenb geschwungene Fackeln unb vorgehaltene Pistolen zweifelsfrei als Räuber ausgewiesen wur­den, ein Ende machten. Der Kutscher sank in bie Knie unb forberte alle Heiligen zur Hilfeleistung auf; Bona inbeffen, burch Unglück gehärtet, blickte ben Wegelagerern furchtlos aufgerichtet entgegen. Da nun geschah es, baß einer von ben beiben plötzlich bie Pistolen in ben Gürtel stieß, ben Doktor vom Wagen riß, ihm schallenbe Küsse auf beibe Wangen schmatzte unb sobann mit bonnernbem Gebrüll um ben Wagen eine Aufführung machte, bie nicht anbers benn als ein urwüchsiger Freubentanz gebeutet wer­ben konnte. Bei einer erneuten Umarmung mit bem Doktor zeigte sich bann, baß er ber Solbat war, ben Bona bereinft vor ber Verstümmelung, wenn nicht bem Tobe unter ber Knute gerettet hatte. Der Doktor würbe zum Lager ber Räuberbanbe geleitet, die ihn wie einen alten Freund begrüßte und wie einen König ehrte; man veranstaltete sogleich ein Festgelage, unb er sprach bem Wein so eifrig zu, baß ihm ber fernere Verlauf ber Ereignisse balb nur noch wie ein unbeutlicher farbiger Wirbel umkreiselte. Beim Morgengrauen hob man ihn, bem gleicher­maßen von Rührung unb von Kopfweh bie Augen übergingen, auf seinen Wagen, und eine Stunde darauf nahm er an ber Lanbstraße von feinem

Schützling unb Retter Abschieb. Später fanb er unter den Kissen bes Wagens einen versteckten Beutel mit Golbstücken, bie er, ba er sie nicht zurückgeben konnte, in Obessa zur ärztlichen Fürsorge für bie Armen oerroanbte. Wenn auch feit biefer Zeit fein Leben für uns in bie Verborgenheit gerückt wird, so meinen wir boch zu wissen, baß die Fügung ihm nach dieser anschaulichen Durchführung ihrer Adsich- ten die Sicherheit im Hafen gegönnt hat.

Deutsche Kraftwagen in aller Welt.

Die deutsche Kraftwagenindustrie hat ihre Aus» fuhr im Jahre 1935 gegenüber dem vorangegange­nen Jahr um 50,2 Millionen Mark erhöhen können. Das bedeutet einen Zuwachs von 69,6 v. H. und zwar gilt diese Steigerung für sämtliche Fahrzeug­gruppen. Am stärksten hat nach ben Ermittlungen bes Statistischen Reichsamts bie Ausfuhr von Kraft» räbern zugenommen, nämlich um 121,4 v. H. Wert­mäßig fiel ber Zuwachs vor allem, wie in ber Frankfurter WochenschriftDie Umschau" mitge­teilt wird, bei Personen- unb Lastkraftwagen ins Gewicht. Von ben ersten wurden 1935 fast für 12 Millionen Mark, von den zweiten für 6,5 Mil­lionen Mark mehr verkauft als im Jahre vorher. An ber Stückzahl gemessen überschritt bie Ausfuhr von Personenkraftwagen (unb Untergestellen) im Jahre 1935 ben Stand des Vorjahres um mehr als drei Viertel. Die Hauptsteigerung war bei ber Aus­fuhr nach Europa mit 6977 Stück zu verzeichnen. Unter ben für ben Absatz wichtigeren europäischen Ländern stand Spanien im Jahre 1935 mit bem Kauf von 4012 Stück an erster Stelle, an zweiter Belgien mit 2948. Neben Spanien unb Belgien konnte bie Ausfuhr gegenüber 1934 auch in ber Schweiz, in den Niederlanden unb in Dänemark erhöht werben. Noch wichtiger aber ist es, baß bie beutsche Kraftfahrzeuginbustrie sich den Zutritt zu Märkten erkämpft hat, die für sie bisher kaum zu­gänglich waren. Das gilt vor allem für die Agrar­länder im europäischen Osten unb Süboften, wie Ungarn, Rumänien, Griechenlanb unb Bulgarien, sowie für Großbritannien, den Irischen Freistaat, Schweden und Norwegen. Ein Vergleich zeigt, daß besonders die kleineren Länder, bei denen sich wegen der Binnenmarktverhältnisse bie Eigenherstellung von Kraftfahrzeugen nicht lohnt, zu Abnehmern ber beutschen Autoinbustrie geworden sind. Nach Ueberfee hat sich die Ausfuhr von Personenwagen um fast bas Doppelte, nämlich um 1660 Stück er­höht.