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[tonen auf die Krankenversicherung entfielen, 374 Millionen auf die Unfallversicherung, 1477 auf die Invalidenversicherung, 554 auf die Angestelltenver- sicherung und 246 Millionen auf die Knappschaft der Bergleute. Die Gesamtausgaben stellten sich 1935 auch ohne Arbeitslosenversicherung auf 3606 Millionen, von denen 3298 Millionen Leistungen an die Versicherten bzw. ihre Hinterbliebenen waren. Ueber der Reichsversicherungsordnung selbst hat kein glücklicher Stern gewaltet. Die einzelnen Bücher traten etappenweise in Kraft, um einen organischen Uebergang von der früheren Einzelgesetzgebung zur Reichsversicherungsordnung zu gewährleisten. Als letztes Buch war am 1. Januar 1914 das über die Krankenversicherung wirksam geworden. Wenige Monate später brach der Weltkrieg aus. Was für geordnete Friedensverhältnisse gedacht nxir, wurde dadurch auf eine harte Feuerprobe gestellt. Die be­sonderen Kriegsverhältnisse erzwangen allein bis 1918 wohl mehr als 50 Aenderungsgesetze und Ver­ordnungen auf dem Gebiete der Sozialversicherung. Nach dem Kriegsende kam die Inflation, durch die die soziale Rentenversicherung unmittelbar in ihrem Bestände bedroht wurde. Dann folgten die Jahre der Herrschaft des Marxismus und des Liberalismus

mit ihrer verantwortungslosen Erweiterung der Lei­stungen, verantwortungslos deshalb, weil eine Deckung für die Mehrausgaben meist nicht vorhanden war. War es schon vor dem Kriege notwendig ge­worden, im Dezember 1911 neben die Reichsver­sicherungsordnung die Angestelltenversicherung zu stellen, so wurden nach dem Kriege 1923 das Reichs­knappschaftsgesetz und im Juli 1927 das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung erlassen.

Das nationalsozialistische Deutschland fand auf dem Gebiet der Sozialversicherung schwerste Gefahren vor. Ihnen wurde begegnet durch das Sanierungs- Ö vom 7. Dezember 1933 zur Gesundung der enversicherung und durch das Gesetz über den Aufbau der Sozialversicherung vom 5. Juli 1934 zur Festlegung des Rahmens der Sozialversicherungs­reform. Das Ziel, das die Regierung herausgestellt hat, ist, nach Abschluß der Reform das gesamte Sozialversicherungsrecht in einer neuen Reichsvers i ch erungsordnung zusammen zu fass en. Dem Erreichen dieses Zieles zum Segen für den deutschen Arbeiter und Angestellten und zum Nutzen für die gesamte deutsche Wirtschaft gelten unsere Wünsche am 25. Jahrestag I der alten Reichsversicherungsordnung.

Internationale Tanzwettbewerbe in Vertin.

des bestreiten durchaus, daß dies eine Allgemein­erscheinung sei; Einzelerscheinungen dieser Art seien in der Regel auf irgendwelche gewollten oder un­gewollten Taktlosigkeiten der Ausländer zurückzu- führen, meinen sie. Der objektive Beobachter wird dieser Ansicht beipflichten. Der natürliche chevale- reske Stolz des Paraguayers überbrückt spielend die sozialen Unterschiede. Auf Klassengegensätze stößt man in Paraguay nicht. Dieser Umstand und die geringe Bevölkerungsdichte engen die sozialen Probleme ein und helfen sie überwinden. Gewiß gibt es soziale Probleme in Paraguay, aber sie werden dank des besonderen Charakters des Vol­kes nicht drückend empfunden, und die sozialpoliti­schen Reformen, die die Regierung plant, werden eine allgemeine Hebung des Lebensstandards her­beiführen und damit segensreich wirken; voraus­gesetzt, daß sich ihre Durchführbarkeit erweist.

