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macht, mit seinen Erzählungen, wie mit der „G e • schichtevondersilbernenWolkensau ni- ro e i s e", mit der Dichtung „H e r m o d e r s Ritt" und seinem großen Roman „T h e d e l von Wallmoden" hat sich der Dichter die Herzen einer Gemeinde gewonnen, die sich um ihn gesammelt und immer zu ihm gehalten hat, mochte er auch von den „Zünftigen" lange Zeit verkannt worden sein. Eberhard König und die Seinen wissen heute, daß seine Bestrebungen um eine Erneuerung und Erhöhung der Dichtung nicht vergeblich gewesen sind.
Stellungskrieg und Rauchtabak zwischen Aspern und Wagram.
In den bisher unbekannten und kulturgeschichtlich höchst wertvollen Denkwürdigkeiten aus dem Nachlaß der Kaiserin Marie Luise, der Gattin Napoleons L, findet sich ein Bild aus dem Jahre 1809, das den Soldaten des Weltkrieges vertraut anmutet. Wir lesen im Januarheft von Belhagen & Klasings Monatsheften: „Es geschah einmal, daß Mangel an Brot, und einmal, daß Mangel an Rauchtabak eintrat. Das erstemal blieben die Soldaten heiter, froh und guter Dinge in ihren Biwaksbaracken oder in den von ihnen in die Erde gegrabenen, z. Teil mit Türen, auch wohl mit Fenstern, Sitzen und dergl. versehenen, gegen Wind und Wetter geschützten Löchern. Bei dem eingetretenen Mangel an Tabak aber sah man den gemeinen Mann traurig herumgehen: es war ihm nirgends wohl, auch hörte man Klagen, und der Zuzug der Tabakswagen wurde im Triumphe einbegleitet. Uebrigens war der Anblick des Lagers von eigener und ganz sonderbarer Art. Mancher von den Soldaten legte sich um seine Baracke ein kleines Gärtchen an, als wollte er seinen beständigen Aufenthalt auf dem Platze nehmen. Bor mancher waren sogar kleine Bäumchen gepflanzt, die wenigstens einige Zeit hindurch grünten und Schatten gaben. Auch sogar Blumen fand man vor."
Zeitschriften.
— Erinnerungen an Hans Thoma veröffentlicht das Januarheft der „K u n st k a m m e r" (Propy- läen-Berlag, Berlin) zusammen mit Arbeiten des Künstlers. Wil Kelter schreibt über „Künstler im politischen Kamps"; andere Beiträge mit vielen Bildern berichten vom neuen Brunnenhaus in Bad Dürkheim, vom Instrumentenbau in Markneukirchen und von neuer Gebrauchsgraphik. Kurt Wehlte bespricht Interessantes von der Sgraffito-Technik. Das Heft enthält über 30 schöne Abbildungen.
Schießstand am laufenden Band
325 V
gute fadafyui/g'wig
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feilen vielleicht besser gefahren wäre. Aber sie war I über gelächelt hätte. „Ich hatte sonst nichts auf der V.__hnt P»in»n ^mpfp mehr lind sie hat meine Einsamkeit mit mir ae-
der gab aus
Kleine porzettcmfigur
Don Christoph Walter Orey.
Welt, und sie hat meine Einsamkeit mit mir ge- teilt, hat mein Schaffen verfolgt und mich wieder aufgemuntert, wenn ich mutlos werden wollte. Da war's mir immer als spräche sie: ,Sieh doch, wieviel Schönheit in mir aus einem Klümpchen Tonerde geformt ist. Wie kannst du den Glauben an das Schöne, Reine und Gute verlieren, das aus göttlicher Kraft und Fülle hervorgeht und auch im Schmutz und Unrat sein Wesen bewahrt, wie ich kleine Figur damals, als du mich aus dem Mülleimer herauszogst?' — Dann schämte ich mich. Unb ich sterbe nun in dem Glauben an das Schöne, Reine und Gute, das nicht verschwinden und unter
stehen schien. Daß aus diesem so zersplitterten Volke der Nationalsozialismus geboren werden und sich unter der Führung des „unbekannten Soldaten" das ganze Volk erobern konnte, das ist das große Wunder, das den Nationalsozialismus vom Faschismus geschichtsphilosophisch und völkerpsychologisch unterscheidet.
