Frankreich beabsichtigt Rückfragen in Brussel
In
Berlin, tagung der wurde am
Anarchistischer Terror in französischen Industriebetrieben.
Paris, 16. Okt. (DNB. Funkspruch.) Das „Echo den Paris" glaubt zu wissen, daß die Regierung eine in Paris gelegene bestreikte und von ihren Arbeitern besetzte Fabrik, die optische und Präzisionsinstrumente herstellt, beschlagnahmen werde. Diese Fabrik sei Alleinherstellerin gewisser Instrumente, die für die Fortsetzung des Baues zweier Kriegsschiffe not- wendig sind; infolge des Streiks kann dieser Kriegsschiffbau nicht weiter gehen. In der Ministerpräsidentschaft teilte man dem Berichterstatter des Blattes mit, die Regierung wünsche die Wiederaufnahme der Arbeit in der betreffenden Fabrik und werde sie mit gesetzlich zulässigen Mitteln
Neuer Gouverneur des Memelaeb'etes.
K o w n o, 15. Okt. (DNB.) Die seit einiger Zeit beschlossene Umbesetzung auf dem Posten des Gouverneurs des Memelgebietes ist nun erfolgt. Zum neuen Gouverneur ist der bisherige Kownoer Obernotar, Oberstleutnant der Reserve, Juras Kubilius, ernannt. K. ist Landwirtssohn, 46 Jahre alt und war bis zum Ausbruch des Krieges Volksschullehrer in Nordlitauen. Er besuchte wäh- rend des Krieges die Junkerschule in Moskau und war zwei Jahre lang russischer Frontoffizier. 1919 kam er nach Litauen zurück, und trat gleich als Freiwilliger in die litauische Armee ein, nahm an den Kämpfen gegen den Bolschewismus aktiv teil und führte sogar ein Regiment. Von 1931 ab war er drei Jahre lang K r e i s ch e f in Schaulen, dann Oberster Notar von Kowno. Seine juristischen Studien beendete er 1927 an der Kownoer Universität. Kubilius gilt als eine sachliche, ruhige Persönlichkeit.
15. Okt. (DNB.) Die Reichsarbeits- RDG Banken und Versicherungen ______ Donnerstagabend mit einer Kundgebung in der Deutschlandhalle abgeschlossen. Der Leiter der Reichsgruppe Versicherungen Pg. Hilgard wies einleitend auf die Aufga-
Oie Trauerfeier für den Oberreichsanwatt Or. Werner.
Leipzig, 15. Okt. (DNB.) Zu der Bestattungsfeier für den verstorbenen Oberreichsanwalt Dr. Werner hatte sich in der Kapelle des am Fuße des Völkerschlachtdenkmals gelegenen Südfriedhofs eine zahlreiche Trauerversammlung eingefunden, u. a. Neichsminister Frank und Staatssekretär Freister mit mehreren Herren vom Reichsjustizministerium. Vor dem Krematorium war eine Chrenbereitschaft der Polizei angetreten. Standortspfarrer Bemmann zeichnete ein klares Bild des Verewigten, der ein Leben in verantwortungsvollster' Stellung zum Segen für Volk und Familie erkämpft und vollendet hat. Der Führer ließ durch Staatssekretär Freister einen Kranz am Grabe niederlegen. Der Staatssekretär dankte dem Verblichenen im Namen des Führers, daß er ihm in den schweren Jahren der Kampfzeit als Erster An- walt des Reiches trotz übelster Anfeindungen unverbrüchliche Treue gehalten habe. Der Oberreichsanwalt habe den Kampf gegen das Untermenschentum in dunkler Zeit zum Segen unseres Volkes und Führers siegreich bestanden. Relchsminister Dr. Frank stattete dem edlen deutschen Manne insbesondere den Dank der Partei ab. Als erster Rechtswährer sei der Oberreichsanwalt ein treuer Mitarbeiter des Führers in Deutschlands schwerster Zeit gewesen. Reichsanwalt Dr. Nagel gedachte der Größe der von dem Toten bewältigten Auf- nabe. Der Präsident des Reichsgerichts Dr. B u m k e , gedachte seines Freundes als eines treuen Dieners am Recht, der die neuen Rechtsgedanken in sich ausgenommen und ihnen zum Durchbruch verhalfen habe. Reichsanwalt Jörns überbrachte die letzten Grüße des Präsidenten des Volksgerichtshofs. Unter den Klängen des Ave Maria von Bach sank langsam der Sarg in die Tiefe.
