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Samstag, 18. Zanuar 1956

Nr. 15 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Wehr und Waffen

vorliegt, kann "er zum Gefreiten befördert werden." Mudra erlebte-Verdun im Handstreich zu nehmen.

die Speisehallen und Erholungsräume. In der Mitte steht die Garnisonkirche, die in ihrer abgesonderten Lage durch schattige Baumgänge zugänglich ist. Das Lazarett ist an den Rand des Städtchens verlegt. Ebenfalls abgesonderte Gebäude enthalten die Of­fiziersmesse und die verschiedenen Sportklubräume der Garnison. Golf, Fußball, Crickett und Tennis haben ihre eigenen Plätze, die von Arbeitskomman­dos instandgehalten werden und nach ihrer Be­nützung in Offiziers- und Mannschaftsplätze geschie­den, aber sonst einander vollkommen gleichwertig sind.

Das Haus der O f f i z i e r s m e s s e (Offiziers­kasino) ist in der Regel einstöckig. Im Oberstock be­finden sich die Wohnzimmer der unverheirateten Offiziere, im Unterstock die große englische Halle als Empfangs- und Sitzraum mit den einmündenden Türen der Speise- und Erholungsräume. Die zur Bedienung kommandierten Ordonnanzen tragen nicht ihre Uniform, sondern sind mit weißen Jacken wie Klubkeller kostümiert. In der Messe führt das Offizierskorps ein Familienleben, bei dem der Kom­mandeur der Vater ist. Der enge und vertraute Zu­sammenhang beruht darauf, daß jedes britische Re­giment mit sehr wenigen Außenseitern eine Landsmannschaft ist, bei der Offiziere und Mannschaften aus derselben Grafschaft und oft so­gar aus derselben Stadt stammen. Das gibt auch zwischen Offizieren und Mannschaften eine Bindung, die über die gegenseitige Ranggrenze vielfach hin­übergreift und in der langen Dienstzeit der Mann­schaft ihre Dauerhaftigkeit erhält.

Der Durchschnittsoffizier verbirgt seine ganze Laufbahn vom Leutnant bis zum Oberst in dem­selben Regiment, das ihm dadurch zur wah­ren Heimat wird, um so mehr, da in der Regel auch seine Vorfahren in seinem Regiment gestan­den haben. Das erzeugt eine starke Regiments­tradition, die zuweilen an Kastengeist streift. Die Absonderung nach Regimentern wird auch auf das außerdienstliche Privatleben ausgedehnt, weil durch die isolierte Lage der Garnisonen das Gesellschafts­leben im Kreise der Regimentsdamen und der eige-

tens den Marsch des II. Korps auf Paris, drittens die Teilung der Einschließungsarmee und viertens die Abzweiaung eines neuen ?>eeresteils auf die Loire zu. Kommandeur der 11. Ulanen usw., erhielt Haeseler schließlich das XVI. Korps, das er 13 Jahre lang zu einer Mustertruppe ausbildete. Eine seiner großen Ideen war, gleich bei Beginn eines Krieges den er nur noch als Zuschauer beim Korps

verschafft.

Auch Haeseler verstand, besonders als Komman­dierender, wo er schalten und walten konnte wie er wollte, mit seinen Soldaten zu reden. Das XVI. Korps ging für ihn durchs Feuer und tröstete sich bei den großen Anstrengungen mit der beliebten Redensart:Wen Gott lieb hat, den züchtigt er." Wenn einer von den Leuten glaubte, ihm sei wirk­lich Unrecht geschehen, so sagte er zu seinen Kame­raden: ,Zk je zu Jottlieb" was auch wirklich trotz der Umgehung des dienstlichen Beschwerdeweges geschah, da der General eine Schwäche für persön­liche Bitten hatte. Als die Meldung eines nicht ge­rade sehr erleuchteten Rekruten von der 4. Schwa­dron Dragoner-Regiment 9 zum Chinafeldzuq von seinem Rittmeister abgeschlagen wurde, wandte stch B an Gottlieb, mit dem Erfolge, daß vom General­kommando der Befehl kam:B., falls tropentaug­lich, für China einstellen." Diese Geschichte ist ver­bürgt, ebenso wie folgende, die zeigt, daß Haeseler, welcher nicht nur alle Offiziere, sondern auch viele Unteroffiziere /Patrouillenführer) mit Namen kannte, auf Find'akeit besonderen Wert legte: Bei einerGehirnrevision" schickte Haeseler einen Dra­goner zwecks Erkundung einer zehn Kilometer ent­fernten, mit Bäumen bestandenen Höhe aus. Als der Mann nach zwei Stunden zurückkehrte, gab er zwar den Namen der Höhe richtig an, meldete^ aber bann: die Baume dort kenne ich nickt, es können Linden oder Kastanien sein, auf alle Fälle habe ich einen kleinen Ableger mitqebracht worauf er einen Zweig aus dem Stiefelschaft zog. Haeseler sagte darauf:Wenn sonst nichts gegen den Mann

