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leüerlvigr Verspiel die Musizierfteudigkeit zu wecken. So hörte man mit großer Freude ein schönes Trio für Flöten, Geigen und Celli, ein Duett für zwei flöten, eine Phantasie für Flöte und Klavier, die von einer der Schülerinnen sogar selbst komponiert worden war. Ferner brachten die Mädchen Lieder zu Gehör, zum Teil mit instrumentaler Begleitung, und erzielten damit gute Wirkungen. Den Abschluß der musikalischen Unterhaltung bildete ein Lieder­spiel, an dem sich alle Schülerinnen und auch die Mitglieder des Lehrkörpers beteiligten. Das Spiel verfehlte in seiner vielfältigen Klangwirkung der Stimmen und Instrumente den starken Eindruck auf die Zuhörer nicht.

Es war ein beglückendes Bild freudigen Musizie­rens, das sich in dieser Stunde bot, und alle, die da­bei fein konnten, dürften in dem Bewußtsein nach Haufe gegangen sein, daß es um die Zukunft der Hausmusik nicht schlecht bestellt ist, wenn in der (schule in solchem Geiste gearbeitet wird.

Freiwillige für oas Heer.

DNB. Das Oberkommando des Heeres gibt be­kannt: Die Annahme von Meldungen Freiwilliger für die Einstellung im Herbst 1937 wird am 15. Ja­nuar 1937 abgeschlossen. Später eingehende Meldun­gen können nicht mehr berücksichtigt werden. Be­werber, die sich erst kurz vor Meldeschluß bewerben, laufen Gefahr, infolge Besetzung aller Freiwilligen­stellen nicht mehr berücksichtigt zu werden. Desha'b wird allen Bewerbern angeraten, sich sofort schrift­lich bei dem Truppenteil zu melden, bei dem sie ein­treten möchten. Alles Nähere erfahren Bewerber auf demMerkblatt für den Eintritt als Freiwilliger in das Heer", das auf Verlangen von den Wehrbezirks­kommandos, Wehrmeldeämtern und von allen Trup­penteilen des Heeres kostenlos abgegeben wird.

Ein ernstes Mahnwort an die Hausfrauen.

NSG. Die Ehrfurcht vor dem, was deutscher Bau­ernfleiß in harter Arbeit unserer Heimaterde ab­ringt, muß wieder in jedem von uns lebendig wer­den. Das ist eine Aufgabe aus dem ureigensten Bereich unserer Mütter und Hausfrauen. Sie sollen ihren Kindern von klein auf die Ehrfurcht vor dem Brot anerziehen und nicht dulden, daß sie auch nur ein Stück vertrocknen lassen ober wegwerfen. Und das gilt für alles, was aus der deutschen Scholle wächst, zur Ernährung unseres Volkes dient und damit Gemeingut des ganzen Volkes ist.

Doch auch in der Zubereitung der Familienkost erwachsen der Hausfrau manche Aufgaben. Die Werte unserer Nahrungsmittel dürfen nicht durch unsachgemäßes Kochen beeinträchtigt werden. Es gibt wohl manche Hausfrau, die sich vor der Weiter­verwendung von Resten scheut, weil das ein wenig Zeit, Mühe und Ueberlegung kostet. Wer aber diese Mühe aufroenbet, dem kommt sie nicht nur selbst zugute, sondern der reiht sich damit ein in die große AktionÄampf dem Verderb", bei der es um die Erhaltung von 1,5 Milliarden Werten an Nahrungs­mitteln geht, die wir bisher im Jahre verloren haben.

Die Hausfrau muß aber auch daran denken, daß uns die Erde nicht immer geben kann, was wir wollen, und daß wir selbst, was sie uns im Sommer überreich gibt, verwahren können für die karge Zeit. Wer sich Vorräte schafft, der sollte auch die Möglich­keit haben, sie aufzubewahren, ohne durch Verderb Verluste zu erleiden. Auch im Gau Hessen-Nassau darf an Nahrungsmitteln nichts verschwendet wer­den. Und Tag für Tag wollen wir uns durch lieber« legung und sorgsame Bedachtsamkeit beteiligen am Einsatz für Deutschlands wirtschaftliche Freiheit.

Schafft Freude ins Heim!"

Eine Ausstellung.

