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Samstag,.Wai 1956

M.U4 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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Oer französische Mensch

Äon Dr. Roderich v. Llngern-Gternberg

schlechthin und der Anspruch, wonach als Norm aufzufassen sei, was aus dem französischen Kultur­kreis heroorgeht, sowie die offensichtliche Abneigung des typischen Franzosen, sich mit ausländischen literarischen oder künstlerischen Errungenschaften auseinanderzusetzen.

Um für französisches Wesen Verständnis zu ge­winnen, ist es ferner erforderlich, sich die viel zu wenig beachtete Tatsache gegenwärtig zu halten, daß das französische Volk, wie jede Bevölkerungs­zählung und aufmerksame Beobachtung lehrt, sehr stark, stärker als die nördlichen und östlichen Nach­barn, mit dem Ackerbau verbunden ist und bäuer­liche Lebensverhältnisse auch heute noch bei weitem vorwiegen. Der Umstand aber, daß in die­sem Lande seit Urzeiten man nimmt an, schon 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung Ackerbau getrieben worden ist, hat das Wesen des franzö­sischen Menschen sehr stark beeinflußt und charakter­lich geprägt. Der typische Franzose ist entweder Bauer oder bäuerlicher Abstammung, und aus dieser Herkunft lassen sich zwanglos viele Charakter- eigenschaften des Franzosen erklären, denn es ist, wie Nietzsche sagt,aus der Seele eines Menschen nicht wegzuwischen, was seine Vorfahren am lieb­sten und am längsten getrieben haben". Diese Eigenschaften sind folgende:

Der konservative Zug des französischen Lebens ist ein Grundzug bäuerlichen Wesens. Es überrascht immer wieder festzustellen, wie wenig eilig es der technische und betriebswirtschaftliche Fortschritt im heutigen Frankreich hat und wie trotzdem oder vielleicht gerade deshalb? Wohl­stand und gute Laune allenthalben vorherrschen. Gerade die französische Landwirtschaft wird in er­staunlich großem Umfang noch in Altväterweise be­trieben und die französischen agrarischen Erzeug­nisse spielen auf dem Weltmarkt infolge mangel­hafter kaufmännischer Organisation, im Vergleich zu denjenigen Dänemarks, Hollands oder Belgiens, eine sehr geringe Rolle trotz ihrer ausgezeichneten Qualitäten. Auch in der Industrie ist der Klein- und Mittelbetrieb sehr viel stärker erhalten als in den Nachbarländern. Der handwerkliche Be­trieb ist typisch und vorwiegend, vielfach noch ohne jede moderne Errungenschaften. Neuerungen liegen dem französischen Menschen, der in vieler Beziehung sehrunmodern" ist, im allgemeinen nicht, und er wird durch eine neuerungssüchtige Konkurrenz im eigenen Lande, die infolge der fast stagnierenden Bevölkerungsvermehrung nicht vorhanden ist, auch nicht zu ihnen gezwungen.

Die sprichwörtliche französische Sparsamkeit, die Dorsorglichkeit und Arbeitsamkeit sind gleichfalls typische bäuerliche Eigenschaften und den meisten Franzosen in sehr hohem Maß eigen. Frankreich ist bekanntlich das Land der Kleinrentner, die jederlargesse entbehren, in Geldgeschäften knauserig zu sein pflegen, emsige Sparer sind und jedes Risiko ablehnen. Deshalb fällt es auch in Frankreich recht schwer, für ein industrielles Unter­nehmen die Gelder der Sparer zu gewinnen, die eine sichere Staatsrente, selbst eine ausländische, auch heute noch unbedingt vorziehen, trotz aller schlechten Erfahrungen, die sie zum Beispiel mit der Sowjetunion gemacht haben.

