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Politik und Volksgeifi im Kernen Ofien.

Von Or. Paul Rohrbach.

Die Regierung des Marschalls Tschiangkai- s ch e k in Nanking, die als chinesische Zentralregie. rung gilt, hat mit der offiziellen Angliederung der zum politischen Gegenpol Kanton hin gravitie- renden Süd-Provinzen einen starken Erfolg gehabt. Zunächst ist er noch mehr äußerer als innerer Na­tur, bis auf einen wichtigen Punkt: Kanton verzich­tet auf feine bisherige, von Nanking unabhängige Währungspolitik und soll sogar versprochen haben, feinen Schatz von gehorteten Silberdollars, angeblich über 100 Millionen, Nanking zur Derfü- e zu stellen. Die von Nanking unternommene rungsreform Papierwährung statt Silber- Währung geht auf englischen Einfluß zurück und soll, obwohl Einfluß wie Zweck bestritten wer­den, China finanzpolitisch aus der japanischen Um­klammerung lösen und ihm auf diesem Gebiet einen Rückhalt an England verschaffen.

Tschianakaischek hat militärisch wie politisch mit gleichem Glück operiert. Auf dem militärischen Ge­biet spürt man die europäische in China sagt man dankbar: die deutsche schulende Hilfe. Poli­tisch hat er stillschweigende englische Deckung gehabt. Ohne Einbeziehung des reichen Südens ist eine lei­stungsfähige chinesische Finanzwirtschaft, gleichviel auf welcher Währungsgrundlage, nicht möglich. Das gilt doppelt mit Rücksicht auf den fortdauernden schweren Aderlaß, den Japan im Norden den Fi­nanzen der Zentralregierung zufügt. Die Japaner haben in die von Urnen erzwungene Entwaff­nung der sogenannten Grenzzone in Nordchina mit Absicht auch die chinesische Zollver­waltung einbezogen. Die Folge davon ist, daß massenhaft unverzollte Waren bis über Peking hin­aus in die formell noch der Zentralregierung gehö­rigen Provinzen einströmen. Die Zolleinkünfte sind das Rückgrat der Finanzwirtschaft Chinas, und man behauptet, daß die Regierung Tschiangkaischeks durch das von japanischer Hand offen gehaltene Loch im Norden ein Drittel ihrer normalen Zoll­einkünfte verliert.

Man muß diese Vorgänge im Fernen Osten ver­folgen, aber man soll sie nicht ohne den inneren Schlüssel ansehen, der zu ihnen gehört. Er liegt weder in den handelnden Personen, noch in den Plänen und Zielen, die sie verfolgen, sondern er liegt in der seelischen Struktur der Völ­ker, des chinesischen wie des japanischen, und diese ist von Grund auf verschieden. Ein Mann wie der Marschall Tschiangkaischek kann noch so viel Ge­schick für sein Ziel, die Wiederherstellung Chinas als Einheitsstaat, besitzen er wird immer die Hinderungen erleben, die davon ausgehen, daß dem chinesischen Volk im ganzen noch das Staats- g e f ü h l fehlt. Umgekehrt steht als eine gewaltig treibende Kraft hinter der japanischen Politik der zum verkörperten Aktivismus zusammengeballte ja­panische nationale Staatsgedanke.

Für den Tagespolitiker mag es müßig erscheinen, zu fragen, welch ein ethisches Ideal ein Volk besitzt. Wer aber die Geschichte nicht nur als eine Abfolge von bestimmten Ereignissen betrachtet, sondern auch auf die in ihr waltenden seelischen Kräfte auf­merkt, wird ihre Wirkunaen nicht außer Acht taffen. Die japanische Ethik ist heroisch, sie drängt zur Be­tätigung für die nationale Größe; die chinesische da­gegen hat ein anderes Prinzip: Ordnung des menschlichen Lebens durch Pietät der Kinder gegen die Eltern, der Jüngeren aegen die im Atter Vor­anstehenden, des Untergeoroneten gegen den Vorge­setzten.

