Nr. 166 Drittes Blatt
Samstag, 18. Juli 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
HM
WWW V
WO - W
S* W
Aus Der Provinzialhauptstadt. I GlasgemÄde in derFriedhosskapeüe amRodtberg
Sprenger, an.
Gauleiter
Vor
Wettbewerb für ein
Schna-
Schna-
Samslag.
„Buchhalter
Sonntag.
„Buchhalter
Nationalsozialistische
Kriegsopferversorgung
Ortsgruppe Gietzen.
Marine-Ehrenmals Laboe der erste Preis zugedacht wurde und seine Arbeit auch im Ehrenmal ihre Verwirklichung fand. Das Fenster, das der
Künstler für die Gießener Friedhofskapelle schuf, zeigt im Mittelteil eine symbolische Darstellung des Trostes im Leid, in den beiden Seitenfenstern liest man in vielfältiger ornamentaler Gestaltung den Spruch „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden". Das Glasgemälde leuchtet in lebhaften Farben. Die Fenster des Kirchenschiffes wurden ebenfalls neugestaltet. In zarten Tonen sind hier die vielfach unterteilten Scheiben gehalten, so daß sich ein wirkungsvoller Gegensatz zwischen den Fenstern im Schiff und dem Fenster im Chor ergab. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Kriegsopferfahrt an den Bodensee vom 5. bis 14. August.
Auf Anordnung der Kreisamtsleitung ist der Mel- dungstermin zur zehntägigen Kriegsopferfahrt an den Bodensee (Preis 36 RM., inbegriffen Wohnung und Verpflegung) bis zum 25. Juli einschließlich verlängert. Anmeldungen werden bis zu diesem Termm au der Geschäftsstelle Gießen, Bahnhofstraße 38, von 7 bis 13 und 15 bis 17 Uhr entgegengenommen. Samstagnachmittags ist die Geschäftsstelle geschlossen.
Echafbockversteigerung in Siehe»
Am Mittwoch nächster Woche veranstaltet der Landesverband der Schafzüchter in Hessen-Nassau in der Dersteigerungshalle Rhein-Main in Gießen eine Versteigerung von Schafböcken. Zum Verkauf sind etwa 60 bis 70 Lammböcke des deutschen schwarzköpfigen Fleisch-Schafes vorgesehen. Gemeindeverwaltungen und Schäfereigesellschaften seien auf die Anzeige in unserem heutigen Blatte besonders hingewiesen.
Deutsche Bau- und Wirtschaftsgemeinschaft.
Die Deutsche Bau- und Wirtschaftsgemeinschaft veranstaltet am Sonntag, 19. Juli, im Katholischen Dereinshaus einen Vortrag. Auf die heutige Anzeige fei besonders aufmerksam gemacht.
Lerdunkelungsmaßnahmen in Gießen.
Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mitgeteilt:
Die gegenwärtig in der Stadt Gießen stattfindenden Verdunkelungsmaßnahmen führt der Reichsluftschutzbund, Ortsgruppe Gießen, auf Anordnung der Polizeibirektion Gießen aus.
Omnibusfahrt nach Schotten.
Die Omnibusse fahren am Sonntag früh 6.30 Uhr ab Gießen, Frankfurter Straße, Ecke Liebigstraße. Die Abfahrt erfolgt pünktlich. Die Teilnehmer von Leihgestern fahren um 6.00 Uhr ab Post Leihgestern, die Teilnehmer von Großen-Linden 6.10 Uhr ab Caf6 Dern. Die noch nicht abgeholten Fahr- karten können bis heute 13 Uhr auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, entgegengenommen werden.
Radwanderung nach Schotten.
Die Teilnehmer an der Radwanderung zum Rennen „Rund um Schotten" treffen sich am Sonntag früh 4.00 Uhr an der Volkshalle. Verpflegung ist mitzubringen. Die Fahrt geht über Grünberg— Ulrichstein—nach der Poppenstruth. Von hier aus die
Noch zwei Preisträger
im fremdsprachlichen Wettbewerb anläßlich des Gautages der Deutschen Stenografenschaft in Gießen.
Nachdem bereits zwei Mitglieder der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenografenschaft mit Preisen für sehr gute Arbeiten in französischer Sprache ausgezeichnet wurden, konnten nach endgültiger Bewertung zwei Mitglieder in englischer Sprache ausgezeichnet werden, und zwar: Oberzahlmeister Ewald Bötig in der Abteilung 120 Silben mit der Note „Hervorragend", Fräulein Esther Frei- t a g in der Abteilung 100 Silben mit der Note „Sehr gut". Beiden Mitgliedern wurden Ehrenpreise zuerkannt.