Der ausgesprochene Individualismus und die Eigenbrötelei des Franzosen mag wohl irgend­wie in ihrer keltischen Abstammung, also in Rassen­anlagen, begründet sein. Aber der bäuerliche ländliche Jndividualbesitz hat diesen Individualismus jedenfalls besonders stark entwickelt. Jeder typische Franzose will als Einzelpersönlichkeit gewertet und gewür- digt werden, und nicht als Glied irgendeiner 23er» einigung oder Gruppe. Das gesellige Wesen der Franzosen steht mit diesem Wunsche nicht m Wider­spruch, denn die Geselligkeit dient dem Franzosen dazu, sein Ich in der Unterhaltung, die er gerne um sich vereinigt, zur Geltung zu bringen. Jede Art von Bevormundung ist den Franzosen in höchstem Grade zuwider, daher ist er auch dem Staat gegen­über gegnerisch gesinnt, so leidenschastlich er auch sein Land (terre natale) liebt. Aus der engen Ver­bundenheit des Franzosen mit der heimatlichen

Mallorca.

Don Dr. Fritz Zessel, Madrid.

Als der Deutsche noch ohne Devisenschwierigkeiten seine Reisen ins Ausland machen konnte, da zog es ihn immer mehr nach Italien als nach Spanien. Worin die Gründe zu suchen sind, das mag hier unerörtert bleiben. Für denjenigen, der Rühe und Erholung suchte, der sich ganz den landschaftlichen Schönheiten hinaeben wollte, galt stets die Insel Capri als ein sehr bevorzugter Ort. Und doch kann ihr Mallorca in jeder Beziehung die Waage halten. Es ist bedauerlich, daß diese Insel vielfach nur dem Namen nach bekannt ist.

Mallorca, die größte Insel der Balearen, ver­dankt seinen Namen dem lateinischen majorica und heißt diegrößere" im Gegensatz zu Menorca, der kleineren" der beiden Hauptinseln. Seine Geschichte ist mit wenigen Worten umrissen. Infolge seiner bevorzugten Lage im Mittelländischen Meer ist es das ganze Mittelalter hindurch der Zankapfel der kolonisierenden und seefahrenden Völker gewesen. Als die Karthager Spanien eroberten, unterwarfen sie auch diese Insel. Mit dem Untergang Karthagos ging sie in römischen Besitz über. Eine Zeitlang gehörte sie den griechischen Kaisern, um dann län­gere Zeit ein Bestandteil des arabischen Reiches zu sein, als dieses Volk sein Banner in Spanien auf- geps'lanzt hatte. Im Jahre 1229 kam der conquista- dor (Eroberer) Jaime I. (Jakob) und verleibte die verträumte Insel dem Königreich Aragon ein. Mit kurzen Unterbrechungen gehört sie seitdem zu Spanien.

Die Herkunft der Mallorkiner ist zweifelhaft. So­viel steht aber fest, daß der häufige Besitzwechsel nicht ohne Einfluß aus die Bewohner geblieben ist. Wie dem auch sei, durch ihre Geschlossenheit haben sich die Inselbewohner eine eigene Sprache erhalten, so daß sie alle mehr oder weniger Zweisprachler sind, denn das Kastellanische (wie man meistens sagt, nicht Spanisch) ist die Amts- und öffentliche Verkehrssprache. Die Sprache der Eingeborenen ist verwandt mit dem Katalanischen, das sogar eine eigene Schriftsprache entwickelt hat. Beide stehen dem Provenzalischen sehr nahe.

Die heutigen Bewohner stellen einen ruhigen und konservativen Typ dar. Die Abgeschlossenheit hat stark dazu beigehragen, daß die organische Entwick­lung in keiner Weise gestört wurde. An den Mallor­kiner sind bisher auch noch nicht die großen sozialen Probleme Spaniens in ihrer krassen Form heran­getreten. Einst diente die fast 3700 Quadratkilometer große Insel nur zwölf Herren. Erst vor 200 Jahren sind diese Latifundien geteilt worden, so daß es jetzt -eine Reih« von Bauern gibt. Dieser Menschen­

schlag ist streng katholisch. In idyllischer Schönheit gibt es fernab vom Getriebe der großen Städte zahlreiche Klöster. Da die Einwohner im Gehor­samszwang der katholischen Kirche groß geworden sind, hat sich hier niemals ein Nährboden für die kommunistischen Ideen bilden können. Darum konnte es auch nicht möglich sein, daß hier im Gegensatz zum übrigen Spanien auch nur eine einzige Kirche angezündet wurde. Außerdem: Hätte man das getan, so wäre kein Fremder mehr nach Mallorca gekommen. Und davon leben viele Men­schen auf dieser Insel.