Das Pietätsprinzip ist der Kern der konfuzia­nischen Staatsethik, und es hat durch und durch auf den alten chinesischen Staatsaufbau gewirkt. Ein Volk, das durch Jahrtausende geistig dahin er­zogen war, allein im Kaiser als dem Sohn des Himmels alle Verantwortlichkeit verkörpert zu sehen, seine eigne staatliche Pflicht aber im pietät­vollen Gehorsam gegen den Herrscher ausgehend, ist nicht fähig, den Staatsgedanken losgelöst von der Monarchie des Himmelssohnes w fassen. Der Sturz der Mandschu-Dynastie durch die

Halewijns Lied.

Von Hermann Hesse.

Der Pfad führt schmal und jäh hinab, der Sonne entgegen, die von Mittag an auf diese Seite des Berges brennt. Im dünnen Leinenzeug renne ich hinab, Eidechsen stieben überall ins verbrannte Gras, schon stehen hier und da einzelne Akazien­zweige goldgelb, alles brennt, alles neigt fiebernd schon dem Herbst entgegen, schweigt, wartet, dur­stet, senkt das Haupt. Durch die kochende Luft renne ich hinabwärts, halte mich am zähen Ginster fest, sehe die Lüste über dem nahen Maisfeld silbrig zit­tern, fühle den Sand und Stein durch die Sohlen brennen, fühle den Schweiß über Warmen und Hals hinabrinnen. O, wie werde ich an diese Stun­den denken, wenn es Herbst, wenn es Winter sein wird, wenn die letzten lila Blumen fahl im No­vembergras stehen, wenn der erste Schnee am kahlen Hügel blaßt!

Glühend brech' ich durch Laub und Brombeer- gerank aus dem Gehölz gegen die Seestraße, biege um die Mauer, atme heranwehenden Duft von Wasser, Fisch und Schilf. Unter hohen Platanen und niederen wehenden Silberweiden auf kurzen, dicken, violetten Stämmen gehe ich den farbigen Strand entlang, auf glühendem Kiesgeröll, blau und tiefgrün kommt Welle um Welle heran, leckt am roten und orangenen Strand, rückt am Stein» geschieser, spielt mit dem Schwemmholz, knistert im dünnen Schilf. In hellblauem Dunst jenseits der kristallnen Wasserbläue steht Berg hinter Berg, jeder fernere um einen leisen Ton heller, um einen leisen Gedanken duftiger, darüber hoch und grimmig die Sonne. Ich hänge den Rucksack an einen Ast, ich reiße die Kleider herab, kaum ertragen die nack­ten Fußsohlen den durchglühten Kies. Das seichte Wasser, in das ich trete, ist warm wie die Lust, erst draußen beim Schwimmen empfinde ich eine ferne Ahnung von Kühle, tief tauche ich in den dunklen blauen Abgrund hinab. Ich lege mich auf den Rücken, treibe lang, jede Welle schlappt mir launaß über Augen und Mund, aber der Wind kühlt, lang­sam, mit leisem Saugen zieht er die Hitze aus mei­ner aufatmenden Haut. Gestillt kehre ich zurück, rolle mich eine Weile im seichten Strandwasser, springe hoch und werfe mich in den brennenden Sand an die Sonne, liege lange tot, um nochmals beiß zu werden und das Spiel noch einmal zu spie­len. Zweimal, dreimal spiele ich es, lasse mich bra­ten, lasse mich kühlen. Alle Leidenschaft, alle Müh­sal und aller Reiz des Lebens ist in diesem Spiel gespiegelt, alles Rennen und Ruhen, Brennen und Erlöschen, Rasen und Erschlaffen.

