Ausgabe 
15.8.1936
 
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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

all

Lin bayrisches Königsschioß

Neuschwanstein. (Scherl-Bilderdienst-M.)

die

Dr. A. S.

Geistes und seines Glückes.

Nervös-Erschöpfte

und rheumatische Leiden

Burgen Zeit, als Ostgoten am Lech

dem Edelsten gehören, was malerei hervorgebracht hat. schmacksrichtung des Königs Stoffe dieser Bilder meist Wagners entnommen, der

Der damaligen Ge- entsprechend, sind die den Werken Richard Gralsage und dem

Spezialkuranstalt Hofheim 7 ^Taunus) Mäßige Preise. Dr. M. Schulze-Kahleyss, Vervenarzt

Eine Einladung an dieser Stelle z. Besuch Ihres Hauses führt zu

Gästen aus Gießen u JOberb.

wi'V

prüngen feste chon zu jener

Römer und

durch den Paß

schein, Hochgebirgsnächte mit ihrer erhabenen Ruhe und der hinreißende Kampf mit der Natur in ihren Gestalten sind sein Lohn.

Nibelungenring, aber auch der modernen bayeri' schen Geschichte und dem deutsch-französischen Kriege.

So wurde Neuschwanstein nicht bloß ein Pracht- bau, sondern auch ein wirkliches fürstliches Heim. In diesen stolzen Räumen vollzog sich auch der Schlußakt seines tragischen Lebens. Hier erschien am 10. Juni 1886 die Staatskommission, die dem König seine Absetzung mitteilen und ihn den Irren­ärzten übergeben sollte. Drei Tage danach entzog er sich seinen Wächtern auf immer. Liegt auch der Leib des Königs in der Münchener Michaelskirche, Schloß Neuschwanstein ist das Grabmal seines

zogen. Nach dem Verfall der Burgen erstanden zwei von ihnen wieder durch zwei bayerische Kö­nige, die Schlösser von Hohenschwangau undNeu- schwanstein.

Das kleinere, Hohen- ch w a n g a u, wird wie­derholt in der deutschen Geschichte genannt. Hier empfing ein deutscher Kö­nig die Gesandtschaft des ungarischen Königs Ste­phan, hier dichtete der Minnesänger Hiltebold seineLieder, von hier zog der letzte Hohenstaufe Konradin in sein welsches Verderben. Später raste­ten hier nach der Jagd

sind die Wände mit Bildern geschmückt, die mit zu die deutsche Fresko-

das prächtige Steinportal des Schlosses und schönen Stemmetzwerke an den vielen Tor- und

Auf ins schöne Mainial Frendenberg Perle des Maintals umyeb.v.Laub-u.Tannenwschön, r^reib.biet. herrl.Sommeraufenth. Gasth. u. Pens.Zur Rose. Sch.Frerndz. fl.Wasser,gute Vervfl.Pens.-Preis vLL0an.o«^vgo^lll.Prospch.GA.

Flensungerhos Mücke iiiiiiiimiiuiiimiM

Christ!. Erholungsheim. Herrliche Höhenluft, ländl. Stille, viel Walo, gute Bervsiegung, 4 Mahlz., Rad i.Hse. Biele Ausllugsmöalichkeiten.Tägl. Andachten. Werbeschrift auf Berlanaen. Tagespreis Mk. 3-3.50 und 10% gesetzlicher Redienungsunchlag. ishD

Spätsommer am Reer.

Don Werner Schumann.

Täglich schenkt uns das Meer neue Freude am Leben. Eine unvorstellbare Kraft der Verjüngung geht von ihm aus. Sein nie ruhendes Derwand- lungsspiel bannt uns in jeder Minute. Wie oft wollten wir abreisen! Aber es ließ uns nicht los, es machte es uns gar zu leicht, den Wiederbeginn der bürgerlichen Ordnung und Verantwortung in uns immer weiter hinauszuschieben.