Dichterbesuch in unserer Gtodt.
Gießen bekommt den Besuch der Dichter, die zur Zeit auf Einladung des Landessremdenoerkehrs- verbandes Rhein-Main unsere engere Heimat kennenlernen wollen. Die Dichter treffen am kommenden Montag in unserer Stadt ein, wo ihnen ein Empfangsabend bereitet wird. Am Dienstag ist ihnen Gelegenheit geboten, die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.
Der Reisegesellschaft gehören an: Dr. Otto
Diese Verdunkelungsmaßnahmen sind nicht als Verdunkelung'sübung zu betrachten, sondern dienen nur zur praktischen Schulung der Zivilbevölkerung im Selbstschutz.
Die Bevölkerung wird gebeten, diese Schulungsmaßnahmen zu befolgen und die Anordnungen der Amtsträger des Reichsluftschutzbundes, die im Auftrage der Polizeidirektion handeln, genauestens zu beachten.
Oie ausscheidenden Mitglieder des Gtaditheaters
Von den aus dem Verband des Gießener Stadttheaters scheidenden Mitgliedern gehen, wie uns vom dramaturgischen Büro mitgeteilt wird, zur kommenden Winterspielzeit Luise Decker als 1. Salondame an das Stadttheater Harburg-Wilhelmsburg, Emmy HagernanN als 1. Altistin an das Landestheater Altenburg, Cissie H e n ck e l l als 1. jugendliche Salondame an das Stadttheater Freiburg, Aenne Markgraf als 1. Salondame und Liebhaberin an das Landestheater Meiningen, Ludwig Mosbacher als Naturbursche und Liebhaber an das Landestheater Darmstadt, Hans von S p a l l a r t als Spielleiter und 1. Bonvivant an das Landestheater Darmstadt.
Gloria-Palast, Seltersweg: „ bei". — Gleibergverein, 15 Uhr, Gleibergfest auf der Burg Gleiberg. — Deutsche Bau- und Wirtschaftsgemeinschaft e. G. m. b. H., Köln, 15 Uhr, öffentlicher Vortrag von Bezirksleiter E. Ludolph, Kassel, im Katholischen Dereinshaus.
Gewöhnlich wird es ja kein Bummel, sondern ein regelrechter Langstreckenlauf. Denn im allgemeinen begibt man sich bekanntlich zum Bahnhof, um zu verreisen. Und da in solchen Fällen ine Zeit ine Eigenschaft hat, ganz mächtig zu eilen, beginnt das Hasten schon auf der Haustreppe. Um Gotteswillen rasch zur Empfangshalle, einige Sprunge zum Fahrkartenschalter und mit Rekordgeschwindigkeit durch die Sperre zum Bahnsteig. Zur Ruhe kommst du erst wieder, wenn der Zug schon die Geleise der Bahnhofsanlagen überquert hat und sich bereits in voller Fahrt auf dem Wege zur nächsten Station befindet. .
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn du den Einfall hast, einmal völlig ohne Reiseabsichten zum Bahnhof zu gehen. Merkwürdig, rote wenige Menschen in der Stadt auf diesen Gedanken kommen. Dabei ist er so naheliegend und vielversprechend, wenn man es richtig bedenkt. Denn er verheißt zweifelsohne einen Genuß, der sich wie im Theater je nach Beschaffenheit und Temperament des einzelnen Zuschauers richtet.
Schon dieser atmosphärische Unterschied, der das Straßengetriebe von allem scheidet, was nur irgendwie mit dem Bahnhof zusammenhängt.. Du betrittst die Empfangshalle und spürst sofort den eigenartigen Reiz, der dich hier umgibt. Draußen brandet der alltägliche Verkehr, aber es dringt nur sein gedämpfter Schall an dein Ohr. Der Schall ist gewissermaßen das lokale Geranne zu dem Getriebe des Weltverkehrs im Bereich des Bahnhofs. Denn die blitzenden Schienen, die sich hier zusammendrängen, führen allesamt in die weite Ferne und heften ine Stadt an das große stählerne Netz, das alle Kontinente umspannt.
