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Nr. 42Diertes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch, (y. Zebruar (936

Winter-Olympia1936.

Der Erfolg der Olympischen Winterspiele war vollkommen. Wie weit er über den Erfolgen bis­heriger olympischer Winterspiele liegt, beweisen einige Zahlen. 1908 nahmen in London nur 21 Kämpfer von sechs Ländern teil; 1920 in Antwer­pen 85 von zehn Ländern, 1924 waren es in Chamonix 293 Teilnehmer aus 16 Nationen, in St. Moritz (1928) beteiligten sich 492 Wettkämpfer aus 25 Ländern und in Lake Placid 307 Beteiligte aus 17 Staaten.

Turmhoch steht das Beteiligungsergebnis 1936 über allen bisherigen olympischen Winterspielen: 1500 der besten Wintersportler aus 28 Nationen kämpf­ten um olympischen Lorbeer, um die goldenen, silbernen und bronzenen Medaillen, die diesmal wohl härter umstritten werden mußten als je zu­vor. Deutschland konnte sich dabei einen Sonder­erfolg sichern. Im Jahre 1932 konnten die deut­schen Teilnehmer in Lake Placid nur zwei bronzene Medaillen erringen, und sie mußten sich zusammen mit Frankreich in der inoffiziellen Länderwertung mit dem 7. Platz unter den Nationen zufrieden geben. In Garmisch-Partenkirchen konnten sich die deutschen Teilnehmer den zweiten Platz erringen. Ein sehr erfreuliches Gesamtergebnis! Es war fast mehr als man sich erhoffen durfte. Der Erfolg ist aber den deutschen Mannschaften um so mehr zu gönnen, als sie sich einer sehr intensiven Vorberei­tung unterzogen und so alle Voraussetzungen schufen.

Es ist fast unmöglich, die Fülle der sportlichen Ereignisse in einer Ueberschau zu erfassen. Kaum find Vergleiche zu früheren Winterspielen mög­lich. Weltrekorde und mancher nationale Rekord wurden eingestellt, olympische Rekorde wurden un­terboten, Bahnrekorde gebrochen, höchste Leistun­gen wurden erzielt und lassen es schier unmöglich erscheinen, daß sie Überboten werden könnten. Es ist fraglich, ob je wieder einmal ein olympischer Kämpfer drei goldene Medaillen und außerdem noch eine silberne zu erringen vermag, wie es dem Norweger Ivar Ballangrud in den Eis­schnellauf-Wettbewerben gelang. Jeder, der aktiv Sport treibt, weiß, wie ungeheuer schwer es ist, auf kurzen und auf langen Strecken gleichermaßen gut zu sein.

Die Olympischen Winterspiele 1936 brachten er­wartete Ergebnisse, aber auch Ueberraschungen.

Wer hätte gedacht, daß den Kanadiern die Vor­herrschaft im Eishockey entrissen werden könnte? Und doch geschah es. Noch bei keinem bisherigen Winterolympia gab es so spannende, so harte und leidenschaftlich geführte Eishockey-Wettkämpfe, wie in Garmisch-Partenkirchen. Daß sich dabei die deutsche Mannschaft in einer so glänzenden Form behaupten würde, durfte fast nicht erwartet wer­den.. Diese Tatsache stellt eine erfreuliche Ueber- raschung dar.

Für Deutschland brachten bereits die ersten Tage das gute Omen zweier olympischer Goldmedaillen. Wie groß war die Spannung nach dem A b - f a h r t s l a u f um Christel Cranz, und wie groß ihr Triumph nach dem überragenden Torlauf, noch ihrem hart erkämpften Sieg in der Kom­bination. Galt es doch, nicht nur den Punkt­vorsprung der Norwegerin Schou-Nielsen aufzuholen, sondern noch Punkte gut zu machen. Fast ähnlich ging es ja auch Franz Pfnür, dem Manne aus dem bäuerlichen Skiklub von Schellen­berg, der sich gegen den hervorragenden Birger Ruud behaupten mußte. Schöner und nachhalti­ger konnte der deutsche Erfolg nicht sein, wenn man sich dessen erinnerte, daß auch die silbernen Medaillen durch Käthe G r a s e g g e r und Gustav La n sch n er gesichert wurden. Für den Ferner- stehenden ist es wohl kaum möglich, zu ermessen, welcher Fleiß, welche Hingabe an die Sache und welche Disziplin im Training' gerade diesen Lei­stungen vorausgegangen sein mußten.