Kundgebung der 2R23(5. Danken und Versicherungen.
Der Havasvertreter will aus diesen Erklärungen den Eindruck gewonnen haben, daß Belgien eine Bürgschaft der Mächte gegen einen etwaigen Angriff wünsche, jedoch ohne die Gegenverpflichtung, diesen Mächten zu Hilfe zu kommen, falls sie angegriffen würden. Was die französisch - belgischen Generalstabsabkommen darstellen, so stelle die belgische Diplomatie auf dem Standpunkt«, daß die Frage durch den Schriftwechsel beider Regierungen vom März dieses Jahres geregelt sei und eine Annullierung nicht in Frage komme, da es sich um rein technische Vereinbarungen handele. Der Havasvertreter will überdies eine Verwunderung der amtlichen belgischen Kreise über das Aufbrausen französischer Blätter bei der Beurteilung der Rede König Leopolds feststellen können.
Ruhige Veutteillmg in London.
London, 16. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der belgische Botschafter in London hat gestern im Foreign Office vorgesprochen und eine Unterredung mit dem englischen Außenminister Eden gehabt. Wie Reuter erfahren haben will, habe der belgische Botschafter habet zum Ausdruck gebracht, daß keine Rede davon sei, daß Belgien irgendeiner seiner Verpflichtungen ledig werden wolle. Es wolle vielmehr dem Völkerbund und den Verpflichtungen der Völkerbundssatzung gegenüber loyal bleiben.
Nach dem ersten etwas niederdrückenden Eindruck, den die Rede des belgischen Königs in der Londoner Presse hinterlassen hatte, beginnt man jetzt» die Angelegenheit etwas optimistischer zu werten. Vorwiegend stehen die englischen Blätter auf dem Standpunkt, daß die Auswirkungen nicht so weitgehend sein würden, wie man im ersten Eindruck angenommen hätte.
„Daily Telegraph" bringt sein Erstaunen darüber zum Ausdruck, daß Belgien den Schritt unternommen habe, ohne seine alten Freunde
Bauernpartei hatten für Kivimäki gestimmt, aber . bezeichnenderweise war ihm seine eigene Partei, die Fortschrittspartei, in den Rücken gefallen. Ausschlag- . gebend aber war — neben der Stellung der Sozialdemokraten — die ablehnende Haltung der meisten schwedischen Abgeordneten. Die Schweden sind von den bürgerlichen finnischen Blättern wegen dieser Haltung heftig angegriffen worden. Aber diese Haltung kann eigentlich kein Erstaunen erwecken; denn für die Schweden steht die Sprachen frage im Vordergrund. Das Kabinett Ki- nimätt hatte sich ihre Unterstützung durch sein Schwanken in der heiklen Frage der Finnisierung der Universität von Helsingfors verscherzt.
