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Mr. 196 Dritter Blatt
Zamrtag, 22. August 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus der Provmzialhauptstadl.
Erntezeit - Schicksalszeit.
Erntezeit ist des Bauern Schicksalszeit. Hängt autf) das ganze Jahr hindurch das Gedeihen feiner Arbeit an der Gunst des Wetters, an Regen zur achten Zeit, an Sonnenschein zur rechten Zeit, mit» Zin viel unmitelbarer an Schicksals- und Himmelsmächten als irgendein anderer Beruf, so drängt sich doch in den kurzen Hochsommerwochen das Er- zebnis des ganzen Jahres zusammen: Bestätigung ober Enttäuschung aller Hoffnungen, mit denen er gwölf Monate hindurch tagaus, tagein gepflügt .unb gesät, gedüngt und geackert hat. Dieses Jahr üommt die Schicksalsabhängigkeit dem Landmann deutlicher zum Bewußtsein denn je. Eine reiche Zürnte stand weit und breit auf deutschen Feldern, jnb mit dankbarer, beschwingter Freude ging's ans Mähen und Binden. Dicht an dicht standen bald überall die goldenen Stiegen — standen und "onnten nicht eingebracht werden. Welcher Städter, Der über das Aprilwetter im August klagt, über Die plötzlichen Regenschauer, die den strahlend heitren Tag beenden und das am Morgen sorglos ungezogene Sommerkleid verderben, macht sich klar, -was diese täglichen Güsse für den Landmann bedeuten? Lange Regenzeiten, in denen es fast pau- enlos vom Himmel strömt, find noch leichter zu er- ragen, als gerade dieses launisch wechselnde Meter. Gewiß verdirbt das Korn bei anhaltendem Regen auch, aber die Gefahr des „Auswachsens" st größer, wenn auf die noch feuchten Garben immer wieder die Sonne scheint. Auch pflegen ausgesprochene Regenperioden immer nur beschränkte Zeit zu dauern, während der wechselnde Wettercharakter sich oft durch Wochen uno Monate Hinsehen kann. Und was bann? Dann ist die Arbeit Des ganzen Jahres vernichtet.
In diesem Jahr sah es eine Zeit lang fast so nus, als sollten weite Strecken Deutschlands von itinem Erntewetter heimgesucht werden, das in feiner praktischen Auswirkung einem Mißwuchs pleichkäme, seelisch aber bei einer reichen Ernte vielleicht noch bitterer zu ertragen ist. Endlich än= verte sich das Wetter, alle Kräfte stürzten sich mit Doppeltem Schwung in die Arbeit, vielerorts wurde Arbeitsdienst und SA. eingesetzt, um dem Bauern :zu helfen und dem Volke das Brot zu sichern. Run st wohl überall der Roggen, unsere wichtigste Brot- "rucht, in den Scheunen geborgen, in manchen Gellenden sind auch die anderen Getreidesorten zum Teil schon eingefahren, die Hoffnung auf glückliche Beendigung der Ernte ist wieder lebendig^
Gewiß ist durch die Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft manche alte Poesie der Srnte unb bes Ackers verschwunden. Derschwun- Den ist vor allem schon lange das fromme Bild der Llehrenleserin; die Schleppharke macht hier gründ- iche Arbeit. Verschwunden ist zumal in den größeren Betrieben die lange Reihe der Mäher, sie st — soweit das Korn nicht zu sehr „lagert" — weitgehend durch Maschinen ersetzt. Verschwunden |ft sogar beinah der vertraute und von dem Begriff „Ernte" eigentlich unzertrennliche Anblick des Stoppelfeldes. Dem Acker wird heute so wenig Rast gegönnt, wie dem modernen Menschen. Kaum yat er "feine Frucht hergegeben, so reißt der ^chälpflug ihn schon wieder um, ihn für das Werk »es nächsten Jahres zuzubereiten. Es wäre törichte Sentimentalität, solcher scheinbaren Gemütslosigkeit nachzutrauern. Die Rot zwingt uns, das „Volk ohne Raum", unseren Lebensraum nach innen zu erweitern, d. h. aber nichts anderes als jede Ackerkrume und jede Stunde Zeit mit allen verfügbaren Mitteln zu nutzen und ihren Ertrag zu steigern.
