Die Freiheit der deutschen Wasserstraßen.
Der britische Außenminister zu der Erklärung der deutschen Regierung.
vier deutschen Vertretern, zwei Tschechoslowaken und je einem Vertreter Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Belgiens zusammen, also lauter Mächten, die keine direkten Interessen auf der Elbe hatten. Auch an der internationalen Od e r k o m - Mission, in der ein Vertreter Polens, drei deutsche Vertreter, ein Tschechoslowake und je ein Vertreter Großbritanniens, Frankreichs, Dänemarks und Schwedens saßen, hatten also Mächte teil, die keine Uferstaaten waren. Aus der europäischen Donaukommission war Deutschland durch das Versailler Diktat ausgeschlossen. Nur für die neue Donau-Schiffahrtskommission hatte es zwei Vertreter stellen dürfen. Derartige Einschränkungen der deutschen Hoheit auf unseren Strömen waren naturgemäß mit dem Ansehen eines souveränen und gleichberechtigten Staates unvereinbar.
Der Eindruck in Holland.
Die niederländischen Interessen nicht berührt.
Amsterdam, 16. Nov. (DNB.) Die holländischen Blätter stellen übereinstimmend fest, daß den holländischen Belangen in der Rheinschiffahrt durch die Mannheimer Rheinschiffahrts-Akte von 1868 weit mehr gedient war als durch den in Versailles geschaffenen Zustand. Man hebt hervor, daß Holland das Abkommen über den modus vivendi in der Rheinschiffahrt vom Frühjahr 1936 nicht unterzeichnet habe, da dieses Abkommen die Gleichberechtigung der niederländischen Rheinschiffahrt nicht gewährleiste. Diese Gleichberechtigung könne erst als wiederhergestellt gelten, wenn Frankreich die einseitige Bevorzugung des belgischen Antwerpens als Umschlagplatz aufgebe. „Handelsblad" bemängelt zwar die Art des deutschen Vorgehens, stellt aber fest, daß die Aufhebung der durch Versailles in der Rheinschiffahrt geschaffenen Zustände
Frankreichs Siellnngnahme.
Eine Derlaulbarung des Quai d'Orsay.
Paris, 16. Nov. (DNB.) Das französische Außenministerium gibt bekannt:
„Die deutsche Kündigung der Bestimmungen des Versailler Vertrages, die sich auf die deutschen Flüsse beziehen, sowie der Flußschiffahrtsakte, die auf diesen Bestimmungen aufgebaut sind, erfolgt in dem Augenblick, in dem d i e Zentrale Rheinschiffahrtskommission, die in Straßburg versammelt ist, im Begriffe stand, Bestimmungen in Kraft zu setzen, die an die Stelle der betreffenden Klauseln des Versailler Vertrages treten sollen. Diese Bestimmungen waren auf Grund eines deutsch-französischen Abkommens festgesetzt worden, zu dem das Deutsche Reich die Initiative ergriffen hatte. Ein entsprechendes Abkommen war bereits für die Elbe zustandegekommen, und die Verhandlungen über die Oder befanden sich auf gutem Wege.
Die französische Regierung verständigt sich mit den
Deutschland erhebt erneut scharfen Protest in Moskau.
Gänzlich unglaubwürdige Beschuldigungen gegen die 23 Reichsdeutschen.
auch für Holland Vorteile mit sich bringen werde. Das „Nationale Dagblad" begrüßt den deutschen Schritt und stellt fest, daß die holländische Binnenschiffahrt durch das Vorgehen Deutschlands in keiner Weise behindert werde.
Schweizerische Stimmen.
