Nr. 1§ Erstes Blatt
186. Jahrgang
grettag, 17. Januar 1936
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Umfassende Aufrüstungspläne Englands Das Sidraltar des Ostens
Bon Hab bur Rahman, Delhi
Auch für die britische Flotte sind beträchtliche Verstärkungen vorgesehen.
.Daily Telegraph" meldet,
gramm, das, wie der
zusätzliche
4.
5.
und
aus
3.
nommen. Weiter wird berichtet, daß die italienischen Truppendampfer „Lombardia" und „Piemonte", die den Suezkanal in Richtung Norden passieren, nach Tripolis gehen, um dort 10 0 0 0 Mann libyscher Eingeborenentruppen zur Dienstleistung in Eritrea einzuschiffen.
streitkräfle;
ein großes Fünf-Jahres-Ersahpro- grammfürdieenglische Flotte, das u. a. den Neubau von mindestens 70 Kreuzern vorsehen wird. Die britische
Flotte wird durch das neue Programm in den Stand gesetzt werden, in allen Schiff s- klassen auf die volle Vertragsstärke auszurüsten. In der Kreuzer klasse wird England sogar über die Grenzen des Ende dieses Jahres ablaufenden Londoner Vertrages hinausgehen, der 50 Kreuzer für England vorsah: „eine Gleichschaltung" und engere Zusammenarbeit zwischen den gesammten Streit- krästen des Britischen Weltreiches unter der Leitung des Reichsverteidigungsausschusses:
Modernisierung und voller Ausbau slrate-
London, 17. Jan. (DNB. Funkspr.) Die neuen Aufrüstungspläne Englands beherrschen die Presse und haben die Erörterung über den italienisch-abessinischen Konflikt und die Oelsperre in den Hintergrund gedrängt.
Die Vorarbeiten für das neue Aufrüstungspro-
gischer Stützpunkte wie Malta Singapur.
Militärischer Straßenbau Port Said — A'exandria.
Schafhirten, der die gedruckte Anweisung nicht lesen und nicht verstehen könnte. Es ist wie ein Wunder, das sich unter dem Druck des Krieges entfaltet hat
Wozu brauchen wir eigentlich noch eine Partei? Mancher hat es vorher gefragt, jetzt weiß er Die Antwort zu schätzen. Sie ist nicht ein Buttel der Staatsgewalt, die Partei, sie ist der O r g a n i s » m u 5 der neuen Staatsidee.
Ein neuer italienischer Kreuzer in Dienst gestellt.
Mailand, 17. Jan. (DNB. Funkspruch.) In Genua erfolgte die Uebergabe des Kreuzers Eugen von Savonen" durch die Ansaldo- Werft an die italienische Kriegsmarine. Der Kreuzer hat eine Wasserverdrängung von 7300 Tonnen, ist mit je sechs Geschützen zu 15,2 und 10,2 ausgerüstet und erreicht die Geschwindigkeit von 38 Seemeilen in der Stunde.
Das zweiteGeschwader der französischen Flotte zu den Manövern auSoelaufen.
P a r i s , 16. Ian. (DNB.) Das zweite Geschwader der französischen Flotte hat Donnerstag vormittag Brest zu den vorgesehenen Manövern a n der Westküste Afrikas verlassen. Die Rückkehr ist für den 26. Februar vorgesehen.
k u n g e n heran. Das Schwergewicht der italienischen Operationen richtet sich auf die Provinz B a l i."
Der Kaiser will bis zum Eintreffen der großen Regenzeit im nördlichen Hauptquartier bleiben. Er' hofft, daß bis zu diesem Zeitpunkt entweder der Krieg entschieden sein werde oder die Kampfhandlungen wegen der Regenzeit auf ein Vierteljahr unterbrochen werden müßten. Der Kaiser rechnet damit, daß es dem Volke r- bund immerhin gelingen werde, bis zu diesem Zeitpunkt Friedensoorschläge zu machen, die es Abessinien ermöglichen, ehrenvoll aus diesem Kriege hervorzugehen. Derartige Vorschläge müßten jedoch Sicherheiten bieten, die es ausschließen, daß Italien möglicherweise in ein bis zwei Jahren erneut kriegerische Handlungen gegen Abessinien unternehme.
