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trts Söldnerheer In ihrer Zahlenstärke KeschrLnkt defensiv höher einzuwerten als offensiv. Sie hat in erster Linie die Heimatverteidigung zum Zweck und dient im Frieden außerdem als Skelett der Kolonialtruppen, während sie im Kriege bei Bedarf die Kadres für ein aufgebotenes Volksheer stellt, wie es bei der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Weltkrieg geschah. Eine solche Im­provisation hat jedoch ihre militärischen Nachteile, und deshalb wird die allgemeine Wehr- v f l i ch t von der britischen Generalität auch im Frieden gewünscht, aber sie scheitert an der Ab­neigung der Oeffentlichkeit. Da somit die britische Heeresleitung ihre Kampfstärke nicht in einer gro­ßen Armee suchen kann, strebt sie nach der Füh­rung in den technischen und motori­sierten Waffen zu Lande und in der Luft. Aber auch die anderen Heeresleitungen bleiben da nicht auf demselben Flecke stehen.

Die Gruppenausbildurg in der neuen Wehrmacht.

Die Weihnachts- und Neujahrsurlauber sind in­zwischen wieder in ihren Standorten eingetroffen. Soldat werden und sein bedingt äußerste Anspan­nung aller Willenskräfte. Es darf mithin angenom­men werden, daß auch bei allen Rekruten durch die frische Zugluft, die von je im deutschen Heere vom Dienstbetriebe her wehte, der letzte Rest von Urlaubsbeyagen inzwischen wieder aus allen Kno­chen gefegt wurde. Neue Aufgaben werden in den kommenden Wochen, die noch vor der erstenBe­sichtigung" liegen, an unsere jungen Soldaten her­angetragen werden. Mußte notwendigerweise der erste Abschnitt des gesamten Ausbildungsjahres der Einzelausbildung mit ihren Ordnungs- und Marschübungen ohne und mit der Waffe, Griffe, Ladegriffe usw. zugewandt werden, wobei außer­dem noch die Einzelausbildung des Schützen im Gefecht und im Felddienst (Geländebeschreibung, Geländebeurteilung, Geländeausnutzung, Tarnung, Vorarbeiten usw.) zu bewältigen war, so kann sich auch der Laie eine leise Vorstellung davon machen, wieviel dienstliche Anforderungen an den Soldaten eines neuzeitlichen Heeres gestellt werden. Die Einzelausbildung schafft die Grundlage für die soldatische Haltung, für die soldatische Härte über­haupt! Was nun der einzelne Rekrut gewissermaßen als Glied eines noch nicht vorhandenen Körpers erlernt hat, soll er nun im Rahmen der kleinsten, aber um so wichtigeren Kampfeinheit der Gruppe zur höchsten Vollendung bringen.

Ganz unbewußt kommt der junge Rekrut in der Gruppenausbildung erstmalig mit dem Wesen der Taktik, um mit Clausewitz zu reden, mit derLehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht" in merk­bare Berührung. Mit anderen Worten: in der Gruppenausbildung steht der Gefechtsdrill ganz im Vordergründe, der sich in der Beherrschung der Waffen und in der Fähigkeit, strengste Feuer­zucht zu halten (Geländeausnutzung, Haltepunkt- und Disierwahl, sorgfältige Schußabgabe, stete Auf­merksamkeit des Einzelkämpfers auf Führer und Feind, zweckmäßige Munitionsverwendung) offen» bart. Die Gruppenausbildung in der neuen deut­schen Wehrmacht vollzieht sich nach der neuenAus­bildungsvorschrift für die Infanterie (AVI.) Heft 2, Die Schützenkompanie, Teil a, B. Die Gruppe". Be­zeichnend für die neue AVI. sind die Worte des Oberbefehlshabers des Heeres, General der Artillerie Freiherrn von Fritsch, mit denen er den Genehmigungsvermerk schloß:Soweit nicht Son­derbestimmungen erlassen sind, gilt die Vorschrift für alle Waffengattungen". Neue Namen, neue Begriffe werden in der neuen AVI. sichtbar. Vieles ist in der neuen Dienstvorschrift klarer und zweckmäßiger gestaltet worden. Hierzu einige Bei­spiele, deren Zahl und Erläuterungen im engen Rahmen naturgemäß nur einen Abriß geben können.