Es führt ein gerader Weg vom 18. Januar 1871 zum 30. Januar 1933 und darüber hinaus, und was auf diesem Wege gewachsen und geworden ist, das ist deutsch durch und durch, und zutiefst verwurzelt in den Jahrtausenden deutscher Vergangenheit. Das ist die zukunftsträchtige Gewißheit, die die Schöpfung des Dritten Reiches zum Gemeingut aller Deutschen gemacht hat.
Am Ausfluß des Nils aus dem Victoria-See, unmittelbar nördlich vom Aequator, ist auf einem Felsen die Inschrift angebracht, daß John Hanning S p e k e im Jahre 1863 hier d i e Quelle des Nils gefunden habe. Man hat beinahe zwei Jahrtausende vergeblich nach ihr gesucht. Der römische Kaiser Nero war der erste, der eine Nilquell-Expedition ausschickte, aber der Centurio, der sie befehligte, mußte in dem ungeheuren Sumpfgebiet umkehren, das sich in der Gegend, wo der Weiße Nil mit dem Bahr el-Ghasal zusammenfließt, über einen Raum von der halben Größe Deutschlands ausdehnt. Der Flußlauf ist hier auf mehrere hundert Kilometer durch dichte Massen schwimmendes Gras und von Papyrus-Schilf verstopft. Erft in neuster Zeit ist durch Dampfer, die mit gewaltigen stählernen Scheren diese Grasbarre, den sogenannten Sudd, zerschnitten, eine dauernde Fahrrinne geöffnet worden. Der Sudd war für alle frühere Schiffahrt ein absolutes Hindernis; daher brauchten schon die Römer, wenn sie eine unmögliche Aufgabe kennzeichneten, den Ausdruck: Caput Nih quaerere! die Quelle des Nils suchen.
Dort, wo der Weiße Nil aus dem Sudd und den Sümpfen hervor kommt, führt er nur noch zwei Fünftel der Wassermenge, mit der er in diese Region eintrat; drei Fünftel sind ihm durch die Verdunstung auf dem weiten Raum, Über den seine Wasser sich ausbreiten, verloren gegangen. Bis zur Mündung des S o b a t, des ersten Flusses, den er vom äbessinischen Hochlande empfängt, verliert er in der Trockensteppe des Sudans noch einen weiteren Teil feines Wassers. Die Verstärkung durch den Sobat bringt ihn wieder auf die- selbe Wasserführung, wie beim Verlassen ferner beiden Quellbecken, des Victoria- und des Albert- Sees. Er bleibt abet an Mächtigkeit feinem zweiten Quellfluß, dem' aus dem Tana-See in Abessinien hervorströmenden Blauen Nil, weit unterlegen. Bei Khartum, wo die beiden Ströme sich vereinen, bringt der Weiße Nil im Laufe eines Jahres einige zwanzig, der Blaue Nil einige sechzig Kubik- Kilometer Wasser herab. Hiernach berechnet ist also nicht der Weiße, sondern der Blaue Nil der Haupt- fluh, und der Beitrag Abessinien zur Gesamtmenge des Nilwassers erhöht sich unterhalb Khartum noch weiter durch den Einfluß des A t b a r a ober Takazze, an dessen Oberlauf jetzt die erbitterten Kämpfe an der abessinischen Nordfront stattfinden. Zur Hochwasserzeit, im September trägt der Blaue Nil 69 Prozent zur Wassermenge des Hauptstroms bei, der Atbara 17 Prozent, der Weiße Nil nur 14 Prozent. Kein Wunder, daß englische und ägyptische Augen beunruhigt nach den kriegerischen Vorgängen in Abessinien blicken.