Gramms Siegesbmcht.
Boller Erfolg an der Somalifront.
Rom, 16. Jan. (DNB.) Der italienische Heeresbericht vom Donnerstag gibt folgende weitere Einzelheiten über die Offensive des Generals G r a z i a n i:
„Die Schlacht am Canale Doria steht mit dem vollen Erfolg unserer Waffen vor dem Abschluß. Unsere Truppen sind auf der ganzen Front in einer Tiefe von über 50 Kilometer vorgerückt und haben dabei überall den hartnäckigen Widerstand des Gegners überwunden. Verfolgt von den unsrigen, ziehen sich die Truppen des Ras Desto Dampto in Unordnung zurück. Starke Nachhutabteilungen des Feindes, die sich in höhlen eingenistet haben, versuchen vergeblich, die Verfolgung aufzuhalten. Die Verluste des Feindes sind beträchtlich. Sie werden später noch festgestellt. Die Luftwaffe in Somali- land hat Truppen-Zusammenziehungen des Feindes in Dagabur und Safsabaneh mit Bomben belegt. Sie hat mit unseren kämpfenden Truppen tatkräftig zusammengearbeitet.
A u s g ab e n erfordern wird, sind bereits ziemlich weil gediehen. Rach dem Zusammentritt des Parlaments am 4. Februar wird eine große Unterhaus- Aussprache über die Verteidigung Englands stalt- inden. Man nimmt an, daß die Regierung ähnlich wie im März letzten Jahres die neuen Aufrüstungs- Vorschläge durch ein Weißbuch begründen wird. In diesem Weißbuch wird nach der „Morning Zost" auf die Entwicklungen im Miltel- meer, im Fernen Osten und auf dem europäischen Fe st lande hingewiesen werden, die eine b e t r ä ch t l i ch e V e r st ä r k u n g des englischen Verteidigungssystems erforderlich machten. Das neue britische Aufrüstungsprogramm wird u. a. olgende Punkte umfassen:
1. weitgehende Modernisierung und Mechanisierung nebst einer zahlenmäßigen Erhöhung der Berufsgruppen:
2. eine weitere große Erhöhung der Luft-
die technischen Möglichkeiten zusammenfassen zu einem einzigen Wall gegen die Sanktionen.
Der einzelne braucht nicht lange zu fragen, wa- kann ich tun, wohin soll ich mich wenden? Da ist der Fascio, er fehlt nicht im verstecktesten Bergnest, er gibt Antwort, Richtlinien, schlägt immer die Brücke nach Rom. Und wer etwas zu sagen hat, hat nicht die Qual der Wahl einer bestimmten Partei oder einer so oder so gefärbten Zeitung, er spricht immer durch den gleichen Sender an alle. Die Partei ist immer und überall Zentrum, alle (Energien um sie herum wirken zentripetal wie st- selbst zentrifugal. Durch sie regelt der Staat die Wirtschaft und die Sitte, das ®reifbare rote das Unwägbare. _ n
Könnte er das auch mit Beamten machen? Unvorstellbar. Das eben ist das Merkmal des Faschisten, daß er kein Staatsbeamter, nicht einmal Parteibeamter ist. Der Staat kann nicht hinter jeden Obsthändler einen Polizisten stellen, besser, der Obsthändler ist Faschist und damit von selbst ein Rädchen im großen Getriebe. Um emJoldjer Faschist zu fein, muß er nicht das Abzeichen am Rock tragen, Hauptsache, daß er faschistisch, im Sinne der Partei und damit des Dolkswohls handelt.