Maxie Herber und Ernst Baier zählten im Paarlau-f des Eiskunstlaufes mit zu den Favoriten. Sie hatten aber in den Geschwistern P a u s i n , dem österreichischenGeheimtyp" schärfste Konkurrenz, die eine ebenso untadelige Kür zeigte. Daß der Sieg in diesem graziösesten aller Wettbewerbe an Deutschland fiel, ist um so erfreu­licher, als gerade das deutsche Meisterpaar einen völlig neuen und richtungweisenden Stil vor Augen führte.

An Sonja H e n i e s Sieg, wie auch am Siege des Oesterreichers Karl Schäfer im Eiskunst- lauf der Frauen bzw. der Männer war kaum zu zweifeln, trotzdem auch ihnen der Nachwuchs sehr auf den Fersen ist. Die deutsche Meisterin Viktoria Lindpaintner mußte andere als besser aner­kennen. Der 8. Platz ist aber für sie sicher noch als ehrenvoll anzusehen. Daß sich Ernst Baier unmittelbar hinter Schäfer placieren würde, wurde wohl allgemein erwartet.

Einen glänzenden Verlauf nahmen die B ob­re n n e n. Die Schweizer errangen durch den be­kannten Turnierreiter Oberleutnant M u s y den Sieg im Viererbob, die Amerikaner waren im Zweierbob die schnellsten. Daß sich der deutsche Alt­meister Kilian mit Plätzen zufrieden geben mußte, kam etwas überraschend. Welche großartige Rennen gefahren wurden, geht allein schon daraus hervor, daß im Zweierbob der von Kilian gehaltene Bahnrekord nicht weniger denn zwölfmal unter­boten wurde.

Die Langläufe in den Skiwettbewerben gehörten von vornherein und fast unbestritten den Skandina­viern. Des Schweden Larssons Sieg im 1 8 = km = Lauf war wie ein Auftakt zu dem beispiellosen Triumph der Schweden im Ski-Marathon. Es ist auch für olympische Winterspiele nicht als an der Tagesordnung anzusehen, daß sich gleich vier Läufer eines Landes in einem so schweren Wettbewerb, wie ihn ein 50-Kilometer-Langlauf darstellt, auf den ersten vier Plätzen behaupten. Aber die Schweden sind im Langlauf von zu Hause aus (Wasalauf 90 Kilometer und Holmenkolrennen 50 Kilometer) geeicht. Den Deutschen konnten hier keine Chancen bleiben, nachdem sich selbst die Fin­nen nur schwer zu behaupten vermochten.

Der 4-mal-10-Kilometer - Staffel- lau f brachte uns eine herbe Enttäuschung. Ein Kunstfehler" im Wachsen auf der ersten Etappe brachte es mit sich, daß die deutsche Vertretung über den 6. Platz nicht hinauskam. Den Fmnen und ihrem großartig laufenden Schlußmann Jalkanen wäre der Sieg von den Deutschen allerdings wohl kaum streitig zu machen gewesen.

In dernordischen" Kombination (18 Kilometer Langlauf und Kombinationssprunglauf) war den Skandinaviern ebenso wie im Spezial­sprunglauf der Sieg auch nicht zu nehmen. Daß

sich der Deutsche Toni Eisgruber in dieser Ge­sellschaft im Kombinationssprunglauf den zweiten Platz sichern konnte, war eine der großen und an­genehmen Ueberraschungen.

Der Spezialsprunglauf brachte die sicher­lich viel begrüßte Tatsache, daß nicht die erzielte Weite, sondern der bessere Stil für den Sieg als ausschlaggebend bewertet wurde. So blieb Birger Ruud vor Eriksson. So lagen im letzten der Wettbewerbe noch einmal die Norweger in Front. Auf sieben goldenen, fünf silbernen und drei bron-

Gesamtsumme der bisher eingegangenen Spenden 55 314,90 Reichsmark.