Die Gruppe besteht nunmehr fest gegliedert aus leichtem Maschinengewehr (1 leichtes Maschinen­gewehr vier Schützen) und Schützentrupp (7 Schützen). Der stellvertretende Gruppenführer heißt nach der neuen VorschriftTruppführer"; er ist gleichzeitig der Stellvertreter des Gruppenführers. An Stelle des früheren KommandosMarschord­nung" (hier durften die bekannten Erleichterungen eintreten) ist jetzt für alle Waffengattungen das

einheitliche KommandoRührt Euch!" getreten. Bei der Formoeränderung ist folgende Neuerung erkennbar: Auf das Kommando:Reihe links, ohne Tritt marsch" (aus der Linie zu einem Glied) setzt sich der Gruppenführer, im Gegensatz wie bis­her, hinter die Gruppe. Als vorderster Mann mar­schiert in diesem Fall der Truppführer. Für den Uebergang aus der Linie zu einem Glied in die Reihe während der Bewegung ist neben dem Kom­mandoReihe rechts" das neue Kommandodie Reihe links" eingeführt worden, um die Schützen schon durch das Ankündigungskommando auf die weitere Ausführung unmißverständlich vorzube­reiten.

Die Grundformen der Gruppe sind die S ch Üt­ze n r e i h e und das Schützenrudel. Der letzte Begriff bezeichnet am klarsten die nach Breite und Tiefe entwickelte Gruppe. Bei Aufnahme des Feuer­kampfes gruppieren sich die Männer des leichten Maschinengewehr-Trupps entsprechend ihrer Auf­gaben um das Maschinengewehr (Geländeausnüt- zung!). Zum Feuerkampf soll der Schützentrupp etwa in Höhe des Truppführers eineF e ver­kette" bilden. Hier taucht der frühere Begriff Kette" wieder auf, weil zum Feuerkampf eine ge­ringere Tiefenstaffelung notwendig wird, als sie die Bewegung (Schützenrudel) erfordert. Auf den BefehlStellung" wird selbständig die Feuerkette gebildet. Vorsorglich kann die Feuerkette schon während der Bewegung auf das einfache Kom­mandoFeuerkette" gebildet werden. Um eine Vor­wärtsbewegung wieder zum Stehen zu bringen, wirdH a l t kehrt" kommandiert.

Die Kampfweise erfährt naturgemäß ihrer Bedeutung in der neuen Vorschrift größte Beach­tung. Das leichte Maschinengewehr ist die Haupt­feuerwaffe der Gruppe. Der Schützentrupp wird zunächst geschont, damit er imstande ist, feiner Hautaufgabe im Nahkampf den letzten Wider­

stand zu brechen voll gerecht zu werden. Wer von den alten Soldaten kennt nicht das Ankündi­gungskommando zum Vorarbeiten, das berühmte Sprung"? Aus der neuen Vorschrift ist es verschwunden. Jetzt heißt es:Stellungs­wechsel!" Hierauf werden alle Vorbereitungen zum Vorarbeiten in voller Deckung durchgeführt. Das Vorarbeiten selbst erfolgt auf das Kommando: Auf! Marfch! Marsch!" Das einzelne Vorarbeiten der Sckützen erwirkt ein entsprechender Befehl unter Angabe des nächsten Zieles. Beim Einbruch in die feindliche Stellung führt der Gruppenführer in der Regel den Schützentrupp als den augenblick­lich wichtigsten Teil der Gruppe, während das leichte Maschinengewehr den Gegner durch Feuer­stöße (auch aus der Bewegung) in Deckung zwingt.

