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Unsere höchste Verantwortlichkeit liegt darin, den Frieden zu bewahren.

Oie Aussprache im Völkerbundsrat.Eden erklärt, die Gelegenheit zu einer europäischen Verständigung dürfe nicht versäumt werden.

London, 18. März. (DNB.) Der Dölkerbunds- rat trat am Mittwoch um 16 Uhr zu einer öffent­lichen Sitzung zusammen, um die Aussprache über den französisch-belgischen Entschließungsantrag zum Locarnovertrag fortzusetzen. Außenminister Eden führte als erster u. a. folgendes aus: Ich habe be­reits erklärt, daß nach Auffassung der britischen Regierung ein offenkundiger und unbestreitbarer Bruch der Bestimmungen des Versailler Vertrages über die entmilitarisierte Zone begangen worden ist. Nach Auffassung meiner Regierung ist dies jedoch bei weitem nicht die einzigeAuf- gäbe, die der Rat im vorliegenden Falle zu er­füllen hat. Wir müssen uns stets unser letztes Ziel und unsere höchste Verantwortlichkeit vor Augen halten, die darin besteht, den Frieden zu bewahren und ein gutes Einverständ- n i s unter den Völkern Europas auf einer festen und dauernden Grundlage aufzubauen. Man muß beachten, daß der Bruch des Locarnovertrages, so klar er auch ist, er nicht eine unmittelbare Bedrohung mit Feindseligkeiten in sich trägt. Es ist Zeit vorhanden, um mit Klugheit wie auch mit Entschlossenheit die Lage zu prüfen. So ernst auch die Lage ist, so ist sie doch von der Gelegenheit begleitet, einen dauerhaften Frieden zu schaffen, und dieses Ziel muß ein wichtiger Gesichtspunkt für die Schritte selbst sein, die zur Erreichung des Zieles unternommen wer­den. Danach machte Eden die wichtige Feststellung, daß der Bruch des Vertrages durch Deutschland keine Aktion gewesen sei, die die sofortige Anwendung der im L o c a rn o v e r t r a g vorgesehenen Maßnahmen notwendig mache.

Der italienische Botschafter in London, Grandi, erklärte: Die Feststellung einer Vertragsverletzung durch Deutschland sei um so peinlicher gewesen, als es sich um eine Großmacht handele, deren Mitarbeit für den Frieden und die Wohlfahrt Europas uner­läßlich sei Italien sei sich seiner Verantwortlichkeit auf Grund des Locarnovertrages voll bewußt und bleibe feinen Verpflichtungen treu.

Selbstverständlich könnten jedoch diejenigen Staa­ten, die in Genf im Zusammenhang mit dem ita­lienisch-abessinischen Streitfall Maßnahmen getroffen hätten, deren Ungerechtigkeit das ganze italienische Volk tief empfinde, nicht erwarten, daß Italien Maß­nahmen anwende, die mit seiner gegenwär­tigen Lageunoereinbar seien. Es müsse ver­hütet werden, daß aus der gegenwärtigen Krise Europa noch gespaltener und geschwächter als es schon sei, hervorgehe. Italien sei sich seiner Aufgabe bei dem Werk der Sicherheit und des Wiederauf­baues Europas voll bewußt. Diese Wiederaufbau­arbeit müsse auf dem Verständnis der gegenseitigen Bedürfnisse, auf der Erkenntnis und der wechselsei­tigen Achtung der Lebensnotwendigkeit der Völker und vor allein auf einer einheitlicheren Auffassung der Rechte, der Interessen und der Pflichten der europäischen Kultur aufgebaut sein.