Basel, 16. Nov. (DNB.) Die Aufhebung der Versailler Schiffahrtsbestimmungen durch Deutschland wird von der Schweizer Presse in großer Aufmachung wiedergegeben. Als Rheinuferstaat und Mitglied der Internationalen Rhein-Zentralkommission sieht sich die Schweiz durch den deutschen Schritt vor wichtige Entscheidungen gestellt. Der Güterverkehr von der Nordsee bis nach Basel mit seinen über 2 Millionen Tonnen Umschlag im Baseler Rheinhafen stellt eines der wichtig st en wirtschaftlichen Objekte des Landes dar. Wie es heißt, verkennt man auch im Bundeshaus nicht, daß die Schifffahrtsklausel vertraglich neu geordnet werden müsse, und die in Betracht kommenden Instanzen werden die Anweisung erhalten, bald die Vorbereitungen für kommende neue Verhandlungen zu treffen. Im übrigen spricht man von einer großen Ueber- raschung, die der deutsche Schritt sowohl in den offiziellen Kreisen der Bundesstadt wie auch in der breiten Öffentlichkeit hervorgerufen habe. Die „Basler Nachrichten" sind der Ansicht, daß die Preisgabe der Bestimmungen von Versailles für die deutschen Ströme praktisch für die Binnenschifffahrt keine Aenderung bedeutet. Dagegen vertritt die „Nationalzeitung" die Auffassung, daß durch die einseitige Aufhebung des internationalen Rheinstatuts vor allen Dingen die Schweiz betroffen werde, die dadurch des Rechtes der freien Schiffahrt von Bafel bis 3um Meere beraubt werde. (?)
anderen interessierten Regierungen. Sie hat im übrigen ihrer Abordnung in Strahbura Weisungen erteilt, damit der modus vivendi gekündigt wird, der am 4. Mai 1936 von der Zentralen Rheinschiffahrtskommission festgelegt worden war. Dieser modus vivendi, der das eben erwähnte deutsch-französische Abkommen bestätigte, sollte am 1. Januar 1937 in Kraft treten."
Bezüglich der Kündigung der Flußschiffahrtsbeschränkungen des Versailler Vertrages durch Deutschland nimmt man in französischen politischen Kreisen an, daß die Pariser Regierung ihre diplomatischen Vertreter in den ebenfalls interessierten Ländern beauftragt hat, wegen eines gemeinsamen Protestschrittes in Ber- l i n vorzufühlen. Eine Entscheidung werde der Quai d'Orsay aber erst treffen, wenn die Berichte der französischen diplomatischen Auslandverteter vorliegen.
Durchsetzung des Gesetzes einsetzen. Dr. Freister erwähnte, daß der Hundertsatz der geaen Juden wegen Rasseschande ergangenen Zuchthausurteile in den letzten Monaten ständig gestiegen sei.
Schließlich fanden sich sämtliche General- ltaatsanwälte des Reiches am 14. November zur Erörterung von Fragen des Strafvollzugs zusammen. Staatssekretär Dr. Freister brachte Aum Ausdruck, daß dank der Mitarbeit aller Strafvollzugsbeamten heute wieder in allen Strafan st alten Zucht und Ordnung herrsche und daß der Gefangene nicht mehr Subjekt, sondern Objekt des Strafvollzuges sei. Er wies auf neue, demnächst zu bewältigende Aufgaben wie den Jugend st rafvollzug und die erforderliche Differenzierung des Vollzugs der Sicherungsverwahrung und des Strafvollzuges an Zuchthaussträflingen, vorbestraften und mitbestraften Gefängnisgefangenen hin.
Weitere 36 Millionen für den Volkswohnungsbau.
Berlin, 16.Nov. (DNB.) Zur Behebung der Wohnungsnot der minderbemittelten Bevölkerungskreise hat der Reichsarbeitsminister für den Bau von Volkswohnungen bisher 48 Millionen aus Reichsmitteln bereitgestellt, lieber den weitaus größten Teil dieser Reichsmittel ist bereits verfügt. Zahlreiche, zum Teil größere Bauvorhaben, sind fertiggestellt. Damit ist schon jetzt eine fühlbare Erleichterung der Wohnungsnot gerade der werktätigen Bevölkerung mit geringerem Lohneinkommen eingetreten. Die Baukostengrenze von etwa 3 5 0 0 Mark je Wohnung — ohne die Kosten für das Grundstück und seine Erschließung —- hat es ermöglicht, daß verhältnismäßig niedrige Mieten erreicht wurden. Die Mehrzahl der Wohnungen wurde im Flachbau mit Garten- und Landzulage errichtet. Bei diesem großen Erfolg der Maßnahme, die das Seitenstück zur Kleinsiedlung darstellt, hat der Reichsarbeitsminister nun weitere 36 Millionen Mark zur Förderung des Volkswohnungsbaus bewilligt.
Die Kanzlei des Führers in ihren neuen Oiensträumen.
