Mißtrauen bet ’.beiu|i>u}yipitte fuhr nun Der Ztvi- lift Lawrence in bas Hedschas, mit klaren Plänen im Kopf, wie ber schwächliche Aufstanb Husseins flum Erfolg zu bringen wäre. Er suchte im Laube Den einheimischen Führer, ber als Prophet bie Fahne bes Aufruhrs entrollen konnte; „Denn nicht Verstand, Urteil, politische Klugheit, sonbern nur bie Flamme ber Begeisterung vermochte bie Wüste in Branb zu setzen." Er fanb ben Propheten, als er Husseins Sohn Faisal begegnete; auf ben ersten Blick fühlte er, dies sei ber Mann, „ber bie Erhebung Arabiens zum glorreichen Ende führen würbe". Er begrüßte ihn in ber Mitte seiner Unterführer. „Wie gefällt bir unsere Stellung hier im Wadi Safra?" fragte ihn Faisal. „Gut; aber sie ist weit von D a m a s k u s", entgegnete Lawrence unb berichtet weiter: „Das Wort war wie ein Schwert unter sie gefallen ..
Von ba an bis zur Eroberung von Damaskus ritt er, balb an Faifals Seite, halb von ihm getrennt, als „Berater" zwei Jahre lang burch bie Wüste, in arabischer Kleibung unb eingegangen in arabischen Lebensformen; immer in ber Führung, Triebkraft unb Seele bes Unternehmens, ber ebenso bie Kampflust ber Führer unb bie Stimmung bes Volkes aufstachelte, wie er bie Pläne machte, bie Strategie unb bie technischen Methoden entwarf ober bie materiellen Mittel ber englischen Armee für ben Aufstanb mobilisierte. Die Ritte unb Beratungen, bie Feldzüge, Bahnsprengungen, Aufwiegeleien, Intrigen, Rückschläge, Nieberlagen unb Siege bis zum Enbe, alles steht genau in feinem Buch verzeichnet, mit einer Ausführlichkeit unb Präzision, bie nichts zu wünschen übrig läßt. Das Wesen unb ber Verlauf bes arabischen Krieges tritt mit einer ungeheuren Deutlichkeit vor unsere Augen; bie langsame Zermürbung unserer türkischen Derbünbeten rollt wie ein dramatischer Film vor uns ab.
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Die Schilberungskunst bes Schriftstellers Lawrence in ber Darstellung von Landschaften, Menschen, Situationen unb Vorgängen ist so außerordentlich, baß wir in ihr bie triftigste Ursache für ben phantastischen Erfolg seines Kriegsberichtes sehen müssen. Sie hat ihm schon bas hohe Lob von Bernharb Shaw eingetragen, ber einmal im „Spectator" schrieb: „Er kann jeben Schauplatz, jeben Vorgang burch seine einfache Art ber Beschreibung mit solcher Lebendigkeit vor uns erstehen lassen, als wenn wir mit eigenen Augen unb Ohren dabeigewesen waren. Von tausenb Beobachtern würben 999 bie Einzelheiten nicht bemerkt haben, von benen fein Bericht strotzt..Die Landschaft unb bie Menfchen sind in einer unerhörten Weise lebendig und alles vibriert vor innerer Spannung. Rur so ist bas Außerordentliche möglich, daß bie im Grunde gänzlich gleichförmigen Geschehnisse zweier Jahre (der Hauptteil ber Kriegführung bestand in Bewegungen unb Bahnzerstörungen) in einer so monotonen Landschaft, durch 850 Seiten mit allen Einzelheiten exakt beschrieben, ben Leser von Anfang bis zu Enbe gefesse-lt halten unb nicht einen Augenblick loslassen. Jede Beobachtung setzt sich in Handlung um, alles wird zusammengehalten und vorwärts- getrieben durch das große Ziel — Sieg über den Feind unb Eroberung von Damaskus — und belebt durch trockenen Humor wie durch unerbittliche Reflexion. Der Einzug in Damaskus wird auf folgende Weise geschildert:
„Damaskus wurde toll vor Freude. Die Männer schleuderten jubelschreiend ihre Tarbusche in die Luft, die Frauen rissen ihre Schleier vom Gesicht. Die Hausbesitzer streuten Blumen, breiteten Teppiche und Vorhänge vor uns auf den Weg; ihre Frauen lehnten sich, schreiend vor Lachen, durch die Gitterfenster und überschütteten uns mit ganzen Eimern von Wohlgerüchen. Die Derwische gaben die Läufer ab vor und neben unserem Wagen und stachen sich mit Messern in wilder Raserei. Und über dem allgemeinen Geschrei ber Menge und dem Kreischen der Frauen dröhnte wie in rhythmischem Gesang der Ruf tiefer Männerstimmen: ,Faisal, Nasir, Schukhri, Urens (Lawrence)^." —
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Ob Lawrence heute noch ein m a l so triumphierend als Befreier begrüßt würde, läßt sich billig bezweifeln. Das Endergebnis feines Auf-
stands sind die blutigen Revolten, die neulich das französische Mandatsgebiet Syrien erschütterten. Er sagt einmal, er habe die Sache der Araber zu seiner eigenen gemacht; aber in Hunderten von Sätzen bricht auch die Wahrheit aus ihm heraus, die er vor feinem empfindlichen Geist nicht verbergen kann: daß er nämlich die Araber für feine Sache verbluten ließ. Und das heißt: für Englands Sache. Er peitschte sie in den Aufstand ür die Freiheit, die er ihnen verbürgte und ver- prach — und er wußte gleichzeitig, daß England chon das Land unter s i ch und seinen Verbündeten aufgeteilt hatte. Er stellt Fai - s a I heraus als den großen nationalen Führer — in Wirklichkeit war er nichts als ein von Lawrence für englische Zwecke ausgenutztes Werkzeug. (Ibn Saud, der sich nachher als der wahre Vertreter der arabischen nationalen Ziele erwiesen hat, spielt für ihn keine Rolle.)
Diese ungeheure innere Zweideutigkeit macht die Schilderungen des ganzen Buches zweideutig, um in den letzten Kapiteln in wahrhaft verzweifelter Reflexion aus dem Inneren des Mannes herauszubrechen, der nach feinen eigenen Worten die Araber unter falschen Vorwä n d e n in den Aufstand trieb und eine falsche Autorität über die von ihm Betrogenen ausübte. Mit seinem unerbittlichen Geist konnte er die Wahrheit nicht vor sich selbst verhehlen, daß er mit seiner überragenden Propagandakunst die Freiheitsidee der Stämme für den englischen Imperialismus mißbrauchte, und am Ende ging er, äußerlich als Sieger, innerlich ausgehöhlt und verwüstet aus der Unternehmung hervor. Die selbstzerstörende Wirkuna seines
ZdR. Einst hat man landwirtschaftliche Ausstellungen in deutschen Großstädten aus ganz anderer innerer Haltung heraus und deshalb aus ganz anderen Gründen als heute veranstaltet: Der Stadt und der Welt und einem für rückständig gehaltenen Bauerntum sollte gezeigt werden, daß man gewisse liberale vornehmlich in der Großstadt angesehene und gepflegte Prinzipien auch auf dem Lande, wenigstens in den größeren Betrieben, anzuwenden wisse. Heute dagegen sollen den Bewohnern der Stadt die Augen darüber geöffnet werden, daß sie blutsmäßig, seelisch, geistig und materiell vom deutschen Bauerntum getragen werden. Früher führte der Weg der ausstellenden Landwirtschaft ideenmäßig zur Großstadt hin. Heute wird die Großstadt zunächst ideenmäßig aufs Land geführt.
