Samstag, 21 Marz 1936
186. Fahrgang
Nr. 69 Erstes Blatt
Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis8l/,Ui)r des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text» anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach üorl). tßereinbg. 25°/0 mehr.
Ermähigte Grundpreise:
Erscheint täglich, autzer Lonntays und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Sezugspreis:
Mtt 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe
unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11686
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie ein» spaltige Gelegenheitsanzei« gen 5 Rpf.,Familienanzei« gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf.
Drum und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitung und Seschäftrftelle: Schulstrahe 1 M-ng-nM-hiM staffel b
Eine neue europäische Gemeinschast kann nicht durch eine neue Diffamierung der deutschen Ration eingeleitet werden. OerFührererkläriinHamburg:Oeuisch1andwirdmema1saufseineG1e,chberechtigungverzichien
Ein schlechter Anfang.
Der britische Außenminister Eden hat auf einer der letzten Sitzungen des Völkerbundsrates erklärt, daß es sich bei der Ausgabe, vor die sich die Staatsmänner in London gestellt sähen, nicht so sehr um juristische Feststellungen handle, als vielmehr um die Notwendigkeit, den Frieden zu wahren, die Gelegenheit, „einen dauerhaften Frieden" zu schaffen, dürfe nicht versäumt werden. Diese englische Auffassung, die die durch den deutschen Schritt vom 7. März ausgelöste formale Prozedur des Völkerbundsrats zugunsten ernsthafter Bemühungen um eine Neuordnung Europas in den Hintergrund schiebt, hat es der Reichsregierung erlaubt, Botschafter von Ribbentrop nach London zu entsenden, um vor dem Völkerbundsrat Deutschlands Sache zu vertreten. Der Beschluß des Rats, entsprechend dem französisch-belgischen Antrag den Garantiemächten des Locarnopakts einen Bruch des Artikels 43 des Versailler Vertrages durch Deutschland anzuzeigen, konnte auch nach dem geschickten und eindrucksvollen Plädoyer Ribbentrops keine Ueberraschung sein. Er stand schon vorher fest, die englische Presse nennt ihn eine „formale Notwendigkeit", mit der eine juristische Prozedur abschließt, die zwangsläufig in einer Sackgasse enden mußte, nachdem England sestgestellt hatte, daß die deutsche Aktion keine Angriffshand- lung darstelle, die die sofortige Anwendung der im Locarnovertrag vorgesehenen Maßnahmen notwendig mache. Wenn Eden als Ziel der wetteren Verhandlungen die Aufgabe bezeichnet hat, ein gutes Einverständnis der europäischen Völker aus einer festen und dauerhaften Grundlage aufzubauen, so haben damit nur die Politiker nach den Juristen das Wort erhalten.
Als Politiker, der nicht die Paragraphen über das Lebensrecht eines großen Volkes triumphieren lassen darf, hatte schon Botschafter von Ribbentrop vor dem Rat gesprochen, wenn er erklärte, daß vor diesem Forum noch niemals eine in höherem Sinne gerechtere Sache eines Volkes vertreten worden fei Der Locarnooertrag, der die Anwendung von Gewalt zwischen Frankreich und Deutschland für ewige Zeiten ausschließen sollte, enthielt mit der Entmilitarisierung des Rheinlandes eine auf die Dauer für ein Volk fast unerträgliche Zumutung, die Deutschland nur auf sich genommen hatte in der Erwartung, daß auch die andern Partner des Locarnovertrages ihre wesentlich leichteren Verpflichtungen mindestens ebenso getreulich erfüllen würden Frankreichs Militärbündnis mit der Sowjetunion,'das die beiden stärksten Militärmächte der Welt gegen Deutschland zusammensührte, hat das durch den Locarnovertrag aufgerichtete europäische Gleichgewicht zerstört, zumal der analoge Bündnisvertrag mit der Tschechoslowakei die Sowjetunion an die deutsche Grenze heranschob. Wenn die Franzosen diese Bundms- politik mit der deutschen Wiederaufrüstung zu rechtfertigen suchen, so wies Herr von Ribbentrop dies mit dem überzeugenden Argument zurück, daß der Locarnopakt die Wiederherstellung der militärischen Gleichberechtigung Deutschlands zur Voraussetzung hatte und erst die Nichterful- l u n g des im Schlußprotokoll von.Locarno wiederholten Abrüstungsversprechens durch Frankreich Deutschland zwang, nun von sich aus die Gleichheit der Rüstungen anzubahnen. Frankreich hat also selber durch seine Ablehnung der verschiedenen deutschen Angebote einer gegenseitigen Rüstungsbegrenzung die Lage geschaffen, die die Reichsregierung zwang, Deutschlands Wehrfreiheit wiederherzustellen. Und es ist eine offenkundige Verdrehung von Ursache und Wirkung, wenn die Franzosen es so hinzustellen suchen als ob die Sicherheit ihres Landes nicht anders hatte gewährleistet werden können, als durch das Militärbündnis mit der Sowjetunion.
