Nr. 88 Erster Blatt
186. Mrgang
Mittwoch, 15. April 1936
Erscheint täglich, aufeer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Stehen
Postscheckkonto: 5rankfurt am Main 11686
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche llniverfttats-Vuch- und Steindruckerei R.Lauge in Stehen. 5christleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8V,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Text- anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25O/„ mehr.
Ermähtgte Grundpreise:
Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Frankreichs ewig„be-rohte"Osifront Don Karl von Schoch, Generalleutnant a. O.
All die Jahre hindurch ist die entmilitari. fierte Zone eines meiner größten Sorgenkinder gewesen, und immer wieder habe ich in Wort und Schrift auf diese klaffende Wunde an unserer West- grenze hingewiesen. Fast hatte ich manchmal dabei das Gefühl des Predigers in der Wüste. Jetzt ist das Thema zum alles beherrschenden Weltgespräch geworden. Angesichts der ganzen Einstellung der französischen Staatsmänner und ihrer Presse zu dieser Frage gewinnt es einen besonderen Reiz, die Meinung eines Mannes zu hören, der sozusagen aus der Schule geplaudert hat. Emil Sari, der Berichterstatter für den Heereshaushalt im französischen Senat, hat nämlich vor einiger Zeit einem Schriftleiter der „France militaire“ ein Interview gewährt, das freilich schon vor dem 7. März 1936 in dieser Zeitung veröffentlicht wurde; aber gerade dadurch gewinnen Saris Erklärungen besonders an fachlichem Wert.
Sari beginnt mit der Feststellung, daß die französischen Ostfestungen die Unverletzlichkeit des Landes gewährleisten und es gegen jeden Einfall und jede Ueberraschung sichern. Allgemein bekannt ist wohl, daß seit dem Weltkrieg Frankreich unter Aufwand unzähliger Milliarden seine neue Ostfront mit allen technischen Errungenschaften der jüngsten Zeit wirklich uneinnehmbar gestaltet hat. Ganz mit Recht betont Sari den gewaltigen Unterschied, ob es sich darum, handelt, nur ein einzelnes Festungswerk zum Schweigen zu bringen oder aber eine breite Lücke durch ein zusammenhängendes System von B e - festigungen zu schlagen. Kann man doch als Haupterfahrung des Weltkrieges auf dem Gebiet des Festungskampfes feststellen: Alle einzelnen Festungen ohne Ausnahme sind dem vernichtenden Feuer der modernen schweren Artillerie erlegen. Umgekehrt zeigt der ganze Krieg auf der Westfront kein einziges Beispiel, wo es gelungen wäre, durch den zusammenhängenden französi- scheu Festungsgürtel eine „breite Lücke" zu schlagen. Der einzig praktische Versuch, das Trauerspiel von Verdun, beweist vollauf die Anschauungen Saris: schwere Verluste, riesiger Materialaufwand und lange Dauer des Angriffs; schon allein die Tatsache, daß die Deutschen trotz aller Anstrengungen niemals imstande waren, genügend Artillerie herbeizuschaffen, um den Angriff gleichzeitig auf beiden Maasufern vorzutragen, war eine der Hauptursachen für das Mißlingen.
Und dabei handelte es sich hier nicht sowohl um das Herausschlagen einer genügend breiten Lücke (um einer Armee den strategischen Durchbruch zu ermöglichen) als vielmehr um das Herausbrechen einer einzelnen, allerdings besonders starken Säule des Festungssystems. Das Herausschlagen der Lücke aber hätte mindestens das Bekämpfen zweier feindlicher Festungen erfordert, daher noch weit mehr Artillerie und sonstige Kampfmittel. Kein Wunder also, daß der einzige Plan hierfür ebenso rasch verschwand, als er auftauchte. Ende August 1914 hat die Oberste Heeresleitung tatsächlich den kühnen Gedanken gefaßt, die in der Schlacht von Lothringen siegreiche 6. Armee solle zwischen Toul und Epinal durchstoßen. Da die Luftlinie zwischen diesen beiden Festungen nur 50 Kilometer beträgt, also fast in ihrer ganzen Breitenausdehnung von der Artillerie dieser zwei starken Festungsgruppen beherrscht war, so war ein artilleristisches Niederhalten, um nicht zu sagen Niederkämpfen der beiden die erste Voraussetzung für das Gelingen; schon die dafür nötigen schweren Batterien — besonders bespannte — waren aber nicht vorhanden. Den Franzosen konnte ein solcher Durchbruchsversuch nur hochwillkommen sein; in der sogenannten lzücke zwischen Toul und Epinal, die natürlich durch Feldbefestigungen gesperrt war, brauchten sie nur schwachen Widerstand zu leisten; je weiter westlich sie die deutsche 6. Armee nach sich zogen, desto vernichtender mußte dann ihr konzentrischer Gegenangriff unter kräftiger Mitwirkung von Toul und Epinal sich gestalten: ein Cannae schlimmster Sorge wäre der 6. Armee sicher gewesen; ein wahres Glück, daß die Oberste Heeresleitung schon nach wenigen Tagen den ganzen Plan wieder fallen ließ.