Mallorca besitzt ein sehr gemäßigtes Klima. Auch im Sommer wird es infolge des Meeres nicht übermäßig heiß. Die Niederschläge sind sehr gering. Darum hat der Bauer große Brunnen angelegt, aus denen er das Wasser 4,50 Meter emporpumpen muß mit Hilfe von Windmühlen, die man in großer Zahl' in den sogenannten huertas (Garten) findet. Das Wasser wird dann in Kanäle geleitet, um den Boden zu bewässern. Das Wasser ist auf dieser trockenen Insel ebenso wie in der Umgebung von Valencia und Murcia soviel wert wie Gold. Und um Wertgegenstände pflegen haufia Streitigkeiten auszubrechen. DieWassergerichte" spielen hier da­her eine große Rolle. Der weitaus größte Teil der Insel ist sehr fruchtbar. Zur Osterzeit ist bereits alles grün. Das Korn steht dann schon sehr hoch. Die Feigenbäume mit ihren gediegenen Formen stehen in Blüte, während an den Olioendaumen die reifen Früchte hängen. Auch Aprikosen- und Mandelbäume findet man in großer Zahl. In­mitten dieser großen Pflanzenpracht schon zur Osterzeit kommt man sich wie in einem irdischen Paradies vor. _ ,

Die Insel ist aber nicht nur emGarten Gottes , sondern im Nordwesten erhält sie durch aufragende Gebirge auch einen ernsteren, aber darum nicht weniger schönen Charakter. Die Balearen sind nämlich ein abgesprengtes Stück der andalusischen Gebirgskette. Der höchste Berg, der Puig Mayor, ist 1450 Meter hoch, erreicht also fast die gleiche Höhe wie der Feldberg im Schwarzwald. Die Küste ist zum größten Teil Steilküste. Infolge der starken Gliederung ist es zu wunderhübschen Einschnitten und Hafenbildungen gekommen. Bei Torrente de Parey könnte man sich sogar in einen norwegischen Fjord versetzt fühlen. Im Osten der Insel hat man in den letzten Jahrzehnten mehrere Tropfsteinhöhlen entdeckt, die durch ihre Ausdehnung und die Größe der Tropfsteinbildungen einen gewaltigen Eindruck auf den Besucher machen.

Die Seele der ganzen Insel ist Palma, eine Stadt von 80 000 Einwohnern. Diese Stadt, deren NameSiegespalme" bedeutet, ist bereits eine

Will man das Wesen des französischen Menschen ergründen, so ist es von großem Belang, sich den geschichtlichen Werdegang und die völ­kischen Grundlagen der französischen Nation zu vergegenwärtigen. Die erste zivilisatorische For­mung hat der Mensch des französischen Lebens­raumes durch die römische Herrschaft erfahren, die endgültig gegen Anfang unserer Zeitrechnung aus- gerichtet worden ist, nach Niederringung des Wider­standes, den die einzelnen Stämme Galliens, Zu­letzt und am einmütigsten unter Vercinaetorix (hin- gerichtet in Rom 50 v. Ehr.), den cäsarischen Heeren entgegengesetzt hatten. Auf keltischer Grundlage und dem, was in prähistorischer Zeit dem Keltentum

vorangegangen war, hat die r ö m i s ch - ch r i st l i ch e Kultur und die lateinische Sprache rund 500 Jahre lang die Dolksstämme und den Raum zwischen den Alpen, den Pyrenäen und den Meeren in den Kreis der abendländischen christlich-römischen Lebensgemeinschaft einbezogen. Als wichtigster Niederschlag der großen Wanderungsbewegung nordisch-germanischer Stämme erfolgte dann auf keltisch - römischem Gebiet die Niederlassung der Franken und in der Folgezeit der N o r man« nen, die beide zu dem gallischen Temperament und dem römisch-christlichen Kulturbewußtsein ein weite­res, drittes staatsbildendes Element hinzufügten, das vor allem im Norden (Ile de France Paris), der Wiege französischer Staatlichkeit, von großer geschichtlicher Bedeutung geworden ist und dem Lande den Namen verliehen hat.