staatlicher „Diktatur". Nun braucht gar nicht geleugnet zu werden, daß der italienische Faschismus und der deutsche Nationalsozialismus zu Zeiten verwandte Wege gegangen sind und auch verwandte Ziele gehabt haben. So war die Beseitigung des Nutznießertums der parlamentarischen Parteien am Staate beiden Bewegungen gemeinsam. Aber doch nur, weil dieses Nutznießertum das Grundübel war, woran alle parlamentarischen Demokratien krankten und auch heute noch kranken. Von diesem liebel hat sich das Nachkriegs-Jtalien durch den Faschismus und das Nachkriegs-Deutsch- land durch den Nationalsozialismus befreit. Darum aber ist der Nationalsozialismus noch kein Ableger
Folge einer inneren Entwicklung von Jahrhunderten. Und sie war durch die Reichsgrllndunq vom 18. Januar — deren Vorbereitung auch Italien erst den förmlichen Abschluß seiner staatlichen Einheit gebracht hatte — keineswegs endgültig überwunden worden. Eine späte Folge dieser nicht völlig überwundenen Zersplitterung war der unglückliche Kriegsausgang, und der unglückliche Kriegsausgang wiederum steigerte die Zersplitterung bis zu einem Grade, daß mitunter die Auflösung des Reiches vor der Tür zu
In der kurzen Zeit von sechs Wochen ist im Exerzierhaus der Berliner Wachtruppe ein neuartiger Schießstand errichtet worden. Die verschiedenen beweglichen Ziele, Kraftwagen, Geschütze, marschierende Truppen usw., werden nicht, wie bisher, an einem Drahtseil bewegt, sondern durch ein laufendes Band befördert. Der Schütze hat nicht nur die befohlenen Ziele umzuschießen, sondern sie auch durch einen weiteren Schuß aufzurichten. Der Schießstand wurde der Truppe zur Verfügung gestellt. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
NESTLE
KINDERNAHRUNG
BeuiichesiErzaugni« '
^e" junae Frau war schon mehrere Jahre oer- beiratet als sie in einer Schachtel, in ^er.
stände aus ihrer Mädchenzeit bewahrte die Nymphe wieüersand Sie fühlte sich nicht glücklich in ihrer §h° und meinte nun. daß sie mit dem armen G°-
Der Wafferspender Nil
Don Or. Paul Rohrbach.
eine vernünftige Frau. Es hat keinen Zweck mehr, darüber zu meinen, sagte sie sich. Geschehenes läßt sich nicht ungeschehen machen. Ich will die Figur verschenken, damit sie mich nicht noch öfter traurig
mehr." ..
Die Frau nahm das Figürchen. Es war eine Nymphe von zierlicher Anmut der Formen und lieblicher Schönheit der Gesichtszüge. „Ich finde daran keinen Fehler", sagte sie.
„Doch! Schau nur hierher!" Er wies auf einen winzigen Fleck. „Der Meister hat schon recht. Em ungeübtes Auge freilich kann's nicht bemerken.
Der Frau gefiel die kleine Nymphe trotzdem und sie ließ sie dem Knaben nicht, sondern stellte sie auf einen Wandsims, wohin das Kind mit feinen Armen nicht reichen konnte. Dort stand sie viele Jahre. _ , , .
Als der Mann starb und die Frau ihm bald im Tode nachfolgte, war aus dem Knaben ein Handwerksgeselle geworden, der sich auf der Wanderschaft befand.
Bei seiner Heimkehr waren die wenigen Habseligkeiten der Eltern verkauft und in den beiden Stübchen, die sie bewohnt hatten, hausten fremde Leute. Aber auf dem Wandsims stand noch das Porzellanfigürchen, und als man hörte, daß es das einzme Andenken fei, das zurückgeblieben war, hatte man nichts dagegen, daß er es uutnahm.
Bald darauf lernte er ein junges Mädchen kennen das er liebgewann. Da er kein Geld hatte, einen Schmuck zu kaufen, schenkte er lhr die Nymphe. „Es ist ein Andenken an mein Elternhaus", sagte er zur Entschuldigung. ,,2ln dem Guß soll ein Fehler fein, ich habe ihn aber noch nicht entdecken können." , .
Stite "unkLIü
Zb7K7sbL?7nd°n°hm"sich rinen woh,habenden
zu setzen brauchte. Das war bei der Gründung des Dritten Reiches anders. Da mußte das junge Frontgeschlecht von 1914 bis 1918 die eigentliche Arbeit tun, und dem ist es zu danken, daß das Dritte Reich über die Mängel des Zweiten Reiches hinauswachsen konnte.