Wo aber ein Leitwort, ein Befehl notwendig ist, da bringt er durch die Partei blitzschnell m alle Poren des Dolkskörpers und erreicht Den letzten
London, 16. Jan. (DNB.) Wie Reuter — Port Said meldet, haben die Militärbehörde n den im vorigen Jahre von der ägyptischen Regierung begonnenen Bau der Straße, die die Häfen Port Said am Ausgang des Suezkanals zum Mittelmeer und Alexandria miteinander verbinden soll, selbst über-
Die englische Admiralität hat sich entschlossen, den so wichtigen strategischen Punkt Singapur so zu befestigen, daß den fernöstlichen Mächten — Japan! — Die Möglichkeit genommen wird, sich Singapurs als Schlüssel Indiens zu bedienen. Als die Stadt Singapur vor 115 Jahren, am 6. Febr. 1819, gegründet wurde, dachte kein Mensch daran, daß es dieser Stadt beschieden sein sollte, im kommenden Jahrhundert eine so große und wichtige Rolle im politischen Leben zu erlangen. Die Periode, der glorreichen Zeit ist für Singapur noch nicht überschritten, sondern das Weltgeschehen, besonders die Politik des Fernen Ostens, ist vielfach konzentriert in Singapur, und somit wächst die Bedeutung und Wichtigkeit Singapurs immer mehr. Nun wurde auch noch der sofortige Ausbau des Hafens Singapur in Angriff genommen. Die technischen Verstärkungen sollen die Befestigung Indiens nach der fernöstlichen Seite hin vollkommen sichern. Gleichzeitig müßte aber auch Hongkong in Angriff genommen und entsprechend befestigt werden. Der englische Marineschriftsteller Kapitän Bernhard Acworth schreibt in seinem Artikel der „Straits Times" im Februar vorigen Jahres: „Singapur ist nicht wichtiger als der Ausbau von Hongkong Für den Gegner wäre es eine Torheit, die Zeit mit einem Angriff auf Singapur zu verlieren: Hongkong ist strategisch viel wichtiger und darum stark zu befestigen! Hongkong bietet durch seine unmittelbare Nähe vielmehr Aussichten auf Gelingen eines Angriffes. Seestreitkräfte, die gegen Hongkong eingesetzt werden können, stehen unmittelbar nach Ausbruch eines Konfliktes in ausreichendem Maße zur Verfügung, lange bevor an einen Entsatz für Hongkong gedacht werden kann. Diese Tatsache kann als ABC aller Manne- Strategie im Pazifik betrachtet werden!"
Diese Aeußerungen des Mannesachverständigen dürfen keineswegs leicht genommen werden. Das Schwergewicht liegt auf dem Ausbau von Singapur, weil es militärisch den Indischen Ozean reherrscht, um den herum drei Viertel aller britischen Gebiete liegen. Die militärischen Anlagen von Singapur sind an der Nordseite durch die Meerenge von dem Eingeborenenviertel völlig abgetrennt. In der wenige hundert Meter breiten Meerenge, welche von eine Damm überbrückt wird, ist jetzt der neue Kriegshafen gebaut worden. Werften, Docks sind schon in großer Anzahl vorhanden: ein gewaltiges Dock, welches die größten Schlachtschiffe aufnehmen kann, geht seiner Vollendung entgegen. Große Piers für Feuerungsmaterial, Kohlen, Del, Proviantlager sind in derartig großem Umfange vorgesehen, daß damit der Bedarf auch der größten Flotte gedeckt werden kann. Außer den bereits vorhandenen Trockendocks für Schiffe bis zu 10,000 Tonnen ist noch ein großes Schwimmdock vorhanden, das von London nach Singapur geschleppt wurde. Besonders wichtig ist der Bau eines neuartigen Flughafens, welcher bereits zum groß- Teile fertiggestellt ist und die Verbindung mit England einerseits und mit Australien andererseits aufgenommen hat. Em Pier von 700 Meter Länge ist im Bau begriffen, wo die stärkeren Kriegsschiffe anlegen können. Die noch nicht fertiggestellten Anlagen werden stark forciert. Tausende Arbeiter sind dabei beschäftigt.
