runa und Förderung des Gemeinwohls durch einträchtige Zusammenarbeit ebenfo wie der Erzeugung rassegleicher, erbgesunder Kinder und ihre Erziehung zu tüchtigen Volksgenossen. So wird mit der Neugestaltung des Eherechts der dritte, letzte Akt durchgeführt, der die Gemeinschaftsform im nationalsozialistischen Staat regelt: In der großen Volksgemeinschaft ist die politische Zu
verlässigkeit die oberste Richtlinie, innerhalb des Betriebes die Gefolgschaftstreue und innerhalb der Ehe als Urzelle des Dolks- gedeihens die persönliche Sauberkeit. Damit vollzieht sich die Verwirklichung der sittlichen Forderungen des Nationalsozialismus in allen Dimensionen der völkischen Gemeinschaft.
Eröffnung der „Grünen Woche".
Erzeuger und Verbraucher in einer Front in der Abwehrschlacht gegen den Bolschewismus.
B e r l i n, 25. Ian. (DNB.) Vor zahlreichen Ehrengästen eröffnete heute vormittag Reichsernährungs- minister und Reichsbauernführer R. Walther Darre in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm die „Grüne W o ch e". Auch der Reichsjägermeister und preußische Ministerpräsident Hermann G ö - ring hielt bei der Eröffnungsfeier eine Ansprache.
Reichsernährungsminister Darre
führte u. a. aus:
Das deutsche Landvolk will durch diese Ausstellung insbesondere zum Städter sprechen, um sein Interesse und sein Verständnis zu wecken und damit seine Mitarbeit bei diesem Aufbauwerk der Sicherung unserer Ernährung zu gewinnen. Angesichts der drohenden Gefahr des Bolschewismus und gezwungen durch die Devisenverknappungen müssen wir als freies Volk so weit die Ernährung auf eigener Scholle sicherstellen, als uns hierzu die natürlichen Voraussetzungen gegeben sind. Nur wenn wir alle uns zu Gebote stehenden Quellen erschöpfen, vermögen wir uns die außenpolitische Manövrierfähigkeit zu erhalten, die ein freies Volk in Anspruch nehmen muß. Hiermit wird auch dem Städter verständlich werden, weshalb die Regierung das deutsche Landvolk 3 u 5 Erzeugungsschlacht aufgerufen hat. Bis zum Beginn unserer nationalsozialistischen Agrarpolitik war die deutsche Landschaft mit ihren Erzeugnissen infolge der weltwirtschaftlichen Verflechtung u n - frei und dem Spiele der Weltspekulation und der Börse freigegeben. Die nationalsozialistische Agrarpolitik mußte daher mit den bisherigen liberalen Spielregeln brechen und setzte an ihre Stelle das, was wir unter dem Begriff „Marktordnung" verstehen. Durch die Marktordnung ordnen mir d i e Erzeugung, ohne die Selbswerantwort- lichkeit und die Initiative des einzelnen Erzeugers irgendwie zu beeinträchtigen, und ermöglichen eine gerechte Verteilung zu gerechten Preisen für Erzeuger und Verbraucher.
Die Marktordnung ermöglicht es uns, ohne
Fetten für unsere Ernährung liegt eine erhebliche Belastung unserer Nahrungsbilanz.
Wir haben gegenüber der Vorkriegszeit eine Zunahme des Tlahrungsfettver- brauchs um etwa 30 0. h. Der Grad dec Selbstversorgung würde erheblich höher fein, und zwar etwa 90 v. H.» wenn wir noch dieselben Lrnährungsgewohnheiten hätten wie 1914. Es wird großer Anstregungen bedürfen, diese Lücke zu schließen, die zum Teil in einer bis in den Ausgang des vorigen Jahrhunderts hineinreichenden falschen Steuerung der landwirtschaftlichen Erzeugung ihre Ursachen Hal, aber auch auf klimatischen und anderen natürlichen Hindernissen beruht. Dabei wird es notwendig sein, daß von der Verbraucherseite her eine bewußte Lenkung des Verbrauchs einseht, wofür wir in erster Linie die Mitwirkung der Hausfrauen benötigen. Wir werden auf die Verengerung der Fettlücke und die Eiweißversorgung unsere stärksten Anstrengungen in der Erzeugungsschlacht richten.