Berlin, 16. Nov. (DNB.) Der Chef der Kanzlei des Führers, Reichsleiter B o u h l e r, übergab seinen Mitarbeitern die neuen Amtsräume Der Kanzlei in den Häusern Hermann-Göring-Straße 15 und Voß-Straße 19, der ehemaligen afghanischen Gesandschaft, die nach einem gründlichen Umbau bezogen worden waren. Bisher war die Kanzlei in einem Hause in der Wilhelmstraße gegenüber dem Luftfahrtministerium untergebracht, das infolge des bevorstehenden Neubaus des Reichspostministeriums geräumt werden mußte. Reichsleiter Bouyler hieß Die Mitarbeiter in den neuen Diensträumen willkommen. Er erwarte, daß ihnen als oberste Richtschnur all ihres Handelns das Bewußtsein dienen möge, Mitarbeiter des Führers und damit veranwortlich zu sein für die Verwaltung des größten Kapitals, das wir in Deutschland besitzen, das Vertrauen zum Führer. Die Kanzlei habe zahllosen Parteigenossen geholfen und vielen Volksgenossen, die sich in ihrer Not und Verzweiflung an den Führer wandten, die richtigen Wege gewiesen. Mit der Uebersiedlung wurde auch eine Neugliederung in folgende fünf A ernt er vorgenommen: Amt für Parteiangelegenheiten (Reichsamtsleiter Brack), Amt für Gnadenwesen (Reichshauptstellenleiter Erkenkam p),2Imt für Soziale Angelegenheiten (Reichsamtsleiter Bormann), Personal- und Verwaltungsamt (Reichshauptstellenleiter Jänsch), Prioatkanzlei Adolf Hitler (Reichsamtsleiter Bormann). Reichsleiter B o u h l e r hat feinen Amtssitz nach wie vor im Nachbarhaus der Reichskanzlei, Voß-Straße 1.
Den deutschen Gymnasien in Posen und Graudenz das Oeffentlichkeitsrecht entzogen.
Posen, 16. Nov. (DNB.) Die polnische Presse meldet aus Posen, daß das Kultusministerium dem deutschen Schiller-Gymnasium in P o - s e n und der deutschen Goethe-Schule in Graudenz das Oeffentlichkeitsrecht entzogen hat. Als Grund für diese Maßnahme wird von polnischer Seite hervorgehoben, daß die Leitung des Schillergymnasiums in Posen bei der Annahme von neuen Schülern Formfehler begangen habe. Die vollständige Entziehung der Oeffentlichkeitsrechte bewirkt, daß den Schülern die Möglichkeit genommen wird, verbilligte Eisenbahnkarten zu erhalten, dann aber auch, daß die Abiturienten bei der Reifeprüfung ihre Prüfungen vor einer polnischen Sonderkommission ablegen müssen. Was die Goethe-Schule in Graudenz anlangt, so hebt die polnische Presse hervor, daß dieser deutschen Lehranstalt die Oeffentttchkeitsrechte nur teilweise entzogen wurden.
Ein Waffengeschenk polnischer Städte an Marschall Rydz-Gmig?y.
Warschau, 16.5100. (DNB.) Marschall Rydz- Smigly weilte am Sonntag in Wirsitz, einer Kreisstadt im Netzegebiet bei Bromberg, um dort in Begleitung des Kriegsministers Kaspr- z y ck i und anderer militärischer und staatlicher Würdenträger den Ehrenbürgerbrief sämtlicher Gemeinden des Kreises seitens der Bewohner sowie ein Geschenk von 16 Maschinengewehren, 32 kleinen Haubitzen und 32 Pferden entgegennehmen. Marschall Nydz- Smigly wies darauf hin, daß für den Staat und seine Sicherheit mehr als nur das gegeben werden müsse, was die bürgerliche Pflicht vorschreibe. Die Feier wurde mit einer Parade der in Bromberg liegenden Truppenteile abgeschlossen.
Die Verstärkung der englischen Marinelustwaffe.
London, 17. Nov. (DNB. Funkspruch.) Wie „Daily Telegraph" meldet, wird die.englische Marineluftwaffe in der nächsten Zeit erheblich ver- st ä r k t werden. Gegenwärtige besitze die Marine 179 Frontflugzeuge, und diese Zahl müsse a u f über 480 erhöht werden. Davon würden 130 Flugzeuge für die Schlachtschiffe und Kreuzer benötigt, die mit Schleudervorrichtung aus» gestattet werden. Der neue zur Zeit im Bau befindliche Flugträger „21 r f Royal" werde für 70 Maschinen Platz bieten, während die kleineren auf Kiel gelegten Mutterschiffe „Victoria u s" und „Illustrious" je 50 Flugzeuge aufnehmen würden.
