Ur. 190 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zamrtag, 15. August 1956
XL OLYMPISCHE SPIELE Q9S>
Den größten olympischen Erfolg für Deutschland holten die Ruderer, die in sämtlichen sieben Rennen im Endlauf standen und mit sämtlichen Booten einen Platz besetzten. Fünfmal gingen die deutschen Boote als Erste durchs Ziel und je einmal kam Deutschland auf den zweiten bzw. dritten Platz. — Die Goldmedaille im Handball fiel an Deutschland, das in einem überaus spannenden Kampfe den alten Rivalen Österreich mit 10:6 (5:3) Toren besiegte.
BERLIN 1936
Schäfer siegte in 8:21,5 mit V!t Längen vor Ha-1 die Boote von Deutschland und Italien gingen ge- senöhrl und dem Amerikaner Barrow. I meinsam durchs Ziel, so daß erst das Zielgericht
zog der Dresdner davon. Als Hasenöhrl bei 1500 Meter einen energischen Angriff unternahm, legte Schäfer einige Schläge zu und konnte den Angriff sicher abwehren. Im Spurt blieb er überlegen.
Die Olympia-Feier der Wehrmacht im Stadion.
Im Beisein des Führers veranstaltete die Wehrmacht im Stadion ein großes Konzert. Unser Bild zeigt den Marsch der Fackelträger durchs nächtliche Stadion, (Scherl-Bilderdtenst-M.)
Das hätte kein Mensch erwartet! Fünf Goldmedaillen holten am Freitag auf der Olympischen Regatta in Grünau die deutschen Ruderer, eine Sibber- und eine Bronzeplakette wurden in den beiden restlichen.Rennen erkämpft, sodaß also in keinem einzigen der sieben Olympischen Ruder- Wettbewerbe die deutschen Boote unplaciert blieben. An eine solche Ueberlegenheit über die besten Ruderer der Welt wagte doch wohl auch der größte Optimist nicht hoffen. Die harte und verständige Vorbereitung unserer Olympiakämpfer hat sich als richtig erwiesen.
Der Führer weilte am Freitagnachmittag vom ersten Rennen an bei den Kämpfen der Ruderer. Die Begeisterung der Massen kannte keine Grenzen, als vom ersten Rennen des Tages an fünfmal in ununterbrochener Reihenfolge ein deutsches Boot den Sieg holen konnte. Rur die deutschen Turner haben bisher beim Olympia ähnlich erfolgreich abgeschnitten!
Vierer mit Steuermann.
Im strömenden Regen machten sich die Ruderer zum ersten Rennen des Freitags, dem Vierer „mit", startbereit. Pünktlich um 14.30 Uhr erklang das Kommando des Starters. Alle sechs Teilnehmer am Endlauf gingen glatt auf den Weg; unter leichter Führung der Schweiz hatte sich das Feld mit Schweiz, Deutschland, Frankreich, Holland, Ungarn und Dänemark sofort etwas ouseinandergezogen. Vorn zieht die Schweiz davon, immer dicht auf den Fersen Deutschland, und bereits nach 500 Metern machen diese beiden Boote allein ihr Rennen. Die Schweiz liegt immer mit nur knappem Vorsprung an der Spitze, wird jedoch bei jedem Spurt von unserem Mannheimer sofort verfolgt. 600 Meter: Die Schweiz liegt mit einer viertel Länge vor Deutschland. Vit Längen zurück folgen Frankreich, dann Holland, auf gleicher Höhe Ungarn und Dänemark. Dann setzt Söllner am Schlag unseren Vierer zu einem Zwischenspurt ein. Er dringt auf die Schweiz ein, die sich verzweifelt wehrt. Bei 1200 Meter ist der Angriff geglückt. Der deutsche Vierer hat die Schweiz passiert. Bei 1550 Meter beträgt der Dorspruna schon eine Länge und bei 1800 Meter ist das Rennen entschieden. Mehr als zwei Längen macht sich unser Vierer noch frei und geht mit seiner Mannschaft Maier, Dolle, Gaber, Söllner und Bauer am Steuer als Sieger durchs Ziel. Drei Längen hinter Deutschland und der Schweiz liefern sich Frankreich, Holland und Ungarn einen harten Kampf um die Bronzene Medaille, aus dem die Franzosen als Sieger hervorgehen.
Mannheim auch im Zweier „offne" erfolgreich.
Der vierte Sieg.