Wenn wir in der Frühe ans Fenster traten, lag der stille Silberschimmer der Morgensonne über den Wassern. Er schwankte, je nach dem Zuge der Wol­ken, bald hier-, bald dorthin und wirkte in der küh­len Tageshelle wie ein Scheinwerfer, der am Hori­zont die noch fernen, der Küste zusteuernden Schiffe anstrahlte. Möoen hockten unbeweglich zwischen den verlassenen Sttandburgen ihre Spuren fanden wir später im Sand die abgetakelten Masten der Segler bewegten sich leise in der glashellen Luft, ein Vogelzug strich rasch vorüber und bald erschien der erste Wassertreter zum Training. Sein Strand­lauf wurde zuweilen von Sprüngen unterbrochen, denn die bewegte See hatte während der Nacht Tang und Muscheln, morsches Holzwerk und nicht selten auch abgetriebene Bojen ausgespien.

Es war wochenlang das fast gleiche, morgend­liche Bild, und doch kam uns niemals der Gedanke, daß wir uns je daran sattsehen könnten. Ohne Eile, ohne die geringste Anwandlung von Ueberdruß am faulen Leben und so heiter, als hätten wir nie Ulttmo-Sorgen gekannt, gingen wir einen wald- bewachsenen Berg hinab ans Meer, das nun, von sanfter Brise angerührt, der Sonne immer gewal­tiger entgegenzuschwellen schien. Der Wiederschein des Meeresgrundes überzog das monotone Schie­fergrau mit leuchtenderen Farben, lichtgrüne, tief­blaue und violettschimmernde Felder verloren sich in der Weite, die gegenüberliegende, vom Nebel­dunst getarnte Küste stteg sagenhaft wie Atlantis aus den Wogen.

Solche Bilder im Auge, das stete Auf und Ab der Wellen im Blut, lagen wir vorm Strandkorb an den hochgeschaufelten Sandwällen, von denen es unmerklich herabrieselte. Der frische, aber sich von Stunde zu Stunde mehr erwärmende Wind spülte über unsere braunen Körper, wehte uns Flugsand ins Haar und trieb weiße Wolken­schwärme eilig durch die Himmelskuppel. Der Sttand hatte sich unterdes wimmelnd belebt: Kin­der machten sich wichtig ans Werk, ihre vom Sturm zerstörten Miniatur-Burgen wieder aufzurichten, Ka­näle tief in den Sand hinein zu ziehen ober mit Eimer und Netz auf Krebsfang zu gehen: ernste, bebrillte Männer mit Denkerstirnen suchten den Sand nach wohlgeformten Muscheln ab, um im Buraen-Wettbewerb konkurrieren zu können oder fahndeten, knietief im Wasser watend, nach den ge­fürchteten, schirmförmigen Feuerquallen, von deren Berührung bei der mittäglichen Schwimmtour eine schlaflose Schmerzensnacht gewiß war. Wieder an­dere belustigten sich beim Ring- und Ballspiel oder stellten sich gruppenweise dem Photographen, der mit allerlei Scherzen auch den Würdigsten in einen Kamelreiter zu verwandeln vermochte.

Unaufhaltsam vollzog sich des Tages Wandel. Un­ter der vollen Mittagssonne, im goldgelben Licht des zur Neige gehenden Sommers, zogen die Segel­schiffe tief geneigt ihre gewagten Kurven, feder­leichte Paddler tanzten auf den Wogen und ver­schwanden sekundenlang zwischen den weißen Schaumkämmen, Motorkreuzer zogen ruhig ihre Bahn. Und aus der Ferne rollte dumpf und lang­gezogen Geschützdonner von Schlachtkreuzern und Torpedobooten herüber, die auf hoher See manö­vrierend ihre Kräfte maßen. Das kreischende Schau­spiel des Badens begann ...