Der polnische Außenminister Beck erklärte, seiner­zeit sei es möglich gewesen, das französisch-polnische Bündnis in die Locarno-Verträge in Form eines Garantievertrages auf Gegenseitigkeit einzufügen. Dieses Bündnis bleibe in Kraft. Die Erklärungen zwischen Polen und dem Deutschen Reich vom Ja­nuar 1934, die dem festen Willen der beiden Re­gierungen entsprungen seien, den Frieden an ihrer gemeinsamen Grenze zu sichern, hätten es ermög­licht, Beziehungen herzustellen, die von gegenseitiger Achtung durchdrungen seien. Der zwischen Frank­reich und der Sowjetunion abgeschlossene Pakt hat in keiner Weise die Verpflichtungen ändern können, die sich für Polen aus seinen früheren Abmachungen ergeben. Bei allen Verhandlungen müsse der Grund­satz beachtet werden, daß über die Interessen irgend­eines Landes international nicht ohne seine Beteiligung und Zustimmung verhandelt werden könne.

Die Vertreter Spaniens und Argenti­niens sprachen sich anschließend geaen eineein­seitige Aushebung" vertraglicher Verpflichtungen aus. Der dänische Außenminister Munch meinte, die Vertragsverletzung sei unbestritten. Man dürfe sich aber nicht einem unfruchtbaren Fatalismus er­geben. Die Verhandlungen zwischen den unmittel­bar beteiligten Staaten sollten einen Schritt zur Wiederversöhnuna bilden, der allein das Gefühl der Sicherheit schaffen könne. Der rumänische Außenminister T i t u l e s c u sprach von einer Er­schütterung des gesamten Systems der kollektiven Sicherheit. Die Staaten der Kleinen Entente seien nicht gegen die Erörterung der deutschen Vorschläge. Diese könne aber erst stattfinden, nachdem die von Frankreich und Belgien aufgeworfene Vorfrage ge­regelt sei. Eine neue Regelung müsse einen unteil­baren Frieden zwischen Deutschland und allen Staaten Europas herbeiführen. Es fiel auf, daß der Vertreter von Ecuador an der Sitzung nicht teilgenommen hat, da seine Regierung nicht gegen Deutschland sprechen und stimmen will.

Wieder eine Aachisitzung der Locarnomächte.

Ein beträchtlicher Fortschritt erzielt."

London, 19. März. (DTtB. Funkspruch.) Die Locarnomächle setzten am Mittwoch gegen 23 Uhr englischer Zeit ihre Besprechungen im Foreign Office fort, lieber die Sitzung, die erst um 2 Uhr geschlossen wurde, ist folgende amtliche Mit­teilung ausgegeben worden:Die Sitzung prüfte den Entwurf über ein allge­meines Uebereinkommen unter Vorbehalt gewisser Punkte, die einer weiteren Prüfung be­dürften. Ls wurde ein beträchtlicher Fort­schritt erzielt."

Wie derDaily Telegraph" meldet, erklärte Flandin nach der Nachlsihung der Locarno­mächte:Lin beträchtlicher Fortschritt in Richtung eines gemeinsamen Standpunktes der Locarnomächte ist erzielt worden. Ls gab eine Vereinbarung im Grundsatz. Man wird sehen, daß wir gute Arbeit geleistet haben." Die Locarnomächte werden Donnerstag erneut zu­sammentreten. Das britische Kabinett wird voraus­sichtlich am Vormitlag die aufgeworfenen Fragen

erörtern. Man hofft bis Samstag sowohl die Arbeiten des Völkerbundsrates wie der Locarno­mächte abgeschlossen zu haben. Jn französi­schen ebenso wie in englischen Berichten wird her­vorgehoben, daß beträchtliche Forlschrille erzielt worden seien.

Die deutsche Abordnung in London.

Unser Bild zeigt Botschafter von Ribbentrop (rechts) vor dem Abflug in Berlin. Links von ihm Ministerialdirektor Dieckhoff. (Scherl-M.)

s

London, 18. März. (DNB.) Auf dem Flug­platz von Croydon traf die deutsche Abordnung ein. Botschafter von Ribbentrop wird begleitet von Ministerialdirektor Dr. D i e ck h o f f, Vor­tragendem Legationsrat Woermann, Den Lega­tionsräten Wingen und Dr. Schmidt, Lega­tionssekretär Dr. Kordt, dem Adjutanten des Botschafters T h o r n e r und dem Pressereferenten Dr. B o t t i g e r. Legationsrat von Schmieden wird sich der deutschen Abordnung zu einem späte­ren Zeitpunkt anschließen.