Eine Anzahl bekannter Gießener Geschäftshäuser veranstaltete am Dienstag und am gestrigen Mitt­woch im Saal des Katholischen Vereinshäuses eine Ausstellung, die für alle Hausfrauen von hohem Interesse gewesen sein dürfte. Im Wesentlichen han- beite es sich bei biefer Ausstellung um eine Lehr­schau gedeckter Tische für alle Gelegenheiten vorn einfachsten Kaffeetisch bis zur schönsten Fest­tafel für Verlobung ober Hochzeit. Die Ausstellung dürfte sicherlich ihre Wirkung auf die Beschauerin­nen nicht verfehlt haben, ganz besonders deshalb nicht, weil es sich die heimischen Firmen der ein­schlägigen Branchen nicht nehmen ließen, das Beste aus den Schätzen ihrer Lager zur Verfügung zu stellen. So sah man auf den weiß- und auch buntgebeckten Tischen die feinsten deutschen Porzel­lane einer -hochentwickelten Industrie, ferner blitzte in vielen geschliffenen Weingläsern das Licht des Tages und der Lampen, Bestecke waren aufgelegt, die sicherlich in mancher Besucherin lebhafte Wun­sche wachriefen und Blumen, mit denen die Tische geschmückt waren, taten ein Uebriges, um die vollkom­mene Wirkung zu ermöglichen. Verschiedentlich war die Dekoration der Tische durch mehrarmige Leuch­ter mit schlanken Kerzen gesteigert. Die Leiterin der Ausstellung gab in kurzen Zeitabständen Erläute­rungen über die Kultur der Tischgestaltung, gab praktische Hinweise und damit starke Anregungen auch für die Gestaltung im eigenen Heim. Eine Bereicherung erfuhr die Schau u. a. durch die Ausstellungen neuzeitlicher Möbel und Rundfunk­geräte, ferner durch Erzeugnisse der edle Metalle verarbeitenden Industrie.

Anlegung von Gemeinde-Chroniken.

Der Reichs- und preußische Minister des Innern Dr. Frick hat mit einem Runderlaß allen Gemein­den die Anlegung von Gemeinde-Chroniken, ähnlich den früheren Stadt- und Dorf-Chroniken, empfoh­len. In dem Runderlaß heißt es u. a.:

Die Anlegung einer Gemeinde-Chronik ist ein hervorragendes Mittel, aüch späteren Geschlechtern Arbeit und Mühe, Erfolg und Sorgen der Ge­meinde und ihrer Bürger' zu überliefern. Eine gut geführte Gemeinde-Chronik dient sowohl dem Ziel einer weiterblickenden Gemeindeverwaltung, wie den Bedürfnissen der späteren Geschichtsschreibung. In diesen Chroniken sollen sowohl alle großen po­litischen Ereignisse in ihrer besonderen Auswirkung auf die Gemeinden, als auch alle das Gemeinde­leben selbst betreffenden wichtigen Geschehnisse aus­gezeichnet werden.

Die Ausgestaltung der Chroniken überläßt der Runderlaß im einzelnen den Gemeinden und ver­weist hierbei auf die grundsätzlichen Anregungen, die in dieser Frage mehrfach vom Deutschen Ge­meindetag gegeben wurden.

Gietzener Dochenmarktpreise

* Gießen, 19. Nov. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,43, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Wirsing, % kg 6 bis 8 Pf., 50 kg 4,50 bis 5 Mk., Weißkraut, % kg 4 bis 6 Pf., 50 kg 3 bis 3,50 Mk., Rotkraut, % kg 7 bis 10 Pf., 50 kg 5,50 bis 6 Mk., gelbe Rüben, % kg 8 bis

Des Glückes Schuldbuch weist uns noch an sie-"

Alte Gießener Grabsteine erzählen. Eine Führung des Landschastsbundes Volkstum und Heimat".