Man hört in Europa und in Südamerika so oft das harte Urteil, der Paraguayer sei faul. Das Urteil ist falsch. Der Paraguayer ist keineswegs faul; im Gegenteil, er kann sogar ein recht fleißiger Arbeiter sein, wenn er arbeitet. Aber was ihm abgeht, ist das Verständnis für den Wert einer geregelten Arbeit. Die Fruchtbarkeit des Landes, das warme Klima und die geringen Anforderun­gen, die er an Komfort und Lebenshaltung stellt, haben den Paraguayer von alters her der geregel­ten Arbeit entwönt, wenn er sie überhaupt je ge­kannt hat. Er arbeitet, wenn er für sich und die Familie Geld braucht. Das ist die Regel. Sobald er dann das zum Leben Notwendige verdient hat, läßt er die Arbeit einfach im Stich. Und da er bei feiner Bescheidenheit im allgemeinen sehr wenig zum Leben benötigt, so braucht er sich auch nicht allzu sehr anzuftrengen, um das Notwendige zu verdienen. Hier liegen die tiefsten Ursachen für die auffallende Rückständigkeit des an Entrvicklunqs- möglichkeiten so reichen Landes. Ein wirklicher Fortschritt wird in Paraguay nur möglich sein, wenn es gelingt, den Paraguayer zu geregelter Arbeit zu erziehen. Das ist der Kern aller Pro­bleme, die in dem von der Natur so reich geseg­netenGarten Südamerikas" auftauchen. Alle Re- formen werden scheitern, müssen scheitern, wenn dieses Erziehungswerk nicht von den verantwort­lichen Männern ernstlich und mit Bedacht in die Hand genommen wird.

Leicht ist das nicht. Denn hier heißt es, den Charakter des Volkes in neue, ungekannte Bahnen lenken, das bisherige Zeitlupentempo nicht nur be­schleunigen, sondern auch organisatorisch regeln. Das ist ein schweres Werk. Aber ihm dürfte der Erfolg nicht versagt sein, denn der Paraguayer, von Hause aus mit einer natürlichen Intelligenz ausgestattet, ist an sich durchaus bildungs- und erziehungsfähig. Ein Beweis ist die anerkannt vor­zügliche Disziplin, die die Soldaten im Chacokrieg bewiesen haben, obwohl an sich das paraguaysche Volk durchaus nicht als diszipliniert angesprochen werden kann und auch wenig Gefühl für Disziplin hat.

Mit bewußter Erziehungsarbeit ließe sich aus dem Paraguayer überhaupt noch vieles heraus­holen. Das allgemeine Kulturniveau ist nicht hoch, die Eigenkultur zeigt sogar eine augenfällige Primitivität und Naivität; immerhin ist sie vor­handen und hebungsfähig. Die Erzeugnisse der Töpferei und der Webkunst zeigen ebenso wie die klangfchönen, melodienreichen Volkslieder, daß der Boden einer arteigenen Kultur nicht nur vorhan­den ist, sondern auch entwicklungsfähig sein könnte. Kulturelle Einflüsse von außen haben manches der arteigenen Kultur unterdrückt, anderes gehoben. Auf einzelnen Gebieten des kulturellen Lebens sind

Im Rahmen der XI. Olympischen Spiele findet in Berlin auch ein internationaler Tanzwettbewerb statt, mit dessen Vorführung bereits begonnen wurde. Hier sieht man den Kronentanz der Penzberger Volks­tanzgruppe unter Leitung von Sepp Leitner. (Presse-Bild-Zentrale-M.)

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) V. und Schluß.*

Das Land und seine Leute.

Asuncion, Mitte Juni 1936.

Es ist ein eigenartiger Menschenschlag, die Be­völkerung von Paraguay, und vieles, wenn nicht alles, was den Europäern in diesem Lande so fremd anmutet, erklärt sich daraus, daß das paraguaysche Volk trotz der europäischen Sprache, die in den Amtsstuben gesprochen wird, dem Europäer rassen­fremd ist. Europa hört hier auf. Das Spanische ist wohl die Amtssprache, aber keineswegs die Landessprache. Untereinander spricht man Guaram, das Idiom, das die roten Urföhne und Urtöchter von jeher sprachen, ehe die spanischen Eroberer ihnen mit den mehr als zweifelhaften Segnungen der Zivilisation auch die Sprache Kastiliens als Verständigungsmittel brachten. Man sprach Gua­rani, als die Jesuiten ins Land kamen und die Missionen errichteten und die in Wald und Kamp herumschweifenden Indios die Seßhaftigkeit lehrten; man sprach Guarani zu den Zeiten des großen Solano Lopez, als Paraguay ein mächtiges Reich war, das den drei großen Nachbarn jahrelang trotzte; man spricht es heute noch überall. Und wie die Leute fremd anmuten, so sind auch Vorstel­lungsvermögen und Denkweise des paraguayschen Volkes himmelweit verschieden von denen der Men­schen, die die übrigen erschloßenen Gebiete des süd- amerikanischen Erdteils bewohnen. Den Para­guayer trennt eine Welt von den Menschen der Ostküste, ebenso eine Welt von denen der Westküste, auch mit der indianischen Bevölkerung im Innern des Erdteils hat er nichts gemein. Er ist ein Schlag für sich inmitten einer andersgearteten Umwelt. Wohl hat manch Einfluß von außen den heutigen Typ geformt und an ihm herumgemodelt, aber den stärksten Einfluß hat doch das Land selbst ausge- übt. Blut und Boden sind sichtbar die großen For­mer des paraguayschen Volkes gewesen.