Minder breiten Raum, aber mit kristallklaren Worten widmet die neue AVI. dem Besetzen und Halten einer Stellung unter gegne­rischer Mitwirkung von Panzerwagen. Wenn nichts anderes befohlen wird, ist eine genommene Stellung unbedingt zu halten.Greift der Gegner mit Pan­zerwagen an, fo müssen fester Wille zum Aus­halten und das Beispiel der Führer den starken seelischen Eindruck überwinden... Für leichte Ma­schinengewehre und Gewehrschützen ist beim Er­scheinen feindlicher gepanzerter Kampffahrzeuge in der Regel Deckungnehmen und regungsloses Er­starren die beste Abwehrmaßnahme." Diese be­scheidene Auswahl von Beispielen, wie sie die neue AVI. für die Gruppenausbildung in Vielzahl auf­zeigt, läßt deutlich werden, daß in der jungen deut­schen Wehrpflichtarmee alter preußisch-deutscher Soldatengeist die Führung und Truppe gleicher­maßen beseelt mit dem Ziel, das neuerstandene Wehrpflichtheer unter neuzeitlichen Gesichtspunkten zu dem zu machen, was die alte Armee war: das beste Heer, das je die Welt fahl mdf.

Die Deutschen m Mexiko.

Von unserem K. B

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Mexiko-Stadt, Dezember 1935.

Wie der Ausländsdeutsche im allgemeinen, so hängt auch der Mexiko-Deutsche mit allen Fasern seines Herzens an der deutschen Heimat. Für das Weimarer System hatte der Deutsche in Mexiko kein Verständnis, wie er überhaupt allem, was nur nach Parteipolitik aussieht, ablehnend gegenüber» steht.

Die politische Führung der Kolonie liegt in den Händen der Landesgruppe der NSDAP. Vor dem großen Umbruch in der Heimat nur eine kleine Ortsgruppe mit wenigen Mitgliedern, hat sie sich inzwischen stark entwickelt und verfügt heute über Stützpunkte in fast allen Teilen des Landes, um dem deutschen Volksgenossen hier draußen das nationalsozialistische Gedankengut näher zu bringen. Die deutsche Jugend ist im Jungvolk, HI. und BDM. zusammengeschlossen.

Als Zusammenfassung des gesamten Deutschtums in Mexiko ist jedoch dieDeutsche Volksge­meinschaft" gedacht an Stelle des früheren Verbandes Deutscher Reichsangehöriger", der zu Beginn der großen mexikanischen Revolution als Zusammenschluß der hiesigen Deutschen gegründet wurde und sich nun aufgelöst hat. In seinem Rah­men ließen sich die Ausgaben der neugegründeten Volksgemeinschaft nicht durchführen, der nicht nur der deutsche Staatsangehörige angehören soll, son­dern auch jeder Deutsche, der auf Grund der hie­sigen Gesetze sich zur Annahme der mexikanischen Staatsangehörigkeit genötigt gesehen hat, und über­haupt jeder Deutsch st ümmige, um ein alles umfassendes Band für das Deutschtum zu schmieden. Sie soll die große Vertretung der deutschen Kolo­nie in allen ihren Belangen sein und sie ist es auch, unter deren Auspizien dieD e u t s ch e n A d e n d e" stattfinden mit Vorträgen und Filmvorführungen über das neue Deutschland. In ihr soll sich allmäh­lich auch die gesamte deutsche Wohlfahrts­pflege in Mexiko zusammenschließen, wobei jedoch den einzelnen Wohlfahrtseinrichtungen weitgehende Selbstverwaltung zufällt. Ihre vornehmsten Aufga­ben für die nächste Zukunft sieht dieVolksgemein-

.-O.-Äerichierstatter.

schäft" in der Schaffung eines Schülerheims, besonders für die Kinder der Landsleute aus dem Innern, die die hiesige Deutsche Schule besuchen, in der Schaffung eines Ferienheims für kranke Kinder, der Schaffung eines Heims für stellungslose Landsleute, in dem Ausbau der bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen, in der Schäftung einer einheitlichen Stellenver­mittlung, der Versorgung der deuftchen Lands­leute im Innern mit deutschem Lesestoff und in dem Ausbau der allgemeinen deutschen Propaganda. Auf dem Gebiete der Wohlfahrtseinrichtungen hat die deutsche Kolonie schon immer Hervorragendes geleistet. Der Deutsche Frauenverein, der Deutsche Hilfsverein, die Deutsche Krankenkasse sie alle haben segensreich gewirkt und tun es auch heute noch.