Mit der kompletten Herstellung des Hafens ist im Fahre 1937 zu rechnen. Die Gesamtkosten zu dem ungeheuren Ausbau des fttategifchen Punktes Singapur werden von England, Neuseeland, Hongkong, den Malaiischen Inseln sowie Indien getragen. Bei der Rüstungsdebatte im März 1935 im Unterhaus antwortete Duff Cooper, damals Unterstaatssekretär des Schatzamtes, auf die Frage der Kosten des Ausbaues der Befestigung von Singapur, daß bis zu Ende des Haushaltsjahres rund 85 Millionen Mark dafür ausgegeben fein werden. Die Gesamt- foften des ganzen Ausbaus belaufen sich auf etwa 175 Millionen Mark. Das Gibraltar des Fernen Ostens, der Torweg nach dem Indischen Ozean, soll soweit befestigt werden, daß er für angreifende Mächte einfach einen uneinnehmbaren Kriegshafen darstellt. Die englischen Zeitungen haben einstimmig festgestellt, daß Singapur sich bereits heute in einem Verteidigungszustand befindet, dem es auch einem überlegenen Angreifer gewachsen erscheint.
Japan erblickt in dem Ausbau von Singapur eine Provokation, ist aber trotz seiner Bemühungen nicht imstande, den weiteren Fortgang der Befestigung aufzuhalten. Was im Bereich des Möglichen liegt, versucht Japan in die Wirklichkeit umzusetzen und ist eifrig bestrebt, von Siam die Landenge K r a zu erwerben, um hier einen Kanal durchzu- ftoßen. Diese Landenge von Kra, auf der Halbinsel Malakka, liegt etwa 600 Seemeilen nördlich von Singapur und ist an der engsten Stelle ungefähr 50 bis 60 Seemeilen breit, also nur wenig breiter als die Meerenge von Gibraltar. Japan glaubt heute bereits damit rechnen zu können, daß Siam bereit ist, das zum Bau eines Kanals not- wendige Gebiet abzutrennen. Mit Hilfe der siamesischen Presse und einer Regierungspartei in Siam, welche große Sympathien für Japan hegt, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit fein, ohne Berührung Singapurs mit Hilfe von Kra an die indische Küste zu gelangen, was wirtschaftlich und militärisch von weittragender Bedeutung wäre, (9roß- britannien erkennt sehr wohl die Gefahr, welche sich aus dem Besitz von Kra ergeben würde, und beginiw mit einem Gegenschachzug, nämlich mit der B e - feftigung der Burmesische n K u ft e. Di« neue indische Verfassung, welche am 22. November 1934 proklamiert wurde, .hat die Lostrennung Der Provinz vorgesehen mit der Begründung, daß die I immer weiter um sich greifende Freiheitsbewegung
Addis Abeba, 16. Jan. (DNB.) Der Sonderberichterstatter des DNB. ist soeben von einem dreitägigen Flug an d i e Nordfront zurückgekehrt. Als Gast des Kaisers war er zwei Tage im abessinischen Hauptquartier in Dessie.
