Oie Slawenkreuzler.
Von unserem K.-Berichterstatter.
(Nachdruck verboten, auch mit Quellenangabe.) Preßburg, im Oktober 1936.
Es gibt gewiß wenige Gebiete in Europa, die in der letzten Zeit so viel von sich reden gemacht haben, wie gerade die Slowakei. Dabei könnte man zehn zu eins wetten, daß, noch vor zwanzig Jahren die meisten Zeitungsleser kaum gewußt haben, wo sie die Slowakei hätten suchen sollen, feilte freilich weiß ein jeder, daß die Slowakei das Sprungbrett des Bolschewismus für seinen Angriff auf Mitteleuropa werden soll. Heute weiß ein jeder, daß die Slowakei ein besonders wichtiges Gebiet ist, das politisch und strategisch, wirtschaftlich und völkisch in besonderem Maße umkämpft ist und das vielleicht einmal bestimmt sein wird, eine große Rolle zu spielen bei späteren europäischen Entscheidungen.
Als während der sogenannten Friedenskonferenzen in den Pariser Dororten die tschechischen Nationa- listenführer die Friedensmacher dazu bewegen wollten, die Slowakei weder bei Ungarn zu belassen, noch sie Polen zu geben, sondern die Slowakei zusammen mit dem sogenannten Kar- pathorußland als einen von Westen nach Osten laufenden Korridor der tschechischen Republik anzugliedern, da waren für diese Forderung nicht |o sehr nationalpolitische Gesichtspunkte maßgebend — denn als Brüder haben sich früher wenigstens die Tschechen und die Slowaken nie gefühlt — als vielmehr die Erwägung, daß mit einem solchen Korridor für die Tschechen die Möglichkeit einer Verbindung mit Rußland gegeben sei. Dabei muß man berücksichtigen, daß ja verschiedene Wortführer der tschechischen Abordnung für die Friedensoerhandlungen den ausgesprochen panslawistischenKreisen angehörten, jenen Kreisen, die schon früher in Prag ihre Zentrale gehabt hatten und die Rußland als die Schutzmacht des Slawentums in aller Welt ansahen. Diesem Rußland wollte man möglichst nahe sein. Richt durch ungarisches Gebiet getrennt, aber auch nicht durch polnisches, denn die Polen waren ja seit jeher sozusagen Abtrünnige des panslawischen Gedankens gewesen und hatten niemals einen Hehl gemacht aus ihrer antirussischen Einstellung.
So erhielt von Anfang an der Besitz der Slowakei eine besondere Bedeutung. Dieser Bedeutung trägt die Prager Regierung seit einiger Zeit dadurch Rechnung, daß sie wirtschaftlich und verkehrspolitisch den Ausbau der Slowakei in einem Tempo durchführt, das nur ganz besondere Zielsetzungen erklärt und gerechtfertigt werden kann. Die bolschewistische Regierung wiederum benutzt in der richtigen Erkenntnis der Bedeutung der Slowakei dieses Gebiet als die Operationsbasis für ihre umstürzlerischen Pläne in Mitteleuropa und im Donauraum.
Es ist- nun nicht verwunderlich, wenn allmählich die Bewohner der Slowakei, die bisher wenig politische und sonstige Aktivität zeigten, nun, wo sie über Nacht zu so großer Bedeutung gelangt sind, allmählich von dem Bestreben erfüllt werden, nun auch ihrerseits aktiv zu werden und nicht nur eine Schachfigur für das Spiel zwischen Moskau und Prag zu sein. Die bisher stärkste politische Partei in der Slowakei, die von dem Pater H l i n k a geführte Slowakische Volkspartei, versuchte diesen slowakischen Wünschen gerecht zu werden, indem sie hauptsächlich die Forderung nach einer Autonomie für die Slowakei vertrat, wobei sie sich auf die seinerzeit geschlossenen Staatsoerträge berufen wollte. An dem Widerstand der Prager Zentralisten scheinen vorläufig diese Bestrebungen zu scheitern. Dies zeigt jedenfalls auch manche Aeußerung des Staatspräsidenten B e n e s ch während seiner letzten Reise durch die Slowakei.