Diese Feststellung führt mitten hinein in die Schwierigkeiten, die die neue Regierung er- । warten. Diese Regierung stellt für viele eine lieber» raschung dar, die eine s o z i a l d e m o k r a t i s ch e Regierung unter Teilnahme der 5 Bauernpa rteiler und damit eine Erwecke- , rung her marxistisch-bäuerlichen Regierungen Skandinaviens erwartet hatten. Auch in Finnland hätte eine solche Verbindung eine große parlamentarische Mehrheit hinter sich. Aber Staatspräsident Sv in- hufoud hat dies verhindern wollen. Er beauf- ; tragte den Bauernparteiler Kallio und legte die- j fern nahe, die parlamentarische Grundlage des Ka- , binetts, etwa durch Hereinnahme her , Schweden, zu erweitern. Ader die Grundlage । ist schmal geblieben. Kallio kann sich im Reichstag , nur auf seine Partei und die Fort- , schrittspartei stützen, die insgesamt lediglich ; über 60 von 200 Sitzen verfügen. Nur bedingt । stützen kann sich Kallio auf die Sammlungs- ■ Partei, hie ihm zwei Mitglieder als Fachminister freigab. Damit ist aber noch keineswegs eine nicht- marxistische Mehrheit erreicht. Die Vaterländische Volksbewegung hat ihre Mitarbeit verweigert, und die zahlenmäßig stärkeren Schweden halten sich zurück, weil sie für ihre kulturpolitischen Belange als Zünglein an der Waage besser einzutreten hoffen.
So hängt eigentlich das Schicksal des neuen Kabinetts und überhaupt — bis auf weiteres — jeder Regierung vor allem von den Sch w e de n ab, die angesichts der immer stärker in Erscheinung tretenden Finnisierungsbestrebungen mehr denn je entschlossen sind, ihre Minderheitenrechte zu verteidigen. Die Schweden machen über 10 v. H. der Bevölkerung aus. Sie haben jahrhundertelang dieses Land beherrscht und sind auch heute noch kulturell und wirtschaftlich sehr einflußreich. „Finnisch und Schwedisch sind die Nationalsprachen her Republik", heißt es in der Verfassung Finnlands. Aber die Gleichberechtigung her schwedischen Sprache ist hart umstritten. Seitdem das russische Joch abgeworfen ist, sind die Gegensätze zwischen Fennomanen und Svekomanen wieder aufgelebt. Hauptgegenstand und Symbol dieses Sprachenkampfes ist die ehemals schwedische Universität Helsingfors, auf der seit 1932 in Schwedisch und Finnisch zu gleichen Teilen gelehrt wird. Nun sind die finnischen Nationalisten zum Generalangriff auf die schwedische Sprache übergegangen. Sie fordern restlose Fin- n i s i e r u n g der Universität und haben mit ihren Losungen auch in den breiten Massen ein leidenschaftliches Echo geweckt. Ein Beispiel: Hunderttausende von Finnen haben bereits ihre schwedisch klingende Namen in finnische umändern lassen. (Hier muß eingeschaltet werden, daß sich die sprachliche Front nicht immer mit der rassischen deckt. Zum meitans arößten Teil stellen die Finnländer rassisch eine Mchisung bar.) Die Schwedischsprechenden betonen zur Verteidigung ihre geschichtlich erwiesene kulturelle Sendung, die wiederum die „Echtfinnen" als beendet erklären. So wogt her Kampf hin und her. Gemäßigte Finnen, auch die Sozialdemokraten, suchen nach Kompromissen, denen die völkisch- radikale Aaitation immer wieder den Boden entzieht. Das Kabinett Kallio hat in seinem Programm hie Absicht bekannt gegeben, dem Reichstag einen Vorschlag zur Regelung her Unioersitätsfrage vorzulegen/Wenn es ben Finnisierungswünschen entgegenkommt, werben die Schweden nicht zögern, es bei her nächsten Gelegenheit aus dem Sattel zu heben. Eine solche Gelegenheit ergebe sich beispielsweise bei einer Aussprache über Aufrüstung von Heer und Flotte, die die Sammlungspartei beschleunigen will.