Tiefe Müdigkeit wäscht mir den Staub von der

Revolution von 1911 hatte drei Ursachen: die Un­tauglichkeit ihrer letzten Vertreter, die Erziehung eines Jungchinesentums unter dem Einfluß der amerikanischen Ideale der Demokratie und des technisierten Lebensglücks, und die innere Zusam- menhanglosigkeit der Reichsteile, namentlich des Nordens und Südens. Der chinesisch-japanische Krieg von 1894 wurde in den mittleren und süd­lichen Provinzen gar nicht als eine national-chine­sische Sache, sondern als eine Angelegenheit des Dizekönigs der Nordprovinz Tschili angesehen, in der auch die damalige Hauptstadt Peking lag. Die Gleichgültigkeit, die in den Provinzen gegen den staatlichen Zentralgedanken herrscht, ist die entschei- dende Ursache für die Schwierigkeiten, die Tfchiang- kaischek hat, den chinesischen Einheitsstaat zu bauen. Wenn sich in irgendeiner Provinz ein militärischer Machthaber aufwirft, so begegnet ihm kein Wider­stand durch ein Gefühl von Einheitsstaatlichkeit. Dazu kommt, daß zwischen den Provinzen, nament­lich zwischen dem Süden und Norden, große sprach- liche und Charakterunterschiede bestehen.

Der chinesische Modernismus ist parteipolitisch zusammengesaßt in der Kuomintang, d. h. der Staats- und Dolkspartei. Die Kuomintang ver­tritt an sich den Einheitsstaat, und die zu ihr ge­hörige Jugend verbindet auch schon den Staats­

gedanken mit einem lebendigen chinesischen Na­tionalgefühl. Sie bedeutet aber im Vergleich zu der passiven Volksmasse von 400 Millionen noch wenig. Die Masse würde auch der staatlichen Zusammen­fassung an sich keinen inneren Widerstand entgegen­setzen, aber um eine zentralisierende Politik kräftig durchzuführen, sind moderne Verkehrsmittel, Eisen­bahnen bis tief ins Innere unb eine Militärmacht nötig, die stark genug ist, um mit dem Widerstand provinzialer Machthaber rücksichtslos fertig zu wer­den. Dazu fehlt es an Geld. Trotz seiner ungeheuren Zahl, oder vielmehr gerade deswegen, ist das chine­sische Volk eins der steuerunkräftigsten der Welt. Der Grund und Boden ist in so kleine Parzellen geteilt, daß der ertrag mit Not und Mühe aus- reicht, um eine Familie zu erhalten. Wenn die Zolleinkünste versagen, hort jede vernünftige Reichs­politik auf. Das wissen die Japaner. Es findet gewissermaßen ein Wettlauf zwischen der finanziel­len Aushöhlungspolitik, die Japan durch die Ent- roaffnung des chinesischen Zollschutzes im Norden betreibt, und der Finanz- und Währungsreform statt, bei der Nanking die Unterstützung Englands findet. Durch die Angliederung des Südens ist ihm jetzt ein guter Zug geglückt. Japans Gegenzug wird nicht lange auf sich warten lassen.

Besinnliche Weltreise.

Von unserem E. M.-Sonderberichierstaiier.

Bengali.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Medan (Sumatra), im Juli 1936.

Es ist sieben Uhr abends.

In den Geschäftsstraßen Medans, die an der Esplanade, dem Hauptplatz der Stadt, mit ihren Prachtbauten, Königspalmen und kühlen Tama­rindenbäumen beainnen, verlöschen langsam die Lichter. Es wird schnell und geheimnisvoll dunkel.

Die Autos sind aus der Innenstadt verschwunden und nur ab und zu ertönt noch das helle Klingeln eines Sados, des mit einem Ponny bespannten zweirädrigen Wägelchens. Die Bürgersteige glei­chen jetzt einer Berliner Festwiese am Sonntag. Zahllos ist die Menge. Vertreter fast aller malayi- fchen Stämme haben sich zu einem Schwatz getrof- fen, chinesische Väter spielen mit ihren Kindern und zwischen ihnen wandelt der Händler mit seiner Garküche.