Tag und Stunde für eine Führung um die Kapelle des Alten Friedhofs und zu einem Besuch an den Grabsteinen verstorbener Gießener Bürger und Bürgerinnen früherer Jahrhunderte konnte nicht Glücklicher gewählt werden, als es zum gestri­gen Bußtag durch den Landschaftsbund Volkstum und Heimat" (Ortsring Gießen) geschah, lieber 250 Volksgenossen fanden sich zu dieser Führung ein und erwarteten im Alten Fried­hof und vor der Kapelle in engere geistige Ver­bindung gebracht zu werden mit der vergangenen Zeit, die ja im Alten Friedhof aus vielen Steinen spricht. Das graue und regnerische Wetter konnte die Heimatfreunde in unserer Stadt nicht abhalten, sich der Führung anzuschließen, die allen zu reichem Gewinn geworden sein mag, weil sie über zweiein­halb Jahrhunderte Einblick gewinnen ließ in ver­gangene Zeit, in Leid, Not und Tod Gießener Familien und hervorragender Menschen und gleich­zeitig vor Augen führte, in welch vielerlei Form ein Volk feine Toten zu ehren vermag. Ortsring­leiter Michel hieß alle Teilnehmer willkommen.

Bor der Friedhofskapelle.

Stadtbaurat G r a d e r f, um den sich in weitem Halbkreis die Zuhörer scharten, erzählte zunächst aus feinem reichen Wissen um die Veränderungen des Stadtbildes im Laufe der Jahrhunderte, über die Entstehung des Alten Friedhofs, die (unter Philipp dem Großmütigen) rn das Jahr 1530 fiel, und brachte die Lage des Friedhofs aus der dama­ligen Weg- und Straßenführung zum Verständnis. Er erinnerte ferner an den Bau der Friedhofs­kapelle (100 Jahre nach der Anlage des Friedhofs) durch den damaligen Baumeister der Stadt, Ebel, der sich durch mancherlei Bauwerke in unserer Stadt einen Namen machte. Dann wandte sich Baurat G r a d e r t den vielen alten Grabsteinen zu, die ringsum die Kapelle sowie die Friedhofsmauer schmücken und einen tiefen Einblick in das Leben vielerwohlersamer" undhochgeachter" Bürger und mancherwohlerbarer" undtugenbfamer" Gießener Bürgerin gestatten.

Der Grabstein als Kunstwerk.

Er wandte sich zunächst den verschiedenen For­men zu, in der die Grabsteine geschaffen worden waren. So führte der Leiter der 'geschichtlichen Ex­kursion vor Grabsteine, geschaffen zur Zeit der Re­naissance, die sich auszeichneten durch klare Gliede­rung, materialgerechte Verarbeitung des Steines, schöne Anordnung der Schrift und sparsame 23er« Wendung dekorativer Mittel. Man sah sich ferner vor Steinen des frühen und späteren Barocks mit bewegteren Formen, vielerlei Zierat, mit vielen Darstellungen symbolischer oder christlich legen­därer Art und umfangreichen Erinnerungstexten. Dann sah man ferner im Vergleich und in der Steigerung Grabsteine des Rokoko, die in ihrer häufig allzu betont reichen Gestaltung und in der Verwendung von Schmuckformen, die dem Charak­ter des Steines widersprechen, den fast dekadent zu nennenden Zug der damaligen Zeit bewußt wer­den ließen. Besonders interessierte eine Reihe von Steinen, auf denen im Relief ganze Familien dar­gestellt waren, oftmals mit vielen Kindern, Grab­steine, die meist erst geschaffen wurden nach dem Tode beider Ehegatten.

Abschließend zu dieser kunstgeschichtlichen Be­trachtung wies Baurat Gravert auf die freistehen­den Grabdenkmäler hin, die im Geiste des Klassi­zismus entstanden und eine Zurückführung auf ein­fachste, sogar meist geometrische Formen (Säulen, Würfel, Kugeln usw.) gebracht hatten.

Nachdem auf einem Rundgang die verschiedenen Formen der Grabsteine betrachtet worden waren, fand der geistige Ausflug in die Vergangenheit feine

Fortsetzung in der F r i e d h o f s k a p e l l e, die sicherlich für manche der Besucher (aus anderen Ge­meinden unserer Stadt) zunächst den Eindruck der Ueberraschung hervorrief. Die völlig neu hergerich­tete Kirche gefiel allen wohl ausnehmend gut, viel bewundert wurden die Deckenmalereien, und die vielen zum Teil buntbemalten Grabsteine an den Wänden, die sich nun klarer aus ihrer hellfar­benen Umgebung abhoben, als es früher der Fall war.

Grabstein-Inschriften berichten.