Das außenpolitische Programm des neuen Kabinetts dürfte bageaen her Opposition keine Angriffsflächen bieten. In her Regierungserklärung beißt es nur, baß „zielbewußt eine Politik b e 5 Friebens und her Neutralität" verfolgt werden wird. Friede und Neutralität sind immer die außenpolitischen Grundlagen des jungen Staates gewesen. Finnland will nicht in Sviel und Geaenspiel anderer Mächte verwickelt werden. Deshalb ist es — abgesehen vom Völkerbunds- und Kelloggpakt — beharrlich keine paktmäßigen Bindungen eingegangen. Selbst das enoe politische, wirtschaftliche und bis zu einem gewissen Grade kulturelle Verhältnis zu ben skandinavischen Staaten kann nur als Interessengemeinschaft bezeichnet werden, eine Gemeinschaft, die neuerdings auch in Genf zutage tritt. Die Linie her Neutralität hat Finnland unter dem Außenminister des voraufgegangenen Kabinetts H a ck z e l l auch eingehalten, als es sich, jedem Druck zum Trnß weigerte, Regionalpakten Variier und Moskauer Prägung beizutreten. Mit H o l ft i ist jetzt ein Mann in das Außenministerium gezogen, her bereits in her Nachkrieaszeck brei Jahre lang dieses Amt verwaltete. Sich herauszuhalten aus allen paktmäßigen Verstrickungen, wird auch für das Kabinett Kallio Leitsatz fein. Ministerpräsident Kallio wird alle Erfahrunaen, die er als mehrmaliger Regierungschef und Präsident des Reichstaaes gesammelt hat, einsetzen um Sieger zu bleiben in dem schönen Parlament, bas als Sinnbild finnischer Unabhängigkeit über Stadt und Schären ragt.
Paris, 16. Okt. (DNB.) Ministerpräsident Blum hatte am Donnerstagabend Besprechungen mit Außenminister Selbes und Kriegsminister Daladier über die Fragen, die vom diplomatischen und militärischen Standpunkt aus durch d i e Rede des Königs der Belgier aufgeworfen worden sind. Das französische Auswärtige Amt hält es für notwendig, festzustellen, welche Erwägungen dem Beschluß Belgiens zugrunde gelegen haben, um danach die Haltung Frankreichs festzulegen. Die Pariser Regierung will, sobald diese Prüfung durchgeführt ist, eine Note an hie belgische Regierung senden, in der Auf- schlust darüber verlangt werden soll, wie Belgien sich die Neutralität eigentlich vorstelle. In diesem Zusammenhang würden Fragen gestellt werden über die von Belgien auf Grund des Locarnovertrages von 1 9 2 5 übernommenen und am 19. März dieses Jahres in London nach der deutschen Kündigung des Locarnopaktes von Belgien eingegangenen Verpflichtungen. Desgleichen werde die belgische Regierung ersucht, sich darüber zu äußern, welche Rolle sie indem neuen Westpakt zu spielen gedenke, der unter Umständen abgeschlossen werden solle, und welche Rückwirkungen ihrer Ansicht nach die neue politische Orientierung Belgiens a u f die Abkommen der Generalstäbe beider Länder haben könnte. Ebenso müsse klargestellt werden, welche Haltung Belgien gegenüber dem Völkerbundspakt einzunehmen beabsichtige, besonders im Hinblick auf die Bestimmungen von Artikel 16, der die Zusammenarbeit sämtlicher Mitglieder des Völkerbundes gegen einen Angreifer organisiere. Inzwischen werde die französische Regierung sich mit der englischen Regierung ins Benehmen setzen.
Frankreich und der Kommunismus. „Gazeta Polska" stellt bedeutsamen Stimrirungsumschwung fest.
vorher in Kenntnis zu setzen. Die belgische Neutralität sei nicht so auszulegen, als schließe sie die Möglichkeit von General stabsverhand- langen mit anderen Ländern vollständig aus. Eine Jsolierungspolitik Belgiens fei unwahrscheinlich; Belgien könne niemals feine Sicherheit allein auf feiner Stärke aufbauen.
