Samstag, 19.$eptember|936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Ur. 220 Drittes Blatt
Aus der Provinzialhauptstadt.
Leere Felder.
Don Hans Hartmann.
Die Felder sind setzt zum großen Teile abgeern- tet Die Hackfrüchte warten nur noch auf die Ernte. Das Gesamtbild, das uns das Land und die mütterliche Erde bietet, ist völlig verändert; nicht mehr das wogende Meer der Halme, mit den Wellen der Aehren, kein leuchtendes Gelb, kein Blau der Kornblume und kein Rot des Mohnes. Nicht mehr summen Insekten im Getreide, nicht mehr kriechen Johanniskäfer drin herum, und nicht mehr verkriechen sich Hasen und Rebhühner in ihm.
Das ganze Blühen, Wachstum und Reifen in feiner Größe und Pracht ist vorbei, es hat seinen Dienst für dieses Jahr getan und harrt der Auferstehung, wenn der Jahreskreislauf aufs neue beginnt. In einigen Gegenden wird noch der uralte sinnbildhafte Brauch vollzogen, daß der Geist des Wachstums getötet wird. Jetzt soll alles ruhig und still werden, das milliardenfache Blühen und Werden soll eine Pause erleben und Kräfte für das neue, unendliche Schöpfertum sammeln.
In zwei Wochen werden wir dankbar unseren Blick aus die Frucht dieses Wachstums richten. Aber tzs ist ganz gut, und es mag wohl der Sinn des genannten Brauches sein, daß wir auch an die Felder denken, die man zurückgelassen hat, in die der Erntewagen noch einmal tiefe Furchen zog, um ihnen dann — mindestens bis zur Wintersaat — die wohlverdiente Ruhe zu gönnen.
Wenn wir über die leeren Felder wandern, so kann das einen sehr tiefen Eindruck auf unsere Seele machen. Das Gefühl der Vergänglichkeit und vielleicht die Bestürzung über die Leere da, wo noch vor kurzem die Fülle war, wird uns zunächst überkommen. Mancher empfindet es als ein Gleichnis seines eigenen Lebens: wo ihn früher Menschen begleiteten, da ist jetzt alles leer und tot; so erlebt es der Greis an seinem Lebensabend. Oder einem anderen bleibt ein Platz am Tisch und in feiner Kammer plötzlich leer.
Es gehört überhaupt zu den Erlebnissen von besonderer Eindringlichkeit, wenn wir da, wo sich vor
her etwas Lebendiges, Fröhliches, Farbiges ereignet hat, eine Leere finden. Am Abend war ein frohes Gelage, am nächsten Morgen ist alles öd und leer und nur schwache Schemen des Vergangenen geistern durch die Räume, blutleer und farblos und nüchtern.
Eine Frage ist es, die wir an all das Leere richten müssen: an den leeren Platz am Tisch, an den leeren Raum, in dem die schöne Vergangenheit Leben, und Farbe genommen hat. Eine Frage, die wir ebenso an das leere Feld richten: Ist es zu einer Ernte gekommen? Reiften die Früchte, die nun irgendwo in die Scheuern gefahren werden?
Es gibt nicht nur die winterlichen Scheuern voller Heu, Getreide und Kartoffeln. Es gibt auch Scheunen des Geistes, des Gemütes und der Seele. Wenn der liebe Mensch, mit dem wir zusammen waren, seelisch und geistig mit uns verbunden ist, wenn er wie eine Frucht unser Leben bereicherte, dann mag sein Platz ruhig leer bleiben. Wenn der alte Mann und die alte Frau ein Leben reich an inneren Ereignissen geführt haben, bann mögen sie ruhig vieles vergessen und nicht traurig darüber sein. Denn sie haben alles Hohe und Große als eine Ernte in sich ausgenommen und damit, dem leeren Felde gleich, das Frucht spendete, den Sinn ihres Lebens erfüllt.
Doruotizeu.
Tageskalender für Samstag.
„Tag des deutschen Volkstums", 20 Uhr Abendfeier des VDA. im Stadttheater. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Kaiser von Kalifornien"; 23 Uhr „Liebe — das Schicksal einer jungen Ehe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Schlußakkord". — Kriegerkameradschaft 1874, 20.30 Uhr Kameradschaftsabend im Cafä Ebel. — Verein ehem. 116er, Kameradschaftstreffen mit Wiesecker Kameraden auf der Ludwigsburg.
Tageskalender für Sonntag.