Aus diesen drei Grundelementen, dem Keltentum, dem römisch-christlichen Einfluß und der germani­schen staatsbildenden Kraft, ist das alte Frankreich der Könige, der Ritter, der Troubadours (Minne­sänger), der Kreuzzüge, der Gotik die in der Normandie ihren Ursprung hat, der Jungfrau von Orleans, der klassischen Schöpfungen auf lite­rarischem Gebiet erwachsen, mit einer Weltgeltung, die Frankreich sowohl in Europa wie in der neuen Welt und im Orient im 17. Jahrhundert zu einer außerordentlichen Höhe der Macht und des An­sehens emporgeführt hat. Von dem damals er­rungenen Einfluß und Ruhm zehrt Frankreich, das nach der großen französischen Revolution und dem napoleonischen Zusammenbruch politisch zeitweilig stark an Geltung eingebüßt hatte, noch bis auf den heutigen Tag. Denn alles, was Frankreich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts der Welt ge­boten hat, ist seiner internationalen Bedeutung nach dem, was im 17. und 18. Jahrhundert die Franzosen bedeuteten, nicht als gleichwertig an die Seite zu stellen. Im Vergleich zu den kulturellen Errungenschaften und dem Siegeszuge des franzö­sischen Zeitalters der europäischen Geschichte, ist nach 1815 überragend Neues aus dem französischen Kulturkreis nicht mehr hervorgegangen. Eine Steige­rung über das 17. und 18. Jahrhundert hinaus hat das 19. und 20. nicht gebracht. Die geistige Physio­gnomie des Franzosen hat ihre endgültige Prägung in den Jahrhunderten erfahren, die dem modernen kapitalistischen Zeitalter vorausgegangen sind, denn die liberalen Lehren und Einrichtungen und die kapitalistische Wirtschaftsweise haben das Gesicht des französischen Landes und Volkes nicht mehr wesentlich zu verändern vermocht, wie man das von England und Deutschland behaupten kann.

Dieser Hinweis auf die Mächte der französischen Vergangenheit war erforderlich, denn hierauf grün­det Frankreich einen Anspruch auf feine Vormacht­stellung in Westeuropa: ein Volk, das als Erbe der Väter eine Weltgeltung, wie sie Frankreich bereits Ende des 17. Jahrhunderts errungen hatte, überliefert erhalten hat, kann nicht darauf ver­zichten, eine hervorragende Stellung in der Welt zu behaupten. Aus dem gleichen Erbe des franzö­sischen Zeitalters der europäischen Vergangenheit stammt auch die häusig recht naiv anmutenbe, aber auch heute noch beliebte Gleichsetzung von fran­zösischer Kultur (Zivilisation) mit Kultur

Scholle ist ein außerordentlich starkes und urwüchsi­ges Heimatgefühl erwachsen. Eine Bedrohung der heimatlichen Erde erweckt in ihm die stärksten Ab­wehrinstinkte und findet ihn zu jedem Opfer bereit. Aus diesem Heimatgefühl und aus der ganzen bäuerlichen Gesinnung ist auch das Verlangen nach außenpolitischer und militärischer Sicherheit in erster Linie zu erklären, ein Verlangen, dem jede franzö­sische Regierung Rechnung tragen muß.

Dieser bäuerliche Grundzug des französischen Wesens macht auch vieles verständlich, was für die politische Haltung Frankreichs Deutschland ge­genüber von Belang ist. Es ist nun einmal dem Franzosen eingeboren, daß seine intimsten Gefühle auf Sicherung und Erhaltung des errungenen Be­sitzstandes mit echt bäuerlichem Eigensinn gerichtet sind. Zu diesem bäuerlichen Grundzug kommt fer­ner die geschichtliche Ueberlieferung, von der oben die Rede war, und es ist an sich ge­wiß verständlich, daß eine Nation, die in der Welt einen so überragenden Einfluß wie die Franzosen im 17. und 18. Jahrhundert ausgeübt hat, sich nur schwer dazu bequemen kann, die Erstarkung eines Nachbarn als unverrückbare Tatsache hinzunehmen. Wir stoßen daher auf ein geradezuerbfeft" ge­wordenes Mißtrauen gegen Deutschland, dem

