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Oie Wahrheit überRichthofens letzten Flug
Richthofen vor seinem letzten Flug.
Aus der neuen Ausgabe seines Buches „Der rote Kampfflieger", mit einem Geleitwort von Reichsminister General der Flieger Hermann Göring.
meint, man solle mit dem Start noch warten, damit die Lords recht frech würden, man bekäme sie dann um so bequemer vor die Kanone.
In diesem Augenblick kommt schon ein Telephonist gerannt: an der Front fliegen einige Engländer.
In weniger als fünf Minuten donnerten die ersten Dreidecker über den Platz. Langsam schlendert Oberleutnant B o d e n s ch a tz 3ur Beobachtungsstelle und klebt sich an das Scherenfernrohr.
Es war gegen 11 Uhr vormittags. Er sieht die beiden Ketten der Staffel 11 zur Front fliegen, die eine geführt von Leutnant Weiß, die andere vom Kommandeur. Sie brausen der Somme entlang nach Westen. _____________________
Um Richthofens Tod hüllte sich noch lange Jahre nach dem Krieg ein mystisches Dunkel. Die folgende Darstellung, um deren Aufhellung sich Hermann Göring, der letzte Kommandeur des Richthofen-Geschwaders, nach dem Kriege besonders in englischen Militärkreisen tatkräftig bemühte, darf heute als ganz sicher und einwandfrei gelten. Sie ist dem neuen Werk „Jagd in Flanderns Himmel" entnommen, in dem der ehemalige Geschwader-Adjutant Karl Bodenschatz über die 16 Kampfmonate des Richthofen- Geschwaders berichtet. Hier spricht die knappe, männliche, eherne Sprache des Kriegs. Mit Erlaubnis des Verlags Knorr & Hrrth, München, entnehmen wir dem Werk den folgenden Abschnitt.
Es ist der 21. April 1918. Gegen halb elf Uhr hat der Ostwind die Wolken zur Seite gedrückt, es klart auf. Die Offiziere eilen zu den Maschinen. Aber der Kommandeur bremst noch etwas und
Dann entdeckt er auch die Lords und dann ist Freund und Feind nicht mehr auseinanderzuhalten.
Gegen zwölf kommt die Staffel wieder angeflogen, eine Maschine nach der anderen schwebt aus und landet. Plötzlich durchfährt es den Adjutanten wie ein Blitz von oben bis unten: er starrt hinaus auf den Platz.
Richthofen ist nicht dabei!
Etwas beklommen ruft er von seinem Hochsitz herunter, den Leutnants Wenzl und Carius entgegen, die herausgeklettert sind und nun herbei- gelau^en kommen.
„Wo ist Richthofen?"
Der Leutnant Wenzl sagt hastig: „Ich habe ein dummes Gefühl; wir waren gleich ran und über die Linie kamen 7 Sopwith mit roten Schnauzen, die Anti-Richthofen-Leute, die Kurbelei ging los, sie waren in der Ueberzahl und man kam nicht richtig zu Schuß. Der Rittmeister flog auf Sicht und kam jetzt mit seiner Kette ran. Aber da turnten auch schon 7 bis 8 neue Lords von oben runter, es gab 'ne Waffenkurbelei, alles durcheinander, wir exerzierten uns alle gegenseitig etwas tiefer, in dem Ostwind kamen wir immer mehr jenseits, brachen das Gefecht ab und halfen uns zurück über die Linien... ich habe ein dummes Gefühl. Als ich zurückflog, habe ich östlich Corbie eine kleine Maschine stehen sehen, die vorher nicht dagestanden hat. Ich glaube, es war eine rote Maschine!"