(Einige Schritte hinter dem chinesischen Waren­haus, das als letztes Geschäft schließt, sitzen auf einer tischartigen Erhöhung zwei bärtige Gestalten in weißem Turban, die gegen die schmächtigen Malayen wie Riesen aus der Urzeit wirken.

Mein Begleiter sagt plötzlich:Konnte der eine von den Beiden nicht ein friesischer Fischer fein?"

Ja, wirklich er konnte es. Aber das Aussehen trügt, denn wir haben es hier mit den gefährlich­sten Menschen der sumatranifchen Ostküste zu tun, den Bengalen.

Sie sind die Geld Verleiher dieses Landes.

Geldgeschäfte sind im ganzen Osten nicht gerade ehrenamtliche Betätigungen. Man kann sie sogar ruhig skrupellos nennen. Aber selbst der schärfste Maßstab genügt für die Medaner Bengali nicht.

Der Malaye im allgemeinen und der Javaner im besonderen hat die glückliche Eigenschaft, die materiellen Dinge des Ledens mit aller Großzügig­keit zu behandeln. Geld ist ihnen zwar begehrens­wert aber stets nur als Mittel zum Zweck. Man kann sich dafür schone Dinge kaufen: Goldene Spannen für die Frau, schöne Sarongs, ein Fahr­rad ufw., je mehr desto besser. Sparen ist die ko­mische undDorschot" für das Feuerwerk des mohammedanischen Neujahrs die ernste Bedeutung des Geldes. Wenn der Toewan keinenDorfchot" (Vorschuß) gibt, kommt er auf die schwarze Liste und man geht nur im Notfall zu ihm arbeiten.

Vor soviel Soralofigkeit dieser heitersten und charmantesten Rasse des Ostens kapitulieren auch die Europäer mit den fefteften Grundsätzen. Diese Sorglosigkeit hat auch die Araber, Chinesen und Bengali erst ins Laich gebracht oder festgehalten, die Ausbeutung geradezu herausgefordert.

Da ist zum Beispiel ein Malaye, der alsSe- nang" in seinem Kampong lebt. Ihn packt eines Tages wie aus heiterem Himmel das Fieber seiner höheren Berufung. Er saßt den Plan, einen Sado, ein Pferdetaxi, zu kaufen. Dazu benötigt er 100 Gulden, die er selbstverständlich nicht hat. Sein aanzer Besitz ist ein kleines Stück Land, das ihm feinen Reis zu der Kokosnuß, den Bananen am Wege und den Fischen aus Meer und Flüssen gibt. Darauf steht auch ein Bambushaus, in dem er zu­frieden lebt. Entschlossen macht er sich auf den Weg zum Bengalen und erscheint noch einige Stunden später mit den 100 Gulden freubig winkend vor seiner Frau. Schnell sind auch alle Freunde ver­sammelt und er hört sie zufrieden das viele Geld bewundern, das sie bisher nur bei denToewans", den weihen Herren, sahen. Das Ansehen steigt noch, als er wenige Tage später mit seinem Sado er­scheint und eifrig die Vorzüge seines Kaufes erklärt.

Und dann kommt der Alltag.

Man sieht ihn durch die Stadt fahren. Zufrieden mit sich selbst bringt er seine Fahrgäste, auch man­chertoewan" ist darunter, an ihren Bestim­mungsort. Am späten Abend nimmt er feine Frau in den Sado, dann und wann auch einige begei­sterte Freunde. Stets am ersten des Monats bezahlt er ©), an den Bengalen.

So vergehen einige Monate.

