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Alters- und Ledigenheime

vermindern den Wohnungsmangel

Don Arthur Zmarzly.

«eitraum

bfinten

männlichen und 29,6 v. H. der weiblichen Bevölke­rung wären über 50 Jahre alt; 16,2 v. H. der männlichen und 17,5 v. H. der weiblichen Bevölke­rung über 60 Jahre alt.

eingeführt werden muß.

In den größeren Städten gibt es eine Viel­zahl älterer allein ft ehender Men­schen, die kleine, mittlere und größere Wohnungen bewohnen und die Miete nup durch Zimmeroermieten oder Schlaf» stellengeben aufbringen können. Diese Men­schen, Frauen wie Männer, würden gern in ein Altersheim ziehen und sich mit einem Zimmer und einem kleinen Wohnraum begnügen, dessen

Würde der ArbeitWürde der Freizeit

Von Hans Hartmann.

Es bedarf keines Hinweises, daß diese Zahlen auch auf die Wohnungsbaupolitik starken Einfluß ausüben müssen. Würde sie sich ausschließ­lich nach der Zahl der Haushaltungen richten und der Kapitalmarkt imstande sein, die er­forderlichen Mittel aufzubringen, käme diese Woh­nungsbaupolitik einer gigantischen Kapitalfehllei­tung gleich, weil in einem bestimmten 3e:t*-''"~ die Zahl der Haushaltungen durch das AI, der Sterblichkeit und das natürliche Absinken der Zahl der Eheschließungen stark abnehmen wird. Es kommt noch hinzu, daß dem Wohnungs­bau im nationalsozialistischen Deutschland die wich­tige Aufgabe gestellt ist, den Wohnraum d a zu er­stellen, wo er nach den Grundsätzen einer gesunden Verteilung von Volk und Raum künftig und f ü r die Dauer benötigt wird. In dieser lieber- gangszeit werden viele Großstädte mit einem viel­leicht noch etwas ansteigenden Wohnungsmangel au rechnen haben. Es muß deshalb versucht wer­den, die sozialen Schäden, die eine Wohnungsnot stets im Gefolge hat, abzumildern, indem Alt- und auch Neubauwohnungen für Familien freigemacht werden, ohne daß eine neue Zwangsbewirtschaftung

Der Reichs- und Preußische Minister des Innern hat in einem Runderlaß die Gemeinden ersucht, die Möglichkeit der Errichtung von Altersheimen zu prüfen. Die Regierung ist bereit, den Bau von Altersheimen sowohl durch Gewäh­rung von Darlehen aus den für den Klein­wohnungsbau zur Verfügung stehenden Mitteln als auch durch die Uebernahme von Reichs- bürgschaften für nachstellige Hypotheken zu­sätzlich zu fördern, wenn dadurch A l t w o h n u n gen frei werden. Dieser Runderlaß ist sehr be­achtenswert, denn die Schaffung von Altersheimen ist in der Tat ein brauchbares Mittel zur Be­kämpfung des Kleinwohnungsmangels; es erfor- dert einen geringeren Kapitalaufwand und paßt sich dem Altersaufbau der Bevölkerung an. Aehn- liche Vorteile bietet auch der Bau von Ledigen­heimen, der die schlimmsten Folgen des Woh­nungsmangels, die Zusammenballung von vielen Menschen auf kleinem Wohnraum, mildern könnte.

Die Zahl der Haushaltungen ist in Deutschland gegenüber der Vorkriegszeit stärker gestiegen als die B e v ö l k e r u n g s z a h l. Das hat seine doppelte Ursache. Die hohen Gebur- tenjahrgänge aus dem ersten Jahrzehnt die­ses Jahrhunderts die absolut höchsten, die Deutschland überhaupt aufzuweisen hatte sind ins heiratsfähige Alter getreten, außer­dem verlängerte sich durch Verbesserung der Gesundheitspflege die Lebensdauer. Während von 1910 bis 1933 die gesamte deutsche Bevölke­rung um 7,42 Millionen gestiegen ist, haben gleich­zeitig Verheiratete, Verwitwete und Geschiedene, also die in erster Linie haushaltsbildenden Grup­pen, um 8,87 Millionen zugenommen. In dieser Zeit fiel der Anteil der Ledigen an der Gesamt­bevölkerung von 58,4 auf 49,2 v. H., der der Ver­heirateten stieg von 36,1 auf 43,9 v. H., der der Verwitweten von 5,3 auf 6,1 und der der Ge­schiedenen von 0,2 auf 0,8 o. H. Bei einer sich gleichbleibenden Entwicklung würde eine Bevölke­rung des Deutschen Reiches von 70 Millionen sich aufteilen iy folgende Altersklassen: 28,3 o. H. der