Weitere Geldspenden gingen ein am 8. Februar: Frosinn-Quartett, Postkeller, Gießen 5 Reichsmark.

10. Februar: L. Bratfisch, Gießen 5 RM.; Un­bekannt 80; Forstrat Trautwein 16; Niederhausen 15 Reichsmark.

11. Februar: Unbekannt 100 Reichsmark.

12. Februar: Unbekannt 60 RM.; Radfahrerver­ein 1895, Lollar 3; Ministerialdirektor Urstadt 13 Reichsmark.

13. Februar: Rindviehverficherungsverein Ober- Hörgern 10 RM.; Ziegenzuchtverein Wiefeck 3; Kleintierzüchterverein Holzheim 6; Johannes Mewes 5 Reichsmark.

14. Februar: Unbekannt 50 RM.; Stammtisch der Elfer bei Merlau 16; Wilh. Volkmann 16; Friedrich Wieß 5 Reichsmark.

15. Februar: Ludwig Rinn 2000 Reichsmark.

Lohnfpenden von Arbeitnehmern:

8. Februar: Wurftfabrik Dietz, Lich 24 RM.; I. P. Möbs, Gießen 46,12; Verwaltung der Vet.- Klinik 55,95; Gg. Phil. Gail, Gießen 11,50; Nieder­hausen, Gießen 5,41; Jürgen van den Bergh 9,35; Eierteigwaren Gießen 22,30; DAF., Gießen 29,82 Reichsmark.

10. Februar: Textilhaus Graf 27,94 RM.; Edgar Borrmann 9,05; Münchowsche Druckerei, Gießen 20,14 Reichsmark.

11. Februar: Didier-Werke, Mainzlar 174,51 RM.; Verwaltung der Univ.-Kliniken 5,25; Wilh. Zimmer, Gießen 18.35; Arbeitsamt Gießen 12,25; Zigaretten- frischdienft Gießen 22,60; Rinn & Cloos, Heuchel­heim 64,40; Adolf Geiße, Gießen 15,25; Hch. Keil, Hattenrod 14; Verein Alice-Schule, Gießen 34,95;

zenen Medaillen baute sich der Gefamtfieg der Norweger auf. Mit drei goldenen und drei sil­bernen Medaillen steht Deutschland an zweiter Stelle in der Gesamtwertung. Das bedeutet, daß Deutschland auf dem Gebiete des Wintersports mit in der vordersten Front der Weltbesten steht. Ein günstiges Omen für die Olympischen Spiele in Berlin!

Die Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch- Partenkirchen waren ein einziger und großer Sieg des olympischen Gedankens!

Neben diesen wichtigen Tatbeständen treten die übrigen zurück. Immerhin wurde wegen Gefähr­dung des Arbeitsfriedens durch böswillige Ver­hetzung der Gefolgschaft in fünf Fällen, wegen un­zulässiger Eingriffe von Vertrauensmännern in die Betriebsführung in einem Fall, wegen Störung des Gemeinschaftsgeistes in sechs und wegen dieses letzten Verstoßes in Verbindung mit böswilliger Verhetzung in zwei Fällen Antrag auf Einleitung eines Verfahrens gestellt. Von den im abgelaufe­nen Jahr beantragten 204 Verfahren haben bisher 162 ihre Erledigung gefunden, und zwar teils durch rechtskräftige Entscheidung (128), teils durch Zu­rücknahme des Antrages (34). Berufung wurde in 28 Fällen eingelegt. Dreimal führte sie zu einer Verschärfung, fünfmal zu einer Herabsetzung der Strafe, während in drei Fällen das Urteil der ersten Instanz bestätigt werden konnte. In weiteren drei Fällen wurde die Berufung zurückgenommen. Die übrigen Berufungsoerfahren find bisher noch nicht abgeschlossen.