Der Stellvertreter des Führers nannte auf dem Reichsbauerntag 1935 die Erzeugungsschlacht die Abwehrschlacht gegen den Bolschewismus. Das ist auch der Smn der Erzeugungsschlacht. Aus diesem Grunde bitte ich das ganze deutsche Volk, uns in der Erzeugungsschlacht zu helfen. Erst wenn in jeder deutschen Hauswirtschaft auf dem Gebiet des Verbrauches an Lebensmitteln mit demselben Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Volksganzen verfahren wird, wie das Landvolk von der Erzeugerseite her an die Abwehrschlacht herantritt, wird die Erzeugungsschlacht gewonnen fein. Die Erzeugungsschlacht wird damit ein Mittel jein, um dem Führer den Sieg des Nationalsozialismus zu gewährleisten. In diesem Sinne erkläre ich die „Grüne Woche 1936" für eröffnet.
Aus aller Weit.
Oie Kältskatastrophe in Nordamerika
In den Nordstaaten von Amerika hält die grimmige Kälte unvermindert an. Neue Wintergewitter haben sich über verschiedene Gegenden entladen. Die letzte Aufstellung ergi , daß in den letzten drei Tagen infolge der Kalte allein in 16 Staaten 129 Menschen umgekommen sind. Minnesota, Norddakota, Illinois und Iowa melden noch Temperaturen von — bis —49 Grad Celsius. ..
Während der Kälte ereigneten sich auch zahlreiche große Brände. Ihre Bekämpfung gestaltete sich wegen des Frostes besonders schwierig 18 Menschen sind im ganzen bei diesen Branden ums Leben gekommen. Im Norden des Staates Neuyork brannten am Freitag nicht roemger als ^Milwaukee, das berühmt ist als Stadt der Bier- inbuftrie, hatte unter der Kälte besonders schwer zu leiden. Infolge des anhaltenden Frostes hat die Industrie den Bierversand eingestellt. >
Verheerende Wolkenbrüche in Argentinien.
Schwere Wolkenbrüche sind in den letzten Tagen über die argentinische Provinz Momentes niedergegangen und haben StädteundDörfer unter Wasser gesetzt. Im Bezirk Esguina ertrank e n 20 Personen, meist Kinder. Die leicht gebauten Landhäuser, die der ärmeren Bevölkerung gehören, sind von den andrängenden Fluten vollkommen niedergerissen und weggeschwemmt worden. Die Bevölkerung hat sich in den von den lieber» schwemmungen heimgesuchten Dörfern auf die Anhöhen geflüchtet. In Momentes haben die Wassermassen die in Bau begriffene Uferpromenade mit sich gerissen. Die Behörden leisten alle erdenkliche Hilfe.
Brand in der Universitätsbibliothek von Kyoto.
Die Universitätsbibliothek in Kyoto (Japan) wurde durch ein Feuer zerstört. Es ist aber glücklicherweise gelungen, fast sämtliche Bücher zu retten. Dies ist von besonderer Bedeutung, da sich gerade in dieser Bibliothek Werke befanden, die für die Frühzeit Asiens von unersetzlichem Wert sind.
Auf einem Werkflug tödlich verunglückt.
Auf einem Werkflug verunglückte bei Dessau der bekannte Flugkapitän der Junkerswerke Friedrich Wilhelm Neuenhofen und Ingenieur Heinrich Kreft tödlich. Flugkapitän Neuenhofen war als Jagdflieger in 10 Luftkämpfen Sieger geblieben und stand in der Nachkriegszeit feit 1921 in den Diensten der Junkerswerke, die er bei den verschiedensten Auslandsflügen erfolgreich vertrat. 1929 errang er auf einer Junkers w 34 den Welthöhenrekord.