Einst führte also bewußt oder unbewußt die alljährliche große Landwirtschaftsausstellung ihren Besucher vor Augen, daß man auch in der Landwirtschaft liberale, großstädtische und weltmännische Prinzipien beherrsche. Es war deshalb die Feststellung durch alle Teile der Ausstellung hindurch geradezu entscheidend: wir von der Landwirtschaft sind rationalisiert, industrialisiert, mechanisiert. Es erschien damals wichtig, Überall den Nachweis zu führen, daß man Meister in der Rentabilitätsbetrachtung sei, daß man sich völlig klar sei über die Wareneigenschaft des Bodens, über die Rentenerfordernisse des Pflanzenbaues, der Tierhaltung, der Maschinenanwendung. Bedauernd stellte man dabei fest, daß die Böden, das Klima, kurz die Natur sich der Normierung entziehe und so das Streben nach höchster Verzinsung der in die Landwirtschaft investierten Kapitalien erschwere. Der Großstädter sprach im allgemeinen über solche Einstellung seine warme Anerkennnung aus. Er empfand auch die ausgestellten Erzeugnisse als beachtenswerte Leistung, in den ausgestellten Maschinen sah er ein Werk seiner Hände, in den Reniabilitätsbeteuerungen aller Landwirtschaftszweige eine Wiederholung seiner eigenen Anschauung.
Dann kam das Jahr der Wiedergeburt des deutschen Volkes. Der Nationalsozialismus brachte völlig neue Ideen und Grundsätze, völlig neuen Gestältungswillen und neue Formungskraft. Ein
Betruges auszuhalten, war er nicht robust genug. Aber konsequent dafür zu handeln, ließ er sich nicht hindern. Die englische Leitung machte sich keine Skrupel; sie setzte „das Dokument A für den Sheriff, das Dokument B für die Alliierten, das Dokument C für das arabische Komitee schließlich noch in Widerspruch zu Dokument D für Lord Rothschild, eine neue Macht, dessen Volk man zweideutige Versprechungen in Hinsicht auf Palästina machte." Der Erfolg heiligte diese skrupellose Großzügigkeit.
Man weiß, wie die Dinge nach Kriegsende gekommen sind. Faisal wurde zugunsten der Franzosen in Syrien preisgegeben und bekam als Dasallenkönig das Irak, wo er, und noch mehr sein ihm folgender Sohn Gasi, dann doch mehr Selbständigkeitsstreben zeigte als den Engländern lieb war. Sein Vater Hussein behielt Hedschas, wurde aber von Ibn Saud aus seiner Hauptstadt Mekka vertrieben und starb in Europa. Husseins zweiter Sohn Abdullah erhielt ein kleines Reservat in dem abgetrennten Zwischenstück Transjordanien, Palästina wurde britisches Mandat. Aber einen drohenden Schatten über die englisch-französischen Vasallenstaaten wirft das freie Jnnerarabien, wo der nur arabisch denkende Ibn Saud seine Herrschaft immer stärker befestigt und vorschiebt. Ein freies Großarabien mag wohl auch der persönliche Traum von T. E. Lawrence gewesen sein. Aber daß es ein Traum bleiben würde, Darüber war er sich nie im Zweifel. Er hat als britischer Imperialist seine eigene Aufgabe gesehen und sie durchgeführt unter Preisgabe seines eigenen Selbst.
Aufbauwerk von unvorstellbarer Tragweite wurde begonnen und ohne Aufenthalt fortgeführt. Die Idee von Blut und Boden wurde zur Kernidee der neuen deutschen Bluts-, Raum-, Schassens- und Wehrgemeinschaft. Die Phantome der Internationale wurden verjagt, die Vergötzung des geschäftstüchtigen Einzelmenschentums beseitigt, die Herrschaft des privaten ökonomischen Prinzips gebrochen durch die völkische Gemeinschaft, durch die gemeinschaftsgebundene Persönlichkeit, durch das Prinzip der Leistung für die Gemeinschaft. Der Weg dieses Ausstieges führte von der politischen Sammlung der aufbauenden Kräfte zur Rechtsgestaltung der neuen Gemeinschaft. So wurden das Reichsnährstandsgefetz, das Reichserbhofgesetz, die Marktordnung mit einer Die gesamte deutsche Kultur, Rechtsgestaltung und Wirtschaft erfassenden Wirkung geschaffen. Die Idee von Blut und Boden.ist die Idee des neuen deutschen Lebens. Nie in der Geschichte unseres Volkes sind die in feine geistigen und materiellen Substanzen bisher ruhenden und auch die schon wirksamen Kräfte zu so einheitlicher Gesamtwirkung und so absoluter Gestaltungsfreudigkeit verschmolzen worden, wie durch den Nationalsozialismus.