Kaiser hafte Selassie erklärte über die Kriegslage: „Seit Eintreten der R e g e n f ä 11 c hat sich an der Nordfront die militärische Lage für Abessinien strategisch bedeutend gebessert, da dadurch ein gewisser Ausgleich der beiderseitigen Knegsmit- tel herbeigeführte wurde. Die Angriffe unserer Truppen werden nach Einnahme der Tembien- Provinz weiter aufdie Provinz Geralta vorgetragen. Dort kämpfen vorläufig nur einzelne Abteilungen, um zunächst die befestigten italienischen Verteidigungsnester auszuheben. Größere Kampfhandlungen der Italiener dürften in den nächsten Monaten unmöglich fein, da die durch die Zerstörung der Straßen entstandenen erhöhten Geländeschwierigkeiten den Einsatz technischer Gr oßkampf mittel a u s s ch l i e ß e n." 1
Der Kaiser wandte sich hierauf der Südfront zu und erklärte: Die am 8. Januar begonnene S ch l a ch t b e i D o l o, die die Streitkräfte Ras De- ftas in großer Frontbreite in Jtalienisch-Somaliland ausgenommen haben, nimmt ihren Fortgang. Die Kämpfe brachten den abessinischen Truppen bis- her erhebliche Geländegewinne und große Kriegsbeute. Unter dem eroberten Kriegsmaterial befinden sich u a. einige Tanks, 50 Maschinengewehre, über 100 Maultiere und zahlreiche Lastwagen. Die Italiener verteidigen sich äußerst hartnäckig. Sie unternahmen eine Reihe von Gegenstößen, wobei sie von Bombenflugzeugen'unterstützt wurden. Zum erstenmal wurden in dieser Schlacht zwei erbeutete Italiens sche Tanks, die mit Abessiniern bemannt waren, gegen die italienischen Truppen eingesetzt Die Schlacht dauert auf der ganzen Front bis zum Webe Schebeli-Fluß an. Die Italiener ziehen aus dem Norden erhebliche Verstar-
würde aufbegehren, die Selbstsucht mit Bestechung der Zeitungen und Abgeordneten arbeiten, die Angst das Volk irr und wirr machen, jeder den Staat auf seine Weise beschwören und keiner sich dem größeren Willen fügen, schon deshalb nicht, weil dieser einige geschlossene Abwehr- und Behauptungswille nicht vorhanden wäre.
Im Einheitsstaat ist er da, ist er das hervorstechende Merkmal. Kritische Betrachter werden vielleicht sagen, er sei befohlen und „mit dem Belagerungszustand könne jeder Esel regieren", das bolschewistische Rußland sei ja auch insofern einig, als es eine staatlich genormte Presse, ein gehorsames Heer und ein mürbe gewordenes, jede Weisung befolgendes Volk habe. Wer die Dinge nur von außen betrachtet, mag solche Vergleiche ziehen, nur daß eben ein Unterschied besteht zwischen erzwungenem Gehorsam und freiwilliger Einordnung.
Wo ist Zwang in Kriegsitalien? Es hat keines behördlichen Aufrufes zur Goldablieferung bedurft, der Gedanke an die Trauringspende brach von selbst aus dem Volk hervor, die Königin gab ihm nur die Weihe, als sie als erste den Reif der Treue in das lodernde Opferbecken vor dem Grabe des unbekannten Soldaten warf. Aus Freiwilligen könnte das ganze Heer, das in Ostafrika notwendig ist, zusammengestellt werden, wenn es nötig wäre. Freiwillig verzichtet man auf ungezählte Dinge, die noch käuflich wären, der Hamsterer ist eine gänzlich unbekannte Erscheinung. Es geht recht gut ohne Belagerungszustand, ohne Polizeiaufsicht.
Es ginge aber kaum ohne die Partei, selbst bei gleichem Patriotismus. Die Partei arbeitet wie ein gesunder Organismus, ohne Antrieb, selbständig, zielbewußt. Sie kam in dem Augenblick, wo es notwendig war, automatisch in Gang, eine Maschinerie, wie sie sich kein Staatslenker idealer vor- stellen kann. Ein Instrument nach dem Willen des Führers, gibt sie mit jeder Taste, die er anschlägt, den gewünschten Ton. Sie ist so vollkommen eingespielt, daß man annehmen darf, sie werde als Schwungrad weiterlaufen, auch wenn der Maschinenmeister plötzlich entseelt neben seinem Werk niedersinken würde.