„Times" glaubt, einen der Gründe für die jetzige Politik darin sehen zu können, daß Belgien den französisch-sowjetrussischen Pakt und seine möglichen Rückwirkungen nicht schätze. „Daily Mail" führt die belgische' Neutralitätspolitik auf die Taktik Sowjetrußlands zurück. Belgische Minister hätten ben Franco-Sowjetpakt nie geliebt. Die Rede des Königs wird als eine Warnung an Europa bezeichnet, daß Belgien keine weiteren Verpflichtungen übernehmen wolle.
„Daily Expreß" behauptet, daß her belgische Schritt von der Opposition aus Flamen, Rexisten, belgischen Katholiken und Liberalen erzwungen worden sei. Das Ausbrechen aus der französischen Front sei her letzte Stoß gegen den zusammenbrechenden Völkerbund.
„Daily Herald" schreibt, daß Frankreich, wenn die Neutralitätspolitik Belgiens auf dem
her Sowjets, Europa zu beherrschen, habe die Sicherheitskrise beschleunigt. Vielleicht konnte habet doch noch etwas gutes herauskommen, wenn man den Mut habe, mit allen diesen Trümmern einer nicht einmal großen Vergangenheit aufzuräu» men, denn mas System her Nachkriegszeit habe nie geklappt.
Die „Journee Industrielle" meint: Belgien kehre nicht zu der entwaffneten Neutralität der Vorkriegszeit zurück, sondern zu einer gerüsteten Neutralität. Nichts fei ungeschickter, als ben belgischen Freunden eine Haltung zu verargen, zu der die französischen diplomatischen Fehler und die politische Unordnung in Frankreich Gründe beigebracht hätten. Im „F i g a r o" erklärt Wladimir d'Ormesson, an dem Kurswechsel in Belgien könne man ermessen, wieviel Frankreich seit dem 7. März 1936 verloren habe, und welche Verheerungen bte französische Innenpolitik in her außenpolitischen Stellung Frankreichs angerichtet habe. Belgien wolle sich vor allem von dem französisch- sowjetrussischen Zusammengehen frei machen. Wer vom Kommunismus spreche, gehe daran zugrunde. Vielleicht öffne aber die peinliche Warnung des Königs Leopold den Franzosen die Augen. Die kommunistische r a g e be» herrsche heutzutage alle in Europa, Auch Frankreich dürfe sie nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen. _ _ , ™ , ■
„Echo be Paris" erklärt: Der Bruch Belgiens mit hem französischen System bezeuge die tief- gehenbeZersetzung tiefes Systems. Die Fne» densverträge hätten überhaupt kaum eine anbere Grundlage als bieses System. Man habe nach hem polnischen Kurswechsel von 1934 ein Versagen Irgenbeines Staates derKleinenEntente erwarten können, aber niemand habe damit rechnen können, bah ein unmittelbarer Nachbar- ft a a t aus her Reihe breche. Man müsse jetzt be- fürchten, baß Polen und Rumänien eine fatale Anregung erhielten.
erreichen. Als solche kämen in Frage hie Mobilmachung her jetzt ftreifenben Arbeiter ober die Säuberung ber Fabrik von her Streik- besetzung unb die Einsetzung von entsprechenhen Facharbeitern ber Arsenale; wahrscheinlich werbe man ben letzteren Weg wählen. Neun Zehntel ber Belegschaft des Werkes, im ganzen 1250 Arbeiter unb 400 Angestellte, Zeichner, Ingenieure ufro., sollen übrigens arbeitswillig fein unb nur die Machenschaften von fünf anarchistischen Hetzern verhinderten die Wiederaufnahme ber Arbeit.
Verschärfung des Streiks der Seineschiffer.