Wenn sich demgemäß heute Der Reichsnährstand) anschickt, Dem deutschen Volk und der Welt fein Werk in Frankfurt ausstellungsmäßig zu zeigen, so entspricht es seinem Wesen als deutscher Leistungsgemeinschaft, eine Leistungsschau des deutschen Bauerntums und der deutschen Landwirtschaft darzubieten: dem Bauern und Landwirt, um ihn die geballte Kraft seiner großen Leistungsgemeinschaft spüren zu lassen und ihm Belehrung und Antrieb für seine kommenden Arbeiten zu geben; dem städtischen Menschen, um ihm den biologischen Rang des Bauerntums eindringlich vor Augen zu führen, dessen bodenständige Erzeugungsleistungen umfassend zu zeigen und von der großartigen Disziplin der gesamten deutschen Erzeugung einen klaren Begriff zu geben.
Nicht zuletzt aber kann in Der Schau ein Ausdruck dafür gesehen werden, daß Der Reichsnährstand und die deutsche Landbauwissenschaft und -Forschung ein und dasselbe Ziel in engster Ideen- und Arbeitsverbundenheit verfolgen, nämlich dem deutschen Volk Die Nah-
ReichsiWNlaiibsslyau uni) tandbauwiffenschast.
23on Prof. Dr. Konrad Meyer, Berlin, Obmann des Forschungsdienstes.
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Die große schweDische Filmkünstlerin GretaGarba ist von ihrem Urlaub in Der Heimat nach Amerika zurückgekehrt. Die große Scheu, Die sie sonst vor den Zeitungsleuten hatte, scheint sich offenbar etwas gemildert zu haben. Man sieht sie hier an Bord Der „Gripsholm". — (Scherl-BilDerDienft-M.)
rungsforgen zu nehmen und feine N a fjrungs- f r e i i) e i t für immer zu sichern. Für Die Allgemeinheit weniger sichtbar, für Den Aufgeschlossenen aber Doch erkennbar und eindrucksvoll steht in der Front der Erzeugungsschlacht heute die geschlossene Gemeinschaft aller deutschen Landbauwissenschaftler, ber Forschungsdienst. In energischer Arbeit ist dieser dabei, alle wesentlichen Fragen der deutschen Selbstversorgung wissenschaftlich gründlich und mit möglichster Beschleunigung zu untersuchen und zu beantworten und gesicherte Forschungsergebnisse Dem Reichsnährstand zum Einsatz in Die praktische Erzeugung bzw. Erzeugungssteigerung zur Verfügung zu stellen. In hundert engeren Arbeitsgruppen und -Kreisen des Forschungsdienstes sind Die DrängenDften Fragen Des Acker- unD Planzenbaues und Der Pflanzenzüchtung Der Pflanzen- und Tierernährung, Der Tierhaltung unD Züchtung, Des Gartenbaues, Der landwirtschaftgewerblichen Verarbeitung und Der Dorratswirtschaft, Des landwirtschaftlichen Maschinenbaues und der Maschinenanwendung sowie der gesamten Hof- und Betriebsgestaltung aus der nationalsozialistischen Leistungsidee heraus in Angriff genommen, zum Teil auch gelöst und schon in der Erzeugungsschlacht wirksam. Und es gibt kein Gebiet lebenswissenschaftlicher Forschung, zu dem Der ForschungsDienst nicht unmittelbarste Verbindung unterhielte. Das gilt vor allem für Das fundamentale Gebiet Der Raffeforschung und -Pflege. Nicht zu vergessen bei Der Aufzeichnung des neuen Arbeitsweges Der im Forfchungsdi n't vereinigten LanDbaufvrfcher ist die Erschließung des gesamten alten und neuen landbauwissenschastlic^ n Schrifttums mit Hilfe Der Zeitschrift „Der Forschungsdienst", die Anordnung aller wertvollen im Schrifttum enthaltenen Erkenntnisse auf Der Linie gemeinsamen politischen Wollens und ihr Einsatz in Forschung unD Praxis.