Botschafter von Ribbentrop sprach am Mittwochabend bei dem englischen Außenminister Eden in dessen Amtszimmer im Unterhaus vor.

Oer französische stellvertretende Generalstabschef in London.

London, 18. März. (DNB.) Der französische stellvertretende Generalstabschef General Schweiß- g u t traf in London ein, um mit den britischen Militärbehörden technische Fragen in Ver­bindung mit der Möglichkeit einer beiderseiti­gen Entmilitarisierung der Grenze zu besprechen. Reuter fügt hinzu, die Schwierig­keiten beständen darin, daß England Vorkehrungen auf beiden Seiten der Grenze anzuwenden wünsche, während die Franzosen nur Maßnahmen für die ehemals entmilitarisierte Zone ins Auge fassen möchten. Aus französischen Kreisen verlautet, daß der englische Vorschlag völligunannehm­bar sei.

Empfänge beim König.

London, 17. März. (DNB.) Der König von England empfing am Dienstagnachmittag den fran­zösischen Außenminister Flandin. Kurz vorher hatte er eine viertelstündige Unterredung mit dem ständigen Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes Sir Robert 23 a n f i 11 a r t. Anschließend empfing der König nacheinander den belgischen Ministerpräsidenten van Zeeland und den pol­nischen Außenminister Oberst Beck.

Kein Kleben an überholten Vorstellungen.

Das Echo der englischen presse.

London, 19. März. (DNB. Funkspruch.) Die Daily Mail" wendet sich gegen die Versuche, auf England einen Druck auszuüben, damit es neue Verträge abschließe und neue Garantien eingehe. Auf der kommenden internationalen Konferenz müßte auch die Rückgabe der Mandatsge­biete anDeutschland erörtert werden. Ebenso müsse der französisch-sowjetrussische Pakt geprüft werden. Seine Gefahren sollten aller Welt klar sein nach der Rede, die Litwinow vor dem Völkerbundsrat gehalten habe. Sie erwecke den Eindruck, daß die Sowjets ihr äußerstes daran setzten, um die europäischen Mächte in einen Krieg z u stürzen, in dem sie sich gegenseitig zum Nutzen des Bolschewismus zerstören würden. Die britische Öffentlichkeit habe einen Schlag dabei verspürt, daß ein bolschewistischer Vertreter über­haupt am Ratstisch säße, und daß Litwinow die Dreistigkeit gehabt hätte, aufzustehen und den zivilisierten Völkern eine Vorlesung über die Einhaltung von Verträgen zu halten

Unter der Ueberschrift:Präliminarien für den Frieden" hebt dieTimes" vor allem den Satz aus Edens Rede hervor, daß der Friede nicht we­niger wesentlich für das Recht sei, als das Recht für den Frieden. Es sei von höchster Bedeutung, daß nun alle betroffenen Ländern an den in Gang be­findlichen Verhandlungen teilnehmen. Man könne ihnen mit Hoffnung und Vertrauen entgegensetzen, sobald erst einmal ein Weg gefunden fei, der über den gegenwärtigen toten Punkt hinausführe. Nach britischer Ansicht könne ein solcher Weg gefunden werden, wenn man sich entschlossen weigere, die Verhandlungen in eine Zerstörung des Frie­dens durch das Kleben an überholten Vorstellungen ausarten zu lassen. Die bri­tische Regierung habe bereits für den Frieden zwei beträchtliche Beiträge geliefert. Sie habe die Ver­handlungen nach London gebracht, und d i e Deutschen in die Verhandlungen mit einge­schlossen.

Sie Gelegenheit Darf nich! verpaßt werben.

Stimmen Der Vernunft aus Der englischen Oeffentlichkeit.

