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Kr.21 Dritter Blatt Tietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) 5am§tag, 25. Januar M6

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ÄS darf eine Arbeiterwohnung kosten?

Von Otto Wehei, Leiter der presse- und Propagandaabteilung des Reichsheimstättenamtes der NSDAP.

Dem Nationalsozialistischen G a u- dlenst Hessen-Nassav entnehmen wir folgenden Aufsatz:

Wir Haven mehrfach Änlaß gehabt, uns mit der Frage des ft eigen den Wohnungsbedarfs und mit den Abhilfemaßnahmen zu beschäftigen, die angesichts eines Fehlbetrags von mehr als einer Million Wohnungen erforderlich find Bevor daran gegangen wird, diesen unhaltbaren Zustand durch Bauen von Wohnungen zu beseitigen, muß man sich darüber im klaren sein, von welcher Art und Größe diese Wohnungen sein müssen, um dem tatsächlichen Bedarf zu entsprechen und damit auch eine Sicherung der angelegten Kapitalien zu ge­währen.

Allgemein wird festgestellt, daß wir in Deutsch­land Kleine und Klein st Wohnungen be­nötigen. Bei dieser Feststellung wird davon aus­gegangen, daß die meisten Eheschließungen, die mit Hilfe des Ehestandsdarlehens geschloffen worden find, von Volksgenossen mit geringer Wirtschafts­kraft eingegangen wurden und gerade für diese Wohnungen beschafft werden müssen. Die Berech­nungen, die bisher ausgemacht worden sind, gingen im allgemeinen davon aus, wie der Wohnvngsher- steller kalkuliert. Es ist dabei vergessen worden, daß jede natürliche Kalkulation auf folgenden Faktoren aufgebaut sein muß:

1. Welcher Wohnraum wird benötigt?

2. Wie groß ist die Wirtschaftskraft der Wohnungsuchenden?

Der natürliche Raumbedarf für eine Arbeiter­familie, die einmal Kinder haben will und soll, ist an sich ein feststehender Wert: eine Wohnküche, ein Elternschlafzimmer und zwei Kinderschlafzimmer. Weniger Raum zu geben heißt die Kinder- zahl künstlich drosseln oder aber unsoziale und unmögliche Lebensverhältnisse für die Arbeiter­familien schaffen. In diesem Zusammenhang muß daran gedacht werden, daß die Arbeiterfamilie, wenn sie auch in jungen Jahren mit weniger Wohn­raum auskommen kann, doch die Möglichkeit haben muß, später größeren Wohn raum zu be­sitzen. Da sich aber im allgemeinen die Einkommens­verhältnisse von Millionen von Arbeitern, sobald sie einmal die Stufe des Facharbeiters erreicht haben, im Laufe ihres Lebens kaum mehr erhöht, darf der größere Wohnraum, den er für seine Kinder benötigt, nicht wesentlich teurer kommen als seine Anfangsbelastung.

Zum zweiten muß geprüft werden, wie groß denn tatsächlich die Wirtschaftskraft der Woh- nungssuchenden im Augenblick und für die kommen­den Jahrzehnte ist. Der Durchschnittslohn des In­dustriearbeiters schwankt zwischen 80 RM. und 150 Reichsmark monatlich. Diese Hunderttausende von Arbeitern können, wenn sie die Ernährung und Kleidung ihrer Kinder nicht in Frage stellen wollen, nicht mehr als20RM. bis ZO RM. mo. n a t l i ch Miete zahlen. Es ist ein unsozialer Zu­stand, daß der Arbeiter mit einem relativ viel höhe­ren Anteil seines Lohnes für Wohnraum bezahlen muß als die bester gestellten Kreise unseres Volkes.

Wir haben daher die Verpflichtung, der deutschen Arbeiterfamilie Wohnungen zu schaffen, die sowohl in ihrem Umfang als auch in der monatlichen Be­lastung den sozialen und völkischen Bedingungen des neuen Staates entsprechen Es ist bis jetzt für unmöglich erklärt worden, Wohnungen zu erstellen, die diesen beiden Faktcren Wohnungsgröße und monatliche Miete entsprechen. Die bisher erstell­ten Kleinwohnungen kosten mindestens 40 RM. bis 60 RM.; dabei enthält die Kleinwohnung meist nur zwei Zimmer und eine Küche.