Nie genoß einsatzbereite Wissenschaft so hohes Ansehen wie heute. UnD so kann man aussprechen, daß Die Landbauwissenschaft, obwohl sie ihre weltanschauliche Lehrzeit noch nicht beendet hat, doch zahlreiche Proben erfolgreicher Mitwirkung in der Erzeugungsschlacht abgelegt hat. Es gibt keine Ar-
Danke, Fran Fischer!
(Sine Geschichte von Peter Mattheus.
Am Morgen war Herbert Bölk in Urlaub gefahren. Mit dem Rucksack auf Dem Rücken unD einer Reisetasche in Der Hand hatte er sich von feiner Zimmerwirtin verabschiedet.
„Also — gute Erholung und gutes Wetter wünsch' ich Ihnen", hatte die rundliche Frau Fischer gesagt. „Kommen Sie gesund zurück und denken Sie in Den zehn Tagen auch ruhig mal an zuhaus. Schreiben Sie mir eine Ansichtskarte."
Hermann Bölk hatte ihr lachend Die Hand geschüttelt und war die Treppe hinuntergestampft. Mit seinen genagelten Stiefeln. Frau Fischer hatte feine Schritte bis hinab in den Hausflur gehört.
Das war am Morgen gewesen.
Gegen Abend klingelte es plötzlich an der Wohnungstür. Frau Fischer ging und machte auf. Drausien stand ein junger Mann mit einem Köfferchen m der Hand und schwenkte den Hut.
„Guten Abend, Frau Fischer", rief er fröhlich, „da bin ich!"
Frau Fischer guckte ihn befremdet an. „Hm, scheint mir auch, daß Sie da sind", meinte sie kühl. „Aber ich weiß wirklich nicht ..."
Der junge Mann setzte hastig das Köfferchen hin und griff sich an die Stirn. „Lieber Himmel!" sagte er erschrocken. „Hat Herbert Ihnen etwa nichts gesagt? Sollte er das vergessen haben?"
„Wenn Sie Herrn Bölk meinen", sagte Frau Fischer mit unverminderter Kühle, „so hat er ganz bestimmt vergessen. Er hat mir nichts gesagt.
„Das ist sehr unangenehm", sagte der junge Mann und starrte Frau Fischer betroffen an. „Das ist sehr unangenehm. Ja, also ...", er riß sich zusammen und machte eine Verbeugung, „Timme ist mein Name — Alex Timme. Die Sache ist nämlich Die, daß ich Die Nacht hier schlafen wollte."
„Ach?" sagte Frau Fischer nur. Sonst nichts.
„Jawohl ..." Der junge Herr Timme nickte eifrig. „Herbert und ich sind nämlich gute Freunde, wissen Sie; wir arbeiten beide im gleichen Betrieb. Ich wohne weit draußen in einem Borort und habe heut hier in der Nähe eine Familienfeier vor, bei
Der es vermutlich etwas spät werden wird. Und da hat mir Herbert angeboten, in seinem Zimmer zu übernachten, weil es doch ohnehin leer steht — er ist doch heute früh gefahren, nicht? — und weil ich doch so spät keine Verbindung mehr nach Hause habe. Und nun ... ja — hm — was machen wir Denn jetzt?" s
Alex Timme sah schrecklich unglücklich aus und blickt Frau Fischer hilfeflehend an.
„Na", sagte sie, nachdem sie ihn ein Weilchen schweigend gemustert hatte, „wenn Herr Bölk Sie
eingeladen hat, muß ich Sie ja wohl aufnehmen. Ich hoffe nur", fügte sie etwas schärfer hinzu, „daß Sie nachts nicht betrunken hier erscheinen werden!"
„Aber nein, ich trinke Überhaupt nicht", versicherte Alex Timme.
„Also gut — dann kommen Sie", sagte Frau Fischer und führte ihn den Flur entlang in Herbert Bölks Zimmer.
Herr Timme stellte seinen Koffer ab und sah sich in Dem großen, gemütlichen und blitzsauberen Raum um. „Donnerwetter, der Herbert hat's aber hübsch hier!" sagte er anerkennend. „Das lasse ich mir gefallen."
„Nun ja", sagte Frau Fischer, „er ist ja auch ein guter und angenehmer Mieter. Bloß schade, daß ich die schöne Tapete überstreichen lassen muß. Uebermorgen kommt der Maler. Herr Bölk sagt ja immer, daß ihn das Grün nervös macht. Er kriegt Augenflimmern davon."
