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sei es dazu Zeit. Frankreich habe sich für die Idee der kollektiven Politik an den Sühnemaßnahmen gegen Italien beteiligt, die feinen Handel schwer aeschädigt hätten. Nach dem 7. März hätte sich aber keine Regelung zugunsten der kollektiven Politik gezeigt. Daher müsse Frankreick seine volle Handlungsfreiheit wieder finden und ohne Zeitverlust dre Entscheidungen treffen, die seine Er- fahrungen und seine Belange ihm bestimmten.

9tur die radikalsozialistischeRepublique" meint, man bürfe nicht ohne weiteres ablehnen, sich in der S ü h n e m a ß n a h m e n p o l i t i k auf Seiten Englands zu stellen, denn das werde den früheren Verbündeten gestatten, sich von den F e ft» lands-Angelegenheiten ab^uwenden. Wei­terhin erklärt aber auchRepubllque", für eine Unterstützung Deutschland gegenüber komme in erster Linie Italien in Frage. Daher müsse man sich wie 1914 mit Italien versöhnen. Wenn man in Genf die abessinische Kolonialfrage anders als friedlich regeln wolle, nämlich zunächst durch Drohungen und dann, weil die Drohungen wirkungslos blieben, durch Gewalt, würden die Nationen sich nur selber besiegen und der eigent­liche Sieger werde Deutschland heißen.

Beschrankte Vollmachten Aloisis.

Rom, 14. April. (DNB.) Baron A l o i f i begab sich am Dienstag nach Genf. Für Mittwoch nach­mittag ist die erste Fühlungnahme mit dem Präsi­denten des Dreizehner-Ausschusses Madariaga vor gesehen. In politischen Kreisen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Aloisis Mandat in

Genf das eines Beauftragten und nicht das eines eigentlichen Unterhändlers fei, da es sich im gegenwärtigen Stadium lediglich um Vorbespre­chungen unverbindlicher Natur handle. Es könnten jetzt nur Friedenspräliminarien, nicht jedoch wirkliche Friedensverhandlungen ins Auge gefaßt werden. Baron Aloifi fei nach Genf entsandt worden, um an dem äußeren Rahmen der hierzu notwendigen Beratungen mitzuarbeiten. Er werde jedoch, so erklärt man, von s i ch aus keine Vorschläge irgendwelcher Art mitbringen, son­dern lediglich zur Verfügung stehen, um etwaige Anregungen entgegenzunehmen und nach Rom weiterzuleiten.

Neue abessinische Beschwerde über Gistgasangriffe.

Genf, 14. April. (DNB.) Die abessinische Der- tretung in Genf hat dem Völkerbundssekretariat zur sofortigen Weiterleitung an den Dreizehner­ausschuß, den Achtzehnerausschuß, den Völkerbunds- rat, sowie alle Mitgliedsstaaten ein Telegramm ihrer Regierung vom 12. April zugehen lassen, worin eine Zusammenstellung der Giftgas- angriff e auf abessinische Ortschaften gegeben wird. Danach sollen in der Zeit vom 22. Dezember bis zum 7. April 19 Gasangriffe ausgeführt worden fein. Bei den vier letzten Angriffen, Die sich am 4., 5., 6. und 7. April gegen Kor a m gerichtet hätten, soll die Stadt mit Gas buchstäblich über­schwemmt worden fein. Das am meisten verwendete Gas soll Pperit gewesen sein.

Um die Vorherrschaft im Mlelmeer.

Am gleichen läge, an dem in Genf der Versuch gemacht wird, unter der Aegide des Völkerbundes einen Ausgleich zwischen Italien und Abessinien herzustellen, ist die Nachricht in die Welt gelangt, daß italienische Truppen ihre Zeltlager am Tana-See aufgeschlagen haben. Diese Nach­richt war zu erwarten, nachdem die Italiener die Stadt G o n d a r im abessinischen Hochland besetzen konnten. Trotzdem hat das Erscheinen der italieni­schen Vorposten an dem vielbesprochenen See in England große Bewegung hervorgerufen. Man weih, daß Mussolini an seinen Zielen festhalten wird und sich nichts abhandeln läßt. Da­her hat man auch in London nur geringe Hoff­nungen für den Erfolg der Genfer Bemühungen, aber um so größere Sorgen um die Entwicklung der Machtverhältnisse im Mittelmeer. Italien am Tana-See, das bedeutet für England, daß die wirtschaftliche Entwicklung des Sudans mit der Baumwollindustrie von Aegypten von dem Wohlwollen der italienischen Her­ren in Abessinien abhängig wird. Mussolini beruft sich auf seine Erklärung, daß er an den Wasserverhältnissen des Tana-Sees, der das große Reservoir für den Blauen Nil darstellt, nichts än­dern will. Er hat sogar für die englischen Interessen einen Straßenbau von der Sudangrenze bis zum Tana-See in Aussicht ge­stellt. Rom läßt aber feinen Zweifel darüber, daß eine Abtretung des Gebietes an England oder feine Kolonien nicht gedacht werden kann.