Bezirks - Marinetag, Marine-Kameradschaft Gie- ßen 1892, 11 Uhr Antreten am Marinebootshaus, Vortrag des Gauführers des NSDMB. des Gaues Hessen, Fregattenkapitän Ackermann, über
Zweck und Ziele des NSDMB. — Stadttheater, 11.30 bis 12.20 Uhr Gedenkfeier für Christian Dietrich Grabbe; 19 bis 21 Uhr „Der Kampf mit dem Tatzelwurm". — Gloria - Palast, Seltersweg: „Kaiser von Kalifornien". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Schlußakkord". — Turnverein 1846, 10 Uhr Gerätewettkämpfe der akt. Turner um den Turnklubschild in der Turnhalle; 14 Uhr Wettkämpfe auf dem Unioersitätssportplatz. — Beginn der Herbst-Schau- und Verkaufs-Messe.
Spielplan des Stadttheaters vom 20. bis 27. Sept.
Sonntag, 20. September, von 11.30 bis 12.30 Uhr, erste Morgenfeier des Stadttheaters; Gedenkstunde anläßlich der 100. Wiederkehr des Todestages von Christian Dietrich Grabbe. Gedenkworte, Rezitation, Musik und Einzelszenen. Für Platzmieter freier Eintritt. Sonntag, 20. September, Anfang 19 Uhr, Ende 21 Uhr, „Der Kampf mit dem Tatzelwurm", Lustspiel von Leo Lenz und Ralph Arthur Roberts. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Außer Miete. — Dienstag, 22. September, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, „Der Sprung aus dem Alltag", Lustspiel von Heinrich Zerkauten. Spielleitung: Fritz Walter. Dienstag-Miete 1. Vorstellung. Mittwoch, 23. September, Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr, „Donna Diana", Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der Intendant. Mittwoch-Miete 1. Vorstellung. — Freitag, 25. September, Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr, „Gustav Kilian", ein altmodisches Stück von Harald Bratt. Spielleitung: Der Intendant. Freitag-Miete 2. Vorstellung. — Samstag, 26. September, Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr, „Donna Diana", Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der Intendant. 1. Vorstellung für NSG. „Kraft durch Freude". Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an der Abendkasse. — Sonntag, 27. September, Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr, „Krach im Hinterhaus", Lustspiel von M. Böttcher. Spielleitung Heinrich Hub. Außer Miete. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr, „Towa- risch", Komödie von Jacques Deval. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Außer Miete.
Oer erste Sonntag der Spielzeit im Stadttheater.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am morgigen Sonntag findet im Stadttheater die erste Morgenveranstaltung als Erinnerungsstunde aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Todestages von Christian Dietrich Grabbe statt. Die Gedenkrede hält der Dramaturg Paul Nieren. Szenen aus „Napoleon" und „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" werden von den Herren Geißler, Kühn?, Lindt, Neuhaus, Rosenthal, Schorn, unter der Spielleitung von Wolfgang Kühne, zur Aufführung gebracht. Die bekannte Vortragskünstlerin Friedel Hintze wird außer einigen charakteristischen Stellen aus Briefen an Kettembeil, einen Jugendbrief Grabbes an feine Eltern sprechen und danach die einzige kurze Novelle „Konrad" aus Grabbes letztem Lebensjahr. Den musikalischen, feierlichen Auftakt der Gedenkstunde bringt Regers Suite A=lott (Op. 103), aus der August Rein (Violine) und Frau Irene Allroggen-Walter (am Flügel) Präludium und Aria spielen werden. Dauer der Feier von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr.
Am Abend erfolgt die Erstaufführung des Lustspiels „Der Kampf mit dem Tatzelwurm". Eine weitere Angelegenheit von Leo Lenz und Ralph Arthur Roberls. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Mitwirkende: Damen: Gerhardt, Krause; Herren: Geiger, Geißler, Neuhaus, Nieren, Rosenthal, Schorn, Seitz, Volck. Anfang 19 Uhr, Ende 21 Uhr. Wir machen darauf aufmerksam, daß dieses Lustspiel nicht in die Anrechtsvorstellungen der Tagesmieten fällt.
Konzert der Lustwaffe in Gießen.
Das Amt für Volkswohlfahrt, Kreisamtsleitung Wetterau, schreibt uns:
Nach dem glänzenden Auftakt der Konzertreise der Luftwaffe in Frankfurt a. M. werden wir in Gießen am kommenden Mittwoch und Donnerstag die Luftnlbffe bei uns begrüßen können.
Das Interesse für die 4 in Gießen im Caf6 Leib zur Durchführung kommenden Konzerte ist erfreu-
Micher Auftakt im Gießener Stadttheater.