London, 16. Nov. (DNB.) Der Führer der arbeiterparteilichen Opposition, Major 21111 e e , richtete im Unterhaus an den Außenminister die Frage, ob er eine Erklärung über das Vorgehen der deutschen Regierung in der Wasserstraßenfrage abgeben könne. Außenminister Eden antwortete, daß er am 14. November von der deutschen Regierung eine Note erhalten habe, in der erklärt werde, daß Deutschland sich nicht mehr an die Artikel des Berfailler Vertrages, die sich auf die Internationalisierung der Flußläufe und die Verwaltung des Kieler Kanals bezögen, gebunden erachte. Die Note schließe mit der Feststellung, daß in Zukunft auf den deutschen Wasserstraßen auf der Grundlage der Gegenseitigkeit den Schiffen aller Staaten, mit denen Deutschland in Frieden lebe, d i e gleiche Behandlung zuteil würde, wie den deutschen Schiffen. Die deutsche Regierung habe seit der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles bei vielen Gelegenheiten ihre Unzufriedenheit über zahlreiche Gesichtspunkte der Internationalisierung der Flußläufe tund getan. Eden erinnerte an die Erklärung des Führers vom 21. Mai 1935, daß hinsichtlich der verbleibenden Artikel des Vertrages die deutsche Regierung Revisionen, die sich im Laufe der Zeit als unvermeidlich erweisen würden, nur mittels friedlicher Verständigung durck- führen wolle. Seit vielen Jahren seien Verhandlungen im Gange gewesen, um die deutschen Wünsche mit den Interessen der anderen Beteiligten in Einklang zu bringen, und zwar mit beträchtlichem Erfolg. Unter diesen Umständen, so fuhr Eden fort, bedauere es die britische Regierung, daß die deutsche Regierung zu einer Zeit, in der die Verhandlungen im Gange gewesen seien, trotz der im vergangenen Jahr abgegebenen Versicherungen erneut auf das Derhandlungsverfahren zugunsten einer einseitigen Maßnahme verzichtet habe. Dieses Bedauern sei nicht auf Befürchtungen zurückzuführen, daß irgendwelche wichtigen britischen Handels- intereffen durch die Entscheidung der deutschen Regierung gefährdet wären, sondern auf die Tatsache, daß eine Maßnahme dieser Art die Handhabung der internationalen Beziehungen etwas schwieriger machen müsse. (Beifall.) *
Bei den Einwendungen des englischen Außenministers gegen die Arl des deutschen Vorgehens dürfte übersehen worden fein, daß deutscherseits in langwierigen Verhandlungen immer wieder vergeblich versucht worden ist, durch Uebereinf ommen zu einer Beseitigung der einseitigen Diskriminierungen Deutschlands durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages über die deutschen Ströme zu gelangen. Erst als an der Erfolglosigkeit weiterer Bemühungen nicht mehr zu zweifeln war, hat sich die deutsche Regierung zu ihrem Schritt vom 15. November entschlossen, zumal mit diesem Tage bekanntlich die vorgesehene Kündigungsfrist des deutschfranzösischen modus vivendi vom 2Uai d. 3. ablief.
Ruhige Aufnahme in der englischen presse.
London, 16. Nov. (DNB.) In der englischen Presse wird die Wiederherstellung der deutschen Oberhoheit über die Wasserstraßen sehr ruhig ausgenommen. Die Zeitungen geben offen zu, daß der durch die betreffenden Klauseln des Versailler Vertrages geschaffene Zustand nicht mehr haltbar gewesen sei, da die internationalen Flußkommissionen eine Einschränkung der deutschen Oberhoheit bedeuteten Sie bringen jedoch auf Grund einer amtlichen Parole ihr Bedauern zum Ausdruck, daß Deutschland nicht den Weg sreundschaftlicher Verhandlungen eingeschlagen habe, ohne die Tatsache genügend zu berücksichtigen, daß die bisherigen Verhandlungsbemühun- acn Deutschlands nichtden erwünschten Erfolg hatten. Gleichzeitig wird behauptet, daß der deutsche Schritt die Verdächttgungen über den guten Willen Deutschlands wieder aufleben lasse und daß er den gegenwärtigen Bemühungen für eine internationale Zusammenarbeit abträglich sei.
