Aepfel 20 bis 25, Kirschen 70 Pf., Erdbeeren 2 Mark, Suppenhühner 85 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 60, Blumenkohl 60 bis 70, Salat 10 bis 15, Salat- aurken 30 bis 50, Oberkohlrabi 15 bis 20, Sellerie 10 bis 35, Lauch 5 bis 10, Rettich, das Bündel 15 bis 20, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf.
• * Silberne Hochzeit. Am morgigen Donnerstag, 21. Mai, können der Kraftfahrer Louis Geiler und Frau, Wiesenstraße 11 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Der Jubilar hat sich im Kavallerie-Verein Gießen durch langjährige Mitarbeit um die Allgemeinheit verdient gemacht. Das Jubelpaar ist seit 25 Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers.
* * Maienblasen. Vom Turme der Stadt- k i r ch e wird heute ab 19 Uhr folgendes dargeboten: 1. Choral „O Gott, du frommer Gott" (Meiningen 1693); 2. „Abschied vom Walde" (D Täler weit o Höhen); 3. „Der Lindenbaum" (Am Brunnen vor dem Tore), Volksweise von Schubert.
* * Betriebsausflug. Die Betriebsgemeinschaft der Münchow'schen Druckerei (Pilgermifsion St. Chrischona) machte — wie uns berichtet wird — am Samstag einen Betriebsausflug mit dem Kraftomnibus. 35 Fahrtteilnehmer fuhren morgens mit dem Omnibus noch Frankfurt a. M., besichtigten
dort die Autobahn, anschließend den Betrieb der Bauerschen Schriftgießerei. Sodann wmHe die Fahrt mit mehreren Ruhepausen über Wiesbaden, Winkel, Rüdesheim, Bingen, Koblenz, Ems, laynaufwärts zurück nach Gießen fortgesetzt. Für ein gutes Gelingen der Fahrt war alle Vorsorge getroffen, so daß der Gemeinschaftsausflug nach jeder Richtung hin außerordentlich befriedigend.verlief.
** Eine Mahnung an säumige Zahler erläßt die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil. Zahlungspflichtige seien auf dre Bekanntmachung besonders hingermesen.
Amtsgericht Gießen.
Der einschlägig mehrfach vorbestrafte 38jährige Karl Väth aus Trohe hatte sich wegen schweren Rückfalldiebstahls zu verantworten. Der Angeklagte hatte im Januar einem weitläufigen Verwandten zur Nachtzeit aus dessen Nebenraum Eier, Speck und Butter entwendet, die er in Gießen verkaufte; den Erlös setzte er in Alkohol um. Das Gericht verurteilte ihn unter Annahme mildernder Umstände zu einer Gefänisnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten, sowie zur Kostentragung.
Tage des Lustsports.
Am 2 3. und 24. Mai soll Deutschland wiederum im Zeichen des L u f t s p o r t s stehen. Der Reichsluftsportführer tritt an diesem Tage mit seiner gesamten Organisation an die Volksgemeinschaft heran, um für den L u f t s p or t g e d a n k e n zu werben. Diese Werbung ist mit dem Vertrieb von besonders geschmackvollen Werbeabzeichen in Häusern und auf Straßen verbunden. Roch immer war der Appell des deutschen Lustsports an die Opferfreudigkeit aller Dolksgenosien ein voller Er- folg, denn der Wichtigkeit und des Wertes einer starken Lustgeltuntz ist sich die deutsche Dolksge- meinschast gerade jetzt besonders bewußt.
Der Führer und fein Reichsmlnlfler der Luftfahrt haben seit dem Iahre des Umbruchs dem Luftsportgedanken mächtigen Impuls verliehen, denn über den Luftfport, der durch den Versailler Vertrag ohnmächtig darniedertag und der zerklüftet und zersplittert vor 1933 nur ein kümmerliches Dasein fristete, der aber dann zu einer starken Einheit verschmolzen wurde, führt der Deg zur fliegenden Nation.