Von den Bahnsteigen her donnern die Zuge und zischen die Lokomotiven. In der Bahnhofshalle aber ist ein ständiges Kommen und Gehen. Vor allem jetzt in der Reisezeit. Du findest als stiller Zuschauer interessante Studienobjekte und kannst mit dir selbst ein aufschlußreiches Rätselraten anstellen über die landschaftliche Zugehörigkeit der einzelnen Reisenden, über ihre Pläne und die Absichten des Aufenthaltes in unserer Stadt. Es wird dir nach einer Meile des Beobachtens auch gar nicht schwer fallen, die koffer- belabenen Einheimischen von den aufmerksamer umschauenden Fremden zu unterscheiden.
Don besonderem Reiz aber ist zu jeder Zeit em Gang durch die Wartesäle. Hier herrscht die Ungezwungenheit des Augenblicks, und an den Tischen sitzen in bunter Reihe die Gäste, wie sonst in keinem Lokale in der Stadt. Ist es nicht vergnüglich, für eine Weile unter ihnen zu sitzen und die Schwingen der Phantasie mit der Vorstellung zu beflügeln, ein Mann zu fein, der eine weite Reife nur für eine kurze Spanne unterbricht?
Wirklich, solch ein kleiner Bahnhofsbummel ist eine nette Sache, die allerlei Interessantes mit sich bringt, und von der man was erzählen kann, auch wenn man mal keine Reise tut. H. W. Sch.
Dornotizen.
... kurzer Zeit wurde im Chorraum der Kamelle des Neuen Friedhofs am Rodtberg ein neues Fenster geschaffen, das in feiner künstlerischen Gestaltung dem Raume eine besondere Note gibt. Das Glasgemälde, das wir hier im Bilde zeigen, stammt im Entwurf, wie auch in der handwerklichen Ausführung von Erich K l o n k (Marburg). Der Schöpfer des Fensters hat in jüngster Zeit sehr von sich reden gemacht und zwar dadurch, daß ihm in dem ..... Fenster in der Weihehalle des Laboe der erste Preis zu-
G m e l i n , bekannt durch seine um die Reichsidee ringenden Romane und Erzählungen; Josef Martin Bauer, der bayrische Epiker und Träger des Jugendpreises der deutschen Erzähler; Barchold B l u n ck , der Bruder Hans Friedrich Bluncks, ein erprobter Erzähler und Kritiker von Rang; der Romanschriftsteller und Dichter Hans von Hülfen; Hans Hauptmann, bekannt durch feine Romane „Die tönernen Füße", „Im Schatten des Goldes" u. a.; Günther Eich, einer der Mitarbeiter des „Inneren Reichs", und schließlich der junge alemannische Lyriker und Erzähler Dr. Eberhard Meckel.
Gauleiter Sprenger
Mitglied des Ehrenansschnsscs des Weltkongresses für Freizeit und Erholung.
NSG. Soeben wird der Ehrenausschuh des Welt- kongresses für Freizeit und Erholung bekanntgege- den. Das Ehrenprotektorat hat der Stellvertreter des Führers, Reichsminifter Rudolf Heß. Dem Ehrenpräsidium gehören an: Gustavus Town Kirby (USA.), Dr. Robert Ley, Dr. Josef Goebbels, Comte de Baillet-Latour (Belgien). Dem Ehrenausschuß selbst gehören die diplomatischen Vertreter der teilnehmenden Auslandsstaaten, die Reichsminister sowie alle führenden Persönlichkeiten des Reiches, darunter der Reichsstatthalter in Hessen,
Tageskalender für
Gloria-Palast, Seltersweg: bei."
Tageskalender für
Die öeutfdie Rrbeitdfront n.S.=bemeinf(haft „Kraft öurdi kreude
Verfluchtes Gold!
Den Kopf eingezogen, schlich er sich wieder hinunter. Als er zehn Minuten später nachsah, stand die Tasse noch immer vor der Tür. „Freiln Maria, d' Milli wird kalt!"
Nomon von 3- Schneider-Zoerstl.
Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
28. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Das verstand der Lois. „Das ist richtig", meinte er. „Freilich muß man's Madel heiratn, wann man's gern hat. Und wie 's heutzutag is, hat 's ja a weiter nix mehr auf sich. Die jungen Leut Ham 's grab schön, friegn einen Zuschuß, es wird gsorgt, daß er eine Arbeit hat, unb baß sie sich um' Hauswesen kümmern kann unb um bie Kinber, bie s friegn. — Aber bieweiln is er oft noch z jung unb es hat kein Zweck, wenn zwei Kinber zammheiratn wolln. Unb roartn, bas will sie roieber net."