Als besonders unverträglich mit dem Sinn des Locarnopaktes hat Botschafter von Ribbentrop die Bestimmung des französisch-sowjetrussischen Bündnisvertrags über die Feststellung des Angreifers bezeichnet. Mit vollem Recht, denn wenn Frankreich in einem deutsch-sowjetrussischen Konflikt auch ohne Beschluß des Völkerbundes ganz aus eigenem Ermessen entscheiden kann, ob Deutschland oder die Sowjetunion der Angreifer ist, so wird damit den Franzosen nicht nur ein Freibrief ausgestellt, ihre militärische Beistandspflicht jeweils ganz nach ihren politischen Wünschen einzunchten, sondern es wird damit auch Deutschland des Schutzes beraubt, den ihm der Locarnovertrag gegen einen französischen Angriff gewährte Denn wie Ribbentrop überzeugend darlegte, der Vorbehalt, daß Frankreich nur dann seiner Beistandspflicht gegenüber Rußland nachkommen werde, wenn es keine Sanktionen der beiden Garantiemächte des Locarnopakts zu befürchten habe, dieser Vorbehalt zerfallt ^u einem Nichts vor der Tatsache, daß Deutschland, wenn es von einer so übermächtigen Militärkoalttion wie der französisch-sowjetrussischen angegriffen worden ist, von nachträglichen Sanktionen keine Hilfe mehr erwarten kann, abgesehen davon, daß Sanktionen gegen eine so gigantische Koalition, die vom Stillen Ozean bis zum Kanal reicht, von vornherein unvorstellbar und praktisch wirkungslos sein mußten. Herr von Ribbentrop hat dann unwiderlegbar nachgewiesen, daß niemals eine deutsche Regierung ein so ungleiches Vertragsverhältnis, wie es das to« carnoabfommen nach dem Abschluß des französisch- sowjetrussischen Beistandspakts geworden ist, emgc3 gangen wäre, wenn sie auch nur im leisesten hatte ahnen können, daß Frankreich eines Tages für sich das Recht in Anspruch nehmen würde, über die bereits bestehenden und von Deutschland zur Kenntnis genommenen Militärbündnisse mit Polen und der Tschechoslowakei neue Beistandsverpflichtungen
3ubelnher Empfang in Hamburg
DNB. Hamburg, 20. März.
Bald nach 19 Uhr trifft der Führer mit seiner Begleitung in Hamburg ein, von tosenden Heilrufen der in der Bahnhofshalle versammelten Tausenden empfangen. Reichsstatthalter Gauleiter Kaufmann und Regierender Bürgermeister K r o g m a n n hei- ;en den Führer herzlich willkommen. Der Führer chreitet unter den Klängen des Badenweiler Marches die Front der Ehrenabteilungen ab. Schnurgerade ausgerichtet stehen die Reihen, stolz leuchten die Augen der politischen Soldaten des Führers, wenn er an ihnen vorüberschreitet. Unter ben, brausenden Jubelrufen der Zehntausende verläßt der Führer dann den Schauplatz, um sich in einer beispiellosen Triumphfahrt zur Hanseatenhalle zu begeben. Am hellerleuchteten historischen Steintor, dem Wahrzeichen Hamburgs, vorbei geht die Fahrt durch dichte Menschenmauern. Wie ein Orkan, immer wieder von neuem, schallen Jubel- und Heilrufe dem Führer entgegen, hunderttausend Hände recken sich zum Gruß für den Befreier Deutschlands. Es ist ein wunderbares Bild: Millionen von Herzen leuchten aus allen Fenstern in allen Straßen. Große Fackelkandelaber umsäumen den Weg. Die ganze Jugend Hamburgs ist auf den Beinen, um dem Erneuerer Deutschlands zuzujubeln. Von den Wänden der Häuser leuchten Transparente, angestrahlt von Scheinwerfern mit den Parolen des 29. März. Auch von den Erfolgen der Aufbaupolitik des Führers künden sie: „Unsere Gefolgschaft hat sich im Dritten Reich verdoppelt." So leuchtet es von mehreren großen Fabrikfronten. In die A r b e i t er» vorstädte führt die Fahrt. Auch hier stehen unübersehbare Menschenmassen dicht gestaffelt hinter den Sperrketten und jubeln dem Führer ihren Dank und ihr Treuebekenntnis zu. Auch hier Fenster an Fenster, dicht mit Menschen besetzt, hängen Tausende auf Balkonen, auf Mauervorsprüngen, der Gefahr des Absturzes kaum achtend. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß der Führer auch das Herz des deutschen Arbeiters voll und ganz erobert hat, hier ist er erbracht!
