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Uraufführung in Darmstadt.

Am Hessischen Landestheater in Darmstadt wurde die Uraufführung des SchauspielsDie Hochzeit von D o b e st i" von Theodor H a e r t e n mit war­mem Beifall ausgenommen. Auf dem Boden eines starkblütigen Bauerndorfes in Rumänien wird der Großbauer Hiob, belastet von mütterlicher Seite durch abenteuerndes Zigeunerblut, in Not, Verzweiflung und Verbrechen getrieben und als unwürdiges Glied aus der Sippe ausgeschieden. Die spannende Handlung läßt in dem Verfasser den praktischen Theatermann erkennen, der mehrere Jahre als Dramaturg und Spielleiter an deutschen Bühnen gewirkt hat. Stärksten Anteil an den Erfolg hatte die ausgezeichnete Inszenierung durch den Generalintendanten Franz E v e r t h , die farben­prächtige, bewegte Bilder schuf und in der Dar­stellung von Max Nemetz, Jochen Pölzig, Hannes Stelzer und der begabten Elli Hall eindringlich unterstützt wurde. Verfasser und Spie­ler wurden am Schluß der Aufführung wiederholt an die Rampe gerufen. L.

Das Gießener Stadttheater bereitet, wie wir hören, die Aufführung von Haertens Schauspiel Der tolle Christian" vor.

Das Werk des Bernsteinmeisters Schreiber in Königsberg.

Lange Zeit hat der Bernstein als künstlerisch ge­staltbarer Stoff kaum Beachtung gefunden, und erst in den letzten Jahren ist darin ein Wandel einge­treten. So rücken auch die Leistungen der deutschen und vor allem der preußischen Beinsteinkunst, die im 16. und 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt er­reichte, wieder mehr in den Vordergrund. Einer der am frühesten wieder bekannt gewordenen Bernstein­schnitzer ist Georg Schreiber, auch Georgius Scriba, dessen Tätigkeit sich für 1617 bis 1643 in Königs­berg urkundlich nachweisen läßt. Als Arbeiten von seiner Hand sind bis jetzt mit Sicherheit ein kleiner Kasten im Weimarer SchloMuseum, ein etwas grö­ßerer in den Städtischen Kunstsammlungen von Kö­nigsberg, eine Deckelkanne im Darmstädter Schloß­museum, sowie je ein Kästchen im Gothaer Schloß und im Münchener Residenz-Museum festgestellt worden. Aus der Reifezeit Schreibers stammt noch, wie Otto Pelka in der bei F. Bruckmann AG. München erscheinenden KunstzeitschriftPantheon" ausführt, ein zweigeschossiger ebenso reich wie der Münchener verzierte Kasten im Landesmuseum von Kassel in einer Höhe von 25 Zentimeter. Don den hier aufgezählten Arbeiten stellen die Kästchen in

Weimar und Königsberg Zweifellos eine frühe Stufe in der Entwicklung des Künstlers dar, ihnen reiht sich zeitlich der Gothaer Kasten an. Diese drei Stücke sind durch eine bevorzugte Verwendung abstrakter Renaissance-Ornamente gekennzeichnet. Der reich mit Behangwerk verzierte Darmstädter Humpen aus dem Jahre 1617 leitet einen neuen Entwick­lungsabschnitt Schreibers ein. Der Münchener Kasten folgt zeitlich unmittelbar hinter dem Darm­städter Humpen.Den Abschluß der bis jetzt be­kannten Arbeiten Schreibers bildet bann der Kasse­ler Kasten. Während seine Ornamentierung in un­mittelbarem Zusammenhang mit der Münchener Kassette steht, ist die Aufteilung der Hauptflächen nach architektonischen Grundsätzen bis auf die kon­struktiv belanglosen, nur als dekorative Unterbre­chung der Fläche gemeinte Risalite vollkommen zu­gunsten einer rein dekorativen Flächenbehandlung aufgegeben worden. Die Säulenstellungen sind völ­lig verschwunden, und die Nischen, für die Schreiber offenbar eine ganz besondere Vorliebe hatte, sind in den Maßen so stark reduziert, daß sie fast wie Zierglieder wirken. Der Zufall hat es gewollt, daß Schreiber vorläufig der einzige Königsberger Bernsteinkünstler ist, dessen Arbeiten eine geschlos­sene entwicklungsgeschichtliche Reihe bilden. Er war ein Künstler, der, weit über dem Durchschnitt seiner zeitgenössischen Zunftgenossen stehend, mit seiner Zeit ging, sich neuen künstlerischen Forderungen nicht verschloß und, nachdem er sich von pseudoarchi­tektonischen Vorurteilen befreit hatte, sich verhältnis­mäßig rasch in die Eigentümlichkeiten seines Werk­stoffes einfühlte."