Als jedermann Platz genommen hatte, war das Kirchlein nahezu überfüllt. Baurat Gravert wandte sich nun in seinen weiteren erklärenden Worten mehr den Texten zu, die auf den etwa 100 alten Grabsteinen zu entziffern waren. Er konnte hier auf Parallelen Hinweisen, die zwischen der äußeren Form der Grabsteine und ihrer Beschrif­tung zu verfolgen sind. Während man sich zur Zeit der Renaissance mit kurzen sachlichen Angaben und höchstens der Wiedergabe eines Bibelwortes be­gnügte, begegnete man in der Folgezeit weiter aus« holenden Texten, in denen man viel von dem Le­ben des Verstorbenen und ihre mannigfachen öffent­lichen Aemter im Dienst der Stadt verzeichnet fin­den konnte. Schließlich konnte man feststellen, wie an den äußerlich überladenen Grabdenkmälern auch der Grabtext sich bedenklich einem Wortschwall oder Wortwulst näherte, bis endlich auch hier klassi­zistischer Geist die Wandlung zur Einfachheit auch in der textlichen Gestaltung mit sich brachte.

Baurat Gravert verlas zur Bestätigung seiner Darlegungen eine Fülle der (oft mühsam entzif­ferten) Grabtexte aus den Jahren 1563, 1594, aus dem 17. und 18. Jahrhundert und schließlich auch aus der Zeit der Befreiungskriege, in der mancher Text von dichterischem Klang eine feine Geistigkeit erkennen ließ. So mag vielen Zuhörern die letzte Zeile der Verse auf dem Grabstein der Katharina Juliane Konstantin, geb. Stossin (die eine geachtete großherzige Frau gewesen sein muß), die Worte: Des Glückes Schuldbuch weist uns noch an sie" im Ohr geblieben fein, Worte, die im weiteren Sinne für manche unserer Vorfahren Geltung haben mögen. Aus den Texten, die der Redner ver­las, sprach viel Leid und Not, viel Glück und Un­glück so mancher Familie, viel Treue, Liebe und Ehrfurcht, die sich achtbare Menschen entgegenbrach­ten. Manches harte Schicksal fanden die Zuhörer in den dem Steine anoertrauten Worten festgehalten für die Zeit, die der Stein zu überdauern vermag.

Dankbar und angeregt von dem pulsierenden Leben, das hier die Zuhörer aus früheren Jahr­hunderten ansprach, folgte man den Ausführungen des Stadtbaurats Gravert.

Musikalischer Abschluß.

Einen sehr glücklichen Abschluß fand die fast zu einer Feierstunde gewordene heimatkundliche Füh­rung durch einige schöne musikalische und gesang­liche Darbietungen. Unter Leitung von Lehrer Siegler brachte der Singkreis des Landschafts­bundesVolkstum und Heimat" das AedIch wollt' daß ich daheim wär", ferner den dreistim­migen Chorsatz von Orlandes L a s s u sGott ist's, auf den wir immer hoffen" und den dreistimmigen Chorsatz von Johann Staden:Nun schein, du Glanz der Herrlichkeit". Schließlich hörte man noch ein Andante für Geige und Orgel von Johann Se­bastian Bach.

Ortsringleiter Michel dankte allen, die zur Aus­gestaltung der besinnlichen Stunde beitrugen. Er­füllt von dem vielfältigen Erlebnis, das diese Stunde des Nachmittags im Alten Friedhof brachte, begab man sich auf den Heimweg.

12 Pf., rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 bis 90, Zwiebeln 7 bis 8, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, XA kg 4 Pf., 50 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,40 Mk., Aepfel, kg 15 bis 25 Pf,, 50 kg 15 bis 25 Mk., Tafeläpfel, kg 25 bis 30 Pf., 50 kg 25 bis 30 Mk., Birnen, XA kg 15 bis 25 Pf., Nüsse 45 bis 60 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mk., Tauben, das Stück 50 Pf., Blumenkohl 35 bis 55, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15 Pf.

Seine Arbeitskameraden und seine Firma bestohlen.

