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Samstag, 21. Mrz 1936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

yr.69 viertes Blatt

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Eine der klar gestalteten Brücken über einen schmalen Bach.

Geometer auf dem Gelände der Autobahn.

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Erdbewegung zum Höhenausgleich. (Aufnahmen (7) Neuner, Gießener Anzeiger.)

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r wenn man das Gebiet unserer engsten Heimat 'gern und E b e r st a d t schon vor Jahren den

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In der Sandgrube bei Nieder-Morlen.

Bau einer provisorischen Umleitungsstraße bei Nieder-Weisel.

Schwece WalMajchine zur Befestigung dez aufgetrageyen Sandes.

Die StamvjmaWse jur Öl« BeMgugg des Unterbaues

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:rflhl, Gießen

uA. Lorenz, itL geprüft, IHenb.WegH, 3797. iseoD

Bei solch umfangreichen Erdbewegungsarbeiten, wie sie allenthalben an den Baustellen der Reichs­autobahn vorgenommen werden, ist es nicht zu verwundern, daß die verschiedensten Kultur­reste vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende zum Vorschein kommen. Man wäre deshalb fast enttäuscht gewesen, wenn die Abhebung der obersten Lößschicht in der Gemar­kung G a m b a ch keine Funde gebracht hätte.

Den uns bekannten Siedlungsverhältnissen der

wurde.

Die Urnengräber, die mir vor kurzer Zeit bergen konnten, stammen aus der mittleren Hall- stattzeit und zeigen in ihrem Formenreichtum und in ihrer Ausstattung den Beginn einer neuen Acker­

bau-Periode und einer zweiten Blütezeit einheimi­scher Töpferei in unserer Heimat an. Die Menschen, die nach dem Jahr 1000 die Asche ihrer Toten in solchen Urnen beigesetzt hatten, waren am Ende der Bronzezeit wahrscheinlich aus dem Süden in unsere Heimat eingewandert, nachdem während der Bronze­zeit die Wetterau fast siedlungsleer gewesen war. Die Formen der Urnen erinnern uns sehr an die

der sog. Urnenfelderstufe, die kurz vor 1000 v. Ehr. Geburt mit einer großen Kulturhöhe und Sied­lungsdichte in unserer Heimat eingesetzt hatte. Die Keramik dieser Kulturperiode, die wir wegen ihrer scharf profilierten Formen als Metallstil bezeichnen, scheint ohne weiteres in die Töpfereikunst der nach­folgenden Hallstatt-Zeit übergegangen zu sein, in der Art einer Modewanderung, da die kulturtragen­

nördlichen Wetterau entsprechend mußten wir mit Brandgräbern rechnen, die aus der aus­gehenden Bronzezeit und der nachfolgenden Eisen­zeit stammen würden, zumal zahlreiche Grabfunde in den benachbarten Gemarkungen Ob erhör-

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maschine festgestampft.

So sieht man denn auf dem Gelände der Auto­bahn im Bauabschnitt zwischen Bad-Nauheim und Gambach ständig die Lokomotiven mit langen Wagenzügen beladen und leer hin- und herfahren, von kräftigen Fäusten werden die Loren ge­kippt, und dann macht sich der Stampfer an die Arbeit, der sich auf mäch­tigen Raupenschleppern im Gelände bewegt. Ein starker Dieselmotor hebt in kurzen Abständen einen mehrere Zentner schweren Eisenblock em­por, der Block wird aus- gelöst und saust dann mit der großen Wucht des eigenen Gewichts auf das lockere Erdreich nie­der. Zum Teil wird auch eine schwere Walze ein-

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durch ein mb äußerst mtik. Wäh. «eilig Be- )ten, bleibt tere Witte, m zwischen i) gelegen!, n wirb, so terung auch

hinterlassen. Wenn wir bis jetzt durch den Bau der Reichsautobahn noch keine steinzeitlichen Funde feststellen konnten, so ist das wohl nur dem Zufalle zuzuschreiben, daß eine steinzeitliche Kulturschicht nicht angeschnitten