Die vielen Anekdoten, die der Volksmund über Zieten erzählt, sind wohl meist frei erfunden. Zum mindesten ist es zu lange her, um ihre Wahrheit festzustellen. Daß Zieten z. B. bei einem Tadel des Königs über seine Husaren den Säbel zornig in die Scheide gestoßen habe und gesagt:Wenn mtr denn jetzt nichts mehr taugen, so haben wir doch vormals unsere Schuldigkeit getan; als man uns brauchte, waren wir gut genug", scheint jedem Men­schen mit soldatischem Gefühl wenig glaubwürdig, wie auch, daß er, um eine taktische Einschließungs­skizze befragt, nur Klexe gemacht habe und ge­äußert:Ich nehme alsdann meine Husaren und haue selber mit dem Säbel in der Faust die Feinde auseinander." Zieten entstammte einem armen Adelsgeschlecht, das seinen BesitzWustrau" bet Neuruppin hatte, wo er mit 16 Jahren bei der Infanterie eintrat. Der bei der Beförderung über- gangene schwächliche Fähnrich erhielt dort auf ein Immediatgesuch nichts als feine Demission. Bei den Wuthenow-Dragonern in Insterburg endlich wieder eingestellt und Leutnant geworden, wurde er infolge eines Duells mit seinem Rittmeister kassiert. Auf Fürsprache bei den neugegründeten Husaren von neuem aktiv, leuchtete fein Glücks- und Sieqesstern, anaefanaen von Rotholz, Hobenfriedb-rg, Henners­dorf, Reichenberg, Prag, Leuthen, Collin und Tor­gau bis zu feinem Tode.

Graf Haeseler bei den Zietenhusaren einge­treten zeichnete sich als Adjutant des III. Korps und Prinz Friedrich Karl bereits 1864 aus und wurde bei Alfen verwundet. 1866 stellte er als Ge- neralstabsbauptmann desRoten Prinzen" nach dem Gefecht bei Gitschin die Verbindung mit der kronprinzlichen Armee durch einen kühn durchge­führten Gewaltritt her. 1870/71 leistete er beim Oberkommando bezüglich Schreibarbeit und reiter­licher Erkundung Ungeheures. Er arbeitete z. B. nach der Uebergabe Bazaines vier gänzlich verschie­dene Befehle zu gleicher Zeit aus: Erstens den Ab­transport von Tausenden von Gefangenen, zwei-

nen Sportplätze bleibt. Wenn auch der Kauf von Offiziersstellen längst abgeschafft ist, so setzt doch das klubmäßige Leben in der Offiziersmesse den Besitz von privaten Gagezuschüssen voraus, die bei den Garderegimentern und bei den aus jüngeren Söhnen des begüterten Landadels gebt!» beten Offizierskorps sogar sehr erheblich sind.

In der Hauptsache ergänzen sich die Offiziere aus den Vorbereitsungsschulen Sandhurst (für In­fanterie und Kavallerie) und Woolwich (für Ar­tillerie und technische Waffen). Aber daneben ist der direkte Eintritt durch Ablegung der Offiziers­prüfung noch immer möglich, und auch dasVon der Pike dienen" kommt noch vor, bei dem ein Ge­meiner (Private) zum Offizier aufrückt, wenn er sich beim sogenannten aktiven Dienst in Kolonial­gefechten auszuzeichnen weiß. Hierzu bietet sich bei jedem Regiment der Heimarmee Gelegenheit, weil immer ein oder das andere Bataillon nach den Kolonien detachiert ist. Da sind namentlich Kommandos nach der stets unruhigen indischen Nordwestgrenze von abenteuerlustigen Geistern sehr gesucht, weil dort nebst der Feuertaufe auch Aus­zeichnung und Beförderung zu holen sind.

