Ausgabe 
17.12.1936
 
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Nr. 295 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhejjen)_______Donnerstag, «7.Dezember 1936

ÖJ.-fporf

an­

fair geführt.

Die Ettichlung der neuen Gausportschule

einem zur zählenden Hochschule

des Turnvereins Alten-Buseck

Alten-Buseck I Klein-Linden I 2:2.

NSG. Der Deutsche Reichsbund für Leibes­übungen im Gau XIII, Südwest, benutzte bisher zur Abhaltung von Schulungslagern und Tagungen die Einrichtungen des Stadions der Darmstädter Tech­nischen Hochschule. Dort draußen vor den Toren der Stadt hat sich bisher die intensiv betriebene Schulungsarbeit des DRL. abgewickelt. Aus allen Teilen des Gaues wurden die Sportkameraden zur sportlichen und politischen Ausrichtung nach Darm­stadt geru'en. Die Schulungsarbeit lag in den Hän­den des Gausührers und seiner engeren Mitarbei­ter. Im nationalsozialistischen Deutschland stehen die Leibesübungen und alle Einrichtungen, die der Leibesertüchtigung dienen, unter einem besonderen

und von der gelbrot aufzuckenden Flamme. Aber sie wechseln den Vorwurf und stellen sich neue Auf­gaben und möchten was Besonderes bringen und strahlen vor Freude, wenn es gefällt.

Ja, diese Stillen, karg Lebenden, sind auch Künst­ler. An Flitter und oerglitzerndem Schmuckwerk des Baumes lebt ihre formende Hand. Aber sie können auch mehr. Als wir beim alten Meister Gottfried eintreten, führt er erst die schon über der zischenden Flamme begonnene Glaskugel zu Ende. Während seine beiden Söhne ftumm und ohne auf­zublicken bei der Arbeit bleiben, führt er uns an die Vitrine, in der seine Tiergestalten in Glas ge­gossen zu sehen und zu bewundern sind. Wie hat er alles der Natur abgelauscht und ihnen in Form und Haltung feinsten Ausdruck gegeben. Eine Ele­fantenfamilie hockt drollig zusammen in milchfarbe­nem Glas, ein Dackel bellt auf, Störche. Enten,

lasche Arbeit der Frankfurter Polizei.

Der Mörder der Dirne Fallin feskgenommen.

LPD. Frankfurt a. M., 16. Dez. Der Frank­furter Mordkommission ist es gelungen, den Mann, der am 12. Dezember die Dirne Else F al ti n in der Schüppengasse ermordet hat, zu ermitteln und fe st zunehmen. Der Mann hat nach länge­rem Leugnen ein Geständnis abgelegt. Einzelheiten über den Hergang der Tat können im Interesse der weiteren Ermittlungen noch nicht bekanntgegeben werden.

Mit dem gestohlenen Auto verunglückt.

LPD. Offenbach a. M., 15. Dez. Wir berich­teten gestern, daß ein funger Mann aus Gedern, der bei seinem Vater in Offenbach zu Besuch weilte, von einer Autofahrt nach Frankfurt nicht zurückae- kehrt sei. Das Auto wurde im Offenbacher Wald zertrümmert aufgefunden. Inzwischen ist der junge Mann zurückgekehrt. Das Auto wurde ihm in Frankfurt gestohlen. Offenbar ist der Dieb verunglückt, hat die Weihnachts­geschenke, die sich im Auto befanden, gestohlen und hat dann das Weite gesucht. Don dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur.

Schutz. Persönlicher Egoismus und Vereins­meierei haben im Interesse der Allgemeinheit zu­rückzutreten. Erste Voraussetzung für die sportliche Betätigung des deutschen Volkes ist die Schaffung von vorbildlichen Uebungsstätten, die nicht einer bestimmten Gesellschaft, einem Verein ober Verband dienen, sondern die über alle' ver­meintlichen Grenzen hinweg dem Volksganzen zu­gute kommen. Den Traum von Deutschlands Ein­heit aus der Schwanenrede Jahns wird der Na­tionalsozialismus auch auf diesem Gebiet Wirklich­keit werden lassen. So werden die Uebungsstätten zu einem Mittelpunkt, wo sich jung und alt, klein und groß ein Stelldichein geben. Nicht nur zu Wett-

Sfurtnangriff gegen die Not!