Der Führer spricht.
Als der Führer die Hanseatenhalle betritt, schallt ihm ein unvorstellbarer I u - belsturm entgegen: Hamburgs Gruß der Treue und der engsten Verbundenheit mit dem Führer des deutschen Volkes. Nicht enden wollen die Heilrufe, die den Führer auf feinem Weg zur Tribüne begleiten und immer wieder erneut anschwellen.
„Es ist schade", so beginnt der Führer seine Rede, „daß die Staatsmänner, aber auch die Völker der anderen Welt nicht einen Blick in das heutige Deutschland werfen können. Sie würden dann, glaube ich, von dem Irrtum geheilt werden, daß dieses Volk unter einer Diktatur
einzugehen, die sich eindeutig gegen seinen Vertragspartner von Locarno richten. Durch eine solche einseitige Handlungsweise Frankreichs, für die ihm kein Punkt des Locarnovertrags auch nur den Schein der Berechtigung gibt, ist der Sinn des westeuropäischen Sicherheitssystems zerstört und der Locarnopakt selber erloschen. Deutschland sah sich also durch eine ohne fein Verschulden entstandene neue Lage genötigt, seine künftighin des Schutzes durch den Locarnovertrag entbehrende Westmark in den Schutz der deutschen Waffen zu nehmen. Botschafter von Ribbentrop gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß jeder der in der Ratssitzung anwesenden verantwortungsbewußten Staatsmännner, die ihr Volk so lieben, wie der Führer das seine, in der gleichen Lage auch genau so gehandelt haben würden.
Herr von Ribbentrop hat nach den Berichten englischer Journalisten mit seiner klugen und lückenlosen logisch aufgebauten Beweisführung und feinem warmherzigen Appell an den Dölkerbundsrat, in der deutschen Aktion den ersten Grundstein zu einer neuen europäischen Gemeinschaft zu sehen, auf die Ratsmitglieder sichtlich einen starken Eindruck gemacht. Aber wie gesagt, der Beschluß des Völkerbundsrats stand schon vorher fest, und man unterzog sich kaum der Mühe, eine längere Mittagspause einzulegen, um diese Tatsache zu verschleiern. Den Franzosen besonders lag jetzt wesentlich mehr daran, so schnell wie möglich unter den nach der Erklärung Deutschlands, daß es den Locarnooertrag als erloschen betrachte, noch am Vertrag festhaltenden Mächten Frankreich, Belgien, England und Italien eine weitgreifende Vereinbarung zustande zu bringen, die die Lücke von Locarno ausfüllen sollte. Frankreichs Wünsche zielten ur- sprünglich offenbar auf den Abschluß eines Militärbündnisses mit England ab, das die französischen Abkommen mit Belgien und Italien ergänzt hätte. Aber die entschiedene Abneigung der englischen Oeffentlichkeit gegen eine so einseitige Option zugunsten Frankreichs und die englische Auffassung, daß Großbritannien seine Mittlerrolle heute weniger denn je aufgeben dürfe, wenn ein dauerhafter europäischer Friede begründet werden solle, haben Frankreichs Hoffnungen, jetzt endlich den feit Beendigung des Weltkrieges gehegten Wunsch nach einer Erneuerung der Entente cordiale verwirklicht
schmachtet, die es unterdrückt. Und zweitens von dem Irrtum, zu glauben, daß man mit diesem Volk machen kann, was man will."