Unb es ist unnötig, sich etwa um eine innere ÜBeröbung der Landarbeit Sorge zu machen. Der Bauer auf der Mähmaschine ist ebenso wie sein Machbar mit der Sense in der Hand ein Sohn der Sröe, der es täglich wieder erfährt, daß bei allem notwendigen Fleiß nicht seine Mühe allein es ist, Oie den Segen auf sein Feld herabzwingen kann. Immer von neuem wird der Bauer an seine Abhängigkeit von einer höheren Macht gemahnt, und mancher alte, durch die Jahrhunderte unverändert ckewahrte Brauch kündet, wie sehr er sich dieser Abhängigkeit bewußt ist. Immer noch wird der Schnitter ober die Binderin während der Ernte Orei Achren am Hut oder am Gürtel tragen, wie
es auch der Vater und der Großvater schon so hielten. Immer noch wird er die letzte Garbe oder das letzte Fuder mit den alten ehrwürdigen Bräuchen umgeben. Wird auch der eigentliche Erntedank und das Erntefest bis nach dem zweiten Wiesenschnitt aufgespaart, so krönt doch in vielen Gegenden eine kleine Vorfeier den Abschluß der Roggenernte. Entweder die letzten Halme bleiben auf dem Felde stehen und werden zu einem Busch zusammengedreht, der „Dergodendeel" (Anteil des Gode- Wodan), wozu mancherorts wohl auch noch der alte Vers gesprochen wird:
„Wode, Wode, hal binem Roße nur Fobe,
Du Distel un Dorn, tom anbren Jahr beter Korn!"
Ober die letzte Garbe wird über ein paar Stäbe zur Strohfigur gebunden, mit Hose, Weste, Hut und Rock bekleidet und so der „Alte", der „Ole", der „Ollermann", je nachdem wie er in den verschiedenen Gegenden heißt, in feierlichem Zuge dem Dorfschulzen, dem Bauern ober der Gutsherrschaft gebracht, die sich dafür mit einer Spende auslösen müssen. In Pommern heißt es dazu:
auf der Bühne die Harmonie-Sänaer, — Cafe Leib, 20.15 Uhr, Runxendorf mit Ludwig Manfred Lommel.
Die Wespenplage.
Im Hochsommer und im Herbst bildet die Wes- penplage in Haus und Garten oft eine schwere Belästigung; denn wenn wir uns bei den Mahlzeiten nur irgendwo mit süßen Gelees oder Obst im (Barten ober in Räumen bei offenem Fenster aufhalten, gleich sinb die lästigen Brummer da und umfum- men uns und unsere Teller, was bei ängstlichen Gemütern immer eine starke Beunruhigung auslöst.
Wir kennen drei heimische Wespenarten: Die deutsche Wespe, die gemeine Wespe und die mittlere Wespe, ihre Lebensweise ist ungefähr gleich Als Rester schaffen sie sich kunstvolle, trau- benjörmige Gebilde, in denen die ganze Wespenkolonie wohnt. Die Anlage der Rester ist verschieden, an Schuppen und Boden in Haus und Garten, an geschützten Stellen, an Bäumen; überall können wir diese Rester finden. Untertags schwärmt die Wespengelellschaft auf der Suche nach „Süßem" in der Umgebung ihres Restes umher, abends
deren Seite müssen wir besonders darauf acht haben, daß sich nicht an einem Stückchen Kuchen, auf einem Brot mit Marmelade usw. eine Wespe eben in dem Augenblick niederläßt, in dem wir uns anschicken, davon zu essen. Gefährliche Folgen kann so ein Wespenstich in die Mundhöhle mit sich bringen!