So löblich auch vom menschlichen Standpunkt das regimenterweise Familienleben erscheinen mag, ebenso groß sind die militärischen Beden- k e n, die es erwecken muß. Schon das an das Regiment gebundene Avancement kann durch Mangel an Gelegenheit dem Tüchtigen die freie Bahn verlegen, die ihm anderwärts (wie in Deutschland) durch das im Rahmen der ganzen Armee nach Dienstalter erfolgende Vorrücken of­fen steht. Außerdem birgt das Regimentsavance­ment eine Schlange im Busen, wenn jeder mit seiner Beförderung von dem Abgehen eines rang­höheren Regimentskameraden abhängig ist und da vielleicht weit über die normale Zeit hinaus warten muß, während ihn Altersgenossen in an­deren Regimentern durch eine diesbezüglicheglück­lichere" Schicksalsfügung längst überflügelt haben.

Hierzu kommt eine gewisse Einseitigkeit, die durch das Leben in wohlbekannten Landsmann­schaften entstehen muß, während bei anderen Ar­meen der Offizier bei jeder Versetzung durch An­passung an neue Garnisonverhältnisse und Mann­schaften seinen Blick erweitern kann. Bei der lan­gen Dienstzeit der britischen Mannschaft schrumpft überdies die Notwendigkeit zu ihrer Schulung zu­sammen, während anderwärts der starke jährliche Rekrutenzuwachs den Offizier mehr beansprucht und damit auch zur erhöhten Selbstausbildung zwingt. Infolgedessen ist in der britischen Durch­schnittsgarnison der Offizier gewöhnlich schon um elf Uhr vormittags mit der Schulung seiner Mann­schaft fertig, die er für den Rest des Tages den Unteroffizieren überläßt, während er sich die Zeit durch Sport, Jagd, Ritt, Fischfang oder im Bil­lard- und Spielzimmer seiner Messe vertreibt.

Auch die Unteroffiziere haben ihre eigene Messe. Ihre ebenfalls an das Regiment gebundene Laufbahn birgt die gleichen Vor- und Nachteile wie beim Offizier, was namentlich bei derRippe" jeder Truppe, beim länger dienenden Unteroffizier : zum Ausdruck kommt. In den Mannschafts- 1 f a n t i n e n ist der Ausschank von Alkohol streng - untersagt. Sie ähneln den Teehäusern, die man in l den englischen Städten sieht. Radio und Billard bieten nebst dem Lesezimmer Unterhaltungsgele- - genheit. Ein großer Teil der dienstfreien Zeit ist - durch Sport, namentlich mit Football nach Rugby-Regeln ausgefüllt, das mit feinen ! rauhen Handgemengen einen gewissen militärischen - Erziehungswert besitzt und daher von vorgesetzter - Stelle durch Wettspiele und Geldprämien gefördert [ wird. Auch das Boxen genießt aus demselben - Grunde weitgehendste Förderung. Die Verpflegung = der Mannschaft ist britischen Ansprüchen angepaßt. 1 Speckeier und Haferflocken zum Frühstück und eine > ausgiebige Fleischration mittags und abends bie- I ten gegen das zehrende Klima Englands das mark­bildende Gegengewicht.

Alles in allem ist die britische Heimarmee

drücken; er ist zufrieden, wenn er nur mit dem Feinde zum Schlagen kommen kann. Vor allem aber hat er eine ganze singuläre Eigenschaft: wenn er das Terrain nicht gesehen hat, ist er nicht im­stande, eine einigermaßen ausreichende Disposition zu entwerfen; wenn er es aber gesehen hat, macht er

Leichte und schwere Artillerie und ihre Kampfaufgaben.

Von v. Keiser, Major a. O.

Noch im Kriege 1870/71 gab es im Feldheer nur leichte oder Feldartillerie, schwere Artillerie im deutschen Heere Fußartillerie genannt- war zu mühsam zu transportieren und nur im Festunas- kampfe zu verwenden. Erst etwa um die Jahr­hundertwende wurde im deutschen Heere die be­spannte schwere Artillerie des Feldheeres bei der Fußartillerie eingeführt, der unsere Gegner zu Be­ginn des Weltkrieges nichts Gleichwertiges gegen» uberzuftellen hatten, und der wir daher unseren glanzvollen Siegeszug zu Beginn des Feldzuges zum guten Teil zu verdanken haben.