Inzwischen ist die Nachricht, daß der Kommandeur nicht zurückgekehrt ist, bis zum letzten Mann gedrungen. Die Leute stehen düster herum. Niemand spricht etwas. Der Adjutant ruft sämtliche Luftschutzoffiziere ans Telephon. Keiner von ihnen kann etwas berichten. Jetzt werden sämtliche Divisionskommandos des Abschnitts alarmiert. In rasender Eile immer wieder derselbe Satz: „Die Staffel 11 ist von einem Feindflug zurückgekommen. Der Rittmeister fehlt. Die Herren der Staffel melden, daß der Rittmeister heruntergekommen ist. Ist in Ihrem Abschnitt ein roter Dreidecker notgelandet? Ist bei Ihnen diesseits oder jenseits ein roter Dreidecker beobachtet worden, der landete?"
Ergebnislos.
Beim Armeeoberkommando entschließt man sich plötzlich zu einem außergewöhnlichen Schritt. Der General läßt in offener Sprache eine Anfrage zum Feind Hinüberfunken.
„Rittmeister von Richthofen jenseits gelandet, erbitten Nachricht über Schicksal."
Es erfolgt keine Antwort.
Man stand vor einem Rätsel. Und man wurde allmählich etwas mißtrauisch. Warum schwieg der Feind, warum verkündete er nicht sofort der ganzen Welt, wovor er sich in anderen Fällen gar nicht genierte, daß ihm ein so großer Schlag gelungen sei?
Es wurde Befehl gegeben, jeden gefangenen Engländer eingehend zu befragen. Aber englische Flieger, die in deutsche Gefangenschaft gerieten, wußten nur, daß der Rittmeister t o t sei, andere sagten aus, daß ein deutscher Flieger, über dessen Namen Stillschweigen bewahrt bliebe, schwerverwundet in das Lazarett nach Amiens gebracht worden sei.
Gerüchte und Vermutungen tauchten auf und diese Gerüchte waren manchmal bitter, einige sagten sogar, daß Richthofen von australischen Soldaten erschlagen worden sei. Endlich, am 23. April abends, finden in der Nähe des Flugplatzes Soldaten eine englische Melderolle mit Wimpel. Sie enthält die Mitteilung des Royal Flying Corps, daß Rittmeister von Richthofen tödlich im Luftkampf verwundet und mit militärischen Ehren begraben worden fei.
Am gleichen Tag wird eine Reutermeldung bekannt, die denselben Inhalt hat; jetzt war kein Zweifel mehr.
Es war nunmehr sicher, daß er nicht mehr unter den Lebenden weilte, sondern eingegangen war in das schweigende große Reich der Frontsoldaten, die ihr Leben ließen für ihr Vaterland.
Wie aber war es geschehen? Während des Kne- I ges ist es nicht möglich gewesen, seinen Tod völlig
aufzuklären. Aber der letzte Kommandeur des Jagdgeschwaders I, der damalige Oberleutnant Hermann Göring, jetziger Generaloberst der Flieger und Preußischer Ministerpräsident, hat nicht nachgelassen, bis er persönlich auch den letzten Zweifel in mündlicher Aussprache mit zahlreichen englischen Kampffliegern nach dem Kriege geklärt hatte.
General Göring gibt folgende absolut einwandfreie, klare, wahrheitsgetreue Darstellung von Richthofens letztem Fluge:
„Am 21. April 1918 startete Richthofen mit zwei Ketten seiner alten, braven Leibstaffel 11 in Richtung Amiens. Außerdem hatte er einer anderen Staffel seines Geschwaders ebenfalls Startbefehl erteilt, so daß diese sich auch in der Luft befand, jedoch ohne Anschluß an den Rittmeister zu haben, denn sie hatte einen selbständigen Auftrag. Richt- Hofen überflog, nachdem er die gewünschte Höhe erreicht hatte, die feindliche Front und stieß in den gegnerischen Luftraum vor, da er dort feindliche Flugzeuge beobachtet hatte. Es handelte sich zunächst um den Angriff auf einige feindliche Doppelsitzer, sogenannte Artillerieflugzeuge. Während er sich mit diesen im Kampf befand, wurden er uni) die Seinen von stark überlegenen feindlichen Jagdstreitkräften angegriffen. Seiner Gewohnheit gemäß nahm er den Kampf gegen die mehrfache Uebermacht auf.