Poris, 16. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der seit dem 21. September dauernde Streik der Sein^-Fluß- schiffahrt hat an zahlreiche Stellen zur Sperrung der Seine durch die zusammengelegten Reihen von Schiffskähnen und Schleppern geführt. Die Behörden sollen bereits Anweisung gegeben ha- ben, die in Frankreich verfügbaren unb burch ben Güterverkehr überall zerstreuten T a n k e i s e n - bahnwagen um die Hauvtstadt zusammenzuzie- hen, um nötigenfalls hie Versorgung von Paris mit Treibstoffen sicherzustellen. Im Seinehafen von Rouen haben streikende Flußschiffer einen Schleppei-, dessen Mannschaft sich nicht am Ausstand beteiligt hatte, gewa11samin die Sverre geschleppt. Nur noch drei Schlepper versehen den Dienst zwischen Le Havre und Rouen. Es sollen Maßnahmen getroffen worden sein, um zu verhüten, daß die Streikenden sich auch noch dieser drei Dampfer bemächtigten. In Rouen sind nicht weniger als 16 Schiffssperren quer über bte Seine gelegt. Die beiben Fernverkehrsverbindungen Paris —Rouen—Lonbon unb Paris—Rouen—Rotterdam haben den Derkehr eingestellt.
Verhandlungswege nicht geändert werden könne, eine neue Verteidigungslinie von 200 M e i l en aufbauen müsse. Man nehme an, daß der französische Generalstab sich sehr bald mit der neuen Aktion befassen werde. Die britische Regierung erwarte jedoch, baß Belgien keinen Schritt unternehmen werbe, ehe nicht Verhandlungen statt- gesunden hätten.
pariser Selbsterkennlms?
Die Folgen des Zusammengehens mit dem Bolschewismus.
Paris, 16. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Haltung der Pariser Morgenpresse gegenüber Brüssel ist auf Grund einer Parole des Quai d'Orsay beträchtlich sanfter geworden. Das kommt auch in einer Aeußerung des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses der Kammer, des Abgeordneten Mistler, im „Journal" zum Ausdruck. Der belgische Kurswechsel könnte dem Gedanken, den sich viele Franzosen von ber überlieferten französisch- belgischen Freundschaft gemacht hätten, widerspre- chen, aber er entspreche tatsächlich her Auffassung von zwei Drittel her bei« gischen öffentlichen Meinung. Seit bem Vertrage von Versailles sei viel Zeit vergangen, nur ber französische Rechtsformalismus bringe den Franzosen solche unangenehme Erfahrungen ein, wie die mit Belgien.
General Az an schreibt im gleichen Blatt: Belgien werde neutral fein, es bleibe aber der Freund Frankreichs, auch wenn es nicht mehr sein Verbündeter sei. Die Neutralität Belgiens nach allen Seiten könne Frankreich nicht benachteiligen. An anderer Stelle schreibt das Blatt: Das ganze Locarno-System sei verfälscht worden, weil man Sowjetrußland habe einführen wollen, das nicht mit Deutschland benachbart fei und sich a l 5 Unruhestifter erwiesen habe. Die Absicht
„Eine 3nfel des Friedens."
Belgische Pressestimmen zur Erklärung des Königs.
Brüssel, 16. Okt. (DNB.) Die Rede, in der der belgische König die neue Richtung der belgi» chen Außen- und Militärpolitik für die Zukunft eindeutig festgelegt hat, hat auf die belgische Oeffentlichkeit einen tiefen Eindruck gemacht. Mit größter Entrüstung wendet sich die |onft sranzo- enfreundliche Nation Beige gegen die un- achliche Stellungnahme der Pariser Presse, der das Blatt entgegenhält, daß das „unheilvolle" fran - zosisch-sowjetrussische Abkom m e n ben Verteidigern bes französisch-belgischen Bündnisses ihre Aufgabe besonders schwer gemacht habe. Die belgische öffentliche Meinung, die nicht einen Augenblick daran gedacht habe, auf die Verteidigung des belgischen Gebietes zu verzichten, habe sich entsetzt bei dem Gedanken, daß Belgien in einen Krieg verwickelt werden könne, um der schönen Augen der Sowjets wil- l e n. Das seien die Befürchtungen gewesen, denen die Rede des Königs entspreche. Das große Börsenblatt „Echo de la B o u r f e" sagt u. a., im Ausland schreibe man der Rede eine gewaltige Bedeutung zu. Das sei wichtig, aber in erster Linie sei die Rede für Belgien von ungeheurer Tragweite. Das Ausland wisse nunmehr, daß Belgien eine Insel bes Friedens und ber Ruhe bleiben wolle. Belgien wolle den Frieden. Es wolle nicht mehr in die Prestige- Auseinandersetzungen der Großmächte verwickelt werden.
