Nr. 170 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag, 2Z^Zuli (956
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Die Komintern an der Arbeit.
Eine aufschlußreiche Zusammenstellung.
NSG. 2 8. Juni 193 6. In Neuyork beschließt eine von 25 000 Kommunisten besuchte Versammlung, an der Vertreter kommunistischer Parteien aller Länder teilnahmen, die Ernennung des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der USA., Vrowder, zum Präsidentschaftskandidaten und des Negers James W. Ford, eines üblen kommunistischen Hetzers in Neuyork, zum Vizepräsidentschaftskandidaten. Die Hetzreden der beiden Kandidaten werden von zwei amerikanischen Rundfunkgesellschaften über alle amerikanischen Sender verbreitet. Browder bezeichnet in seiner Rede den kommunistischen Parteitag als die Geburtsstunde der amerikanischen Sowjetregierung.
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2 9. Juni 1936. Amerikanische Zeitungen stellen fest, daß die kommunistische Bewegung in Amerika seit Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA. und der Sowjetunion einen größeren Umfang angenommen hat, als bisher bekannt wurde. Die jährlichen Kosten der amerikanischen Kommunistenpropaganda werden auf 6 Millionen Dollar geschätzt.
Im Warschauer Judenviertel wird eine kommunistische Kundgebung von der Polizei zerstreut. Zahlreiche jüdische Kommunisten werden verhaftet.
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5. I u l i 1 9 3 6. In der litauischen Stadt S ch a u- l e n werden sechs jüdische Bankangestellte wegen kommunistischer Propaganda verhaftet.
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6. Juli 1 936. Das offiziöse Blatt der Sowjetregierung „Jswestija" veröffentlicht einen Artikel von Bucharin, in dem er gegen den „Faschismus" hetzt und u. a. ausführt, daß die Auseinandersetzung zwischen dem Kommunismus und dem Faschismus näherrücke. Dieser Artikel bestätigt
wieder einmal die aggressiven Pläne des Bolschewismus.
In Madrid wird der Direktor eines Zirkus, ein Faschist, von Kommunisten entführt und ermordet.
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7. Juli 1936. In Bukarest wird eine von der Komintern nach Rumänien entsandte Kommunistengruppe unter Führung der jüdischen Agentin Anna P a u k a zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Es erweist.sich, daß die Anna Pauka eine nahe Verwandte des Direktors eines linksliberalen rumänischen Blattes ist.
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8. Julil936. JnKowno wird der Chauffeur der litauischen Sowjetgesandtschaft verhaftet. Die polizeiliche Untersuchung ergibt, daß er während der letzten blutigen Arbeiterunruhen einer der ersten Hetzer war.
Vesuch eines französischen SchrWellersin Gießen
Ein warmherziger Aefürworter der deutsch-französischen Verständigung sieht sich das Deutschland Adolf Hitlers an.
3 0. Juni 1936. In Telaviv in Palästina werden sieben jüdische Kommunisten verhaftet.
Der Chef der brasilianischen Polizei gibt in einer Rundfunkrede bekannt, daß die Komintern beschlossen habe, in Brasilien den Bürgerkrieg zu entfesseln, um die Rätediktatur zu errichten. Die Kominternmitglieder Bela Kuhn und Otto Brown seien bereits unterwegs. Diese Angaben werden von der Moskauer „Prawda" und im Sowjetrundfunk, wie üblich, dementiert — und somit bestätigt.
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1. Juli 1936. In Jerusalem werden zwei jüdische Kommunisten verhaftet. Zugleich wird von der englischen Mandatspolizei im Judenviertel von Haifa eine kommunistische Propagandazentrale aufgedeckt. Es werden Aufrufe in arabischer, britischer und deutscher Sprache gefunden, in denen zum offenen Aufruhr aufgefordert wird.
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2. Juli 1936. In Algerien kommt es zu blutigen Zusammenstößen, die den Einsatz von Militär erforderlich machen. Neun kommunistische Hetzer werden verhaftet, darunter vier Europäer.
In Polen finden zahlreiche Zusammenstöße statt zwischen der Polizei und von Kommunisten aufgehetzten polnischen Landarbeitern. Die Polizei muß von der Schußwaffe Gebrauch machen. Es werden im ganzen 15 Personen getötet.
In Barcelona wird ein Engländer, Direktor einer dortigen Fabrik, von Kommunisten auf offener Straße niedergeschossen.