HZ. sammelt für das WHW. vom 18. bis 20. Dezember.

dienstbaren, in allen Teilen der Stadt liegenden Projekte zu verschwinden, womit gleichzeitig auch einem Gebot der Stunde, dem Vierjahresplan, Rech­nung getragen wird. Das Gelände wird dem Auf­bau und Ausbau des Vaterlandes, der deutschen Volkswirtschaft zugeführt, und mit dem neuen Sportfeld wird eine einheitliche und vollständige Uebungsstätte geschaffen. So wird in Verwirk­lichung des Volksgemeinschaftsgedankens in Darm­stadt die erste Sportanlage in unserem Gau erstellt, die keinen Unterschied nach vereinlichen Gesichts­punkten kennt, sondern nur das eine Ziel: die ein­heitliche sportliche und politische Ausrichtung im Dienst der Volksgemeinschaft zu gewährleisten.

In der Gausportschule werden die Amtsträger des DRL., Turner und Sportler zu Lehrgängen und Schulungslagern zusammengezogen. Syst-ma- tisch wird ein ständiges Erneuern der DRL.-Mit- glieder einsetzen, und mit neuen Energien geladen, werden die Teilnehmer zur weiteren Arbeit an ihre Wirkungsstätten zurückkehren.

H. L e i tz, Gaupressewart. DRL.

Neun Fahrer vertreten Europa.

BeimGroßen Aukopreis von Südafrika".

DerGroße Autopreis von Südafrika", der am Neujahrstag 1937 die internationale Automobil­sportzeit einer dreijährigen Tradition entsprechend einleitet, hat diesmal eine Besetzung erfahren wie nie zuvor. 25 Fahrer neun aus Europa und 16 aus Südafrika trugen sich in die Meldeliste ein. Das größte Interesse bringt man dem Start des deutschen Europameisters Bernd Rosem eyer entgegen, der zusammen mit seinem Stallgefährten Ernst von Delius die Auto-Union vertritt. Europas Vertretung lieat weiterhin in den Händen bekannter englischer, italienischer und Schweizer Fahrer.

Fußball der Studenten.

Universiläl Gießen Polytechnikum Friedberg 8:1 (4:1).

Die Mannschaft des Polytechnikums Friedberg war der Gießener Elf der Universität kein schwerer Gegner. Die Techniker waren uneinheitlich. Dem Sturm fehlte die Durchschlagskraft, die Verteidigung war zwar hart aber nicht standfest. Die Gießener Studenten waren zwar nicht überragend, aber ziel­sicherer, technisch besser und vor allem überlegter im Zusammen- und Zuspiel. Obwohl die Gäste zu­erst mit dem Winde spielten, tarnen sie nur zu einem einzigen Erfolge, während die Studenten in Abständen vier Tore erzielten. Sie waren trotz hef­tiger Gegenwehr der Friedberger stets überlegen und schnürten ihre Friedberger Gäste in ihre Sviel- hälste ein. Kurz vor der Halbzeit wurde der linke Gießener Stürmer verletzt. Der für ihn neu einge­tretene Dörr wurde nach wenigen Minuten gleich­falls verletzt und war eigentlich nur noch Statist. Das Spiel nahm an Härte zu, so daß ein weiterer Gießener Spieler das Feld räumte und ein dritter auch noch stark mitgenommen wurde. Nun erroies sich der rechte Gießener Flügel ausgezeichnet und die neun Mann vergrößerten dennoch und trotz des Kampfes gegen den Wind auf 8:1 Toren.

Die Universität Heidelberg war in einem Vorrun­denkampf um die deutsche Hochschul-Fußballmeister­schaft mit 7:0 (4:0) gegen die Elf der TH. Stuttgart

zu freuen an dem im abendlichen Licht besonders sprühenden Spielwerk.