Die theoretischen Erörterungen über die B e - drohung Aegyptens oder über die Herrschaft am Mittelmeer, die so lange die Spalten aller Zei­tungen der Welt erfüllten, werden nur zur mach t»

politischen Kraftprobe werden. Der Daily Telegraph", dem man Beziehungen zum englischen Außenamt nachsagt, hat bereits das Stich­wort von den militärischen Sanktionen ausgegeben. Darunter könnte auch nach italienischer Ansicht in erster Linie die Sperrung des Suez-Kanals in Frage kommen. Unter diesen Umständen gewinnt der französische Versuch, zwi- chen Italien und England zu vermitteln, eine ent» checkende Bedeutung. Die Aussprache des italieni- chen Botschafters Cerrutti. die am Ostermon­tag mit dem französischen Ministerpräsidenten S a r» raut stattgefunden hat, ist nach französischen Be­richten sehr e r n st verlaufen. DerMcttin warnt mit besorgter Miene vor der englischenAben­teurerpolitik". Mit Spannung erwartet die Welt das Ergebnis der Kabinettssitzungen, die heute in Paris und London stattfinden. Die Rheinlandfrage, die sonst immer in den Vordergrund geschoben wurde, um Deutschland wmStörenfriede" der Weltpolitik zu machen, ist stark in den Hintergrund getreten. Der Völkervund, sonst die Hoffnung und der Stolz der westlichen Demokratien, spielt in bemitleidenswerter Ohnmacht eine Neben­rolle.

Die Pariser Blätter machen darauf aufmerksam, daß England nicht nur den O ft ausgang des Mittelmeeres stark gesichert hat, sondern daß es auch die Inselgruppe der Ba­learen und die Stadt Tanger mit starken Be­festigungen versehen hat. Die Balearen gehören zu Spanien und Tanger bildet eine internationale Zone. Man wir einigermaßen erstaunt darüber sein, daß auch sie in das englische Sicherungs- s y st e m im westlichen Mittelmeer einbezogen sind.

Der Vormarsch geht weiter.

Rom, 14. April. (DNB.) Das neueste Front­telegramm Marschall B a d o g l i o s wird als amt­licher italienischer Heeresbericht Nr. 184 veröffent­licht und hat folgenden Wortlaut:Der Vor­marsch nimmt auf der ganzen Nordfront seinen Fortgang. 22 unserer Flugzeuge haben während des Montag längere Zeit über Addis Abeba gekreuzt. Sie warfen Flugschriften ab. Von Kampfhandlungen wurde abgesehen. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine außerordentliche Panik.

Dessie, bisher Hauptquartier des abessinischen Kronprinzen, ist von italienischen motorisierten Ko­lonnen kampflos besetzt worden. Noch vor drei Monaten hätte niemand geglaubt, daß die Italiener

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so rasch an Boden gewinnen könnten. Damals fühl­ten sich die Abessimer stark genug, von einer Ver­treibung der Italiener zu träumen. Heute sind sie es, die vor den italienischen Abteilungen in wilder Flucht davoneilen. Daß sie eines Tages eine schwere und entscheidende Niederlage erleiden würden, stand von vornherein fest. Denn auch eine gut gerüstete abessinische Armee hätte auf die Dauer den überle­genen italienischen Streitkräften, die zudem über eine gewaltige Bomberflotte verfügen, doch nicht Stand halten können. Aber Marschall B a d o g l i o verzichtete nach seiner Ernennung zum Oberbefehls­haber der ostafrikanischen Streitkräfte darauf, um jeden Berg und jeden Ort ein erbittertes Ringen mit dem Gegner zu veranstalten und einen Ab­nützungskrieg zu führen, der die eigenen Reihen mim gestens ebenso gelichtet hätte, wie die des Gegners. Er war für unbedingten Großeinsatz aller Waffen und für ein Vorgehen gegen die abessinischen Ar­meen, als seien sie militärisch genau so gleichwertig wie europäische Einheiten. So bereitete er in wochenlanger Kleinarbeit eine Offensive vor, die im Zeichen der modernsten und schwersten Waffen stand.