Die französische Zeitschrift „Candide" veröffentlicht aufsehenerregende Enthüllungen über die französischen kommuni st ischen Selbst- schutzverbände, die unter dem Namen „Rote Garde" in Hundertschaften zusammengefaßt sind, von zwei französischen Reserveoffizieren geführt werden und mit den modernsten Waffen ausgerüstet sind.
In War s ch a u wird wieder eine kommunistische Zelle aufgelöst, zehn Kommunisten, alle ausnahmslos Juden, werden verhaftet.
Im spanischen Parlament bringt die kommunistische Fraktton einen Gesetzentwurf ein, in dem sie die sofortige Verhaftung aller Beamten und Offiziere fordert, die im Jahre 1934 den kommunistischen Aufruhr niedergeworfen hatten.
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4. Juli 1936. Der österreichische Sicherheitskommissar Adam gibt ein in seine Hände gelangtes Rundschreiben der Komintern bekannt, in dem neue Richtlinien für die kommunistische Wühlarbeit in O e st e r r e i ch aufgestellt worden sind.
Der bekannte französische Schriftsteller Alphonse de Chateau briant, der sich auf einer längeren Studienreise durch Deutschland befindet, war mehrere Tage in unserer Stadt Gießen zu Gast. Er ist einer der leidenschaftlichen Vorkämpfer für die deutsch-französische Annäherung und will unser Land persönlich kennenlernen, um dann auf Grund seines großen Namens einen energischen Feldzug gegen die Lügenmeldungen der französischen Presse zu eröffnen. In seiner Begleitung befindet sich seine Mitarbeiterin, die französische Schriftstellerin Frau S t o r m s - C a st e l o t, die als eine von wenigen Frauen der Legion cLhonneur angehört. Beide Gäste haben bereits in verschiedenen westdeutschen Zeitungen ihrer Begeisterung für das neue Deutschland Ausdruck verliehen und beginnen schon von Deutschland aus mit aufklärenden Artikeln in Zeitungen ihres Heimatlandes.
Die Bilder zeigen die französischen Reisenden bei einer Unterhaltung mit Arbeitern einer hiesigen Fabrik. Die Gäste besichtigten ferner das Arbeitsdienstlager am Philosophenwald, das Jungvolklager bei Grünberg, und unterrichteten sich im Rassenhygienischen Institut über verschiedene wissenschaftliche Grundlagen der neuen deutschen Welt-
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anschauung.
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Alphonse de Cha - t e a u b r i a n t wurde im Jahre 1877 in Rennes geboren. Er lebt in Versailles. Dort hat er auch die Zeit des Friedensdiktates von 1919 miterlebt. Er hat damals schon angesichts dieser Vergewaltigung Deutschlands offen vor seinen französischen Volksgenossen erklärt, daß dieses Friedensdiktat eine Schmach für Deutschland sei, die sich das deutsche Volk niemals gefallen lassen werde, und daß Deutschland diesen Schandvertrag eines Tages bestimmt zerreißen werde. Alphonse de CHLteaubriant ist französischer Frontkämpfer, der zweimal verwundet wurde. — Bildaufnahmen: Gottschalk.
9. Juli 1936. In Argentinien wird von Kommunisten ein Sprengstoffanschlag gegen eine Eisenbahnbrücke verübt.
10. Juli 19 3 6. In Salzburg werden mehrere kommunistische Organisationen aufgedeckt. Es werden im ganzen 48 Personen verhaftet.
In Rio de Janeiro wird in einem Infanterieregiment eine umfangreiche kommunistische Zelle aufgedeckt. 18 Soldaten, darunter mehrere Unteroffiziere, werden verhaftet.
In Santiago de Chile werden im Universitätsgebäude fünf nattonalgesinnte Studenten von Kommunisten überfallen und schwer verletzt.
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11. Juli 1936. In Ri o de Janeiro verhaftet die Polizei den Vertreter des südamerikanischen Büros der Komintern, Molares, und den Sekretär des Politbüros der KP. Brasiliens, M o r e n a.
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12. Juli 1936. An der polnisch-rumänischen Grenze wird eine elegante Dame verhaftet, die mit falschem Paß nach Polen einreisen will. Es stellt sich heraus, daß es sich um einen weiblichen Kurier der Moskauer Komintern handelt.
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13. Juli 1 936. Im Provinzgefängnis von Malaga stürzen sich politische Gefangene linksgerichteter Parteien auf faschistische Häftlinge. Die herbeieilende Polizei muß von der Waffe Gebrauch machen. Zwei Häftlinge werden getötet, zwei weitere schwer verletzt.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oie Kultur der kleinen Dinge.