London, 18. März. (DNB.) DieTime s" veröffentlicht eine Reihe von Zuschriften, in denen sich bekannte Männer des öffentlichen Lebens, un­ter ihnen auch Abgeordnete, zur gegenwärtigen politischen Lage äußern. So richteten u. a. der auch in Deutschland bekannte Professor Conwell- Evans und der bekannte Industrielle Tennant eine gemeinsam unterschriebene Zuschrift an die Times", in der es heißt:

Der Vertrag von Locarno war nichts als ein Intermezzo im Nachkriegssystem und sein Hauptfaktor ein Völkerbund, der durch die fran­zösische Armee unterstützt wurde und sich haupt­sächlich um die Aufrechterhaltung der französischen Sicherheit und der Bestimmungen des Versailler Vertrages bemühte. Der Locarno-Vertrag verfehlte bald seine Ziele und wurde einseitig. Deutschland bietet für die Wiedererlangung der Herrschaft in seinem Gebiet und zwar fast 20 Jahre nach dem Kriege ein neues und besseres Sicher- heitsabkommen mit vollständiger Gleichbe­rechtigung, aber ohne Diskriminierung, und den Garantiemächten einen Vertrag, der leichter und mit weniger Risiko zu tragen ist als Locarno, der ihnen nicht die unmögliche Pflicht auferlegt, daß sie Deutschland verbieten sollten, Herr im eige­nen Hause zu sein. Der vorgeschlagene neue Vertrag würde die Garantiemächte verpflichten, Feindseligkeiten zu verhindern und für diese Auf­gabe würden sie die Unterstützung der Völkerbunds­mitglieder mit Einschluß der britischen Dominien genießen, die durch Den Völkerbundsvertrag ähn­lichen Verpflichtungen unterliegen. Es ist lebens­wichtig für die Sicherheit des britischen Reiches, daß der Völkerbund zu einer lebendi­ge n Wirklichkeit wird. Soll das britische Reich den Schutz des Völkerbundes als eines Stoß­dämpfers entbehren und jedem Druck und Stoß der Bündnisse und Gegenbündnisse ausgeliefert fein? Um des britischen Reiches willen hofft die öffent­liche Meinung Englands, daß die britische Regie­rung diese Gelegenheit nicht vorüber­gehen lassen wird. Zweifel an Der Aufrichtigkeit Dieser weittragenden Vorschläge sind eine Belei­digung für eine ehrliebende große Nation, Die jahrelang schwer an unverdienter Schande zu tra­gen hatte."

Gleichfalls in DerTimes" veröffentlicht Oberst Moore, Mitglied des Unterhauses, eine Zuschrift, Der wir folgende bemerkenswerte Aeußerungen ent­nehmen: Was sind die Alternativen, Denen Europa

nach Dem Schritte Hitlers vom 7. März 1936 jetzt ins Auge sehen muß? Meiner Ansicht nach nur Zwei: Erstens Die Möglichkeit, Frieden zu schaf­fen und ihn 25 Jahre lang aufrechtzuerhalten, ober zweitens Die Möglichkeit eines balDigen Krie­ges Durch das Erzwingen militärischer oder wirt­schaftlicher Sanktionen, wie sie Frankreich verlangt. Herr Hitler hat das erstere angeboten. Manche mögen dieser Geste mißtrauen und argwöhnen, daß die Freundeshand eine zweite Bombe versteckt halte. Aber es ist doch sicherlich besser, diesenBluff" zu wählen wenn es überhauptBluff" ist als die furchtbaren Möglichkeiten der zweiten Alter­native heraufzubeschwören. Kann und darf man Deutschland wieder vertrauen, nachdem es die feier­lichen Bindungen, die es freiwillig im Locarnopakt auf sich genommen hatte, gebrochen hat? Eine Ant­wort hieraus kann nur bie Erfahrung geben, obwohl Herr Hitler natürlich anführt, baß bet Locarno-Vertrag bereits burch bas französisch-russi­sche Abkommen grünblich verwässert würbe, unb aufjerbem ber Versailler Vertrag von beiben Seiten so oft gebrochen worben ist, baß ein weiterer Bruch kaum noch auffallen würbe. Man barf daher wohl mit gutem Grund annehmen, baß bas ©ebäube des Friedens, bas ber Vertrag von Ver­sailles auf bem Sanbe ber Empfinblichkeit, ber Furcht unb ber Rache aufgebaut hat, trotz ber Be­festigung burch Locarno zusammengebro­chen ist. Es besteht jetzt aber bie Gelegenheit zum Wieberaufbau bieses Hauses auf dem soliben Felsengrunb ber Selbsterhaltung, ber gemeinsamen Interessen, bes guten Willens unb vor allem bes gegenseitigen Vertrauens. Gott gebe, baß die Staatsmänner Europas zugreifen.