Die Abessinier suchten zwar zunächst noch Wider- stand zu leisten, aber dem enormen Aufwand an Kriegsgerät aller Art waren sie keine 24 Stunden gewachsen. Unter den schweren Geschossen, dem

Dauerfeuer der Maschinengewehre und den unab­lässigen Bombenangriffen aus der Lust mußten sie weichen, zunächst langsam, dann immer schneller, bis schließlich die Flucht allgemein wurde und auch den Negus packte, der fein Prunkauto zurücklassen mußte, das als Siegestrophäe wohl demnächst in Rom Aufstellung finden wird.

Die abeffinifchen Fronten find zu­sammengebrochen, sie existieren nicht mehr. Abessinien liegt dem italienischen Zugriff offen. Im Sturmschritt eilen die motorisierten Abteilungen auf der Straße nach Addis Abeba vorwärts, wäh» rend auf dem rechten Flügel der Nordfront zunächst durch die Besetzung des sudanesischen Grenzortes G a l l a b a t jede Waffenzufuhr von der anderen Seite her für die Abessinier gesperrt worden ist, zum andern aber der Tanasee erreicht wurde, in dessen Fluten sich die Trikolore spiegelt. Daß General Graziani im Süden mit verschränkten Armen der noch nicht vernichteten Armee des Ras N a s i b u gegenübersteht, mindestens aber daraus vernichtet, größere Aktionen in die Wege zu leiten, will angesichts der raschen Eroberung des abessi­nischen Kaiserreiches vom Norden her nicht viel bedeuten. Vielleicht ist ihm eine Schonung seiner Kräfte anempfohlen worden, um sie für andere Unternehmungen bereitzuhalten.

Geht der italienische Vormarsch auf der Straße nach Addis Abeba und im Tana-See-Gebiet im gleichen Tempo weiter, dann wird binnen Wochen­frist ein gutes Drittel des ganzen abessinischen Ge­bietes, wenn nicht gar die Hälfte des fruchtbaren Teiles des Reiches des Negus unter italienischer Herrschaft stehen. Da durch den italienischen Sieges­zug die Stämme in Unruhe geraten sind und so­gar offen die zurückflutenden abessinischen Trup­pen bekämpfen, erscheint die italienische Hoffnung auf Auflösung des abessinischen Reiches und Ab­setzung des Negus nicht ganz unberechtigt.

Die 3taliener am Tanasee.

Rom, 14. April. (DNB.) In unterrichteten Kreisen erklärt man zu der in englischen Blättern bekundeten Beunruhigung über die Besetzung des abessinischen Zollpostens G a l l a b a t an der Su° dan-Grenze, daß man in Italien keine Be­sorg n i s s'e wegen der Nähe englischer und ita­lienischer Truppen zu beiden Seiten der Sudan- Grenze hege. Es bestehe keinerlei Veranlassung, an- zunehmen, daß englische Truppen das von den Italienern besetzte abessinische Gebiet, oder italie­nische Truppen den englischen Sudan betreten würden.

Unter dem TitelEntgleisungen" wendet sich das halbamtlicheGiornale d'Italia" in einer kurzen Notiz auf der ersten Seite scharf gegen eine Erklä- rung desDailn Expreß", in der es hieß,daß der Tanasee vis jetzt als ein englischerSee betrachtet worden sei, und immer ein solcher blei­ben werde."

Hierauf erwidert dasGiornale d'Italia", der Tanasee sei, oder um genauer zu sein, war ein abessinischer See, der sich jetzt in der Hand der italienischen Soldaten befinde. Dies sei die augen­blickliche unbestreitbare Tatsachenlage. Daß er bis­

her als englisch angesehen werde, könne ein Wunsch, oder allenfalls einHintertreppen­geschwätz" sein. Es sei kaum zu begreifen, so schreibt das italienische Blatt weiter, wie derDaily Ex­preß" einen solchen Irrtum habe aussprechen können.