Der aus Gießen stammende 21 Jahre alte Hans Pohlmann ließ sich auf dem Baubüro der Firma Amstutz aus Homburg v. d. H. in Gar­be n t e i ch Diebstähle zum Nachteil seiner Arbeits­kameraden und Betrügereien zum Schaden seiner Firma zu Schulden kommen. Zahlreiche Arbeiter der Firma sind zwischen Garbenteich und Steinbach an dem Bau der Reichsautobahn beschäftigt. Pohl- mann, der mit der Berechnung der Arbeitslöhne und mit der Fertigmachung der Lohntüten beauftragt war, nahm aus den Lohntüten von entlassenen Ar-' beitem die Geldbeträge heraus, vernichtete die Emp-1 sangsbescheinigungen und fügte dafür einen Zettel bei, auf dem mitgeteilt wurde, das Geld folge nach. Bei Arbeitern, die nur eine geringe Arbeitsstunden­zahl geleistet hatten, verrechnete er der Firma gegen­über eine höhere Stundenzahl, während die Arbei­ter selbst in der Lohntüte nur das Entgelt für die geringere Stundenzahl vorfanden. Die Differenz­beträge ließ Pohlmann in seiner Tasche verschwin­den. Ferner hat er in einer Anzahl Fälle die In- validenpapiere von Arbeitern unterschlagen und ver­nichtet. In Garbenteich pumpte er sich in einer Gast­wirtschaft 35 RM., ohne den Betrag zurückzuzahlen. Nachdem die Firma ihn entlassen hatte, telepho­nierte er von Gießen aus an die Gastwirtschaft, wobei er sich alsBezirkssparkasse Gießen" ausgab und mitteittr, daß der geborgte Betrag eingezahlt sei und überwiesen werde. Der raffinierte Schwin­del wurde jedoch bald entdeckt. Pohlmann ist seit einigen Tagen flüchtig. Die Ermittlungen der Gen­darmerie sind im Gange.

*

** Dienstjubiläum beim Wasserwerk Gießen. Der Oberheizer Wilhelm G ü r n e r t II. von Queckborn konnte dieser Tage auf eine 25jährige Tätigkeit beim Wasserwerk der Stadt Gießen in Quedborn zurückblicken. Dem Jubilar wurde durch seine Arbeitskameraden eine besondere Ehrung zuteil.. Der Vertreter der Belegschaft bezeichnete ihn als einen vorbildlichen Arbeitskameraden und überreichte ihm im Namen der Gefolgschaft und des Werkmeisters das Buch des FührersMein Kampf".

** Musikalische Abendfeier in der Johanneskirche. Am 22. November, 17 Uhr, findet in der Johanneskirche wiederum eine musika­lische Abendfeier statt. Ihre Vortragsfolge ist auf Öen Charakter dieses Tages, Totensonntag, abge­stimmt und bringt eine öer schönsten Kantaten von D. Buxtehude für Chor und Einzelstimmen:Jesu meine Freude", das deutsche Konzert für Sopran und zwei Geigen von Hch. Schütz:Ich werde nicht sterben", eine Triosonate von I. Rosenmüller, wei­tere Einzel- und Chorgesänge und Orgelchoräle.

** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen: 29. Oft.: Elisabeths Hauser, geb. Abel, 69 I., Frankfurter Straße 12. 8. Nov.: Elise Rahn, geb. Basselli, 74 I., Steinstraße 75. 9. Nov.: Albert Schöning, 69 I., Arbeiter, Rittergasse 23. 11.: Konrad Ludwig Becker, 21 I., Autoschlossergeselle, Alter Rödger Weg 14. 12.: Ludwig Bingel, 74 I., Neuen Büue 15; Ludwig Damm, 88 I., Licher Straße 74; Hans Werner Maar, 2 I., Ederstr. 6. 14.: Hans Althaus, Reichsbahnobersekretär, 63 I. Schottstraße 10.

** D e r Verkaufvon Christ bäumen soll auf einem Platz im Hose der Alten Bürgermeisterei in der Zeit vom 7. bis 24. Dezember vor sich gehen. Die Verpachtung des Platzes wird in einer Bekannt­machung in unserem heutigen Blatte ausgeschrieben. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.

** Diebstähle auf d e m Neuen Fried- h o f. Die Stadtverwaltung teilt uns mit: Von der Friedhofsverwaltung kommt Meldung, daß sich in letzter Zeit die Diebstähle an Blumen, Vasen und anderen Gegenständen von den Gräbern auf den Friedhöfen mehren. Es wird die Feststellung ge­macht, daß sich diese Vorkommnisse jedes Jahr in den Herbstmonaten, wenn es dem Totenfest ent­gegengeht, häufen. Die Stadtverwaltung gibt be­kannt, daß das Aufsichtspersonal zu erhöhter Auf­merksamkeit angewiesen ist und gegen jede Über­tretung auf Grund der bestehenden gesetzlichen Vor­schriften mit aller Schärfe oorgegangen wird.