ging etwa aus dem Vortrag des bekannten saar­ländischen Wirtschaftsführers Röchling hervor, der von der Zeit sprach, als die Arbeiter in seinen Bergwerken zwölf Stunden arbeiteten. Da blieb freilich keine Zeit zumGestalten" mehr übrig. Es ist heute Gemeingut fast aller Nationen gewor­ben, daß ein lebenswertes Leben für die breiten Volksschichten Voraussetzung einer stabilen Staatsgestaltung ist. Und gerade ein Mann wie Röchling schien völlig Überzeugt, daß diese breiten Schichten des Volkes etwas Land, einen Garten, Tiere haben müssen, um innerlich froh, zufrieden, gelöst zu sein und so ein gesundes Volk mit auf­bauen zu helfen.

Dazu muß freilich noch viel geschehen. Die Standortfrage", wie man das in Fach­kreisen nennt, ist entscheidend. Wenn der arbeitende Mensch täglich mehrere Stunden mit An- und Ab­marschwegen verliert, wenn er in überfüllten Bah­nen keinen Augenblick der Besinnung und Ruhe findet, dann kommt Hast und Nervosität in fein Leben, die weder sozialhygienisch noch charakterlich Gutes bringen kann. Darum wird man jetzt nicht nur in Deutschland daran gehen, die Ar­beitsstätte und die Wohnstätte möglichst nahe zu­sammenzulegen. So bleibt dem einzelnen Zeit, sein Leben in Familie und Haus, mit Blumen und Tieren, in der Verbundenheit zur Scholle und zu allem Gesunden, zu gestalten. Die fünf Millionen Kleinwohnungen, die in Deutschland von 1938 ab gebaut roetben sollen, sollen in diesem großen Plan zur Gesunbung unb Erhöhung ber Öebensfreube im deutschen Volke mit eingebaut werden.

Ader diese Freude soll nicht nur in ber Freizeit ben Menschen erfüllen. Sie soll mit ihm in die Arbeitsstätte s e l b st einziehen. Warum soll man in häuslichen, schmutzigen, büfteren, den Geist unb bas Gefühl abtötenben Stätten arbeiten, wenn man es auch in schönen, gesunden, bas Gemüt an» regenben tun kann? Was wir in Wirklichkeit unb im Silbe (auf ber großen Freizeitausstellung in Hamburg) sahen, bas berechtigt zu den schönsten Hoffnungen, nicht nur in Deutschland, sondern weit darüber hinaus, da doch alle Ausländer mit größ­tem Interesse das, was bei uns geschaffen wurde, aufnahmen. Die Blumen ziehen ein in die Fabriken. Wo früher Verfall, häßliche Form, Steinwüste war, da erfreut sich das Auge jetzt an schöneren Formen, so daß es eine Lust ist, sich in einer solchen Arbeits­stätte aufzuhalten.

Damit wird etwas erreicht, woran die vergange- nen Jahrhunderte, in denen sich das heutige Ma­schinenwesen entwickelte, nicht gedacht haben: Arbeit unb Freizeit werben innerlich verbunden. Sie werden von einer gemeinsamen Idee getragen, nämlich von der des lebenswerten Lebens. Die Ar­beit muß so gestaltet werden, daß sie den Menschen innerlich nicht zerfrißt, und die Freizeit soll mehr sein, als erschöpftes Zusammensinken nach der Ar­beit, sie soll der wertvollen Lebenserfüllung dienen, sie so'.' das, was man denschöpferischen Dilettantismus" nennt, zur Entfaltung brin­gen, sie soll sich in den Dienst des Natürlichen, der Naturverbundenheit, des Aufbauenden, der geisti­gen Fortentwicklung stellen. Sie soll von einer neuen Würde erfüllt werden. Das ist eine neue Wahrheit von großer Tragweite: keine Würde der Arbeit ohne eine würdig verbrachte Freizeit, und keine Würde der Freizeit, ohne baß die Arbeit selbst würdig gestaltet wird, so daß sie den Menschen nicht verhärmt und verbittert, sondern froh macht und sein Lebensgefühl steigert. Die Arbeit nicht mehr Fluch und Strafe für die Sünde, wie es der Anfang des Alten Testamentes aus einem uns fremden Geiste heraus darstellt, sondern die Arbeit das Edelste, was Menschen tun können, und was Menschen erst die wahre Würde ihres Daseins verleiht.