Auf den von der englischen Zeitung zwischen der Lage am Tanasee und dem Suezkanal gezogenen Vergleich entgegnet dasGiornale d'Italia ab- chließend:Lassen mir diesen Vergleich ruhig bei» eite. Ein Vergleich muß, um genau zu sein, ho» nogene Begriffe enthalten, aber die i t a l i e n i ch en Soldaten würden gegebenenfalls bereit ein, jeder Drohung den Gegenschlag zu versetzen."

3tülien hebt die Sklaverei im besetzten Abessinien aus.

Genf, 14. April. (DNB.) Der italienische Unter­staatssekretär S u v i ch hat dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Schreiben über die Aufhebung der Sklaverei in den von italienischen Truppen besetzten Gebieten Abessiniens zugehen lassen mit der Bitte, es allen Völkerbunds­mitgliedern, sowie den Mitgliedern des 13er-Aus- schusies und des Sklavereiausschusses bekannt zu geben. Dieses Schreiben hat folgenden Wortlaut:

Am 2. März hat die italienische Regierung be­reits Gelegenheit gehabt, dem Völkerbund die Ver­ordnung des Oberkommissars für Ostafrika vor« 14. Oktvber 1935 zur Kenntnis zu bringen, worin die Sklaverei in den Gebieten der Provinz Tigre, die Italien aus wohlbekannten Gründen Mi besetzen genötigt war, feierlich für abgeschafft erklärt wurde. Gleichzeitig wurde der entsprechend lautende Erlaß des Gouverneurs von Somaliland für die an die italienischen Kolonien grenzenden abessinischen Gebiete, die unter den gleichen Um­ständen von Italien besetzt wurden, ntttgeteilt. Im Anschluß hieran beehre ich mich, mitzuteilen, daß Marschall Bado gl io unter dem 12. April in Makalle folgenden Erlaß verkündet hat:

Völker von Tigre, von Amhara, von Godjam höret: Die Sklaverei ist der Rest einer alten Bar­barei und dort, wo die italienische Fahne weht, kann es keine Sklaverei geben. Deshalb ist in Tigre, in Amhara und in Godjam, überall wo die italienische Fahne weht, die Sklaverei abge­schafft. Ich habe den Kauf und Verkauf von Sklaven verboten. Die Sklaven, die in Euern Ländern sind, sind befreit. Diejenigen, die Hilfe brauchen, sollen sich bei den italienischen Behörden melden. Sie werden Hilfe und Schutz erhalten. Wer die Bestimmungen dieses Erlasses übertritt, wird entsprechend dem Gesetz bestraft."

Laval fordert Verständigung mit Deutschland.

»Ohne Einklang zwischen Paris und Berlin gibt es keine tatsächliche Friedensgarantie für Europas

Paris, 14. April. (DNB.) Der frühere Außen­minister und Ministerpräsident Laval hat einer Zeitung in Clermont-Ferrand längere Ausführun­gen zur außenpolitischen Lage, insbesondere zur deutsch - französischen Auseinander­setzung, übermittelt. Die Veröffentlichung ist von der Pariser Presse nahezu ausnahmslos in vollem Umfange übernommen worden und wird von ihr als bedeutsam bezeichnet. Laval bekennt sich ein­gangs zum Gedanken der deutsch-französi­schen Verständigung.

Ohne Einklang zwischen Paris und Berlin gebe es feine laifachliche Friedensgarantie für

Europa. Das habe er hundertmal gesagt.

In seinen weiteren Darlegungen wiederholt La­val aber die bekannten Argumente, insbesondere zur Verteidigung des Paktes mit Sowjetrußland, die aus französischen Ministerreden und Zeitungs­artikeln zur Genüge bekannt sind. Deutschland, so behauptet er, habe zwar Frankreich zu wieder­holten Malen die Friedenshand hingestreckt, habe aber durch seine Handlungen die Wirkung wieder zunichte gemacht. Die begründete deutsche Behaup­tung, daß Frankreich niemals auf deutsche Friedensvorschläge eingegangen sei, will Laval nicht gelten lassen. Während der 15 Monate, in denen er für die Außenpolitik verantwortlich ge­wesen sei, habe er niemals eine Gelegenheit ver­säumt, seinen Wunsch nach einer Verständigung mit Deutschland Ausdruck zu geben. In diesem Zusammenhang geht Laval auf den französisch- sowjetrussischen Beistandspakt ein. Laval möchte es auch so dargestellt wissen, als ob Deutschland im Jahre 1935 gegen den Abschluß von zweiseitigen Abmachungen über gegenseitigen Beistand nichts emzuwenden gehabt habe. Dabei beruft sich Laval auf angebliche Feststellungen Sir John Simons in Berlin.