Arbeitsdienstpflicht für Mädchen.
Vom Arbeitsamt Gießen wird uns mitgeteilt: Um für die diesjährige Ernte die erforderliche Hilfe zu beschaffen, haben sich der Reichsminister des Innern und der Reichsarbeitsführer damit einverstanden erklärt, daß diejenigen Mädchen über 17 Jahre nicht mehr zur Ableistung der künftigen Ar- beitsdienstpslicht herangezogen werden, die nach- weislich vor dem 1. Oktober 1937 freiwillig wenig- stens neun Monate Landarbeit geleistet haben. Dabei ist es gleichgültig, ob diese Arbeit a) in freiem landwirtschaftlichen Arbeitsverhältnis, b) in der Landhilfe, c) in einem BDM.-Umschulungslager verrichtet worden ist. Als Nachweis gilt außer dem Landhelferbrief eine Bescheinigung des für die land- wirtschaftliche Arbeitsstelle zuständigen Gemeinde- Vorstehers. Nähere Auskunft erteilt das Arbeitsamt Gießen.
Artilleriffenfahrt nach Köln.
Im Anzeigenteil unseres heuttgen Blattes gibt der Artillerie-Verein Gießen bekannt, daß die Fahrt eines Sonderzuges von Gießen nach Köln zur Weihe des Reichsehrenmals der deutschen Feldartillerie am nächsten Samstag, 29. August, stattfindet. Der Zug wird voraussichtlich zwischen 13 und 14 Uhr in Gießen abfahren und in der Nacht vom Sonntag zum Montag hierher zurückkehren. Der Fahrpreis für die Benutzung dieses Sonderzuges ist erheblich ermäßigt, er ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. Die Anmeldungen von Kameraden aus Stadt und Land zu diesem Sonderzug müssen um- gehend, am besten noch am heutigen Samstag, erfolgen. Näheres in der Anzeige.
Neue Kurse in Kurzschrift und Maschinenschreiben der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Slenografenschaft.
Don der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Steno- grafenschaft wird uns geschrieben:
Aus der Erkenntnis heraus, daß Kurzschrift und Maschinenschreiben zwei engverwandte und untrennbare Gebiete sind, und daß nur d e r junae Kaufmann in der Praxis genügen kann, der diese beiden handwerklichen Voraussetzungen des kaufmännischen Berufes beherrscht, wurde der Deutschen Stenografenschaft von dem zuständigen Minister neben der seitherigen Aufgabe, Pflege der deutschen Kurzschrift, eine zweite gestellt: Pflege und Weiterbildung des Maschinenschreibens und Erziehung eines den Anforderungen der Praxis genügenden Nachwuchses.
Es gibt wohl heute kaum einen Betrieb in Wirtschaft und Verwaltung, der sich bei seiner Arbeit nicht der Hilfe der Schreibmaschine bedient. Um so mehr muß es in Erstaunen setzen, wie wenig Maschinenschreiber wirklich Maschine „schreiben" können. Immer noch wird nicht geschrieben, sondern „getippt". Der Grund ist sehr einfach. Tippen kann jeder, auch der blutigste Anfänger, und mit Ucbung wird er auch eine gewisse Fertigkeit auf der Maschine erreichen; er wird sogar anfänglich dem, der Maschine „schreiben" lernt, überlegen sein, wird schnellere Fortschritte machen als jener. Aber bald ändert sich das Bild. Der Tipper erreicht eine Höchstgrenze, über die hinaus sich seine Leistung nicht mehr steigern läßt. Für den 10-Finger-Blindschrei- ber fängt bei dieser Tipper-Höchstgrenze erst das eigentliche Schreiben an. Seine Leistung steigert sich von Uebung zu Hebung, und Zahlen von 400 bis 500 Anschlägen in der Minute werden nur mit der 10-Finger-Blindschreib-Methode erzielt, dem Tipper bleiben sie unvorstellbare Geschwindigkeiten.