Eine Szene aus der Eröffnungsvorstellung „Donna Diana"; Regie: Intendant Schultze-Griesheim. (Aufnahme: Winterhoff.)
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Montag beginnt hier die
Geschichte von Hase dem Manne, der von nichts weiß. Das wird eine lustige Sache! Lesen Sie mit!
licherweise sehr groß, aber weiter auch nicht verwunderlich, denn es ist ja das erste größere Auftreten unserer jungen Luftwaffe hier in Gießen.
Am Mittwoch, 23. September, gegen 15 Uhr, wird bas für unsere Stabt bestimmte II. Stabsmusikkorps ber Luftwaffe Berlin-Gatow unter Leitung ihres Obermusikmeisters Knauth eintreffen. Um 16.30 Uhr beginnt bie erste Jugenbveranstaltung, zu ber Jugenbliche, Angehörige ber Wehrmacht und bes Reichsarbeitsbienstes, sowie Erwerbslose zum Preise von 25 Pfg. Zutritt haben.
Zum Abenbessen sinb bie Musiker Gäste ber Stabt Gießen.
Das -fte Abmbkonzert verspricht bann ein Ereignis für Gießen zu werben. Es steht mit Sicherheit zu erwarten, baß alle Kreise ber Bevölkerung unb bie Vertreter bes Staates, ber Wehrmacht, ber Partei unb ber Stabt anwesenb sein werben.
Da wegen ber Belegung ber Volkshalle durch die Braune Messe die Konzerte im Cafe Leib abgehalten werden, wird dasselbe Programm am 24. 9. noch einmal zur Abwicklung kommen, so daß jedermann in Gießen Gelegenheit hat, sich an einem dieser Tage das Konzert anzuhören.
Sendet Aufnahmen vom Heichsparteitag 1936 ein!
Die Organisationsleitung des Reichsparteitages 1936 bittet alle Partei- und Volksgenossen, die am diesjährigen Reichsparteitag teilgenommen und photographische Aufnahmen hergestellt haben, je einen Abzug mit genauer Angabe des Urhebers, des Dargestellten unb ber evtl. Archivnummer an die Organisationsleitung Nürnberg, Generalfeldmar- schall von Hindenburg-Platz 1, für Archivzwecke ein» zusenden. Sämtliche Vervielfältigungs- und Der- öffentlichungsrechte an den Bildern bleiben den Urhebern gewahrt.
Sich selbst gerichtet.
Der 29 Jahre alte Ferdinand Klein von Gießen, der vor einigen Tagen in ber Nähe ber Kläranlagen an einer nervenkranken Frau — wie von ber Polizei gemelbet — ein schweres Sittlichkeitsverbrechen begangen hatte unb bann flüchtig ging, in Frankfurt jeboch festgenommen unb von der Gießener Kriminalpolizei nach Gießen in bas Lanb- gerichtsgefängnis übergeführt worben war, hat bort am gestrigen Freitagnachmittag seinem Leben burch Erhängen ein Enbe gemacht.
Gießener Stadttheater.
Moreto: „Donna Diana".
Die Spielzeit mürbe bieses Jahr früher als sonst unb mit einem ganz leichten, ganz heiteren, ganz spielerischen und völlig romantischen Stuck eröffnet: mit dem breiaktigen Lustspiel „Donna Diana des Spaniers Don Augustino Moreto y Cabana. Moreto, um 1618 in Mabrib geboren, 1668 in Toledo gestorben, war ein Zeitgenosse Lope de Vegas unb Calberons, als bessen brarnatischer (Epigone er gelten kann. Aus einer Komödie Lopes ist das Hauptmotiv des Lustspiels „Trotz wider Trotz entnommen, bas uns unter bem Namen ber Donna Diana unb in ber Wiener Bearbeitung Schrey- vogels (C. A.West) aus bem Jahre 1819 am geläufigsten ist unb in ber Tat nicht selten auf den deutschen Bühnen erscheint. (Heber eine Frankfurter Aufführung wurde erst kürzlich an dieser Stelle berichtet.)
Der Schauplatz ist Spanien, aber freilich — auch abgesehen von allen zeitlichen unb stilistischen 21b-- stänben, bie uns von Moreto trennen — em sehr anberes Spanien als bas, von bem wir heute jeden Tag mit Schrecken unb Abscheu lesen müssen Etwas von ber graziösen Anmut unb Beschwingtheit bes Rokoko scheint in biesem liebenswürbigen Spiel vorweggenommen, unb ein Hauch vom Geiste der lockersten unb leichtesten Shakespeare-Lustspiele weht durch seine beweglichen, schäferlich-galanten und aedrechselten Szenen hin; auch von der unbekümmert naiven Phantasie des Märchens wirb man ein wenig spüren, von ber völlig unbeschwerten und unproblematischen Freude am /einen Komod.en- spiel, das in sich selber ruht unb sich Mbit genug ist.