So entschieden Laval auch hierbei den französi­schen Standpunkt heraushebt, so nachdrücklich tritt er im weiteren Verlauf seiner Erklärung für Ver­handlungen mit Deutschland ein. Ich möchte, schreibt er u. a., keine Erklärungen abgeben, die die fran­zösische Regierung stören könnten, da sie allein ver­antwortlich ist und auch die Entschlüsse zu fassen hat. Eines Tages, den ich nahe hoffe, wird eine neue Vertrauensatmosphäre zwischen den verschiede­nen Völkern ohne Zweifel gestatten, das niemals bisher gelöste Problem der Begrenzung der Rüstun­gen wieder aufzuwerfen.

Reichskanzler Hitler macht Vorschläge, mit deren Einzelheiten ich mich nicht zu befassen habe. Das ist Sache der Regierungen, aber die systematische Weigerung, zu verhandeln, würde meiner Ansicht nach falsch sein. Unter der Be­dingung, daß wir stark bleiben, halte ich es für eine Pflicht, alles zu tun und nichts zu vernachlässigen, um eine Festigung des Frie­dens zu erreichen.

Die Psychologie unseres Landes ist gewiß nicht die Deutschlands. Alles das ist kein Grund, um einer Aussprache auszuweichen, die mehr denn je not­wendig ist. Man müßte nur in Berlin wissen, daß es gewisse Diskussionsmethoden gibt, die Frankreich nicht annimmt.

Wenn man mir entgegenhält, daß wir neuen Enttäuschungen entgegengehen, so antworte ich, daß wir unseren unbedingten Willen zur Errichtung des Friedens zeigen und beweisen müssen. Natürlich können wir nur in Übereinstimmung mit unseren Freundschaften und mit unseren Bünd­nissen handeln. Der Frieden, den wir wollen, ist kein egoistischer Frieden, kein Frieden nur für uns allein. Wir fordern einen Frieden für alle im Westen wie im Osten.

Die Erklärungen Hitlers würden keinen Wert haben, wenn sie einen anderen Sinn hätten. Es handelt sich nicht mehr darum, sich lang und breit mit Formeln zu befassen, sondern es gilt, das wesentliche Endergebnis zu erreichen. Wenn die in der Vergangenheit gewählten Systeme gescheitert find, müssen wir andere suchen und finden.

Bei Beginn von Verhandlungen reiht sich ein Plan an den anderen, ohne daß sie sich immer gleichen. Auf den deutschen Plan folgte der fran­zösische Plan, morgen vielleicht ein englischer Plan. In den Zustand der Unruhe und der Unordnung, in dem sich Europa befindet, muß man handeln, schnell handeln. Man muß in erster Linie eine Lösung der französisch-deutschen Fragen ver­suchen. So schwierig auch eine Regelung sein mag, kein französischer Staatsmann darf sich der Not­wendigkeit entziehen, sie zu versuchen, wenn er nickt die schwierigste Verantwortung auf sich laden will. Die Achtung vor den Landesgrenzen und die Ach­tung vor den innerpolitischen Systemen der ver­schiedenen Länder ist dabei die Bedingung, und zwar die wahre Bedingung eines dauerhaften Friedens.

In Frankreich war man von der Haltung Eng­lands enttäuscht. Ich gebe zu, daß meine Heber» raschung nicht so groß war wie die der Mehr­zahl meiner Landsleute. Da ich als Franzose denke, finde ich es natürlich, daß man auf der anderen

Seite des Kanals englisch denkt. Und an dem Tage, da wir nicht mehr tue einen oder die anderen un­serer Verhandlungspartner dazu zwingen wollen, ebenso zu denken wir wir, werden wir einen großen Schritt zum Verständnis gemacht haben. Unsere Zu­sammenarbeit wird dann bedeutend erleichtert sein.

Die Forderung französischer Frontkämpfer.