V. A. Ueberall, wo Blumen ihre bunte Pracht entfalten, erfreuen sie den Menschen in seinem Glück oder trösten ihn in schweren Stunden. Wer hätte schon jemals zuviel an Blumen bekommen können? Für uns Hausfrauen ist es eine besondere Freude, selbst Pflanzen und Blumen zu ziehen, sie zu hegen und zu pflegen. Wir können nicht immer einen Garten haben. Doch sollten Stadtmenschen gerade recht viele Blumen um sich haben. Sind doch Blumen Boten der Natur. Steht uns also ein Balkon oder einige Fenster zur Verfügung, dann können wir schon eine große Auswahl von Blumen haben. Wir beleben das Straßenbild durch die bunten, leuchtenden Farben unserer Blumen, und das unansehnlichste Haus strahlt Frohsinn und Heiterkeit aus, wenn es mit Blumen geschmückt ist.
Ehe wir nun an die Arbeit des Ausschmückens gehen, gibt es gar vieles zu überlegen. Vor allen Dingen wollen wir beim Pflanzen darauf achten, daß die Blumenkästen nicht zu klein sind. Sie müssen genügend Erde in sich aufnehmen können, damit die Nährstoffe den ganzen Sommer über ausreichen. Am Boden der Kästen sind Löcher anzubringen, die man mit Scherben bedeckt. Die nun aufgefüllte Erde muß nahrhaft und locker sein, am besten mit Horn- mehl oder Hornspänen gemischt. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann kann unser Schönheitssinn wieder zur Geltung kommen. Wir werden in erster Linie darauf bedacht sein, die Farben unserer Blumen so zu wählen, daß sie in einem schönen, farbigen Kontrast zu der Hauswand stehen und recht bunt und lustig wirken.
Haben wir einen Balkon auszuschmücken, der uns den Garten ersetzen soll, werden wir mit besonderer Liebe an dieses Werk Herangehen. Grell rote Geranien, die wir mit weißen Petunien mischen, wirken durch ihre leuchtende Schönheit und erfreuen uns durch ihr fleißiges Blühen. Daneben stellen wir ein oder zwei Kästen mit tief blauen Glockenblumen, die wir recht üppig wachsen lassen. Sie wirken durch den wundervollen Kontrast sehr malerisch. Auch Ringelblumen, die nicht den sonnigsten und hellsten Platz beanspruchen, scheinen durch ihre goldgelbe Farbe Sonne und Licht auszustrahlen. Wie gern werden wir mit ihren leuchtenden Blüten Schalen und Gläser füllen, um auch im Zimmer
Oiymplsches Bayreuth.
Von unserem J. lSonderberichterstatter.
Bayreuth, im Juli 1936.
Die Bayreuther Fe st spie le werden in diesem Jahr von einer stattlichen Reihe beziehungsreicher Gedenktage umrahmt. Wie 1933 begeht die Wagner-Stadt ein Jubiläum: Vor 60 Jahren riesen zum erstenmal die Fanfaren auf dem Festspielhügel zum Beginn der Vorstellung. „Der Ring der Nibelungen" erschien als Einheit zum erstenmal am Ort seiner Bestimmung als Bühnenfestspiel.
Am letzten Tage des ersten Spielabschnitts, am 31. Juli, jährt sich zum 50. Male der Todestag Franz Liszts. Mitten in den Festspielen des Sommers 1886 erlosch das Leben des „Brot- und Lehnsherrn" Wagners, des „freundlichsten der Freunde". Der „Tristan" war das letzte irdische Ziel des Wanderers zwischen zwei Welten danach ging er ein in das „Wunderreich der Nacht Sein Körper verblieb in der Stadt des Kampfgefährten, dem er zeitlebens als dem „Ruhm (9ermaniens selbstlos gedient hatte. In der Nähe Siegfried Wagners, H. St. Chamberlains und Hans Richters ruht Liszt im Erdreich feiner geistigen Wahlheimat.
Das Schicksal Wagners wäre andere, für die deutsche Kunst verhängnisvolle Wege gegangen, hatte der kühne Revolutionär während seiner dreizehnjährigen Verbannung nicht einen so ergebenen uno äußerlich unabhängigen Sachwalter in der Heimat besessen, wie es Liszt war. Dennoch wäre Bayreuth, die Festspielidee als Lebensziel Richard Wag ne rs, nie und nimmer Wirklichkeit geworden, hatten sich die Wege des gehetzten und verzweftelten Komponisten nicht mit dem ideal gesinnten König Lud- wig II. von Bayern gekreuzt, hatte.ihn nicht die Tatkraft des schwärmerischen Marchenkonigs,,der Nacht entrückt". Mit der Feststimmung des Bayreuther Jubiläums verbindet sich deshalb die dankbare Erinnerung an den hohen Schutzherrn, dervor einem halben Jahrhundert einen tragischen Tod fand.