Wenn nun jährlich in Hamburg die europäischen Nationen unb alle zwei Jahre zum W e 111 o n - greß für Freizeit unb Erholung alle Völker ber Erbe zusammenkommen 1938 in R o m so wissen sie, was auf bem Spiele steht: nicht mehr unb nicht weniger als ber große Kampf gegen bie zersetzenden unb zerstörenden Mächte

die heute überall am Werke sind. Der bolsche­wistische Drang zur Anbetung ber Maschine unb zur Zerstörung ber ursprünglichen, volkshasten Kräfte mit Hilfe ber Maschine kann nur gebannt werben, wenn Menschen unb Völker wieber glücklich werben, in ber Erkenntnis ber großen Jbee unb Würde der Arbeit ebenso gut wie in der Gestal­tung ihrer Freizeit im Kleinen aus neuen und schöpferischen Kräften heraus.

Wir haben Deutschland und Italien bie Füh­rung in ben Fragen ber Freizeitgestaltung zuge­sprochen, aber bas barf nicht heißen, baß es in an- beren Nationen nichts gäbe ober wir baoor unsere Augen verschließen sollen. Im Gegenteil: überall finben sich Ansätze, unb in bem verstärkten Aus­tausch, der bie nächsten Jahre unb Jahrzehnte auf biesem Gebiet erfüllen soll, werben wir mit Freube bas, was überall wächst, sehen unb baraus lernen. Der Führer hat bei bem Empfang, ben er in An­erkennung ber überaus großen Wichtigkeit biefer Fragen einigen Teilnehmern bes Kongresses ge­währte, mit befonberer Wärme gesagt, wie sehr ba alle aufeinanber angewiesen finb, unb wie gerne ge» rabe wir Deutsche von anberen lernen. Sicher ist es so, baß wir in unserem zähen Aufbauwillen, bem Dr. Ley einmal mit bem Worte Ausbruck ver­lieh:Gebt mir neue Aufgaben für ben beutschen arbeitenben Menschen, unb ich packe sie morgen an!", uns nicht lähmen lassen, roenn wir ben Blick jenseits ber Grenzen richten. Im Gegenteil, wir erkennen bie nationalen Eigenarten ber Völker, ver- meiben Irrwege, hüten uns vor mechanischer Nach­ahmung von fremben Kulturwerken, auch wenn sie in ihrem Lanbe vielleicht erforberlid) finb, unb wir gehen mit verstärkter Kraft baran, aus unserem eigenen Wesen unsere Freizeitgestaltung aufzubauen. Wir tun es freilich, unserer beutschen Ueberlieferung

Es ist in unserer vor manchen buntlen Wolken umbüfterten Gegenwart eine Freude zu sehen, daß sich bie Völker zur Lösung einiger großer, sie alle bebrängenben Fragen Aufammenfmben. Eine der größten biefer Fragen, bie nach einem rech- ten Verhältnis von Arbeit unb Frei­zeit, ist ihrer Lösung besonbers nahe. Die etwa 40 Nationen, bie sich kurz vor ben Olympischen Spielen in Hamburg versammelt haben, um in aebanklicher Arbeit, in Vorführungen unb Aus- tetiungen ben Stanb ber Freizeitbewegung barzu- tellen, finb fest entschlossen, auf biesem Gebiete zu- ammenzuarbeiten, bas für bie Würbe ber Arbeit benjo wichtig ist wie für die Gestaltung ber freien Zeit.