Rücksicht auf die Marktlage, landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem Auslande einzuführen. Wir können und wollen uns nicht vom Auslande abschliehen. Das Ausmaß unserer Ein-
Obecheffen.
fuhr wird davon abhängen, inwieweit das Ausland bereit ist, deutsche Jndustrieerzeugnisse aufzunehmen. Hieraus erkennen wir, daß die Marktordnung zu einer Entlastung unserer Handelspolitik führt. Lrzeugungs- fchlacht und Marktordnung helfen so dem nationalsozialistischen Deutschland, die geringe Menge der zur Verfügung stehenden Devisen zur Anschaffung von Rohstoffen zu verwenden, um dadurch die Durchführung der Arbeits- schlacht zu ermöglichen.
Wir decken heute unter Berücksichtigung der Futtermitteleinfuhr genau so wie vor dem Kriege ungefähr 80 bis 85 v. H. unseres Nahrungsmittelbedarfs aus dem Inland. Bei gleicher Bevölkerungszahl haben wir damit den Verlust von ein Siebtel landwirtschaftlicher Nutzungsfläche durch die mit dem Versailler Vertrag erzwungenen Gebietsabtretungen voll ausgeglichen. Wir haben also tatsächlich einen erheblich höheren Leistungsstand der deutschen Landwirtschaft als vor dem Kriege. Bei den wichtigsten Nahrungsmitteln, Brot, Kartoffeln, Fleisch decken wir weitgehend den Bedarf durch die inländische Erzeugung. An Stelle der früheren Standardnahrungsmittel Brot und Kartoffeln ist infolge veränderter Ernährungsgewohnheiten und Verschiebungen im Altersaufbau der Bevölkerung im stärkeren Umfange der Verbrauch von tierischen Erzeugnissen, insbesondere Fetten, sowie Gemüse und Obst getreten. Gerade in der stärkeren Heranziehung von
Landkreis Gießen.
Lollar, 24. Jan. Der hiesige Turn- und Gesangverein hielt in der Gastwirtschaft „Zum Schwanen" seine Hauptversammlung ab, die mit einem Lied des Gemischten Chores eröffnet wurde. Sodann begrüßte der Vereinsführer Rudolf K r e h b i e h l die Sänger und Sängerinnen, passive und Ehrenmitglieder. Er umriß die Ausgaben der Gesangvereine im Dritten Reich. In üblicher Weise ehrte man das Andenken der verstorbenen Vereinsmitglieder. Schriftführer Heuser verlas den Jahresbericht, aus dem u. a. zu ersehen war, daß der Verein unter der Leitung seines bewährten Dirigenten Eberle sich auch im abgelaufenen Vereinsjahr weiter aufwärts entwickelt hat, und mit großer Befriedigung auf dieses Jahr zurückblicken darf. Der Verein beteiligte sich an dem Kreiswertungssingen in Wiefeck mit sehr gutem Erfolg. Bei dem Kreissängertag in Gießen und dem Gausängertag in Darmstadt war er vertreten. Sein Leiter hat als erster des Kreises am Hessenlager in Brandau teilgenommen. Das im Herbst veranstaltete Konzert muß als voller Erfolg des Vereins und seines Chorleiters in künstlerischer Beziehung bezeichnet werden. Die Weihnachtsfeier nahm einen sehr schonen Verlauf. An den nationalen Feiertagen, sowie bei anderen Gelegenheiten stellte der Verein sich wie immer gern in den Dienst der Volksgemeinschaft. Der Singstundenbesuch war verhältnismäßig gut. Der Sangesbruder Ludwig H e 11 ch e (2. Vorsitzender) hat auch in diesem Jahre keine Singstunde versäumt, ebenso die Sängerinnen
Frau Grebe und Fräulein Hettche; sie wurden durch Ueberreichung einer Ehrennadel ausgezeichnet. 25 Jahre lang ununterbrochen aktiv im Verein sind in diesem Jahre die Sangesbrüder Ernst Weinrich und Wilhelm Wagner; als Anerkennung erhielten sie die Ehrennadel des HSV. und einen Sessel. Sangesbruder Wagner sprach den Dank der Geehrten aus und ermahnte die Sünder, stets treu zum Verein und zur Sängersache zu stehen. Der vom Rechner Drescher erstattete Kassenbericht gab ein befriedigendes Bild der Kassenlage. Es kamen dann eine Reihe innerer Angelegenheiten zur Besprechung. Der Verein kann in diesem Jahre auf fein 75jähriges Bestehen zurückblicken. Es wurde beschlossen, dies festlich zu begehen und das Wertungssingen einer Gruppe des Kreises Gießen im Mai oder Juni zu übernehmen. Chorleiter Eberle richtete dann beherzigenswerte Worte an Sängerinnen und Sänger. Vereinsführer Krehbiehl unterstrich im Schlußwort feine Ausführungen. Dann brachte er ein Sieg-Heil auf das deutsche Lied, das deutsche Vaterland und seinen großen Führer aus. Mit einigen Liedern fand die Versammlung ihren Abschluß.