auch heute noch die Einigung und die große Ent­faltung seiner nationalen Kräfte nach dem deutsch» französischen Kriege nicht verziehen wird. Und doch hat die Welt seit 1870/71 Wandlungen erfahren, die dazu Anlaß geben müßten, bei einiger geistiger Beweglichkeit auch in Frankreich dafür Verständnis auffommen zu lassen, daß man seine Sicherheit un­möglich nur mit Hilfe von Festungsbauten und internationalen Übereinkommen gewährleisten kann, und es doch sicherlich viel richtiger wäre, auf die Empfindungen des Nachbarn verständnisvoll einzu­gehen, zumal dach die Erkenntnis im Wachsen be­griffen ist, daß wir Westeuropäer alle auf die Dauer unsere Stellung in der Welt nur dann be­haupten können, wenn wir gemeinsam gegen die europafeindlichen Vorstöße derFarbigen" aller Schattierungen auftreten. Diesem Vordringen gegenüber kann eine einzelne europäische Nation, zumal wenn sie nicht sehr zahlreich ist, und so gut wie keine Bevölkerungsvermehrung aufweist, sich auf die Dauer gar nicht behaupten. Was aus die- fer Erkenntnis für eine Schlußfolgerung in bezug auf eine deutsch-französische Verständigung zu zie- hen ist, liegt auf der Hand: ein Fortbestehen des deutsch-französischen Gegensatzes muß schließlich für beide zu einem Verhängnis werden.

Farmer und beschwor in ziemlich blumiger Rede­weise das Gegenteil. Und so entstand mit urwelt­licher Plötzlichkeit ein Krach, daß die Scheiden wackelten und der Mostrichtopf auf der Theke bebte. Er endete damit, daß beide Betrachtungen darüber anstellten, wer von ihnen der größere Ochse sei.

Da auch hierüber erheblich Meinungsverschieden­heiten bestehen blieben, ergriff der Farmer seinen Stuhl, sagte, er werde es ihm gelegentlich ein­tränken und schlug Croce nieder.

Der war zum Glück ein sehr kräftiger Mann, entnahm praktischerweise gleich dem untersten Fach der Theke einen Forkenstiel, und nun versuchten die beiden, sich mittels diesem und dem übriggebliebe­nen Stuhlbein sowie wilden Flüchen gegenseitig von der Richtigkeit ihrer Ansichten zu überzeugen. Nur die Gleichheit der Kräfte verhinderte, daß einer totgeschlagen wurde. Schließlich setzten sie sich er­mattet hin und überlegten sich die Sache in Ruhe.

Mvnn Gottes!" rief nach fünf Minuten der Farmer plötzlich und schlug sich knallend auf die Lederhosen.Jetzt weiß ich, was ich noch von dir bekommen habe, du gottverdammter Sohn einer Kanone: das war ein Mühlstein!"

Heiliger Pfeifendeckel!" sagte Croce niederge­schlagen.

Dann riß der Farmer feinen riesigen Mund auf und fing breit und dröhnend und ganz langsam im Viervierteltakt an zu lachen. Es klang wie eine krachend angeschlagene Pauke nebst Triangel.

Stoffer Croce aber verzog keine Miene. Denn er dachte nach.

Der Farmer klappte unerwarteterweise feinen Mund wieder zu, und eine Weile herrschte Toten­stille. Auf einmal brüllte Croce, das verbeulte Ge­sicht des anderen tiefsinnig betrachtend:Uuaaih! Du dreimal verdammter Armleuchter! Es stimmt. Ich habe vergessen, in der Mitte das Loch zu machen."

Und da hätten die beiden sich vor Lachen beinahe umgestülpt.

Hochschulnack richten

Es wurden ernannt: Professor Dr. Viktor Franz, Extraordinarius für Zoologie an der Uni­versität Jena, zum ordentlichen Professor in Jena; Professor Dr. Eugen Fehrle, Extraordinarius für Volkskunde an der Technischen Hochschule Karlsruhe, zum ordentlichen Professor an der Universität Heidelberg; Professor Dr. Her- mann G m e l i n, Extraordinarius für romanische Sprachen und Literatur an der Technischen Hoch- schule Danzig, zum ordentlichen Professor an der Universität Kiel.