Es ist kein Zweifel, baß Deutschlanb unb Italien in ber Freizeitbewegung führenb finb. Sie haben in ihren WerkenKraft burch Freube" unbDopolavoro" (zu beutsch: nach ber Arbeit) großartige Leistungen aufzuweisen, unb zwar in dreifacher Richtung: sie haben eine organisa­torische Kraft entfaltet, bie man roeber bem Deutschlanb vor 1933 noch bem Italien vor 1922 (als Mussolini zur Macht kam) zugetraut hätte. Sie haben ferner beibe eine Sozialorbnuna ge­soffen, Deutschlanb in feinen Gesetzen ber Arbeit unb Italien in seinerCarta bei Lavoro", bie bie Arbeit unter ethische Gesichtspunkte stellt unb bem Unternehmer sowohl wie dem Angestellten unb Ar- beiter bie moralischen Gesetze ber Treupflicht, ber Verantwortung für einander auferlegt Gesetze, die auch im Arbeitsrecht ihre Durchführung finden. Wo aber die Würde der Arbeit wieder hergestellt ist, da wird sie aus innerer Notwendigkeit ver- bunben mit ber Würbe ber Freizeit. In bem Willen, bie Arbeit selbst unter sozialistische Gesichts­punkte zu stellen, bürste Deutschlanb sogar noch vor Italien marschieren, bas im einzelnen oft noch zu höbe Arbeitszeiten, zu laxe Regelung von Geschäfts­schluß usw. hat.

Ein brittes, was bie beiben Länber gegenüber den anberen in Führung bringt, ift ber Wille zur Gestaltung einer volkstümlichen Kul­tur, unb zwar berart, daß man die Freizeit mög­lichst dazu verwendet, bas altbewährte Volksgut, Tänze, Lieber, Trachten, Volksschauspiele lebenbig zu erhalten ober wieber neu zum Leben zu er- wecken. Dieseliebliche" Seite ber Freizeitbewegung, wie wir sie einmal nennen können, würbe i n Hamburg ganz besonbers einbrucksvoll; waren doch viele Trachten-, Volkstanz- und Laienspiel- Sruppen aus vielen Nationen dorthin gekommen.

nb was wir mit viel Gelehrsamkeit oft nicht er­fassen können: bas eigentliche Wesen ber Dolkscharaktere, bas zeigte sich uns in der Art, wie sie tanzten, sangen, spielten. Die Bulgaren wild unb schön, mit tatarischem Ein­schlag, bie Griechen gemessen unb in vollenbetem Ebenmaß, bie Sübfranzosen beweglich unb char­mant, bie Friesen aus Hollanb derb unb hart, zu­weilen untermischt burch weichere, ja elegante Züge, die Dänen aus bem Vollgefühl einer bobenftänbigen bäuerlichen Kultur und Wohlhabenheit heraus.

Es ist ein starker Lichtblick in die Zukunft der Völker, baß sie sich weiter zu solchem Austausch oerbinbcn wallen. In Hamburg, berStabt der Freude", sollen jedes Jahr die europäischen Gruppen zusammenkommen, und roenn sie jedes­mal soviel an gegenseitigem Verstehen und wirk­licher Freundschaft mitnehmen wie dieses Jahr, so wirb bas ein gewaltiges Stück Friebenssicherung bedeuten. DieAtmosvhäre", dasambiente", wie die Romanen jagen, ist entscheidend für all solche Arbeit, bie neben dem Bunten und Anschaulichen (wie es vor allem ber große Festzug brachte) ihre Vertiefung in ber geistigen Arbeit finben muß. So gab es in Hamburg in großen öffentlichen Ver­sammlungen unb in sieben Kommissionen über hun­dert Vorträge zu hören, bie sich mit all.en Freizeit­fragen befaßten. Dabei stanben bie praktischen Fra­gen immer vor unseren Augen, wie man benn ben Menschen die Freizeit erst einmal geben könne; benn wo keine Freizeit ist, kann sie auch nicht gestaltet werden.

Wie weit wir heute schon gekommen sind, das

gemäß, mit weltoffenem Blick, und mit Recht wur­den bie Mabeira- ober Norwegenfahrten beutscher Arbeiter in' Hamburg als ein befonberes Kenn­zeichen gerabe beutscher Arbeitergestaltung an­gesehen. Auch stellen wir, wie es übrigens auch bie Englänber ober Schweden schon lange tun, unsere Soltsbilbungsarbeit gerne in ben Dienst bes Der­st e h e n s frember Völker unb ihrer We­sensart unb Kulturwerke.