Der Wind war ungünstig und trieb die Kämpfenden während der fortgesetzten Kurven immer weiter hinter die feindliche Front. Richthofen kämpfte wie stets hervorragend, ohne sich jedoch gegen die feindliche Ueberlegenheit durchsetzen zu können, und achtete ganz besonders auf seine Kameraden, da sie sich ja so weit im feindlichen Luftgebiet befanden und eine gewisse Gefahr bestand, abgeschnitten zu werden. Aus diesem Grunde mußte Richthofen bald diesen und jenen Gegner unter sein Feuer nehmen, um dadurch den Seinen zu helfen. Er konnte sich also nicht so eingehend mit einem einzigen Gegner beschäftigen, wie das sonst so seine Art war, und diesen zum Abschuß bringen. Da sahen feine Kameraden, wie er plötzlich im Sturzflug, also vollkommen intakt, also nicht stürzend, hinunterging. Ihn zu decken waren sie nicht in der Lage, da jeder einzelne selbst mit mehreren feindlichen Flugzeugen beschäftigt war. Die feindliche Uebermacht wirkte sich nun immer mehr aus und zersprengte die deutsche Staffel vollkommen.
Als Richthofen in dem vorher festgelegten Sam- melraum nicht zu finden war, suchten seine nun führerlosen Kameraden ihren Flugplatz in der Hoffnung auf, daß er bereits gelandet sei.
Jäher Schrecken erfaßte sie jedoch, als sie fest- stellen mußten, daß dies nicht der Fall war und überdies kurz nach der Landung die Meldung einer Flugwache von der Front her eintraf, ein roter Dreidecker sei nach Luftkampf hinter den feindlichen Linien scheinbar glatt gelandet. Noch hatte man geringe Hoffnung, daß Richthofen nur gefangen sei. Sofort stieg die soeben gelandete Kette der Jagdstaffel 11 unter Führung von Leutnant Wenzl wieder auf, um Nachforschungen anzustellen und die Stelle, an welcher der Abschuß erfolgt war, nochmals genau abzusuchen und womöglich fest- zustellen, ob die Maschine tatsächlich glatt gelandet ober zerstört war. Es gelang jedoch nicht, den Luftraum, in welchem der Kampf stattgefunden hatte, zu erreichen, da ein weit überlegener englischer Jagdfliegerschwarm der schwachen Kette bereits die Annäherung an die Front verwehrte. Ein klares Bild konnte so nicht gewonnen werden, und so schwebten wir weiter im Dunkeln, zwischen Furcht und Hoffen, bis wenige Tage später die feindlichen Pressemeldungen keinen Zweifel mehr ließen, daß der größte aller Kampfflieger nicht mehr war.
Nun begannen die Erkundigungen nach der Art seines Todes, die uns solange im Ungewissen ließen. Ich selbst, der ich die hohe Ehre und das unverdiente Glück hatte, der letzte Kommandeur dieses ruhmreichen Geschwaders zu fein, habe natürlich alles versucht, um endlich eine klare Darstellung zu bekommen. Dies gelang mir aber tatsächlich erst einwandfrei bei meinen Besuchen in England. Dort habe ich mich bei allen Fliegern erkundigt und so ziemlich die gleiche Auslegung bekommen. Diese wurde noch besonders unterstützt durch ein interessantes Gespräch, das ich hierüber mit dem eng
lischen Richthofen', dem erfolgreichen Flieger Major Bishop, hier in Berlin hatte. Er gab mir über Richthofens Tod folgende Darstellung, eine Dar- fteUung, die sich vollkommen mit derzemgen deckt, die ich bereits in England erhalten hatte und die heute allgemein als die amtliche gelten kann.