Die Deutsche Stenografenschaft hat ihrem Auftrage gemäß in diesem Jahre der Erlernung des richtigen Maschinenschreibens ihre besondere Auf-
Aufruf!
An die Bevölkerung der Siadi Gießen.
Am kommenden Sonntag, 23. August, um 15 Uhr, findet auf dem Universitätssportplah der diesjährige
Gporttag des BOM- undFM-Llniergau^S Gießen
statt. Wie im Vorjahr wollen die 2Nädel, die aus dem ganzen Untergau zusammen- kommen, beweisen, daß die körperliche Ertüchtigung weder Selbstzweck noch Spielerei, sondern ein wichtiger Teil der Gemeinschaftserziehung der Wädelgeneration ist.
Die Obergauführerin Else R i e s e hat ihr Erscheinen zugesagt.
Bei Regenwetter wird der Sporttag anstatt aus dem Universitätssportplah in der Volkshalle stattfinden.
Es spielt die SA.-Standartenkapelle.
Parteigenossen, Volksgenossen der Stadt Gieheu, bekennt euch zur Jugend des Führers und kommt;
. heil Hitler!
Ruth Fabian Käthe p f e s f e r
Iungmädeluntergausührerin. Rlädeluntergausührerin.
„Ich bringe Ihnen den lieben Alten,
Er will sich nicht länger im Felde aufhalten, Auf allen Vieren will er erfrieren.
So hab ich mich denn kurz bedacht
Und hab ihn der Herrschaft mitgebracht."
Der „Alte" wird dann übers Scheunentor genagelt, wo er bis zur nächsten Ernte bleiben muß. Doch wird er in manchen Gegenden auch aus- gedrofchen und daraus ein Brot gebacken, dem esondere Heilkraft zugeschrieben wird. Wo man diese Sitte nicht kennt, wird wenigstens das letzte Fuder mit Blumen geschmückt und besonders feiernd) in Anwesenheit aller Hofbewohner, auch der ältesten und jüngsten, abgeladen. Zuweilen wird auch ein hölzerner Hahn, der „Erntehahn", an das letzte Fuder gebunden und über das Scheunentor genagelt. A. v. .P
Dornoiizen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Waldwinter". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Im Sonnenschein"; auf der Bühne die Harmonie-Sänger. — Turnverein von 1846, Gießen: 20 Uhr Sommerfest auf der Pulvermühle.
Tageskalender für Sonntag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Waldwinter". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Im Sonnenschein";
versammeln sich alle Tiere in ihrer Behausung. Diesen Moment müssen wir dann ausnützen, wenn wir uns der Wespenplage erwehren wollen. Wir umhüllen dann das Nest vorsichtig mit einem Beutel aus starkem Papier, schneiden das Nest mit aller Vorsicht ab und verbrennen es. Häufig wird empfohlen, ohne vorherige Abnahme die Nester abzubrennen. In Häusern ist schon allein wegen der im Sommer und besonders nach längerer Trockenheit immer großen Brandgefahr von dieser Methode dringend abzuraten, um so mehr, als immer die Gefahr besteht, daß die Wespen durch irgend eine Unvorsichtigkeit aus ihrer nächtlichen Ruhe aufgeschreckt werden und sich dann mit ihrer ganzen Wut auf den menschlichen Unruhestifter stürzen. Haben sich im Garten Wespen angesiedelt, die in Erdnestern hausen, so muß man auch gegen diese vorgehen. Am besten geschieht das auch am späten Abend und zwar durch vorsichtiges Eingießen von Tetrachlorkohlenstoff in die Nester. Dabei ist es freilich für jeden Fall besser, wenn wir unseren Kopf und unsere Hände schützen; denn hier ist die Gefahr noch großer, daß die eine oder andere Wespe aus dem Nest noch entkommen kann und den Menschen anfällt.
