Einzelbild herunterladen

Nr. 67 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Donnerstag, 19. März 1956

Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Monatr-Bezugspreir:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Fernsprechanschlüffe

unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siehe« poftschecttonto:

Frankfurt am Main 11686

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vruck und Verlag: vrühl'sche UniverfilätsSuch- und Sleindruckerei R. Lange in Gietzen. Schriftleiiung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags

Grundpretfe für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Npf., für Text- anzeigen von 70 m m Breite 50Rpf.,Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25°/ mehr.

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Ostpreußen weiht sich -em Führer.

Tritt jetzt wie ein Mann hinter mich und stärke mich in meinem Kampf, der der Kampf ist für dein Recht und für deine Freiheit!"

*

Der Führer erklärt auf einer überwältigenden Treuekundgebung der Ostmark in Königsberg, daß er sich nur einer Instanz verantwortlich fühle: dem deutschen Volke

Königsberg, 18. März. (DNB.) Der große Tag ist angebrochen. Ganz Königsberg fiebert der Stunde entgegen, zu der in der Riesenhalle des Schlageterhauses der Führer zu den Ostpreußen sprechen wird. Ganz Königsberg flaggt. Was es an Hakenkreuzfahnen in Königsberg gibt, das weht im Winde. An den Fenstern sieht man weiße Ker­zen, die am Abend beim Eintreffen des Führers mit ihrem Flammenschein von der Freude eines be­glückten Volkes künden werden. Girlanden winden sich über die Straßen, Spruchbänder grüßen den Führer. Häuserfronten sind mit Kränzen und Tannen­gewinden geschmückt. Die Fassaden haben Leucht­bänder aus Glühbirnen erhalten, die ihr zauberhaf­tes Licht in den Abendstunden erstrahlen lassen werden.

Wiederaufbau im deutschen Osten

Wenn Ostpreußen in freudiger Erwartung des Führers an all das denkt, was es ihm in den letzten drei Fahren der nationalsozialistischen Regie­rung verdankt, so zeigen nackte Zahlen mehr als schöne Worte, was der Führer gerade fürOstpreußen getan hat, das wirtschaftlich am meisten unter der Mißwirtschaft der Systemparteien zu leiden hatte. Und wir lassen Zahlen sprechen: Allein das Steueraufkommen ist im Fahre 1935 gegen­über dem Jahre 1932 um 73,9 v. H. gestiegen; das ist erheblich mehr als der Reichsdurchschnitt, der nur eine Steigerung um 56,2 v. H. zeigt. Auch die Sparkasseneinlagen zeigen das wirtschaft­liche Aufblühen der Provinz. 1935 sind gegenüber 1932 mit 266 gegen 172 Millionen die Einlagen 14m 54,1 v. H. gestiegen bei einem Reichsdurchschnitt von 34,2 v. H. '

Einen besonderen Erfolg hat die Arbeits- schlacht in Ostpreußen gehabt, waren die Arbeits­losen doch in den drei Sommern der national­sozialistischen Regierungsjahre fast völlig ver­schwunden. Für das Agrarland Ostpreußen ist von ganz außerordentlicher Bedeutung die Sied­lung. Hier zeigt sich, daß in den Fahren nach der Machtübernahme rund 30 000 Hektar mit 2108 Bauern besiedelt wurden. Dazu kommen 3400 Klein­siedlungen allein im Fahre 1935. Auch der Woh­nungsbau hat große Fortschritte gemacht. Rund 28 000 städtische Wohnungen wurden in den Fah­ren nach der Machtübernahme erstellt. Das ist in jedem Fahr das Doppelte und Dreifache von den früheren Fahren. Die Fndustrialisierung Ostpreußens hat nicht minder gewaltige Fort­schritte gemacht. 17 Betriebe sind neu erstanden mit einer Belegschaft von 1525 Mann. Auch im Ver­kehr hat sich eine Steigerung bemerkbar gemacht, die für Ostpreußen von ungeheurer Bedeutung ist. Der Güterumschlag in Königsberg betrug 1932: 1,7 Millionen Tonnen, im Fahre 1935 dagegen 2,9 Millionen Tonnen. Königsberg, die einzige Großstadt im Osten, konnte ihren Haushalt voll­kommen ausgleichen und ihre Schulden bezahlen. Aehnlich liegt es bei den ostpreußischen Mittel- und Kleinstädten. So ergibt sich aus diesen Zahlen mit aller Deutlichkeit, daß die Regierungsführung von Adolf Hitler eine wirtschaftliche Gesun­dung gebracht hat, die in der nächsten Zeit zu einer vollständigen Beseitigung aller wirtschaft­licher Schäden, die die Systemparteien verursacht haben, führen wird.