Unter den Augen des Führers errangen die beiden Berliner Friesen Gustrnann-Adarnski mit ihrem kleinen Steuermann D. Arend den Sieg im Zweier „mit" und damit die vierte Goldmedaille in ununterbrochener Folge bei der Olympischen Ruderregatta. Die Italiener übernahmen vor Deutschland die Spitze und schon bei 1000 Meter war es klar daß die Entscheidung dieses Rennens auch nur zwischen diesen beiden Booten liegen konnte. Das übrige Feld lag schon klar abgeschlagen hinter der Spitze und kam für die Entscheidung nicht mehr in Frage. In einem prachtvollen Zwischen- spurt gingen die Deutschen auf die Italiener zum Angriff über und passierten sie kurz nach der 1000- Meter-Marke mit einer halben Länge. Unter tosendem Jubel vergrößerten die Deutschen ihren Vorsprung. Die Italiener versuchten verzweifelt auf- zuschließen. Bei 1500 Meter war die Entscheidung gefallen. Deutschland führte mit V/t Längen, und als vor den Tribünen die beiden zum Spurt an» setzten, wurde ihr Vorsprung noch größer und betrug im Ziel drei Längen. In 8:36,9 hatte Deutschlands Zweier „mit" den vierten olympischen Sieg der Ruderregatta erkämpft, während die Italiener im Kampf um den zweiten Platz erfolgreich ihre Stellung gegen Frankreich behaupten konnten.
Der Wiking-Achter Deutschlands wurde, auf der Innenbahn liegend, von den Zehntausenden, die die Ufer umsäumten, mit wilden Zurufen angefeuert Als die Boote in das Blickfeld kamen, war das ganze Feld^icht geschloffen. Bei 1800 Meter setzt dann USA. zum Endspurt an und unaufhaltsam zieht das amerikanische Boot nach vorn. Deutsch-
Eine großartige und kaum erwartete Fortsetzung der von den Mannheimern begonnenen Siegesserie machte der Zweier ohne Steuermann, das Meisterpaar E i ch y orn-Strauß vom Mannheimer RD. Mit Deutschland hatten sich die Boote Dänemark und Argentinien gleich an die Spitze gesetzt, die auch als Gewinner der Medaillen hervorgehen sollten. Dänemark hatte vor Deutschland und Argentinien vom Start weg einen leichten Vorsprung. Dann legten die Mannheimer einen kurzen Zwischenspurt ein und übernahmen die Spitze. Bei 1000 Meter lagen Eichhorn-Strauß klar vor Argentinien, Dänemark und Ungarn. Der deutsche Zweier Der» steuerte sich dann etwas. Die Argentinier hatten sich mit einem Zwischenspurt an die zweite Stelle vorgearbeitet. Deutschlands Zweier hatte sich wieder gefunden und ruderte mit prachtvollem Zuge dem Ziel zu. Bei 1800 Meter lag Deutschland nut einer guten Länge in Front. 100 Meter vor dem Ziel setzten die Mannheimer zu einem Svurt an, ber |ie
Boot der Dänen abbrachte. In 8:16,1 siegte Deutschland vor Dänemark und Argentinien, gefolgt von Ungarn, der Schweiz und Polen.
Würzburgs Sieg im Vierer „offne“
Mit einem prachtvollen Sieg brachen Deutschlands Vertreter, das Würzburger Boot mit Eckstein, Rom, Karl, Menne, Englands stolze Tradition im Vierer ohne Steuermann. Der deutsche Vierer ging vom Start weg in ruhigem Schlag an die Spitze und verteidigte die Führung auch gegen die verzweifelten Spurts der Engländer. Das Würzburger Boot „Deutschland" fuhr in prachtvoller Steuerung und schnurgerader Linie über die ganze Strecke. Erst der Endspurt bei 1800 Meter, als England schon bis auf X Länge aufgelaufen war, zeigte, daß die Würzburger noch Reserven hatten. Und als Menne wieder in die Riemen griff, holten die Deutschen bis zum Ziel einen Vorsprung von IX Längen heraus. In der großartigen Zeit von 7:10,8 hatte Deutschland die Engländer besiegt und für Deutschland die fünfte Goldmedaille im Ruderwettbewerb erobert. Um die Bronzemedaille entspann sich zwischen der Schweiz und Italien noch ein erbitterter Kampf, die Italiener mußten sich jedoch den Eidgenossen beugen.
Schäfers Triumph im Einer.
Dorn Start weg setzte sich Schäfer nach bewährter Taktik sofort an die Spitze, hinter ihm Hasen- öhrl und der Kanadier Campbell, dicht gefolgt von Barrow, Rusli und Giorgio. Mit langem, kraftvollen Schlag hielt der Deutsche seine Führung, während hinter ihm schon der Kampf um den zweiten Platz entbrannte. Bei 1000 Meter hatte Schäfer schon eine gute Länge vor Hasenohr!, Campbell und Barrow. Mit vorbildlicher Wasserarbeit
land zieht jetzt drei bis vier Schläge zu kurz durch, wodurch die Italiener Raum gewinnen. Als Schmidt am Schlag des Wiking-Achters weitausholend einsetzt, ist es klar, daß der Endspurt im Endkampf gegen Italien noch nicht entschieden ist. Die Amerikaner lagen mit kurzem Vorsprung in Front und
Vor dem Schluß.
Von unserem ©r. G. Si.-Sonderberichterstatter
Berlin, 14. August.