Eine bedeutende Rolle in der Förderung deuftcher Kultur fällt auch der hiesigen Deutschen Ober- re a l s ch u l e zu, die zu den größten deutschen Aus­landsschulen der Welt gehört. Nicht nur, daß sie die Kinder der Volksgenossen in deutschem Sinne er­ziehen soll, hat sie darüber hinaus noch die Aufgabe übernommen, die sie besuchenden mexikanischen Kin­der mit der deutschen Kulturwelt bekanntzumachen und ihnen eine deutsche Erziehung zu geben, soweit das bei den außerordentlich strengen Bestimmungen der mexikanischen Schulgesetze möglich ist. Kinder führender mexikanischer Persönlichkeiten erhalten hier ihre Ausbildung; zu ihren Schülern gehörten zeitweilig auch die Kinder des früheren Staats­präsidenten Pascual Ortiz Rubio. In ihrer Unter» und Mittelstufe unterliegt sie den mexikanischen Lehrplänen, während die Oberstufe die einer deut­schen Oberrealschule ist, deren Abschlußprüfung auch in der deutschen Heimat anerkannt wird. Kulturelle Ziele verfolgt auch die dem Deutschen Frauenver­ein angeschlossene Kulturgruppe aus Liebhabern, die gelegentlich ernste und heitere deutsche Theaterstücke zum Vortrag bringt. Nicht unterschätzt werden darf auch die Arbeit der Deutschen Musikverei­nigung, die mit gelegentlichen größeren Kon­zerten vor die Oeffentlichkeit tritt und erfolgreich unter dem mexikanischen und sonstigen ausländischen Publikum für die deutsche Musik wirbt, wobei sie

Das unverwundbare Flugzeug.

Vom englischen Luftfahrtministerium wurden neue Jagd- und Bombenflugzeuge in Auftrag gegeben, die gegen Abwehrfeuer unverwundbar fein sollen. Die Flügel sind nach dem geodätischen Prinzip ohne Versteifungen, Streben usw. konstruiert und bestehen aus einem Metallgeflecht, das selbst teilweise durch Geschosse abgerissen werden kann, ohne daß die Tragfähigkeit eingebüßt wird. Sobald jedoch die Motoren getroffen werden, ist es auch mit diesem Flugzeug zu Ende. Trotz gleicher Motoren» fräfte soll das Flugzeug an Steigfähigkeit und Schnelligkeit anderen weit überlegen sein.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

auch die Unterstützung des mexikanischen Unter­richtsministeriums findet, indem solche Konzerte nicht selten durch Rundfunk über ganz Mexiko verbrei­tet werden.

Unter den deutschen Sportvereinen in der Haupt­stadt steht zweifellos der Deutsche Ruder­verein an der Spitze, der im vergangenen Jahre auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Sein prächtig gelegenes Bootshaus in dem male­rischen Vorort ckochimilco mit seinen vielen großen und kleinen Kanälen ist stets ein Anziehungspunkt für die Deutschen. Bei den alljährlich stattfindenden internationalen Regatten haben die deutschen Rude­rer regelmäßig schöne Erfolge für sich buchen können. Ebenso reges Leben herrscht auch beim Deutschen R e i t o e r e i n , der über ein schönes eigenes Ge­lände mit Springgarten, Tennisplätzen, Schwimm­bad und sogar über einen Hockey-Platz verfügt. Kör­perliche Erziehungsarbeit in deutschem Turnergeist leistet auch der Deutsche Turnverein, der in diesem Sommer sein ßOjähriges Bestehen beging, während die deutschen Farben im Fußball gegen Spanier und Mexikaner vom Deutschen Fuß­ballklubGermania" verteidigt werden