Durch den Luftfport erhäll beste deutsche Jugend das vorfliegerische Rüstzeug, welches ihr dann in der Luftwaffe, die den Frieden des Reiches zur Lust schirmt, zugute kommt. Der deutsche Luftsport ist das große Sammelbecken all der Männer, die dem Daterlande in der Luftwaffe gedient haben. Großes ist auf allen Gebieten des Lustsports —
Modellflug, Segelflug, Motorflug, Ballonwesen — seit 1933 geleistet und geschaffen worden.
Besonders die Jugend ist Trägerin des Luftfahrtgedankens. In überströmender Begeisterung eilt sie zu den Fahnen des deutschen Luftsports. Verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen Reichsluftsportführer, Reichsjugendführung und der Erzieherschaft gibt die Grundlage für die einheitliche Erfassung der jungen Kräfte vom 10. Lebensjahre ab.
Handwerkliche und fliegerische Betätigung im Lust- sport gehen Hand in Hand. In Reichsfchulen des deutschen Luftsports für <5egelfhig, Segelflugzeugbau, Modellbau und Sportflug mirb beste Auslese als Führernachwuchs geschult: Neue Gebiete luft- fportlicher Betätigung werden erschlossen. Fliegen mit Heißluftballonen und Menschenkraft weisen große Zukunstsziele. Den luftsportlichen Bestrebungen muß und wird das ganze deutsche Volk Helfer und Förderer sein.
wenn dich, deutscher Volksgenosse, am 23. und 24. Rlai der deutsche Lustsport ruft, um ihm zur Erfüllung feiner großen Aufgaben wie bisher ein kleines Scherflein zu opfern, damit deutsche Lustgeltung gefördert und auch der deutsche Luftsport für das wohl des Vaterlandes einsatzbereit sein und bleiben kann, so wird dieser Appell nicht ungehörk verhallen. Luftfport ist Sache des ganzen Volkes, aus Lufffportgeist ist feder Flug geboren.
3. Reichsnährstands-Ausstellung.
Massenbesuch am Dienstag. - Reichhaltige Darbietungen. — „Bomben überm Bauernhof.
LPD. Frankfurt a. M., 19. Mai. Die Reichsnährstands-Ausstellung wartete heute mit einem sehr interessanten Programm auf. Besonders die Vorführungen im Vorführungsring und im Rahmen des Reit-, Spring- und Fahrturniers beanspruchten die größte Aufmerksamkeit. Auf den Ehrenplätzen sah man Reichsbauernführer R. Walter Darrs, Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, Oberbürgermeister Dr. Krebs und viele andere Mitglieder der Bewegung, besonders viele höhere Führer der SS. und der SA., ferner Vertreter der Wehrmacht, des Luftschutzes und der Sportbehörden.
Nachdem das schwere Jagdspringen um den „Preis des Reichsnährstandes", um den sich eine große Zahl von Pferden mit ihren Reitern beworben hatten, in Hartern Stichkarnpfe von Rittmeister S a h l a auf „Posidonius" in einem fehlerlosen Ritt und in ausgezeichneter Zeit gewonnen worden war, bevölkerten 4 00 Jungbauern und Jungbäuerinnen aus allen deutschen (Bauen den Vorführungsring und entzückten mit ihren exakten Darbietungen. Abwechselnd wurden
sportliche Leistungen gezeigt, bann wieder ländliche Tänze, wobei die Jungens in roten Westen, weißen Hemden und schwarzen Hosen antraten, die Mädels im blauen Mieder und weißen Röcken, ein schöner Anblick. Die Jungens sprangen über drei, fünf und sieben Mann und zeigten, daß die Leistungen des bäuerlichen Menschen bei richtiger Anleitung hinter denen der Städter in keiner Weise zurückzutreten brauchen. Mit den Volkstänzen der Neuhauser Schülerinnen wurde gezeigt, in welch starkem Maße der Sinn für rhythmische Bewegungsabläufe in der bäuerlichen Jugend vorhanden ist. Die Leistung dieser jungen blonden Menschen ist um so beachtlicher, als sie bisher fast noch keine regelmäßigen Leibesübungen betrieben haben. Der Reichsbauernführer war mit den gezeigten Leistungen außerordentlich zufrieden und drückte dies auch' anläßlich des Empfangs des deutschen Olym- piasiegers und Jungbauern Franz Pfnür aus, der ebenfalls an diesen Hebungen teilgenommen hatte.