Von Moskau her versucht man gleichzeitig die kommunistische Propaganda in der Slowakei vorwärtszutreiben, um dadurch die Möglichkeit zu bekommen, einen Druck auf Prag auszuüben und gleichzeitig sich die slowakische Opera- tionsbasis auch stimmungsmäßig zu sichern. Diese kommunistische Propaganda rief wiederum eine Abwehrbewegung der katholischen Slowakischen Volkspartei hervor, und so ergibt sich jetzt das folgende Bild: die Kommunistische Partei kämpft im Solde Moskaus gegen Prag und gleichzeitig weltanschaulich gegen die Slowakische Volkspartei. Diese wiederum muß sich der kommunistischen Angriffe erwehren und muß gleichzeitig versuchen, Prag gegenüber die Autonomieforderung immer wieder von neuem zu vertreten. Beide politischen Faktoren müssen so nach zwei Seiten kämpfen und ihre Kräfte zersplittern. Der Nutznießer dieser Lage aber ist niemand anders als P r a g. Die tschechische Regierung kann nun dem politischen Ehrgeiz der Slowakei ruhig zusehen, da sich die beiden hier kämpfenden Kräfte aufheben. Inzwischen aber herrschen tschechische Beamte schrankenlos und willkürlich in der Slowakei, wie Fremde in einer Kolonie.
Aus diesem Kräftespiel ist nun eine neue politische Bewegung erwachsen, die zweifellos ernste Beachtung verdient, weil hier wenigstens der Versuch gemacht wird, das slowakische Problem, das in der letzten Zeit immer mehr zu einem europäischen Problem geworden ist, auf einer anderen Ebene zu lösen. Diese neue politische Bewegung ist die „Slawische nationale Solidarität", kurz Slawenkreuzler genannt. Das Symbol dieser Bewegung, die heute schon über eine beachtliche Anhängerzahl verfügt, sind das Christuskreuz und der Dreizack des alten Donnergottes der slawischen Götterwelt, Perun. Führer der Bewegung ist ein gewisser Ludo Vycislik, der vor einiger Zeit ein Buch veröffentlicht hat mit dem Titel „Das Slawentum, der Retter Europas". Die in diesem Buch ausgeführten Gedankengänge sind im Großen und Ganzen die ideeymäßige Grundlage dieser neuen Bewegung. Ihr Hauptziel ist die Schaffung einer alle slawischen Stämme in der Tschechoslowakei umfassenden Einheitspartei, also der Tschechen und Slowaken, der Ruthenen und der Polen. Sie alle sollen a u f der Grundlage unbedingter Gleichberechtigung zusammenstehen und die Träger des Staates fein, in deren Eigenschaft sie andererseits in bestimmten Fragen, wie z. B. bei der Aemterbesetzung, bevorzugt sein würden. Da diese neue Bewegung die Einheit und Gleichheit zwischen allen slawischen Stämmen predigt, verwirft sie auch logischerweise den slowakischen oder karpatho- russischen Autonomiegedanken. Sie will vielmehr das ganze Land ohne Rücksicht auf historische oder völkische Tatsachen in einzelne Gaue einteilen, die untereinander gleich sein sollen.
Weltanschaulich ist die Bewegung der Slawenkreuzler antiliberalistisch und antimarxistisch, ebenso wie sie den Rationalismus als Feind des religiösen
Lebens bekämpft und auch das internationale Judentum. Gerade diese letzten beiden Punkte sind für slowakische Verhältnisse neu und stellen einen starken Anziehungspunkt dar. In sozialpolitischer Hinsicht fordert die neue Bewegung eine staatliche Kontrolle über das Kapital, Beteiligung des Arbeitnehmers am Betriebe, Ausbau der sozialen Einrichtungen und Einziehung jedes nicht mit Arbeit erworbenen Vermögens. Es kann nicht wundernehmen, daß derartige Programmpunkte auf die breiten Massen eine starke Anziehungskraft aus- üben.