Nach dem Mittag schliefen wir im lockeren Sand, in einer großen, atmenden Stille, so daß wir ver­meinten, Der warmen Erde Herzschlag zu spüren. In unserem Rücken rieb sich die windbewegte Stranddistel. Hier, auf der Scheide von Wasser und Land, von Beweglichem und scheinbar Ruhen­dem, in der Zone des Ausgleichs, schenkte uns diese Mittagsstunde immer die glücklichsten, die beruhi­gendsten Versicherungen. Nahe dem Meer, den Wol­ken und den weit ins Land dringenden Eichenwäl­dern, dünkten wir uns den Wolken oft am näch­sten. Die leisen, die verhaltenen Zeichen des Lebens find sie nicht die überwältigendsten?

Bald glättete sich die unendliche Wasserfläche, wie tfon unsichtbarer Hand angerührt, unser kleines, leichtes Boot glitt darüber hin, beinahe lautlos und in beglückendem Gleichmaß tauchten unsere Ruder in die Flut. Don Zeit zu Zeit hoben wir sie auf und ließen uns und unsere Gedanken treiben. Wir erwarteten den Wellenschlag der großen Dampfer, senkten den Arm bis zum Ellenbogen ins Waller und ließen die wechselnden Uferbilder sacht Darüber* ziehn wie die Zeit, für die wir endlich das feinste Gefühl besaßen, ohne je nach der Uhr zu fehen. Aus der Ferne scholl die Musik der Kurkapelle aber die unhörbare hier draußen im herben Salzduft des Meeres was vermöchte sie aufzuwiegen?

Allabendlich früher spann das Dunkel die Dinge ein, flammten die Lichter an der jenseitigen Küste auf, erhob sich der Mond über den blauschwarzen Wassern. Der Horizont schien sich mit Nebeln zu füllen. Während die Dinge allmählich schwanden, die sichtbare Welt sich immer mehr verengte, wuchs das Meer in uns, erweckte fein dunkelrauschender Gang die Vorstellung ungeheurer Dimensionen. Herbstlich kühl fuhr der Nachtwind durch die Alleen. War der Herbst schon so nah? Ein Meteor stürzte ins Wasser, wir sahen ihn hinter den Dünenhügeln verschwinden und dachten in diesem Augenblick an unsere geheimsten Wünsche.

raschend und immer unheimlich leise fast steht er plötzlich da, auf dem erhöhten Damm im Moore, im niedrigen Erlengebüsch. Und ruhig, ohne Scheu wendet er den seltsam geformten Kopf, hebt er die Riesenschaufeln und nur langsam trollt er hin- weg, wie ärgerlich über den Eindringling, der seine" Welt betrat.

Seine Brunftzeit ist jetzt im Herbst. Wenn klar und unendlich weit der Horizont wird, wenn das Haff und die See ein riesiger, funkelnder Spiegel sind, von kaum einem Lufthauch erschüttert, wenn der starke Heugeruch über die weiten Flächen zieht, in Ostpreußens schönster Zeit, dann ist auch seine 3i.t, da er seine Familie zusammentreibt und stolz und stark eifersüchtig bewacht. Jetzt seiner Fährte nachspüren, jetzt ihn in der Gruppe seiner Tiere sehen, ist ein einzigartiges, einmaliges Jagderleb- nis, und wenn gar das besondere Glück den Kampf zweier Elche noch erleben, hören läßt, wie krachend und dröhnend die gewaltigen Schaufeln gegenein­anderprasseln, Urkraft in leidenschaftlicher Streit- lüft sich zeigt, dann war es wirkliches Weid­mannsheil, das widerfuhr, das die Herbstfahrt nach Ostpreußen, die Fahrt in den schönsten deutschen Herbst in Unvergeßlichkeit krönte.

Wanderfahrten.

Dulenhofen Münchholzhausen Sloppelberg Kirschenwäldchen Wetzlar.