Das Rothermere-Blatt „Daily Mail" schreibt, daß nur völlig verblendete Leute dem deutschen Schritt nicht zustimmen würden. Nachdem man gewußt habe, daß Deutschland eine ausländische Einmischung in seine großen Flüsse als unerträglich betrachte, hätte man genügend Staatskunst aufbringen sollen, um rechtzeitige ine ruhige Re - vision herbeizuführen. Ein großer Teil der öffentlichen Meinung in England und anderswo habe diese Revision schon vor Jahren befürwortet. Die britische Regierung habe sich hinter den Völkerbund versteckt, anstatt offen einem neuerstandenen Deutschland entgegenzukommen. Damit sei jede Vertragsänderung in aufsehenerregender Weise Europa aufgezwungen worden, anstatt daß man sie vorher als unvermeidlich erkannt und in freundschaftlicher Weise herbeigeführt hätte.
Die jüdisch-liberale „News Chronicle" bleibt sich in ihrem Deutschenhaß treu, indem sie erklärt, daß der deutsche Schritt, obwohl er an sich unbedeutend sei, ein ebenso unverschämter Treuebruch sei wie die früheren Aktionen. — Der „O b - ferner" schreibt, daß Hitlers Aufkündigung der Versailler Bestimmungen wohl gewisse wirtschaftliche, aber kaum irgendwelche diplomatischen Folgen haben würde.
Die Schiffahttsbestimmungen des Versailler Diktats.
Teil XII des sogenannten Versailler Friedensdiktats besagte u. a., daß für international erklärt wurden die Elbe von Der Mündung Der Moldau ab, Die Oder von Der MünDung Der Oppau ab, Die Memel von Grodno, Die Donau von Ulm ab, ferner jeder schiffbare Teil dieser Flußgebiete, „der mehr als einem Staat Den natürlichen Zugang Zum Meere vermittelt". Für Die Verwaltung von Elbe, Oder und Memel waren internationale Ausschüsse eingesetzt worden, in Denen Die Vertreter Deutschlands in Der Minderheit sein mußten. Für Den Rhein wurde eine Zentralkommission mit dem Sitz in Straßburg eingesetzt, in Der Frankreich schon allein außer Dem Vorsitz auch noch vier Vertreter hatte, Die NiederlanDe, Schweiz, Großbritannien, Italien unD Belgien je zwei, Deutschland aber nur vier Vertreter stellte. Die entsprechende Kommission für die Elbe setzte sich aus
Berlin, 16. Nov. (DNB.) Wie aus amtlichen Mitteilungen der Sowjetregierung an die deutsche Botschaft in Moskau hervorgeht, sind nunmehr in der Sowjetunion in den letzten Tagen insgesamt 23 Reichsdeutsche verhaftet worden, nämlich 9 in Moskau, 12 in Leningrad, einer in harkow und einer in Nowo-Sibirfk. Den zuständigen deutschen Vertretungen ist es bisher trotz aller Bemühungen nicht gelungen, die Verhafteten durch einen deutschen Beamten besuchen zu lassen. Erst aus fortgesetztes Drängen hat das sowjetrussische Auhenkommissariat der deutschen Botschaft heute die Namen von 14 der Verhafteten und die Artikel des Strafgesetzbuches mitgeteilt, deren Verletzung ihnen vorgeworfen wird. Es handelt fich angeblich um Spionage, terroristische Akte und Organisierung staatsfeindlicher Tätigkeit.
Diese amtliche Auskunft der fowjetrussischen Regierung muh deutscherseits als völlig unzureichend bezeichnet werden. Denn selbst zehn Tage nach der Verhaftung und trotz mehrfacher Vorstellungen der deutschen Botschaft war die sowjetrussische Regierung bisher nicht in der Lage, konkrete Angaben über die den Verhafteten zur Last gelegten strafbaren Handlungen zu machen. Die deutsche Botschaft in Moskau hak diesen Punkt im Auhenkommissariat ausdrücklich hervorgehoben, die Beschuldigungen in Anbetracht der ihr bekannten Persönlichkeiten und nach Lage der Umstände als völlig unglaubwürdig bezeichnet und in aller Form Pro- test wegen der Massenverhaftung offensichtlich unschuldiger Reichsdeutscher eingelegt. Das sowjetrussische Auhen- kommissariat versuchte, diesen Protest mit formaljuristischen Ausführungen zurückzuweifen, doch wurde deutscherseits der Protest gegen Das Vorgehen der Sowjetorgane in vollem Umfange aufrechterhalten.