Der Führer spricht.

Stundenlang vor der Ankunft des Führers ist die größte Halle in Königsberg, die des Schlageter- hauses, von einer festlich gestimmten Menschen­menge bis auf den letzten Platz besetzt. Diel zu früh schlossen sich für die meisten die Pforten des Schlagetevhauses, das bald von einer dicht gedrängten Menschenschar umlagert war. Nach­dem die Versammlung eröffnet war und Gauleiter Koch gesprochen hatte, erleben dann die Menschen im Schlageterhaus durch die Lautsprecher mit, wie der Führer durch die Stadt fährt, wie ihm die Menschen zujubeln, es kaum gelingt, die Massen zurückzuhalten, die alle den Führer sehen wollen, die alle erfüllt sind von dem großen Erlebnis der Stunde. Und dann ist der Führer da! Vom Eingang der weiten Halle pflanzt sich der Fubel fort nach vorn. Die Hände recken sich dem Führer entgegen, der in Begleitung des Gauleiters durch die Halle schreitet und den führenden Männern der Provinz die Hand drückt. Fubel erklingt immer wieder von neuem und steigert sich in einen Orkan, als der Gauleiter verkündet:Ostpreußen! Fhr in der Halle, und ihr eine Million in der Provinz am Lautsprecher horcht auf, der Führer sprich t."

Lange dauert es, bis der Jubel abebbt und der Führer beginnen kann. Und wieder und immer wieder wird er vom stürmischen Heil der Massen unterbrochen, wenn er mit ernsten Worten von den gewaltigen Aufgaben spricht, die zu bewältigen waren und die heute noch vor ihm als dem Führer des Volkes und dem Sprecher der Nation stehen.

Scheinwerfer beleuchten andächtige Gesichter Tau­fender von Menschen, die mit Ergriffenheit hören, wie der Führer von dem einstmaligen geschichtlichen Zusammenbruch spricht, diesem Zusammenoruch, der unzählige Existenzen vernichtete. Die Gedanken der Menschen gehen zurück zu den Zeiten der Erwerbs­losigkeit, der Verelendung des deutschen Volkes, und man fühlt es, wie sie bei den Worten des Führers diese fast vergessenen Dinge wieder in ihr Gedächtnis zurückrufen, jene Zeiten des völkischen Verfalls mit 47 Partei und 16 oder 17 Länder­regierungen.

In diesen drei Jahren, so erklärte er weiter, habe eine Aufgabe die andere abgelöst, und er habe nicht gezögert, jede in Angriff zu nehmen. Großer Ernst klingt aus den Worten des Führers, als er von dem Glauben dieser Generation spricht, diesem neuen Glauben, der aus dem ganzen deutschen Volk strahle, diesem fanatischen Glauben: Deutsch­land lebt und wird nicht zugrundegehen. Und dann werden viele Tausende aufgerüttelt von den Worten des Führers, der an die Zeit erinnert, d a Ehre

und Freiheit nichts galten, diese beiden Be­griffe, die er dem deutschen Volk neu geschaffen habe, und die er erhalten werde. Man wolle nicht hurrapatriotische Unbesonnenheiten, erklärte der Führer, man wolle nur erreichen, daß andere Völker die Realität des deutschen Volkes zur Kenntnis nehmen. Die Be­deutung des Völkerbundes, so fuhr der Führer fort, hätte darin liegen sollen, mit vernünftigen Methoden Gegensätze unter den Völkern zu be­seitigen. Aber ein Bund der Nationen, dessen Völker in verschiedene Klassen eingeteilt sind, sei unmög­lich gewesen. Es gebe entweder nur Völker gleichen Rechts ober Unterdrückung mit Haß und Furcht. Der Haß aber müsse ersetzt werden durch höhere Vernunft. Als der Füh­rer erklärt, er habe gehandelt, wie er nicht anders habe handeln können, da jubeln Tausende ihm zu und der Jubel will kein Ende nehmen. Es gebe nur eine Instanz, betonte der Führer, der er sich verantwortlich fühle, das fei das deutfche D 0 lk felbst !