Die Rasse verdient Sympathie. Einige Vorzüge fallen in die Augen: hervorragende Tapferkeit, hochgemuter Stolz, Bewunderung heischende An­spruchslosigkeit. Zuweilen überschlagen sich diese Eigenschaften und verkehren sich in Laster, aber sie sind bestimmend für den Nationalcharakter. Der Mut, von dem die Paraguayer während des Krie­ges unter Solano Lopez und noch zuletzt im Chaco­krieg heldenmütige Proben abgelegt haben wandelt sich'häufig in eine ungezügelte Angriffslust oft m eine bedenkliche Unbeherrschtheit. Die Waffe sitzt verflucht locker im Gürtel. Aber das sind Aus­nahmezustände und Ausnahmestunden! Im arojen und ganzen ist der Paraguayer ein freundlicher, umgänglicher Charakter, mit manch angenehmen Seiten und erträglichen Fehlern, und wer ihnrich­tig zu nehmen versteht, kann mit ihm recht gut auskommen. . ,

Sein Stolz artet leicht in eine übertriebene, mi­mosenhafte Emvfindlichkeit aus, die ihn zuweilen zu übereiltem Tun hinreißt. Diese Empfindlichkeit verleitet ihn häufig auch zu falschen Urteilen; em mißverstandenes Wort läßt ihn leicht in einem andern einen Feind erblicken, der ihm keinesfalls böse will. Es wird heute viel davon gesprochen, daß der Paraguayer sich in bewußten und ge­wollten Gegensatz zu den in Paraguay lebenden Ausländem' stellt. Man spricht sogar von einer Ausländerfeindlichkeit. Sehr gute Kenner des San-

* Vgll Gießener Anzeiger Nr. 154 vom 4. Juli, Nr. 158 vom 9. Juli, Nr. 160 vom 11. Juli, Nr. 163 ! vom 15. Juli. ________ .

An den Fahnenmasten der Olympia-Feststraße wer­den die Olympia-Besucher die schönsten Stadtbilder von insgesamt 370 deutschen Städten sehen, die dort an denselben angebracht werden. (Scherl-M.)

sonders eindrucksvolle Ausschmückung erhalten. Von der Kurfürstenbrücke bis zum Denkmal Friedrichs des Großen werden nur an den einzelnen Licht- masten eiserne Rundträger angebracht, in die strah­lenförmig Hakenkreuz- und Olympiafahnen bis zu sechs Meter Länge gesteckt sind.

Außerordentlich vielgestaltig ist die Ausschmückung der historischen PrachtstraßeUnter ben Lin - d e n". Die Mittelpromenade umsäumen 96 etwa 16 Meter hohe Masten mit Hakenkreuzbannern von ie 14 Meter Länge. Längs der Bürgersteige bis zum Brandenburger Tor grüßen von zehn Meter hohen Masten die sechs Meter langen Banner von 23b deutschen Städten. Den Abschluß der Mittelpro­menade am Pariser Platz bilden innerhalb der Fahnenreihe zwei sieben Meter hohe Figurengrup­pen des Bildhauers Eberhard E n ck e , die je zwei Olympia-Kämpfer und -Kämpferinnen darstellen.

Der Pariser Platz wird wieder die 53 inter­nationalen Banner tragen, die in offenem Biereck auf den beiden Grünflächen Aufstellung sinden.

Das BrandenburgerTor erhält die übliche

Paraguay, der Garten Südamerikas

Don unserem Dr. M.I -Korrespondenten.