Als im Spiegelsaal des Versailler Schlosses das Zweite Kaiserreich ausgerufen wurde, da war auch ein Leutnant Paul von Hindenburg zugegen. Aus dem Leutnant war mit den Jahren ein Feldmarschall und Reichspräsident geworden, und er war es, der am 30.Januar 1933 dem unbekannten Soldaten des Weltkrieges Ad'olf Hitler die Türe zur Macht auftat, auf daß er das Dritte Reich bauen könnte. Das Reich, das nicht gegründet war auf dem überlieferten Partikularis- mus der deutschen Länder, also auf der geschichtlich gewordenen innerdeutschen Zersplitterung, sondern auf dem Willen zu jenem Staate, der in der Volksgemeinschaft schlummerte und der im Feuer des Weltkrieges durchgeglüht und von Schlacken gereinigt worden war. Adolf Hitler, der der Führer eines Dritten Reiches werden sollte, war 1914 als Oesterreicher in ein bayerisches Regiment eingetreten, aber er und seine Kameraden vom Frontgeschlecht hatten die übermenschliche Last der vier Kriegsjahre getragen nicht als Bayern ober Preußen ober Sachsen ober Württemberger, sonbern als Deutsche! Darum waren sie berufen, aus bem Geiste ber Kriegskameradschaft und der echten Volksgemeinschaft heraus das neue Deutschland zu bauen.
Es ist ein Weg innerer Notwendigkeit, ein Weg organischen Wachstums eines Dolksstaates, der aus den Tiefen vergangener Jahrhunderte über den 18. Januar 1871 zum 30. Januar 1933 führt. Das haben manche Kreise in Deutschland wohl noch immer nicht voll begriffen, geschweige daß es ein verständnisloses Ausland erkannt hätte! Das Ausland begnügt sich dabei, Faschismus unb Nationalsozialismus in einem Atem zu nennen, als bie italienische unb bie beutsche Form
stimmt.
Unb als eine Hänblerin vorsprach und nach entbehrlichen Dingen fragte, gab sie ihr auch die Nymphe, und mit den wenigen Pfennigen, die sie für alles erhielt, war auch das Stück bezahlt.
Im Trödelladen stand es unter vielem Kleinkram Monat um Monat. Mancher Kunde nahm es wohl in die Hand unb sagte: „Das ist ja ein niedliches Ding!" Aber keiner kaufte es, obgleich es für wenige Groschen zu haben war. Der Händler wollte das wertlose Stück auch nicht länger behalten und schenkte es einer Magd, die ihm ein getragenes silbernes Armband abkaufte, als Zugabe.
„Was soll ich damit?" fragte sie. Er scherzte: Es ist eine Glückspuppe. Heben Sie sie nur hübsch auf!" , .. _
Als die Magd aber am gleichen Tage eine Schüssel zerbrach und sich am nächsten einen Finger verbrannte, meinte sie, daß die Glückspuppe eine Unglückspuppe fein müsse und warf sie in den Mülleimer. r v _ . ,. , ,
Sie trug ihn die Treppe auf den Hof hinab, als ihr der Mann begegnete, der im obersten ©todS werk ein Zimmer bewohnte und von dem man sich im Hause erzählte, er schriebe dicke Bucher wurde aber immer dünner davon, so wenig brachten fie em 2öas haben Sie denn Schönes zerbrochen?" fragte er und zeigte auf die Porzellanfigur, von ber Kopf unb Schultern aus dem Mull heraus- „^e ist noch ganz", sagte das Mädchen. „Sie hat mir Unglück gebracht, darum habe ich sie weg- 9T®eben Sie doch mal her! Eine Nymphe! Und wie schön sie ist!" „ , .
Er stellte das Figürchen auf seinen Schreibtisch und hätte sich nicht mehr davon trennen mögen; er bildete sich ein, daß ihm seitdem bessere Gedanken kämen und seine Feder flinker über bas Papier
liegen kann."
Er ist ein Dichter, dachte der Arzt, und noch oft, wenn sein Blick die Nymphe auf einem Bord feines Sprechzimmers streifte, erinnerte er sich biefes Toten unb beneidete ihn um den Glauben, mit dem er die Erde verlassen hatte.