Um diese großen Aufgaben zu lösen, bedarf es einer grundsätzlichen Wandlung auf dem Gebiet der Bauweise. Hierin liegt allein der Schlüssel zur Lösung. Die Bauweise des Hochhauses auf teu­

rem Grund mit schweren Fundamenten und einer anspruchsvollen städtischen Bauweise ist niemals in oer Lage, Arbeiterwohnungen zum Preise von 20 bis 30 RM. mit genügend Wohnraum für eine kinderreiche Familie zu schaffen. Nicht die gestei­gerten Baupreise, die Zinsen der Leihgelder und die evtll Zwischenverdienste der Baugesellschaften sind an diesem Ergebnis schuld. Die t e ch n ' ch e Bau­weise des mehrstöckigen Hauses und die gestei­gerten Ansprüche, die an eine solche Neubau­wohnung in der inneren Ausstattung und den 'Komfort" gestellt werden, sind der währe Grund für die teuren Mieten. Die Bauweise muß daher einfacher und billiger werden, ohne damit weniger dauerhaft oder gar unsolide zu bauen. Die mehr ländliche Bauweise des Heimstät­te n b a u e s hat allein die Möglichkeit, den gefor­derten Wohnraum zu schaffen.

Ein Siedlerhaus ei-»schließlich des Grund und Bodens, der Kosten und Gebühren kann zu einem Gesamtpreis von 4000 RM. bis 6000 RM. errichtet werden. Diese einfachere Bauweise bringt keinen Verzicht auf kulturellen Fortschritt mit sich. Im Siedlerhaus gibt es zwar kein Wasserklosett, weil der Siedler die Produkte für den Garten be­nötigt, aber ein sauberer und stiller Ort ist auch vorhanden. Jedes Siedlerhaus kann ein Bad haben, denn im Wirtschaftsraum soll eine Badewanne stehen; es muß ja nicht gerade ein Kachelbad sein. Zentralheizung gibt es auch nicht im Siedlerhaus, aber lieber ein Kiederfchlafzimmer mehr als die teure Zentralheizung. Ein Herdofen, der alle Zim­mer wärmt, erfüllt auch feinen Zweck. Auch Keller und Speicher find im Siedlerhaus genügend groß und mit wenigen Stiegen zu erreichen.

Bei Einschaltung der Selbsthilfe, der Gemein­schaftsarbeit usw. ist es bei vielen Siedlungen ge­lungen, Heimstätten mit einer Wohnfläche von 100 Quadratmeter, d. h. Wohnküche, Elternschlafzimmer

und zwei Kinderschlafzimmer zu einem Miet­preis von 15 bis 25 Mark monatlich zu erreichen. In dieser Monatsrate ist dabei nicht nur die Verzinsung der Kapitalschuld, sondern auch eine hohe Amortisation enthalten, so daß der Siedler in 20 bis 3 0 Jahren Eigentümer seiner Heimstätte ist Natürlich kann man diese Zahlen nicht schematisch auf alle Standorte anwenden. Wir stellen also fest, daß abgesehen von den sonstigen Vorteilen der gesünderen Lebensform der Heim­stätte, der besseren Ernährung, der Erhöhung des Lebensstandards, der allgemeinen volkswirtschaft­lichen Verbesserung usw. der Heimstättensiedlungs­bau der einzige Weg ist, durch den wir den vorhan­denen Wohnungsbedarf in Deutschland decken kön­nen. Hunderttausende deutscher Arbeiterfamilien warten auf Wohnraum, der zur Erhaltung ihrer Familien a u s r e i ch t, und den sie tatsächlich b e Zahlen können Wenn wir weiterhin Hundert­tausende von ungenügenden und teuren Kleinstwoh­nungen errichten, würden wir in wenigen Jahren erleben, daß die jetzigen Bewohner, weil sie für ihre Kinder mehr Wohnraum brauchen, die Zwei­zimmer-Neubauwohnung verlassen, um zu den zwar schlechteren, aber räumlich größeren und billigeren Altstadtquartieren ihre Zuflucht zu nehmen.' So zwingen wir die gesunde Arbeiterfamilie in einen unnatürlichen Kreislauf hinein, der die größten Gefahren für den Wohnungsbau an sich mit sich bringt.