Alex Timme blickte eine Weile schweigend die Tapete an, die ein dunkelgrünes Slattmufter auf hellerem Grunde zeigte. „Hm — ja", sagte der endlich, „mit Herberts Augen ist was nicht in Ordnung. Er müßte mal zum Arzt gehen. Ich hab es ihm schon oft geraten."
„Sehr vernünftig", erklärte Frau Fischer und nickte nachdrücklich. „Aber diese jungen Leute! Hören sie vielleicht auf einen? Was sagen Sie Denn do^u, daß Herr Bölk an Die See gefahren ist? Um diese frühe Jahreszeit? Es ist doch noch viel zu falt für die See. Wenn er Pech hat, regnet es die ganzen zehn Tage, und er hat überhaupt nichts von feinem Urlaub. Konnte er nicht in die Berge fahren?"
„Sehen Sie, Frau Fischer", sagte Timme eifrig, „genau dasselbe habe ich gesagt! Herbert, hab ich gesagt, was willst du jetzt an der See? An Baden ist doch noch gar nicht zu denken. Fahr doch lieber ins Gebirge! Aber auf mich hat er natürlich auch nicht gehört."
Er zuckte die Achseln.
Frau Fischer war ans Fenster getreten und sah durch die blankgeputzten Scheiben auf die Straße hinaus. „Warum sagen Sie eigentlich immer Herbert — warum sagen Sie nicht Bully?" fragte sie plötzlich.
Herr Timme bekam einen roten Kopf und hustete.
„Ich... hm...", stammelte er, „ich ..."
„Na ja", unterbrach ihn Frau Fischer, „alle seine Freunde nennen ihn doch so. Ich wundere mich schon Die ganze Zeit, Daß Sie immer Herbert sagen."
„Aber ich nenne ihn natürlich Bully!" sagte Herr Timme lachend. „Ich wußte nur nicht, daß Sie wissen, daß er so genannt wird."
„Dann ist das ja in Ordnung", sagte Frau Fischer und ging zur Tür. „Ich nehme an, Sie werden sich ein bißchen ausruhen wollen, ehe Sie sich für Ihr Fest umziehen. Das tun Sie nur. Ich gehe nachher
ins Kino und gebe Ihnen vorher Die Schlüssel herein."
Sie verschwand. Einige Zeit darauf klopfte sie und überreichte Herrn Timme die Schlüssel. Dann ging sie und machte Die Wohnungstür laut und Deutlich hinter sich zu. —
Sie ging keineswegs ins Kino. Sie ging schnurstracks zum nächsten Polizeirevier und erzählte dem Vorsteher dort eine lange Geschichte.
„Beste Frau Fischer!" sagte der Beamte schließlich in einem Zustand gelinder Verzweiflung. „Wie kommen Sie nur darauf. Daß Der Mann ein Zimmer- Dieb ist. Sie haben doch nicht Die geringsten Beweise."
„Bester Herr!" ermiDerte Frau Fischer seelenruhig. „Ich weiß nur eines nicht: wie der Mann erfahren hat, daß Herr Bölk heute früh abgereift ist. Sonst habe ich für alles Beweise. Und nun tun Sie mir den einzigen Gefallen und verhaften Sie den Mann, ehe es zu spät ist."
„Aber Sie riskieren eine Beleidigungsklage!" meinte der Beamte.
„Daß ich nicht lache!" sagte Frau Fischer.
Mit einem Achselzucken ging der Vorsteher hinaus. Als er nach einer knappen halben Stunde zu Frau Fischer zurückkehrte, machte er ein gänzlich anderes Gesicht.
„Potz Wetter ja — Sie haben vollkommen recht gehabt", erklärte er. „Der Kerl war gerade dabei, die Sachen Ihres Mieters einzupacken. Und wir wissen auch schon, daß er sonst einiges auf Dem Kerbholz hat. Nun sagen Sie mir bloß: wie finD Sie Darauf gekommen?"