Es folgte darauf je eine Quadrille der 49. SA.- Reiterstandarte und der 10. SS.-Reiterftandarte,
die mit Schneid und reiterlichem Können vorgeführt wurden. Diese leiteten über zu Vorführungen der SS.-Verfügung struppen der II. SS. 2, Arolsen. Schneidig und exakt wurden die Kommandos ausgeführt und dabei Leistungen gezeigt, die ans Wunderbare zu grenzen scheinen. Dann folgte die Hauptdarbietung des heutigen Tages:
„Bomben überm Bauernhof."
Es handelt sich um ein praktisches Beispiel bäuerlichen Selbstschutzes für die Zukunft. Die 2. SS.- Standarte führte diese Lustschutzübung in ausgezeichneter Weise vor. Innerhalb von wenig mehr als 10 Minuten war ein Teil eines Bauerndorfes mit Attrappen und Kulissen fjergefteüt. Aus dem Felde daneben arbeitete die Bevölkerung, und ein Blick in das Dorf zeigte, daß nur ältere Frauen und Männer und spielende Kinder zu Hause waren. Da erscholl Fliegeralarm. Der Hauswart gibt ihn gleich weiter und bringt die vom Felde ins Dorf geeilten Bewohner des Bauernhofes in einen schon vorsichtshalber hergestellten Schutzgraben unter. Das Wasserfaß wird bereitgestellt, alles unnötige Gerümpel ist beiseite geschafft, und nun ist man gerüstet. Da, plötzlich erscheinen auch die feindlichen Flieger, drei Stück an der Zahl, und sie werfen nicht weniger als 5 Bomben auf den Hof. Brandbomben setzen die Scheune in Brand und verschütten auch einen Teil des Wohnhauses. Auf den Hof fallen
Gasbomben und verpesten die Luft. Jetzt tritt der umsichtige Luftschutzwart in Tätigkeit. Mit einem Blick stellt er fest, daß er mit seinen wenigen Helfern nicht imstande ist, hier wirksam eingreifen zu können. Er alarmiert zunächst die Löschgemeinschaft, die auch prompt zur Stelle ist. Und nun geht es mit vereinten Kräften an die Arbeit. Zuerst Gasmasken her, bann werden die Stellen, auf denen die Gasbomben aufgefallen sind, durch Dung wenigstens vorläufig und aushilfsweise unschädlich gemacht. Der Brand wird mit dem Handlöscher bekämpft, und da zeigt es sich, wie gut es ist, daß Wasser zur Stelle ist. Allmählich wird man Herr der Situation. Jetzt werden auch die in den Schutzgräben versteckten Dorfbewohner zur Hilfeleistung herangezogen, denn die Flieger sind abgezogen. Die Verwundeten werden geborgen, die Pferde hat man schon längst in Sicherheit gebracht, und nachdem das letzte Fünkchen ausgetreten und der letzte Verwundete verbunden ist, kann man die Lage Überblicken und dabei die Feststellung machen, daß durch die Bereitschaft des Luftschutzes viel Unhell verhütet worden ist.
Mit Interesse und Spannung wurde bie Hebung verfolgt, und mancher Bauer und Landwirt wird von dieser Hebung bie Heberzeugung mit nach Hause nehmen, baß der Luftschutz doch em sehr wichtiges Ding ift
Eine Parade der SS. -Derfügungs- truppe beendete die prachtvollen Darbietungen.
Die Deutsche Meilsswnl tagte in Frankfurt a.I.