Dem Bahnhof Dutenhofen (Sonntagskarte Wetz­lar) gegenüber beginnt die schwarze Strichmarkie­rung, die auf der ganzen Wanderftrecke das Füh­rungszeichen bildet. Wir durchschreiten das am Berg­hang sich hochziehende Dorf, kommen durch freies Feld über Münchholzhausen, hinter dem uns alsbald der Wald aufnimmt. In langsamem, stetem Anstieg erreichen wir den Gipfel des Stoppelberges (402 m), von dessen steinernem Turm sich eine herrliche Rund­sicht bietet. Gemeinsam mit dem L des Lahnhöhen- wegs steigen wir hinab zum Weiler Kirschen­wäldchen, wo zwei gute Gasthäuser zur Rast ein­laden. Die beiden Zeichen führen uns sodann, unter- wegs schöne Ausblicke über das Lahntal gewährend abwärts nach unserem Endziel Wetzlar. Marschzeit drei Stunden.

Aßlar Niederlemp Aartal Herborn.

Diese Wanderung ist, da sie viel durch Wald führt, namentlich für die heiße Jahreszett zu empfehlen. Von Aßlar mit feiner schönen hochgelegenen Kirche folgen wir blauen Strichen, die uns während der ganzen Wanderstrecke begleiten. Wir wandern einem lieblichen, von Wald umsäumten Wiesentälchen auf­wärts über Bechlingen nach Niederlemp im oberen Lemptal. Don hier gehen wir nach Dreisbach, hinter Dem uns wieder der Wald aufnimmt. Wir über­schreiten in der Nähe des Stellbeutels den mit H und gelben Kreuzen bezeichneten Rennweg und ge­langen bei Ballersbach in das anmutige Aartal. Das Tal abwärts gehend führen uns die Zeichen über Herbornseelbach und den Galgenberg nach unserem Endziel Herborn. Dauer der Wanderung viereinhalb Stunden.

erloschen und die Bura verfallen war, ließ Kron­prinz Maximilian durch bewährte Künstler aus Der Ruine ein romantisches Schloß erstehen, das mit Fresken aus Deutscher Sage unD Geschichte ge­schmückt wurDe. Ueppiges Grün unD Duftende Rosen wucherten um Die wappengeschmückten Tore. Hinter Dem ftäubenDen Schaum Des Springbrun­nens sah man tiefen Waldesschatten unD geister- hafte Bergwände, zwischen ihnen in Der Tiefe Den Alpsee unD Den Schwansee.

Wie ein Bau von Riesenhand steht gegenüber Hohenschwangau die Burg Neuschwan st ein. In ganz Bayern hätte man keine schönere Stelle für eine Heimstätte romantischer Schwärmerei, als Das Tal von Neuschwanstein gefunDen. Von Dem trotzig in Die Landschaft hinausschauenden Neideck- selsen hat man Die schönste Aussicht auf Die beiDen Burgen unD ihre Umgebungen. Unten erglänzt in seinem Füssener Marmor Neuschwanstein, aus Der Tiefe Dringt das wilDe Brausen Der Pöllat herauf, Dann steigt Der HochwalD empor. Links in Der Ferne schimmern Der blaugrüne Alpsee und Hohen­schwangau, hinter Denen Der Frauenstein auffteigt. Der Schwansee unD Weißensee unD ehrwürdige Berghäupter runden das großartige Panorama ab. Auf dem Neideckfelsen wurden alljährlich am Lud- wigstage von den Bauern mächtige Freudenfeuer entzündet, Zeichen der Liebe des Volkes für feinen König.

Als Ludwig hier den Bau eines Königsfchloffes plante, war er noch ganz von jenem Geist germa­nischer Sage und Dichtung erfüllt, her ihn auch aus Richard Wagners Meisterwerken anwehte. Schon dieser Geist, her Neuschwanstein erfüllt, stellt es über die beiden andern Schlösser Ludwigs, Lin­derhof und Herrenchiemsee. Jedes her Schlösser bes Königs hat einen scharf ausgeprägten Charakter. Linderhof, im obersten Ammertal, unweit her bayerisch-tirolischen Grenze, in weltverlorener Ein­samkeit gelegen, ist ein barockes Märchen: mit all seinem Zubehör zusammen ein seltsames Gemisch her verschiedensten Stilarten, her wunderlichsten Launen. Das Jnselschloß zu Herrenchiemsee, langhingestreckt im Wald, sollte Den von ßub» wig XIV. geschaffenen Prachtbau von Versailles nicht nur erreichen sonhern übertreffen. Aber in Diesem deutschen Fichtenwald wirkt Der Bau mit seinem verkünstelten Prunk fremd und frostig.