Zeitschristen.

D e r Bergsteiger" (Verlag F. Bruck­mann AG. München.) Im Februar-Heft wird uns von der Kaukasusfahrt der Jungmannschaft der A. V. SektionMünchen" berichtet, dann erzählt uns Fritz Schütt in dem BeitragDer Teufelsturm" von dem Schicksal der ersten sechs Begeher dieses Berges, die fast alle im Laufe der Zeit den Berg­tod gefunden haben. Auch die Frage, ob die Schwie­rigkeitsgrenze im Fels schon erreicht ist, wird von dem jungen Felsgeher Ludwig Schmaderer ein­gehend beleuchtet. Wir finden auch Beiträge über Skitouren sowie zwei volkskundliche bzw. geschicht­liche Beiträge. Der Nachrichtenteil enthält alles Wichtige über Reise, Verkehr, Hütten und Wege, sowie über Lichtbildnerei und eine Reihe praktischer Winke für Skiläufer. Die ausgestaltete Bücherschau gibt ein ungeschminktes Bild von den Neuerschei­nungen in der alpinen Literatur.

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Kr.44 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Freitag, 2f. Februar Mb

knochenhart, bei Regen und Tauwetter zerfließt also mit Recht neben der deutschen Festung Metz in zähen Morast. Nur dünn ist die Ackerkrume. als d i e stärkste Festung der Welt.

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Kärglich, arm i st auch der Boden. Es ist schwerer, brackiger Lehm. Bei Trockenheit erstarrt

Natur hier in idealer Vollkommenheit fast alle Spielarten an Hindernissen für einen Angreifer angehäuft hätte, die sie in ihrer Schatzkammer birgt. Schlucht reiht sich an Schlucht, Falte an Falte, Nase an Nase, kreuz und quer, gerade und gekrümmt, unberechenbar, nach allen Himmelsrich­tungen. Das ganze Terrain besteht fast nur aus Buckeln, Abhängen und Steilwänden. Man sucht vergebens einen Platz von wenigen Quadratmeter, der eben wäre. Es ist, als seien die Kuppen, die sich aus der Landschaft emporwölben, nur dazu da, neue Abhänge und neues Gefälle für Schluchten abzugeben. Es gibt keinen freien Blick über freies Feld, und wo es so aussieht, da ist es Trug, denn die Mulden oder Einschnitte, die zwischen Auge und Ziel liegen, sind dem Auge verborgen. Sie ent­deckt erst der vorschreitende Fuß. Noch häufiger aber verdecken breite Waldbänder den freien Blick, die ebenso unregelmäßig in das Gelände einge­streut sind. Auch der Wald selbst könnte fast wie ein künstliches Hindernis scheinen, wenn er nicht von Natur so geschaffen wäre. Hoher dichter Bu­chenwald reckt sich zum Himmel, auf dem Boden aber wuchert und kriecht ein fast undurchdringliches Gestrüpp von Unterholz der richtige französische Wald.