Oie sieben Gäulen der Weisheit.

Das Buch des Obersten Lawrence und die Wirklichkeit.Oie Lebenstragödie eines englischen Patrioten.

Für den Sieg mußte man alle materiellen und moralischen Bedenken zurückstellen."

T. E. Lawrence.

Man erinnert sich, daß um T. E. Lawrence, der kürzlich starb, alles geheimnisvoll war: sein Leben, seine Taten und seine Bücher. Als nach sei­nem Tode jetzt das sagenumwobene Hauptwerk vor der englischen Oeffentlichkeit erschien, unter dem le­gendenhaften TitelSeven Pillars of Wisdom die Sieben Säulen der Weisheit", da er­regte es eine Sensation und erlebte einen buchhänd­lerischen Erfolg, der im Lande seinesgleichen suchte. Dabei ist es ein bibelähnlich dickes Werk von fast 850 Seiten.

Die Geschichte der Handschrift schon scheint ein Spiegelbild des abenteuerlichen Mannes. Die erste ging 1919 beim Umsteigen auf der Bahn verloren, sie wurde neu geschrieben und vom Verfasser ver­brannt, er schrieb sie ein drittes Mal und ließ sie in Fahnenabzügen drucken, dann überarbeitete er diesen Text und verteilte ihn als Subskriptionsausgabe an wenige Freunde. Zur Deckung der Kosten gab er einen Teil des Textes öffentlich heraus, das war der berühmte21 u f ft a n b in der Wüst e", der auch bei uns viel gelesen wurde. Nun, nach sei­nem Tod, liegt d i e große Ausgabe vor uns (Die sieben Säulen der Weisheit", Paul List, Ver­lag Leipzig, Preis 25 RM.) im Umfang eines Lexi­kons und mit einer Menge eindrucksvoller Bilder. Die Geheimnisse sind zugänglich.

Wir sind als Deutsche nicht verpflichtet, den Ober­sten Lawrence mit britischen Augen anzusehen; un­ser Bild von ihm wird anders sein als das seiner Landsleute. Auch für uns werten wir die Vorlage seines Buches als ein bedeutendes Ereignis. Aber gar nicht deshalb, weil wir die Sensation von Ge­heimnissen und rätselhaften, erregenden Phänomen darin finden würden. Im Gegenteil. Was wir dar­aus erleben, ist eine Klärung, Ernüchterung und Erhellung von überraschendem Ausmaß; der von allen Vorbildern abweichende Held feiner Landsleute enthüllt sich in unseren Augen als ein besonders typischer, in seinem Ausmaß allerdings überragender Vertreter der englischen Nation.

Der seltsame Titel hat, wie sich bei genauerem Zusehen herausstellt, nur äußerlich-zufällige Be­ziehung zu dem Buche selbst und braucht also keinen Anlaß zu weiteren Kombinationen zu geben; nur

in Erinnerung an ein unveröffentlichtes Jugendwerk hat ihn Lawrence alsMemento" herübergenom­men. Der arabische Krieg, der Aufstand in der Wüste, ist der ausschließliche Gegenstand der Darstellung. Die Bedeutung des Werkes liegt für uns auf drei klar umrittenen, deutlich erkennbaren Gebieten (und wird dadurch nicht geringer), das erste ist die dokumentarische Darstellung des Kapitels Arabien in der Geschichte des Weltkrieges; das zweite die ungewöhnlich plastische Leistung des S ch r i s t st e 11 e r s. Und das dritte endlich: die Erkenntnis typisch britischer Weltpolitik, widergespiegelt in dem ganz persönlichen Tun und Denken eines ihrer rücksichtslosesten, bewußtesten, jedoch geistig feinfühligsten Vertreter. Die Rück­sichtslosigkeit seines politischen Handelns führt d i e Tragödie Arabiens herauf, feine geistige Empfindlichkeit aber das, was man b i e persön­liche Tragik von T. E. Lawrence nennen könnte. Das eine gibt uns einen äußerst eindringlichen An­schauungsunterricht von den Wegen des britischen Imperialismus; das andere schafft ein paar Ka­pitel, die den Schleier vor sonst verborgenen Ab­gründen des menschlichen Empfindens wegreißen. Zu allem liegt freilich über dem ganzen Buch der Hauch des eigenartigen, auch romantisch genannten Abenteuers. Aber wenn ein Abenteuer zielbewußt war, dan war es dieses.