„Das deutsche Volk wird am 29. März seine Stimme abgeben nicht für mein Regime, dazu benötige ich die Stimme nicht. Allein, ich brauche das deutsche Volk in einem Kampfe, den ich nur um seiner felbft wegen führe, in einem Kampf für das deutsche gleiche Recht, in einem Kampf gegen die Anmaßung anderer, das deutsche Volk auch jetzt wieder als minder gleichberechtigt zu behandeln. Ich brauche die deutsche Ration, um mit ihr vor der ganzen Welt das Bekenntnis abzulegen, daß. ganz gleich was kommen mag, wir auch nicht einen Zentimeter zurückweichen von unseren Gteichberechtigungsforderungen! Richt weil wir eine Störung der europäischen Ordnung wollen, sondern weil wir überzeugt sind, daß eine dauerhafte Ordnung in Europa
Als Führer der deutschen Ration und ihr verantwortlicher Sprecher und Leiter, bin ich nicht in der Lage, auch nur einen Schritt zu tun, der mit der Ehre der deutschen Ration unvereinbar ist! (Brausender Beifall.) Ich kann so handeln, well ich weih, daß in diesem Entschluß die ganze deutsche Ration hinter mir steht! (Die Massen stimmen dem Führer in minutenlangem Jubel zu.) Die wett, wenn sie an der Beständigkeit dieser Entschlußkraft zweifeln fällte, wird am 29. März ein klares Urteil der gesamten Ration und damit ihr Bekenntnis erhalten!"
Der Führer gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß ohne eine grundsätzliche Klärung in Europa eine dauerhafte friedvolle Zusammenarbeit der Staaten und Nationen gar nicht möglich sei. Es sei ganz ungeschichtlich, ja im höchsten Sinne des Wortes kurzsichtig zu meinen, daß auf billigen Augenblickserfolgen, die vielleicht auf Terror und Gewalt fundiert fein mögen, eine stabile Ordnung begründet werden könne. Es fei wahnwitzig zu glauben, daß man vielleicht durch Drohungen das innere Gefüge einer Nation erschüttern könne. Der Führer erinnerte an die schwierigen Situationen, die sich oft im innerpolitischen Kampfe um die Macht ihm entgegenstellten: „Allein ich muß bekennen: Niemals hing die Partei mehr an mir, und niemals war
zu sehen, wiederum enttäuscht, obwohl einzelne Hitzköpfe wie Churchill und Chamberlain den Pariser Freunden heftig das Wort geredet haben. Der gesunde politische Sinn des britischen Volkes in seiner großen Mehrzahl und in allen drei Parteien sieht sehr wohl das Positive in der deutschen Aktion vom 7. März und wünscht die Chance auszunützen, die der Vorschlag des Führers vielleicht zum letzten Male für eine dauerhafte europäische Neuordnung im Sinne einer Befestigung des Friedens bietet. Die Engländer möchten daher in der von Frankreich gewünschten Vereinbarung der noch verbliebenen vier Locarnomächte ein Provisorium festgelegt wissen, das während der Verhandlungen mit Deutschland über ein neues endgültiges europäisches Friedens- und Sicherheitssystem den Uebergang zu diesem schaffen helfen soll.
Daß dieses Provisorium in der Fassung, die es nun als Memorandum der Locarnomächte erhalten hat, jedoch eine Reihe von Punkten enthält, die künftige Verhandlungen mit Deutschland auf das schwer st e belasten müssen, zeigt schlagend, wie mühsam es ist, die Gesinnung zu ändern, aus der ja erst eine grundsätzlich andere Politik, die an die Stelle von Mißtrauen und Argwohn Friedenswillen und Aufrichtigkeit setzt, geboren werden kann. Das Memorandum als solches widerlegt schon die Behauptung, daß man die deutsche Gleichberechtigung anerkenne, denn es ist ohne Deutschlands Mitarbeit zustande gekommen und stellt an Deutschland Forderungen, die eine neue Diffamierung der deutschen Nation enthalten. Wenn man glaubt, Deutschland zumuten zu können, daß es die Besetzung eines Streifens der ehemals entmilitarisierten Zone durch internationale Gruppen duldet, so offenbart diese Forderung noch den gleichen Geist, der einst in Versailles über Deutschland zu Gericht gesessen hat. Aber die Staatsmänner, die dieses Memorandum für geeignet hielten, die Grundlage für eine neue Epoche der Weltgeschichte zu bilden, haben sich geirrt, wenn sie glauben, noch das gleiche deutsche Volk vor sich xu haben wie im Jahre 1919. Der Führer hat in seiner Rede in Hamburg ihnen bereits die Antwort des deutschen Volkes gegeben, wenn er erklärte, daß Führer und Volk niemals eine neue Diffamierung hinnöhmen werden und keinen Schritt breit von der
überhaupt nur denkbar ist unter der Voraus- fehung gleichberechtigter Völker. Die Meinung, eine europäische Ordnung auf der Diffamierung eines 67-7Nillionen-Volkes auf die Dauer gründen zu können, ist ungeschichtlich, ist wahnwitzig und eine Torheit".