Eine Kraft, ein Wille, eine Tal.

Die Rede des Führers in Königsberg.

Königsberg, 19. März. (DNB. Funkfpr.) In feinem Appell an das oftpreußifche Volk in der Königsberger Schlageter-Halle riß der Führer die Massen zu endlosen Begeisterungsstürmen hin. Er entwarf ein groß gesehenes Bild vom tiefen Zer­fall und wunderbaren Wiederaufstieg der Nation. In klaren und eindrucksvollen Formulierungen stellte der Führer die historische Bedeu­tung der Stunde heraus, in der das deutsche Volk erneut seine Stimme in die Wagschale legen soll, um den Will en einer einigen N a - t i 0 n der Welt gegenüber zu dokumentieren. Die Grundgedanken dieser Rede fanden in folgen­den Kernsätzen ihren Ausdruck:

..Nur aus der Verbindung mit dem Volke kann die Kraft kommen für ein Regime, das einer Aufgabe gegenüber gestellt ist, wie der unfrigen. Diele Aufgabe konnte und kann nur ge­löst werden durch die Zusammenfassung aller Kräfte zu einer Kraft, aller Willen zu einem Willen, allen Handelns zu einer Tat."

Wann ist jemals in drei Jahren deutscher Ge­schichte mehr und besseres geleistet wor­den, als in den Jahren 1933 bis jetzt? Welche Ein- mütigfett bietet heute diese geschichtlich so oft zer­rissene Nation? Welches Bild bietet heute dieses Volk in seiner Geschlossenheit, in der Macht seines Willens und in der Stärke seines Glaubens. Was durch diese wunderbare Kraft in diesen drei Iah- ren Deutschland an Nutzen erwachsen ist, kann kaum abgeschätzt werden."

*

Das deutsche Volk hat ein anderes Gesicht bekommen. Diese Millionen haben einen ande­ren Glauben erhalten. Früher ging von ihnen aus eine Welle des Verzagtseins und der Verzweif­lung, der Lethargie, der' Gleichgültigkeit und der Hoffnungslosigkeit. Jetzt strahlt aus ihnen diese deutsche Zuversicht, dieser fanatische Glaube: Deutschland lebt und wird nicht zugrundegehen!"

Diese Zuversicht hat im deutschen Volke wieder das Verständnis geweckt für die Empfindungen der Ehre und der Freiheit. Ehre und Freiheit aber sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gestaltung der außenpolitischen Beziehungen des Volkes."

Es ist unmöglich, einen BundderNationen aufzubauen auf dem Buchstaben eines Vertrages, der die Völker zerreißt in verschieden gewertete Klassen von Nationen. Was wir erstreben, ist die Er- setzung dieser aus Haß geborenen Völkerzer - reifjung durch eine höhere Vernunft der Völ­kervereinigung und Völkerzusammenfügung. Es ist die Aufgabe einer wirklich politischen Füh­rung, dem natürlichen Lebensanspruch der Nationen in vernünftiger Weise nachzugeben, statt zu ver­suchen, ihn zu vergewaltigen."

Du darfst nicht erwarten, deutsches Volk, daß die andere Welt Verständnis für deine Argumente besitzt, solange du nicht selbst entschlossen bist, für dein Lebensrecht einzutreten. Und das habe ich nun feit drei Jahren getan. Ich tue es, weil ich nicht anders kann, weil ich sehe, daß es geschehen muß. Ich habe nichts getan, was ich nicht nach meinem innersten Gewissen im Interesse des deutschen Volkes tun mußte. Ich würde mich pflichtvergessen an den Interessen der deutschen Nation versündigen, wenn ich nicht aus dem fron» zösisch-sowjetrussischen Pakt auch für Deutschland

die einzig möglichen Konsequenzen gezogen haben würde."