** Geflügelzuchtverein Gießen. Vom 13. bis 15. November fand in Marburg die 3. Rasse- geslugelschau der Landesfachgruppe Kurhessen statt Daran beteiligten sich 10 Mitglieder des Gießener Vereins mit 45 Tieren bei allerbestem Erfolge. Der Vorsitzende Fr. Bauer errang für die beste Ge­samtleistung der Schau das Staatsehrenschild; auf seine Rhodeländer erhielt er einmal die Note vor­züglich, 11 mal sehr gut, 4 mal gut, ferner den Ehrenpreis der Reichsfachgrupve, ein Zuschlags­und 7 Klassenpreise. Becker, Allendorf, (rotbunte Rufs. Orloff) zeigte die beste Henne, erhielt 4 mal die Note sehr gut und 3 Klassenpreise. Gg. Beim- dorn (schwarze Italiener), stellte hier die beste Henne, machte 3 mal sehr gut mit Ehrenpreis. W. Hofmann, Lollar (Rhodeländer), 3 mal sehr gut, ein Zuschlags- und 2 Klassenpreise. H. Höbeler, rebhf. Jtalienerhahn, sehr gut, 1. Klassenpreis. Meyer, Wieseck (Gold-Wyandotten), 2 mal sehr

gut, 2 mal gut 2 Klassenpreise. Rau, Wieseck (Zwerg-Langschan), 2 mal sehr gut, 1 mal gut, 2 Klassenpreise. L. Sommer (Deutsche Sperber), 3 mal gut. I. Stork (schwarze Rheinländerhenne), sehr gut mit Klassenpreis. Fr. Thünken (Zwerg. Rhodeländer), 2 mal sehr gut, einen Ehren- und einen Klassenpreis.

Große Strafkammer Gießen.

Der 47jährige Heinrich Brück aus Friedberg hatte sich wegen einer im Jahre 1934 begangenen Urkundenfälschung sowie eines Betruges und einer vorsätzlichen Urfunbenbefeitigung zu verantworten. Ein Arzt in München, für den der Angeklagte, der Steuerbeamter war, schon längere Zeit die Steuerangelegenheiten erledigte, hatte dem Finauz- amt in Friedberg mitgeteilt, daß er seinen Brand- kassenbeitrag doppelt bezahlt habe. Er bat um Gut­schrift dieses Betrages. Der Angeklagte hatte dieses Schreiben in die Hände bekommen und, obwohl er dafür nicht zuständig war, dem Zeugen der Wahr­heit zuwider mitgeteilt, daß ihm der Betrag gut» gebracht worden fei. Kurze Zeit darauf wurde der Betrag bei der Kasse gegen Vorzeigung einer mit der Unterschrift des Arztes versehenen Quittung abgehoben.

Der Arzt bekundete als Zeuge, daß er den Be­trag damals weder erhalten, noch eine Quittung unterschrieben habe. Im Laufe der Beweisauf­nahme wurde der Angeklagte überführt, daß er die Quittung gefälscht hatte und den Betrag durch eine dritte Person abheben ließ. In dieser Annahme wurde das Gericht noch dadurch bestärkt, daß der Angeklagte, als ihm die Sache brenzlich wurde, durch eine dritte Person die Zahlkarte schreiben ließ und dem Zeugen den fraglichen Betrag über-

Günther Ramin

der Meister Organist 7306 d

Montag, 23. Nov., 19.30 Uhr, in der Stadtkirche

sandte. Das von dem Zeugen an das Finanzamt gerichtete Schreiben blieb unauffindbar. Da nur der Angeklagte ein Interesse an der Verheimlichung seiner Straftaten haben konnte, kam er allein als Täter in Betracht.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der be- reits im Januar dieses Jahres von der Straf­kammer Gießen wegen schwerer Urkundenfälschung und Untreue zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden war, unter Einbeziehung dieser Strafe zu einer G e - samtzuchthausstrafe von einem Jahr zehn Monaten und 100 Mark Geldstrafe sowie zu den Kosten des Verfahrens.