NSG. Am Samstag tagte im Frankfurter Palmengarten die Deutsche Arbeitsfront. Zu dieser Tagung waren bie Kreiswalter, Kreisberufs- walter, Verwaltungsstellenwalter, Kreiswalter „Kraft durch Freude" und bie Betriebswalter bes Gaugebietes erschienen. Es sollten hier den Männern, bie für bie Arbeit im Gau oerantworllich sind, die Richtlinien für die Arbeit der kommenden Monate gegeben werden. In einer Reihe von Einzeltagun- gen wurden durch den Gauwalter Willy Becker, den Treuhänder der Arbeit Schwarz und den Gauwirtschaftsberater E ck a r b t den verschiedensten Amtswaltern ihr Sondergebiet noch einmal aufge»
Parteigenosse Becker sprach von den Ausgaben, bie den Männern, bie an der oorberften Front im Wirtschaftsleben stehen, gestellt würben. Die Eini- guna bes ganzen Volkes und Bildung der großen Volksgemeinschaft sei eine der wichtigsten Aufgaben, bie überall durchgeführt werden müsse. Hierbei habe jeder einzelne, gleichgültig, an welchen Platz er gestellt sei, mitzuarbeiten. Jeder deutsche Volksgenosse habe ein Anrecht auf Arbeit, aber auch eine Pflicht zur Mitarbeit.
Gauwirtschaftsberater (E cf ar b t erläuterte zunächst die Gliederung und Aufgaben des wirtschaftspolitischen Apparates der Partei und ging bann auf akute Fragen der Wirtschaftspolitik ein. Ausführlicher behandelte er die Tätigkeit der Juden in der deutschen Wirtschaft und im Außenhandel und ersuchte zum Schluß die anwesenden Betriebsführer, auch im Außenhandel stets so aufzutreten, daß sie vor dem Führer, auf den sie verpflichtet sind, bestehen können.
Treuhänder der Arbeit Schwarz dankte zu Be- ainn für das Verständnis, das sowohl bei Betriebsführern, als auch bei den einzelnen Dienststellen für bie sozialpolitischen Aufgaben seines Amtes vorhanden sei. Viele Maßnahmen, bie man im Anfang als unzweckmäßig verschrieen habe, wolle man heute nicht mehr missen. Er streifte bann die Lohn- und Preispolitik, die bis heute stabil geblieben fei. Ein Teil der Betriebe, bie vor einigen Jahren noch voller Schulden gewesen seien, sei heute gesund geworden, und ihre finanzielle Lage habe sich wesentlich gebessert Auf der anderen Seite sei die Erwerbslosigkeit rücksichtslos bekämpft worden, und dieser Kamps habe bie besten Erfolge mit sich gebracht. Heberall sei wieder Arbeit und Brot geschaffen worden. Daneben sei auch bie Stund en- beschäftigungszahl ganz bedeutend gestiegen. In den Betrieben sei eine wesentliche Beruhigung eingetreten, so daß man wieder mit aller Macht an die wirtschaftlichen und sozialen Probleme gehen könne. Das Vertrauen zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft sei wieder zurückgekehrt und Treu und Glaube habe wieder den Änzug in die deutschen Betriebe gehalten.
Für die Rechtsberatungsstelle sprach Parteigenosse D e h e, der bie Ausgaben dieser Stelle eindeutig klar legte.
KdF.-Tagung.
NSG. Im Rahmen der großen Tagung der Deutschen Arbeitsfront im Palmengarten patte der Gaurn art der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", von Rekowfki auch sämtliche Kreiswarte „K. d. F." zu einer Sondertagung zusammen» gerufen.
In einer einleitenben Ansprache hob Parteigenosse von Rekowski die besondere Bedeutung dieses größten Feierabendwerkes der Welt für bie kulturelle Gestaltung und bie befördere Verantwortung jedes einzelnen Kreiswartes im Rahmen dieser Arbeit hervor.