Der Führer erinnerte daran, daß auch das Schick« salsjahr 1918, von dem die Gegner damals glaubten, daß es unser Todesstoß sei, das Signal zu einer neuen und stärkeren Zusammenschließung der gan- zen deutschen Nation gegeben hat. „Ich will nichts anderes, als daß dieses deutsche Volk indieeuro- päische Gemeinschaft eingesetzt wird als ein gleichberechtigtes Glied. Ich bedauere die Staatsmänner, die meinen, daß eine solche Mitarbeit am besten eingeleitet wird ,d ur ch eine neue Diffamierung der deutschen Nation. Würden sie über den Augenblick hmaussehen, über den vermeintlichen Erfolg von Tagen, Wochen oder Monaten, dann würden sie erschrecken in der Erkenntnis d e r notwendigen Fol- g e n einer solchen ungeschichtlichen Handlung.
diese Einheit zwischen Führer und Bewegung ftar- fer als dann, wenn die Gegner glaubten, uns schon besiegt zu haben oder niederringen zu können! (Bei diesen Worten schlagen dem Führer tosende Bei» fallsstürme entgegen.) Wir haben in der größten N o t stets auch die größte Entschlossenheit erzielt. Ich weiß es: Das deutsche Volk wird, was auch kommen mag, g e • schlossener denn je zusammenstehen!
Führer und Volk haben nur den einen Wunsch, in Frieden und Freundschaft mit den anderen Völkern zu leben, aber auch den einen Entschluß. unter keinen Umständen auf die Gleichberechtigung Verzicht zu leisten! Wenn die andere Welt den Geist von Versailles noch nicht verloren haben sollte, die deutsche Ration hat ihn abgelegt, und zwar endgültig! Das Problem, das von uns zu lösen ist, ist nicht die Revision der Buchstaben eines Vertrages, sondern die Revision einer Gesinnung, die sich darin offenbart, daß man nun, nachdem der Krieg vor 17 Jahren beendet wurde, immer noch glaube, weiterhin dem deutschen Volke feine Gleichberechtigung verweigern zu können.
Dieses Problem muß gelöst werden und es gibt nur eine Möglichkeit: Entweder, es wird so an
alten Gleichberechtigunqsforderung abgehen wer» den. Eine nochmalige Besetzung deutschen Bodens durch fremde Truppen kann unter gar keinen Umständen in Frage kommen, wenn nicht auch die Gegenseite zu gleichen Maßnahmen im eigenen Grenzlande sich bereiterklären sollte. Deutschland wird niemals zu diesem neuen Anschlag auf seine nationale Ehre die Hand bieten.
Wenn ferner in dem Memorandum die Heber- Weisung des franzosisch-sowjetrus« fischen Pakts und der deutschen Beanstandung an den Internationalen Gerichtshof vorgesehen ift. so ist der Nutzen eines solchen Vorgehens schlechterdings nicht einzusehen. Es hieße die Funktionen einer übernationalen Rechtsinstanz maßlos Überspannen und einer vielleicht in Menschenaltern erreichbaren Entwicklung des internationalen Rechtsgedankens vorgreifen, wollte man nach den bislang gemachten Erfahrungen damit rechnen, daß ein Gerichtshof über Fragen in höchstem Sinne weltpolitischer und nicht rechtlicher Art entscheidet. Was hätte man in Paris wohl dazu gesagt, wenn wir die Franzosen vor dem Internationalen Gerichtshof im Haag der Nichterfüllung des Abrüstungsversprechens angeklagt hätten? Wir sagten es schon, nicht der Jurist, sondern der Politiker hat jetzt das Wort, wo es sich allein darum handelt, an Stelle der durch den französisch-sowjetrussischen Beistandspakt zu Bruch gegangenen Vertrauensgrundlage des Locarnovertrages zwischen Deutschland und Frankreich den Boden abzustecken für ein neues besseres Friedensgebäude, das sich auf gegenseitiger ehrlicher Achtung der Interessen beider Volker gründet. Es ist in höchstem Maße bedauerlich, daß diese künftigen politischen Verhandlungen durch weitere juristische „Feststellungen" im Stile des Ratsbeschlusses vom 19. März und des Memorandums der Locarnomächte belastet werden sollen. Lloyd George, der alte Kämpe, hat seinen Landsleuten zugerufen: „Laßt uns einen neuen Anfang machen!" Das Memorandum der Locarnomächte mit seinen völlig einseitig an Deutschland gerichteten Zumutungen im Geiste von Versailles sieht nicht so aus, als ob man in Pari» und London den Mut finden werde, im europät« fchen Hauptbuch eine neue Seite aufzuschlaaev
Deutschland steht nach wie vor zu seinem Angebot.
Nicht der Buchstabe, sondern die Gesinnung muß revidiert werden.


