Landjahr 1936.
Don Ministerialrat Adolf Schmidt-Bodenstedt.
Am 17. April beginnt das diesjährige „Landjahr". Wir haben den Leiter der Lano- jahr-Abteiluna im Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Ministerialrat Schmidt- Badenstedt, gebeten, uns einige grundsätzliche Ausführungen für das Landjahr 1936 zur Verfügung zu stellen.
Die Schriftleitung.
Für die meisten der mehr als 30 000 Jungen und Mädchen, die in diesen Tagen auf große Fahrt in die Landjahrlager nach Niedersachsen, Pommern, Schleswig-Holstein, Schlesien, Ostpreußen, Rhein- land und Westfalen gehen, bedeutet dies den ersten längeren Abschied von ihren Eltern, ihren bisherigen Kameraden, von der Stätte, in der sie ihre Kinderzeit verbracht haben. Wohl wird es den Eltern etwas schwer ums Herz sein, ihre Kinder nun für acht Monate herauszugeben in eine fremde Umgebung unter Führung ihnen zunächst noch unbekannter Menschen. Aber sie wissen auch, daß sie ihre Jungen und Mädchen damit nicht einem unbekannten Schicksal ausliefern, sondern daß der nationalsozialistische Staat dieses Landjahr geschaffen hat, um ihren Kindern in einer gesunden Umgebung unter der Leitung bewährter und für die Aufgabe besonders geschulter Erzieher eine bevor- zuate Erziehung zuteil werden zu lassen.
Das Landjahr ist in seiner Art ohne Beispiel in der deutschen und außerdeutschen Geschichte des Erziehungswesens. Es wurde zum ersten Mal, zunächst als Versuch, mit beispiellosem Erfolg durchgeführt im Jahre 1934, und es hat sich heute nach !weijährigem Bestehen endgültig durch ge - etzt. Wenn auch zunächst die Stimmen der Be- enklichen nicht fehlten, die vor einem Erziehungsexperiment warnen zu müssen glaubten, das keinerlei Vorgänger habe und vielleicht zu einem Mißerfolg führen könne, so gibt es heute um so mehr Pädagogen und Er^iehungsmänner, die begeisterte Anhänger und Verfechter dieser in der Tat revolutionären Erziehungsgrundsätze des Landjahres sind. „Seine besten Verteidiger aber sind", wie Reichsminister R u st, der Schöpfer des Landjahres, feststellen konnte, „die Eltern, die ihre Kinder zurückbekommen haben, wie sie sie noch nicht kannten, rechtwinklig an Leib und Seele."
Das zeigt wohl am eindeutigsten, wie tief der Erziehungsgedanke des Landjahres, feine Form und Durchführung in die breitesten Schichten des Volkes Eingang gefunden hat. Es sind die Kinder des Volkes, ohne Unterschied des Standes und der Konfession, die im Landjahr eine Erziehung genießen, wie sie früher in ihrer umfassenden Auswirkung kaum ausdenkbar gewesen ist.
In der Kameradschaft des Lagers erkennen die Kinder, daß allein entscheidend für die Wertung des einzelnen die Leistung ist, mit der er der Gemeinschaft dient. In diesem einen Jahr sollen die jungen deutschen Volksgenossen an sich selbst erleben, daß konfessionelle Verschiedenheiten keine Grenzen zu bedeuten brauchen, und daß nur in der Zusammenfassung der Kräfte der Einzelnen in der Gemeinschaft die Energien ausgelöst werden, die die Zukunft eines Volkes garantieren.
Das Landjahr erfaßt die in körperlicher und geistiger Beziehung erbbiologisch gesunden und charakterlich wertvollen Jungen und Mädel arischer Abstammung und deutscher Staatszugehörigkeit, um sie durch zuchtvolle, gleicherweise vom praktischen Leben und vom Volkstum der Gegenwart her bestimmte Gemeinschaftserziehung auf dem Lande bei bäuerlicher Arbeit geistig wie körperlich harmonisch durchzubilden und bei nationalsozialistischer Schulung zu freudiger Einsatzbereitschaft für das Volksganze zu erziehen. Grundsätzlich sind alle deutschen Kinder zur Teilnahme am Landjahr verpflichtet, soweit sie den Grundsätzen der Auswahl entsprechen und Aufnahmemöglichkeiten vorhanden sind. Bevor- zugt werden dabei Kinder aus einer gesundheitlich gefährdeten Umgebung. Die Landjahrpflichtigen müllen zur Feststellung ihrer Tauglichkeit vor der Entsendung in die Landjahrlager wiederholt ärztlich untersucht werden. Ein ins einzelne gehender Beurteilungsbogen fordert eine sorgfältige Stellungnahme des Arztes und eine eindeutige Beurteilung durch die Schule.