Nicht zufällig wurde schließlich an den Beginn der diesjährigen Festspielreihe der „L o h en gringestellt. Nach siebenundzwanzigjähriger Pause erschem er wieder im schlichten Notbau auf dem Festspiel- bügel. Seine Aufführung ist ein Bekenntnis Bayreuths zum Einiger der deutschen Stamme dem ersten König aus Sachsengeschlecht, Heinrich I dessen 1000. Todestag vor kurzem Anlaß zu einer politischen Kundgebung der höchsten Staats- und Parteistellen bildete. Richard Wagner hat dem ersten bewußt gesamtdeutsch handelnden König im
„Lohengrin" das ehrenvollste und volkstümlichste Denkmal der gesamten Bühnenliteratur gesetzt.
lieber das fesselnde Wechselspiel dieser Gedenktage hinaus empfängt der Festzyklus dieses Jahres eine besonders sinnvolle Ergänzung durch den olympischen Gedanken. Bayreuth ist in das große kulturelle Rahmenprogramm der sportlichen Wettkämpfe eingegliedert, es leitet sie ein und läutet sie aus. So gezwungen die Beziehungen zwischen Olympia und Bayreuth auf den ersten Blick anmuten mögen, so bedeutsam und überzeugend sind die Worte, die ein Grieche, der Athener Vrassivanopulos-Braschawanoff, im amtlichen Festspielführer ausspricht: „Aus Bayreuth weht ein vornehmer künstlerischer Hauch der germanischen Kulturmacht, und diese großartige Geisteskraft ist dem Wesen der hellenischen Kunst und Schönheit urverwandt... Wir befinden uns in der heiligen Altis eines deutschen Olympia zu Bayreuth, dessen hohe Sendung eine Fortsetzung der hellenischen olympischen Einigungsidee bedeutet. Aus dem Schoße Olympias entsprang jene eigentümliche hellenische Weltanschauung, welche sich mit innerer und äußerer Freiheit, mit edler Gesinnung und schöpferischer Kraft, mit ethisch zwingender Macht und heiterer Lebensfreude in die Herzen der weithin verstreuten Hellenen verpflanzte und sie zum national-einheitlichen Pulsieren brachte. Dieses olympische Ideal lebt in seinen wesentlichen Zügen unverändert auf dem neuen Kronionhügel von Bayreuth weiter... Olympia soll uns den entwürdigten Körper wieder gesund machen, Weimar die Gesinnung läutern und Bayreuth das Reinmenschliche künstlerisch verklären.
Bayreuth ist sich sicher der Bedeutung des diesjährigen Wagner-Zyklus bewußt. Schon am Tage vor seinem Beginn bot es das Bild einer F e st- st a d t. Wie in Berlin, der Stätte der Olympischen Spiele, eine Via triumphalis die Gäste aus der Mitte der Stadt zur Arena führt, so zieht sich durch Bayreuth eine unabsehbare Fahnenstraße. Vom Haus der Deutschen Erziehung, der ersten Mahnhalle, in deren architektonischer Gestaltung die neue deutsche Weltanschauung einen eigenen symbolhaften Ausdruck gefunden hat, ziehen sich die Masten mit den lang wehenden Fahnen des Reiches durch die Straßen hinauf auf den Festspielhügel. Eine wahrhaft olympische Völkeroersammlung bewegt sich durch die reich geschmückte Altstadt. Von den Türmen und Dächern des markgräflichen Bayreuth, aus den Fenstern der Verwaltungsgebäude der politischen Zenttale des Gaues Bayerische Ostmark leuchten die Flaggen und Teppiche in den Farben des Reiches. Blumenschmuck und Laub- grün ziert alle Plätze.
Vor dem Wohnhaus des Meisters und seiner Nachfahren stauen sich die Gäste in der kurzen Baumallee, die auf den ersten Blick an den Aufgang zur Weimarer Fürsten- und Dichtergruft gemahnt. Vor der wortlosen grauen Marmortafel auf Wagners Grabhügel verharren die Besucher in ernster Einkehr. Ein kleines Oval von dichten Lorbeerbäumen trennt die düstere Grabstätte unter hohem Laubdach von der lichten Anmut des Hofgartens. Jene kleine Gartentür, die Wagner als Geschenk von seinem Landesfürsten erhielt, vermittelt zwischen der privaten Welt des deutschen Bürgers im Renaissance-Palazzo und der gemächlichen Erholsamkeit des übrig gebliebenen Fürstenparks. In der Mitte aber liegt ein Grab, das zu Deutschlands Nationalheiligtümern gehört.