In den Entscheidungen wurde überwiegend auf eine Geldstrafe (76) erkannt. Ihre Höhe blieb 25mal unter 100 Mark, 43mal betrug sie zwischen 100 und 499 Mark, 4mal zwischen 500 und 999 Mark, und ebenfalls 4mal ging sie über 1000 Mk. hinaus. 21mal wurde ein Verweis, 13mal eine Warnung erteilt, 9mal ging die Entscheidung auf die Aberkennung der Befähigung, Führer des Be­triebes zu fein (davon Imal auf die Zeitdauer von zwei Jahren), und 1 mal wurde auf die Entfer­nung vom bisherigen Arbeitsplatz erkannt. In acht Fällen erfolgte ein Freispruch.

zuges gegen das sudetendeutsche Land. Die hand­greiflichen Beweise solcherdemokratischen" Gesin­nung werden in der Tschechoslowakei selbst besser verstanden als die schönfärberischen Phrasen der Pakt-Diplomatie. Während Herr Hodza in Frank­reichs Hauptstadt Triumphhymnen auf die Demo­kratie anstimmt, summt man in den Elendsgebieten der Tschechoslowakei Lieder, die zwar weniger freu­dig sind, aber dafür den unbedingten Vorzug der Gefühlsechtheit besitzen. Wie die wahre Stimmung des Volkes in der tschechoslowakischen Musterdemo­kratie ist, dafür gibt die bekannte satirische Monats­schrift der SudetendeutschenDer I g e l" ein tref­fendes Beispiel. In einer Faschingsausgabe 1936 veröffentlicht diese Zeitschrift folgendes sarkastisch- traurige Gedicht, das die Not im Sudetenland wider­spiegelt:

Wir brauchen uns nicht erst Kostüme zu kaufen, Heißa, hihi!

Wir können vom Platz weg zum Tanze laufen, Heißa, hihi!

Und t "en wir uns auf dem Lumpenballe, Dann gen die gleiche Maske wir alle Und tanzen wie der Lump am Stecken.

Unter den Augen runde, rote Flecken, Die Stirne grau, und grau das Gesicht, So brauchen wir Schminke und Puder nicht. Und wenn der Magen vor Hunger knackt, So knurrt er doch auch zum Tanze den Takt. Die Polonaise führt kichernd Frau Elend auf, Wir folgen ihr schlotternden Knies zuhauf, Die Czechkarte ist Gutschein für den Entree, Unser Parkett der krümelnde Schnee.

Und dann verschlafen wir unfern Katzenjammer Zu Frühbuß in der Totenkammer.

Frühbuß ist ein Ort bei Graslitz, in dem beson­ders große Not herrscht und in dem sogar d i e Toten kammer als Notstandswohnung für eine sudentendeutsche Familie dienen mußte. Von den Segnungen der Demokratie ist hier nichts zu spüren, und Prinz Karneval schwingt als Zeichen seiner Narrenwürde den Gummiknüppel.

Verbrauchergenossenschaft Gießen 23,50; dieselbe 28,56; Karzentra Gießen 48,33 Reichsmark.

12. Februar: Gießener Brauhaus 42,77 RM.; Wilhelm Möser, Gießen 13,55; Industrie- und Han­delskammer 15,30; Bänninger 227,16; Finanzamt Hungen 22,25; Wilhelm Gailsche Tonwerke, Gießen 47,80 Reichsmark.

13. Februar: Franz Vogt, Gießen 30,70; Vogtsche Privat-Handelsschule 11,90; Ed. Klinke! u. Söhne 12,75; Gießener Dozentenschaft 6,50 Reichsmark.

14. Februar: Milchzentrale Gießen 18,85 RM.; I. B. Noll, Gießen 143,90; Schaffstaedt Gießen 28,77; E. Pistor Nachf. 6,59 Reichsmark.

15. Februar: Nuhn, Lollar 25,05 RM.; Singer- Nähmaschinen, Gießen 6,04 Reichsmark.

17. Februar: Buderus Lollar 511,22 RM.

17. Februar: Univ.-Versuchsgut Unterer Hard- hof 6,85 RM.; Herrenbekleidungshaus Gießen 19,60; Mannesmonnröhren-Büro, Gießen 7,10 DD-Bank, Gießen 37,50 Reichsmark.

Gesamtsumme 59 686,78 Reichsmark.

Geburtstagsgeschenk der Postbeamtinnen für den Führer.