Unterzieht man nun die politischen Auswirkungsmöglichkeiten einer näheren Betrachtung, so kommt man zu dem Ergebnis: Die panslawistische Idee, die gleichzeitig zwangsläufig die Autonomiebestrebungen der einzelnen Nationalitäten im tschecho- lowakischen Staate hinfällig macht, muß bei den tschechischen Machthabern in Prag sympathisch berühren. Die kommunistischen Krebse in der Slowakei wiederum werden die weitgehenden sozialpolitischen Forderungen annehmbar finden und die antilibera- listischen und antirationalistischen Grundsätze wiederum werden im Lager der Katholischen Slowakischen Volkspartei Anklang finden. So ist wenigstens für den Anfang die Möglichkeit gegeben, in den ver- schiebensten politischen Kreisen mit dieser Bewegung der „Slawenkreuzler" Fuß zu fassen. Es wäre selbstverständlich verfrüht, schon heute irgendwelche Prophezeiungen an die bisher
sichtbar aewordenen Erfolge dieser neuen Bewegung zu knüpfen.
Gegen die Volschewisierungs- bestrebungenderTschechoslowakei
Preß bürg, 22. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der Slovac, das Hauptblatt der katholisch-slowakischen Volkspartei, greift die Meldung tschechischer Rechtsblätter auf, wonach der Verband der Sowjetfreunde bereits 2 5 0 Zweigstellen in den verschiedenen tschechoslowakischen Städten gegründet habe. Seit dem 1. Januar dieses Jahres hätten nicht weniger als hundert Abord- n u n g e n aus Sowjetrußland die tschechoslowakischen Fabriken besichtigt. Es müsse Verwunderung erregen, daß diese Fabriken so bereitwillig den bolschewistischen Abordnungen geöffnet werden. Seit dem 1. Januar hätten 2000 Personen aus der Tschechoslowakei die Sowjetunion besucht, unter ihnen seien allein 500 Lehrer gewesen, das heiße also, daß jeder vierte Sowjetreisende ein tschechoslowakischer Lehrer sei. Der Kampf gegen den Bolschewismus sei ein nationaler, moralischer und religiöser Kampf. Schließlich erklärte der Slovac: „Unsere Linie ist recht; wir gehen auf dieser unerschrocken weiter und werden in diesem Kampf ausharren. Wie Henlein, der Führer der Sude
tendeutschen, so werden auch wir für unser Volk durch unseren Kampf gegen die Kommunisten die Sympathien der ganzen Welt g e w i n- n e n."
„Wer beherrscht Sowjetrußland ?*
Berlin, 21. Okt. (DNB.) Die Herrlichkeiten des Sowjetparadieses und die 98prozentige Verjudung der sowjetrussischen Führung wurden auf dem Reichsparteitag 1936 vom Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels und Reichsleiter Rosenberg mit erschütternder Deutlichkeit ausgezeichnet. Unter den zahlreichen Veröffentlichungen zu diesem Thema bringt die „Münchener Illustrierte Presse" in ihrer Nummer vom 22. 10. 1936 einen Bericht: „Wer beherrscht Sowjetrußland?", der die Zustände in der Sowjetunion und eine Blütenauslese jüdischer Sowjetführer erneut mit einwandfreien Bilddokumenten belegt. Niemand sollte versäumen, sich diesen Tatsachenbericht anzusehen. Erschütternde Bildfolgen über die Ereignisse in Spanien, die das Wüten der Beauftragten Moskaus an den herrlichen, jahrhundertealten historischen Bauwerken Spaniens dokumentieren, und das Leiden eines hinter dem roten Terror blutenden Volkes zeigen, enthalten die neuen Hefte der „Berliner Illustrierten" und „Kölnischen Illustrierten", lieber einfache Wortmeldungen hinaus liegen hier Bildberichte vor, die für sich sprechen.
Moskau trifft Vorbereitungen zur Errichtung eines Sowjetstaates in Katalonien. Räierussischer Sonderbeauftragter verhandelt in Barcelona mit Azana.—Oie Landung von Truppen und Kriegsmaterial geplant.
Moskau läßt die Maske fallen.