Ob sie nun vom heimischen Arbeitstisch in blauer Schürze ober aus ber kleinen Fabrik im grauen Kittel gekommen finb, sie alle tragen im Gesicht etwas von ber Arbeit an ber lichten Seite bes Da­seins. Oh, sie haben zu kämpfen gehabt, sie kennen Not unb Sorge, sie sitzen von früh bis spät, unb oft kam nach Wochen ber Hast die viel zu lange Feierzeit. Aber sie sind wieder gläubig, sie haben Arbeit, viel Arbeit, unb ihr bescheibener Verdienst ist ihnen gesichert. Ja, sie suchen wieder Mitarbeiter, unb bas seit langer Zeit wieder einmal. Sie kom­men wieder stärker auf den Markt mit ihren vor­trefflichen Erzeugnissen in Deutschland und auch über die Grenzen hinaus.

Bei den Glasbläsern.

Künstler für das Weihnachtsfest

Bei den Schnitzern und Glasbläsern im Sonneberger Land.

Don Dr. Paul Laven.

Die Universität Frankfurt siegte in Hochschulmeisterschaft im Handball Gruppenkampf gegen die Technische Darmstadt mit 7:5 (5:1).

Fußballabteilung

Spielschiffswerst.

Einen sahen wir in Mengersgereuth-Hämmern, derS p i e l s ch i f f s w e r f t ber deutschen Jugend" mit Weib unb Kinb bei ber_ Arbeit. Der Raum war an ben Schneeberg gedrückt und dennoch licht mit sauberen Farben ausgemalt. Dutzende von Schiffchen bedeckten den Tisch. Die Frau arbeitete mit ber Tochter an der Fertig­stellung der Segel auf den kleinen Booten. Der Herd war überlagert mit rohgeschnitzten Schiffen, die dort zum Trocknen aufgelagert waren. Der Meister selbst, schon dreißig Jahre in dieser Sviel- schiffswerft tätig, die er von seinem Vater über­nommen bat, war gerade von den Holzblöcken, denen er Form gab, aufgestanden. Vor ihm lag eine illustrierte Zeitung und ein Bild hatte seinen Blick angezogen.

Sein Gesicht ist hager, mit zusammengeknifsenen blauen Augen. Wir blicken über seine Schulter. Da ist ein Segelschiff auf einer Photographie, darunter steht der NameGorch Fock". Unb ehe man sich noch versehen hat, zieht ber stille Mann Tafel unb Griffel herbei unb beginnt bie Formen dieses Segel­schiffs nachzuzeichnen. Er will etwas Neues brin­gen. Auch einGorch Fock" soll auf derSpiel- fchifsswerft der deutschen Jugend" entstehen. Unb als bie Zeichnung fertig ist und Frau und Tochter sie bewundern, ia selbst mithelfen an der Ausgestal­tung, holt er selbst, der Schiffsschnitzer seine schön­sten Muster herein. Seine liebsten Werke, Fregatten unb Jachten mit blauen und weißen Segeln zum Einhorn gemacht. Brave Matrosen mit Bärten sind zum Manövrieren bereit Unb plötzlich scheint der ganze Arbeitsraum lebendig, in vielen Farben und schnittigen Schiffen, die auf Fahrt gehen ins Kin­dertraummeer. Unb in den schmalen blauen Augen des Schnitzers strahlt Schalk und Kinderseligkeit. Einmal in feinem über 50 Jahre währenden Leben Hat er ein Schiff in Wirklichkeit gesehen. Bei Würz­burg vor Jahren auf dem Main ...

Spielzeugsckochlel.

In Steinach, derStadt der Holzspiel - waren unb Schiefergriffe l", haben sie das Schönste zusammengetragen zu einerSpiel­zeugschachtel". Oben im zweiten Stock ber neuen Sparkasse ist bas. Als wir bort am Abend zu Be­such waren unb bie bunte Schar der Figuren, die Fülle der Gegenstände mit Männlein unb Tieren, mit Schnitzereien und Zauberwerk aus Glas, als sich diese Kinderfest-Landschaft öffnete und wir still ftanbm vor Staunen unb Bewunderung, da kicherte es leise hinter uns. Es war, als ob der Zwerg aus dem Berg der Wunder gelacht hätte. Es mären aber einige der Meister dieser Kunst, die von ihren Arbeitsstätten herbeigeeilt waren, um Rede unb Antwort zu stehen, um sich selbst aber auch noch

In Lauscha roars. Das Glas gibt hier Arbeit.