Herrscht auch in allen diesen Vereinen reges gesell­schaftliches Leben, fo ist doch der Mittelpunkt des ganzen Deutschtums dasDeutsche Hau s", das bereits im Jahre 1848 gegründet wurde und damit der älteste deutsche Verein in ganz Meriko ist mis dem heraus sich erst die übrigen Vereine gebi'hef haben. In feinen Räumen finden die großen Ver­anstaltungen der Kolonie statt, werden die vater­ländischen Ereignisse begangen und erfolgen die son­stigen Festlichkeiten, zu denen sicb die Kolonie m- jammenfinbet. Ein weiteres Band, das das Deutsch­tum in Mexiko zusammenhält, ist auch die dreimal wöchentlich erscheinendeDeutsche Zeitung von M e x i k o", die ausführlich über die Ereignisse in der deutschen Heimat berichtet und so der deut­schen Kolonie aus deutscher Quelle ein Bild über das Leben und die Entwicklung im deutschen Vaterlande bietet.

Gießener Gtadttheater.

Johann Strautz:Die Fledermaus".

Vor mehr als acht Jahren istDie Fledermaus" hier zuletzt gespielt worden. Vor zwei Jahren hat sie ihren 60. Geburtstag feiern können, und es ist nicht ohne Interesse, im Programmheft einiges über die Entstehung und über den Welterfolg dieser be­rühmtesten aller Straußoperetten nachzulesen, der sich in geradezu phantastischen Aufführungsziffern ausdrückt. Daß man sie zum Beginn der Faschings­zeit wieder heroorholte und neu hergerichtet auf den Spielplan setzte, war entschieden ein guter Ge­danke.

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Dabei ist das etwas groteske Verhältnis zwischen Text und Musik bei dieser zu klassischen Ehren ge­langten Operette bei jeder Wiederbegegnung aufs neue zu bestaunen. Das Libretto ist, bei Licht be­sehen, ein Nichts, das ohne die Vertonung zum Tode verurteilt und vermutlich längst in der Ver­senkung verschwunden wäre, weil es handlungs­mäßig kaum für zwei Akte notdürftig ausreichen würde. Durch die Musik wird aber alles, was ge­schieht, in die unwirkliche, illusionistische Sphäre der Operettenbühne gehoben und gleichsam verklärt.

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Es sind die traditionellen Bestandteile der Ver­wechslungsposse: wenn Eisenstein, statt ins Gefäng­nis, auf den Ball geht; wenn der gleich nach feiner Abfahrt auftauchende Verehrer Rofalindens statt feiner ins Kittchen muß, wenn Eisenstein auf den Ball bei Orlofsky, der ein wahrhaft phantastischer Operettenfürst ist, zu seinem Schrecken erst Rosa­lindes Stubenmädchen Adele wiederfindet, später Rosalinde selbst, ohne sie zu erkennen, weil sie eine Maske trägt. Die Auflösung des Wirbels er­eignet sich in dem berühmten großen Gefängnisakt, der in den lichten Momenten einer souveränen Schwipslaune entstanden fein muh.

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Diese Andeutung eines Textbuches wurde für Strauß Anlaß zu einer Vertonung von er­staunlicher Fülle sowohl des melodiösen Einfalls als auch der Instrumentation. Die Ouvertüre schlägt gleich die Hauptthemen an, und die gesamte Parti­tur besteht eigentlich aus einer kaum unterbrochenen Kette von Melodien, die ihren Siegeszug um die ganze Welt genommen und sich ihre unverwelkliche Frische über Jahrzehnte hinweg bewahrt haben.

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Freilich bedarf jede Wiederaufnahme der Operette der unbedenklich improvisatorischen Laune, des schmissigen Schwunges, ohne den auch dieses Werk seine durchschlagende Wirkung vermissen lassen würde. Die Aufführung wurde für diesmal, unge» wohnterweise, musikalisch von Professor lerne s» vary betreut, der sich am Pult mit Temperament und rhythmischem Feingefühl in der Stabführung für die Partitur einsetzte, was besonders der spritzi­gen und prickelnden Wiedergabe des Vorspiels und des ersten Aktes zugute kam.