wg. Großen-Buseck, 24. Jan. Die Kreisfachgruppe für Den Hebe Schäferhunde Großen-Buseck hielt dieser Tage ihre Jahreshauptversammlung bei Gastwirt Hahn ab. Der Fachgruppenobmann Wilhelm W e h r u m eröffnete die Versammlung. Der Kassenbericht wurde verlesen, die Kasse, welche einen Heberschuß aufwies, in bester Ordnung gefunden und dem Kassen-
fübrer Entlastung erteilt. Sodann gab der Obmann Öen Jahresbericht bekannt. Die Fachgruppe entfal» tete im vergangenen Jahre eine rege Tätigkeit. Sie veranstaltete im Orte drei Prüfungen. Außer fünfzehn auswärtigen Hunden wurden allein von des diesigen Fachgruppe 17 Prüflinge unter drei ver- fchiedenen Prüfungsarten vorgeführt und mit hohen Leistungsbewertungen bedacht. Die Welthundeausstellung in Frankfurt a. M. wurde mit drei Hunden und ebenfalls mit gutem Erfolg beschickt. Dis Sonderschau für Schäferhunde in Wetzlar beschickte die Fachgruppe mit zwei Tieren, die mit der Schönheitsbewertung „sehr gut I" und „sehr gut III" ausgezeichnet wurden. Die Hündin des Schäfers, Mitglied Gg. Schoch (Oppenrod), „Anni vom Distelrasen", erhielt auf dem Preishüten in Frankenberg (Eder) die Auszeichnung: Herdengebrauchshund „sehr gut". Für das Jahr 1936 plant die Fachgruppe eine Schäferhunde-Sonderfchau. Im Anschluß an den Jahresbericht führte der Obmann u. a. noch folgendes aus: Wenn es heute immer noch Menschen gebe, die über den Hundesport lächelten, so würden diese immer noch nicht den volkswirtschaftlichen Wert der Rassehundezucht erkennen. Seitens der Regierung wird heute viel für den deutschen Hundesport getan. Die Hundehalter würden es den Behörden noch erleichtern, wenn jeder seinen Hund so erziehen und ausbilden würde, daß er nicht zur Plage anderer Volksgenossen wird. Die vornehmste Aufgabe der Fachgruppen bestehe darin, wirklich brauchbare Tiere zu züchten und auszubilden, die dann auch wertvolle Gehilfen im Dienste der Menschen darstellten. Für Heer, Polizei, Grenzzollbeamte und Sanilätsmannschaften seien solche Tiere unentbehrlich. Mit einem Sieg- Heil auf den deutschen Hundesport sowie Führer und Vaterland schloß der Obmann die Versammlung.
<£ Mainzlar, 24. Jan. Die jüngste Pfund« f ammlun g (Lebensmittelopferring) ergab hiev insgesamt 64 Pfund Lebensrnittel.