Heutzutage kann man drei Arten von Artillerie unterscheiden:

a) die Feldartillerie, die mit der leichten Feldkanone (meist zwischen 7 und 8 Zentimeter Kaliber) und daneben teilweise mit der leichten Feldhaubitze (um 10 Zentimeter Kaliber) ausge­rüstet ist;

b) dieschwere Artillerie des Feld­heere s", die Kanonen, Haubitzen und Mörser in einer Kalibergröße von int allgemeinen 10 bis 21 Zentimeter umfaßt;

c) die Belagerungs- und Festungs­artillerie, zu der alle höheren Kaliber bis zu den allerschwersten gehören.

Die Feldartillerie hat in erster Linie die

noch zurückkommen, nicht aber ihre persönliche Beliebt­heit bei den Soldaten. Diese verdanken beide rein menschlichen Tugenden: Sie hatten jene eigentüm­liche Gabe, dem Mann nicht nur durch überlegene Einsicht und Tapferkeit zu imponieren, sondern zu­gleich sein Herz zu gewinnen. Wie Friedrich selbst, so ist Zielen auch dann und wann, namentlich wenn große kriegerische Ereignisse bevorstanden, im Lager herumgeritten, bald hier bald da die Truppen an­redend und ermutigend. Wenn das Kriegsglück den preußischen Fahnen wieder einmal wenig günstig war, bann war Zieten der rechte Mann, ihnen das verlorene Vertrauen auf ihren Glücksstern mie­de einzuflößen. Die liebevolle Art, mit der er sich dabei eines jeden einzelnen annahm, hat ihm dann in der Armee den schönen BeinamenVater Zieten"

Generalfeldmarschall Graf von Haeseler. (Scherl-Bilderdienst-M.)

ausgezeichnete Dispositionen, und zwar mit einer Schnelligkeit, Genauigkeit und Richtigkeit, welche m Erstaunen setzt. Er braucht nur einen Augenblick, um zu sehen und sich zu entscheiden!

Graf Haeseler hat sich im Kriege als hervorragen­der Stratege und im Frieden als bester Lehr­meister der Truppe bewährt, wahrend Zieten mehr ein Held der Schlachten und der kecken Ueberfatle war, dem der Friedensdienst ein wenig langweilig erschien. Die militärischen Vorzüge der beiden Ka­valleristen erklären wohl ihre kriegerischen Erfolge, auf die wir in ganz kurz gezeichneten Lebensbildern

Zwei Husaren.

Von Gras Wolf Baudissin.

Zum 100. Geburtstag Gottlieb Graf von Haeselers am 19. Januar und zum 150. Todestag Hans Joachim v 0 n Z i e t e n s am 27. Januar.

Mitte dieses Monats feiern wir Deutsche und in Sonderheit wir alten Soldaten die Gedenktage zweier Kavalleriegenerale, unendlich verschieden m ihrem Wesen und doch typische geniale Militärs, deren Wirken und Beispiel in der Geschichte der Armee wie ein Fanal ewig leuchten wird. Zieten, das Husarengesicht und der alte Gottlieb Has­se l e r ! , . f

Der alte Haeseler steht heute noch vielen von uns lebendig vor Augen, die große fast 2 Meter hohe Gestalt, mit der infolge einer Verwundung schiefen Schulter. Ihm waren die schweren seelischen Kämpfe und Widersprüche, mit denen fast jeder ge­niale Deutsche zu ringen hat, fremli (Sein Leben verläuft, wie das des Schweigers ^oltke, in gerader aufsteiqender Linie. Der Dienst und die Pflicht wa­ren ihm einfach selbstverständlich, und eme gewisse Einseitigkeit tut seiner Große feinen Abbruch, denn ein Soldat kann und soll kein Universalgenie fern. Als echter Generalstäbler dachte er nur an den Krieg Paraden und Friedensmatzchen waren ihm ein Greuel. Der Genuß vieles Schonen, den die Kunst dem Menschen geben kann, war ihm versagt. Wohl hatte er Freude an der Natur das bezeugte sein landschaftlich herrlich gelegenes Schlößchen bet

^naenh aufbrausender, jähzorniger Charakter, der 3ohre brauchte um das h°>b° Blut zug-ln zu er-

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Die britische Heimarmee ist in sechs Armeekorps über England, Schottland, Wales und Nordirland (Ulsterland) verteilt. Die großen Städte haben in der Regel feine Garnisonen. Die Truppen find zumeist in den kleinen Städtchen und in Ba­rackenlagern untergebracht. Da der Norden mit Ausnahme von Catterick keine großen Truppen­übungsplätze besitzt, finden die großen jährlichen Manöver immer im Süden bei Aldershot und auf der Ebene von Salisbury statt.