Konnte man also den bisherigen Ausführungen Saris gerade auf Grund kriegsgeschichtlicher Erfahrung restlos beistimmen, so wird man seine letzten Folgerungen mit um so größeren Bedenken lesen müssen. Auf die Frage nämlich, ob die Festungen, wenn alles fertig ist, der Erhaltung des Friedens dienen, indem sie jeden feindlichen Einfall ausschließen, antwortet er: niemand könne das bestreiten. Gewiß, Befestigungen jeder Art dienen in erster Linie der Abwehr; aber damit ist ihre Aufgabe doch keineswegs erschöpft, sie werden oft genug zu Ausfallspfortenund ermöglichen es, an einem Teil der Front mit schwachen Kräften auszukommen, um an anderer Stelle desto stärker angreifen zu können. Ohne die Anlehnung an Königsberg hätte Hindenburg kaum die fast völlige Entblößung der deutschen Ostgrenze gegenüber Rennenkampf wagen können, vielleicht wäre dann Tannenberg nicht geschlagen worden!
Eine Behauptung Saris aber, daß mit der Landesbefestigung ein Volk seine Achtung vor der Unverletzlichkeit des Nachbarlandes betone, hält geschichtlicher Nachprüfung nicht stand. Kein geringerer als Ludwig XIV. hat die Grenzen Frankreichs mit einem dreifachen Gürtel von 130 Festungen gesichert, und dem Sonnenkönig wird selbst Herr Sari schwerlich andichten wollen, daß ihm die Nachbarländer (z. B. die Rheinpfalz) un-
England wartet die Entwicklung in Genf ab.
Hoffnungen auf finanzielle GchwierigkeitenFtaliens./Keine gebundene Marschroute für Eden.
London, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Vor der Abreise des englischen Außenministers Eden nach Genf, die auf heute nachmittag festgesetzt ist, beschäftigen sich die englischen Blätter noch einmal eingehend mit den Aussichten der Besprechungen für eine Beilegung des abessinischen Streitfalles.
Aus den Blättermeldungen geht hervor, daß Eden nicht mit neuen, f e ft umriffenen Anweisungen nach Genf reift, die Entwicklung der Genfer Verhandlungen abwarten will. In den offensichtlich beeinflußten Berichten wird allgemein hervorgehoben, daß die Widerstandskraft Abessiniens noch keineswegs als gebrochen angesehen werden könnte. Auch spiele die schwierige finanzielle wirtschaftliche Lage Italiens eine wichtige Rolle.
So schreibt der diplomatische Mitarbeiter der „Time s", die Politik der britischen Regierung sei unverändert. England wolle auch jetzt im Abessinienstreit nicht auf eigene Faust handeln. Die Regierung sei der Ueberzeugung, daß der D ö l k e r b u n d als ein Ganzes handeln müsse. Bei der Erwägung wirtschaftlicher und finanzieller Sühnemaßnahmen werde England auch nicht über das hinausgehen, wozu die übrigen Dölkerbundsmitglieder bereit find. In Regierungskreisen halte man es für einen Fehler, die Wirkung der jetzigen Sühnemaßnahmen zu unterstützen. Ebenso weise man die Behauptung zurück, daß die Abessinier völlig besiegt seien, oder Italiens Schwierigkeiten so gut wie behoben seien. Don einer Lockerung der Sühnemaßnahmen gegen Italien könne keine Rede sein, solange die Feindseligkeiten andauern. Man sei jedoch geneigt, zunächst das Ereignis der Besprechungen zwischen den Völkerbundsvertretern und Italien abzuwarten, bevor man sich mit den etwaigen Folgen eines Scheiterns befasse.
Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" tritt der Auffassung entgegen, daß Eden in den letzten Genfer Verhandlungen eigenmächtig öorgegangen fei. Hinter seiner Stellungnahme stehe vielmehr das Gesamtkabinett. Solange ein wirklicher Friede in Abessinien nicht erzielt fei, komme nach Ansicht der englischen Regierung eine Milderung der Sühnemaßnahmen nicht in Frage. Im Falle eines Fehlschlagens der Friedensbesprechungen sei England tatsächlich bereit, sich jeder Entscheidung des Sühneausschusses über die Ausübung eines finanziellen und wirtschaftlichen Druckes auf Italien anzuschließen. Man habe nicht vergessen, daß eine Oelsperre bereits grundsätzlich gebilligt worden sei. Die Gerüchte, daß die bestehenden Sühnemaßnahmen auf französischen Wunsch aufgehoben werden sollen, seien weniger auf Tatsachen, als auf italienische Hoffnungen begründet. Italiens Finanzlage sei ernst. Seine Goldrücklagen seien monatlich um 9 Millionen Pfund gefallen. Diese andauernde finanzielle Unterhöhlung könne in wenigen Monaten zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führen. Die Kenntnis dieser Lage werde wahrscheinlich bei den bevorstehenden Genfer Verhandlungen zwischen den abessinischen und den italienischen Vertretern gegenüber der Tatsache der kürzlichen italienischen Siege beträchtlich ins Gewicht fallen. Man-rechne daher nicht damit, daß der N e g u s sich mit tief erniedri- genben Bedingungen abfinden werde. Ferner sei klar, daß die ausgiebige Anwendung von Gift- gasen den italienischen Vormarsch ermöglicht habe. Weder der Völkerbund, noch die britische Regierung könnten an der Tatsache vorbei, daß die Italiener wieder ein i n t e r n a t i o • nales Abkommen gebrochen hätten. Man
habe Grund anzunehmen, daß diese Auffassung auch bei der französischen Regierung Platz gegriffen habe.
Der diplomatische Mitarbeiter der „M o r n i n g P o st" glaubt, daß England auf der nächsten Genfer Sitzung eine Oelsperre vor schlagen werde, falls die Friedensbesprechungen fehlschlagen sollten. Das Unvermögen, den Krieg durch Sühnemaßnahmen zu beenden, und die Möglichkeit des Scheiterns der Friedensbemühungen haben die britische Regierung wiederum in eine schwierige Lage versetzt. Die Aussichten auf ein Kompromiß würden als ungünstig betrachtet.
Eden bei Baldwin.
London, 15. April. (DNB.) Außenminister Eden hat sich im Laufe des Dienstag nach Trent Park begeben, um sich mit dem dort weilenden Ministerpräsidenten Baldwin über die Lage in Genf zu besprechen. Eden wird Mittwoch nachmittag nach Genf zurückkehren.
Die englischen Hoffnungen sind zur Zeit auf die Sitzung des Genfer Schlichtungsausschusses gerichtet, der am Donnerstag zusammentritt, um zu den Ergebnissen der bisherigen Friedensfühler Stellung zu nehmen. Der Sitzung geht bekanntlich eine Zusammenkunft des Vorsitzenden des Dreizehner-Ausschusses Madariaga mit einem abessinischen Vertreter und wahrscheinlich auch mit dem italienischen Vertreter Baron A l o i s i voraus.
„Times"aüdiettalienischeAdreffe
London, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Wie auf ein Stichwort hin heben in ihren Kommentaren zu den Genfer Verhandlungen über den abessinischen Streitfall die Morgenblätter hervor, daß man die Stärke der italienischen Ver
handlungsstellung trotz der letzten militärischen Siege nicht überschätzen dürfe. Diese Tendenz, die schon in den politischen Informationen der Presse sich geltend machte, erscheint noch stärker in den Leitartikeln. So schreibt „Time s", Mussolini werde vielleicht auf Grund verschiedener Tatsachen zu der Ansicht kommen, daß ein ausge« handelter Friede für Italien vorteilhafter sei, als die grenzenlose Verlängerung des Krieges mit ihrem Verlust an Menschenleben, ihrem „großen Einfluß auf Italiens innere Lage und ihren Folgen für die politische Stellung Italiens in Europa".
Der Krieg werde selbst bann nicht zu Ende fein, wenn die italienischen Truppen Addis Abeba vor Beginn der Regenzeit erreichen sollten. Auch dann wäre nur der erste Abschnitt der Eroberung eines gewaltigen und schwierigen Gebietes erreicht. Abessiniens Widerstand würde in Form eines dauernden Kleinkrieges andauern.