Im Anschluß hieran aing der Leiter bes Sport- amtes Jung auf bie Arbeit der NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freude" auf bem Gebiete des Sportes ein und unterstrich bie Leistungen des Sportamtes in den letzten 2 Jahren. Er forberte von allen Kreiswarten tätige Mitarbeit, damit bas Ziel, ein starkes, kräftiges und gefunbes Volk zu schaffen, verwirklicht werben könne. Im Einzelnen erläuterte er sodann bie organisatorische Frage, bie mit der stärkeren Betätigung der NS.-Gemeinschaft ,Kraft burch Freude" auf diesem Gebiete unseres nationalen Leden zusammenhänge.
ßanbesobmann und Gauwalter Becker betonte in einer längeren Ansprache seinen Willen, der NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube" seine verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Jeder, der hier mitarbeite an der Verwirklichung der gestellten Aufgaben, dürfe stolz sein, dieser Organisation anzugehören. Es müffe jedoch auf bet anberen Seite verlangt werben, daß jeder sich restlos für seine Arbeit einfetze und ein Beispiel gebe für alle Volksgenossen. Eingehend auf die Veranstaltungen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" unterstrich der Landesobmann die Notwendigkeit, sich von den Gepflogenheiten der Vergangenheit abzuwenden und den Veranstaltungen ein Niveau zu geben, das unserer Weltanschauung entspreche. Nur auf diesem Wege könne das Ziel erreicht werden, das deutsche Volk zu einer neuen Kultur zu erziehen und das gesamte Volk zum Träger dieser neuen Kultur zu machen, indem man es Anteil nehmen lasse an ollen kulturellen Leistungen der Nation. Dann wandte sich Gauwalter Becker der Pflege des Sportes im Rahmen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zu, die mit ihrer Arbeit das Ziel verfolge, gesunde Manner und gesunde Frauen und damit ein gesundes Volk heranzubilden. Er schloß seine Ausführungen mit einem Appell an bie Rreisroarte, in vorbildlicher Arbeit an der Verwirklichung ber Ziele der NS.-Gemeinschaft J?raft durch Freude" mitzuhelfen.
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ORoman von Marlise Kölling.
Urheberrechtsschuh: Verlag Oskar Meister, Werdau.
20 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Benedikte sah im Garten unter bem großen Fliederstrauch. Er stand jetzt in voller Blüte und sandte Wolken von Duft hernieder. Sie saß, mit einer Schale Gemüse im Schoß, und putzte eifrig an den ersten Mohrüben.
Es war so still und ftiedlich. Aus der Schule nebenan hörte sie Kinderstimmen. Sie fangen ein fröhliches Lied, begleitet von der Laute Jens Petersens.
Benediktes Herz war warm vor Zufriedenheit. Es war so schön, hier zu fitzen und den liebsten Mann da drüben zu wissen. Wäre nur nicht die Spannung zwischen ihr und Hans-Hermann gewesen!
Da knarrte das Gartenpförtchen. Das war sicher Josua mit der Milch vom Gute.
„Bist du es, Josua?" rief sie. Sie konnte von ihrer Fliederlaube aus den Eingangsweg nicht übersehen.
Schritte tarnen näher. Uni) nun ließ Benedikte fassungslos das Messer in die Mohrrübenschüssel fallen. Das war doch eine Unverschämtheit sondergleichen. Da stand doch dieser zudringliche, ekelhafte Mensch vor ihr! War es nicht genug, daß er sie damals in Berlin belästigt hatte? Wie konnte er es wagen, hierher zu kommen?
Der Fremde lächelte und schien gänzlich unbefangen.
„Habe ick die Ehre, mit Fräulein Zedlitz zu sprechen?" fragte er und verbeugte sich.
Benedikte vermochte nichts zu äußern.
„Gnädiges Fräulein", sagte der Unbekannte, „gestatten Sie, daß ich mich oorstelle und Ihnen erkläre, warum ich es wage, hier einzudringen? — Steffens, Maler. Ich bin oben auf der „Burg" zu Gast und hörte, daß Ihr verstorbener Herr Onkel auch Maler gewesen wäre. Ich besinne mich jetzt ganz deutlich, ich habe einmal Bilder von Herrn Hubert Zedlitz in einer Ausstellung gesehen und fehr bewundert, und darum erlaube ich mir die Frage,
ob Sie mir einmal etwas von der künstlerischen Hinterlassenschaft Ihres Herrn Onkels zeigen würden. Ich hoffe, ich störe nicht, gnädiges Fräulein?"