Keine Lösung von den internationalen Verpflichtungen.
Paris, 16. Okt. (DNB.) Der Brüsseler Havas- uertreter will in belgischen diplomatischen Kreisen folgende Auslegung der Rede König Leopolds erhalten haben: Belgien denke nicht daran, feine internationalenVerpflich- tungen in den Papierkorb zu werfen. Es beabsichtige also nicht, sich vom Völkerbund zurückzu- ziehen. Zwischen dem früheren im Locarnovertrag enthaltenen Verpflichtungen und den Verpflichtungen des Völkerbundspaktes sei aber ein Spielraum vorhanden. Die belgische Regierung prüfe daher, wieweit sie sich feftlegen solle innerhalb der Grenzen, die einmal vom Völker- bunbspaft und zum anderen von den etwa später zu übernehmenden Verpflichtungen gezogen würden, mit anderen Worten, für Belgien handele es sich einzig und allein darum, festzustellen, inwieweit es d u r ch d i e Unterzeichnung eines neuen Westpaktes über die Verpflichtungen aus dem Völkerbundspakt hinausgehen müßte. Die diplomatischen Kreise Belgiens erklärten, daß Belgien, falls es an einem neuen Westpakt nur als garantierte, nicht aber als garantierende Macht teilnehme, sich dennoch an die Völkerbundsverpflichtungen gebunden halten würde unb folglich nicht baran benke, die Grundsätze ber kollektiven Sicherheit ,zu verwerfen.
Belgien will seine Neutralität durch eigene Krast sichern Oie Rede König Leopolds zur Erhöhung der Militärdienstzeii findet in Paris und London lebhaftes Echo.
Warschau, 16. Okt. (DNB. Funkspruch.) einem Pariser Artikel der „Gazeta Polska" wird hervorgehoben, wie stark sich seit bem Mai die Stimmung in Frankreich gegenüber der Volksfront" geändert habe. Es habe sich jetzt die lieber« zeugung gefestigt, baß ber Kommunismus in kurzer Zeit auf ber ganzen Linie bankrott gemacht habe, in ber auswärtigen Politik, wie in ber Sozial-, Wirtschafts- unb Finanzpolitik. Der Kommunismus fei zweifellos durch ben Verlauf ber Ereignisse in Spanien Diskreditiert worden. Der sowjetrussisch-französische Pakt zeige sich von Tag zu Tag mehr als riskante und gefährliche Unternehmung. Die französische Presse könne nicht verschweigen, daß die „verbündete" Sowjetdiplomatie systematisch Frankreich in Genf und außerhalb Genfs erhebliche Schwierigkeiten mache. Das gelte ebenso für die Fünfmächtekonferenz wie für die Neutrali- tät gegenüber Spanien. Nun bemühten sich die Kommunisten, ernsthaft Zwischenfälle an ber Rheingrenze hervorzurufen. Die französische Oeffentlichkeit, die sich mit der Frankenabwertung habe abfinden müssen, glaube nicht an eine günstige Weiterentwicklung, wenn nicht der Kommunismus als Regierungsfaktor in Frankreich liquidiert werde.