Paris, 15. April. (DNB.) In Reims fand in den letzten Tagen die 20. Jahresversammlung der Union F 6 d 6 rale", des größten franzö­sischen Frontkämpfer verbandes, statt, Der annähernd eine Million Mitglieder zählt. Diese Tagung stand nach den Worten Des wiedergewähl­ten Vorsitzenden Henri P i ch o t unter dem Zeichen der nationalen Sammlung. Pichot äußerte sich einigermaßen skeptisch über den Parlamen­tarismus. Er führte aus, daß die Kammerwahl ein nur ungenaues Bild des Landes liefere. Die neue Kammer werde sich sagen müssen, daß die Tage ernster Verantwortung gekommen seien. Die öffentliche Meinung werde fordern, daß die Regierung von unbescholtenen/ mutigen Män­nern gebildet werde, die sich des nationalen Ge­wissens bewußt seien. Pichot sprach in diesem Zu­sammenhang auch von den jungen Kräften, die an Stelle der unfähigen Polittker die Staats­reform und die Erneuerung der Wirtschaft durch­führen würden.

Ausführlich erörtert wurde die außenpolitische Lage, das deutsch-französische Verhält- n i s und das Problem des Friedens. In einer von dem Frontkämpferverband angenommenen Ent­schließung wendet sich dieUnion Föderale" gegen die inneren Kämpfe zwischen Franzosen. Sie lehnt jede Politik der Vereinsamung ab und erklärt, daß es die Aufgabe Frankreichs bei den bevorstehenden internationalen Verhand­lungen fein müsse, mit Ruhe und Festigkeit unab­hängig von den Schwankungen der Innenpolitik die. kollektive Sicherheit im Rahmen des Völkerbundes" zu vertreten.

3ntereffaute Ergebnisse einer Umfrage.

Paris, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Auf die Befragung, die das Journal" unter feinen Le­sern über verschiedene Tagesprobleme veranstaltet hat, find bisher rund 114 000 Antworten einge­laufen. Die Frage:Sind Sie der Ansicht, daß der Friede Europas von der deutsch-fran­zösischen Annäherung abhängig ist?" haben 87 964 Leser mit Ja und 2 5 6 4 4 mit Nein beantwortet. Die weitere Frage:Glauben Sie, daß wir uns mitDeutschland verstän­digen können?" wurde mit 78 1 7 4 Ia - Stim - men und 3 2 300 Nein-Stimmen beantwor­tet. Hingegen ist die Frage, ob es dem Völker­bund eines Tages gelingen werde, einen dauer­haften Frieden in Europa herzustellen, mit 21 940 Ja- und 87 9 6 8 Nein-Stimmen beantwortet worden. Bei der Frage nach den vier französischen Staatsmännern, in die man das größte Vertrauen setzt, steht Laval mit 45 612 Stimmen an der Spitze. Es folgen Tardieu mit 39 608, Man - bei mit 22196, Franklin-Bouillon mit 11 530 und Flandin mit 11168 Stimmen.

Die Generalsiabsbefprechungen.

London, 14. April. (DNB.) Die General« stabsbesprechungen auf Grund der Denk­schrift der Restlocarnomächte werden am Mittwoch in London beginnen. Auf englischer Seite neh­men u. a. Generalleutnant Dill für das Heer, der Stellvertretende Chef des Flvttenstabes Vizeadmi­ral James für die Flotte und Vizeluftmarschall C o u r t n e y für die Flugstreitkräfte teil. Frank­reich wird durch den stellvertretenden General­stabschef General Schweißguth (Heer), Gene» ral Mouchard (Luftflotte) und Vizeadmiral A b r i a l (Flotte) vertreten. Die belgischen Vertreter sind Generalmajor de Fontaine und der Luftfahrtattachs in London Major Wouters, sowie zwei ober brei jüngere Offiziere. Italien nimmt an ben Militärbesprechungen ber Rest- locarnomächte bekanntlich nicht teil.

Generalstreik

der nordfranzösistben Bergarbeiter.

Paris, 14. April. (DNB.) Auf einer General­versammlung ber Vertreter sämtlicher Gewerk­schaften des nvrbfranzösi s ch en Koh­lenbeckens in Lens wurde beschlossen, am 1. M a i in den Generalstreik zu treten. Al» Grund für diese Maßnahme wirb angegeben, bafj bie Vergünstigungen, bie ben Arbeitern über Tag zugeftanden würben, ungenügend seien, und daß bie Untertagearbeiter nicht einmal biese Vergünsti­gungen erhalten hätten.