Eines Tages, nach einer besonders guten Ein­nahme erscheint er mit einer goldenen Haarspange in seinem Kampong. Auch die Frauen des Ostens wollen schon sein und es schmeichelt unserem Sado- besitzer, daß man seine Frau und ihn bewundert. Schnell folgen daher eine schöne Kabaya, ein neuer Sarong für sie, und ein schneeweißer Anzug, eine kecke Fezmütze für ihn.

Und wieder vergehen Monate.

Da erscheint eines Abends ein Mann, der aller­hand Merkwürdiges redet und der von ihm ver­langt, am nächsten Morgen vor dem Sul­tansgericht zu erscheinen.

Neugierig hält er tags darauf vor dem großen Steingebärwe und steht schon wenige Augenblicke später vor einem auffällig interessierten Manne.

Du hast einen Sado gekauft?"

$a."

Woher hattest du das (Selb?"

Von dem Bengalen."

Warum hast du das ©) nicht zurück- bezahlt?"

Ich habe gezahlt!"

So warst du also in den letzten 5 Monaten regelmäßig bei dem Bengalen?"

Nein."

Seele, weht mir die Sorgen aus dem Gedächtnis. Faul und brummend liege ich hingestreckt, nicht mehr heiß, nicht mehr kühl, nur müde, sehr müde. Zuweilen höre ich einen Vogel flattern, einen Fisch springen, einen stärkeren Wind im Schilf auf- rauschen, zuweilen höre ich sprechen, lachen,, höre Wasser spritzen, höre nackte Füße im Sande laufen, manche gehen über mich hinweg. Buben und Jüng­linge aus den nahen Dörfern sind zum Bad ge­kommen. Ich blinzle nur und brumme. Einmal schaue ich eine Weile auf. Der schone Jüngling mit Dem Hund ist da. Ein junger Athlet, stark, schön und braun, wunderbarer Schwimmer, ein rotes Tuch ums schwarze Haar, kommt jeden Tag, mit einem langhaarigen kleinen Hund, es muß eine Art Wachtelhund sein. Er schwimmt wie eine Fischotter, den Kops fast immer unter Wasser, und überall schwimmt sein Hund ihm nach. Ich blicke ihm nach, sehe ihn wegschwimmen, sehe ihn untertauchen, laut bellend sucht ihn sein Hund, weit weg taucht er wieder empor, hänselt das Tier, spritzt und balgt sich mit ihm.

Die Sonne ist tiefer gesunken, viel Zeit ist ver­gangen, vielleicht habe ich geschlafen. Ich richte mich auf, wische mir Steinchen und Muschelscherben von den Schenkeln, bald werde ich Hunger spüren und gehen. Mit Mißvergnügen denke ich an den steilen Heimweg den Berg hinan. Und bann ist man wieder zu Hause", wieder in der Welt und Zeit, Abend­brot wartet, Post liegt da, Zeitungen, Briefe, un­nütze Briese, Bücher, unnütze Bücher, und all der Tand und Kram. Muß es denn sein?

Jenseits der kleinen Schilfbucht, zweihundert Schritt vielleicht entfernt, sehe ich am Ufer, bei der Bootshütte, etwas Blaues erscheinen, einen Flecken, reines, schönes Hellblau mitten im braunen, grünen, rosigen Farbengewühl des Stranbes. Wie trinkt das Auge diese reine Farbe gierig! Weit reiße ich die trägen Augen auf, das Blau zu kosten, hold klingt es neben der grauen Rindenhütte und dem fahlen Schilfgrün auf. Und siehe, über dem Blau ist sanf­tes Weiß, darüber nochmals ein kleiner Fleck Blau, ein Kopftuch, eine Mütze. Das ist eine badende Frau.