Eines müssen wir uns vor allem noch zur Pflicht machen, wenn sich in diesen Wochen Wespen an unseren Tischen einfinden: Man schlage nie gegen eine Wespe! Denn erst dadurch werden die Tiere gereizt und greifen uns an. Auf der an»
Nachdruck verboten!
21. Fortsetzung.
eogsmahlzeit geben.
Sie näherten sich der Küste. Ein Dampfer, der die i'ielgestreifte chinesische Flagge zeigte, _ tauchte steuerbord auf. Hatte das Ablenkungsmanöver der iLucille" doch nicht restlos genügt? Mr. Che Wong '.lüfterte geängstigt mit dem Kapitän. Durham jucfte die Achseln. Die „Mary D." nahm scharf nördlichen Kurs. Sie steuerte Hongkong oder Ma- oaa, jedenfalls die Mündung des .Perlflusses an.,
Unbekannte Fracht
Roman von Frank F.Vraun.
Das chinesische Fahrzeua kam nicht näher. Wahrscheinlich genügte den Leuten an Bord, wenn es überhaupt ein Regierungsdampfer war, die Feststellung, daß dieses britische Schiff ordnungsgemäß einen Hafen anlaufen wollte. Als der Chinese außer Sicht war, ließ Che Wong wieder beidrehen. Die „Mary D." manövrierte, als fei der Steuermann betrunken. Aber Che Wong wußte sehr gut, wohin er wollte. Er kreuzte auf der Karte Durham noch einmal die Stelle an. Zwischen der kleinen Kegelinsel und dem lagunenartigen Uferland, diesem Gewirr von Land und Wasftzr, Mündungen des Kantonflusses, wollten sie warten.
Die Nacht war ruhig. Man konnte annehmen, auf einem Binnensee zu liegen. Das Meer war schwarz. Der Himmel schien tief zu hängen und wies kleine Risse auf, durch die Licht schimmerte. „Das Kreuz des Südens?" erkundigte sich Rudolf ierbrügge. John Schnakenbeck zuckte ohne Anteilnahme die Achseln. Sie standen alle an der Reling und horchten zum Land hinüber. Auf der Kommandobrücke war Kapitän Durham mit Che Wong beschäftigt. „Dies Zeichen für Ihre Freunde auf dem Lande kann ebensogut ein Schiff der Regierung heranlocken. Ich würde an Ihrer Stelle keine Leuchtkugel in die Luft jagen, Mr. Che Wong." Er hielt den Chinesen noch einmal zurück. Aber Che Wong lächelte listig. „Ich schieße nicht steil hoch. Ich schieße ganz flach. Die am Ufer werden es trotzdem sehen und verstehen. Sie warten ja in dieser Nacht auf uns."
Durham trat zurück. Che Wong hob die Pistole mit der Leuchtrakete. Er drückte ab. In spitzem Winkel ging die Rakete hoch, beschrieb einen Bogen in zehn bis zwanzig Meter Hohe und sank rasch wieder ab. Man meinte förmlich zu hören, wie sie im flacheren Wasser verzischte.
„Das Geld bekomme ich von Ihnen, Mr. Che Wona?"
„Sie bekommen oon mir einen Scheck, ich bleibe iöei Ihnen an Bord, bis das Papier Ihnen von der Hongkong-Bank bestätigt ist. Es ist lediglich notwendig, daß auch ich oon den Leuten, die die La- Vung übernehmen, eine Empfangsbescheinigung erhalte." . , , _, .