LPD. Frankfurt a. M., 18. Febr. Die Postbeamtinnen im Gau Hessen-Nas- s a u wollen dem Reichskanzler und Führer Adolf Hitler zu seinem Geburtstag am 20. April ein Geschenk machen. Zu diesem Zweck werden die Postbeamtinnen, ähnlich wie an Weihnachten, Kleider und Wäsche, sowie andere notwen­dige Dinge arbeiten lassen, die dann dem Führer überreicht und von ihm der NSV. zur Verwendung für Hilfsbedürftige zur Verfügung gestellt werden sollen. Gleichzeitig wird dieses' Geburtstagsge­schenk rud) der Arbeitsbeschaffung dienen.

Offiziernachwuchs im deutschen Heer.

Von Hauptmann ((§) von Borstell, Reichs- kriegsministerium.

Während der anderthalb Jahrzehnte, in denen der Druck des Versailler Diktats auf der deutschen Wehrmacht lastete, konnte von einem Anreiz, die Offizier-Laufbahn einzuschlagen, kaum die Rede sein. Dabei fehlte es durchaus nicht an Eig­nung, gutem Willen und echter Soldatenbegeisterung in weiten Teilen unserer Jugend vornehmlich der Volksschichten, die feit Generationen dem Vaterlande befähigte Offiziere gestellt hatten. Viele Tausende solcher jungen Männer hätten freudig auch den har­ten und von zahllosen innen- und außenpolitischen Hemmungen erschwerten Dienst in der Reichswehr auf sich genommen, und die ihnen im Blut liegende, vererbte Begabung und Passion hätten ihnen über alle Belastungen und Entbehrungen hinweggehol­fen. An Einsatzbereitschaft fehlte es also nicht, vielmehr war die höchst triviale Tatsache der zahlenmäßigen Beschränkung der Offi­zierziffer im Reichsheer daran schuld, daß nur ein Bruchteil der Bewerber Aussicht auf Annahme hatte. Es konnte nicht ausbleiben, daß sich auf diese Weise nicht ganz ohne Berechtigung in der Öffentlichkeit die landläufige Ansicht ver­breitete, die Bewerbung für die Offizierlaufbahn sei eine aussichtslose Sache, von der man am besten die Finger ganz ließe. Diese Auffassung wurde in vielen Fällen natürlich noch verstärkt durch das naheliegende Rechenexempel über die Beförderungs- d. h. Z u k u n f ts a u s s i ch t e n. In einem kleinen Berufsheer, dessen Offizierstärke einschließlich der Sanitätsoffiziere und höheren Beamten die Zahl 4000 nicht überschreiten durste, ist die Aussicht, General" oder auch nurOberst" zu werden, na­türlich erheblich geringer als in einem Wehrpflicht­heer, dessen Stärke der Größe und Bedeutung des Staates entspricht.

Dank der historischen Tat des Führers vom 16. März 1935 ist Deutschland wehrpolitisch frei geworden; der Aufbau seiner neuen Wehr­macht, in der das Heer zahlenmäßig bei weitem an erster Stelle steht, geht seiner Vollendung entgegen. Damit wird aber zugleich die Bedeutung klar, die sich aus dem Aufbau des großen Gesamt-Organis­mus für die militärische Führerschicht ergibt. War es im Hunderttausend-Mann-Heer verhältnismäßig einfach, aus einer Vielheit von Anwärtern jedes Jahr eine kleine Auslese auszuwählen, so erfordert die erhebliche Vergrößerung des neuen Heeres eine entsprechende Verstärkung des Offizier­korps und die rasche Sicherstellung eines zahlen­mäßig ausreichenden Führernachwuchses, ohne daß die Anforderungen in geistiger, körperlicher und charakterlicher Beziehung herabgesetzt werden dür­fen und können. Wenngleich aus naheliegenden Gründen die Ausbildungszeit des Offizier­anwärters heute wieder Fahnenjunker genannt von annähernd 4 auf etwa 2 I al) r e heruntergefetzt wurde, so bedeutet dieser Maßnahme keineswegs eine Minderung der Lei­stung. Im Gegenteil, vom Fahnenjunger und spä­teren Fähnrich muß gefordert werden, daß er durch verdoppelten Einsatz aller Ener­gien und Kräfte einen Ausgleich für die vermin­derte Ausbildungszeit schafft. Denn die Aufgaben eines Führers und Erziehers im Wehrpflichtheer verlangen eher noch höhere Fähigkeiten und Kennt­nisse vom Offizier, als es im langdienenden Be­rufsheer der Fall war. Infolge der 12jährigen Dienstzeit standen ganz andere Mittel und Mög­lichkeiten für eine gründliche Ausbildung der Truppe zur Verfügung, als es die einjährige Dienst­zeit der Wehrpflichtigen zuläßt.