Das alles war bisher nur Wunschtraum, Hoffnung oder Glaube, man gab sich überzeugt davon, daß es im Notfall so sein werde, nun aber ist d i e Wirklichkeit da, ist der Beweis da. Daß man im Ausland so wenig hört von der Parteimaschinerie in diesem kritischen Augenblick, im Inland so wenig davon spürt, das zeigt am besten, wie lautlos wie reibungslos, wie sicher und zweckmäßig sie arbeitet. Der Staat hat in ihr sein Uhrwerk gefunden. Und wenn man es weniger mechanisch ausdrücken will: feine Seele.
Ist die Partei der treibende Motor oder wird sie von Mussolini angetrieben? Ist sie Herz oder Hirn der Nation? Befiehlt sie dem Volk oder ist sie dessen Diener? Man weiß es nicht mehr, es 11 alles einunddasselbe g e wo r d e n , Volk und Staat, Partei und Nation und Führer. Wer fragt danach, ob der unbekannte Mann von der Straße, der die Anregung gibt, von den beiden Messinggriffen, wie sie die ^uliemschen Haustur- flügel zieren, den einen einzuschmelzen, Faschist ist ober nicht? Die Studenten, die Frauen die Bauern, die Fabrikarbeiter, sie haben plötzlich alle denselben Wunsch und Willen, als wäre es nur ein Instinkt. Die Hilfsguellen des Landes, so viele unbekannt, so viele scheinbar versiegt, fangen auf einmal an zu fließen, sammeln sich, laufen m die ^che Richtung. Wo fft die Konkurrenz '"i Handel hinge- tommen? Welche Industrien befehden sich noch. Das System der Korporationen erscheint wie em genial erdachtes System von Kanälen, die über Nacht alle Kräfte aufsaugen, einordnen, ausweiten,
Krieg, Staat und Partei.
Von unserem römischen E.-Korrespondenien.
Rom, Mitte Januar.
Träger dieses Krieges ist die Partei: auf ihren Schultern ruht er, wie das Himmelsaewölbe lastet auf den Schultern des Atlas. Wie jähe es heute in Italien aus ohne die staatstragende Partei? Man braucht die Frage nur zu stellen, um den bedrohlichen Unterschied zu erkennen.
Gewiß, auch aus dem Großen Krieg, den die larlamentarifche Mehrheit in Rom nicht wollte, ind uns Bilder mannhafter Haltung vertraut: da chreibt zum Beispiel ein einfacher Soldat aus dem Schützengraben heraus an die Regierung. „Herr Abgeordneter Orlando, es ist Krieg! Es heißt also siegen um jeden Preis. Es darf kein Mitleid geben für den Soldaten, der vor dem Feinde flieht, es darf ebensowenig Mitleid geben für den, der der bewaffneten Nation den Dolch in den Rücken stoßen möchte!" Das geschah zur gleichen Zeit, als im anderen Lager die Regierung von Männern der Schreibstuben und einer unvater- ländischen Presse zu einer „Friedensresolution" gezwungen wurde, die naturgemäß dem feindlichen Vernichtungswillen neuen Auftrieb gab. Jener einfache Soldat, der aus 42 Wunden blutete, weil ihm der eigene Minenwerfer unter der Hand zerknallte, hieß allerdings Mussolini.
Sein Staat ist es, der jetzt in der Feuerprobe steht. Er führt das Volk, dem niemand zu Hilfe eilt — anders als damals nach dem Zusammenbruch von Karfreit. Ohne den Faschismus wäre der afrikanische Krieg freilich auch denkbar, auch Crispi nahm ihn ja ein Menschenalter vorher in Angriff, aber die Regierung des Parlaments und der nicht stützenden, sondern wühlenden Presse verlor ihn. Nicht denkbar wäre ein demokratisches Italien, das mutig in den Völkerbundskriea hineingeht, England die Stirne zu bieten wagt, sich auf eigene Füße stellt. Jedes mit der Industrie eines Sanktionslandes verfilzte Fabrikunternehmen
Die Zeit ist mit Abessinien.
Der Kaiser Hails Selassie über die Kriegsaussichten der nächsten Monate.
viele Millionen Pfund