„Wie machen wir das?" Durham kratzte sich ln Illen Haaren. Che Wong legte den Kopf schief. .Ganz einfach", sagte er, „Sie senden mit jedem Doot, das an Land geht, einen Weißen Ihrer Bejahung mit, der sich die Ablieferung bestätigen Läßt." c
Die „Lucille" setzte unerwartet Dampf auf. Sie :tfab kein Zeichen. Lautlos setzte sich der schwarze Dampfer in Bewegung; ein weißer, schaumender streifen Kielwasser verriet, daß er volle Fahrt machte, um von der „Mary D." wegzukommen. Es schien alles wirklich haargenau verabredet morgen zu fein. Nach einigen Stunden waren ihre Lichter gänzlich untergetaucht.
Die „Mary D." fuhr langsam mit nördlichem Kurs. Gegen Morgen tauchten einige Male Rauchfahnen am Horizont auf; aber sie kamen nie naher, oonbern verschwanden wieder. Das Meer lag ruhig. $s war eine Lust, in diesem Gewässer zu fahren. Rudolf Ierbrügge saß am Heck und hatte die Angelleine ausgeworfen. Haifische umschwärmten den Koder; aber sie waren längst gewitzigt worden; Die grauen Räuber bemerkten die Leine ober den nafen und bissen nicht an. Immerhin fing fid) am $nbe doch ein junger, meterlanaer Bur 1 che. Es bonnte also ein frischgebratenes Fischfilet zur Mit-
Sie starrten zum Land hinüber. Hans Lorenzen stand auf der Treppe zum Oberdeck. Er bemerkte als erster die leuchtende Antwort. „Dort, halbrechts!" rief er und wies allen die Richtung. Che Wong lächelte stärker. Auf dem Lande flammte ein grünes Signal auf, verlosch wieder. „Sie kommen", sagte lispelnd der Chinese.
Lange, flache Boote näherten sich im stillen Wasser dem Dampfer. Sie führten kein Licht mit, fanden sich aber mühelos zurecht. Als sie längs- .. seit lagen, warf die „Mary D." Strickleitern hin- f I unter, gleichzeitig öffneten sich die Ladeluken. Sau- := bere, gutgezimmerte Kisten tarnen aus dem Leib uibes Dampfers zum Vorschein, Sie rvaxen mäßig
hundert Meter standen sie osr M SchWM« M stch WUjäm* ,.
Willen sein würden.
Das kleine Boot der „Mary D." wurde hinuntergelassen. Die drei stiegen ein. Hans Lorenzen setzte sich an das Steuer. Rudolf Ierbrügge und John Schnakenbeck ruderten. Das Fahrzeua war für drei Menschen noch viel zu groß, aber sie brachten es vorwärts. Lorenzen erkannte bald die Stelle, wo die Chinesenboote anlegten. Als sie an Land fliegen, kam auch gerade der Führer der Chine,en von Bord. Er schritt ihnen voran. Nach einigen
den niemand vorher hätte entdecken können. Er lag vom Felshang gedeckt in einer lalmulbe.
Die Chinesen schleppten ununterbrochen bie Kisten heran unb türmten sie auf. Einer, roieber in Uniform, stand dabei und zählte. „Iwentyseven", sagte er zu dem herankommenden Chinesen. Vermutlich stammten sie aus sehr entfernten Gegenden des Riesenreichs unb verstauben ihre Jbiome nicht. Der Chinese nickte bebächtig. Er winkte ein paar Leute heran unb befahl etwas, bas die drei Deutschen nicht verstanden, aber sie leicht errieten. Die Chinesenarbeiter begannen die oberen der aufgestapelten Kisten aufzubrechen. Sie durchschnitten bie Zinkbleche. Sauber gereiht, blank, gefettet lagen bie Gewehre nebeneinanber. Die Chinesen stießen leise schnalzende, zufriebene Rufe aus.
„Wieviel wollen Sie offen lassen?" fragte Hans Lorenzen. Er sprach ben Befehlshaber englisch an. Der Chinese machte eine unbestimmte (Bebärbe. „Einige", sagte er. „Sie können gleich zurück. Es ist eine Formsache. Die Englänber betrügen nie." Er hielt bie brei für Briten.