„Mein Himmel, man hat ja fein bißchen Verstand, nicht wahr?" sagte Frau Fischer bescheiden. „Die Sache kam mir gleich so mulmig vor... Herr Volk sollte etwas vergessen haben? Herr Bölk vergißt nichts! Da habe ich Dem Jüngling eben etwas auf Den Zahn gefühlt. Er hat mir erstens gesagt, daß Herr Bölk schwache Augen hat. Herr Volk hat die gesündesten Augen von Der Welt — unD Grün ist außerdem seine Lieblingsfarbe. Dann hat er nicht gewußt, daß Herr Bölk die See nicht mag und selbstverständlich ins Gebirge gefahren ist. Immerhin merkwürdig für einen so guten Freund. Und schließlich hat er erklärt, daß er Herrn Bölk Bully nennt. Wissen Sie, ich mußte beinahe lachen. Kein Mensch sagt nämlich Bully zu Herrn Bölk. Der würde sich schon wundern. Na, und da war Die Sache ja ziemlich klar, nicht?"
„Hmhm", machte Der Herr Reviervorsteher. Aber so ganz klar war ihm die Sache eigentlich noch immer nicht. Trotzdem schüttelte er Frau Fischer kräftig die Hand und sagte: „Danke, Frau Fischer!"
Und genau dasselbe sagte Herbert Bölk, als er zehn Tage später braun und knusperig von seinem 1 Urlaub zurückkam. Er riß, als ihm Frau Fischer
berichtet hatte, erst einmal Den Schrank unD Die Kommode auf und sah nach, ob alles noch da war. Dann schlang er beide Arme um die rundliche Wirtin, walzte stürmisch mit ihr durchs Zimmer und versetzte ihr zum Schluß einen schallenden Kuß mitten auf Den Mund.
„Danke, Frau Fischer!" sagte auch er.
Veränderungen im personal des Gießener Stadttheaters.
Mit Ablauf Dieser Spielzeit treten im künstlerischen Personal Des Gießener StaDttheaters foIgenDe Veränderungen ein. Aus Dem VerbanDe Des Stadttheaters scheiden aus die Damen: Luise Decker, Cissie H e n ck e l l, Aenne Markgraf, Emmi Hagemann, Helene Wacker; Die Herren: Ludwig Mosbacher, Hans von Spallart, Rudolf Hille, Karl Tank und Heinz Weiser.
Neuverpflichtet wurden für die Spielzeit 1936/37: der Dichter Theodor H a e r t e n (Berlin) als Oberspielleiter des Schauspiels; ferner die Damen Maria Gerhardt (Hanau), Charlotte Krause (Darmstadt), Hansi Prinz (Außig), Irmgard Zenner (Wilhelmshaven), Hildegard Jachnvw (Zürich), Ilse Laskus (Gera); die Herren: Victor von Gschmeidler (Außig), Fritz Walter (Mannheim), Günther Winkel (Leipzig), Alfons F o r ft n e r (München), Hans H. Hampel (Gera), Paulus K u e n (St. Gallen) und Ernst August Waltz (Rudolstadt). — Die Spielzeit schließt mit der Aufführung von Shakespeares Komödie „Ende gut, alles gut" unter der Spielleitung des Intendanten am zweiten Pfingstfeiertag.
Schottische perlen.
Demnächst will man in Schottland die Perlenfischerei wieder aufnehmen, die über ein Jahrhundert lang geruht hat. Verschiedene Fischer an der Mündung des Tay sind schon dabei, die dazu notwendige Ausrüstung zu beschaffen. Die schottische Perlenfischerei geht bis auf die römischen Zeiten zurück, und Suetonius berichtet von Cckesar, daß ihn eine Landung in England gerade der dort vorkommenden wertvollen Perlen wegen sehr angelockt habe. Während desMittelalters hatte Schottland eine sehr beachtliche Perlenausfuhr. Die wertvollste Perle wurde 1620 im Kellie-Fluß in Der Nähe von Aberdeen gefunden und bildet heute eine Zierde in Der schottischen Krone Der englischen Könige. Allein in den Jahren 1761 bis 1764 kamen aus Dem Tay bet Perth Perlen im Gesamtwerte von rund 300 000 Mark auf Den Londoner Markt. zi.