Ein Beispiel sei gegeben bafür, daß wir gerne ben Blick in benachbartes Volkstum richten. Mit großem Interesse hörte man auf ben bänischen Re- gierungsoertreter Dragehjelm, ber über Haus- sleiß unb Sloyb in Dänemark berichtete. Unter Sloyb ist Hanbfertigkeit zu verstehen, bie Freude am Basteln und an ber Selbstherstellung von Dingen für ben Haushalt aus Holz, Leber unb Metall. Schon 1814 sind in ber Verfassung ber bänischen Volkshochschulen Hanbfertigkeitsschulen vorgesehen. Die Ueberlieferung ist lebendig geblie­ben, unb ber Sloyb ift heute derart in Dänemark verbreitet, daß Kinder unb junge Leute völlig frei­willig ihre Hanbfertigkeit schulen unb baß biese Hanbfertigkeit als ein wesentlicher Teil ber allge­meinen Vvlksbilbung angesehen wirb. Wir werben so etwas nie mechanisch in unserDolksbilbungs- programm" aufnehmen können, fonbern immer nur soweit, als es natürlich wächst unb als in­nerlich notwenbig empfunben wirb.

Ober blicken wir nach Siebenbürgen, wo bieHunbertschaften" noch bestehen, bas finbBe­treuungsgemeinschaften" ber Nachbarn, die an allem tätig teilnehmen, sich im Unglück gegenseitig helfen unb ein starkes Bollwerk echten Volkstums bifben. In dieser reichen Welt mit Ehren zu be­stehen, das ist das Ziel aller Deutschen, die mit- helfen an rechter Freizeitgestaltung.

Großer Gtarenfiug.

Don Anton Schnack.

Er erhebt sich nach ber ersten Brut schon Enbe Juli, schwillt im August immer mehr an unb wirb im September unb Oktober, nachdem bie zweite Brut unb bie alten Stare bazugestoßen finb, zu einer tiefgestaffelten Wolke. Flüchtig unb aufgeregt gleitet bas Vogelgeschwaber über bas reifenbe ober schon geschnittene Korn: Unzählige Starenkopfe, Starenbrüste, Starenflügel, Rauschen unb dünnes Sausen verursachend. Bald ist der Flug ein dicker einheitlicher Klumpen, dann wieder zwei Hausen, auseinandergerissen, durcheinanderwogend und fah­nengleich im Luftraum flatternd, als zöge -Uogev Heer gegen Dogeiheer.

Die Wolke sagt mancherlei.

Reise schreibt die Wolke in den Himmel. Abschied rauscht sie in die Luft.

Lebt wohl, orgelt sie aus den Baumwipfeln der Dahlien- unb Asterngärten. Nach eine Weile, singt bie Wolke, und der Sommer ist vorbei, Noch c,ne Ißcäle, dann fallen die Blätter von den Baumen. Nach eine Weile, bann steht ber Regenherbst vor ber Tür. Noch eine Weile, bann weicht bie Warme aus ber Luft. Noch eine Weile, bann ift aües ab» geerntet: Baum und Feld, Nuß unb Korn Noch eine Weile, rauscht bie Wolke, unb ich 3^e baoon, fübroärts, nach Sizilien, Spanien, Nordafrika, Aegypten, über Nacht, singt die Wolke, südwärts, singt die Wolke!

Jeden Spätsommer unb Frühherbst spähe ich nach ber großen Dogelwolke: Wolke ber Räuber unb schwatzenden Landstreicher, Wolke ^er Veeren- frcffer und Früchtenascher, Wolke der Vagabunden unb Herumstreuner, Wolke der Fröhlichen und Um steten, Wolke ber nicht Säenben unb doch Ernten- ben, Wolke aus jung unb Alt, Wolke tnmgerJBogel- gemeinschast, gleich besitzlos unb 9^$ Fcl$'ein Hous unb fein Nest mehr, nur zwei tfluget, einen Schnabel unb ein Herz: ein Rauberherz, em Wan- derherz, ein Reiseherz!

Ich liebe die seltsame Form unb die eigentümliche Musik bes Fluges; er kommt und verweht, er rasischt wie ein Haufen Blätter im Sturm einher, er bedeckt den Horizont mit einem grauen bahm- jngenben Strich, er schattet blitzschnell durch das Licht bes Nachmittags, er steigt lautlos auf unb lanbet mit grellem Schnabellärm auf birnentragen= ben Wipfeln. Einmal ist er ein fliegender Ball,

einmal ein auseinanberflafternber Fächer, halb ein durch bie Luft pfeifenbes Geschwaber, bald ein lautlos bahinhuschenbes Geheimnis.

Die reifenbe, abgeerntete unb hinfterbenbe Land- schäft läßt ihre Seele auffliegen, wanbern unb reifen, bevor sie in Herbstschwermut unb Winter- starre versinkt.

Schwarze Noten setzt die Wolke auf die Tele­graphen- unb Lichtbrähte, Kopf an Kopf unb Strich für Strich: c, d, e, f, g, a, h, Trioien unb Schneller, Pralltriller, Tonleitern in Moll unb Dur, Viertel unb Sechzehntel, cis, dis, eis, fis, gis, ais, his, Piano unb Fortissimo, Synkopen unb Doppel­schläge, zusammen eine wilbe Naturkomposition ohne Form unb Regel, ein mächtiger Triumph­gesang aus Lcbenshunger unb Triebstärte, ein gurgelnber, schrvatzenber, pfeifenber, humoriger Marsch von Dogelmut, Dogeifreiheit unb Dvgellust.

Wo ist eine beutsche Lanbschaft, die zwischen Spätsommer unb Herbst nicht einen großen Staren­flug hat?

Eine Chiemseelandschaft wurde wochenlang von einem mächtigen Geschwader durchkreuzt, bas vor­mittags bie gelbfleischigen Birnen kröpfte, nach­mittags burch das gemähte Wiesengrün hopste unb spektakelte unb vor Einbruch der Dämmerung am Seeufer einzeln stehende Schlafbäume bezog, die sogleich aussahen als wären sie mit schwarzen Früchten behängt.

Eine zärtliche Mainlandschaft bei Würzburg be­schattete ein großer Zug. Immer ruckte er, ver­schlagen über Baumkronen und Gartenhäuser da- hinstreichend, gegen die Zeilen ber füfjroerbenben Trauben an, aus deren Hügellagen weißbärtige Weinbergshüter mit alten Schrotflinten dumpfen Lärm in die Luft pufften. Und jedesmal machte bie gefieberte, schnell baherfliegenbe Wolke fehrt breitete sich in großen Bogen aus unb senkte sich wie klatschenber Regen in die ^chilftänder am Fluß, schimpfte und flieg wieder auf.

Wolke, was fliegt mit dir?

Tausend schöne Bilder: die norddeutschen und die süddeutschen Flüsse, die Ebene unb ber Alpen- wall, Bahndämme, Gehöfte an Bachrändern, För­sterhäuser am Heidewea, Dauernmühlen, Eichen- unb Buchenroälber, Wiesen voll Gänseblumen und rötlichem Sauerampfer, Harz und Spessart, hessische, bayerische unb schlesische Dörfer, Kirchtürme und Stadtmauern, Rothenburg und Dinkelsbühl, Gos­lar unb Usedom, Nahe unb Mosel, Isar und Elbe.

Frühling vom Rhein fliegt mit dir. Sommer vom Bodensee fliegt mit dir. Frühherbst voll Obst­geruch unb Traubenkugeln in pfälzischen Gärten fliegt mit bir ...

Wunberbare Wolke: Ganz Deutschland fliegt mit dir!

MnwoveGottunsgnädigsejn!"

Dor 100 Jahren erschien in Pommern eine Ver­fügung über die Abhaltung von Schulfeiern anläß­lich der Einführung eines neuen Lehrers. Das Pro­gramm der Feier sah so aus:

Zunächst hielt ber Schulinspektor eine Rebe an bie versammelten Kinber unb ihren neuen Lehrer.

Sobann überreichte ber Ortsgeistliche bem Lehrer bie Zeichen seiner Würbe: Stock unb Rute.

Hierauf fangen die Kinder unter Leitung des Pfarrers den Choral:Nun wolle Gott uns gnä­dig fein..."

Der Wiener Schauspieler Trebitsch unternahm eine Gastspielreise durch die Bukowina. In Czer­nowitz ging er zu einem Schneider und bestellte eine neue Hose. Aber als Trebitsch nach acht Tagen abreifte, war das Beinkleid noch nicht fertig.

Ein Jahr später kam Trebitsch wieder in die Stadt. Bald nach seiner Ankunft erschien ber Schneiber bei ihm unb brachte bie Hose.

Das ist ja merfwürbig!" sagte ber Schauspieler, Gott hat bie ganze Welt in sechs Tagen geschaf­fen unb Sie brauchen ein Jahr, um eine Hose anzufertigen!"

Der Schneiber legte bie Hose auf ben Tisch, strich liebevoll über bie Bügelfalten unb sagte:Herr Trebitsch, sehen Sie sich bie Welt an unb sehen Sie sich biese Hose an ...!"

In Ueberlingen ift einmal ein Bischof eingetrof­fen, ber in ber Schule bem Religionsunterricht bei­wohnt. Der Besucher prüft bie Kinder auf Bibel­sprüche. Jedes Kind muß einen Spruch aufsagen. Nur ber Jörg vom Großbauern Heinle weiß keinen.

Bebenklich schüttelt ber Bischof ben Kopf, sieht ben kleinen Kerl finster an unb sagt:Eineneinzigen Spruch wirft bu doch wohl gelernt haben?!

Wie Jörg ben zornigen Mann fo vor sich sieht, fällt ihm auch wirklich auf einmal einer em unb voll Freube schreit er ihn heraus: J)ebe dich weg von mir, Satanas, benn bu bist mir roiberwartig!

Der ßonboner Arzt John Monro war ein Spe­zialist für Geisteskranke. Einmal würbe er in eine Irrenanstalt zu einem Mann gerufen, ber als lei- benschaftlicher Skatspieler von ber fixen Idee be­sessen war, ber arüne Wenzel zu jein. Unb er jchwebte nun in ftänbiger Furcht vor bem Eichel­wenzel, ber ihn stechen wolle.

Niemanb von ben Anstaltsärzten vermochte ben Kranken von diesem Verfolgungswahn zu befreien. Monro ging in bie Zelle unb als er sie ein paar Minuten später wieder verließ, war der Kranke gesunb.

Es mar gar nicht schwer", erzählte ber Arzt seinen Kollegen,ihr seid nur keine Skatspieler. Ich aber spiele selbst Skat unb ba sagte ich bem Mann nur: Aber, mein Lieber, ber Eichelwenzel kann Sie ja gar nicht stechen ber liegt boch im Skat!" foe.

Aix Daiisch!"

Der Dichter Peter Rosegger fuhr mit der Eisenbahn burch Böhmen. Auf einer größeren Bahnstation hatte der Zug fünf Minuten Aufent­halt. Rosegger sah zum Fenster hinaus unb er­blickte einen Kellner mit einem Getränkeroagen.

Geben Sie mir eine Tasse Kaffee!" rief Ro­segger.

Zde fe nemluwi nemietfi!" (Hier spricht man nicht Deutsch) rief ber Kellner. Der Konbukteur kam unb übersetzte Roseggers Bestellung. Endlich ließ ber Tscheche sich herbei, bem Dichter eine Tasse Kaffee ins Abteil zu reichen. Rosegger trank ge­mütlich ben Kaffee unb beobachtete, wie der Schaff­ner bie Türen der Abteile zuschlug.

Prosim, popefti si!" (Bitte zu zahlen) sagte ber wartenbe Kellner. Rosegger tat, als höre er schwer.

Fertig!" schrie ber Stationsvorsteher.

Der Kellner sprang von einem Bein auf das anbere unb wieberholte feine Forderung zu zah­len. Rofeger reichte bie leere Taffe heraus.

Der Zug fetzte sich in Bewegung. Da schrie der Kellner plötzlich in bestem Deutsch:Der Kaffee kostet 30 Kreuzer, mein Herr!" Rosegger legte eine Hand ans Ohr und sah ihn fragenb an.

Dreißig Kreuzer, bitte!" rief ber Kellner unb lief neben bem Zuge her. Da schüttelte Rosegger bebauernb ben Kopf.

Nix Daitsch!" rief er, unb der Zug rollte aus der Halle.