In den europäischen Angelegenheiten, die Italien viel näher angingen, sei sein Einfluß ständig gesunken. Der schwere Stoß, den das italienische Ansehen erlitten habe, sei dadurch bewiesen worden, daß man den Vorschlag, italienische Truppen als Vertreter für die „Heiligkeit der Verträge" nach dem Rheinland zu senden, allgemein höhnisch beurteilt habe. Die Anwendung von Giftgasen habe die öffentliche Meinung in den einzelnen zivilisierten Ländern entrüstet. Bei den heute beginnenden General st absbesprechungen zwischen England, Frankreich und Belgien sei keine Rede von einer italienischen Mitarbeit. In der Tat sei es offensichtlich, daß der italienische Einfluß in Europa mit dem Zunehmen feiner Inanspruchnahme an anderer Stelle zurückgehe.
Französische Abneigung gegen weitere Sanktionen
Harte Worte der pariser presse gegen England.
Paris, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Vor der Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen über den italienisch-abessinischen Streitfall verstärkt die französische Presse ihre Bemühungen, vor einer Verschärfung der Sühnemaßnahmen gegen Italien zu warnen. Selbst in radikalsozialistischen Blättern wendet man sich von der bisher durchgeführten Unterstützung der Sühnemaßnahmenpolitik ab und findet Worte des Verständnisses, wenn nicht für den italienischen Standpunkt, so doch für d i e fachlichen Belange Frankreichs, die gegen einen Bruch mit Italien sprechen. Bezeichnend ist, daß die sozialistische und die k o m m u n i st i s ch e Presse sich über die Sühnemaßnahmen, die sie früher so eifrig gefordert hat, in Schweigen hüllt.
Der dem französischen Außenministerium nahestehende „Petit Parisien" fordert, daß die Friedensverhandlungen im afrikanischen Streitfall nicht unter dem Druck neuer Sühnemaßnahmen gegen Italien stattfinden dürften.
Der sühnemaßnahmenfeindliche „I o u r" glaubt, daß in der Frage der Sühnemaßnahmen England eine plötzliche Schwenkung voraenommen habe. Baldwin und Eden, so schreibt das Blatt, hätten die Unwirksamkeit von Oelmaß- nahmen und der wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen erkannt. Eine militärische
Aktion aber erscheine ihnen aus vielerlei Gründen gefährlich. Kein Staatsmann sehe leichten Herzens der Gefahr eines Krieges ins Auge. In London wisse man auch, daß England kaum auf die Mitwirkung anderer Völkerbundsmitglieder rechnen könne. Insbesondere habe Frankreich in London zu verstehen gegeben, daß es sich gewissen Maßnahmen, wie z. B. einer Schließung des Suezkanals für die italienischen Schiffe, widersetzen werde. Auf militärischem Gebiet stehe es in England so, daß an ein Einzelvorgehen nicht zu denken sei.
Auch der „Matin" ist davon überzeugt, daß England nicht allein gegen Italien oorgehen werde, vor allem wenn sich in Genf genügend Anhänger für eine andere als die englische Auffassung fänden.
Das „I o u r n a l" erklärt, England möge ein- sehen, daß Frankreich nicht gewillt sei, für England die Kastanien aus dem Feuer z u holen.
Wladimir d ' O r m e f s o n im „F i g a r o" fürchtet, daß England die Verantwortung für die Niederlage des Völkerbundes im abessinischen Streitfall auf Frankreich abwälzen und ihm oorroerfen werde, die kollektive Sicherheit sabotiert zu haben. Es wäre daher besser, daß Frankreich sofort nach dem „Bruch" des Locarno- Vertrages den Völkerbund verlassen hätte. Noch
verletzlich gewesen wären. Das gleiche Festungssystem hat auch Napoleon I. nicht daran verhin- dert, seine Adler bis nach Wien, Berlin Utid Moskau zu führen. Ebensowenig hat der neue Festungsgürtel, den Frankreich sich nach 1871 geschaffen, nicht verhindert, daß wenn auch nicht die gesamte Nation, doch ihre maßgebenden Führer wie Poin- care, Elemenceau u. a. 44 Jahre den Rachegedanken mit allen Mitteln gepflegt haben; er hat endlich nicht verhindert, sondern nur begünstigt, daß im August 1914 zwei starke französische Armeen in Elsaß-Lothringen eingefallen sind.