„Wir haben es nicht eilig", gab Hans Lorenzen zurück. „Der Dampfer wartet auf uns."
Es war, als habe er ein Stichwort gebracht. Genau in biefem Augenblick fiel ein Kanonenschuß. Sie konnten nicht feststellen, wer gefeuert hatte, ob es sich vielleicht um eine ganz anbere Detonation gehanbelt hatte. Möglicherweise war eine Kiste Munition in bie Luft geflogen? Hastig liefen sie ins Freie.
Draußen war Bewegung in bie chinesischen Lastenträger gekommen. Sie schwirrten durcheinanber, hatten bie Kisten abgesetzt unb kümmerten sich um nichts mehr. In Eile suchten sie von der Küste weg ins Innere zu entkommen. Hans Lorenzen unb bie beiben Deutschen erkannten sofort, was geschehen war. Draußen auf See lagen zwei Schiffe, ein großes, frembes Fahrzeug, bas sie nicht kannten. Weiter süblich, scheinbar auf ber Flucht schon, qualmte bie „Mary D.". Das frembe, bunfle Fahrzeug feuerte. (Berabe blitzte roieber ein Schuß auf — bie Küste gab ein langrollendes Echo —, er schickte dem britischen Dampfer ein paar Granaten
nach, die aber nicht trafen. Die „Mary D." stoppte nicht, sie wurde kleiner. Vielleicht wollten die Chinesen auch gar nicht treffen, nur den Engländer verjagen. Plötzlich drehte ber Dampfer bei; feine Breitseite kehrte sich bem Laube zu. Man erkannte im ungewissen Licht bie Geschützluken, die Rohre, SMeÄMg folgt.
schwer. Zwei, drei Chinesen konnten sie handhaben. Eine nach der andern wurde auf den langen Booten untergebracht. Die Chinesen arbeiteten schnell. Man sah wenig von ihnen; gelbe, magere Gestalten, breite, mongolische Gesichter, die viel eher aus dem Norden zu stammen schienen als aus der Kantongegend. Einer ihrer Anführer trug Uniform. Sie war mit derjenigen eines Offiziers der britischen Kolonialtruppe entfernt zu vergleichen. Er führte mit Durham und Che Wong eine Unterhaltung; sie verschwanden in die Kapitänskajüte. Scheinbar bekam Che Wong schon hier an Bord seine Unterschrift.
Durham kam wieder heraus. Er sah sich suchend um. Sein Blick fiel auf Hans Lorenzen, der mit den beiden Deutschen an de Reling stand und dem Abladen zuschaute. „Endlich kann man einmal zusehen, wie andere arbeiten", spöttelte John Schnakenbeck trocken, „das habe ich mir schon immer gewünscht." Rudolf Ierbrügge lachte. Da stand Durham vor ihnen. „Mr. Lorenzen", sagte er förmlich, „der Chinesengeneral, der die Kisten hier abnimmt, ist mißtrauisch, ob die Kisten wirklich das enthalten, was er bekommen soll. Wahrschenlich hat er in diesem Sinne schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Er stellt uns die Bedingung, daß an Land ein paar Kisten geöffnet werden. Nicht alle natürlich, nur einige Stichproben. Wollen Sie bitte mit hinüberfahren unb zugegen fein, wenn man bic Kisten öffnet."
Hans Lorenzen nickte. „Gewiß", sagte er, „wenn Sie es anordnen."
Durham sah ihn an, dann die beiden Deutschen. „Es wäre vielleicht gut, wenn Sie drei fahren würden. Sie sind Deutsche, Sie mustern bei der Heimkehr ab ..." Alle brei verstauben sie bes Briten Scheu, ßanbsleute als zu genaue Mitwisser zu haben. „Die beiben fahren mit mir hinüber", sagte Hans Lorenzen knapp; er verfügte über seine Freunde und war sicher, daß sie ihm gerne zu