Verteidigung war das Fort Douaumont und der rückwärts von ihm auf Verdun zulaufende HöhenrückenKalte Erde". Die Festung galt

Kaum einen halben Meter reicht sie hinab, und schon beginnt der gewachsene Stein, Kalkstein oder Fels. Die Namen der HöhenrückenKalte Erde" undPfefferrücken" sind sicher kein Zufall. Auch der Mensch hat wenig zur Erschließung dieser stief­mütterlich bedachten Landschaft beigetragen. Kaum eine wirkliche Straße öffnet den Zugang zu diesem verschlossenen Winkel. Meist sind es nur schmale Wege oder Pfade, die ein Dorf mit dem anderen verbinden. Trist und kahl schauen die wenigen Dörfer drein, die in den Falten verstreut liegen. So haben auch die Menschen dieser Landschaft nicht zu spenden vermocht, was die Natur ihr versagt hat. Sie ist weder lieblich noch froh und heiter, son­dern schwermütig, düster und trostlos. Mit einem Wort: melancholisch. Sie bedrückt das Gemüt. Und wenn erst die Winternebel durch die Schluchten wallen, und Sturm und Regen die Wipfel peitschen, dann kann da draußen auch den Mann mit starken Nerven ein Gefühl der Beklemmung beschleichen. Dann wandert das Grauen durch die Landschaft. Hier also, im Norden, sollte der Stoß gegen die Festung geführt werden, der im Frühjahr 1916 Verdun mit einem Schlage zu einem Begriff für die ganze Welt machte.

Die Festung selbst war auch technisch auf der Höhe der Zeit und in bestem Zustand. Rund 20 Forts und 40 Zwischenwerke umgaben sie in einem riesigen Quadrat. Sie alle stammten aus der Jahr­hundertwende. Die wichtigsten Werke namentlich an der Nordostfront waren erst kurz vor dem Kriege gebaut oder auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden. Die stärkste Stelle der

Zur zwanzigjährigen Wiederkehr des Be­ginns der Offensive vor Verdun er­scheint in der Hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg, von Dr. Wilhelm Ziegler, Ober­regierungsrat im Reichsministerium für Dolksaufklärung und Propaganda, eine Dar­stellung der Schlacht von Verdun (Leinen 5,80 Mark). Der Verfasser gibt auf Grund eines umfangreichen Quellenmaterials, zu dem auch die bisherigen Veröffentlichungen von französischer Seite über den Verlaus der Schlacht und insbesondere das französische Generalstabswerk gekommen sind, eine ein­gehende Schilderung dieses gigantischsten Kampfes. Wir veröffentlichten aus diesem genannten spannenden Werk nachstehend einen Auszug.

Wer auf Verdun von der deutschen Grenze her zustrebt, der steht nach einem lan­gen Marsch durch eine dicht besiedelte Ebene plötzlich vor einem langgestreckten Höhenzug. Steil wie eine Mauer legt sich dieser quer vor das Gesichtsfeld. Es ist der etwa 50 Kilometer lange Zug der Cötes Lorraines, der sich wie ein giganti­scher natürlicher Wall vor den Lauf der Maas und damit auch die Festung Verdun schützend vorschiebt. Mehr als 100 Meter liegt der Höhenrand der ,Me", wie sie in der Soldatensprache abgekürzt wurde, durchschnittlich über der Talsohle der Woevre-Ebene. Und die Zinnen dieser natür-

Sturm auf die stärkste Festung der Welt

Die Landschaft von Verdun.

Von Or. Wilhelm Ziegler.

... und nach der Landung zu Tolinski!

Am Stammtisch der Piloten. Aus den Kindertagen der Fliegerei.

lichen Bastion werden ununterbrochen von dichtem Wald gekrönt. Tief dehnt sich dieser Wald nach rückwärts, fast überall bis dicht an die schmalen Windungen des Maas-Tales. Und auf dem anderen Ufer der Maas erhebt sich wieder eine ähnliche Kette natürlicher Sperrforts, gebildet durch Kup­pen, Berge, Schluchten und Wälder. Von hier aus also ist die Festung Verdun durch die Natur ideal begünstigt. Hier ist darum jeder frontale Angriff, fast mit Sicherheit, zum Scheitern verurteilt. Und hier tief in der Ebene, nicht weit weg vom Dach derCote", zogen sich die deutschen Stellungen in der Nord-Südrichtung, als die Front im Herbst 1914 erstarrte.