Vielen schon unb wenn wir alle helfen, wird bie r .

Not halb ganz zu Ende sein. Hier sitzen sie Haus läufcn. Unb burch ben ganzen geschmeidigen Leib, an Haus und formen blasend ben Christ bäum- durch den das Licht tropft und in dem die Flamme schmuck. Sie rühren sich nicht von ihren Tischen 1 noch spielt, geht die Spannung des Sprungs.

erfolgreich. Im Vorschlußrundenspiel um die Fußball-Kreismeisterschaft gab bie Elf der Hoch­schule für Lehrerbildung Weilburg den Darmstäd­tern in Frankfurt mit 3:2 (2:0) das Nachsehen. Weilburg trifft im Endspiel auf Marburg.

Bären, Hirsche das alles lebt unb beglückt.

Dann aber fetzt er sich zu schnellem Gestalterwerk an ben Tisch. Eine Glasröhre hält er vor die Flamme. Und nun spielen die alten nervigen Hände auf dem in ber Hige weicher werdenden Stoff die Form heraus, bläst ber kundige Atem immer zar­ter, immer feiner bie Gestalt aus dem Glas, bis eine Gemse im Sprung vor uns steht mit einge­knickten Vorderbeinen und rassigem vorgestreckten Kopf, sich abstoßend mit den angespannten Hinter­

kämpfen, zum Spielen und Tummeln werden die Anlagen geschaffen, sondern damit verbunden wird gleichzeitig die Herrichtung eines Aufmarschgeländes, das den Zwecken der Partei und den national* sozialistischen Organisationen dienstbar gemacht wirb.

Don diesen hohen Gesichtspunkten getragen, hat bie hessische ßanbesregierung im Einvernehmen mit bem Deutschen Reichsbunb für Leibesübungen und ber Stabt Darmstadt einen großzügigen Plan in Angriff genommen: die Schaffung eines neuen Darmstädter Sportfeldes und in dessen Mittelpunkt die Errichtung der neuen Gausportschule. Hinter dieser Anlage haben die bisher ber Leibeserziehung

Die beiben Mannschaften lieferten sich ein regenbes Freunbfchaftsspiel, für bas bie Gäste bie körperlich kräftigere Mannschaft stellten. Alten- Buseck konnte jeboch zuerst in Führung gehen. Dann gewannen jeboch bie Gäste an Uebergewicht und berannten das einheimische Tor. Der Atten-Busecker Torhüter meisterte aber die schwierigsten Bälle. Bis zur Halbzeit änderte sich am Ergebnis nichts. Wäh­rend der zweiten Spielhälfte gewann der Kampf noch an Tempo, bei bem die Gäste zunächst das Ausgleichstor erzielten und bald darauf sogar in Führung gingen. Die Alten-Busecker legten sich dar­aufhin auch ihrerseits mehr ins Zeug unb vermoch­ten auch 15 Minuten vor Schluß das Ausgleichs­tor zu erzielen. Der interessante Kampf wurde sehr

Man muß sie daheim aufsuchen, in ihren von Schiefer eingefaßten und geschützten Häuschen, diese stillen Meister, die Spintisierer und Zauberer der Farben unb Formen. Mögen Fabriken auch aus den Ortschaften unb Bergen bes Sonneberger Lanbes herausblicken, Fabriken, die Glied an Glied des Spielzeugs setzen, die Stillen im Land finb bie Schöpfer unb Fortentwickler.

In Sonneberg, ba ist der große Umschlagplatz, da kommt alles zusammen. Don dort gehen die Fäden hinaus in die vielen Orte, in denen an die­sen Spielzeugen und kleinen Kunstwerken gedacht und gearbeitet wird. Fahren mir, schon sind Schnee­ketten am Wagen, den ganzen Kreis dieser thü­ringischen Arbeit um Weihnachtsbaum unb Gaben­tisch ab, bann bleibt man viele Stunden unterwegs im sonnenbestrahlten, schneebedeckten Bergland. Und nur in einzelne Häuschen kann man in der Kürze der Zeit hineinleuchten, wenn man davon erzählen will, nur in weniger Meister zergrübeltes, stilles Gericht.

Karaneiosi

Dom griechischen Sch^ttent5eater.

Das heuttge Griechenland besitzt eine Art der Schauspielkunst von starker nationaler Eigenart: das Karangiosi-Theater. Es wird fast an allen schönen Sommerabenden im Freien gespielt und hauptsächlich vom einfachen Volk besucht. Diese Art der Volkskunst blickt auf ein ehrwürdiges Alter zurück, ist allerdings in Griechenland erst vor einigen Jahrzehnten heimisch geworden. Wahrscheinlich ist es orientalischen Ursprungs unb über die Türkei vach Griechenlanb gekommen. Der Name stammt von bem eigentlichen Helden dieser Spiele, Karagöz, ein Wort, das im Türkischender Dunkeläugige" bedeutet und einen Zigeuner bezeichnet. Das per­sische Schattentheater hat eine entsprechende Figur, die dortketchel pehlevan" heißt,kahlköpfiger Held". Das ägyptische Puppentheater hat feinen garagoz". Alle diese Figuren haben wahrscheinlich den gleichen Ursprung, und es ist interessant, daß der Held des heutigen griechischen Schattentheaters immer kahlköpfig erscheint und sehr oft wenigstens mit einem bloßen Fuß. Jedenfalls hat Griechen­land das orientalische Spiel in durchaus boden­ständiger Art abgewandelt, hat zu den türkischen Charakteren eine ganze Reihe eigener hinzugefügt, wie zum Beispiel Barbagiorgos, den typischen griechischen Bauern, naiv-schlau, in rumelischem Dialekt redend, und Sior Nionios, ein intellektueller europäisierter Typus, der in seine Rede italienische Brocken mischt. Die Griechen haben auch einen reichen Schatz eigener Spiele gedichtet und gewisse technische Derbesferungen erfunden.

Die Technik des Karangiosi-Theaters ist außer­ordentlich einfach. Ein leinenes Laken wird vor die Proszeniumsöffnung gespannt, und dahinter werfen Fußlichter die Schatten der Figuren auf die Szene. Die Hauptfiguren sind aus Pergament geschnitten und auf beiden Seiten angemalt, so daß sie farbige Schatten werfen. Nebenfiguren sind aus Pappe und zeigen nur die schwarze Silhouette. Ihre Beine sind an Knie und Hüfte zusammengesetzt, um ben Einbruck ihres Gehens unb Tanzens zu unterstützen, und die Hauptperson, besonders Karangiosi selbst, haben biegsame, an drei Stellen im Gelenk zusammengesetzte Arme, die außer­ordentlicher Gestikulatton fähig sind. Der Spieler hinter der Szene preßt die Figuren flach gegen ben Wanbschirm mit Ruten, von denen die wichtigste mit Lederriemen an den Schultern der Figur be-

feftigt ist. Eine zweite Rute lenkt den gestikulieren­den Arm.

Es gibt heute in Griechenland etwa 50 Karan- giosi-Spieler. Sie haben ihre eigene Berufsgenossen- schaft gegründet, und manche haben Gastspielreisen bis nach Amerika gemacht. Der Bedeutendste unter ihnen ist aber zweifellos Mollas, dessen Theater bas künstlerischste unb für alle anderen vorbildlich ist. Das Karangiosi-Theater beruht ganz auf der einen Person des Spielers, und Mollas ist wie alle fein eigener Spieler. Er lenkt Karangiosi und die anderen Hauptfiguren immer selbst, während er seinen jungen Gehilfen höchstens die Neben­figuren überläßt. Gleichzeitig ist er der Verfasser aller Stücke, die in seinem Theater gespielt werden, und spricht den ganzen Dialog auswendig, indem er seine Stimme jeder Figur anpaßt. Nur die Lieder werden von einem Gehilfen gesungen, der von einem Orchester begleitet wird, bestehend aus Klarinette, Horn, Posaune, Tuba und Schlag­instrumenten.