Wie warm und köstlich geht das jedesmal durchs Blut! Selten sieht man hier Frauen baden, sie sind scheu, und ihre Scheu wird heilig gehalten. Nun baden sie da drüben, ein paar Dorfmädchen, ver­steckt und vorsichtig, ich kann nur etwas Blau und Rot sehen, und eine Schulter glitzern, und einen Haarbusch sich schütteln. Ich bleibe ruhig sitzen, ich darf 'nicht näher gehen. Ich blicke scharf hinüber. Warum ist das so schon und erregend und Liebe weckend: ein paar badende Mädchen? Vielleicht sind sie ja gar nicht schön, vielleicht ist keine fcabei, der ich auch nur einen Kuß geben möchte, wenn ich sie

von nahem sähe. Aber diese paar kleinen fernen Figuren, halb vom Schilf neruorgen, dieser winzige Schimmer von Fleisch und Haar, diese paar kleinen Farbflecke von blauem Kleid, weißem Hemd, rotem Kopftuch, sie reißen mich hin, sie machen mich froh und verliebt. Eine flämische Sage fällt mir ein, von einem Ritter Halewijn, der konnte ein Lied sin­gen, daß jedes Mädchen, wenn es das Lied hörte, sofort zu ihm hinlaufen mußte. Gern sänge ich Halewijns Lied. Ich sänge es und die Blaue müßte alsbafb zu mir herüberschwimmen, gerissen von Sehnsucht. Aber möglicherweise wäre ich dann in Verlegenheit: wie leicht konnte es sein, daß sie mir gar nicht gefiel ich bin so heikel, daß sie plump und grob und gewöhnlich war. Und dann Müßte ich ihr sagen:Kind, schwimm wieder fort, mein Lied war nicht für dich gesungen." Ich könnte nicht hinzufügen:Dein blaues Hemdchen war von weitem so hübsch, daß ich dachte, es müsse die Rich­tige drin stecken."

Inzwischen haben die Mädchen drüben sich ins Wasser gewagt und ihre Spiele begonnen, laut hallt ihr gellender Aufschrei herüber, sie spritzen ein­ander ins Gesicht, werfen sich mit Wasserpflanzen, aus denen man Kränze machen kann, suchen einan­der au Fall zu bringen, streiten sich um ein schwim­mendes Schilfrohr. Wie sind diese Menschen doch vergnügt, fabelhaft und urweltlich vergnügt! Bin ich jemals in meinem Leben so toll und dumm ver­gnügt gewesen? Ja, ich war es, und ich werde es wieder fein, vielleicht nicht mehr so oft, nicht mehr so leicht, aber ich werde es wieder sein.

Wenn wir jetzt auf Ceylon wären so würden diese Mädchen nach dem Bade Lotosblumen mit­nehmen und sie zum Tempel bringen, und sie wür­den nichts als Lendentücher tragen, daß man ihre schmalen braunen Schultern und Brüste sehen, könnte.

Plötzlich sehe ich Wasser, Strand und Badende mit einem Ruck verändert, entfärbt, verschaltet. Ich roenbe mich um. Die Sonne ich wegegangen. Still ist sie hinter dem Berg von Agno hinabgefallen, und der Wind ist abgeflaut. Ich stehe auf und greife nach meinen Kleidern. Und die Mädchen drüben sind stumm geworden und steigen alle aus dem Wasser- auch sie hat der Schauer berührt. In der Bootshütte verschwinden sie, und jetzt könnte ich hinübergehen und bei der Hütte warten, bis sie heimgehen. Ich will aber nicht, ich will sie nicht sehen, wie sie sind, in Alltagskleidern, mit Alltags- gesichern.

Da ich an der Hütte vorbeigche, höre ich sie drin­nen zwitschern. Wenn ich einen Stock hätte, würde ich an die Wand klopfen. Ich habe aber keinen; ich werbe mir, für den Aufstieg, erst im Walde einen schneiden.