*

Wegen Vergehens gegen § 175 StGB, war der Angeklagte 0. Sch. aus Büdingen vom Schöffen­gericht zu fünf Monaten Gefängnis ver­urteilt worden. Seine Berufung gegen dieses Urteil wurde kostenpflichtig verworfen.

Der 60jährige W. P. aus Nieder-Mörlen hatte sich an einem dreieinhalbjährigen Mädchen unsitt­lich vergangen. Da es sich bei dem Angeklagten, wie die Beweisaufnahme ergab, um einen stark vermindert zurechnungsfähigen Menschen handelt, billigte ihm das Gericht mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten unter Anrechnung von zwei Monaten und einer Woche Untersuchungshaft.

Kirche und Schule.

Evangelische Vfarrpersona'ien.

EPNH. Ernannt wurden mit Wirkung vom 1. No­vember 1936 ab: der Pfarramtskandidat Walter Bangert aus Offenbach zum Pfarrassiftenten der Gesamtgemeinde Gießen; der Pfarramtskandidtt Karl Becker zu Berstadt zum Pfarrverwalter der Pfarrei Berstadt, Dekanat Hungen; der Pfarramts- kandidat Walter 5) leb er aus Frankfurt a. M.- Eschersheim zum Pfarrverwalter der Pfarrei Hom­berg a. d. Ohm; der Pfarramtskandidat Aug. Petri aus Geilshausen (Oberhessen) zum Pfarroerwalter der Pfarrei Ermenrod, Dekanat Grünberg.

Kreis Alsfeld.

I Ehringshausen, 18. Nov. Am vorigen Sonntag fand die Einweihung der wieder­hergestellten Kirche zu Ehringshausen statt. Einzelne Teile der im Jahre 1414 errichteten Kirche waren so baufällig geworden, daß eine Ausbesse­rung nicht mehr zu umgehen war. Die Kirchen­gemeinde hat diese Gelegenheit wahrgenommen, um auch dem Inneren der Kirche ein würdiges Kleid zu verleihen, so daß die Kirche nun wieder des Dorfes schönster Schmuck und edelste Zier geworden ist, wie Pfarrer Steiner (Hausen bei Gießen) als ehemaliger langjähriger Pfarrer von Ehrings­hausen in seiner Festpredigt im Weihegottesdienst besonders betonte. Umrahmt wurde der feierliche Gottesdienst von musikalischen Darbietungen, Ge­sang der Schulkinder (Leitung Lehrer Z u l a u f), Chor der jungen Mädchen, Orgel und Violine (Frau Keil und Lehrer Häuser). Der Ortsgeistliche, Pfarrer Keil, sprach Begrüßungs- und Dankes- Worte und übergab die Kirche ihrer alten Bestim­mung wieder. Am Abend fand noch eine Feier­stunde in der Kirche statt, in der Pfarrer Mat­thäus (Grünberg) und Pfarrer Steiner (Hausen) als ehemalige Geistliche von Ehrings­hausen zu der Gemeinde sprachen, während der Ortspfarrer noch einmal die Gefühle des Dankes 3um Ausdruck brafyte. Darauf folgte das mit viel Liebe und Geschick eingeübte Spiel der Kinder von der Sprache der Glocken. Lieder der Gemeinde und verschiedene musikalische Musikstücke, u. a. auch Flöte (Pfarrer Keil) und Orgel, verschönten die Feier. Zum ersten Male erstrahlte dabei die Kirche im Glanz des neuen elektrischen Lichtes, während man sich früher mit Petroleumlampen notdürftig behelfen mußte.

Iiundsunkprogramm

Freitag, 20. Jtooember.

6 Uhr: Morgenspruch. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Landfunk. 11.45: So­zialdienst. 12: Einst und jetzt! 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Einst und jetzt! 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund (XXV). 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Heitere Gedichte und Geschichten von rheinischen Schrift­stellern: P. Kürten, Josef Cornelius, Peter Preußer. 16: Halali! Lieder vom fröhlichen Jagen. 16.30: Neuere Unterhaltungsmusik. 17.30: Aus dunkler Erd« zum Licht. Die Weihnachtskerze entsteht. 17.45: Das» Mikrophon unterwegs. 18: Musik aus Dresden. 19! Klingende Scholle. Vom Wirken und Schaffen des Eifelbauern. 19.40: Der Zeitfunk bringt den Tages­spiegel. 20: Nachrichten. 20.10:Wer tanzt heut' mit mir ..22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk),