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Die Freiheit der deutschen Wasserstraßen.

Der britische Außenminister zu der Erklärung der deutschen Regierung.

vier deutschen Vertretern, zwei Tschechoslowaken und je einem Vertreter Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Belgiens zusammen, also lauter Mäch­ten, die keine direkten Interessen auf der Elbe hatten. Auch an der internationalen Od e r k o m - Mission, in der ein Vertreter Polens, drei deutsche Vertreter, ein Tschechoslowake und je ein Vertreter Großbritanniens, Frankreichs, Dänemarks und Schwedens saßen, hatten also Mächte teil, die keine Uferstaaten waren. Aus der europäischen Donaukommission war Deutschland durch das Versailler Diktat ausgeschlossen. Nur für die neue Donau-Schiffahrtskommission hatte es zwei Vertreter stellen dürfen. Derartige Einschränkungen der deutschen Hoheit auf unseren Strömen waren naturgemäß mit dem Ansehen eines souveränen und gleichberechtigten Staates unvereinbar.

Der Eindruck in Holland.

Die niederländischen Interessen nicht berührt.

Amsterdam, 16. Nov. (DNB.) Die holländi­schen Blätter stellen übereinstimmend fest, daß den holländischen Belangen in der Rheinschiffahrt durch die Mannheimer Rheinschiffahrts-Akte von 1868 weit mehr gedient war als durch den in Versailles geschaffenen Zustand. Man hebt hervor, daß Hol­land das Abkommen über den modus vivendi in der Rheinschiffahrt vom Frühjahr 1936 nicht unter­zeichnet habe, da dieses Abkommen die Gleich­berechtigung der niederländischen Rheinschiffahrt nicht gewährleiste. Diese Gleichberechtigung könne erst als wiederhergestellt gelten, wenn Frankreich die einseitige Bevorzugung des belgischen Ant­werpens als Umschlagplatz aufgebe.Handelsblad" bemängelt zwar die Art des deutschen Vorgehens, stellt aber fest, daß die Aufhebung der durch Ver­sailles in der Rheinschiffahrt geschaffenen Zustände

Frankreichs Siellnngnahme.

Eine Derlaulbarung des Quai d'Orsay.

Paris, 16. Nov. (DNB.) Das französische Außenministerium gibt bekannt:

Die deutsche Kündigung der Bestimmungen des Versailler Vertrages, die sich auf die deutschen Flüsse beziehen, sowie der Flußschiffahrtsakte, die auf diesen Bestimmungen aufgebaut sind, erfolgt in dem Augenblick, in dem d i e Zentrale Rhein­schiffahrtskommission, die in Straßburg versammelt ist, im Begriffe stand, Bestimmungen in Kraft zu setzen, die an die Stelle der betreffenden Klauseln des Versailler Vertrages treten sollen. Diese Bestimmungen waren auf Grund eines deutsch-französischen Abkommens fest­gesetzt worden, zu dem das Deutsche Reich die Ini­tiative ergriffen hatte. Ein entsprechendes Abkom­men war bereits für die Elbe zustandegekommen, und die Verhandlungen über die Oder befanden sich auf gutem Wege.

Die französische Regierung verständigt sich mit den

Deutschland erhebt erneut scharfen Protest in Moskau.

Gänzlich unglaubwürdige Beschuldigungen gegen die 23 Reichsdeutschen.

auch für Holland Vorteile mit sich brin­gen werde. DasNationale Dagblad" begrüßt den deutschen Schritt und stellt fest, daß die holländische Binnenschiffahrt durch das Vorgehen Deutschlands in keiner Weise behindert werde.

Schweizerische Stimmen.

Basel, 16. Nov. (DNB.) Die Aufhebung der Versailler Schiffahrtsbestimmungen durch Deutsch­land wird von der Schweizer Presse in großer Auf­machung wiedergegeben. Als Rheinuferstaat und Mitglied der Internationalen Rhein-Zentralkommis­sion sieht sich die Schweiz durch den deutschen Schritt vor wichtige Entscheidungen gestellt. Der Güterverkehr von der Nordsee bis nach Basel mit seinen über 2 Millionen Ton­nen Umschlag im Baseler Rheinhafen stellt eines der wichtig st en wirtschaftlichen Ob­jekte des Landes dar. Wie es heißt, verkennt man auch im Bundeshaus nicht, daß die Schiff­fahrtsklausel vertraglich neu geordnet werden müsse, und die in Betracht kommenden Instanzen werden die Anweisung erhalten, bald die Vorbereitungen für kommende neue Verhandlungen zu treffen. Im übrigen spricht man von einer großen Ueber- raschung, die der deutsche Schritt sowohl in den offiziellen Kreisen der Bundesstadt wie auch in der breiten Öffentlichkeit hervorgerufen habe. Die Basler Nachrichten" sind der Ansicht, daß die Preisgabe der Bestimmungen von Versailles für die deutschen Ströme praktisch für die Binnenschiff­fahrt keine Aenderung bedeutet. Dagegen vertritt dieNationalzeitung" die Auffassung, daß durch die einseitige Aufhebung des internationalen Rheinstatuts vor allen Dingen die Schweiz be­troffen werde, die dadurch des Rechtes der freien Schiffahrt von Bafel bis 3um Meere beraubt werde. (?)

anderen interessierten Regierungen. Sie hat im übrigen ihrer Abordnung in Strahbura Weisungen erteilt, damit der modus vivendi gekün­digt wird, der am 4. Mai 1936 von der Zentralen Rheinschiffahrtskommission festgelegt worden war. Dieser modus vivendi, der das eben erwähnte deutsch-französische Abkommen bestätigte, sollte am 1. Januar 1937 in Kraft treten."

Bezüglich der Kündigung der Flußschiffahrts­beschränkungen des Versailler Vertrages durch Deutschland nimmt man in französischen politischen Kreisen an, daß die Pariser Regierung ihre diplo­matischen Vertreter in den ebenfalls interessierten Ländern beauftragt hat, wegen eines ge­meinsamen Protestschrittes in Ber- l i n vorzufühlen. Eine Entscheidung werde der Quai d'Orsay aber erst treffen, wenn die Berichte der französischen diplomatischen Auslandverteter vor­liegen.

Durchsetzung des Gesetzes einsetzen. Dr. Freister erwähnte, daß der Hundertsatz der geaen Juden wegen Rasseschande ergangenen Zuchthausurteile in den letzten Monaten ständig gestiegen sei.

Schließlich fanden sich sämtliche General- ltaatsanwälte des Reiches am 14. November zur Erörterung von Fragen des Strafvoll­zugs zusammen. Staatssekretär Dr. Freister brachte Aum Ausdruck, daß dank der Mitarbeit aller Strafvollzugsbeamten heute wieder in allen Strafan st alten Zucht und Ordnung herrsche und daß der Gefangene nicht mehr Subjekt, sondern Objekt des Strafvollzuges sei. Er wies auf neue, demnächst zu bewältigende Aufgaben wie den Jugend st rafvollzug und die erforder­liche Differenzierung des Vollzugs der Siche­rungsverwahrung und des Strafvollzuges an Zuchthaussträflingen, vorbestraften und mitbe­straften Gefängnisgefangenen hin.

Weitere 36 Millionen für den Volkswohnungsbau.

Berlin, 16.Nov. (DNB.) Zur Behebung der Wohnungsnot der minderbemittelten Bevölkerungs­kreise hat der Reichsarbeitsminister für den Bau von Volkswohnungen bisher 48 Millionen aus Reichsmitteln bereitgestellt, lieber den weitaus größten Teil dieser Reichsmittel ist bereits verfügt. Zahlreiche, zum Teil größere Bauvorhaben, sind fertiggestellt. Damit ist schon jetzt eine fühlbare Erleichterung der Wohnungsnot gerade der werk­tätigen Bevölkerung mit geringerem Lohneinkom­men eingetreten. Die Baukostengrenze von etwa 3 5 0 0 Mark je Wohnung ohne die Kosten für das Grundstück und seine Erschließung - hat es ermöglicht, daß verhältnismäßig nied­rige Mieten erreicht wurden. Die Mehrzahl der Wohnungen wurde im Flachbau mit Garten- und Landzulage errichtet. Bei diesem großen Erfolg der Maßnahme, die das Seitenstück zur Kleinsiedlung darstellt, hat der Reichsarbeitsminister nun wei­tere 36 Millionen Mark zur Förderung des Volkswohnungsbaus bewilligt.

Die Kanzlei des Führers in ihren neuen Oiensträumen.

Berlin, 16. Nov. (DNB.) Der Chef der Kanz­lei des Führers, Reichsleiter B o u h l e r, übergab seinen Mitarbeitern die neuen Amtsräume Der Kanzlei in den Häusern Hermann-Göring-Straße 15 und Voß-Straße 19, der ehemaligen afghanischen Gesandschaft, die nach einem gründlichen Umbau bezogen worden waren. Bisher war die Kanzlei in einem Hause in der Wilhelmstraße gegenüber dem Luftfahrtministerium untergebracht, das in­folge des bevorstehenden Neubaus des Reichspost­ministeriums geräumt werden mußte. Reichsleiter Bouyler hieß Die Mitarbeiter in den neuen Dienst­räumen willkommen. Er erwarte, daß ihnen als oberste Richtschnur all ihres Handelns das Bewußt­sein dienen möge, Mitarbeiter des Führers und da­mit veranwortlich zu sein für die Verwaltung des größten Kapitals, das wir in Deutschland besitzen, das Vertrauen zum Führer. Die Kanzlei habe zahllosen Parteigenossen geholfen und vielen Volksgenossen, die sich in ihrer Not und Verzweif­lung an den Führer wandten, die richtigen Wege gewiesen. Mit der Uebersiedlung wurde auch eine Neugliederung in folgende fünf A ernt er vor­genommen: Amt für Parteiangelegenheiten (Reichs­amtsleiter Brack), Amt für Gnadenwesen (Reichs­hauptstellenleiter Erkenkam p),2Imt für Soziale Angelegenheiten (Reichsamtsleiter Bormann), Personal- und Verwaltungsamt (Reichshauptstellen­leiter Jänsch), Prioatkanzlei Adolf Hitler (Reichs­amtsleiter Bormann). Reichsleiter B o u h l e r hat feinen Amtssitz nach wie vor im Nachbarhaus der Reichskanzlei, Voß-Straße 1.

Den deutschen Gymnasien in Posen und Graudenz das Oeffentlichkeitsrecht entzogen.

Posen, 16. Nov. (DNB.) Die polnische Presse meldet aus Posen, daß das Kultusministerium dem deutschen Schiller-Gymnasium in P o - s e n und der deutschen Goethe-Schule in Graudenz das Oeffentlichkeitsrecht entzogen hat. Als Grund für diese Maßnahme wird von polnischer Seite hervorgehoben, daß die Leitung des Schillergymnasiums in Posen bei der An­nahme von neuen Schülern Formfehler be­gangen habe. Die vollständige Entziehung der Oeffentlichkeitsrechte bewirkt, daß den Schülern die Möglichkeit genommen wird, ver­billigte Eisenbahnkarten zu erhalten, dann aber auch, daß die Abiturienten bei der Reifeprüfung ihre Prüfungen vor einer polnischen Sonderkommission ablegen müssen. Was die Goethe-Schule in Graudenz an­langt, so hebt die polnische Presse hervor, daß die­ser deutschen Lehranstalt die Oeffentttchkeitsrechte nur teilweise entzogen wurden.

Ein Waffengeschenk polnischer Städte an Marschall Rydz-Gmig?y.

Warschau, 16.5100. (DNB.) Marschall Rydz- Smigly weilte am Sonntag in Wirsitz, einer Kreisstadt im Netzegebiet bei Bromberg, um dort in Begleitung des Kriegsministers Kaspr- z y ck i und anderer militärischer und staatlicher Würdenträger den Ehrenbürgerbrief sämt­licher Gemeinden des Kreises seitens der Bewoh­ner sowie ein Geschenk von 16 Maschinen­gewehren, 32 kleinen Haubitzen und 32 Pferden entgegennehmen. Marschall Nydz- Smigly wies darauf hin, daß für den Staat und seine Sicherheit mehr als nur das gegeben werden müsse, was die bürgerliche Pflicht vorschreibe. Die Feier wurde mit einer Parade der in Bromberg liegenden Truppenteile abgeschlossen.

Die Verstärkung der englischen Marinelustwaffe.

London, 17. Nov. (DNB. Funkspruch.) Wie Daily Telegraph" meldet, wird die.englische Ma­rineluftwaffe in der nächsten Zeit erheblich ver- st ä r k t werden. Gegenwärtige besitze die Marine 179 Frontflugzeuge, und diese Zahl müsse a u f über 480 erhöht werden. Davon würden 130 Flugzeuge für die Schlachtschiffe und Kreuzer be­nötigt, die mit Schleudervorrichtung aus» gestattet werden. Der neue zur Zeit im Bau be­findliche Flugträger21 r f Royal" werde für 70 Maschinen Platz bieten, während die klei­neren auf Kiel gelegten MutterschiffeVicto­ria u s" undIllustrious" je 50 Flugzeuge aufnehmen würden.

London, 16. Nov. (DNB.) Der Führer der arbeiterparteilichen Opposition, Major 21111 e e , richtete im Unterhaus an den Außenminister die Frage, ob er eine Erklärung über das Vorgehen der deutschen Regierung in der Wasserstraßen­frage abgeben könne. Außenminister Eden ant­wortete, daß er am 14. November von der deut­schen Regierung eine Note erhalten habe, in der er­klärt werde, daß Deutschland sich nicht mehr an die Artikel des Berfailler Vertrages, die sich auf die Internationalisierung der Flußläufe und die Verwaltung des Kieler Kanals bezögen, gebun­den erachte. Die Note schließe mit der Feststellung, daß in Zukunft auf den deutschen Wasserstraßen auf der Grundlage der Gegenseitig­keit den Schiffen aller Staaten, mit denen Deutschland in Frieden lebe, d i e gleiche Behandlung zuteil würde, wie den deut­schen Schiffen. Die deutsche Regierung habe seit der Unterzeichnung des Vertrages von Ver­sailles bei vielen Gelegenheiten ihre Unzufrieden­heit über zahlreiche Gesichtspunkte der Internatio­nalisierung der Flußläufe tund getan. Eden erinnerte an die Erklärung des Führers vom 21. Mai 1935, daß hinsichtlich der verbleibenden Artikel des Ver­trages die deutsche Regierung Revisionen, die sich im Laufe der Zeit als unvermeidlich erweisen wür­den, nur mittels friedlicher Verständigung durck- führen wolle. Seit vielen Jahren seien Verhand­lungen im Gange gewesen, um die deut­schen Wünsche mit den Interessen der anderen Be­teiligten in Einklang zu bringen, und zwar mit be­trächtlichem Erfolg. Unter diesen Umständen, so fuhr Eden fort, bedauere es die britische Regierung, daß die deutsche Regierung zu einer Zeit, in der die Verhandlungen im Gange gewesen seien, trotz der im vergangenen Jahr abgegebenen Versicherungen erneut auf das Derhandlungsverfahren zugunsten einer einseitigen Maßnahme verzichtet habe. Dieses Bedauern sei nicht auf Befürchtungen zurückzufüh­ren, daß irgendwelche wichtigen britischen Handels- intereffen durch die Entscheidung der deutschen Re­gierung gefährdet wären, sondern auf die Tatsache, daß eine Maßnahme dieser Art die Handhabung der internationalen Beziehungen etwas schwieriger machen müsse. (Beifall.) *

Bei den Einwendungen des englischen Außen­ministers gegen die Arl des deutschen Vorgehens dürfte übersehen worden fein, daß deutscherseits in langwierigen Verhandlungen immer wieder vergeblich versucht worden ist, durch Uebereinf ommen zu einer Beseitigung der einseitigen Diskriminierungen Deutschlands durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages über die deutschen Ströme zu gelangen. Erst als an der Erfolglosigkeit weiterer Bemühungen nicht mehr zu zweifeln war, hat sich die deutsche Regierung zu ihrem Schritt vom 15. November ent­schlossen, zumal mit diesem Tage bekanntlich die vorgesehene Kündigungsfrist des deutsch­französischen modus vivendi vom 2Uai d. 3. ablief.

Ruhige Aufnahme in der englischen presse.

London, 16. Nov. (DNB.) In der englischen Presse wird die Wiederherstellung der deutschen Oberhoheit über die Wasserstraßen sehr ruhig ausgenommen. Die Zeitungen geben offen zu, daß der durch die betreffenden Klauseln des Ver­sailler Vertrages geschaffene Zustand nicht mehr haltbar gewesen sei, da die internationalen Fluß­kommissionen eine Einschränkung der deut­schen Oberhoheit bedeuteten Sie bringen jedoch auf Grund einer amtlichen Parole ihr Be­dauern zum Ausdruck, daß Deutschland nicht den Weg sreundschaftlicher Verhandlungen einge­schlagen habe, ohne die Tatsache genügend zu berück­sichtigen, daß die bisherigen Verhandlungsbemühun- acn Deutschlands nichtden erwünschten Er­folg hatten. Gleichzeitig wird behauptet, daß der deutsche Schritt die Verdächttgungen über den guten Willen Deutschlands wieder aufleben lasse und daß er den gegenwärtigen Bemühungen für eine inter­nationale Zusammenarbeit abträglich sei.

Das Rothermere-BlattDaily Mail" schreibt, daß nur völlig verblendete Leute dem deutschen Schritt nicht zustimmen würden. Nachdem man ge­wußt habe, daß Deutschland eine ausländische Ein­mischung in seine großen Flüsse als unerträglich betrachte, hätte man genügend Staatskunst aufbrin­gen sollen, um rechtzeitige ine ruhige Re - vision herbeizuführen. Ein großer Teil der öffentlichen Meinung in England und anderswo habe diese Revision schon vor Jahren befürwortet. Die britische Regierung habe sich hinter den Völker­bund versteckt, anstatt offen einem neuerstandenen Deutschland entgegenzukommen. Damit sei jede Ver­tragsänderung in aufsehenerregender Weise Europa aufgezwungen worden, anstatt daß man sie vorher als unvermeidlich erkannt und in freundschaftlicher Weise herbeigeführt hätte.

Die jüdisch-liberaleNews Chronicle" bleibt sich in ihrem Deutschenhaß treu, indem sie er­klärt, daß der deutsche Schritt, obwohl er an sich unbedeutend sei, ein ebenso unverschämter Treue­bruch sei wie die früheren Aktionen. DerO b - ferner" schreibt, daß Hitlers Aufkündigung der Versailler Bestimmungen wohl gewisse wirtschaft­liche, aber kaum irgendwelche diploma­tischen Folgen haben würde.

Die Schiffahttsbestimmungen des Versailler Diktats.

Teil XII des sogenannten Versailler Friedens­diktats besagte u. a., daß für international erklärt wurden die Elbe von Der Mündung Der Moldau ab, Die Oder von Der MünDung Der Oppau ab, Die Memel von Grodno, Die Donau von Ulm ab, ferner jeder schiffbare Teil dieser Flußgebiete, der mehr als einem Staat Den natürlichen Zugang Zum Meere vermittelt". Für Die Verwaltung von Elbe, Oder und Memel waren internationale Ausschüsse eingesetzt worden, in Denen Die Ver­treter Deutschlands in Der Minderheit sein mußten. Für Den Rhein wurde eine Zentralkommission mit dem Sitz in Straßburg eingesetzt, in Der Frank­reich schon allein außer Dem Vorsitz auch noch vier Vertreter hatte, Die NiederlanDe, Schweiz, Groß­britannien, Italien unD Belgien je zwei, Deutsch­land aber nur vier Vertreter stellte. Die entspre­chende Kommission für die Elbe setzte sich aus

Berlin, 16. Nov. (DNB.) Wie aus amtlichen Mitteilungen der Sowjetregierung an die deutsche Botschaft in Moskau hervorgeht, sind nunmehr in der Sowjetunion in den letzten Tagen insgesamt 23 Reichsdeutsche verhaftet worden, näm­lich 9 in Moskau, 12 in Leningrad, einer in harkow und einer in Nowo-Sibirfk. Den zuständigen deut­schen Vertretungen ist es bisher trotz aller Bemühungen nicht gelungen, die Ver­hafteten durch einen deutschen Beamten besuchen zu lassen. Erst aus fortgesetztes Drängen hat das sowjetrussische Auhenkommissariat der deutschen Botschaft heute die Namen von 14 der Ver­hafteten und die Artikel des Strafgesetzbuches mitgeteilt, deren Verletzung ihnen vorgeworfen wird. Es handelt fich angeblich um Spionage, terroristische Akte und Organisierung staatsfeind­licher Tätigkeit.

Diese amtliche Auskunft der fowjetrussischen Re­gierung muh deutscherseits als völlig unzu­reichend bezeichnet werden. Denn selbst zehn Tage nach der Verhaftung und trotz mehrfacher Vorstellungen der deutschen Botschaft war die sowjetrussische Regierung bisher nicht in der Lage, konkrete Angaben über die den Verhafteten zur Last gelegten strafbaren Hand­lungen zu machen. Die deutsche Botschaft in Mos­kau hak diesen Punkt im Auhenkommissariat aus­drücklich hervorgehoben, die Beschuldigungen in Anbetracht der ihr bekannten Persönlichkeiten und nach Lage der Umstände als völlig unglaub­würdig bezeichnet und in aller Form Pro- test wegen der Massenverhaftung offensichtlich unschuldiger Reichs­deutscher eingelegt. Das sowjetrussische Auhen- kommissariat versuchte, diesen Protest mit formal­juristischen Ausführungen zurückzuweifen, doch wurde deutscherseits der Protest gegen Das Vor­gehen der Sowjetorgane in vollem Umfange aufrechterhalten.