„Das Warten ist es nicht", meinte Maria. „Jedes Mäbchen, bem ber Mann verspricht, es zu heiraten, wirb auch auf ihn warten, wenn es ihn wirklich liebt. Ach", seufzte sie. „Haden Sie 's schon, Lois. Gar nichts, bas Sie brückt, unb ich habe so Diel.
„Mein Gott, bruckn tut einen jeben was , lachte er. „Fragt sich halt, wie schwer. — Aber ber Herr Wolfgang is boch gut mit ^nen?"
„Ja, ja, gewiß, Lois. Er ist bie Gute selbst. Ich möchte jetzt zu Bett gehen. Gute Nacht.
Verbutzt sah er ihr nach, wie sie zur Tur ging unb vergaß ben Gutenachtgruß.
Am anberen Morgen wartete Hornester eine geschlagene Viertelstunbe, bis er sich den Mut nahm, an bie Zimmertür seines Gastes zu klopfen- ria war sonst immer pünktlich zum Frühstück her- unter$etommen, unb heute ging es schon auf 9 uyr, unb sie war noch immer nicht ba.
Auf ein abermaliges Klopfen kam ihre Stimme unbeutlid) zu ihm heraus. „Könnte ich em bißchen heiße Milch haben, Lois?" . .
„Glei!" Er sprang bie Stufen hmab, zog ben Topf vom Herb unb verbrühte sich beinahe die Hänbe, als er bie heiße Milch in eine Taffe füllte. - Etwan, baß f gar krank is? sorgte er sich wahrend er wieder zu ihr hinaufstieg. „Die Milli hatt t da, Freiln Maria!"
„Danke!"
Keine Antwort.
„Freiln Maria!--"
Wieder vernahm er ihre Stimme wie vorher, heiser und undeutlich. „Es ist nicht versperrt, Lois! — Bitte!"
Da konnte man nicht mehr lang Flausen machen. Hineingehen und fragen, was los ist! Was anderes gab es nicht. Trotzdem war fein Gesicht hochrot, als er an ihr Bett trat. „Sind S' leicht krank? Das is sauber! Habn S' Ihnen mit was verdorbn?"
Sie hatte die Arme unter der Decke vergraben und den Kragen ihres Schlafanzuges hochgeschlossen. „Mir ist so kalt, Lois!"
„Glei schür ich ein!" Als er einen Arm voll Holz auf den Boden poltern ließ, schrie sie leise auf, wandte den Kopf mit Anstrengung zur Seite und schaute ihm zu, wie er die Scheite kunstgerecht in den Ofen schichtete. Kaum flammte das Zündholz auf, prasselten auch schon die trockenen Späne hoch. „So, jetzt wird's glei warm fein. Das geht uns grab noch ab. Was wirb ba ber Herr Amselmann fagn, baß i net besser aufpaßt hab'?"
„Sie können boch nichts dafür", sagte sie mit Aufbietung aller Willenskraft. „Ich bin ja selber dran schuld. Mir ist gestern das Feuer ausgegangen, und ich habe ewig lange gebraucht, bis ich es wieder zum Brennen brachte. Da bin ich in den Keller hinuntergegangen, um Späne zu machen. Wie ich dann heraufkam, hat es mich schon geschüttelt.
„Ja, aber so was!"
„Und jetzt ist mir so eigen, Lois/
Das glaubte er ohne weiteres. Ihr Gesicht qlvhte, die Lippen waren aufgesprungen, und in den Augen stand ein merkwürdiges Glänzen.^ „I schau, daß t einen Doktor von Garmisch krieg.
„Um Gottes willen nicht!"
„Net?" fragte er ratlos. „Ja, was denn nachher Freiln Maria?" r , , f
„Könnten Sie nicht an Herrn Amselmann telephonieren?" .,, . .
Das tat er. Aber Wolfgang war nicht zu Haufe.
Als Hornester zurückkam, stieg er mit schweren Füßen zu ihr hinaus. „Es ist niemand daheim gwesn, Freiln Maria."
„Das macht nichts, Rolf. — Glaubst du, daß man da unbedingt tot ist, wenn man sich da hinunterstürzt? — Sag doch Rolf?"
Lois zitterten die Finger, als er die Fiebernde in die Kiffen zurückdrängte. „Jetzt tu i aber einen Doktor holn, Freiln Maria. Glei wird er da fein, glei!"
Ihre Rechte hielt ihn fest. „Bleib doch! Würbest bu sehr traurig sein, wenn ich nicht mehr bin? Ja, Rolf?"