+ Grünberg, 24. Jan. Im Gasthaus „Hessischer Hof" fand am gestrigen Donnerstagabend dis Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr statt, bei der 110 Kameraden anwesend waren. Oberbrandmeister S e i f a r t eröffnete dis Versammlung und sprach dem anwesenden Bürgermeister Wagner für die Forderung und Unterstützung der Wehr Dank aus. Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß im abgelaufenen Jahre neun Hebungen, darunter eine Nachtübung, ab gehalten wurden, außerdem fand eine Besichtigung der Wehr durch Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier statt; zu einem Brande wurde die Wehr nicht benötigt. Der Herbstverbandstag in Klein-Linden wurde von einer größeren Abordnung besucht. An" acht Kameraden wurden Auszeichnungen für zehnjährige Mitgliedschaft ausgeteilt. Eine besondere Ehrung erfuhr im vorigen Jahre der langjährige Signalist, Stadtdiener i. R. Anton K r e u ö e r, beit über 50 Jahre Mitglied der Wehr ist, durch ein Handschreiben des Führers und Reichskanzlers. Die Iahresrechnung schloß mit einem kleinen Heber- schuß ab. Oberbrandmeister Seifart sprach dann- über Schadenverhütung, Geräteführer Ide über Löschtaktik, Keller- und- Gehöftebrand und Truppführer Reinhard Haas über den Luftschutzkursus, an dem er als Feuerwehrmann teilnahm. Bürgermeister Wagner wies in einer Ansprache auf die Wichtigkeit der Feuerwehr hin, deren Bedeutung jetzt noch durch den Luftschutz in erhöhtem Maße hervortrete. Die Kapelle der Wehr verschönte den Abend durch den Vortrag mehrerer Musikstücke.
Kreis Wetzlar.
♦ Bieber, 24. Jan. Der Gesangverein „Lied er Hain" hielt bei Mitglied Heinrich Schlierbach seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Heinrich Schmidt berichtete eingehend * über das verflossene Geschäftsjahr. Der Rechner Wilhelm Wagner erstattete den Kassenbericht. Der seitherige Vereinsvorsitzende Hch. Schmidt wurde wieder einstimmig in Vorschlag gebracht. Er berief zu seinem Stellvertreter Karl Schleenbecker, zum Schriftwart Karl Schneider und zum Rechner Wilhelm Wagner. Der Verein feierte im Juni des vergangenen Jahres fein 50- jähriges Bestehen und hält am 2. Februar im Saale des Gastwirts S ch e e r e r ein Konzert ab. Nach dem Vortrag einiger Lieder wurde die Versammlung mit „Sieg-Heil!" auf den Führer geschlossen.
_ Bei rauher Witterung
S. Creme 30 Pfg.
MimiinMeii.
Roman von H. von Hellermann.
Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
4. Fortsetzung. Nachdruckverboten!
„Fehlt —?" Das Lachen in den blauen Augen erlosch. Grete setzte sich in den großen Ohrensessel neben dem Schreibtisch, sah die Mutter fragend an. Wie ernst das Kind einen anschauen konnte — anders war ihre eigene Jugend gewesen, voll sorgloser Lebensfreude, die man auch in die Ehe mit hinübernahm. Gut, daß Konrad, der allezeit Schenkbereite und Lebensfrohe, diese Zeit nicht mehr erlebt ...
„Wir haben doch gar nichts extra gebraucht", überlegte Grete, nun ebenfalls die Brauen runzelnd, „das Theaterbittet, das Mellings mir anboten, gab ich doch zurück —"
Frau Margret legte die Hand auf der Tochter Knie, die hastig unterbrechend. „Liebes, ihr beide, du und Hans, habt nicht die geringste Kleinigkeit vertan, habt euch im Gegenteil manche Freude, manchen Kunstgenuß versagt, um mir sparen zu helfen, ich weiß es wohl —" Zart strich sic über der Tochter Hand, die die ihre dann fest umspannte. „Aber allem Sparen, allem Rechnen zu Trotz haben wir zuviel verbraucht. Hnd das kleine Kapital barf nicht angerührt werden, der Notpfennig muß euch Kindern doch bleiben."
Einen Augenblick saßen beide Frauen in schweigender Nachdenklichkeit. Dann hob Grete den Kopf, sah die Mutter an. „Wir werden ein Zimmer vermieten. Liebes, das hilft doch? Stephans vermieten auch, Elise erzählte neulich, daß sie fünfundsiebzig Mark für ihr Zimmer mit Frühstück kriegten. Ein Professor hat es."