So hoch die Anforderungen an den künftigen Offizier sein müssen, ebenso falsch wäre es, in der Öffentlichkeit die Meinung ausrechtzuerhalten, die Bewerbung seiaussichtslos". Namentlich die soge­nanntepsychologische" Prüfung, der sich der angehende Offizieranwärter noch während des letzten Schuljahres unterziehen muß, hat häufig zu falschen Vorstellungen über dieunerfüllbare Schwere" der hier gefteiten Bedingungen geführt. Dazu sei gesagt, daß diese Prüfung zwar den Ein­satz aller körperlichen und geistigen Kräfte und die schärfste Konzentration des Willens erfordert, daß aber vom Prüfling nicht mehr verlangt wird als das, was ein physisch, geistig und charak­terlich gesunder junger Mensch I e i ft e n kann und leisten muß.

Abgesehen von der Tatsache, daß heute erheblich mehr junge Leute, als es die Verhältnisse in der Reichswehr gestatteten, die Möglichkeit haben, die Offizierlaufbahn einzuschlagen und damit ihren Herzenswunsch erfüllt zu sehen, kann getrost ausge­sprochen werden, daß bei Eignung und Bewährung des Offizieranwärters naturgemäß die Aussich­ten für Beförderung und Aufstieg im neuen Heere erheblich günstiger sind, als es im alten Reichsheer auf Grund feiner zahlenmäßigen Beschränktheit der Fall sein konnte.

Diese Gegebenheiten offen auszusprechen erscheint um so gebotener, als die Frage des Nachwuch - \ e s einer hervorragend ausgebildeten Führerschicht innerhalb der jungen deutschen Wehrmacht geradezu eine völkische und nationale Pflicht ist. Ein Blick auf die Umwelt außerhalb der Reichsgrenzen zeigt uns, daß die Verwirklichung des Abrüftungsgedan- kens in weitere Ferne denn je zuvor gerückt ist. Sieht man ganz ab von den kriegerischen Ereig­nissen im nördlichen Ostafrika und den militärischen Geschehnissen im ostasiatischen Unruheherd, so zeigt ein Blick auf die derzeitige Wehrpolitik der euro­päischen Staaten, daß das WortRüstungen" ge­genwärtig überall groß geschrieben wird. Wir er­innern hier nur an das riesige Rüstungsproaramm S o w j e t r u ß l a n d s, an den machtvollen Ausbau der englischen Luftflotte und die fanati­schen Anstrengungen Frankreichs, seine mili­tärischen Machtmittel die stärksten Europas auf allen Gebieten und mit allen verfügbaren Mitteln noch weiter zu steigern. Gerade in diesem Zusammenhang ist es nützlich, daran zu erinnern, daß die Zahl' der französischen Berufsoffiziere in der letzten Zeit auf mehr als 30 000 erhöht wurde!

Welchen gewaltigen Vorsprung der ausländischen Großmächte aber 'hat Deutschland militärisch und wehrpolitisch einzuholen, wenn man nur an die durch anderthalb Jahrzehnte ihm vorenthaltene Möglichkeit, Reserven auszubilden, erinnert! Berück­sichtigt man den in diesem Ziffernausfall enthalte­nen Prozentsatz an jungen Männern, die durch Ver­erbung und Erziehung einen hochwertigen Offi­ziernachwuchs gebildet hätten, so wird das Ausmaß

Die Wale Ehrengerichtsbarkeit im Zähre 1935.