Wir find daher im Interesse einer gesunden Ent­wicklung des Arbeiters und im Interesse richtig ge­lenkter Kapitalien verpflichtet, klar und eindeutig die Heimstättenbewegung zu fördern und Überall, wo irgend möglich, Heimstättensied­lungen zu schaffen. Es ist dabei eine Selbstverständ­lichkeit, daß niemand daran denkt, der Bauwirt­schaft und dem Handwerk zuzumuten, eine Bau­weise zu fördern, an der sie selbst nicht verdient oder gar noch zusetzt. Mögen bisher teilweise die Grenzen nach unten ober oben überschritten worden sein; wir haben heute genug Erfahrungen im deut­schen Heimstättenbau, daß wir unter Anrechnung aller Faktoren wirtschaftlich gesunde, dauerhafte und schöne Heimstätten schaffen können.

Neues Eherecht.

DerWestdeutsche Beobachter" veröffentlicht unter der ÜberschriftNeues Eherecht" einen Aufsatz, in dem Freiherr Max Dupre l im Hinblick auf den Entwurf der Akademie für Deutsches Recht, den grundsätzlichen Wandel in der staatlichen Auffassung vom Sinn der Ehe in der Gemeinschaft untersucht. Nachdem der Verfasser den Willen des national- sozialistischen Staates zum Schutz und zu< Förderung der Ehe, die er als Grundlage der Gemeinschaft anerkenne, festgestellt und zum Be­weis dafür aus die bisherige Gesetzgebung und den vorliegenden Entwurf verwiesen hat, fährt er fort:

(Ss könnte von gewisser Seite der Einwand fom« men, daß die Ehe eine an s i ch un auflös« liche Institution lei und deshalb jede Rege« lung eines Ehescheidungsrechts von vornherein den Moralgrundsätzen etwa der katholischen Konfession widerspräche. Wie wenig stichhaltig eine solche Ein­wendung wäre, ergibt sich zunächst schon daraus, daß die Haltung der Kirche in der Frage der Eheschei­dung nicht immer einheitlich und gleich gewesen ist. Abgesehen hiervon aber muß gerade die Ehe im nationalsozialistischen Recht, in dem sie als Grundlage des Volkstums und seiner Erforder­nisse angesehen wird, freibleiben von allen nur for­malen Erwägungen, auch wenn solche Formalien sich durch einige Jahrhunderte hindurch in manchen Staaten bis heute erhalten haben.

Bekanntlich hat es ein Ehescheidungsrecht im Deutschen Reich auch schon im Bürgerlichen Gefetz- buch gegeben. Die Schwächen dieses bürgerlichen Kompromißwerkes aber zeigen sich vielleicht gerade im Eherecht am schroffsten. Im bisherigen Ehefchei- dungsrecht find eben gewisse Tatbestände ange­geben, und nur, wenn diese erfüllt sind, kann der Richter scheiden.

Es ist deshalb eine der entscheidendsten Taten des Familienrechtsausschusses der Akademie für Deutsches Recht, wenn in dem vorliegenden Ent­wurf zur Neugestaltung des deutschen Eheschei­dungsrechts die Scheidung davon abhängig gemacht wird, ob sie vom Standpunkt der nationalsozialisti­schen Weltanschauung aus als vertretbar, anderer­seits aber auch als wünschenswert, ja geboten er­scheint. Deshalb wird die Zerrüttung der ehelichen Lebensgemeinschaft als die Grundlage des Scheidungsbegehrens bezeichnet und die Schuld fr aae lediglich als die Ursache oder die Folge, jedenfalls nur als einer der Gradmeff e r der Zerrüttung herangezogen. Dies bedeutet nicht, wie manche nun gleich vermuten wer­den, eine Erleichterung der Ehescheidung gegenüber dem bisherigen Zustand. Es wird damit nur eine lebenswahrere Form für die Beurteilung der ge­fährdeten Ehen gefunden, die der Ausdruck eines volksnahen Rechtsdenkens ist.

Der Richter muß zu der Ueberzeugung gekom­men sein, daß nach menschlichem Ermessen mit der Wiederherstellung eines dem Wesen der Ehe ent» sprechenden Verhältnisses zwischen den Ehegatten nicht mehr gerechnet werden kann.