„Sie stören mich durchaus, Herr Steffens", fügte sie eifrig. „Ich glaube, ich habe es Ihnen in Berlin deutlich genug gemacht, daß ich von Ihnen nicht belästigt zu werden wünsche!"
„Verzeihung, wie bitte?" fragte Steffens scheinbar ganz entgeistert. „Ich hätte Den Vorzug gehabt. Sie m Berlin schon gesehen zu haben? Aber da irren Sie sich, mein gnädiges Fräulein, da täuschen Sie sich vollkommen/
Diese Unverschämtheit wurde Benedikte denn doch zu Diel. Ihre Stimme bebte:
„Ich verstehe schon, daß Sie es vorziehen, sich nicht zu erinnern. Aber vielleicht fällt es Ihnen ein, daß Sie mich vor Monaten am Potsdamer Platz in einer Weise behelligt haben, die man einem anständigen Menschen niemals zutrauen würde. Und nun haben wir uns wohl nichts mehr zu sagen."
Steffens Gesicht wurde immer erstaunter:
„Ein unbegreiflicher Irrtum! Ich soll Sie am Potsdamer Platz — aber ich bin ja seit einem halben Jahr überhaupt nicht mehr in Berlin gewesen. Ich habe zu Studienzwecken in Italien und Griechenland geweilt und bin erst vor wenigen Wochen nach Deutschland zurückgekommeü."
Er schaute sie an. Plötzlich faßte er sich an den Kopf:
„Du lieber Gott", sagte er, „Fräulein Zedlitz, ich habe für alles das nur eine Erklärung, eine sehr bittere, schmerzliche allerdings. Ich habe einen Stiefbruder. Er gleicht mir fast aufs Haar und wir sind wohl schon ein dutzendmal miteinander verwechselt worden. Mein Stiefbruder Albin Steffens war allerdings den ganzen Winter über bis vor kurzem in Berlin. Ich kann es mir nicht anders zusammenreimen, als daß er sich Ihnen in unehrbietiger Weise genähert hat. Er ist leider ein sehr leichtsinniger und unüberlegter Junge. Wenn er es gewesen fein sollte, bann gestatten Sie mir, Sie für lbn um Entschuldigung zu bitten. Und gleichzeitig möchte ich Sie bitten, lassen Sie es mich nicht ent- llelten — ich kann ja schließlich nichts dafür."
Benedikte starrte den Mann an, der in so überlegener Weise das Gespräch führte und ihr seinen Willen aufzwang.
„Nein, Sic können bann wirklich nichts dafür."
Benedikte sagte es ganz verwirrt. Sie schämte sich schrecklich. Und sie hätte doch schwören mögen, daß dieser Mann, der jetzt vor ihr stand und jener Unverschämte in Berlin ein und derselbe waren. Aber es gab solche Ähnlichkeiten! Sie entsann sich selbst aus ihrer Zeit im Landschulheim, daß da zwei Schwestern Regle aus Heilbronn gewesen waren, deren eine der anderen so ähnlich sah, daß es noch nach Wochen weder Lehrerinnen noch Schülern gelang, die beiden auseinander zu halten.
Sie mußte sich wohl bei diesem Maler entschuldigen.
„Verzeihen Sie, dann allerdings — — meine Worte jedenfalls galten nur dem Unverschämten."
Sie reichte Steffens die Hand, die er ehrerbietig ergriff:
„Vielen Dank, daß Sie mich den Aerger über meinen Stiefbruder nicht entgelten lassen, Fräulein Zedlitz."
Steffens' Stimme war warm, aber um keinen Ton zu vertraulich.
„Würden Sie mir also meine Bitte erfüllen und mir die Werke Ihres Onkels einmal zeigen? Ich nehme an, daß noch verschiedenes da ist."