Auf einem gewaltigen, fast unzugänglich erschei­nenden Kalkfelsen erhob sich der riesige Bau Neuschwansteins im romanischen Stil. Voll­endet von ihm wurden nur derPalas" das Herrenhaus, her Hauptteil der mittelalterlichen Burg mtt Saal und Wohnräumen und her Torbau. Dieser allein ist so umfangreich, daß er mit seinen runden Warttürmen eine Burg für sich darstellt. Edel und groß ist der Hauptbau in seiner äußeren Erscheinung. Fünf Stockwerke hoch baut er sich übereinander mit gekuppelten Rundbogen­fenstern, reich geschmückt mit zierlichen Erkern und Vorsprüngen, gekrönt von einem steilen goldschim- mernhen Kupferdach. Zwei Türme_ steigen darüber hoch empor; von Den Zinnen des höheren sieht man in einen tiefen Abgrund. Don seinem Schlafzimmer konnte der König auf die Pöllatschlucht blicken mit ihrem steil herabstürzenden Wasserfall, über dessen schimmerndem Bande hoch in der Lust die Manen­brücke schwebt. Unter den plastische^ Arbeiten ragen

auf den flüchtigen Gemsbock der Kaiser Ludwig der Bauer und Kaiser Max I., her letzte Ritter. Lange, nachdem das Geschlecht der Ritter von Schwangau

Fensterbogen hervor.

Unbeschreiblich reich und vom besten Geschmqck beherrscht ist die kunstgewerbliche Einrichtung her im britten Stock gelegenen Königszimmer: die Vor­hänge, Schränke und Polstermöbel, die Teppiche, Lüster, Uhren, Vasen und sonstigen Einrichtungs­stücke. Was das Kunstgewerbe an mustergültigen Werken schuf, ist hier vertreten. In den Zimmern des Königs wie in den barübertiegenöen Festsälen

Mein und Dirndln machen noch keinen Bergsteiger.

Don $. v. Reznicet.

(afp.) Eine herrliche Fahrt haben wir gehabt! Durch grüne Wiesen und Wälder hat uns her Zug emsig rollend immer weiter nach Süden gebracht, bis aus Hügeln schon recht achtbare Dorberge wur- Den, und auf einmal am Horizont riesige weihe Wolken auftauchten, Die sich beim Näherkommen als schneebedeckte Hochgipfel erwiesen. Die würzige Bergluft füllt unsere Lungen, ein leuchtend blauer Himmel und die strahlende Sonne locken uns gleich nach unserer Ankunft wieder aus dem Hotelzimmer heraus.

Es ist noch ftüh am Tag, denn der Zug kam schon um 11 Uhr an. Da werden wir uns ein wenig umsehen. Ein Wegweiser verkündet, daß es bis zur Seealp nur 2 Stunden sei. ©ergab geht es ja schnell, und bis 3 Uhr bekommen wir Mittagessen. Also nur hinaus!

Völlig erschöpft kehrt die unternehmungslustige Partie zurück. Sie sind viel ä u schnell gegan­gen, haben noch zu allem übrigen Schneewasser getrunken. Für viele Tage können sie sich nicht an Spaziergängen beteiligen, eines her Mäbchen hat fid) sogar einen leichten Herzknacks geholt. Da hat sich Der zweite Teil her Gesellschaft schon ver­nünftiger benommen. Sie sinb am Nachmittag eine Stunde durchs Tal gebummelt, eine kleine Strecke gestiegen und bann frühzeitig schlafen gegangen. Am anhern Morgen, gleich nach hem Frühstück, ist man zur Seehütte aufgebrochen.