*

Deutschland hat keine Eroberungs­wünsche in Europa. Deutschland hat nicht die Absicht, irgend jemand in Europa etwas zuleide zu tun. Es hat aber auch nicht die Absicht, noch irgend ein Leid in Zukunft zu erdulden!"

*

Für meine Entschlüsse gibt es nur eine ein­zige Instanz, der ich mich verantwortlich fühle und das ist das deutsche Volk selbst!

Deutsche grauen!

Ls gab eine Zett, wo die Sorge um das Wohl der Familie die Frau und Mutter in die Arbeitsbetriebe der Fabriken trieb. Durch solchen Kamps ums Dasein wurde allzu früh die Nervenkraft der Frau verbraucht. Bei der Machtergreifung durch die NSDAP, sah es unser Führer als eine seiner ersten Aufgaben an, die Frau ihrem ureigensten Aufgaben­gebiet als Frau und Mutter wieder zuzu­führen.Ls gibt keinen größeren Adel für die Frau, als Mutter der Söhne und Töchter zu fein, sagt der Führer. Alle geschaffenen Einrichtungen des Deutschen Frauenwerkes sprechen für das große Aufgabengebiet der Ertüchtigung unserer Frauen.

Deutsche Frau, es ist deine heiligste pflicht, am rs.Mcirz deine Stimme dem Führer zu geben!

Ich bitte es, daß es mich in diesem Kampf stärkt, daß es mir die große Legitimation erteilt, als fein Vertreter, a l s fein Sprecher, und als sein Führer vor der Welt handeln zu können!"

*

Ich habe den Mut gehabt, die geschichtlich schwer st e Aufgabe zu übernehmen, die einem Sterblichen in einem Volke gestellt werden kann und erwarte nun von dir, deutsches Volk, daß du nun hinter rn i ch trittst, nicht weil du mich stützen sollst, sondern weil du dich stark machen mußt für dich selb st. Ich glaube, dann wird es auch den anderen Völkern und ihren Staatsmännern, so Gott will, klar wer­den, daß ein Volk von solcher Einigkeit, von solcher Glaubenskraft und Zuversicht nicht weiterhin so behandelt werden kann wie man bas glaubte 15 Jahre lang tun zu dürfen."

*

Ich biete und hinter mir steht dann ge­schlossen ein ganzes Volk den anderen Völkern die Hand zur Versöhnung und zur Verständigung. Wer es vor seinem Gewissen verantworten kann, diese Hände, in der sich 68 Mil­lionen Menschen vereinigen, zurückzustoßen, der soll dann die Verantwortung vor der Geschichte übernehmen!"

*

Drei Jahre lang, mein deutsches Volk, bin ich dein Herold gewesen. Heute bin ich wieder dein Herold für den Frieden Europas.

Als der Führer geendet hatte, raste ein nicht en­denwollender, minutenlanger Beifallssturm durch die Halle und über die Straßen und Plätze Kö­nigsberg. lieber diesen begeisterten Massen, diesem jubelnden Spalier lag die tief Ergriffenheit von Menschen, die ein unvergeßliches Erleb­nis in sich ausgenommen hatten.

Land ohne Streik.

Die nationalsozialistische Wirtschaftsordnung hat die sozialen Spannungen beseitigt, die mit dem Aufkommen des Kapitalismus zu immer erbitterte­ren Kämpfen zwischen den einzelnen Gruppen führ­ten und sich in Streiks entluden, deren für dis Gesamtwirtschaft verlustreiche Bilanz feststeht. Nur Deutschland hat von allen Ländern den Weg gefunden, mit den Klassen zugleich ihre Kämpfe um die Macht zu beseitigen, während in den anderen Nationen dies e^K ä m p f e fort- dauern und, wie Dänemarks Beispiel, der Streik der Neuyorker Fahrstuhlführer und die furchtbaren Bürgerkriegsszenen und Streiks in Spanien be­weisen, an Heftigkeit zugenommen haben. Dort, wo der Staat, der doch immer der Inbegriff des Ge­meinsamkeitsgedankens fein soll, nicht stark genug ist, um den verschiedenen Klassen seine Ideen auf­zuprägen, ist es selbstverständlich, daß Klasse gegen Klasse kämpft, wobei schließlich keine einzige den Sieg erringt, es sei denn, daß, wie in der Sowjetunion, eine absolute Minderheit ihr diktatorisches Programm gegen die überwiegende Mehrheit des Volkes und zu berem Leibwesen durchzusetzen versucht. Die proletarische Diktatur hängt eben mit bem Höchstkapitalismus eng zusam­men. Eines ist ohne den anderen schlechthin un­denkbar.