Ein aufschlußreicher Bericht des „Matin".
Paris, 22. Okt. (DNB. Funkspruch.) „Moskau hat feinem Bürgerkriegsspezialiften Antonow O w - sejenko Vollmachten für Spanien erteilt!" In Fettdruck bringt der „Matin" diese Meldung unter Angaben der näheren Umstände, die der Sowjetunion jetzt zum offenen Eingreifen in den spanischen Bürgerkrieg Veranlassung gegeben zu haben scheinen. Moskau suche mit den spanischen Kommunisten zusammen aus Katalonien einen Sowjetstaat zu schassen. Die Aufgabe sei dem eben genannten Owsejenko übertragen worden, der Generalkonsul in Barcelona sei, nachdem er vorher den Botschafter- posten in Warschau bekleidet hatte.
Das sowjetrufsische Generalkonsulat in Barcelona bereite fieberhaft dieErrichtung eines f o m - munistifchen Regimes in Katalonien vor. 3m Hinblick auf diese Tatsache fei bezeichnend die plötzliche Ankunft des Präsidenten A z a n a in Barcelona. Rach außen hin handele es sich um Fragen militärischer Art, in Wirklichkeit aber darum, mit der katalanischen Regierung über die Verlegung der Madrider Regierungsstellen nach Barcelona zu verhandeln. Diese Angelegenheit sei nicht ganz einfach, weil die katalanischen Führer aus ihre Unabhängigkeit eifersüchtig bedacht seien. Wahrscheinlich werde Owsejenko sich ins Wittel legen, um einen Plan zu fördern, der nur den Zielen Moskaus dienen könne. Die materielle Hilfe, die die Sowjets den spanischen Kommunisten durch Landung von Truppen und Kriegsmaterial in Katalonien zu gewähren gedächten, würde, so meine man, auf keine unüberwindlichen Hindernisse vorn internationalen Gesichtspunkt aus stoßen, da das Abkommen von Montreux fowjetrussifchen Fahrzeugen die Einfahrt ins Mittelmeer durch die Dardanellen erlaube.
Die neue Ausrichtung der sowjetrussischen Politik sei das Ergebnis einer Konferenz, die Litwinow- Finkelftein und andere bolschewistische Führer un- längs in Genf abgehalten hätten. Der Sowjetbotschafter in Madrid, Moses Rosenberg, habe Litwinow eine sehr pessimistische Schilderung der Lage in Spanien übermittelt, wonach die Sowjetsache so gut wie verloren sei. Andererseits hätten Botschaften aus Moskau die in der Sowjetunion herrschenden Zustände im Zusammenhang mit der Erkrankung Stalins als nicht rosig hingestellt. Litwinow habe beschlossen, so schnell wie möglich zu handeln. Die Sowjetführer hätten zunächst versucht die kommunistischen Zellen in Frankreich mobil zu machen, damit die kommunistische Partei in Frankreich mit den Kommunisten in Spanien einen Block bilde. Gleichzeitig seien neue sowjetrussische Militärinstruktoren nach Madrid gesandt worden, wo sie seither die militärischen Operationen leiteten.
Der Kreml entsendet . Waffen, Munition und Offiziere.
Die Einmischung wird offenbar.
Paris, 22. Okt. (DNB. Funkspruch.) Gringoire will im Zusammenhang mit den sowjetrussischen Waffenlieferungen an die Madrider Regierung in 'Erfahrung gebracht haben, daß am 16. Oktober i m Kreml eine Sitzung des Politischen Büros unter dem Vorsitz Molotows ftattge- funden habe. Angesichts der Gefahr einer baldigen Einnahme Madrids durch die nationalen Truppen habe die sowjetrussische Regierung beschlossen, um Waffenlieferungen für die Madrider Regierung durchführen zu können, zehn ausländische Schiffe mit einer Gesamttonnage von etwa 50 000 Tonnen zu chartern. Sie sollen unter dänischer und norwegischer Flagge fahren. Trotz der Proteste des sowjetrussischen Generalstabes, der eine Erschöpfung der eigenen Reserven an Kriegsmaterial befürchte, habe Marschall W o r o s ch i l o f f befehlen müssen, große Mengen Kriegsmaterial nach Barcelona zu schicken, und zwar 5000 schwere und leichte Maschinengewehre, 300 Kanonen und die dazugehörige Munition. Die erste Ladung umfasse ferner hundert Jagd- und Bombenflugzeuge, die von 40 fowjetrussifchen Fliegern begleitet würden.