Ganz erfüllt war sie von ihrer Jee, hatte plötzlich wieder blanke Augen. „Wir nehmen mein Zimmer als allgemeinen Wohnraum, ich ziehe zu dir, Hans in die Mädchenkammer — die richten wir ihm schon hübsch ein. Da haben wir sogar zwei Zimmer frei! Und mit den zehn Emm, die Tante Richter sich neulich von der Seele riß, wird annonciert.
Wollen wir mal das Feld unserer zukünftigen Tätigkeit besichtigen? Komm doch, Mutti, bitte!"
Sie zog die Widerstandslose mit sich ins Nebenzimmer, das im Wintersonnenschein hell und freundlich vor ihnen lag. „Damen werden nicht genommen", bestimmte Grete energisch, „die wollen andauernd in der Küche etwas kochen oder plätten und nichts dafür bezahlen, sagt Elise, und das können wir uns nicht leisten. Also nur ein Herr. Der wird Vaters schönen Diplomatenschreibtisch schätzen und den wundervollen Bücherschrank. Der muß freilich leergemacht werden —"
..Wir können uns den alten Wäscheschrank dafür einrichten und in den Flur oder zu Hans stellen", schlug Frau Margret vor, unbewußt vom Eifer der Tochter angesteckt, „und das altdeutsche Bett, das ich immer zu groß fand, holen wir vom Boden herunter."
„Hnd der feine neue Velourläufer, den Elfe mir Zum Geburtstag schenkte, kommt davor", jubelte Trete. „Paß auf, Mutti, Öa& werden geradezu fürstliche Räume." Sie umfaßte die Mutter und tanzte mit ihr im Zimmer herum.
Lachend löste sich die zierliche Frau aus den jungen Armen. „Mädel, du tust ja gerade, als brauchten wir nur gnädig zu winken, um Mieter 311 bekommen! So einfach ist die Sache denn doch nicht bei der Unmenge leerstehender Zimmer."
"Tja, was so de Zimmers bei annern Leuten ihr Muddcr sin —" Grete steckte die Nase in die Luft unö rümpfte sie geringschätzig. „Aber bei so einer sirachtfamilie wie uns findet man nicht gleich eins! Für den Vorzug, Fräulein Grete Mervius' Teppich zu bestiefeln, zahlt jeder gern noch eine Mark zu." ift schon ganz schwindlig von dem vielen
VIag!.e ^rau Mervius, „du bist ja der reinste Shylock! Nächstens verlangst du noch zehn Prozent Bedienungszuschlag von dem armen nicht vorhandenen Mieter."
s ?^kwürdig. War ja alles Unsinn, was das Kind daherschwatzte aber die Falte war von Frau Mar- grets Stirn, die Last von ihrem Herzen geschwun- den. Gretes Idee war nicht übel, vielleicht, vielleicht hatten sie Gluck, trotz der fast taufend leerstehenden
ln- von denen die Zeitung erst
Man durfte nicht verzagen. Schon
Trnft U£^' e mas äu tun, lag Ermutigung und
6. Kapitel.
„Was ist denn hier geschehen, daß ihr beide so vergnügt ausseht?" fragte Elfriede Stalling, als sie wenige Minuten später kam. „Hat der' Geldbriefträger einen Lotteriegewinn ausgezahlt oder Grete ihren ersten Antrag erhalten?"
„Ach nein", Frau Margret strich sich eine gelockerte Haarsträhne aus der Stirn, „das Mädel hat nur allerlei Allotria getrieben mit ihrer würdigen Mama. Der spukt wohl schon der Fasching im Blut."
„Falsch geraten! Meine Anfälle sind nicht an die Jahreszeit gebunden", lachte Grete, der Schwester Schirm und Pakete abnehmend, „die brechen aus, wann sie gerade Lust danach verspüren!"
Es war charakteristisch für beide Frauen, daß sie vorhin nicht mit einem Atemzug daran gedacht hatten, Hilfe aus der Bedrängnis bei Theodor Stalling zu suchen, daß sie wie auf Verabredung den Inhalt ihres vorigen Gesprächs der schönen eleganten Frau verschwiegen, die in den schlichten Räumen wie eine junge Fürstin auf Besuch wirkte. Sie war die Frau eines Mannes geworden, der ihnen innerlich fremd geblieben war.