Aldershot liegt in Hampshire und hat eine Zi­vilbevölkerung von 30 000 Menschen, die von dem großen Militärlager leben. Hampshire ist das süd- englische Heideland, das im großen Seehafen South­ampton seine Ausbruchpforte hat. Durch die vor­gelagerte Insel Wight ist der Hasen militärisch leicht zu sichern und daher ein guter Truppen- einschiffungsplatz. In dieser Rolle hat er sich im Weltkrieg für die Truppensendungen nach dem gegenüberliegenden französischen Hafen Le Havre bewährt. Ein Teil der Hampshirer Heide (Hampstead Heath) ist ein beliebtes Londoner Aus­flugsgebiet. Durch die Nähe der Reichshauptstadt ist Aldershot auch für die Gardetruppen der Lager­und Uebungsplatz. Salisbury hat zwanzig­taufend Einwohner und ist die Hauptstadt der süd- englischen Grafschaft Wiltshire. Der Truppenübungs- platz Salisbury Plain ist ein ausgedehntes Ge­lände, das mit seinen Dörfern, Wäldern und Fel­dern wie eine Art Nationalpark Staatseigentum ist und der Militärverwaltung untersteht. Exerzier­plätze, militärische Fortbildungsschulen aller Art, militärische Flugplätze und fast nur von Soldaten bewohnte Städte sind über das ganze Gebiet ver­streut.

Die kleinen Soldatenstädtchen bieten fast überall das gleiche Bild. In einer Talsohle breiten sich zwischen den Rohziegelbauten der Kasernen und De­pots die wohlgepflegten Rasen der Exerzier- und Sportplätze aus. Die Kasernen sind feine Groß­gebäude, sondern jede ist ein Park, in dem eben­erdige und manchmal einstöckige Häuser stehen. Einige Häuser enthalten die Schlafräume, andere

Aufgabe, bewegliche und ungedeckte oder nur schwach gedeckte Ziele zu beschießen, wie z. B. vor­gehende und frei liegende Infanterie, Kampfwagen, MG.-Nester und ähnliches. Dazu braucht sie ein bewegliches und schnell feuerndes Geschütz mit rasanter, d. h. gestreckter Flugbahn, die leichte Feldkanone. Mit der gekrümmteren Flugbahn und dem stärkeren Kaliber der leichten Feld- Haubitze ist die Feldarttllerie in der Lage, auch widerstandsfähigere Deckungen im Bogenschuß zu durchschlagen bzw. in nicht zu tiefe Schützengräben oder Geländefalten hineinzureichen. Zu Beginn des Weltkrieges war die deutsche Feloartillerie, die neben ihrem Hauptgeschütz, der Feldkanone, mit einer 10,5-Zentimeter-Haubitze ausgerüstet war, der französischen Feldartillerie, der ein solches Geschütz fehlte, an Feuerkraft entschieden überlegen. Da­gegen trug das französische Feldgeschütz um 700 Meter weiter als das deutsche, ein Nachteil, den die deutsche Feldartillerie nur dadurch ausgleichen konnte, daß sie oft unter erheblichen Verlusten im feindlichen Feuer auf wirksame Schußentfernung Herangehen und von da aus die feindliche Feld­artillerie niederkämpfen mußte.

Die Geschosse der Feldartillerie sind Schrap­nells und Granaten. Die ersteren werden ausschließlich gegen lebende ungedeckte Ziele ver­wendet. Zur Erzielung starker Massenwirkung sind sie mit mehreren hundert kleiner Kugeln und einer schwachen Pulverladuna gefüllt, die gerade aus­reicht, das auf Zeitzündung gestellte dünnwandige Geschoß zur Explosion zu bringen, so daß die Kugeln und Sprengstücke sich bei einer Tiefenwir­kung von rund 300 Metern fächerförmig nach vor­wärts ergießen.