Nur ganz verschleiert gleichsam erhält bie un- verbinblich-improoisatorische Szenenfolge über bas übliche Maß eines Stegreifspieles hinaus Profil und Charakter, wenn hin unb roteber bie ach so schmale Grenze zwischen Schein unb Se^, zwischen Trug unb Mummenschanz unb Wirklichkeit Erwischt unb aufgehoben scheint, wenn schlichte Menschlichkeit unter ben heiteren Larven ans Licht kommt; wenn der Dichter durch eine seiner Hauptfiguren, welche mit leichten Händen die lockeren Fäden des Spiels regiert (wie em Schattenbild jenes mittelalterlichen „Ehrenholts ober ,,Ern- fchreiers", bessen letzter, meist unerkannter Abkömm
ling ber Ansager unseres modernen Brettls ist), bie pikante unb witzige, in ber Komöbie freilich unerhörte Möglichkeit wenigstens anbeuten läßt, es könnte alles mit einer ganz ernsthaften unb unverliebten Wenbung schließen. Aber nein, noch nicht — das Stück geht weiter, bis zu bem guten unb freunblichen Enbe, bas man vorn schäferlichen Liebesspiel billig erwarten barf.
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Die Liebe — in ber Tat: bas alte, bas ewige, bas erste unb letzte Kornöbienrnotiv; in allen Län- bern, in allen Sprachen ber Welt: auch hier in biesem unwahrscheinlich frieblichen unb ibyllischen Barcelona einer verschollenen Zeit. Die Erbprinzessin Donna Diana, Tochter des souveränen Grafen Don Diego, ist ber öfters sanft verspottete Typus bes etwas blauftrümpfigen unb sehr hochmütigen jungen Weibes, bas sich über bie Liebe aristokratisch erhaben bünkt, begleichen gemeine irbische Regungen entrüstet von sich weist (weil eine Hochzeit, wie sie verkünbet, bem Tobe gleichkäme) unb für solchen schnöben Hochmut unb Unverstcmb bitterlich bestraft, au guter Letzt aber gar lieblich zur großen, glückseligen Liebe bekehrt wirb.
Dies ist bas Generalthema, mühelos ausgesponnen unb hingespielt burch brei schlanke Akte hin- burch, von Zeit zu Zeit von einer zarten, gleichsam leicht überpuberten, menuettartigen Spieluhr- Musik begleitet (Kapellmeister Ernst Bräuer); unb um bas zuletzt glückselig vereinte Paar ber Diana unb ihres Prinzen Don Cesar roinben sich, höfisch unb galant unb natürlich auch am Enbe mit- einanber glücklich, brei weitere Paare, burch gleichfarbige, kokette ©eibenbänber in ihrer Zusammengehörigkeit im voraus schon unausweichlich bestimmt. —
Wir sahen bieses heiter-verliebte Merkchen aus bem alten ritterlichen Spanien zuerst vor ziemlich genau zwölf Jahren in Berlin, im längst entschlafenen „Dramatischen Theater", unb zwar als Gastspiel einer Wandertruppe unter ber Regie von Theobor Haerten, ber jetzt als Oberspielleiter an bas Gießener Theater verpflichtet ist. Unsere Aufführung hatte Intendant Schultze-Griesheim selbst in Szene gesetzt unb ihr eine eigene dramaturgische Bearbeitung zugrunde gelegt, bie, soweit wir sehen können, von ber erwähnten unb allgemein geläufigen Wiener Fassung nur unbeträchtlich abweicht.
Der Jntenbant hat in einer kurzen Vorbemerkung im Programmheft bie Beweggründe für bie Wahl gerabe bieses Stückes unb für seine Inszenierung angebeutet: „Donna Diana" sollte als ein heiterer Vorklang ben Grunbakkord für ben ganzen Theaterwinter anschlagen unb die Richtung weisen für bie romantische unb bichterische Haltung auch bes neuen Spielplans; sie sollte vor allem bie neuen großen Möglichkeiten vor Augen führen, bie bem Theater burch ben inzwischen oorgenommenen Einbau ber Drehbühne beschieben würben.