Anders war die Lage im Norden der Fe­stung. Hier knickte die deutsche Front, fast im rech­ten Winkel, nach Westen um und machte so Verdun zum ausspringenden Eckpfeiler der französischen Ostfront, der sich immer wie eine drohende Schanze auf die deutsche Front richtete. Hier aber, an der Nordfront, schnitten die deutschen Schützengräben auf der Hochfläche derCote" quer durch das Wel­lengelände zu beiden Ufern der Maas. Dicht am Rande der befestigten Zone der Festung, noch im Feuerbereich der Geschütze ihrer Forts, zog sich der Graben der deutschen Front entlang. Dort hatten sich die deutschen Trdppen im Herbst 1914, als sie die Festung beinahe schon umzingelt hatten, festge­bissen, zurückweichend, aber fest an den Gegner an­geklammert. Hier lagen Freund und Feind auf einem Plateau einander gegenüber. Hier war darum auch die einzige Möglichkeit für jeden Feld- t)errn, der sich diesen Stützpunkt als strategisches Ziel auswählte, den Hebel anzusetzen. Denn hier war wenigstens kein wesentlicher Höhenunterschied zu überwinden. Trotzdem war auch nach dieser Front Verdun ein von der Natur selten begünstig­ter Platz. Auch hier war es geradezu eine n a - türliche Festung. Wer dieses Vorfeld der Festung Verdun rechts und links der Maas mit eigenen Augen gesehen, bei jedem Wetter und zu allen Jahreszeiten selbsterlebt" hat, der allein wird diese Feststellung in ihrer ganzen Tragweite ermessen können.

Der französische Schriftsteller Madelin, Mitglied derAkademie" und selbst Verdunkämpfer, sagt von dieser Gegend:Sie ist keine Landschaft, sondern ein Kampffeld (un camp)." Es ist, als ob die

Franz Tolinski, erster Fliegerwirt Berlins, Deutschlands und vielleicht der Welt überhaupt, war der nächste Augenzeuge einer Zeit, in der das Wunder des Fluges wie kaum spater wieder Abenteuer bedeutete. Noch heute betreibt Tolinski in Johannisthal vor dem Flugplatz die vor dreißig Jahren gegründete Schankwirtschaft.

In einem kleinen, eng beschriebenen Tagebuch drängt sich alles zusammen, Chronik und Bericht einer neuen, sich langsam ankündenden und dann jäh heraufziehenden Epoche. Ein kleines Tagebuch ist übrig geblieben von dem großen und ersten Flugmuseum der Welt, das Franz T o - l i n s k i in den Räumen seiner Gastwirtschaft ge­gründet hatte, und das seit langer Zeit als Sonder­abteilung dem Luftfahrtministerium unterstellt wurde. Aber was die toten Dinge in diesen Räu­men nicht mehr bezeugen können, wird im Berichte lebendig, dramatischer und vielfältiger denn je, her­aufbeschworen von einem Zeugen, der von Anfang an im Brennpunkt dieser jäh vorstoßenden Entwick­lung stand.

Er kann erzählen, dieser Tolinski! Da steht wie­der der Hund Pilot vor ihm. Er war ein ehr­geiziger Geselle, dieser Pilot, ehrgeizig wie sein Herr, der oft mit ihm in der kleinen Gastwirtschaft erschien. Es gab kein Flugzeug auf dem Feld, mit dem er nicht oft zum Verdruß der Insassen beim Anlauf vor dem Aufstieg sein, Wettrennen ab­hielt.

Verflogener Reichtum.

Abenteurer aller Welt fanden sich in Johannis­thal und bei Tolinski zusammen. Einer war darunter, Sohn eines steinreichen Fabrikbesitzers, der in nicht ganz einem Jahr 16 0 000 Mark durchbrachte; ein anderer, Peter Siemens, Erbe ausgedehnter Güter in Rußland, erschien mit 26 000 Mark zur Erholung in der Reiechshaupt-

stadt, um neun Tage darauf nicht einen Pfennig mehr zu besitzen und bis zum Eintreffen des Gel­des für die Heimreise bei einem Freund im vierten Stock eines Hinterhauses der Dieffenbachstraße zu wohnen. Den größten Teil des Geldes hatte eine Flugmaschine gekostet, die der Besitzer, des neuen Sports bald überdrüssig, einem Monteur geschenkt hatte, dem er obendrein noch die Flugausbildung bezahlte.

Die ersten Maschinen kosteten durchschnittlich 12 000 bis 14 000 Mark, eine Ausbildung tausend Mark, wenn man jeden Bruchschaden an den Uebungsmaschinen selbst bezahlte. Mit Einschluß einer Versicherung erhöhte sich der Preis gleich um das Fünffache.

Oft genug wurde selber konstruiert. Ein Stamm­gast von Tolinski, Thaddens R o b b l e r, einer der berühmtesten Rennradfahrer der Vorkriegszeit und mehrfacher Weltmeister, verlor und verschwendete sein ganzes Vermögen im Bau von Flugmaschinen.

Aus der Reihe der von Tolinskis Gästen ge­bauten und nie aufgestiegenen, sonderbaren Kon­struktionen wurde besonders der Apparat des Flie­gers T e l s ch o w bekannt, eine Maschine, die wegen ihres ungeheuren Gewichts in Pilotenkreisen den SpitznamenDer Fliegende Brauerwagen mit Erkerwohnung" führte. Die Konstruktion lebte zwei Jahre, 1911 und 1912, und diente für diese Zeit einem sonderbaren Zweck. Telschow, ein starker Trinker, wurde oft am Abend von seiner Frau aus dem Schankraum geholt. Meldeten ihm gute Freunde das Auftauchen feiner Frau, so holte er eilig seine Maschine aus der Halle und rollte im Flugsitz des Vehikels, das nicht zum Fliegen zu be­wegen war, quer über den Flugplatz zu einer dort neu entstandenen Kneipe. Da die Kraft der Pro­peller ihn ein wenig schneller vorwärtsbrachte, als den normalen Fußgänger feine Beine, und die Frau bei der Verfolgung außerdem rund um den Platz mußte, da sie das Feld nicht betreten durfte, hatte Telschow drüben eine Viertelstunde Zeit, um

sein Gelage fortzusetzen. In dem Augenblick, wo die Verfolgerin auftauchte, wiederholte sich das Spiel in umgekehrter Richtung, manchmal drei- bis vier­mal am Abend.

Alles zog nach Johannisthal.

Sv wenig der neueSport" es den meisten mög­lich machte, von sich aus diesem teuren Vergnügen nachzugehen, um so größer war die Anziehungs­kraft, die die er st en flugsportlichen Ver - anstaltungen auf die Berliner Bevölkerung ausübten. 1912 führte der französische Flieger P £ g o u b in Johannisthal bei einem Schaufliegen die ersten Loopings vor. Schon einen Tag vor der Veranstaltung lagerten Tausende von Familien auf den Wiesen und Abhängen um den Flugplatz, um über Nacht draußen zu kampieren. Der nächste Tag brachte einen Massenbesuch wie er nie zuvor bei einer Veranstaltung erreicht worden war. Die ganze Umgebung von Johannisthal war schwarz von Menschen, der gesamte Verkehr mußte umge­leitet werden, da man kaum einen Schritt gehen konnte. Nach vorsichtigen Schätzungen betrug die Zahl der Zuschauer weit über eine Million. Schon allein die zahlenden Gäste auf dem Flugfeld sicher­ten P e g o u d einen Reingewinn von 180 000 Mk.

Nicht Kunstflug allein! Schon im Jahre 1912 sollte der Versuch unternommen werden, in einem Luftschiff den Ozean zu überfliegen. Eine Gesellschaft hatte sich gebildet, die sich von dem Unternehmen Gewinn versprach. Wochenlang führte der ParfevalSuchard", ein halbstarres System seine Probeflüge über Johannisthal aus, bann würben Hülle unb Gonbel verlaben, um von Teneriffa aus nach Amerika zu starten. Als bie Zollbehörben in Teneriffa feftfteUen mußten, baß in einem großen Teil ber Gasflaschen zum Auffüllen bes Luftschiffes wertvolle Schmuggelware versteckt worben war, würben Hülle unb Gonbel beschlagnahmt. Die gerichtlichen Streitigkeiten zogen sich hin, ber Krieg kam dazwischen ... DieSu­chard" kehrte nie mehr nach Deutschland zurück. Erhalten von ihr blieb ein Photo, das noch heute in der Gaststube von Franz Tolinski hängt, einem unscheinbaren und nur durch die zahlreichen Bilder auffälligen Raum, in dem doch die berühm­testen Flieger und Konstrukteure der ganzen Welt, die Gebrüder Wright, die ersten Aermelkanal- bezwinger und die berühmtesten deutschen Kampf­flieger Jmmelmann, Richthofen, Boelke verkehrt haben.

Hitler und Göring als Paten in einer Familie.

LPD. Herborn, 20. Febr. Beim zehnten Kinde der Eheleute Vinzenz Rinker in dem Westerwaldort Rennerod hat Ministerpräsident Göring jetzt die Patenschaft übernommen. Ehren­pate des neunten Kindes ist der Führer und Reichskanzler.

Bahnbau Rabenscheid-Breitscheid.

LPD. Dillenburg, 20. Febr. Wie bie Jnbu- strie- unb Hanbelskammer Siegen-Olpe-Dillenburg mitteilt, hat bie Deutsche Reichsbahn-Hauptverwal­tung ben Vertrag zwischen bem Dillkreis, ber Nassauischen Lanbesbank unb ber Deutschen Reichs­bahn-Gesellschaft rechtskräftig unterzeichnet, wonach bie Reichsbahn-Hauptverwaltung sich verpflichtet, ben Bahnbau Rabenfcheib-Breitfcheid unverzüglich fertigzustellen. Damit ist es nach großen Schwierigkeiten bem Zusammenwirken ber beteilig­ten Stellen, nämlich ber Jnbustrie- unb Hanbels­kammer, bem ßanbrat bes Dillkreises unb ber Partei gelungen, biefes für bie Wirtschaft unb ben Kampf gegen bie Arbeitslosigkeit so bebeutfame Projekt burchzusetzen. Die Ausschreibungen zum Bau ber Strecke finb zum Teil vorgenommen, in Haiger ist bereits ein Baubüro errichtet. Spätestens in ben ersten Tagen bes Monats März wirb mit ben Ar­beiten begonnen.

Lady Windermeres Fächer".

Gloria-Palast.

Die englische Literatur von Shakespeare bis Shaw unb Wilbe ist gegenwärtig bei uns in Deutschlanb aufsallenb beliebt. Die Grünbe bafür sind verschiebener Art. Was Shakespeare betrifft, fo haben wir neulich ausführlicher barüber gesprochen; was Shaw und Wilde angeht, so kommen für deren wieder zunehmende Beliebtheit, die sich in Neubear­beitungen und steigenden Aufführungsziffern aus­drückt, verschiedene Motive zusammen: beim The­ater ein Mangel an typischen Gesellschaftsstücken dieser repräsentativen Art, beim Film ein Mangel <m brauchbaren Drehbüchern überhaupt (auch davon war wiederholt die Rede), für beide außerdem wohl die mit Recht oder Unrecht, bleibe dahingestellt vermutete Aktualität der hier verarbeiteten Stoffe. Die Neubearbeitung der Gesellschaftsstücke von Wilde verdanken wir Karl L e r b s, eine Probe davon erlebten wir kürzlich auf dem Theater mit derFrau ohne Bedeutung". Seine Theater­fassung derLady Windermere" liegt auch dem Film zugrunde, und ebenso schrieb Lerbs zusammen mit Bernd Hofmann und Herbert B. Freders­dorf das Drehbuch für die Rota. Die Lady Win­dermere kann als Parallelfigur zu jener Mrs. Arbuthnot gelten; sie ist, im Sinne Wildes, eben­falls eine Frauohne Bedeutung", das heißt also eine Frau mit einer Vergangenheit, eine, die in­folgedessen außerhalb der Londvner Gesellschaft steht. DieseGesellschaft" ist der gespenstige Be­griff, gegen den Wilde (der selber, in feiner guten Zeit, mittendrin stand) immer wieder Sturm läuft. Nicht ohne innere Berechtigung, denn er hat es auch auf das Bitterste an sich erfahren müssen, was cs heißt, von dieser Gesellschaft ausgeschlossen und geächtet zu sein. Wenn man ihr einmal angehört hat, ist es unendlich schwer, wenn nicht unmöglich, wieder zugelassen, empfangen, in Gnaden aufge­nommen zu werden: das muß Mrs. Erlynne ebenso erfahren wie Mrs. Arbuthnot und wie Wilde felber. Mrs. Erlynne wagt einen letzten, verzwei­felten Versuch, es gelingt ihr auch, aber sie gibt die eben gewonnene Position freiwillig wieder auf fie opfert sich um ihrer Tochter willen, der sie das pleirhe bittere Schicksal ersparen will. Und Lady Winoermere ahnt weder, wer die Frau ist, der sie ihr Glück, ihren Frieden und die Liebe ihres (Batten verdankt, noch auch, wie nahe sie daran war, selbst Ben Boden unter den Füßen zu verlieren, lieber Wert ober Unwert dieses und der anderen Wilde- jchen Stücke, über ihre Bedeutung für uns und un­

sere Gegenwart zu sprechen, würde hier zu weit führen. An die Aktualität der gesellschaftskritischen Elemente glauben wir bei Wildes Schauspielen so wenig wie etwa beiPygmalion"; wohl aber an ihre noch immer ungebrochene Theaterwirkung. Um die zu spüren, wäre allerdings weder hier noch dort eine Verfilmung nötig gewesen. Sie ist nun aber gemacht worden, und man darf zugeben, daß die Hersteller, in Drehbuch und Regie, ihr Möglichstes getan haben, um den Fall auf ihre Weise zu lösen. Der Film geht von der Vorgeschichte aus, beginnt mit Mrs. Erlynnes Leben in Neu- york, und der Regisseur hat hier seine Chance genutzt, durch Ueberblenöungen kontrastreiche Ge­genüberstellungen zu schaffen, die dem Theater räumlich versagt sind. Das hat der Regisseur Heinz Hilpert gut erfaßt. Zwar kommt das Ganze auf diese Art etwas schwerfällig in Gang; sobald es aber einmal in Gang ist, befindet sich Hilpert auf der Höhe: da gelingt es ihm, jenen eigentlich un­greifbaren Begriff der Gesellschaft, um den alle Vorgänge kreisen, unheimlich lebendig zu machen und vor allem auch die berühmte Fächer-Szene ihre erregende und spannende Wirkung ausstrahlen zu lassen. Mrs. Erlynne ist Lil D a g o v e r. Die Rolle ist wie für fie geschaffen, und wir haben sie selten so gut und lebendig, mit so abgestuftem Aus­druck spielen sehen wie hier, wo sie nicht allein eine schöne und überaus elegante Dame zu spielen hat, sondern zugleich auch eine gehetzte Frau mit einem geängstigten, zu Selbstaufgabe und Opfer bereiten Herzen. Hanna Waag, die wir hier längere Zeit nicht mehr sahen, gibt die Lady Windermere, und auch von ihr darf wohl gesagt werden, daß gerade diese Rolle ihrer darstellerischen Eigenart und Per­sönlichkeit vollkommen entspricht: fie wirkt sehr zart und gepflegt, untadelig in der Haltung einer wirk­lichen Lady, dabei sparsam, zuletzt aber erfreulich gelöst im Gefühlsausdruck. Von den männlichen Rollen erwiesen sich im Sinne Wildes Walter Rilla (Windermere), Odemar (Augustus) und Salfner (Berwick) als die am charakteristischsten herausgearbeiteten Gestalten. Vom großen Ensemble seien noch Carl Günther, Karchow, Schrei­ber, Ilse F ü r ft e n b e r g , Olga ß i m b u r g unb Aribert Wäscher hervorgehoben.

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Im Beiprogramm: die Ufa-Tonwoche mit einem großen Bildbericht von der Olympiade in Garmisch, auf der Bühne fanden die Darbietungen eines Rollschuh-Balletts freundlichen Beifall.r