Mit Granaten wirkt die Feldartillerie gegen Deckungen, z. B. gegen leichtgebaute Unterstände und Kampfwagen, gegen erstere im allgemeinen mit Feldhaubitzen im Bogenschuß, gegen Kampf­wagen dagegen nur mit Flachbahngeschützen im direckten Schuß aus möglichst großer Nähe. Wah­rend es sich hier natürlich um Volltreffer handelt, also mit Aufschlagzünder geschossen wird, werden Granaten beider Geschützarten mit Zeit­zünder ihrer starken, nach allen Seiten wirken­den Explosionskraft wegen gegen lebende Ziele hinter Geländedeckungen verwendet.

Die schwere Artillerie des Feld­heeres verfügt ebenso wie die Feldarttllerie über Flachbahngeschütze (Kanonen) und Geschütze mit

Garmsonleben britischer Soldaten

Von A. Turat.

nen, die von Laon aus rund 200 Kilometer weit bis nach Paris hineinschossen und unseren Gegnern zunächst wie ein unlösbares Rätsel erschienen.

Die artilleristische Entwicklung in bezug auf Kali­berstärke und Geschoßweite scheint mit dem Welt­krieg einen gewissen Abschluß erreicht zu haben. Die in der Nachkriegszeit erzielten techni­schen Fortschritte beziehen sich mehr auf die Ent­wicklung von Sonder geschützen für be- ftimmte Zwecke und auf die teilweise Motorisierung der Artillerie. Von Sondergeschützen sind in erster Linie kleinkalibrige Kampfwagenab­wehrgeschütze zu nennen, die bei der Reiterei motorisiert sind, von der Infanterie aber mit Menschenkraft über das Schlachtfeld gezogen wer­den. Ferner die meist motorisierten Flug­abwehrgeschütze (Flaks), die heute im deut­schen Heere zur Flugwaffe gehören und mit größter Wendigkeit und jeder beliebigen Erhöhung stärkste Feuergeschwindigkeit verbinden, um die feindlichen Flugzeuge in kürzester Zeit mit einem Hagel von Geschossen zu überschütten. In welchem Grade eine allgemeine Motorisierung der Artillerie zu erfolgen hat, darüber sind die Ansichten in den ver­schiedenen Heeren heute noch verschieden. Motori­sierte Artillerie hat den Vorteil der größeren Schnelligkeit, ist aber an ein geeignetes Straßen­netz gebunden. Pferdebespannte Artillerie, vor allem leichte Artillerie, kann dagegen der Infanterie beim Angriff in jedem Gelände folgen; darum wird sie neben der motorisierten Artillerie auch in Zukunft erhalten bleiben.

Bogenschuß (Haubitzen), ferner über Mörser und ausgesprochen schwere Schnellfeuer- geschähe mit steilstem Einfallwinkel. Die mittle­ren und schweren Kanonen mit einem Kaliber von 10 bis 15 Zentimeter sind für die Bekämp­fung von lebenden Zielen, z. B. anmarschierenden Truppen, Straßen und Verkehrsanlaaen, auf weite Entfernungen, also hinter der feindlichen Front, be­stimmt. Die schwere Feldhaubitze mit einem Kaliber von 15 und mehr Zentimeter wird hauptsächlich zur Niederkämpfung der feind­lichen Feldartillerie verwendet, während die Auf­gabe des Mörsers mit einem Kaliber von 21 Zentimeter an und mehr die Zerstörung von Stützpunkten, Befestigungen und Ortschaften, auch von Artillerie hinter steilen Geländehängen, ist.

Außerdem führt jedes neuzeitliche Heer schwerste Flachfeuer- und Steilfeuer geschütze zur Beunruhigung des Feindes auf weiteste Ent­fernungen bzw. zur Zerstörung von starken perma­nenten Befestigungen mit sich. Unsere berühmte dicke Berta", ein Mörser von 42 Zentimeter Kali­ber, dessen Konstruktion vor dem Kriege völlig ge­heimgehalten worden war, war eine ungeheure Ueberraschung für alle unsere Gegner und hat die schnelle Einnahme der stärksten feindlichen Festun­gen in West und Ost sehr erleichtert. Bei Kowno konnte ich nach der Einnahme feststellen, wie ein starkes, damals modernes Fort durch nur wenige Schüsse des Riesengeschützes vollständig zerstört und die starken Betonmauern wie Kieselsteine durchein­andergewirbelt waren. Eine ebenso große Ueber­raschung waren später die beiden schwersten Kano-