Wenn wir aber mit Sari dem heutigen Frankreich friedliche Absichten unterstellen wollten, was angesichts des höchst verdächtigen Bündnisses mit Moskau nicht leicht ist, wenn wir sogar glauben wollen, daß Frankreich durch die Befestigungen seiner Grenzen nur seine friedlichen Absichten und die Achtung vor der Unverletzlichkeit des deutschen Nachbarlandes bewiesen haben, dann türmen sich geradezu die Gegenfragen auf: Warum hat man Deutschland gezwungen, alle Westfestungen bis 50 Kilometer östlich des Rheines zu schleifen? Sie hätten doch — immer nach Sari — genau ebenso unsere Achtung vor der Unverletzlichkeit Frankreichs betont. Warum hat die interalliierte Militärkommission im Jahre 1922 wie ein Shylock darauf bestanden, daß selbst die harmlosesten wenigen Unterstände in £) ft preu- fee n vernichtet werden mußten, obgleich sie ohne jede Artilleriebestückung waren? Oder endlich: Glaubt Sari ober sonst ein Franzose, daß die deutschen Truppen, die jetzt in ihre früheren Friedensstandorte westlich des Rheines einmarschiert sind, eines Tages den wahnsinnigen Gedan-
ken haben werden, sich die Schädel an der Magi- noHtnie zu zerschmettern, die gerade Sari selbst für uneinnehmbar erklärt hat?
Clausewitz hat auf die Frage, wo die Festungen zu liegen haben, die klassische Antwort erteilt: „Die natürlichste Antwort ist, daß die Festungen a n d i e Grenzen gehören; denn sie sollen den Staat verteidigen, und der Staat ist verteidigt, solange die Grenzen es sind." Angefangen von der chinesischen Mauer und dem römischen Limes über das Festungsnetz Vaubans bis zur Maginotlinie hat dieses Wort Ewigkeitswert; nicht nur für Frankreich allein.
Oer Führer besichtigt die Reichsautobahn.
München, 14. April. (DNB.) Der Führer besichtigte, von Berchtesgaden kommend, am Dienstag zunächst den bereits fertiggestellten Teil der deutschen Queralpen st raße von Mauthäusl bis Inzell, anschließend die Reichsautobahn München — Landesgrenze von Bernau am Chiemsee bis München. In der Begleitung des Führers befanden sich der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen Dr. Todt und der Leiter der Fachgruppe Kraftwagen Direktor Wer - l i n.
Die Autobahn München—Landesgrenze ist bisher auf einer Strecke von 30 Kilometer von München bis Weyarn dem Verkehr freigegeben. Etwa gegen Pfingsten wird ein weiteres T^lstück bis
Frasdorf mit der Jnn-Ueberquerung dem Verkehr übergeben werden können. Später erfolgt dann die Freigabe der Strecke bis Kilometer 75 am Chiemsee. Der am Dienstag besichtigte Teil der Strecke, auf dem eine Fahrbahn größtenteils bereits fahr- fertig ist, führt durch landschaftlich reizvollstes Gebiet Deutschlands. Von der Höhe vor dem Chiemsee hat man einen Blick auf die gesamten deutschen Ostalpen und über den Chiemsee weit hinaus in das bayrische Land, einen Ausblick, wie er von kaum einer Autostraße Deutschlands in solcher Schönhest geboten werden kann. Besonders eindrucksvoll sind auch die Brückenüberquerungen der Prien und des Inn. Westlich des Inn hat man von Irschenberg eine Alpensicht auf das Kaisergebirge, den Dachstein, den Wendelstein und einen großen Teil der bayrischen Alpen, die von überwältigender Schönheit ist. Interessant und landschaftlich reizvoll ist auch die Durchquerung des Leitzach-Tales und die Streckenführung am Seehamer See.
An Der Bahre von Hoefchs.
London, 14. April. (DNB.) Als Vertreter der Reichsregierung traf am Dienstag Ministerialdirektor Dieck hoff in London ein, um an dec Ueberführung der Leiche des verstorbenen Botschafters von H o e s ch teilzunehmen.
Ministerialdirektor D i e ck h o f f legte im Namen des Führers und Reichskanzlers an der Bahre des verstorbenen Botschafters von H o e f ch einen Kranz nieder. Einen weiteren Kranz legte er im Auftrage des Reichsaufeenministers und der Mitglieder des Auswärtigen Amtes nieder.