Spätestens am 25. Juli wird die Aus­schmückung Berlins, vor allem aber die Ausgestaltung der großenVia T r i u m p h a 1 i s" zum Reichssportfeld, vollendet sein. Die Ge­samtgestaltung, die nach den Richtlinien des Reichs­propagandaministers von Staatskommissar Dr. Lippert angeordnet wurde, überrascht nicht nur durch die alles umfassende einheitliche Formgebung, sondern beeindruckt besonders durch ihren Einfalls­reichtum und durch die Wahl der Mittel, die Zweckmäßigkeit mit Schönheit, Schlichtheit mit Farbenpracht zu einem monumentalen künstleri­schen Bild vereinigt.

Schon der erste Teil der Feststraße vom Ale- xanderplatz bis zur Kurfürstenbrucke wird ein überaus farbenprächtiges Bild bieten. 8 0 Wimpel ketten, von denen abwechselnd je 14 Hakenkreuz- und Olympia-Fähnchen wehen, wer­den die Königstraße Überspannen. Den Mittelpunkt dieses Abschnitts bildet der Rathausvorplatz ntit den auf hohen Masten befestigten sechs Meter langen Bannern der 53 teilnehmenden Nationen und Dem Olympia-Brunnen der Bildhauerin Hanna Kauer.

Die Ausgestaltung des Lustgartens, des nächsten wichtigen Festplatzes im Zuge derV i a T r i u m p h a 1 i s", liegt, wie am 1. Mai, tn Ham den des Architekten Speer. Selbstverständlich wird diese Feierstätte mit ihren gewaltigen Tribunenaus­bauten und der Olympischen Feuerschale eine be-

und mit mehreren vergoldeten Hoheitszeichen ge­krönt ist.

An den Einmündungen der Heerstraße und der Reichsstraße, sowie weiter an allen Kreuzungen der Heerstraßen werden insgesamt 15 riesige, gleichfalls festlich ausgeschmückte Wegweiser zum Reichssportfeld errichtet. Diese Wegweiser sind mit je 54 Fahnen besteckt, die sich spiralförmig bis zu der in fünf vergoldete Olympiarmge emmun- denden Spitze emporwinden.

Auch die Häuser längs der Feststraße erhalten, ähnlich wie das Berliner Rathaus, einheitlichen Gir» landenschmuck. Endlich wurde dafür Sorge getragen, daß alle störenden und unerwünschten Reklamen, besonders in der Nähe künstlerisch bemerkenswerter Gebäude und an sonstigen auffallenden Stellen innerhalb der Feststraße, verschwinden. Desgleichen werden unschöne Baulücken und sonstige Schand­flecke durch umfangreiche Verkleidung mit Blatt­grün verdeckt.

f ., snt'nb in Berlin, der aut Dem 'OZege Der

^^Olymp ^-F-ststraße liegt, wird auf der Mit- ÄÄ biefe vier Meter hohe Flgurengruppe ' kl.Uellt die ein Werk des Bildhauers Encke ift. aufge(tellt, ^^Eld-Zentrale-M.)___________

Dem Attentat aufKönigEduard VIII. ging eine feierliche Fahnenllbergabe an die Garde-Infanterie im Hydepark voraus, an die sich eine große Parade anschloß. Man sieht den König (X) während Der Uebergabe der Fahnen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Das Gesicht der Olympia-Feststraße.

Oie Neichechauptstadt zum Empfang der Gäste geschmückt.

Ausschmückung mit Hakenkreuzfahnen und Laub­grün, desgleichen der Hindenburgplatz, dessen riesige Lichtmasten mit je drei schmalen 14 Meter langen Hakenkreuzbannern umkleidet werden, und endlich die Charlottenburger Chaussee, die, wie am 1. Mai, mit bunten Lampenkränzen sowie mit Ha­kenkreuz- und Olympiabannern ausgeftaltet wird.

Nach den aus je 53 internationalen Bannern ge­bildeten Fahnenwäldern am Großen Stern und am Knie geht es durch zahllose Ketten von Hakenkreuz- und Olympiafahnen, mit denen die Bismarckstrahe überspannt ist, zum Adolf-Hitler-Platz. Diefe letzte große Platzanlage vor dem Reichssport- eld wird eine besonders reiche Ausschmückung er- >alten. Auf der weiten Rasenfläche stehen hier in drei konzentrischen Kreisen Fahnenmasten und Auf­bauten. Im äußeren Ring die Banner der 53 Olympia-Nationen, im Jnnenring 53 Olympia­fahnen mit -wimpel und im Mittelpunkt des Gan­zen ein 20 Meter hoher, mit Cichengrün verklei­deter runder Turm, der 20 Hakenkreuzbanner tragt

100gr.25 Pfg Tabl. 20 Pfg