Na also, wann willst du 770 Gulden bezahlen?" 770 Gulden?! Es packt ihn ein Totenfchreck. Der.

zweifelt läuft er auf die Straße zurück. Er kann I Das nicht verstehen. 770 Gulden! Hastig oertrant I er sich schließlich einem vorbeikommenden Freunds I an. Der erzählt ihm etwas von weißen Männern I die ihm helfen könnten und schnell ist er auch Dort I

Aber die weißen Männer konnten ihm nichz I helfen. Es war zu spät. Als sie ihn fragten I erzählte er ihnen, daß er 10 0 Gulden ge« I liehen habe und rechnete ihnen vor, daß er dar» I auf bereits 605 Gulden bezahlt hab^ I Nun müßte er nochmals 7 7 0 © u l b e ir I zahlen.

Wo find Quittungen, Beweise, daß er nur 100 Gulden bekommen und 605 ab gezahlt fyrte?

Nein, so etwas hätte er nicht. Er wäre doch afo. immer bei dem Bengalen gewesen!

Die weißen Männer erreichten schließlich, daß er nur noch 500 Gulden zu zahlen brauchte. Auch dc? konnte er nicht. Der Sado mußte verkauft werben, die Goldsachen wanderten ins Roemah Gadeh, ins Bfandhaus, und das Land kam unter den Hammer eine Bewunderer aber murmeltenSoedah" (Man kann es nicht ändern).

Das sind die Bengali, die wir noch alle als feu- rige Reiter aus dem berühmten Film in Erinne­rung haben. Hier find sie Milchbauern und _ Nachtwächter. Als Milchbauern kommen sie jeden Tag mit dem malayischen Personal der (Europäer zusammen, das über ein festes Einkommen oen. fügt, also das dankbarste Objekt sind. Als Wächter machen diese, teils schwer vermögenden Menschen, selbst aus der Nacht noch Geld. Ihnen zahlte der kleine malayische Fischhändler für geliehene fünf Gull)en, die er nie wieder zurückzahlen kann, jebeiu Abend 5 Cent, oder 365 Prozent im Jahr. Meisterin kommt es auch zu keiner Klage wie oben. Fast: stets werden nach ununterbrochenen Zahlung neue Schuldscheine ausgestellt, mit immer höheren Summen und zahllos sind die Schuldner, die s« den Bengali fürs Leben versklavt sind, ohne daß die OeffeMlichkeit etwas davon erfährt.

Als ich an diesem Abend an einer befonbers dunklen Nische vorbei komme, bewegt sich etwas. Unwillkürlich schrecke ich zusammen, als aus beim Schatten eine riesige Gestalt auf uns zutritt. (& spensterhaft steht sie in ihrem weißen Turban unt> dem patriarchalischen Bart da. Freundlich legt sie die Hand an die Stirn und sagt:

Tabeh Toewan!"Ich grüße dich Herr!"

Halunke will ich sagen, aber dann denke ich am den Sadomann, der sicher längst schon wieber schwatzend an irgendeinem Kampongfeuer liegt unbt ich sage taut:Soedah!"

Worauf ein erstauntes Gesicht im Dunkeln ver­schwindet.

Oie Elektrifizierung der österreichischen Bahnen.

Wien, 13. August (DNB.) Zu den Meldungen über einen 300-Millionen-Kredit an die Oesterrei-- chischen Bundesbahnen durch die Genera!! Electric Company schreibt dieReichspost" daß dieses ausländische Kreditangebot mit der Be»> dingung verknüpft war, einen großen Teil bei Sachlieserungen an das Ausland jiu vergeben. Das käme aber für Oesterreich nicht iin Betracht. Die Sachlieferungen müßten unter allein Umständen der österreichischen Jndustri« Vorbehalten bleiben. Das Angebot sei aus diesem Grunde bereits abgewiesen warben.. Allem Anschein nach versuche aber die abgezoiefene: ausländische Kapitalgruppe n euer Di ngs bie* österreichischen Stellen für ihren Vorschlag zui gewinnen. Es wäre aber gar nicht notwendig, bis Finanzierung mit ausländischem Kapital zu be­streiten. Der inländische Kapitalmarktl wäre nun so stark, daß Die Auflegung einer (Eiet trifizierungsanleihe im Jnlande durch-, aus denkbar wäre. Ein Betrag von 200 Millionen Schilling würde genügen.