3m Schwimmstadion krachen noch die Startschüsse, in Grünau kämpfen die Ruderer auf der Reqattabahn, auf dem Maifeld voltigieren und springen die besten Pferde und Reiter der Welt, und in der Deutschlandhalle stehen Boxer in hartem Kampf Mann gegen Mann. Die Spiele sind noch im Gang, und doch wissen wir, daß nun bald die Flagge mit den fünf Ringen feierlich emgeholt wird, um in vier Jahren in Tokio jubelnd wieder entrollt zu werden. *
Allen meinen Freunden und Bekannten teile ich" auf diesem Wege mit, daß ich keine Karten mehr zur Schlußfeier besorgen kann und leider auch nicht in der Lage bin, allen Wünschen nach Olympiastempeln und Olympiamarken nachzukommen."
So hätte ich inserieren sollen!
Ich bin zwar stolz, noch nie so viele „Freunde" gehabt zu haben wie jetzt zum Schluß der Spiele, aber ffch bin ebenso sicher, daß mich nach den Spielen alle beschimpfen werden, die sich in mir gründ- lich getäuscht hatten. Ich kann es leider nicht an- dem, aber wenn ich beispielsweise die Wünsche nach Olympiastempeln vom Postamt Grünau, vom Sta- dionpostamt, vom Schwimmpostamt erfüllen würde, wenn ich alle diese etwa 40 Anfragen ordnungs- gemäß erledigen und die mitunter erschütternden Szenen in den Postämter unter drängelnden Menschen über mich ergehen lassen wollte, dann wäre der Tag um. Und deshalb bin ich nicht in Berlin.
Beinahe wäre mir auf diese Weise das Baseball- Spiel entgangen, eine amerikanische Sache, von der ich zwar viel gehört und gelesen, die ich aber noch
Im Einer führte der Meister Gustav Schäfer die deutschen Farben zum Siege. — (Scherl-M.)
nicht gesehen hatte. Der Weltmeister sollte gegen USA. Olympics ein Dorsührungsspiel zeigen. Im Programmheft lieft man eine ganze Seite Text über dieses Nationalspiel der Amerikaner und wenn man alles langsam und hübsch aufmerksam durchgelesen hat, dann ist man noch genau so klug, als zuvor. f v
Abends gehe ich mit Hunderttausend ms Sta- dion, um das begeisternde Spiel aus erster Hand zu erleben.
Es macht sich wunderhübsch! Die Scheinwerfer ringsum werfen über die Köpfe der Menschen hinweg ihre Strahlen auf das Spielfeld und es gibt einen farbig erregenden Kontrast zwischen dem Grün des Rasens und dem satten Braunrot der Laufbahn. Die Spielfläche ist weiß umrandet m ihrem weißen Dreß heben sich die Spieler kräftig von ihr ab. Durch den Lautsprecher kommen erste Erklärungen, es beginnt. Aber leider beginnt^ es noch nicht zu dämmern; bei den Zuschauern nämlich. Ellen Preiß, die Olympiadritte im Florettfechten, faßt ihre ersten Empfindungen in einer resignierten Betrachtung zusammen: „Die Spieler scheinen ja ihr Vergnügen zu haben, aber die Zuschauer — Ein alter Turner hinter uns entdeck Aehnlichkeiten mit dem Schlagballspiel, wo ja auch der Mann von der gegnerischen Partei mit dem Ball getroffen werden muß. Aber, wie gesagt, nur entfernte Aehnlichkeiten.
Dann kommt auf einmal Leben in das Ganze. Der „Schläger" der einen Partei hat mit einem herrlichen Schlage den ihm zugeworfenen Ball weit über das Spielfeld geschmettert, nun hat er, wahrend die Gegenpartei sich abmüht den Ausreißer wieder einzufangen, das Schlagholz beiseite ge- morlen und läuft, was das Zeug hält, um das Viereck der abgesteckten inneren Spielfläche, Den
„Rhombus". Frenetischer Beifall seiner Landsleute und des ganzen Stadions belohnt den schonen Lauf. Ein Punkt — so verkündet der Lautsprecher wäre damit gewonnen. , . . .,
1:0 also! Mein Nebenmann meint, daß ihm Das genüge und ich habe den Eindruck, er weitz, wie mancher andere auch nicht, wieso, weshalb, weswegen. Und so bummeln wir langsam wieder los, vorbei an angestrengt aufpassenden Gesichtern hi - durch durch wispernde Gespräche („und was machen sie jetzt?", „vielleicht muß das so sein , „ich auch nicht") und heraus aus dem StaDion_
„Ist Babe Ruth dabei?", fragt uns braunen em sehnsüchtig das Olympiastadion betrachtender Pimpf, der so viel von dem bestbezahlten MebaQ-etar der Welt gehört hat. s
„Sieh selber nach!" sagt mein Nebenmann und
So siegte Deutschland im Zweier ohne Steuermann. Vorn im Ziel liegt Deutschland, das mit 8:16,1 siegte. Ihm folgen das Boot Dänemarks 1 y und das Boot Argentiniens. — (Scherl-Brlderdienst-M.)
Oer große Tag der deutschen Ruderer.
Fünfmal Sieg!—Oie Ereignisse von Grünau.
gibt ihm seine Karte. __ , ,,
--Ich habe mir bittere Dorwurfe gemocht
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