Da Antonow Owsejenko, der neue sowjetrussische Generalkonsul in Barcelona, die Entsendung ge
schulten militärischen Personals gefordert habe, würden außerdem zehn sowjetrussische Artillerie-Offiziere nach Katalonien entsandt werden, ferner 15 Militärpropagandisten, die sich mit dem Pressedienst und der Verbreitung geeigneter Flugschriften befassen sollen. Fünf militärische Fachleute für drahtlose Telegraphie würden ebenfalls entsandt werden, um eine unmittelbare funkentelegraphische und telephonische Verbindung zwischen Barcelona und Moskau herzustellen. Zwanzig Offiziere des großen Generalstabes des sowjetrussischen Heeres hätten Antonow Owsejenko zu unterstützen.
Die Marxisten bezahlen ihre Waffenlieferanten.
Verschleuderung des spanischen Volks- Vermögens.
Paris, 22. Okt. (DNB.-Funkspruch.) General Queipo de Llano führte Einzelheiten über ununterbrochene Flugzeug- und Waffenlieferungen von Sowjetrußland und Frankreich an das rote Spanien an. Hunderte von Millionen Goldpeseten hätten bereits den Weg nach Paris in die Bank von Frankreich genommen. Der marxistische Abgeordnete Gonzalez Pena habe sich nach der Einnahme von Oviedo nach Sama begeben, um dort für über 30 Millionen Peseten und IV2 Millionen in Gold a b g e h o.b e n,
die aus Diebstählen herrührten, die die roten Truppen in den Banken durchgeführt hätten. Wie der Rundfunksender von Valladolid mitteilt, soll die rote „Regierung" dem mexikanischen Botschafter in Madrid 40 Millionen Peseten für die Lieferung von Kriegsmaterial übergeben haben.
Oie Gärung in der Sowjetunion.
Warschau, 21. Okt. (DNB.) Wie aus sicherer Quelle verlautet, ist in der Sowjetunion eine Reihe von Ukrainern erschossen worden, die vor noch nicht langer Zeit aus dem ost- polnischen Gebiel dorthin geflohen waren. Zumeist handelt es sich um K 0 m m u n i st e n, die sich in Polen als Agitatoren Moskaus betätigt hatten. Weiter sind im Fernen Osten zahlreiche hohe sowjetische Würdenträger aus Armee, Partei und Verwaltling verhaftet worden, unter ihnen sämtliche Bezirkssekretäre der Partei, hohe Beamte der Amureisenbahn, die Direktoren mehrerer Schiffahrtslinien und Anhänger des Marschalls Blücher. Schließlich wird bekannt, daß die Besatzung des Kreuzers „G i l a k" gemeutert habe. Es fei aber gelungen, die Meuterei niederzuschlagen und die Meuterer, an deren Spitze sich ein alter Kommunist namens Schymonajew befand, zu verhaften. Auch der Kapitän des Kreuzers, der mit den Meuterern unter einer Decke gesteckt haben soll, sei f e ft» genommen worden.
Deutsche Note an den Nichteinmischungsausschuß. Scharfe Zurückweisung der sowjetrussischen Anschuldigungen.
Berlin, 21. Oki. (DRB.) Die deutsche Regierung Hal am Mittwoch durch ihren Geschäftsträger in London dem Vorsitzenden des Richteinmischungsausschusses eine Rote überreichen lassen, in der sie zu den kürzlich von der Madrider Regierung und der Sowjetregierung erhobenen Anschuldigungen wegen angeblicher Verstoße Deutschlands gegen das Waffenembargo Stellung nimmt.