Nachdem der oben bereits geschilderte Kampf eme Zeitlang im Gange mar, mutz Richthofens Motor aus irgendeinem Grunde plötzlich stehengeblieben fein, fei es nun infolge eines Schusses oder durch sonst irgendein Versagen. Dies zwang natürlich den Rittmeister zum sofortigen Heruntergehen. Da er sich jedoch weit hinter der feindlichen Lime befand, war es für ihn unmöglich, noch die eigens Front zu erreichen. Er strebte deshalb dem feindlichen Gebiet zu. Hierbei traf er einen jungen kanadischen Flieger, der erst sehr kurz an der Front war und wenige Luftkämpfe bestanden hatte. Der Kanadier, nicht ahnend, wen er vor sich hatte und wahrscheinlich auch nicht wissend, daß fein Gegner schon wehrlos war, setzte sich sofort hinter ihn und da Richthofen nicht mehr länger manövrieren konnte, war fein Schicksal rasch besiegelt, denn schon die ersten Schüsse trafen ihn tödlich. Das Ganze soll sich zum Schluß in einer Höhe von nur dreihundert Meter abgespielt haben."
Das ist das Ergebnis der genauen Erkundigungen des Generals Göring. Sie finden ihrerseits wieder eine Bestätigung in den Mitteilungen, die man dem Oberleutnant Bodenschatz, dem Adjutanten Richthofens, machte, als dieser im Jahre 1927 zu einer nordamerikanischen Fliegerabteilung kommandiert war.
Der junge Kanadier, der einen Adler abschoß, schoß einen schwerverwundeten Adler ab, dessen Flügel gelähmt waren. Der Rittmeister von Richthofen wird, als er mit erloschenem Motor seinen letzten Gleitflug machte und das Geknatter des Maschinengewehrs hinter sich hörte, gewußt haben, daß es nun zu Ende fei. Er wird gelassenen Auges dem jungen Anfänger einen Augenblick zugesehen haben, der da geräuschvoll über ihn hereinbrach. Und bevor die Kugel sein reines, tapferes Herz durchschlug, wird vielleicht nach seiner Art ein kleines, grimmiges Lächeln über sein Gesicht geflogen sein, das Lächeln des Unbesiegten
Seine Kameraden hätten ihm gegönnt, wenn dis Gesetze des Krieges feinen Tod beschlossen hätten, daß er im Kampfe mit einem Ebenbürtigen gefallen wäre. Aber die Gesetze des Krieges sind geheimnisvoll und unberechenbar, denn es sind die Gesetze des Todes.
Weiterbericht
des Reichswetterdlenstes. Ausgabeort Frankfurt.
Die gestern im Kanalgebiet zur Entwicklung gekommene Störung ist rasch bis Mitteldeutschland vorgestoßen. Ihr Vorüberzug brachte uns in der Nacht zum Dienstag unter böigen Westwinden Niederschläge, die anfänglich aus Regen bestand deki, dann aber mit der nachstoßenden polarmaritimen Luft im Gebirge, in Norddeutschland, vielfach auch in den Niederungen, in Schnee übergingen! In einem Zwischenhoch wird sich heute rasch Aufheiterung durchsetzen, doch bleibt die 2ßitterungs< befferung nur ganz vorübergehend.
Aussichten für Mittwoch: Neue Witterungsverschlechterung mit verbreiteten Regenfällen, bei lebhaften, mit südlichen Winden, Tagestempe- raturen um 10 Grad.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder in Vertretung: Ernst Blumschein; für Feuilleton Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. HI. 36: 10270. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
nachmittags um 4 Uhr statt.
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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem plötzlichen Hinscheiden unseres lieben Töchterchens
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe, herzensgute, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
Margarethe Koch, geb. Frey
heute mittag 2% Uhr im Alter von 64 Jahren nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden durch einen sanften Tod zu erlösen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Friedrich Koch, Gastwirt
Mainzlar, den 20. April 1936.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 22. April,
Allen V er wandten, F reunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber Sohn, Bruder, Enkel u. Neffe
Hans
nach kurzem, schwerem Leiden im fast vollendeten 9. Lebensjahr sanft verschieden ist.
In tiefer Trauer: Gustav Weniger und Familie
Wieseck, den 21. April 1936.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 23. April, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause, Ludwigstr.31. aus statt.
__________________________2548 b
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