Berlin, 14. Febr. (DNB.) Zu Beginn des ver­gangenen Jahres wurde erstmalig nach dem In­krafttreten des Gesetzes zur Ordnung der nationa­len Arbeit eine kurze Ueberficht über die Tätigkeit der sozialen Ehrengerichte gegeben. Im Jahre 1935 betrug die Zahl der Anträge auf Einleitung des ehrengerichtlichen Verfahrens 204. Diese Ver­fahren richteten sich gegen 223 Personen, darunter 24 Frauen.

Auch im Jahre 1935 richtete sich weitaus die Mehrzahl der Verfahren gegen Führer des Betrie­bes. Gegen diese wurde in 164 Fällen Anklage erhoben. Im übrigen mußte gegen acht Stellver­treter, 33 Aufsichtspersonen und 18 sonstige Ge­folgschaftsangehörige ein Verfahren beantragt werden. So wurden die Ausnutzung der Arbeits­kraft in 34, die Kränkung der Ehre in 95 und beide Tatbestände zusammen in 41 Fällen zum Gegen­stand der Anklage gemacht. Bei der Ausnutzung der Arbeitskraft handelte es sich in der Regel um untertarifliche Bezahlung, Nichtbezahlung von lleberftunbenarbeit, unzureichende Wohn- und Ar­beitsräume, mangelhafte Verpflegung, mangelhafte Deputatlieferung und Verweigerung von Urlaub. Weitere Fälle betrafen unzulässige Mehrarbeit und unberechtigtes Antreiben zur Arbeit. Eine Krän­kung der Ehre verfolgte am häufigsten durch Be­schimpfung (55), dann aber auch durch Mißhand­lung (21); zum Teil lagen beide Tatbestände vor (39). Auch Angriffe gegen die Geschlechtsehre weib­licher Gefolgschaftsangehöriger (16), zum Teil ver­bunden mit anderen Beleidigungen (5), führten zu einer Anklage wegen Kränkung der Ehre. In 39 Fällen richtete sich das unsoziale Verhalten gegen Lehrlinge.

Rosenmontag im Sndetenland.

Etwas vorlaut hat soeben in Paris der tschecho­slowakische Ministerpräsident Hodza erklärt, die Entstehung der tschechoslowakischen Republik sei ein Triumph der Demokratie" gewesen. Den Beweis für diese reichlich kühne Behauptung ist Herr Hodza den Franzosen und der übrigen Welt allerdings schuldig geblieben. Bekanntlich gehen die Ansichten darüber, was eine wahre Demokratie fei, recht weit auseinander. Aber wenn der tschecho­slowakische Ministerpräsident das von ihm vertre­tene und geführte Staatswesen als einen Hort der Demokratie feiert, so können wir Reichsdeutschen uns nur beglückwünschen, nicht in einer solchen Demokratie leben zu müssen. Demokratie ist ein Fremdwort und heißt übersetzt: Volksherr­schaft. In der Tschechoslowakei, die in der Haupt­sache aus drei Nationen Deutschen, Tsche­chen und Slowaken besteht und in der die Tsche- schen in der Minderheit sind, herrscht jedoch nicht das Volk, sondern nur eine von antivölkischen Ten­denzen beeinflußte Bürokratie. Die Abgeord­neten des Volkes, die die größte Partei im Prager Parlament, die Sudetendeutsche Partei, bilden, sind dagegen von jeglichem Einfluß auf die Regierung des Landes ausgeschaltet. Die De­mokratien behaupten von sich auch, daß sie im be­sonderen Maße dem Frieden ergeben seien. In keinem anderen Lande aber wird soviel vom Krieg gesprochen und in keinem anderen Land besteht eine so enge militärische Bindung an die notorischen Kriegsmacher des bolschewistischen Rußland wie in der Tschechoslowakei.

Demokratien wollen nicht nur auf Frieden und Volksrecht bedacht sein, sondern sie rühmen sich auch, dem Wohl des Volkes in hervorragender Weise zu dienen. Die Tschechoslowakei aber hat nicht nur eine von Jahr zu Jahr wachsende Arbeits­losigkeit aufzuweisen, sondern sie lenkt den Ver­armungsprozeß auch ganz bewußt auf jene Gebiete, in denen das deutsche Volkstum seit Urzeiten seßhaft ist. Sterbende Dörfer und krankende Städte kennzeichnen den Weg dieses Aushungerungsfeld-

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