Das Spiel beginnt gegen 22 Uhr. Das Publikum sitzt an kleinen Tischen unb trinkt Wein bes Landes ober türkischen Kaffee. Der Wandschirm ist schon beleuchtet unb zeigt die typische Szenerie: zur Rechten ber Palast des Vezirs als farbiges Trans- parent, links Karangiosis einfache Hütte als schwarze Silhouette. Zuerst kommt bas. Vorspiel, das sich immer gleich bleibt. Karangiosi erscheint erst mit einem der Kolittris (seine Söhne) und führt einen raschen akrobatischen Tanz auf. Nach ihm ziehen die Nebenfiguren über bie Bühne. Dann tritt Karangiosis ynkel auf, Barbagiorgos, der eine Fustanella ben bäuerlichen griechischen Kittel trägt unb einen Bauerntanz vollführt. Den Be­schluß macht ein Gespräch zwischen dem Vezir und dem Pascha, und dann kann das eigentliche Spiel an fangen. Die Stücke sind stets Dreiakter und un­weigerlich von einem, damit in keinem Zusammen­hang stehenden Satnrsvjel gefolgt. Das gemahnt an die alte dionysische Ueberlieferung. Es gibt bie ver­schiedensten Arten von Stücken: Heldenbramen aus dem griechischen Freiheitskampf, Komödien, deren Leitmotiv verschiedene Vermummungen bes Karan­giosi sind, und sogar politische Stücke, bie sich auf so krisch verflossene Ereignisse wie bie V'niselos- Wahl von 1928 beziehen. Gesang, Tanz, Auszüge und theatralische Effekte, die meistens durch Ma­gnesiumlicht erzielt werden, bilden einen wesent­lichen Bestandteil der oft sehr derben, aber immer wirkungsvollen Stücke. B.

Biick aus ememWolkenkraher

Wolkenfetzen streifen an mir vorbei, fo hoch ist bas Fenster, aus bem ich schaue. Ostwärts erkenne ich Long Jslanb, im Süben reckt sich, die Fackel gegen Himmel stoßend, als wolle sie ihm das Licht rauben, bie Freiheitsstatue empor von ©taten Js­lanb, im Westen überschaue ich New Jersey unb im Norden ben Central Park.

Unter mir, fast kümmerlich und unscheinbar die nur sechs bis achtstöckigen Baugebilde, zwischen denen sich dann wieder gewaltig andere Wolken­kratzer emporrecken, ein ewig wechselndes, sich ver­änderndes Bild hier in Mib-Manhattan, ba stehen sie, fest unb symmetrisch voll großartiger Würbe, in ben Fenstern schaue ich Mäbchen, bie Tasten hämmernb, in langen Reihen nebeneinanber. Don tief unten bringt ein leiser metallischer Klang, mehr ein Singen wie an winbstillen Sommertagen über ber Heibe, ber oerflingenbe Pulsschlag des Verkehrs, sonst kein Geräusch. Hier oben könnte man gar nichtamerikanisch" anfangen zu träumen. Diese hohen Gebäude, vor denen sich die Besucher aus aller Welt tagaus tagein staunend ballen, sie machen Neuyork zu bem, was es ist, zu einem Wunber der heutigen Zeit.

Als am unteren Broadway der erste Hochbau entstand,nur" 13 Stockwerke hoch, ba erregte er Furcht unb Angst bei ben Umwohnenben. Voll Schreck räumten 'fie ihre Häuser, voll Bangen, bas Gebilbe würbe sie erbrüden, unb sie beruhigten sich auch nicht, als ber Erbauer bei einem heftigen Sturm auf die Svitze des Hauses ftieg und von hier ein schweres Bleilot hinabließ, um zu zeigen, baß keine gefahrbringenbe Schwingung vorhanden war. Unb nun wachsen sie immer hoher unb höher, über bie Wolken recken sich bie Dächer, 50, 60, 70, 85 Stockwerke hoch.