„Gern, allerdings, Herr Steffens — —" Benedikte sah auf die Uhr.
„Ich störe Sie, Sie haben jetzt keine Zett. Wann darf ich wiederkommen?"
„Vielleicht morgen nachmittag, Herr Steffens? Um vier Uhr?"
„Sehr gern, gnädiges Fräulein. Also, vielen Dank!"
Steffens zog seinen Hut und ging.
Benedikte schaute ihm nach. Aha, er hatte wohl dort draußen gemalt Seine Staffelei stand auf- gebaut, Farbentuben lagen umher, selbst ein Feldstuhl, auf dem sich jetzt der kleine Bud vom Müller Schröder niedergelassen hatte, war vorhanden. Jetzt hörte Benedikte Steffens etwas zu dem Buben sagen, die beiden packten das Malgerät zusammen und wanderten dem Norderende und der „Burg" zu.
Benedikte stand immer noch und sah nachdenklich auf die sich entfernenden Gestalten. Da ging er nun, vor dem sie sich die ganzen Wochen gefürchtet hatte. Und nun war diese Furcht mit einem Schlage gänzlich grundlos geworden. Sie hätte sich selbst aus- lachen mögen. Und doch, sie konnte sich nicht helfen, die geradezu unheimliche Aehnlichkeit dieser beiden
Geschwister war ihr irgendwie unangenehm, wenn nicht verdächtig. Sie hatte sich eben in ihre Abneigung gegen biejen Stiefbruber schon so hinein- gefteigert, daß sie dem unschuldigen Doppelgänger einfach nicht gerecht werden konnte.
„Wir bekommen morgen nachmittag Besuch, Tante Giesecke", erzählte sie Röschen Giesecke, bie in ber Küche beschäftigt war. „Da ist mir vorhin ein Herr Stessens oben von der „Burg" ins Haus geschneit. Er ist Maler und möchte gern die hinterlassenen Bilder von Onkel Hubert sehen."
„Wann kommt er denn, Kindchen — zum Kaffee?"
„Dazu habe ich chn nicht aufgefordert."
„Aber Kindchen, wenn sich hier auf der Insel jemand anlagt, dann muß man ihn immer zu einer Mahlzeit ausfordern. Das ist hier so Sitte. Frei- üch", fügte sie nachdenklich hinzu, „bie Leute da oben auf der „Burg" find immer alle sehr für sich. Sie glauben, erst tarnen sie und bann lange nichts — und bann erst- die anderen Inselbewohner."
„Den Eindruck hatte ich aber von diesem Steffens gar nicht — nur so im ganzen: furchtbar sympa- thisch ist er mir gerade nicht. Wir werden ihm Onkel Huberts Bilder zeigen und damit fertig!"
♦
Hans-Hermann Zedlitz saß hoch oben am Waldrand des Norderende. Er hatte ein Buch neben sich liegen, in das er aber schon eine ganze Weile nicht hineingeschaut hatte.
Sein hübsches, etwas weichliches Gesicht zeigte einen ausgesprochen verdrossenen Ausdruck. Er haderte mit sich, mit der ganzen Wett, mit Benedikte. Wenn er an den Schulmeister dachte, bann stieg ihm ber Zorn in die Stirn. Seitdem er jene Ausspracke mit Benedikte gehabt hatte, gingen sie beide aneinander vorbei, und keiner fand das richtige Wort zum Einlenken.
Begriff sie denn in feinem Trotz noch immer nicht, daß er nicht ohne sie auskommen konnte? Mußsie sie denn immer mit diesem Schulmeister zusammen sein? Was hatte sie an diesem Menschen? Einsilbig, wortkarg, bäurisch — es gab nichts, was Hans- Hermann in seiner Wut an Jens Petersen gut gefunden hätte. Mit wem ging das Mädel nach Feierabend spazieren? Mit Jens Petersen! Wen fragte sie um Rat, wenn etwas war? Jens Petersen! Unb was war man selber für sie? (Fortfi folgt)