Lieble Hetzrede

eines Gowsetdiplomaien.

Ankara, 18. März. (DNB.) Aus Anlaß der Verlängerung des türkisch-russischen Freundschafts- oertrages fand hier ein Bankett und ein Empfang im Außenministerium statt. Der russische Botschafter Ka rach an benutzte die Gelegenheit zu einer Brandrede gegen Deutschland, ohne es namentlich zu nennen. Er führte u. a. folgendes

Ein Krieg sei im schnellen An­

märsche. Nicht Fragen des Rechts ober bes 23er» fahrens, sondern Die Vorbereitungen z u

einem Weltkriege ständen in Wirklichkeit im Mittelpunkte der Erörterungen. Der Krieg hänge von Dem ab, der an ihn denke, um sich seinen viel­fachen Schwierigkeiten zu entziehen, und der auf dem Wege der Gewalt sich von seiner Sorge und Angst zu befreien suche, sobald der, der den Krieg vorbereite, sich sagen werde, daß seine Rüstungen den erforderlichen Grad erreicht haben, unb baß bie Verteilung ber internationalen politischen Kräfte ihm günstig seien. Durch ihn werbe bieser schreckliche Krieg entfesselt werden. Heute handle es sich nicht um bie Aufstellung juristischer Formeln, sonbern um die Lebensinteressen der Völker und Staaten. Nicht durch faule Kompromisse sei dem Frieden ge­dient. Niemand könne sich in der Hoffnung wiegen, daß der neue Krieg lokalisiert und er selbst ver­schont bleiben könne.

*

Die Rede des Sowjetvertreters stellt sich als ein übler Ausfall gegen Deutschland dar, der unter Verdrehung aller der Weltöffentlichkeit bekannten Tatsachen den mißlungenen Versuch macht, türkische Kreise gegen den erprobten Frie­denswillen der deutschen Staatsführung aufzuwie­geln. Wegen dieses jedem diplomatischen Brauch widersprechenden Verhaltens des Sowjetvertreters werden bei der türkischen Regierung die erfor­derlichen Schritte unternommen wer­den.

Daladier antwortet dem Führer.

Die deutsch-französische Aussöhnung ein entscheidender Faktor des Friedens.

Paris, 19. März. (DNB. Funkspruch.) Am Mittwochabend trat der Vollzugsausschuß der ra­dikalsozialistischen Partei zusammen. Da­ta b i e r erklärte, bie außenpolitischen Schwierigkei­ten wären heute nicht so ernst, wenn Doumergue nicht am 17. März 1934 einen Abrüstungs- plan zurückgewiesen hätte, ber bie Heere Der Westmächte auf 300000 Mann begren­zen wollte. Unter Betonung Des bekannten franzö­sischen Standpunktes wandte sich Daladier gegen Den Deutschen Schritt in Der Locarnofrage unD gab Der Befürchtung Ausdruck, daß Europa ein gro­ßer Aufrüstungsplatz roertte. Europa werde dem gemeinsamen Ruin entgegen« gehen, wenn es bei Der Politik der Militär­bündnisse bleibe. Um dieses Schicksal zu be­schwören müßten alle Völker Europas eine letzte Anstrengung unternehmen.

Reichskanzler H l l l e r, so fuhr Der Redner fort, fyabe in seiner Franksur ter Rede Dem französischen Volk vorgeschlagen, Das Kriegsbeil zu begraben. Zwischen allen Volkern müsse Das Kriegsbeil begraben werden. Niemand in Frank­reich denke daran, ein 67-Millionen-Volk zu vereinsamen, einzukreisen oder zu brandmarken. Welcher Franzose, vor allem welcher ehemalige Frontkämpfer, verkenne, daß die Aussöh­nung zwischen Frankreich und Deutschland ein entscheidender Fak­tor des europäischen Friedens sei? Lr habe das oft betont und seine Ansicht nicht geändert.