Als völlig neuen Gesichtspunkt bezeichnet der Verfasser, daß eine Ehe auf Antrag des Staatsanwaltschaft geschieden werden kann, wenn nämlich trotz Einvernehmens der bei» den Ehegatten die Ehe derart des sittlichen Gehalts entbehrt, daß daraus der Volksgemeinschaft erheb» licher Schaden erwächst. Es ist dabei, wie der Aka­demiebericht mitteilt, vor allem an jene Ehen zu denken, in denen die Ehegatten gemeinsam ein vrbrecherisches oder unsittliches Leben führen. In dieser Auffassung äußerte sich wohl am stärksten der Wandel, den der nationalsozialistische Gemein­schaftsgedanke in die Ehe als Grundlage des Staa­tes gebracht hat. Die höchstpersönlichen Rechte der Ehegatten finden eine Grenze da, wo sich indivi­duelle Interessen gegen die größeren der Gemein« schäft richten.

Die Ehe ist, wie der Akabemiebericht feststellt, die von ber Volksgemeinschaft anerkannte, auf gegenseitiger Treue, Liebe unb Achtung beruhens bauernde Lebensgemeinschaft zweier rassegleicher, erbgesunber Personen, unb ihr Zweck ist bie Wah.

Reitturnier auf derGrünen Woche".

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Während des Internationalen Reit- unb Fahrturniers auf berGrünen Woche" wirb in berDeutsch» lanbhalle" auch bie große historische SchauDeutsche Reitermärsche in ben vergangenen Jahrhunderten" gezeigt. Hier sieht man bas Schlußbilb von einer Probe. (Scherl-Bilberbienst-M.)

Gießener Gtadtiheaier.

Josef Wenter:Der Kanzler von Tirol".

Josef Wenter stammt aus Meran, wo seine Vorfahren feit langem ansässig waren, studierte ur­sprünglich Musik, war Schüler von Nikisch und Reger gab aber das Studium auf und ging zur Literatur über. Es entstanden neben Tierbüchern und Komödien die Schauspiele aus der mittelalter­lichen deutschen Kaisergeschichte, um Heinrich IV., Heinrich VI. und Barbarossa, bann, vor zehn Jah­ren,Der Kanzler von Tirol", für den Wenter nach der Uraufführung an der Wiener Burg den österreichifchen Grillparzerpreis erhielt.

Dieses Schauspiel schildert in 14 Bildern Taten, Leben und Ende des Doktors Wilhelm Biener, Ge­heimen Rates und Staatskanzlers unter Claudia i Felicitas von Medici, Erzherzogin von Oesterreich und Regentin von Tirol während des Dreißigjähri­gen Krieges Tirol war damals wie zu unfern Tagen deutsches Schicksalsland an der Grenze, be­droht und gefährdet von innen und außen, und wenn nicht also der Schauplatz allein über die dreihundert Jahre hinweg dem Zuschauer von heute wichtig sein und am Herzen liegen müßte, so würde ihn das Schicksal des Mannes und mit ihm eines ganzen Volkes dazu verpflichten, dieses Drama als ein Stück zu empfinden, in dem beispielhafte Dinge verhandelt werden.

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Die meisten werden zwar freilich den Namen des Kanzlers von Tirol gestern zum ersten Male vernommen haben, und die Welt des siebzehnten Jahrhunderts, die sich da auftut am Innsbrucker Hof, mag manchem zuerst fremd und fern erschie­nen fein' Man wird aber im Verlaufe der Ereig­nisse empfunden haben, daß nicht nur dieses Kanz­lers Schicksal ein typisch deutsches Schicksal gewesen ist, sondern es ist auch wie spontaner Beifall bei offener Szene bekundete von den Zuhörern be­griffen worden, daß es nicht allein um die Person eines einzelnen, längst Gestorbenen und historisch Gewordenen ging, sondern daß hier Probleme des Staates und des Volkes im Spiele waren, die uns heute noch oder immer wieder gegenwärtig und nichtig sind.