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Die szenische Neugestaltung stammte vom Spiel­leiter W r e d e , der sich der verschwenderischen Aus­stattung des mit allerlei Einlagen bereicherten Mit­telaktes angenommen und übrigens die Aufführung auf den leichten, schwebenden Ton eines sorglosen Abenteuers (vor vielen Jahren in Wien an der schönen blauen Donau") gestimmt hatte. Im Ver­hältnis zu den ersten beiden geriet indessen der dritte Akt, der ja musikalisch ohnehin am wenigsten ergiebig ist, etwas breit und schleppend; jedenfalls würde u. E. der Gesamteindruck durch eine Kon­zentration dieses Ausklangs gewonnen haben.

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Die szenische Einkleidung, von Herrn Löffler entworfen, war hübsch, stimmungsvoll und dem Vorgang angepaßt. (Die Biedermeier-Gartenszenerie des ersten Aktes: allerliebst.) Auch die dezenten Kostüme (Sophie Buchner) belebten das farben­reiche und bewegte Szenenbild erfreulich. Mit er­sichtlicher Sorgfalt waren die reichhaltigen, recht sauber exerzierten Tanzeinlagen des zweiten Aktes von Thery Schultheis einstudiert, die von ihrem jugendlichen Ensemble mit russischen, spanischen, böhmischen, ungarischen und wienerischen Rhythmen und Figuren wacker unterstützt wurde.

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Herr Weiser spielte den Eisenstein mit kavaliers­mäßiger Laune und unbeschwerter Leichtigkeit, auch gesanglich angenehm in Form. Frau Perry war eine den musikalischen Nuancen und den darstelle­rischen Uebergängen ihrer Rolle geschickt und ge­schmeidig angepaßte Rosalinde. Herr Bley gab auf solider gesanglicher Grundlage einen unternehmungs­lustigen Gefängnisdirektor, während Herr Frick- h o e f f e r sich in allen Ehren mit dem Orlofsky ab fand, den man gemeinhin als Hosenrolle spielen läßt. Eine sehr vergnügte und bewegliche Adele brachte Frl. F o r n a l l a z, die sich mit Humor und Temperament, gesanglich sehr frisch und sicher, für die allezeit dankbare Partie einsetzte. Herr Hille als Alfred ging besonders im ersten Akt

recht angeregt aus sich heraus, während Herr Hub als Gefängniswärter Frosch in großer Fahrt war und die wildesten Kalauer vom Stapel ließ. Vom Ensemble seien noch Frl. Decker und die Herren Tank und Greif hervorgehoben.

Es gab viel Beifall und Blumen; zum Schluß mußten auch der Dirigent und der Spielleiter an die Rampe. hth.

Traumerlebnis.

Von (Surf (Sorrinfh.

Von Ostern 1913 bis zum 30. Juli 1914 wohnte ich in Bonn mit einem jungen Hamburger Hugo von Poellnitz in der gleichen Pension. Er stu­dierte Jura, ich Philosophie und Literaturgeschichte. Er wurde mir der treueste Freund, den ich je im Leben gehabt habe. Wir haben unvergleichlich schöne und sorglose Zeiten miteinander verlebt. Im Juli 1914 machte er seinen Referendar. Am 30., zwei Tage vor Kriegsausbruch, fuhren wir beide in unsere Heimat er nach Hamburg, ich nach Bar­men um die notwendigsten Dinge zu regeln und uns dann als Kriegsfreiwillige zu stellen. Wir haben uns nicht wiedergesehen. Briefe wurden genug gewech­selt. Er kam dann an die Westfront, ich zunächst nach Rußland, dann, im Februar 1916, nach Frankreich, Abschnitt Verdun. Ende Juli 1916 war ich auf Ur­laub zu Hause. Ich wußte von Poellnitz, daß er zur Zeit einen ruhigen Posten ein wenig hinter der Front in Flandern einnehme.