Daladier forderte, daß zunächst den juristi­schen Forderungen Frankreichs ent­sprochen werde. Im übrigen wünsche er, daß Die Londoner Konferenz sich bemühe, bie Zukunft bes europäischen Friedens zu sichern unb alle Pläne z u prüfen. Frankreich, aber vor allem Deutschland müßten ein Werk bes Aufbaues bes Friebens unb ber Verhütung des Angriffs einleiten. Die Begrenzung ber Rüstungen fei eines der wesentlichsten Elemente ber Sicherheit.

Wöge Frankreich, so erklärte Daladier zum Schluß, bei diesem Werke nicht, wie allzuoft, die wirtschaftliche Seite der großen politischen Probleme außer acht lassen. 3m übervölkerten Europa könne kein politischer Friede inmitten eines Wirtschaftskrieges ein- ziehen. Wie viele Hindernisse stünden der Wäh- rungs- und Finanzsolidarität, einer besseren Verteilung der Rohstoffe und der Erzeugnisse, der Organisierung der Absatzmärkte und der wirtschaftlichen Solidarität der Völker entgegen, während doch die Zivilisation dank des Fort­schrittes der Technik unter dem Zeichen des Ueberflusies stehe. Der Friede werde leichter herzustellen sein, wenn die Staatsmänner da­von ausgehen, daß die wirtschaftlichen Probleme im täglichen Leben der Menschen eine Be­deutung erlangt hätten, wie man sie in den vorausgegangenen Jahrhunderten nicht kannte.

Oer griechische Staatsmann Veniselos gestorben.

Paris, 18. März. (DNB.) Am Mittwochmor­gen gegen 8.50 Uhr starb in Paris ber ehemalige Ministerpräsident von Griechenlanb Veniselos. Veniselos würbe 1864 auf ber Insel Kreta geboren. 23on Jugenb an Revolutionär, war er bereits an­fangs ber 90er Jahre Haupt einer Aufstandsbewe« gung auf Kreta. Bei Ausbruch bes Weltkrieges be- fanb sich Veniselos in München. Er kehrte eiligst nach Griechenlanb zurück unb erlaubte ben beiben deutschen KriegsschiffenSoeben" unbBreslau" sich mit Kohlen zu versorgen. Daburch gelang es diesen, bie Darbanellen zu erreichen, so baß eine gänzliche Wendung bes Kriegsbilbes im Nahen Orient eintrat. Veniselos wollte jeboch Griechenland auf D i e <5 e i t e ber Entente ziehen. Mit Hilfe französischer Bajonette, gegen ben Willen bes grie- chischen Volkes, würbe auf Betreiben von Veni- selos König Konstantin bann im Juni 1917 vertrieben. Unter bem Schutz französischen Militärs zog Veniselos in Athen ein, übernahm bie Regie- run$ unb erklärte ben Zentralmächten ben Krieg.

nur die königstreuen Griechen begann eine kum­mervolle Leibenszeit, jeder Versuch, sich gegen Ve» mfelos aufzulehnen, würbe blutig unterdrückt. 1920 mußte er jeboch ins Auslanb flüchten. In Pans versuchten zwei griechische Offiziere, ihn zu ermorden. Der unglückliche Ausgang des von Beni- seins begonnenen Feldzuges in Kleinasien führte dann zu einer Revolution, bei ber König Konstantin zum zweiten Male vertrieben wurde. Veniselos übernahm dann kurz noch einmal die Regierung. Zwischendurch aber wurden ihm wichtige diplomatische Missionen in Lausanne, Senf unb London übertragen. 1928 kehrte er nach Griechenlanb zurück unb wurde bei Den Wahlen int August 1928 mit überwältigender Mehrheit ge­wählt. Die Wirtschaftskrise und zahlreiche Morrup- tionsfäüe seiner Freunde brachten ihn bei den Wahlen 1933 zu Fall. Mit Deutschland hatte