den Menschen andere gewesen sind. Wegen der großen Aehnlichkeit der Urnenformen, der Grab­anlage und der Grabausstattung sprechen wir sie als verwandt mit den Leuten der Koberstadt an. Diese ist bekanntlich eine befestigte Höhensiedlung in der Nähe von Langen bei Darmstadt, und ihre Träger haben ihre Kultur bis herauf in unsere Gegend ausgestrahlt. In unserer Gegend wurden die Toten im allgemeinen verbrannt, die Asche in einer Urne gesammelt und diese mit den bei- und hineingestellten kleineren Gefäßen, die Lebensrnittel enthielten, mit einem Grabhügel aus Erde über­wölbt. Die Grabhügel, die im Gegensatz zu denen der Bronzezeit keine Steine enthalten, sind der Kulturtätigkeit des Menschen längst zum Opfer gefallen. Daneben müssen wir aber auch mit Flachgräbern rechnen, von denen sowieso keine äußerlich sichtbaren Spuren erhalten sein können. Die Anlage der Gräber selbst war außer­dem abhängig von den Vermögensverhältmssen der bestattenden Familie, denn wir beobachten, daß viele Gräber so reich ausgestattet sind, daß wir von richtigen Grabservicen reden können, während andere nur aus einer einzigen Urne bestehen, die man umgekehrt über das Häufchen Asche gestülpt hat.

Beide Bestattungsformen konnten wir durch die letzten Grabungen feftftellen, die beide etwa 50 Zentimeter unter der heutigen Ackeroberfläche ge­lagert waren. Leider wurde das mit einem Ser­vice ausgeftattete Grab zerstört, bevor man merkte, warum es sich drehte. Immerhin geben uns auch di? noch erhaltenen Scherbenreste einen Eindruck von der hübschen Ausstattung des Grabes. Große, dickwandige Urnen dis zu den kleinsten feinwon- digen, mit Graphit geschwärzten Schälchen und Näpfchen legen Zeugnis ab von der behäbigen Bauernkultur und dem sehr irdisch eingestellten Jenseits-Glauben der mittleren Hallstatt-Zeit. Die großen Graburnen tragen zwischen dem steilragen- den Hals und dem Bauch des Gefäßes einen auf­gesetzten Wulst, der die einzige Verzierung dar- stellt. Die Beigabengefäße tragen alle Strichver- zierung. An einem konnte sie in der Art unsres Fischgrätenmusters feftgcftcllt werden. Die Mehr­zahl der Gefäße ist glatt, bräunlich gefärbt, zu­weilen findet sich auch Bemalung, die in ihrer strengen Ornamentik als Textil-Ornament bezeich­net wird, die uns besonders das große Gräberfeld von Nieder -Mockstadt, das derselben Kultur­stufe angehört, gezeigt hat.

Wenn uns auch somit durch den Reichsautobahn­bau keine neuartigen oder gar für die Besiedlung umstürzend wirkenden Funde gemacht wurden, so stellen sie immerhin eine willkommene Bereicherung der heimischen Vorgeschichte dar und werden gleich­zeitig, wenn sie aus der Mainzer Werkstätte, wo­hin man die Scherben zur Zusammensetzung ein- geschickt hat, zurückgekehrt sind, Schmuckstücke der eisenzeitlichen Abteilung unseres Oberhessischen Mu­seums in Gießen darstellen

Der Fund ist uns wiederum ein Beweis dafür, wie reich unser Heimatboden an Kulturresten aus der Vergangenheit des Volkes ist, und wie jeder mithelfen kann, unsere Kenntnis von diesem Erbe zu vermehren und die Achtung vor den Vor­jahren zu vertiefen.

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im Auge behalten will sind auf der Strecke zwischen O st h e i m und der Ueberführung vor Nieder-Weisel tätig. Ein weiterer Bau­abschnitt wird in der Nähe von Griedel und Gambach gefördert. In nicht allzu ferner Zeit wird die Ueberführung der Straße GießenFrank­furt über die Reichsautobahn in Angriff genommen werden. Eine Umleitungsftraße ist bereits in ihrem Fundament fertiggefteüt.