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Dieses kleine Land unb Volk müßte Derberben unb zugrunbe gehen an seiner ständischen Zersplit- Ilerung, an seiner Geistlichkeit unb an seiner Ritter- Irfjnft, ber deutschen wie ber welschen, an vielerlei widerstreitenden Interessen, an zwei einander feind­

lichen Religionen, an Steuern und Abgaben, wenn nicht neben der Regentin als Kanzler ein Mann stünde, klug, treu und unbestechlich, dem die Macht und die Einheit des Staates, das Wohlergehen des ganzen Landes und Volkes mehr bedeutete, als die Ansprüche und Vorrechte einzelner, ja selbst als die Stellung und Würde seiner eigenen Person, als das Glück und die Sicherheit seines Lebens. Das ist die­ser Kanzler Biener, aus bürgerlichem Geschlecht.

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Ein starker, em gerechter Mann, ein aufrechter und ehrenhafter Diener feiner Fürstin, ihres Staates und feines Volkes, im tiefsten Grunde ein ein­samer und von vielen gehaßter Mann. Die Geist­lichkeit ist wider ihn, weil er ben protestantischen Glauben verteidigt, die Standesherren, weil er ein Emporkömmling" ist in ihren Augen und weil er auf dem Landtage auch bas Recht bes anbern, bes britten Stanbes, der Bauern zu vertreten und zu wahren weiß. Und als er auf dem gleichen Land­tag die welschen Herren mit Gewalt zwingt, sich auf ihre Pflichten und ihre Treue zum Lande zähneknirschend zu besinnen, hat er sich noch mehr Feinde geschaffen, als er ohnehin schon besitzt.

Die Regentin weiß wohl, was sie an einem sol­chen Kanzler hat, sie verschafft ihm fein Recht und fetzt ihn wieder ms Amt, nachdem sie ihn einmal hat fallen lassen; noch mehr, sie liebt ihn, aber er hat kein Herz", er kennt auch keine Zärtlichkeiten, nur die Treue, die Pflicht, bas Volk unb Den Staat: unb er bittet bei ber Herzogin um bie Hand bes verwaisten Hoffräuleins Elisabeth von Hohen- ftainer, bie ihm, zum Schmerz ber Regentin, ihr Herz zu Füßen legt, weil er ein Gerücht zer­streuen unb lächerlich machen will, bas seine Stel­lung zur Herzogin verdächtigt. Sie verzichtet schwe­ren Herzens auf ein großes Glück, bas auch der Hohenstainerin versagt bleibt; sie weiß, daß der Kanzler dem Lande so nötig ist wie bas Brot, aber sie stirbt auch einmal und kann nicht hindern, daß ihr eigener Sohn, der ihr in der Regentschaft folgt, sich zu den Gegnern bes Kanzlers roenbet. Sie kann ihn vor der zweiten, schwereren Verdächtigung nicht retten; Rechtfertigung und Begnadigung kom­men zu spät, unb ber Kanzler fällt, einsam unb nur von wenigen geliebt, als ein Held unb ein Opfer für sein Volk unter bem Richtschwert.

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Der Stoff ist nicht unbramcckisch, wiewohl von epischen Elementen unb zeitlichen Intervallen im Ablauf belastet. Wenter verfolgt bie Bilder- bogentechnik, er reiht Szene an Szene unb zwar mit entschiedenem Geschick, mit dem Blick für das

theatralisch Mögliche unb Wirksame, auch bann noch, wenn, wie in ben beiben letzten Silbern, eigentlich im Sinne bes Dramatikers nichts mehr zu sagen ober vielmehr zu gestalten war; nur ber Epilog war noch zu sprechen über den geschichtlichen und überzeitlichen Sinn dieses Stückes; aber der ist ja wohl dem aufmerksamen Beschauer und Hörer schon früher aufgegangen.

Die vom Spielleiter Lüpke inszenierte Auf­führung schöpfte die angedeuteten, vielfältigen thea­tralischen Möglichkeiten nach Kräften aus unb ver­staub es, in einer recht farbigen, belebten unb figurenreichen Wiedergabe, das Beispielhafte der geschichtlichen Fabel dem gegenwärtigen Beschauer vor Augen zu rücken; auch nutzte die Regie geschickt bie vom Autor gebotene Chance, bas Staatspoli­tisch-Historische burch bie persönlich, menschlich, ge­fühlsmäßig betonten Szenen bes Liebesspieles zu entlasten unb aufzulockern. Dabei geschah bie Ver- roanblung ber von Herrn Löffler mit sicherer Hanb zeit- unb stilgerecht entworfenen Bilder so schnell unb reibungslos, wie man es billigerweise erwarten konnte.