Wie entstanden diese Klassenkämpfe, was ist überhaupt Klasse? Die Antwort darauf wäre die Geschichte der Entwicklung des Kapitalismus. Im alten vorkapitalistischen Staat, der in England ziem­lich früh zu Ende ging, etwa um 1800, in Frank­reich um die gleiche Zeit, in Deutschland erst nach 1850, nxir die soziale Organisation und das ganze soziale Leben an den Stand geknüpft. Der Einzelne war von ihm abhängig und fand im Stand selbst sein Recht und seine Pflicht. Daher waren der Stand selbst und alle Stände zusammengenommen nicht nur Gegner jeder Umwälzung, sondern hatten, weil jeder Stand seine besonderen Vorrechte besaß, auch ein Interesse daran, die bestehende Gesellschafts- Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Kapitalis­mus zerfetzte diesen Ständestaat. Er beruhte dar­auf, daß das Einzelwesen lediglich nach der Kapital- fumme geschätzt wurde, die es repräsentierte, nach seiner Beherrschung eines Maschinen- oder Verkehrs­ader sonstigen Apparates und nach feiner individu­ellen Persönlichkeit.

Der Kampf dieser Persönlichkeiten gegen die Stände vollzog sich unter der Idee des Libera­lismus, von der der Marxismus lediglich eine doktrinäre Abspaltung war. Der Konserva­tive ging vom Staate aus, der Liberale vom Ein­zelwesen, der Stand verteidigte den Staat, die sich entwickelnden Klassen kämpften gegen den Staat und wollten ihn nach ihrem Bilde formen. Dieser Kampf ist nur in Deutschland zugunsten einer höheren Organisation ausgefochten, in allen an­deren Ländern tobt er verlustbringend fort.

Durch das Kapital, durch die Technik und die Industrialisierung wurden die Massen innerhalb der letzten drei Menschenalter geradezu revolutioniert. Der fortschreitende Kapitalismus stülpte alle be­stehenden Verhältnisse um. In den Städten bildeten sich gewaltige Arbeiterheere, die nichts besaßen oder verkaufen konnten, als ihre Arbeitskraft, und die Unternehmer, die diese Arbeitskraft kauften, ver­suchten natürlich, sie so billig wie möglich zu er­werben. Der Staat wurde zu einer Nachtwächter­rolle herabgedrückt, er hatte lediglich auf die äußere Ordnung zu achten, und es war ganz naturgemäß, daß sich in den Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Staat in besonders ausgepräg­ter liberaler Form doch den Interessen des Unter­nehmertums verschrieb, wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo die Staatsgewalt gewöhnlich bei Streiks Partei gegen die Arbeiter­schaft nimmt

In den Staaten mit einem gefestigteren Gefüge versuchten die Regierungen jedoch dem Unterneh­mer-Liberalismus sowohl wie dem umstürzlerischen Begehren ihres Gegenpols die Spitze dadurch ab- zubrechen, daß soziale Reformen eingeführt wurden und der Staat selbst, wie in Deutschland, als Unternehmer größten Stils (Eisenbahn, Post, Elektrizitäts- und Bergwerke) auftrat. Diese Unter­nehmungen vor allem des deutschen Staates waren gemein- ober gemischtwirtschaftlich. Immerhin bil­deten sie einen festen Kern gegen die Revolutionie­rung. Dazu kam der Bauernstand, der natürlich den Staat unterstützte und alle die llcberrefte der alten Stände und die allmählich sich zu Ständen entwickelnden Neuformungen, die im schrankenlosen Kapitalismus und dessen Widerspiel, dem Marxis­mus, die Auflösung jeder Ordnung sahen. Kapitalis­mus und Marxismus waren rein verneinende Kräfte, die im Kampf um die Verteilung des Volks-

Ein OReid) - ein Volk - ein Mhrer.