Ueber die Herkunft, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse Der Landjahrpflichtigen mögen folgende Feststellungen Auskunft geben:
Von den im Jahre 1935 in das Preußische Landjahr eingezogenen 31504 Jungen und Mädchen waren 2981 Väter Beamte. Die Zahl der Väter in einem Angestelltenverhältnis betrug 3802. Selbständige Kaufleute, Händler und Handwerker waren 3140 Väter; in sonstigen Berufen standen 3051. Weiter waren 11 500 Väter gelernte Arbeiter, 6896
ungelernte und 129 landwirtschaftliche Arbeiter, erwerbslos waren 5565 Väter.
Aus Großstädten mit über 100 000 Einwohnern stammten 18 467, aus kleineren Städten 7597 Landlahrpflichtige. Die übrigen 5440 Landjahrpflichtigen sind in Landgemeinden, die in einem Notstandsgebiet liegen, beheimatet.
Das Landjahr ist kein Land f ck u l jahr und nicht „Unterricht in ländlicher Umgebung". Es räumt auf mit einer verträumten Erntewagenromantik einer Zeit, die selbst schon die Verbundenheit mit dem Boden verloren hatte. Im Landjahr sehen und erleben die Kinder es täglich, daß dieser Boden nichts schenkt, sondern sich nur in harter Arbeit immer wieder neu seine Ernte abringen läßt, und sie wachsen durch die Arbeit selbst hinein in den Lebenskreis des mit dem Boden verbundenen Bauerntums und Dorfhandwerks in dem für ihre Gesamthaltung entscheidenden Lebensalter von 14 Jahren.
Im Landjahr herrscht das Gesetz der Gemeinschaft und der Kameradschaft des Lagers, und daraus erwachsen die Formen der Schulung und der Erziehung. Jeder Junge und jedes Mädel erleben es an sich selber in Arbeit, Sport und Spiel, wie die Gemeinschaft sie mitreißt und ihre Leistungen steigert. Aber nicht auf die Leistung technischen Könnens und besonderer Fähigkeiten zielt die Landjahrerziehung hin, sondern auf die Leistung des Charakters, auf Stählung des Willens ebenso wie auf Sauberkeit der Haltung. Alles dient dieser Erziehung, die nicht darauf abgestellt ist, Spitzenleistungen einzelner, besonders gut veranlagter Jungen und Mädchen heranzuzüchten, sondern bei planmäßiger Aufbauarbeit und allmählicher Leistungssteigerung die Durchschnittsleistungen der Lagergemeinschaften zu steigern.
Der Erfolg blieb nicht aus. An der Schwelle des dritten Landlahres, das am 17. April beginnt, kann rückblickend festgestellt werden, daß die Schulentlassenen der Jahre 1934 und 1935 nach Ableistung ihrer Landjahrpflicht gesünder und froher, wider- standsfähig und arbeitstüchtiger in das für sie nun beginnende praktische Leben hinausgingen.
Paris, 15. April. (DNB. Funkfpruch.) Die politische Entwicklung in Spanien macht die französische presse, soweit sie nicht zur Volksfront gehört, besorgt. Man fürchtet Rückwirkungen auf die französische Innenpolitik. Der „Jour" behauptet heute, daß Bucharin, der frühere Leiter der Komintern, nach Spanien unterwegs sei, um eine kommuni st ifche französisch - spanische Legion zu organisieren. Bucharins Eintreffen fei bereits aus präg und dann aus Bafel gemeldet worden. Möglicherweise werde er über Straßburg auch nach paris kommen. In Straßburg werde er zunächst einmal die Finanzierung der dortigen Kommunisten durch Moskau regeln, nachdem diese durch die Verhaftung Eberleins gestört worden sei. In p a r l s werde Bucharin mit den Kommunisten führern Frankreichs verhandeln und dann am 19. April in Madrid eintreffen. Das Blatt kündigt bereits seht an, daß man Dementis dieser Informationen nicht zu fürchten brauche. Für die Durchreise Bucharins durch Frankreich werde es Beweise schaffen. Am Mittwoch, so meldet der „Iour" weiter, werde in Paris eine kommunistische französisch-spanische Legion gegründet werden. Sie solle die rote Einheitsfront unterstützen, d. h. Unter st ühung der kommuni st ischen Massen zum Zwecke der proletarischenRevolution. Die französischen Kommunisten hätten für dieses Abkommen nur eine Bedingung gestellt, nämlich, daß die spanischen Kommunisten ihre französischen Kameraden in „analogen Fällen" zu unterstützen hätten.
Anschläge aus französische Polizeipräfekturen.