Gewitzt durch die Erfahrungen her Freunde, schla­gen die jungen Bergnovizen im Anfang bes Auf­stiegs kein zu schnelles Tempo an. So haben sie nicht nötig, öfter auszuruhen und den Aufstieg zu unter­brechen, was immer schädlich ist, denn bas Herz soll stetig und gleichmäßig beansprucht werden.

Die Partie braucht nur wenig über die vorge­schriebene Aufstiegszett und erreicht ohne Zwi­schenfalle die Hüte, wo eine herrliche Fernsicht sie für die Anstrengung belohnt. Klar, fast zum Greifen nahe, stehen die Gipfel her näheren Umgebung da, die Sonne brennt und nur drüben, über den Spitzen der Nachbarkette, schauen ein paar kleine Wölk­chen hervor.

Die anderen Bergsteiger, soweit sie nicht auf der Hütte übernachten wollen, rüsten eilig zum Auf­bruch und treten den Heimweg an. Die stechende Sonne und die Bewölkung am Hokizont künden Wettersturz an, sagen sie.

Wozu die Eile? Man ist unter so viel Mühe hinaufgestiegen, da will man doch nicht gleich wieder fortgehen. Die paar Wolken machen wenig aus.

Eine Stunde später sieht sich die Sache anders an. Die Wolkenwand, die sich aus den weißleuch­tenden kleinen Fetzen entwickelt hat, ist bedrohlich hoch gestiegen, und hie und Da verdunkeln schon Nebelschleier die Sonne.

Jetzt heißt's schnell herunterkommen, und man macht sich eilig an Den Abstieg. Der Hüttenwirt warnt noch, am Alpsee zu kürzen, denn man kann dort in die Wände kommen, und dann geht's heidi bergab. Nach kurzer Zett schon ist von Der Sonne überhaupt nichts mehr zu sehen und ein kühler Wind macht sich auf. Man hätte vielleicht doch einen Regenmantel oder eine Jacke mitnehmen sollen. Auch Gerdas Halbschuhe behindern die Partie, Denn beim schnellen Absteigen stolpert sie oft und knickt einmal gründlich um.

Immer tiefer senken sich Die Wolken. Das geht ja alles rasend schnell!

Am Alpsee zweigt ein schmaler Pfad vom großen Serpentinenweg ab. Kurze Beratung. Gerda will mit chrer schlechten Ausrüstung keine großen Sprünge machen, und Hans und Lilly haben die Mahnung Des Hüttenwirts, Abkürzungen zu mei­nen, behalten. Peter und Friebel aber, wollen nach Möglichkeit Das Hotel erreichen, ehe Der Wetter­sturz eintritt. Mit kurzem Gruß verabschiehen sie sich unD sind bald darauf dem Blick entschwunden.

Pudelnaß, zähneklappernd und stierend kommt die erste Gruppe am Abend im Ort an. Sie sind mächtig eingeregnet und haben weder Wollsachen noch Regenschutz mitgehabt, außer einem schmerz­haften Knöchel an Gerdas rechtem Fuß ist ihnen

Unweit des Felsentores, durch das der Lech aus Tirol nach Bayern sich Bahn gebrochen hat, liegt ein kurzes, aber pracht­volles Alptal, in das kühn geschwungene schroffe Bergriesen hineinschauen und weit in die schwä­bisch-bayerische Hochebene hinausgrüßen. JnderTal- tiefe liegen grüne Seen. Am Eingang des Tals Landen auf Felsvor-

Zur Elchbrunst nach Ostpreußen.