*

Als einer der Mitarbeiter des englischen Nach­richtendienstes in Aegypten hatte Lawrence die Zeichen der Zeit" erkannt, daß nämlich durch eine Revolutionierung Arabiens gegen die Türkei der englischen Sache auf dem vorderasiatischen Kriegs­schauplatz viel, wenn nicht entscheidend geholfen war. So wurde er erst nach Mesopotamien geschickt, um zu sehen, was dort mitindirekten Mitteln zu erreichen war, allerdings ohne Erfolg. Verhandlun­gen mit dem Sheriff Hussein von Mekka ver­liefen aussichtsreicher; aber es fehlte der hervor­ragende Kopf und die geschickte Hand, die bei den verwickelten Verhältnissen die Sache selbständig führen konnte.

Beinahe auf eigene Faust, jedenfalls aber unter eigener Verantwortung und unter dem höhnischen

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Foto Film

Gründung des römischen Konsuls Caecilius Metellus. Sie liegt in einer 20 Kilometer tiefen Bucht. Un­vergeßlich wird jedem Besucher der Anblick der Stadt bei der Einfahrt in den Hafen bleiben. Als Wahrzeichen ragen die hoch gelegene Kathedrale, der Palast der mallorkinischen Könige und die Sonja (die alte Warenbörse) hervor. Abends pflegen die Dampfer abzufahren. In der Tat, es legt sich tiefe Nacht auf jeden Reisenden, wenn er nach diesen üppigen sommerlichen Eindrücken zu­rückkehrt in die öden Landstriche der Mancha im Innern der iberischen Halbinsel.

Umständliche Abrechnung.

Von Heinrich siedel.

Durch die Ladentür von Stösser Croce in Little- Chikago im wildesten Kentucky wo ein Mann genau wissen muß, wann die richtige Zeit für einen gutsitzenden Faustschlag gekommen ist kam ein spaßiger Farmer hereingestiefelt, um die aufgelau­fene Rechnung zu bezahlen.

Hällooouh, alter Kanonensohn!" brüllte er beim Eintreten,du hast wohl ein Loch im Kopp?"

Noch nichts von, gemerkt, Partner. Wieso?"

Na, wo kommen denn die Sägespäne auf deiner dreckigen Diele her?"

Setz dich hin, versoffene Nachteule!" sagte Croce. Ich muß jetzt rechnen."--

Croce, ein ehrsamer Selbstgemachtmann, konnte nicht schreiben und hatte sich in seiner Buchführung als Ersatz für die alphabetische eine Art urtümlicher Bilder- und Symbolschrift wie ein Indianer zugelegt, mit deren und Gottes Hilfe er sich denn auch verblüffend schnell und sicher in allem heraus­fand, so daß es bisher noch niemand gelungen war, ihm etwas schuldig zu bleiben.

Also", sprach er schließlich, mit seiner Detektiv- Arbeit fertig,du hast zwei Zentner Heusamen, ein Pfund Rattengift, zwei Dreschflegel, sechs Me­ter Buckskin, einen Pferdestriegel, fünfzehn Flaschen Whisky und einen ganzen Schweizerkäse. Macht zu­sammen 37 Dollar 10 Cents."

Was, einen ganzen ...! Du hast wohl einen Sonnenstich? Ich will meine Stiefel auffressen, wenn ich auch nur die Rinde von einem deiner schimmligen Käse gesehen habe!"

Guck her! Da steht es", erwiderte Croce ruhig, indem er dem Farmer unter seinen Kritzeleien im Hauptbuch einen grob gezeichneten Kreis zeigte. Das bedeutet bei mir immer einen Schweizerkäse. Also hast du einen erhalten. Wirst ihn wohl in­zwischen .vergessen' haben, Freundchen."

Na, jetzt will ich aber verdammt sein!" bellte der

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