Welche Strecke legen Ihre 21 Aufzüge wohl an einem Tage zurück?", fragte ich ben Besitzer eines Wolkenkratzers.

Nun, legen wir bie Strecken aneinanber. bann ergibt bas einen Weg von Neunork bis Chikago!"

Selbst mit unseren Expreß-Aufzügen", erzählte mir mein Gewährsmann,würbe es fast eine Stunbe bauern, ein solches Gebäude zu entvölkern unb sie in ben überfüllten Untergrundbahnzügen vom Eingang zu entfernen. Leben unb arbeiten in biefen Wolkenkratzern doch 15 000 bis 20 000 Menschen. Wenn alle auf einmal hinauswollten, bann würden die Menschen bie umlieqenben Stra­ßen völlig verstopfen, und je höher wir die Häuser

errichten, um so drängender wird das Problem. Die Grundfläche muß breiter werden, um bie Stütz­säulen unb Pfeiler zu verteilen. Daburch werben naturgemäß bie unteren Stockwerke ausgedehnter und die Zusammenballung der Menschen in ihnen verstärkt. Damit natürlich ber Anbrang beim Hin­eingehen wie auch beim Verlassen."Haben Sie bie höchste Baugrenze schon erreicht? Wir man noch höher bauen?"Wer weiß? Bei ber ver­fügbaren Grunblläche von nur einem Häuserblock mögen wir bie Grenzen heute erreicht haben: viel­leicht rotrb man halb bazu übergehen, mehrere Häuserblocks als Grundfläche zu nehmen unb bie durchgehenden Straßen zu Überspannen, bann kann man bis zu hundertfünfzig Stockwerken bauen. Aber, wer weiß?"

Solch ein Bauwerk bilbet eine Stadt für sich mit allen Erfordernissen einer solchen: Derkehrsfragen, Master- unb Lichtoersorgung. Kanalisation und Heizung, Feuer- unb Polizeischutz, Reinigung. Die Wohnfläche erreicht bie Ausbehnung eines ganzen Rittergutes. Der normale Wasserdruck reicht nur bis zu einer Hohe von 50 Meter, unb schließlich können Feuerwehrmänner ihre Schläuche ja nicht bis zum 60. Stockwerk heraufschleppen. Da mußten eigene Wasserwerke unb Druckpumpanlagen eingebaut wer­ben. Hoch oben befinben sich riesige Behälter, in die bas Wafser hochgebrückt unb burch ein geniales System von automatischen Alarm- unb Beriese­lungsanlagen in die einzelnen Stockw-rke verteilt wird. Ein Heer von Arbeitern und Angestellten hält den Betrieb in Gang. Allein um die Aufzstge in Gang zu setzen ober anzuhalten, ist ein Haupt­starter mit acht Assistenten nötig, benen 35 Mecha­niker unb 10 Ueberwachungsleute zur Seite stehen. Gar nicht zu reben von bem Heer ber Putzfrauen, Pförtner unb Fensterputzer.

Da stehen die Riesen Chanin, Chrysler, Gray­bar, Grand Central Palace, all die anderen Wol­kenkratzer, in die täglich mehr als 50 000 Menschen ein- und ausströmen. Um diese Gebäude zu heizen, würde man nicht genug Kohlen anfahren können. So entstanden weit davon entfernt gewaltige Heiz­werke, bie bie Wärme für biefeSkyscrapers er* zeugen unb burch Rohre zuleiten. Dort, wo sich in anberen ©"bäuben Keller befinben, besitzen bie Wol- kenkratzer Bahnhöfe für bie Untergrunbbahnen und Autobushaltestellen, an benen sich ein Verkehr ab« spielt wie an ben Straß-mkreuzungen europäischer Großstäbte, ba finb Kauslöben aller Art, Gaststät­ten, wie man sie sonst nur in den Hauptstraßen findet. 1 _ O. S.