Aber auf einmal war da, wo das Figürchen stand, eine Lücke. Ein Dieb hatte es mitgenommen und alle Nachforschungen blieben erfolglos.
Sie sind alle zu Staub zerfallen, von denen hier die Rede war, aber bas zerbrechliche Porzellanpüppchen hat sie schon um ein Jahrhundert überdauert. Aus bem Diebesversteck ist es wieder ans Tageslicht gekommen, hat noch mehrmals den Besitzer gewechselt und steht nun wieder auf einem Wandsims in einem Handwerkerstübchen.
„Es hat uns Glück gebracht", sagt die junge Frau und streicht ihren vier Buben über die blonden Schöpfe.
Zu Eberhard Königs 65. (Geburtstag.
Eberhard König, an dem bedeutungsvollen 18. Januar im schlesischen Grünberg geboren, wahrend in der Versailler Spiegelgalerie das Reich Bismarcks ausgerufen wurde, jetzt aber feit Jahrzehnten in Berlin ansässig, studierte klassische Philologie und deutsche Altertumswissenschaft, als ihm, gleichsam zufällig, als Nebenfrucht feiner Studien fein erstes Drama zufiel. Andere folgten um die Jahrhundertwende: „G enatter T o d" und „Kly- t ä m n e ft r a" und, einige Jahre später, das dra- matische Heldengedicht „W i e l a n t d e r S ch m i e d" und das vaterländische Festspiel „S t e i n". Sie erlitten alle das gleiche Schicksal, sie wurden von den besten Geistern anerkannt, wurden von den Zuschauern bejubelt und von der Kritik abgelehnt. In seinem dreiteiligen Dietrich von Bern", der aus den Dramen „Sibi ch", „H errat" und „Die Rabenschlacht" besteht, hat König einen ganzen altdeutschen Sagenkreis wieder lebendig ge-
oder Zwilling des Faschismus.
Der Faschismus ist ganz und gar eine Frucht des italienischen und der Nationalsozialismus ganz und gar eine Frucht des deutschen Volkstum. Darüber kann sich keiner mehr täuschen, der den organischen Zusammenhang zwischen dem 18. Januar 1871 und dem 30. Januar 1933 begriffen hat. Der Faschismus ist aus einem Volk hervorgegangen und hat sich ein Volk erobert, das — unbeschadet aller Mängel seiner Staatsform — längst ein Einheitsstaat' war. War doch die staatliche Zersplitterung, die dem Zusammenschluß vorhergegangen war, nur eine Form und Folge der Fremdherrschaft gewesen, die abgeschüttelt werden konnte, ohne tiefere Spuren zu hinterlassen.
Die deutsche Zersplitterung dagegen war d i e
„Da habe ich dir was mitgebracht", sagte Porzellanbrenner Melchior Winkelmann und seinem fünfjährigen Knaben ein Figürchen Porzellan. „Es ist mir beim Brand mißlungen, aber du brauchst darum noch nicht gleich heute Scherben daraus zu machen!" Und zu seiner Frau meinte er: „Der Meister hat wieder geschimpft. Ich tu ihm nichts mehr zu Dank, es gelingt mir nichts
9 Aber reicher wurde er auch durch sie nicht. Als er älter und älter wurde und eines Tages füllte, daß es mit ihm zu Ende ging, suchte er ein Spital auf. Er wäre lieber in seinem Stübchen gestorben, aber er war zeitlebens ein rücksichtsvoller Mensch gewesen und wollte nicht, daß jemand noch zuletzt Unbequemlichkeiten von ihm Hätte.
Unter dem wenigen, das er mit ins Spital nahm, hrer befand sich auch die kleine ^mphe „Sie war Ge-1 meine Muse", erklärte er dem Arzt, der saft dar
Vom Zweiten zum Dritten Reich.
Äon Or. Paul Harms.
Schicksalstage sind für uns Deutsche derl8. und ber 3 0. Januar. Schicksalstage, die innerlich miteinander verbunden sind. Dem Rechnung tragend, hat ein Erlaß des Erziehungsministers an- geordnet, daß in allen Schulen bei der Feier des Z0. Januar 1933 auch des 18. Januar 1871 gedacht werde.