Aus der ersten besinnlichen Begegung mit dem „Geist von Bayreuth" rufen dann die Fanfaren zum fernen Festspielhügel hinauf zur immer wiederkehrenden Erneuerung von Werk und Vermächtnis.
Drei Jahre Eyndikat-ffilm.
Die Syndikat-Film G. m. b. H., die sich durch eine Anzahl hervorragender Filme im letzten Jahre stark in den Vordergrund gespielt hat — erinnert sei an den staatspreisgekrönten „Traumulus", an „Episode", „Vergiß mein nicht" und „Krach im Hinterhaus" — hat dieser Tage ihr drittes Geschäftsjahr beendet. Ihr Umsatz ist von 2,8 Millionen Mark im Jahre 33/34 und 6,8 Millionen Mk. im Jahre 34/35 auf rund 10 Millionen Mark im abgelaufenen Geschäftsjahre gestiegen, so daß die Zahl der Gefolgschaftsmitglieder in dieser Zeit von 130 auf 275 erhöht werden konnte. Diese Erfolge sind vor allem darauf zurückzuführen, daß Produktion und Kinoerfahrung bei der Syndikat-Film G. m. b. H., die ein Genossenschaftsunternehmen der unabhängigen deutschen Filmtheaterbesitzer ist, Hand in Hand arbeiten. Interessant ist, daß in den abgelaufenen drei Jahren, in denen die durchschnittlichen Herstellungskosten eines Filmes von 2^0 000 Mark auf 440 000 Mark, also um 100 v. H. gestiegen sind, das eigene Obligo der Firma nur um ungefähr 30 v. H. erhöht werden mußte. Das neue Produktionsprogramm der Syndikat- Film G. m. b. H. läßt erkennen, daß die Tendenz zum künstlerisch hochstehenden Qualitätsfilm im kommenden Jahre womöglich noch stärker betont werden wird als bisher. Filmkünstler wie Jan- nings, Otto Gebühr, Paula Wessely, Forster, K i e p u r a, G i g l i usw. sind wieder für Syndikat-Film verpflichtet worden.
Der teuerste Olympiasieg.
Aus der Geschichte der Olympischen Spiele berichtet das neueste Heft von „Reclams Universum" eine hübsche Episode: Am Schlußtag der letzten Olympischen Spiele in Los Angeles bereitete der japanische Oberst Nishi im Schweren Jagdspringen die größte Sensation. Nippon gelang es, in dieser Konkurrenz den Sieg zu erringen. Nishi war der Erfolg durchaus zu gönnen, denn er war mit seiner Begleitung und seinem Pferdematerial bereits drei Monate vor dem Beginn der Spiele in Los Angeles eingetroffen, um die klimatischen Verhältnisse zu studieren und sich und seine Pferde gewissenhaft für die schwierige Prüfung vorzubereiten. Nishi mußte für alle Kosten seiner Expedition selbst aufkommen. Er hatte aber dafür die zweifelhafte Genugtuung, daß fein Turniersieg der teuerste Olympiasieg der Welt war. Nishi, der Deutschland aus eigener Erfahrung kennt und auch an den jetzigen Spielen teilnehmen wird, soll im übrigen ein reicher Mann sein, so daß er es sich schon leisten kann, eine eigene Olympia-Expedition auszurüsten.
Hochschulriachrichten.
Der ordentliche Professor der Musikwissenschaft an der Universität Frankfurt, Dr. phil. Josef Müller-Blattau, ist zum Universitäts-Musikdirektor daselbst ernannt worden.
Der Führer und Reichskanzler hat den Dozenten Gerichtsassessor Dr. Adalbert von Unruh in Frankfurt unter Berufung in das preußische Beamtenverhältnis zum außerordentlichen Professor in der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt für das Fach des öffentlichen Rechts ernannt.
Der ordentliche Professor für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf, Dr. Bruno Derlei, ist wegen Erreichung der Altersgrenze von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.
Der bekannte Anatom Geh. Hofrat Professor Dr. Friedrich Maurer an der Universität Jena ist im 77. Lebensjahr g e st o r b e n.
In Wien sind der ordentliche Professor Dr. Leo Wittmayer, der als Völkerrechts- und Staatsrechtslehrer durch zahlreiche Veröffentlichungen bekannt geworden ist, und der bekannte Internist Hofrat Professor Dr. Jakob Pal g et ft o r b e n.