Unb in ber Tat war unter Herrn Löfflers leichter, von Farbensinn, Geschmack unb Raumgefühl sicher geleiteter Hand ein entzückenber Rahmen für bas zierliche Spiel entstauben, ein graziös burchbrochener Aufbau mit geschwungener Treppe, schnörkligen Gelänbern, Säulchen unb bunten Laternen, alles in ben buftigften Pastellfarben ein wahres Rokoko-Spielwerk, beweglich kreisenb wie ein Karussell, ohne einen Vorhangsall, gleichsam improvisatorisch, bie Spielräume tauschenb unb offen oerwandelnb. Dazu bie Musik, bie wir schon erwähnten; eine wechselnbe, spielerisch ausgegossene Beleuchtung (R. Konen) unb eine so elegante wie stilgerechte unb geschmackvoll abgetönte Kostüm- ausstattung (Sophie Buchner unb Enbrich).
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Dies alles — wir erinnern uns mit Vergnügen etwa bes aparten farbigen Dreiklangs ber höfischen Damen in Blau, Gelb unb Rot — wirkte harmonisch zusammen, im Sinne ber Regieführung bem Stück seine szenische Form zu geben, ohne bie es schon fast zum Tobe verurteilt wäre. Jntenbant Schultze-Griesheim betonte in allen Szenen ben unserem Hause so wohl anstehenben Kammerspielcharakter bas ganz Spielerische, Unernst-Improvisatorisch- bes Stückes auch vor allem, unb seine romantische Unwirklichkeit, bie es in bie Nähe gewisser Shakespeare-Szenen verweist: burch ben hübschen Einfall, bie hanbelnben Figuren zu Anfang unb zu Enbe marionettenhaft erstarrt, einzeln unb zu Gruppen gepaart, runbum schweben zu lassen, würbe bieser Wesenszug noch unterstrichen unb bem Ganzen zugleich eine sehr sinnfällig be- tonenbe Rahmung gegeben. —
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Die Aufführung gab einem Teil ber neugewonnenen Kräfte Gelegenheit, sich vorzustellen. In ber Titelrolle ber Donna Diana lernten wir Hansi Prinz kennen, bie sich ber schauspielerisch un
gemein reizvollen Aufgabe fortschreitender Verwandlung mit naivem Humor unb echt weiblichem Temperament annahm unb bas verliebte Spiel in allen seinen Variationen anmutig auskostete.
Victor v. Gschmeibler, ber neu engagierte Charakter-Bonvivant, gab ihren Gegenspieler Don Cesar, Prinzen von Urgel, in ber sentimentalisch- romantischen Gefühlslage, bie ihm allein ansteht unb von jenem shakespeareschen Petrucchio so wesentlich unterscheibet; boch fanb er Laune unb Beweglichkeit genug, sich vom Spiel ber Verstellung und eines galanten Geplänkels im spanischen Hofstil einfangen unb beschwingen zu lassen.
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Es stellten sich ferner vor: Maria G e r h a r b t als Donna Fenisa, Charlotte Krause als Floretta unb Fritz Walter als Don Gaston; freilich waren ihre barstellerischen Aufgaben kaum ergiebig genug, baß man hiernach schon Grenzen unb Möglichkeiten ihrer Träger einzuschätzen vermöchte.
Vom alten Ensemble: Fräulein Birkmann, apart unb gepflegt als Donna Laura; bie Herren Kühne unb Frickhoeffer, abgewogen im steifen Zeremoniell unb mit bezentem Humor, als Don Diego unb Don Luis.
Die beweglichste unb komöbiantischste Gestalt bes ganzen Spiels aber sah man von Herrn Hub (Perm), ber bie außerorbentlichen Chancen bieser antreibenben Zentralfigur mit behenbem unb scheinheiligem Witz, halb Mephisto, halb Postillon d amour, prachtvoll auszuschöpfen verstanb. —
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Reicher Beifall bankte für ben verheißungsvoll gelungenen ersten Adenb unb rief zuletzt mit ben Spielern auch ben Jntenbanten an die Rampe, hth.
Heitsckriffen.
— Die „Berliner Monatshefte", Zeitschrift zur Vorgeschichte unb Geschichte bes Weltkrieges, herausgegeben von Major a. D. Dr. h. c. Alfred v. Wegerer, 14. Jahrgang 1936, Septemberheft (Quabernerlag, Berlin' \V 15), schließen die Aufsatzsolge „Die 'Mobilmachung der europäischem Mächte im Sommer 1914" mit einem Aufsatz non Konteradmiral Aßmann, bem Chef ber Kriegswissenschaftlichen Abteilung ber Marine, über bie enalische Mobilmachung ab. Aus bem weiteren Inhalt bes Heftes möchten mir einen Aufsatz non Professor Hasenclever (Göttingen) über bie spanisch- französischen Beziehungen hervorheben.


