überall reichlich. Die Folge davon ist, daß mittlere Bauern, die sonst ihre Frucht auf einmal dreschen konnten, in diesem Jahre auch einen Vordrusch rinlegen müssen. Wenn das Wetter hält und die übrige Ernte noch glücklich eingebracht werden kann, ist trotz der vielen Lagerfrucht mit einem durchaus befriedigenden Gesamtergebnis zu rechnen.
ch Lauter, 20. Aug. Begünstigt durch das schöne Wetter der letzten Tage ist hier der größte Teil der diesjährigen Ernte geborgen. Die als Erntehilfe hier tätigen Arbeitsdienstmänner haben sich gut eingearbeitet. Wenn auch zunächst sich einige Schwierigkeiten entgegenstellten, so half doch der gute Wille über alle diese Hemmnisse hinweg. Gestern traf nun die Dreschmaschine ein. Zunächst wird nur Notürusch durchgeführt. Wie sich bei den Druscharbeiten zeigt, ist der Körner- ertrag doch besser, als im ersten Augenblick vermutet wurde. Die Landwirte sind mit dem Ergebnis zufrieden. — Heute feierte Elisabeth (Reibt, Ehefrau des Wagnermeisters Karl Reidt, ihren 8 0. Geburtstag. Der Ehegatte konnte im vorigen Monat fein 82. Lebensjahr vollenden.
ftnwetterfchäden bei Limburg.
Limburg, 20. Aug. (LPD.) Im benachbarten Elz schlug der Blitz in einen ziemlich kräftigen
Baum, dessen Stamm glatt gespalten wurde. Bei Staffel schmolz ein elektrischer Leitung^draht durch, wobei die drohenden Gefahren glücklicherweise rechtzeitig beseitigt werden konnten. Aus mehreren Orten der Umgegend werden zündende Blitzschläge in Garbenhaufen auf den Feldern gemeldet. Auch an Kartoffeln entstand durch Wegspülen des Erdreichs großer Schaden. Ferner wurde durch Schlammanspülung auf vielen Wiesen das Grummetheu vernichtet. Bei Heisten - bad) trieb ein aus seinen Ufern tretender Bach das Grummetheu eines ganzen Tälchens von dannen. In Altendiez standen mehrere Keller unter Wasser.
Beim Baden im Schleusenkanal ertrunken.
Laurenburg (Lahn), 20. Aug. (LPD.) Ein junger Mann aus dem benachbarten Dorfe Scheid badete im hiesigen Schleusenkanal, obwohl er auf die Gefährlichkeit eines solchen Badeplatzes hingewiesen wurden. Er sprang ins Wasser und tauchte nicht wieder auf. Man nimmt an, daß vielleicht große Temperaturunterschiede, die ja besonders in Schleusen möglich sind, seinen sofortigen Tod herbeiführten. Die Leiche konnte nach einigem Suchen geborgen werden.
Arbeitsabkommen für Volkstumsarbeit.
Zusammenarbeit zwischen der NS.-Gemeinschast »Kraft durch Freude" und dem Landschastsbund Volkstum und Heimat, Gau Hessen-Tiaffau.
Die Arbeilslosigkeit ist gegenwärtig nicht über- all gleich niedrig. In den meisten Städten ist sie weit höher, als auf dem Lande.
Zu einem großen Teil ist diese Differenzierung der Arbeitslosigkeit auf die Eigenart des gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwunges zurückzufuhren. Im Zeichen der staatlichen Konjunkturpolitik hat sich die Belebung in ganz anderen Formen vollzogen als früher, etwa in den Jahren 1926 bis 1928. Das Schwergewicht der Produktionszunahme und damit des Bedarfs an Arbeitskräften liegt diesmal viel tärfer bei den Jnvestitionsgüterinduftrien. Der Außenhandel ging dagegen zunächst noch zurück und hat sich erst in letzter Zeit etwas erholt. Die Er- Zeugung von Verbrauchsgütern ist verhältnismäßig langsam gestiegen.
3n jeder Volkswirtschaft kann die Zahl der Arbeitslosen nicht unter ein gewisses Minimum sinken, weil ständig ein Teil der Arbeitskräfte den Arbeitsplatz wechselt und dabei vorübergehend arbeitslos wird. Berücksichtigt man, daß sich ein solcher Austausch um so mehr verzögert, je stärker die Wandlungen innerhalb der Wirtschaft sind, so hat man diesen Windest- bestand an Arbeitslosen heule sicher höher an- zusehen, als vor dem Kriege. Wan kann ihn auf rund eine halbe Willion schätzen. Alle diese Arbeitslosen sind nur vorübergehend arbeitslos und finden über kurz oder lang wieder einen neuen Arbeitsplatz. Es wird kaum möglich fein, diese Arbeitslosigkeit zu beseitigen, da dann große Schwierigkeiten bei der Deckung des Bedarfs an Arbeitskräften eintreten mühten.
Ein Teil der noch vorhandenen Arbeitslosen, der etwa ebenso groß sein mag, besteht aus älteren und beschränkt oder gar nicht erwerbsfähigen Kräften, die einen vollen Arbeitsplatz nicht mehr ausfüllen können und deshalb für die meisten angebotenen Stellen nicht in Frage kommen. Die Arbeitsämter bemühen sich vor allem darum, diese Kräfte wieder in Arbeit zu bringen. Soweit es sich dabei um Berufe handelt, in denen im Augenblick die Arbeitskräfte knapp sind, konnten hier in letzter Zeit schöne Erfolge erzielt werden.
Metallfacharbeiter gesucht!
Dom Arbeitsamt Gießen geht uns die nach- stehende Mitteilung zu:
Die metallverarbeitende Industrie sucht dringend Fachkräfte zu guten Lohnbedingungen in Dauer- fteUungen. Geeignete Kräfte sind nur noch vereinzelt unter den sich arbeitslos Meldenden.
So ergeht der Ruf an alle gelernte oder angelernte Metallarbeiter in berufsfremder Arbeit, sich bei dem für sie zuständigen Arbeitsamt sofort entweder persönlich zu melden, oder unter Angabe ihrer genauen Anschrift, des Geburtsdatums, des Berufes und der gegenwärtigen Beschäftigung „Bewerbungspapiere für Metallarbeiter" beim Arbeitsamt Gießen ober einer der Nebenstellen anzu- fordern.
Den Metallarbeitern, die bereits längere Zeit I außerhalb ihres Berufes tätig waren oder eine weitere Ausbildung nötig haben, werden Anlernzuschüsse unter Weiterzahlung der vollen Unterstützung gewährt.
NSG. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" Gau Hessen-Nassau und der Landschaftsbund Volkstum und Heimat Gau Hessen-Nassau haben sich zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden, um der Dolkstumsarbeit in unserem Gau eine einheitliche Ausrichtung zu geben. Das Ergebnis der Verhandlung zwischen den beiden Organisationen ist ein Arbeitsabkommen, in dem im einzelnen die Richtlinien niedergelegt sind für die gemeinsame Arbeit. Dieses Abkommen ist geignet, der Dolkstumsarbeit unseres Gaues neuen Auftrieb zu geben. Nun können alle Kräfte eingesetzt werden, um die wertvollen Güter des rhein-mainischen Volkstums neu zu wecken und zu pflegen. Das Arbeitsabkommen hat folgenden Wortlaut:
Arbeitsabkommen
zwischen NSG. „Kraft durch Freude- und Landschaftsbund Volkstum u. Heimat Gau Hesien-Aasfau.
Aus der Erkenntnis der Notwendigkeit einer straffen Zusammenfassung und gleichmäßigen Ausrichtung aller an der Erfüllung des Gemeinschaftslebens tätigen Kräfte haben die NSG. „Kraft durch Freude" Gau Hessen-Nassau und der Landschaftsbund Volkstum und Heimat Gau Hessen- Nassau das nachfolgende Abkommen zur gemeinsamen Arbeit im Gau Hessen-Nassau getroffen:
1. Die Ausrichtung der gemeinsamen Dolkstumsarbeit bestimmt der Ministerialrat R i n g s h a u ° sen, Darmstadt.
2. Die Arbeit wird durchgeführt in Zusammenarbeit der Abteilung Volkstum und Brauchtum im Amt Feierabend der Gaudienststelle NSG. „Kraft durch Freude" und des Gauorganisationskomitees des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat.
3. Die Kreisringleiter des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat versehen in Personalunion das Amt der Kreisreferenten für Volkstum und Brauchtum bei den Kreisdienststellen der NSG. „Kraft durch Freude".
4. Die Ortsringleiter des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat unterstützen die Ortswarte der NSG. „Kraft durch Freude" in der praktischen Feierabendgestaltung.
Durch das Abkommen werden die inneren Zuständigkeiten und der organisatorische Aufbau Der beiden Träger dieser Arbeit nicht berührt.
Landschaftsbund Volkstum und Heimat Gau Hessen-Nassau
Ringshausen, Landschaftsleiter.
NSG. „Kraft durch Freude" Gau Hessen-Nassau von Rekowski, Gauwart.
Die Wirtschaft sucht Fachkräfte.
Neue Aufgaben der Arbeitspolitik.
Fwd. Bis Ende Juli 1936 ist die Zahl der Arbeitslosen auf 1,17 Millionen gesunken. Zum ersten Male ist damit die Arbeitslosigkeit niedriger als 1929, dem Jahre der letzten Hochkonjunktur. Schon jetzt ist die Arbeitslosigkeit als Massen- erscheinung beseitigt. Die Aufgaben der Arbeitspolitik und damit die Aufgaben der Arbeitsämter haben sich infolgedessen gewandelt.
Jetzt gilt es vor allem, den Wangel an gelernten Arbeitskräften zu beseitigen, die Unterschiede in der Arbeitslosigkeit von Beruf zu Beruf auszugleichen und die Jugendlichen in ihrer Berufswahl richtig zu beraten.
Die Not- und Grenzgebiete mit ihrer noch immer verhältnismäßig hohen Arbeitslosigkeit sind de- sonders zu betreuen, die älteren arbeitslosen Arbeiter und Angestellten, die am schwersten Arbeit finden können, sind durch besondere Maßnahmen wieder in den Wirtschastsprozeh einzugliedern, Kräfte mit Fachkenntnissen, die nicht mehr be-
notigt werden, sind umzuschulen, Notstandsarbeiter in reguläre Beschäftigung zu überführen usw.
An Stelle der Arbeitslosigkeit mckcht sich in einzelnen Wirtschaftszweigen und Wirtschaftsgebieten mehr und mehr ein Wanget an Fachkräften bemerkbar.
Oft besteht dieser Mangel, wie im neuesten Wochenbericht des JfK. ausgeführt wird, nur für einzelne Werke und nur an den wichtigsten Standorten des betreffenden Industriezweiges. Besonders groß ist der Mangel an Arbeitskräften (Jugendlichen und Ledigen) in der Landwirtschaft.
Es erscheint auf den ersten Blick paradox, wenn in einer Zett, in der sich noch 1,17 Millionen Menschen bei den Arbeitsämtern als Arbeitslose haben eintragen lassen, es an vielen Stellen an geeigneten Arbeitskräften fehlt. Dieser Widerspruch ist aber nur scheinbar, wie folgende Ueberlegungen zeigen:
mit meinem Rechtsanwalt", warf er beim Fortgehen über die Schulter zurück.
„Ich muß Sie bitten, sich zu fassen, Herr Lyng- vad, ich habe Ihnen leider eine sehr unangenehme Mitteilung zu machen", sagte der Jurist.
„Was ist denn los?" fragte Lyngvad beunruhigt.
„Ja, sehen Sie, als Ihr Onkel starb, bekam ich doch von einem Althändler sofort ein Angebot auf fein hinterlassenes Warenlager und nahm auch mit Ihrem Einverständnis dies Angebot an."
„Sehr wohl," nickt Lyngvad „und weiter?
„Gestern kommt nun der Mann und erzählt, er hätte in einer Kiste mit Gerümpel ein Testament des Verstorbenen gefunden! Und in diesem Testament hier", und dabei wies der Rechtsanwalt auf ein vor ihm liegendes Dokument, „das übrigens in juristisch durchaus einwandfreier Form abgefaßt ist, vermacht der Verstorbene fein gesamtes -vermögen dem Altersheim der Kleinhändler — Sie dagegen werden mit fünftausend Kronen abgefun- benr , . .
Lyngvad faßte in seine Tasche nach feinem Taschentuch, dabei bekam er einen großen, gelben Umschlag, der seinen neuen Kontrakt enthielt, zu lassen — — und plötzlich lächelte er erleichtert auf.
Der Rechtsanwalt sah ihn überrascht an.
„Na — ja —", meinte der kleine Buchhalter^ „das ist ja nun mal Pech: aber schließlich kann ich dem alten Sonderling, um den ich nuch nie gekümmert habe, keinen Vorwurf machen! Wurden Sie mir bitte eine Mitteilung senden, sobald ich Die fünftausend Kronen ausgezahlt bekommen kann es ist doch immerhin ein hübscher, kleiner Extraverdienst!" Und damit verabschiedete sich Lyngvad mit freundlichem Lächeln. ...... . s ,
Der Rechtsanwalt sah ihm kopfschüttelnd nach. Ob der Mann nicht doch übergeschnappt war mfo ge der plötzlich wieder verlorengegangenen Erbschaft..
Als Lyngvad wieder in seiner Arbeitsstätte an- langte, ging er geradenwegs in das JkiDatburo Direktor Ohlsens, bei dem sich eben auch Direktor Himmelev befand. . ., , ,
„Herr Direktor", sagte Lyngvad, „ich habe mir Ihren Vorschlag überlegt und de" Kontra",e n twurs hier durchgeblattert. In Anbettacht, daß hier nun schon viele Jahre — wenn auch sehr schlecht entlohnt — gesessen, wäre ich vielleicht geneigt, zu bleiben - jedoch, ich muß eine Bedingung stellen.
„Und die wäre?" fragte Ohlsen gespannt.
„Herr Direktor Himmelev muß mir versprechen, sich in Zukunft gegen mich eines angemessenen Tones zu befleißigen!"
„Na, selbstverständlich, und dann ist wohl alles
wieder in Ordnung!" sagte Himmelev erleichtert. „Hör mal. Ohlsen, gib doch bitte die Flasche Portwein aus dem Schrank, daraufhin müssen wir doch einmal anstoßen!"
„Auf fernere, gedeihliche Zusammenarbeit! , sagten die beiden Chefs zu ihrem kleinen Buchhalter; dieser aber fügte bei sich hinzu: „und auf meine verlorene Erbschaft?"
(Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen.)
Gchilsgesang.
Von G. A. Oedemann.
Es will Abend werden. Leichte Nebel fliehen über die stillen Wasser des Großhartmannsdorfer Teiches, lieber dem Freiwald steht die Sonne wie ein glühender Feuerball. Der ganze westliche Horizont ist in eine rote Flammenglut getaucht.
Unser Boot steht still im Schilfe.
Wir haben die Ruder eingezogen, sitzen schweigend da und warten auf etwas, das unausbleiblich ist an diesem langsam verglühenden Tag.
Noch ist es still ringsum. Nur das leise Rascheln der Halme und hin und wieder ein ferner Dogel- ruf bringt an unser Ohr. Mücken spielen über dem Wasser und hundert Schwalben segeln weidwerkend durch die Luft, gleiten und stürzen und schießen wie blaue Blitze über die sanfte Dünung des Wassers dahin.
Jetzt gehen drei Stockenten hoch mit lautem, klatschendem Flügelschlag. Den schönen, grünen Kopf weit oorgeftrecft, die blaßroten Füße dicht an Öen Leib gepreßt, so fliegen sie in Pfeilordnung über den See, werden kleiner und kleiner und verschwinden, drei winzige Punkte, im flackernden Rot des Horizontes.
Und nun wirds lebendig im Ried.
Der Frosch läßt seine Schallblasen schwillen. „Quak, quak —" „Quak, quak —" antwortet es hier und dort. Das Abendkonzert beginnt.
Zwischen Binsen und Rohr lauft ein Heiner, brauner Schatten schnell dahin, an Große der Wachtel gleich. Die langbeinige Wasserralle ist s. Nur selten erhebt sich dieser Schilfvogel einmal zum Fluge. Mit erstaunlicher Behendigkeit spaziert er durch den Schilfwald, und nicht einmal die Gefahr treibt ihn aus dem Dickicht. Jetzt quillt em eigenartig piepsender Laut aus des Dogels Bruft. „Dig, dig!" Und wieder: „Dig, dig!"
Es ist schon so. Mit dem Abend, mit Dem ersten Froschgeguake kommen die Lieder im Schilfe. Das ist wie unter der Linde im Dorf, abends, da erwacht
S.ji-ifporrf
Tv.1846 Gießen im Vorschlußrundenkamps um die Deutsche Fauftball-Meifterschafi.
Der kommende Sonntag bringt die letzte Runde im Faustball vor der Deutschen Meisterschaft. 16 Gaumeister, aus Hunderten von Mannschaften als beste hervorgegangen, ermitteln an sechs Spielorten die letzten „Sechs", die am 5. und 6. September in Schweinfurt um die höchste Würde in diesem Sommerspiel kämpfen.
Für den Gießener Turnverein ist es nicht das erstemal, daß er bis in die Vorschlußrunde Vordringen kann.
Seine führende Stellung im Faustballspiel im Gau Hessen bewies er von neuem bei den Gaumeisterschaften dieses Jahres.
Die Mannschaft zeigte sich auch in neuer Aufstellung als die sichere, kampferfahrene und vor allem körperlich ausgezeichnet durchgebildete Mannschaft, als die sie seit vielen Jahren weit über den Gau hinaus bekannt ist. Auf dem großen reichsoffenen JG.- Turnier in Frankfurt endeten die Gießener hinter den Gaumeistern Licht-Luft Frankfurt, Hamburg und Pforzheim, also auf einem der ersten Platze bei dieser sehr gut besetzten Veranstaltung.
Die Gegner des Sonntags in Koblenz sind die Gaumeister von Südwest und Mittelrhein, Ludwigshafen und Köln-Sürth. Die Mannschaften kommen alle zum erstenmal gegeneinander, so daß der Ausgang völlig ungewiß ist. Daß sie alle jedoch über hohes spielerisches Können verfügen, versteht sich bei einem Gaumeister von selbst. Der sich erst durch zahlreiche Runden durchkämpfen mußte. Das gilt vor allem für den Südwestmeister. Blieb doch in diesem Gau Licht-Luft Frankfurt, lange Jahre Vorbild und d i e Faustballmannschaft Deutschlands, auf der Strecke.
Für unsere Vertretung aus Gießen wird der Ausgang dieses Kampfes und mithin die Teilnahme an den Deutschen Weisterschaften im wesentlichen davon abhängen, wie schnell die Wannschaft ins Spiel kommt.
Denn ihr erstes Spiel ist bisher stets sehr schwach gewesen, wie Überhaupt für sie bezeichnend ist, daß sie das letzte Spiel als bestes liefert. So bei den Gaumeisterschasten, wo die Mannschaft im siebten Spiel erst ihr wahres Können zeigte, während die anderen bereits aus Uebermübung nicht mehr ganz durchstanden. .
Da es sich am Sonntag nur um zwei Spiele handelt, muß von Anfang an mit äußerster Konzentration gespielt werden. In der Fünferreihe
Grünig, Riexinger, Pfeffer, königer, Loh bietet jeder einzelne die Gewähr für bestes spiele- risches Können und eine einwandfreie sportliche Leistung.
Da sie ihren Gegnern unbedingt gewachsen sind, hängt der Erfolg nur davon ab, ob die Mannschaftsarbeit den Erwartungen entsprechend ausfällt. Bei dem hohen Stand, den das Faustballspiel technisch und leistungsmäßig heute in allen Gauen erreicht hat, wäre ein Sieg und damit Eintritt m die Endrunde ein wertvoller Erfolg und der schönste Lohn für die jahrelange planmäßige und nie er- müdende Uebungs- und Wettkampfarbeit im Gieße- ner Turnverein, der in kurzem das neunte Jahr- zehnt seines Wirkens im Dienste Jahns und der deutschen Leibesübungen beschließt.
Gaumeisterschasten der Schützen.
Titelkämpfe im Gau Hessen.
Die als Bezirksmeister aus den Punktwettkämp- fen hervorgegangenen Mannschaften werden an den beiden kommenden Sonntagen (23. und 30. August) auf den Ständen des Schützenvereins Eschersheim um die Meisterschaft des Gaues Hessen kämpfen, und zwar: Klasse A: Postsportverein Frankfurt (Bezirk Frankfurt), Polizeisportoerein Wiesbaden (Be-
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die Minne auch bei allen Riedbewohnern. „Dig, big!" unb „quorr, quorr!" unb „quak, quak!" Das piept unb ruft und lockt, mir sitzen still in unfern Boot und lauschen.
Plötzlich hallt ein geisterhaftes Brüllen über den See. Ein Ruf, der schaurig echot vom Hag her. Kein Rind ist auf der Weide, und kein Gutshof ist in der Nähe. Und doch war es, als hätte soeben des Waldviertlers rotscheckige Kuh gebrüllt. Das ist aber nicht des Waldviertlers Kuh, das ist der großen Rohrdrommel Ruf, der so voll und brünstig auflodert.
Dann klirrt wieder eine andere Tonart dazwischen, ein Laut wie Glas und Scherben. Des Zwergsteißfußes seltsames Geschrille ist es, des grauweißen Tauchers komische Redensart.
Immer lauter und lauter wirds im Schilfe unter den grünen Katarakten der Weiden. Und immer blasser wird der Tag. Schon hat der Himmel die ersten Sterne angezündet. Die fernen Züge dunkler Waldberge lösen sich auf.
Das ist die Zett, da die Himmelsziegen zu meckern beginnen, lieber der Sumpfwiese kreist ein Vogel, schießt schräg herab, steigt wieder hoch und fällt noch einmal mit ausgebreitetem Flugeischlag meckernd zur Erde. Balzflug ists, Liebesflug! Das Bekassine-Männchen zeigt seine Kunst der im Grase harrenden Liebsten, unb sein kurioses Meckern, ists her Flügelschlag? — ists ein Laut aus übervollem Herzen? Der Abend am See läßt uns nicht zu einem tieferen Nachbenken kommen. Die letzte, die umfaffenbt'te Sttophe kommt jetzt aus dem Schilf. Der Drosselrohrsänger sitzt am äußeren Ende eines Halmes, ein dunkelbrauner Vogel, in dessen kleiner Kehle alle Stimmen des Schilfes eine fröhliche Wiederkehr feiern. Dem Frosch hat der Rohrspatz ein Stück abgelauscht, der Ente Geschnatter kommt mit vor in feinem Liede, des Regenrufers ulkiges Gelächter und der Wasserratte schnurriges Gepiepe. Das ist des Schilfes Schlußgesang, in dem sich aller befiederter Wesen Lust vereint zum kraftvollen Jauchzer der Liebe.
Nun ist es ganz Nacht geworden.
Wie eine große Lampe hängt der Mond über den Weiden, lieber die weite Wasserfläche streicht ein kühler Nachtwind, spielt mit den silberhellen, blinkenden Wogen und flüstert heimlich mit dem Schilfe, das leise raunend Antwort gibt.
Die Stimmen gehen schlafen. „Quak, quak —" klingts manchmal noch hohl und gurgelnd auf. Aber das unterstreicht nur die Stille der Nacht, llnfer Boot sticht hinaus in die silberne Weite des Was
sers. Die Ufer treten zurück, der Winkel im Schilf entschwindet unseren Blicken. Manchmal hören wir noch einen einsamen Schrei.
Der gelehrige Diener.
Eine Earl-Pelers-Anekdole...
Der deutsche Afrikaforscher und Gründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika nahm einmal einen Neger namens Kalumba in seine Dienste, der ihm das Haus besorgte und Botengänge übernahm. Da Kalumba die Befehle seines weißen Herrn anfangs jedoch zu wörtlich nahm und allzu sklavisch ausführte, gab Peters ihm eine ausführliche Instruktion.
„Hör zu, Kalumba!", sagte er. „Ein guter Diener muß selbst denken können und bei jedem Befehl auch an alle Folgen denken, die damit verbunden sind. Er muß seinem Herrn überflüssige Worte ersparen. Wenn ich z. B. sage: Kalumba, ich möchte essen! — dann darfst du nicht bloß Essen bereiten und herbringen, du mußt auch das Tischtuch aufdecken, Teller und Besteck holen, den Wein herbringen und nachdenken, was sonst noch dazu erforderlich ist!"
So fuhr Peters fort, feinem Diener die Notwendigkeit selbständigen Handelns klarzumachen, und Kalumba sagte schließlich freudestrahlend:
„Jawohl, Massa, Kalumba hat alles verstanden."
Einige Tage später erkrankte Peters an einer Halsentzündung. Es war keineswegs gefährlich, da sich aber die Entzündung nicht besserte, schickte er Kalumba zum Arzt.
Der Diener ging, aber es dauerte sehr lange, bis er wiederkam. In seiner Gesellschaft befanden sich fünf Männer, unter ihnen der Arzt.
Peters betrachtete erstaunt die Besucher, die mit bedenklichen Mienen auf sein Bett blickten.
„Was ist denn los, Kalumba?", fragte er den Schwarzen. ,Zch habe dir doch nur befohlen, den Herrn Doktor zu holen!"
„3a, Massa, aber ich habe selbst nachgedacht und mir die Folgen überlegt, und da habe ick gleich noch den Leichenbestatter, den Totengräber, den Pfarrer und den Notar mitgebracht ..."
Carl Peters war nahe daran, den pflichtgetteuen Kalumba zum Teufel zu jagen. Aber die stolze Miene des Negers, der sich viel auf fein selbständiges und vorausfchauendes Handeln einbildete, rührten ibn, und er nahm die ganze Sache mit seinen Gästen von der scherzhaften Sette. Künftig aber mußte sich Kalumba blindlings nach den Befehlen seines Herrn richten.