Kurz bevor mein Urlaub zu Ende ging, erhielt ich einen strahlenden Brief: daß er ebenfalls Urlaub erhalten; in zwei Tagen werde er Köln pas­sieren; ich solle hinkommen, damit man sich einmal wiedersehe. Ich weiß nicht mehr, was mich hin­derte, seinem Wunsche zu folgen. Genug: das Zu­sammentreffen kam nicht zustande. Eine Woche darauf war ich bereits wieder an der Front. Es ging brunter und drüber. Zum Brieffchreiben kam ich nicht: von Poellnitz hörte ich nichts. Dann wurde ich verschüttet, erlitt Gasvergiftung und Ner­venschock, kam nach Deuftchland, wurde in ein La­zarett nach Münster am Stein verlegt. Hier geschah es eines Nachts in der Nacht vom 17. auf den 18. September. Ich liege in nervösem Halbschlum­mer, sehr unruhig. Plötzlich steht Poellnitz an mei­nem Bett. Ich starre ihn an. Ueber seine Stirn stürzt das Blut in Strömen. Die eine Hand hat er gegen das blutende Haupt gepreßt. Mit der anderen winkt er:Adieu, mein Junge!" Diese

Worte höre ich ganz deutlich! Ich h a b e sie gehört, daran ist gar nicht zu rütteln! Nach einigen Sekun- den ist Poellnitz verschwunden. Ich stürze mit einem Schrei hoch, ich stürze aus dem Bett, ich stürze aus dem Zimmer, über den Korridor: den Freund suchen, den einzigen, getreuesten Freund! Drunten an der Treppe holt mich der Kamerad ein, mit dem ich das Zimmer teile.

Um Gottes willen, was ist Ihnen? Wo wollen Sie hin?"

Ich komme zu mir. Stehe verwirrt mit jagenden Pulsen. Taumle ins Zimmer, ins Bett zurück. In dieser Nacht schlafe ich nicht mehr.

Am Morgen habe ich mich hingefetzt, einen ver­zweifelten Brief an Poellnitz geschrieben:Diesen Traum habe ich gehabt. Was ist geschehen? Es ist bestimmt etwas geschehen! Wird dich dieser Brief überhaupt noch unter den Lebenden finden?"

Ich fühle es auf das Bestimmteste: dieser Brief wird umsonst geschrieben; Poellnitz ist tot! Ver­gebens sage) mir, daß er ja sicher noch in Flan­dern stecke, auf seinem ruhigen Posten ein wenig hinter der Front, daß ihm also kaum etwas ge­schehen sein könnte keine Dernunftsgründe bringen mich ab von meiner furchtbaren Angst, die eigentlich schon Gewißheit ist Diesen Morgen ver- bringe ich in völliger Verstörung. Um Mittag ist Poftausgabe. Darunter ein Brief von Poellnitz, neun Tage alt. Er war zunächst an meine Heimat­adresse gegangen.

Warum schreibst Du gar nicht? Wo steckst Du? Wie schade, daß wir uns neulich nicht sahen! Jetzt sitze ich an der Somme, mitten im Zentrum der Offensive und im schlimmsten Trommelfeuer, wurde gleich nach der Rückkehr vom Urlaub hierher ver- setzt. Nun weiß niemand mehr, ob wir uns noch einmal wiedersehen Geh^ es Dir gut?"

Dor neun Tagen lebte er noch. Heute ist er tot der Brief ist mir schon sicherste Bestätigung meines Traumes (wenn es ein Traum gewesen ist...). Vierzehn Tage vergehen in Angst und Un­gewißheit. Ich komme eines Abends von einem kurzen Ausgang zurück, sehr müde und zerschlagen. Auf dem Tisch liegt ein Brief. Ich ertaste ihn: das ist die Entscheidung. Stehe zitternd. Licht! Ich erkenne meine Handschrift. Es ist mein Brief an Poellnitz. Darauf ein Kreuz dahinter die Worte: Fürs Vaterland! Ich schrieb bann noch einmal an die Kompanie. Ich erfuhr: Leutnant v. Poellnitz fiel am Morgen des 18. September bei einem Artilleriefeuerüberfall. Granatsplitter. Kopf. Er ist mein einziger Freund im Leben gewesen.