Daß ein Reichsdeutscher in SowjetrußlanD alles unterlassen wird, was ihm als Bruch Der gewähr­ten Gastfreundschaft ausgelegt werden konnte, ver­steht sich von selbst. Aber die Bolschewisten brauch­ten wieder einmal eine Ablenkung der russi­schen Bevölkerung von Den täglichen Sorgen, sie veranstalteten eine Deutschenjagd und brachten 23 Mann zur Strecke, um diesen Verhafteten nun ein sensationell aufgebauschtes Verfahren an den Hals zu hängen. Wir kennen die Methoden Der Bolsche­wisten. Man wirD sich aber in Moskau hoffentlich klar Darüber sein, daß das nationalsozialistische Deutschland ein Derartiges Verfahren nicht so leich­ten Herzens in Kauf nimmt, wie Das früher Der Fall war, als man seinerzeit Deutsche Ingenieure in einen Sensationsprozeß verwickelte. Das Deutsch-

lanD von heute mirD zu Der MißhanDlung seiner Dolksangehorigen auf sowjetrussischem Boden nicht schweigen. Die Lage ist ernst. Das zu unterstreichen wollen wir nicht versäumen. Aber die Angelegen­heit ist erst durch das Verhalten Der Sowjets so ernst geroorben, Die mit aller Macht darnach stre­ben, einen Konflikt mit Dem Reiche vom Zaun zu brechen.

Um das Libanon-Statut.

Schwere Unruhen im Beirut.

Paris, 16. Nov. (DNB.) In B e i r u t ist es ge­legentlich Des RamaDan-Festes zu schweren Ausschrei­tungen gekommen. Die Unruhen nahmen ihren Aus­gang inDerBasta-Moschee, wo einige ReDner äußerst heftige Angriffe gegen Den kürzlich abgeschlos­senen Vertrag zwischen Frankreich und Dem Libanon-Staat richteten. Gleichzeitig hetzten muselmanische Agitatoren auf Der Straße ge- gegen Das neue Libanon-Statut unD die christliche Bevölkerung. Um 20 Uhr rotteten sich starke Grup­pen von Muselmanen zusammen, Die nach Dem chri st licken Viertel zogen und die Geschäfte zu plündern begannen. Die Polizei wurde mit Schüssen empfangen, so daß sie durch Tr u p p e n oerftärft werden mußte. Inzwischen drangen einige Gruppen christlicher Einwohner in das musel­manische Stadtviertel und zerstörten mehrere Ge­schäfte. Nur mit Mühe gelang es Polizei und Militär, Die OrDnung wiederherzustellen. Bisher werden drei Tote und 28 Verletzte gemeldet. Bei Den Zusam­menstößen finD viele Straßenbahnwagen und etwa 50 Privatkraftwagen Demoliert unD in BranD ge­steckt roorDen. Der Oberkommissar versichert, daß kün- tig keinerlei Störung mehr geduldet werden würde. Am Montag sind sämtliche Geschäfte geschlossen. In den Straßen der Stadt patroullieren Militärstreifen. Aus Palästina henngekehrteReservisien verweigern den Gehorsam.

London, 17. Nov. (DNB. Funkspruch.) In Southampton kam es am Montag zu einer neuen militärischen Meuterei, die allerdings kei­nen sehr ernsten Charakter hatte. 300 aus Palästina zurückgekehrte Armeereservisten hatten Den ausdrücklichen Befehl erhalten, eine weitere Nacht an Bord des TruppenschiffesTuscania" zu bleiben, bevor sie in die Heimatorte zurückkehren könnten. Am Montagabend fetzten sich 200 schottische und nordenglische Reservisten über Den Befehl hinweg, verließen das Schiff und veranstalte- ten eine Kundgebung auf dem Kai. Viele erklärten ihre Unzufriedenheit darüber, daß man ihnen i hr e früheren Arbeitsplätze nicht offen gelassen habe, so daß sie jetzt arbeitslos feien. Schließlich versuchte ein Teil der Reservisten auf den Dvckanlagen auszubrechen. Sie wurden je­doch durch die Polizei daran verhindert. Die Mann* schäften wurden Dann überreDet, an Byrd zurück zukehren.