Auf fremder Erde, im Prunkschloß der französischen Könige, wurde 1871 durch die Versailler Verträge der Grund gelegt zum Zweiten Reiche der Deutschen. Damit war im Herzen Europas an Clelle des geographischen Begriffs Deutschland wie- ; Her ein Machtstaat getreten, wie es das erste Reich, idasReich der mittelalterlichen Kaiser in seiner Glanzzeit, gewesen war. Die Kaiserkrone Dieses ersten Reiches war zuletzt im Hause der Habsburger erblich gewesen, wurde 1806 aber, in einer Qeit tiefsten deutschen Niederganges, von den Habs- liurgern preisgegeben. Das war das Ende des ersten Reiches In der Folge wuchs der innerdeutsche Nebenbuhler des Staates der Habsburger, der Hohenzollernstaat des großen Friedrich, mehr und mehr in die Führung der deutschen Dinge hinein. 1866 brachte die schmerzliche Trennung zwischen Klein-Deutschland und Oesterreich, im Kriege von 1870 wurde der Widerstand des französischen Imperialismus gegen die ftaatlidje Einigung Kleindeutschlands gebrochen und als Frucht Des Sieges ein deutsches Kaiserreich wieder her- gestellt.
Für uns Menschen von heute haftet der Reichsgründung auf fremder Erde — das braucht nicht mehr verschwiegen zu werden — ein Mangel an. Sie erscheint uns als ein Geschehen, dem der Zusammenhang mit den Gedenkstätten deutscher Geschichte fehlt. Sie mußte aber damals als rein militärische Angelegenheit aufgezogen werden, weil nur so die inneren Widerstände rasch genug überwunden werden konnten, um jede Einmischung von außen fernzuhalten. Was da gegründet wurde, war ja kein Einheitsstaat, der aus der Volksgemeinschaft herausgewachsen war. Von Staaten, die seit Jahrhunderten selbständig waren und wovon ein Teil sich schon 1866 zum Norddeutschen Bunde zusam- mengeschlossen hatte, wurde eine vertragsmäßige Bindung eingegangen, die diese Staaten als solche bestehen ließ und ihren Bund nur mit dem Ober- ftaat des Kaiserreiches überdachte. Für einige dieser Staaten aber blieben „die Reservatrechte", die sie sich vorbehalten hatten, wichtiger als die gemein- Deutsche Einheit; das blieb bezeichnend für die innere Natur des zweiten Reiches.
Das Zweite Reich hat es nicht vermocht, die Deutschen zu Reichsbürgern zu machen. Sie blieben Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberger, Mecklenburger, Lippe-Detmolder und Schaumburg-Lip- per, so wie sie es vor der Reichsgründung gewesen waren. Das will sagen: vollendet war die Reichsgründung im Bismarck-Staate noch keineswegs, es blieb noch viel zu tun, noch viel wegzuräumen und noch mehr aufzubauen. Das Wegräumen besorgte zunächst der Kriegssturm, an dessen Ende das Haus des deutschen Volkes über seinem Kopf zusammenbrach. Im Weimarer Zwischenreich wurde der deutschen Erbkrankheit, dem Partikularismus auf den verschiedensten Gebieten, dann Gelegenheit gegeben, sich gründlich auszutoben. So gründlich, daß dem Volke nach und nach die Augen aufgingen dafür, wo feine schlimmsten Feinde faßen. So wurde die Zeit reis für das Dritte Reich
Das Zweite Reich war eine Frucht der Kriegsarbeit von 1870. Aber es war nicht eigentlich vom Frontgeschlecht gegründet worden — das hatte nur die unerläßliche Vorarbeit zu tun bekommen — es war gegründet worden von dem Geschlecht, 3)as zwischen den Freiheitskriegen und den Kriegen von 1866 und 1870 hercmgewachsen war. Die überlegene Führung hatte dabei Otto von Bismarck gehabt, der 1815 geboren war. Und der hatte die Einigungskriege politisch so vorbereitet, Daß das Frontgeschlecht nur mehr den Schlußstein
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