Die Schaffung des Unterbaues für die Reichs­autobahn erfordert teilweise große Erdbewegungen. Höhenunterschiede müssen nach Möglichkeit aus­geglichen werden, Sand ist aus nahen Sand­brüchen (Nieder-Mörlen und Gambach) auszufah­ren, hier ist Erdreich abzuheben, dort ist es aufzu- fchütten. Der Antransport des Sandes aus den Sandbrüchen geschieht unter Einsatz vieler Arbeiter in großzügiger Form. Auf kräftigen Wagen wird der Sand aus dem Bruch mit Hilfe von Feld­bahnen an die Baustellen gebracht, dort ausge­schüttet, verteilt und durch eine besondere Stampf-

Beweis erbracht hatten, daß diese Gegend vom Jahre 1000 v. Ehr. Ge­burt ab dicht besiedelt ge­wesen ist. Wer durch das Wettertal wandert, etwa über die Höhen, die sich leicht nach dem Bachlauf hin neigen, wird ohne weiteres verstehen, daß dieses fruchtbare Acker­land, das zudem von s einem verhältnismäßig warmen Klima begün­stigt ist, zu allen Zeiten die Ackerbauer angelockt hat. Schon die Brand­keramiker der Steinzeit und die Stichkeramiker aus dem Nordosten . Deutschlands hatten hier Dörfer gegründet und sie haben uns in den Fun­den von Eberftadt, Butz­bach, Oftheim, Friedberg bedeutende Kulturreste

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Oie Reichsautobahn durch Oberhessen

Das Werk des Führers.

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Der Bau der Reichsautobahn ist feit Monaten ondj in unterer engeren Heimat in ein sehr aktives bmdium getreten. Der Bau der Bahn drängt von Frankfurt her, westlich vorbei an Bad-Nau- l)i im, vorbei an Ober Mörlen und O ft - h im in die nördliche Wetterau vor. Kurz vor Nieder-Weisel soll die Reichsautobahn die Hauptverkehrsstraße GießenFrankfurt a. M. über- aisren und dann zwischen Butzbach und Grie- b l in der Richtung Gambach nordöstlich weiter fiiren. Für den Abschnitt von Kilometer 40 bis K ometer 50 wird der Bau durch die Bauleitung |En Butzbach betreut. Die Arbeit dieser Bauleitung 'Meßt an die Strecke an, die von der Bauleitung in Bad Homburg v. d. H. betreut wird

' lZegenwärtig wird der Unterbau der Bahn her- g< teUt. Viele Arbeiter aus weitem Umkreis im-

Vor nahezu zwei Jahren konnte man auf einer anfjen Strecke quer durch das oberhessische Land G ometer und ihre Hilfskräfte in mehreren Grup­pe beobachten, die in einer minutiösen Technik die Lndvermessung für die Reichsautobahn vornahmen, ieie Bodenerhebung, jeden Weg, jeden Bachlauf u,d jedes Rinnsal registrierten und mit exakten fehlen in ihre Pläne eintrugen. Höhenfestpunkte urö Breite wurden feftgelegt, in der die Autobahn fieren sollte, und manches andere mehr. Ueberall dc wo Waldbestand von der Autobahn geschnitten wurde, folgten bald die Holzfäller dem Wege der Oiometer und hinterließen manchen Kahlschlag, der tic;, große Projekt in seiner eindeutigen Linien- siiirung erkennen ließ. Ueber Straßen und Eisen- bchn, über Fluß- und Bachläufe, über Hügel und durch Täler wird die Reichsautobahn durch das olerheffifche Land führen und das Gebiet zwischen Lhn und Vogelsberg mit einem Schlag in die Aimosphäre großzügigsten Verkehrs reißen.

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gesetzt, die dem Stampfer ausgleichend nacharbeitet. Bis die eigentliche zwanzig Zentimeter starke Beton­decke in Angriff genommen werden kann, wird zwar noch geraume Zeit vergehen, es ift aber schon jetzt hochinteressant, zu beobachten, wie sich die Bahn aufbaut, wie sie in der Landschaft liegt und ebenfalls ein lebendiges, starkes Zeugnis des Auf­bauwillens und der Arbeitsbeschaffung im Dritten Reich, sowie der großen Initiative des Führers

Der Bau der Reichsautobahn durch unsere engere jjimat ist für die heimische Landschaft als ein Piojekt zu betrachten, das seinesgleichen in Ober­alsen nicht hat. Des Führers weitschauender Geist Ipt in kraftvoller Auswirkung ein Gebiet unseres V terlandes hervor, das bisher nicht allzusehr im Brennpunkt des öffentlichen Verkehrs oder eines pßeren öffentlichen Interesses stand.

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