3n der deutschen Rote werden diese Anschuldigungen als völlig haltlos gekennzeichnet und m i t größter Entschiedenheit zurückgewie- s e n. Zugleich hat die deutsche Regierung auf Grund des ihr vorliegenden umfangreichen Materials dem Ausschuß eine lange Reihe von Fällen mitgeleilt, in denen von sowjetrussischer Seite das Waffenembargo in flagranter Weise verletzt worden ist.
Der französisch-russische Beistandspakt.
Besorgte Anfragen in der Pariser Kammer.
Paris, 22. Okt. (DNB.) Im Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten fragte ein Abge
ordneter Außenminister Delbos, ob der fr an« zösisch-fowjetrufsifche Pakt auch dann zur Anwendung komme, falls ein Verzicht der Sowjetunion auf die Neutralität und ein offenes Eingreifen Moskaus zugunsten der „Regierungen" von Madrid ober Barcelona einen Konflikt zwischen Sowjetrußland und einer Festlandsmacht auslösen würde. Delbos erwiderte, der Pakt habe ausdrücklich vorgesehen, daß er nur zur Anwendung kommen solle, falls ein Angriff auf das eigene Gebiet der einen oder anderen Vertragspartei stattfinden würde. Diese Möglichkeit dürfe im Hinblick auf Spanien wohl kaum in Erwägung zu ziehen sein. Jede der vertragschließenden Parteien habe volle Freiheit in der Beurteilung erhalten, ob ein Angriff vorliege ober nicht. Der etwaige Beistanb würbe also nicht automatisch in Frage kommen. Mehrere Ausschußmitglieder haben sich besorgt wegen der Folgen geäußert, die ein Mißerfolg der Mabriber „Regierung" mit sich bringen können. Vielleicht werbe Katalonien sich an die französische Regierung um Beistand wendey. Delbos erwiderte, er werde nichts ohne vorherige Verständigung mit England und den Mächten, die dem Nichteinmischungspakt beigetreten feien, unternehmen.
Am noch dreißig Kilometer vor Madrid. •
Navalcarnero von den nationalen Truppen eingenommen.
Burgos, 22. Okt. (DRB. Funkspruch.) Aus dem Hauptquartier Valladolid trifft die Rachricht ein, daß die Truppen des Generals Mola am Mittwochnachmittag den roten Stützpunkt Ravalcarnero eingenommen haben, der vom Madrider Stadtzentrum nur 30 Kilometer entfernt liegt. Die Bolen ergriffen die Flucht und hinterliehen eine große Anzahl Waffen und Munition. Zwei rote Jagdflugzeuge und eine Polez-Mafchine wurden abgeschossen. Die Einnahme von Ravalcarnero ist von größter Bedeutung, da nun die Autostraße nach Madrid für die nationalistischen Truppen frei geworden ist. Die „rote Regierung" hatte auf den Widerstand ihrer in Ravalcarnero zusammengezogenen Streitkräfte ihre letzte Hoffnung gesetzt. Sie hatten um Ravalcarnero sechs stark befestigte Verteidigungsgürtel gezogen, heftig gekämpft wurde um den zweiten und dritten Gürtel. Die Stadt wurde von den
besten Kräften der Roten verteidigt, die über starke Artillerie verfügten. Die nationalen Truppen können nach der Eroberung dieser Schlüsselstellung den Angriff auf Madrid nun von Süden und Südwesten her fortsehen.
Die Ausgaben der nationalen Regierung.
London, 22. Okt. (DNB. Funkspruch.) „Mor- ning Post" veröffentlicht eine Unterredung mit Ge- neral Franco. Er habe erklärt, der Tag komme näher, an dem ganz Spanien wieder in der Lage sein werde, frei zu atmen, seine Wunden zu. heilen und einen Staat aufzubauen, der stet und glücklich sei und eine ruhmreiche Zukunft vor sich haben werde. Die neue spanische Regierung werde sich bemühen, mit allen Nationen zur Aust rechterhaltung des Friedens zusammenzuarbellen. Sie werde in enger Fühlungnahme mit denjenigen arbeiten, die in ihren Idealen, ihrer Rasse und ihrer
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