Der Hornester schluckte unb vermochte kaum mehr einen Ton hervorzubringen. Ihre Finger lösten sich von seinem Arm unb glitten hilflos auf bie Decke herab. Jetzt stirbt sie! war bas einzige, was er zu benken vermochte. Er hatte noch nie ein schwer Fieberkrankes gesehen.
Mit einigen Sätzen stürmte er bie Treppe hinab unb stieß bie Haustür auf. Die Dackel jagten ihm fläffenb nach. Bei ber Krämerin schellte bie Glocke, als brenne es auf bem Dache ihres, Hauses. „Telephonieren möcht i, pressiern tut's!"
„Das hätt'st net extra sagen brauchn", brummte sie, „das merk' i selber. Wo willst denn hinrufn?"
„Nach Garmisch, Hotel Zugspitz. Den Herrn Steffn solln s' mir an den Apparat holn. I macht ihn was fragn."
„So was!" schalt sie. „Bloß weil einer was fragn will, macht er a solche Wirtschaft " Sie ging aber dach ins Nebenzimmer und klingelte an. Sind doch diemal'n extrige Heilige, die Mannsleut. „Den Herrn Steffen' möcht' der Hornester sprechen. — Geh eini!" winkte sie dem Lois, der an der Tur stehengeblieben war.
Er hielt den Hörer ans Ohr und vernahm bald darauf Rolfs Stimme. „Hier Steffen!"
„Steffen — da ist der Hornester Lois. I halt a Bitt! A mordsgroße!"
„'Raus damit!" lachte die Stimme aus der Zug- tPJEinen Rat tät i brauchen, Steffen. S i e is krank. Hitzn hat's, daß mich gar nimmer kennt All- weil halt V mich für einen andern.--Steffen,
bist noch da?" r e
„Gewiß, Lois! Also dein Mädel ist krank , orientierte sich Rolf nochmals.
Sta ja! Zum Sterbn! Arg verkühlt hat sie sich Und jetzt schüttelt sie's und'. Gsicht is gluhheiß und d' Finger zum Verbrennen."
„Ich schicke dir einen Arzt!"
„Um Gottes willen net, Steffen! Sie will kein Doktor. Lieber sterbn, hat's gsagt!"
„Aber das ist ja Unsinn!" schalt Steffen. „Warum denn nicht? Du muht ihr zureden, ober wart einmal Lois. — Ich komm selber. — Eine Erkältung sagst bu? Wie?"
Dem Hornester verschlug's für einen Augenblick bie Sprache. „Du barfft gar net komm, Steffen. Du auf keinen Fall!"
„Sei nicht komisch! Ich nehme mir einen Schlitten unb bringe eine Mebizin mit unb morgen früh ist bein Mädel wieder gesund. Auf Wiedersehn!" —
„Jetzt is gfehlt!" entsetzte sich der Lois und starrte die Krämerin an, als sehe er ihre 184 Pfund zum erstenmal. „Was kost's denn?"
„Achtzig Pfennig! — Is leicht irgendwer krank bei euch brobn?" fragte sie, ihm auf eine Mark herausgebend. „Brauchst einen Tee? — Hast ihr schon einen warmes Haferldeckel aufglegt?"
Sie hat alles ghört! dachte der Lois. So a Frauenzimmer, a neugierig’^! Was half es da noch abzuleugnen. „Is halt a Kreuz mit die Weiberleut", schimpfte er. — „Sagn kannst, was d' magst. Da folgen meine Dackel noch bester. Nachher hast es da! Bhüt dich, Krämerin."
„Bhüt dich, Lois." — A so a Duckmauser, dachte die Alte. A Madl hat er brobn, na wart!
Morgen war Sonntag. Da konnte sie leicht einen Besuch machen. Man mußte boch wissen, wen man in ber Nachbarschaft hatte unb nachschauen gehn, wenn eines krank war.
„Wo sind Sie benn so lange gewesen?" fragte Maria, als er atemlos zurückkam. „Ich habe mich beinahe gefürchtet. So dummes Zeug habe ich geträumt. Ich bin wirklich froh, daß Sie wieder da find."
„I war bei der Krämerin untn. Is 's jetzt bester mit die Hitzn?"
„Nun geht es wieder, ja. Kann ich ein bißchen was zu trinken haben?"
Er lief gleich in die Küche. Gfehlt war's! Wenn er's nur nicht so eilig gehabt hätte. Jetzt wird's von selber wieder g'sund. Und ber Steffen war wahrscheinlich schon unterwegs. Was tat man benn jetzt, baß man's ihm beibrachte, baß er gar nimmer nötig war? — Fortsetzung folgt.