Elfriede fetzte sich auf den Fensterplatz der Mutter, lehnte den Kopf zurück und schloß die Augen. „Wie jtill es bei euch ist", sie lächelte verträumt, „man kann beinahe seinen Herzschlag hören. Die alte Hhr tickt immer noch geruhsam ihr Pensum herunter. Bei uns —" ihre Lippen bogen sich leicht — „herrscht ein kräftigerer Ton, Teddy ist nun mal auf /Betrieb* eingestellt."
„Wenn er nächstens wieder das Radio während des ganzen Abendbrots —"
„Abendessen", korrigierte die junge Frau freundlich.
„Abendbrots brüllen läßt", fuhr Grete fort, als habe sie nicht gehört, „stehe ich auf und esse in der Küche weiter. Unfere fünf Stimmen kamen gegen das Orchester nicht auf."
Frau Stalling zuckte leicht die Achsel.
„Hnd eine kluge Frau fügt sich dem", vollendete Frau Margret, liebevoll der Tochter über das Haar streichend, das in der Sonne wie gesponnenes Gold glänzte. „Habt ihr viel vorgehabt, letzthin?"
Die junge Frau öffnete die Lider, sah die Mutter fragend an. „Warum, sehe ich so aus?"
"Ein ganz klein wenig müde, dachte ich", entgegnete die vorsichtig. Unö empfand plötzlich einen
leisen Schmerz im Herzen. Immer verschlossener wurde Elfriede. ; 11
Wie war sie früher hereingestürmt, lachend, blü» hend, strahlend wie das Glück selber, hatte mit heißen Wangen und leuchtenden Augen von den herrlichen Touren, den Festen und Theatergenüssen erzählt. War sie schon abgestumpft geworden oder wirklich müde? — Theooer Stalling schlug ein scharfes Tempo an. Ach, wieviel schöner, friedlicher war das gemächliche Wandern auf der Lebens» ftrafje ...
. Ahr Blick wanderte zu Grete, die straff aufge» richtet dafaß und ihr nun im heimlichen Einverständnis mit dem ernsthaftesten Gesicht der Welt zuzwinkerte.
"%übe ~ och Gott, wer ist das heutzutage nicht? meinte die schöne Frau, immer noch mit öem rätselhaften, halb spöttischen, halb traurigen Lächeln. „Gretelein, sitz bitte nicht so linealgrabe ba, es sieht geradezu unangenehm energisch aus."
„So ist mir justament zumute, Frau Schwester", lachte die Jüngere blitzend. „Tanzt nicht soviel, schlaft mehr, geht mehr spazieren in der frischen Luft, statt durch alle Länder Rekord zu sausen, dann seid ihr auch nicht ewig müde! Uebrigens stehst du fabelhaft aus in der neuen Kluft, Elfe, öie kenne ich noch gar nicht! So ein pelzbesetztes Kostüm wirkt immer riesig elegant, nicht Mutti?"
Sie hatte unversehens einen kleinen wehen Zua in der Schwester Gesicht entdeckt, der allerdings gleich wieder verschwand. Aber es hatte genügt um die leise Entfremdung gegen die schone Schwe-' weck/" loschen, ihre ganze Warmherzigkeit zu
Als Elfriede sich bereitwillig anbot, ihr ein ähn- UZes zu schenken, wehrte sie jedoch lachend ab. "Nee, mein Schatz, tausend Dank, meiner Bewunderung fehlt jegliche Habgier. Wenn ich so nobel herumliefe, erhöhten sich bloß unsere Steuern'"
„Es ist schrecklich schwer, euch eine Freude ä\1 machen, klagte Elfriede, sich erhebend und den kleinen zuruckgeschlagenen Schleier ihres schwarzen Hütchens wieder über das Gesicht ziehend Affta" fand Grete Mervius diese koketten Schleier an am deren Frauen, aber Elfe kleidete er vorzüglich, dachte sie, die anmutigen Bewegungen der schlau- ken, ringgeschrnückten Hände verfolgend.
(Fortsetzung folgtI) y
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