Nur in ganz wenigen Ländern der Erde ist der Riesenhirjch aus der Dorzett", wie man ihn wohl nennen möchte, her Elch, noch erhalten. In Ost­preußen lebt er noch in einer urtümlichen Gestalt- unh Geweihbildung, um die uns die Tierfreunde und Jäger der Welt beneiden. Hier lebt er in freier Wildbahn, ungestört in weiten Naturschutz­gebieten, ein Edelwild, das zum Lande gehört, wie das Land ohne ihn nicht denkbar wäre. Denn Ost­preußen ist stolz auf diese riesigen, pferdegroßen Hirsche, hie da hurch hie Moore und Oedflächen im Deltagebiet der Memel ziehen, die Drüben in Den Forsten Der Kurischen Nehrung zu Hause find und immer, wo sie auch auftauchen, wie die letzten Boten einer längst versunkenen Zeit erscheinen. Ge-, heimnisvoll wie sein Wesen, unerwartet, über» |

tung vor der Natur sind Vorbedingungen für den Bergsteiger. Ihm wird sich bann auch die alpine Welt erschließen, mit all ihrer Große und Schön­heit. Herrliche Gipfelrasten bei strahlendem Sonnen-

aber nichts geschehen.

Peter und Friedel, die eine Abkürzung gemacht haben, sind aber noch nicht ha.

Recht erstaunt ziehen sich die drei Freunde um, doch als Peter und Friedel immer noch nicht ein­getroffen sind, obwohl bas Abendessen schon vorüber ist, roenben sie sich an bie Hotelleitung.

Nach aufregenden Stunben werben bie zwei Ver­stiegenen enblich in ben Wänben, unterhalb bes Alpsees, gefunben unb heimgebracht. Sie sind mit dem Schrecken unb ben hohen Kosten einer Ber- aungsexpedition davongekommen. Leicht hätte es schlimmer werben können. .

Das Bergsteigen ist eben nicht ganz fo einfach, wie viele Anfänger sich bas vorstellen unb bie grunblegenbften Fehler werben immer wieher ge­macht. Mangelhafte Ausrüstung, das Fehlen jeg­licher Wetterkenntnis unb bie Nichtachtung Der wohlgemeinten Warnungen erfahrener Bergganger sind die Hauptursachen der meisten Bergunfalle. Immer wieder von neuem begegnen wir oben Men­schen in schlechtem Schuhwerk, ohne Windjacke oder wenigstens wärmende Wollsachen. Dann wollen sie gar noch eigenwillig Abkürzungen machen, ge­raten in bie Felsen unb wissen auf einmal nicht aus noch ein. Das alpine Notsignal (sechsmal in Der Minute ein sicht- ober hörbares Signal geben. Je eine Minute Pause), ist ihnen natürlich nicht be­kannt, unb so müssen sie oft warten, bis man sie burch Zufall entbeckt. . . ,

Es kann nicht oft genug gesagt werben, daß man, ehe man in bie Berge geht, sachverständigen Rat einholen muß. Ein gutes Herz unb eine ge» funbe Lunge allein genügen nicht, aud) wenn man ein guter Turner ist. Es ist vor allen Dingen keine genügenbe Voraussetzung, um ohne erfahrenen ^Be­gleiter in bie hochalpine Zone zu wanbern. Das gleiche gilt für wenig Geübte beim führerlosen Ge­hen. Ohne Führer gehen heißt nicht wild darauf losrennen. Führerlos gehen unsere Besten, Die in jahrelangem Training, unter Anleitung heroor- ragenber Bergsteiger gelernt hoben, fitö 'in Öen Bergen zu bewegen. Ihre Namen, bie beutsche Berg­steiger in her ganzen Welt berühmt gemacht ha­ben, sinb zu schabe, um burch bie Unwissenheit leichtsinniger ßanbsleute in Mißkredit gebracht zu werben, unb leiber begegnet man in den Schwei­zer und italienischen Bergen nur allzu oft Deut­schen, die weder den technischen noch Den morali­schen Anforderungen eines Bergsteigers gewachsen können, Mut, aber keine Tollkühnheit, und Ach-

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