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Herr Neuhaus gab ben Kanzler, unb es war, wenn man sich etwa seines Kurfürsten imHom­burg" entsann, vorauszusehen, baß er bie Figur füllen und ausformen würde, wie es geschah. Er umgab ben Kanzler mit ber Strenge, Klarheit und beherrschenden Sicherheit einer überlegenen Per­sönlichkeit; er zeigte ihn, sehr sparsam 'im Gefühl, standhaft unb treu, aber auch schroff unb zu Zu- geftänbniffen kaum geneigt, so baß auch die Ver­einsamung seiner Stellung und der Weg zur Richt­stätte auf Schloß Rattenberg vorgezeichnet unb innerlich begründet schienen.

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Recht interessant unb lebendig wirkte neben ihm als Regentin Aenne Markgraf, die in der Darstellung die verschiedenen Wesenselemente der Rolle auseinanderlegte und herrscherliche Würde mit den weicheren Regungen ber empfindenden reifen Frau verband. Zart und verhalten, einfach und glaubhaft im schmerzlichen Ausdruck der hoff­nungslos Liebenden gab Inge Birkmann das junge Fräulein von Hohenstainer.

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Aus dem figurenreichen Ensemble können dar­über hinaus nur die wesentlichsten Erscheinungen hervorgehoben werden: der heftige, leidenschaftliche, hochmütig aufbrausende Erbprinz bes Herrn Schorn; Herr Kühne in ber charakteristisch zugespitzten Rolle des mit scharfer Dialektik begab­

ten Standesherrn von Madron; Herr Bley als Schildhofer, eine prächtig volkstümliche Andreas- Hofer-Gestält; bie beiden Patres: Volcks Mala» spina mild unb abgeklärt, Lüpkes Gravenegger kalt, feindlich unb unversöhnlich; bie Herren Rosen» t h a l, von S p a 11 a r t unb Nieren, Lindt, Frickhöffer und Geiger seien noch mit An» erkennung genannt.

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Das Publikum folgte der Aufführung, wie schon angedeutet wurde, mit verständnisvoller Anteil­nahme. hth.

Der voreilige Kandidat.

Wer beim Geheimrat Str., dem verdienten Ger­manisten der Universität H., die Staatsprüfung ab» zulegen hatte, der tat gut daran, sich mit einigen besonderen Fragen vertraut zu machen, die der Gestrenge zu stellen pflegte. Sie lauteten immer gleich, und das erleichterte die Vorbereitung roefent» lief); denn viele Generationen menschenfreundlicher Studenten hatten sauber und lückenlos zusammen» getragen, was nur immer der Geheimrat den Ge­hirnen seiner befrackten Opfer zu entziehen sich be­mühte, bemüht hatte und bemühen würde. Als Fragebogen" vervielfältigt, erbten sich diese wich» tigen Blatter von Prüfling zu Prüfling fort, unb wer ihr Frage- und Antwortspiel beherrschte, bem konnte nichts mehr geschehen.

Einem geschah aoer boch etwas. Er kannte, wie wir im Februarheft von Velhagen & Kla» Jings Monatsheften lesen, die Fragebogen zu genau. Der Kandidat R. schoß nämlich eine Antwortkanone zur Unzeit ab. Und bas klang so.

Geheimrat Str.:Sagen Sie, Herr ÄanbibaL war Luther..."

Kandidat R.:Nein, Herr Geheimrat, Luther war nicht bas Anfangs-, sondern das Endglied einer langen Entwicklungsreihe."

Sckallplaiien aeqen Mäuseplaqe.

In den Getreidespeichern Amsterdams nahm die Mäuseplage immer mehr überhand, und die Besitzer sannen vergebens auf ein wirksames Mittel, um dis Rager zu vertreiben, die unter den Getreidebestän­den großen Schaden anrichteten. Schließlich kam man, wie in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" mitgeteilt wird, auf den Gedanken, in allen Vorratsräumen mit Hilfe selbständig betriebe­ner Apparate Schallplatten spielen zu lassen, die bas Miauen von Katzen Wiedergaben. Auf diese Weife ist es angeblich gelungen, die Mäuse zu verjagen.