.ner,

der neue hothempfindlithe FEINKORN Film!

^OLVMPAN

K

Zwischenspiel an Bord.

Von ptfer Purzelbaum.

Frau (Elfe, eine jener reiselustigen Damen, bitt sich auf den Kommandobrücken Der Passagier'- Dampfer durch sachverständige Gespräche nützlich jm machen pflegen, mochte diese liebe Gewohnheit auch auf ihrer letzten Fahrt von Hamburg nach Helgo«, land nicht missen. Sie war früher schon mal auii Helgoland gewesen, ja, sie war sogar schon md auf einem der großen Lloydbampser nach dem Nordkap gefahren und Die Kapitäne hatten albt ihre Fragen stets mit vollendeter Höflichkeit beanfr wartet.

Sie begab sich also auf Die Brücke und fragt« dort den bekannten Herrn mit den vielen goldenen Aermelstreifen:

Sie sind doch der Kapitän, nicht wahr?"

Jawoll, Madamm!"

Sagen Sie: so ein Schiffbruch muß doch schreck'- lich sein nid)?"

Dats kein Vergnügen!"

Wie oft sind Sie in Ihrem Leben wohl scho« durch dieses Meer gefahren?"

Och, bi düsend rüm."

Die Leute stellen wohl an Sie manchmal rechs dumme Fragen nich?"

Och, wie Seelud sind Kummer gewöhnt."

Nun sagen Sie, Herr Kapitän, welches Lanü ist von dieser Stelle aus uns am nächsten?"

Jüß ünner uns, Madamm de Grund du« de See!"

O nein, so meinte ich das nicht! Aber sagen &l- Herr Kapitän: im vergangenen Jahre fuhr ich ft auch einmal; da führten Sie aber dieses SW noch nicht. Damals war hier ein anderer Kapitim mit dem man sich auch sehr gut unterhalten tonnto so'n großer blonder ... wissen Sie vielleicht, wo dieser Herr nun ist?"

De is bot!"

Tot? Ach, wie traurig! Das tut mir ab erleid! Wissen Sie vielleicht, woran er gestorben ist?"

Och, de Passaschiers hebbt em Dotfrogt!'

Woraus Frau (Elfe nun zwar Den Kapitän ci Ruhe ließ, doch keineswegs entmutigt, sich nun nm ihrer Sachkenntnis dem Manne am Steuerruder zuwandte.

Warum drehen Sie eigentlich das Steuer f11 und her? Sie kennen doch Ihren Kurs da«' nen Sie doch das Steuer einfach auf Ihren KiM einftellen!"

Djä", sagt der Mann am Ruder,Dat woll allens recht schoin im gaub, aber die Sache is man bloß die: wi müssen ja zugleich auch noch Kaffee mahlen!"

Stänbni^n, tonnte nad)yta' beweglichen

,heute hatte Es ist jo lächelnd steht geradezu schon der grifferste Hut, Mantel weil gerade d bann folgen Mänteln, Ma Mutti fehlt. Schirme, Schi herum, mein Kästchen darr gen ja, ra chem Laden,' Raum schafft, mer abträgt, man hat jun ßungsformali gen zur We Gesprächsstoss - sich von sein ' und auf den I hat. Aber da I Würde des !

Ich darf n | denn ich [prei natürlich aud) bern weil id) r hier auf oorge W W den non tyex xnxtn ' scheidend weid scres Hauses. Kammern u Besucher den

Ja, als n ! unsere kleine meine schöne l fangsfreudig ; putzter Spie« I für letzte An I Schirme uni ? Plätze. Waru und bei geh | all der weck I gedrückt dass | Geschichte wi > Sammer

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