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Daß ein Reichsdeutscher in SowjetrußlanD alles unterlassen wird, was ihm als Bruch Der gewährten Gastfreundschaft ausgelegt werden konnte, versteht sich von selbst. Aber die Bolschewisten brauchten wieder einmal eine Ablenkung der russischen Bevölkerung von Den täglichen Sorgen, sie veranstalteten eine Deutschenjagd und brachten 23 Mann zur Strecke, um diesen Verhafteten nun ein sensationell aufgebauschtes Verfahren an den Hals zu hängen. Wir kennen die Methoden Der Bolschewisten. Man wirD sich aber in Moskau hoffentlich klar Darüber sein, daß das nationalsozialistische Deutschland ein Derartiges Verfahren nicht so leichten Herzens in Kauf nimmt, wie Das früher Der Fall war, als man seinerzeit Deutsche Ingenieure in einen Sensationsprozeß verwickelte. Das Deutsch-
lanD von heute mirD zu Der MißhanDlung seiner Dolksangehorigen auf sowjetrussischem Boden nicht schweigen. Die Lage ist ernst. Das zu unterstreichen wollen wir nicht versäumen. Aber die Angelegenheit ist erst durch das Verhalten Der Sowjets so ernst geroorben, Die mit aller Macht darnach streben, einen Konflikt mit Dem Reiche vom Zaun zu brechen.
Um das Libanon-Statut.
Schwere Unruhen im Beirut.
Paris, 16. Nov. (DNB.) In B e i r u t ist es gelegentlich Des RamaDan-Festes zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Unruhen nahmen ihren Ausgang inDerBasta-Moschee, wo einige ReDner äußerst heftige Angriffe gegen Den kürzlich abgeschlossenen Vertrag zwischen Frankreich und Dem Libanon-Staat richteten. Gleichzeitig hetzten muselmanische Agitatoren auf Der Straße ge- gegen Das neue Libanon-Statut unD die christliche Bevölkerung. Um 20 Uhr rotteten sich starke Gruppen von Muselmanen zusammen, Die nach Dem chri st licken Viertel zogen und die Geschäfte zu plündern begannen. Die Polizei wurde mit Schüssen empfangen, so daß sie durch Tr u p p e n oerftärft werden mußte. Inzwischen drangen einige Gruppen christlicher Einwohner in das muselmanische Stadtviertel und zerstörten mehrere Geschäfte. Nur mit Mühe gelang es Polizei und Militär, Die OrDnung wiederherzustellen. — Bisher werden drei Tote und 28 Verletzte gemeldet. Bei Den Zusammenstößen finD viele Straßenbahnwagen und etwa 50 Privatkraftwagen Demoliert unD in BranD gesteckt roorDen. Der Oberkommissar versichert, daß kün- tig keinerlei Störung mehr geduldet werden würde. Am Montag sind sämtliche Geschäfte geschlossen. In den Straßen der Stadt patroullieren Militärstreifen. Aus Palästina henngekehrteReservisien verweigern den Gehorsam.
London, 17. Nov. (DNB. Funkspruch.) In Southampton kam es am Montag zu einer neuen militärischen Meuterei, die allerdings keinen sehr ernsten Charakter hatte. 300 aus Palästina zurückgekehrte Armeereservisten hatten Den ausdrücklichen Befehl erhalten, eine weitere Nacht an Bord des Truppenschiffes „Tuscania" zu bleiben, bevor sie in die Heimatorte zurückkehren könnten. Am Montagabend fetzten sich 200 schottische und nordenglische Reservisten über Den Befehl hinweg, verließen das Schiff und veranstalte- ten eine Kundgebung auf dem Kai. Viele erklärten ihre Unzufriedenheit darüber, daß man ihnen i hr e früheren Arbeitsplätze nicht offen gelassen habe, so daß sie jetzt arbeitslos feien. Schließlich versuchte ein Teil der Reservisten auf den Dvckanlagen auszubrechen. Sie wurden jedoch durch die Polizei daran verhindert. Die Mann* schäften wurden Dann überreDet, an Byrd zurück zukehren.