Paris, 14. April. (DNB.) In weniger als 48 Stunden sind auf drei französische Poli-
Jede erzieherische Einwirkung auf Menschen ist in höchstem Maße abhängig von der Persönlichkeit des Erziehers. Auch die Durchführung des Landjahres steht und fällt mit dem Einsatz geeigneter Männer und Frauen, die die Aufgabe erkennen und gewillt und innerlich bereit sind, sie durchzuführen und ihre Kräfte des Herzens und der Seele dafür einzusetzen.
Der Erfolg hat bewiesen, daß bei dem Einsatz dieser Landjahrerzieherschaft die richtigen Wege beschritten wurden. In mehrwöchigen Schulungs- und Ausleselagern mußten die künftigen Landjahrerzieher und -erzieherinnen — sie stehen alle im Alter von 20—30 Jahren — ihre Fähigkeit beweisen, auf Grund ihrer körperlichen, charakterlichen und weltanschaulichen Eignung als lebendige kämpfe- ische Jugendführer die Forderungen selbst vorzuleben. So wurde ein Erzieherkorps gewonnen, das aus innerer Berufung ouchdrungen ist von der Verpflichtung, nationalsozialistische Gefolgschaftsund Kameradschaftsgesinnung vorzuleben und in unermüdlicher Hingabe den genialen Gedanken des Landjahres in täglicher harter Anspannung aller Kräfte zu gestalten. Den bewährtesten Erziehern und Erzieherinnen wird die Leitung der Landjahrlager übertragen, in denen die Landjahrpflichtigen in mehreren Gruppen zu je 20 Kinder zusammen- gefaht sind. Jungen und Mädchen sind in getrennten Lagern untergebracht.
Im letzten Jahr ist außer in Preußen und dem Saarland auch in anderen deutschen Ländern das Landjahr gesetzlich eingeführt worden. Während die Verwaltung im einzelnen den Ländern obliegt, werden die grundsätzlichen Richtlinien von dem Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung erteilt.
Die Jungen und Mädel im Landjahr tragen auf Grund einer Vereinbarung mit dem Reichsjugendführer. die Uniform der Hitlerjugend, und den Landjahrerziehern sind Ränge in der HI. verliehen' worden.
Das Landjahr als Schöpfung des nationalsozialistischen Staates bedient sich der lebendigen Formen einer Erziehung, wie sie die nationalsozialistische Bewegung entwickelt hat: der durch Idee und Erlebnis geformten Gemeinschaft, des Lagers. Und indem das Landjahr in ständiger engster Zusammenarbeit mit der nationalsozialistischen Bewegung steht, werden die aus ihre immer neu strömenden Kräfte in der Erziehung der Landjahrpflichtigen wirksam.
aeipräfetturen Anschläge verübt worden, die jedoch keinen nennenswerten Schaden anrichteten.
Am Montagmorgen fand der Pförtner der Polizeipräfektur von Nantes in einem der Zimmer des Erdgeschosses eine leere Dose, die eine leicht explodierbare Flüssigkeit enthalten hatte und die von außenher ins Zimmer geschleudert worden war. Das Feuer, das im Anschluß an die Explosion ausgebrochen war und das niemand bemerkt hatte, war jedoch von selbst erstickt, so daß nur unbeträchtlicher Sachschaden verursacht wurde.
In der Nacht zum Dienstag drangen Unbekannte in ein Büro des Polizeipräsidiums von Quimper (Bretagne) ein und begossen den Fußboden mit Benzin, das sie allerdings nicht anzündeten. Man vermutet, daß dieser Anschlag von bretonischen Autonomisten ausgeführt wurde.
Ein dritter ähnlicher Anschlag wurde schließlich auf das Polizeipräsidium von <e> t. Brieu , ebenfalls in der Bretagne, verübt, wo eine mit einer leicht explodierbaren Flüssigkeit gefüllte Flasche in das Büro eines hohen Beamten geschleudert wurde, ohne jedoch zu explodieren. Auch hier nimmt man an, daß es sich um einen Anschlag von bretonischen Autonomisten handelt, die am 15. Februar einen Drohbrief an die französische Regierung gesandt hatten, in dem sie die Einführung der bretonischen Sprache im Schulunterricht forderten.
Kommunisten stören eine Parade in Madrid.
Madrid, 14. April. (DNB.) Bei der mili- tärischen Parade, die am Dienstag aus Anlaß des fünfjährigen Bestehens der spanischen Republik unter Teilnahme der Bevölkerung und sämtlicher städtischen und staatlichen Behörden aus der Castellana abgehalten wurde, wurden gegenüber der Präsidialtribüne und neben der Tribüne, auf der das diplomatische Korps Platz genommen hatte, von unbekannten Tätern Feuerwerkskörper entzündet. Da die Ex
plosion der Feuerwerkskörper im ersten Augenblick für Pistolenschüsse gehalten wurden und man an einen kommunistischen UeberfaU glaubte, entstand unter den Zisichauern eine Panik, die sich jedoch bald legte. Die Parade wurde fortgesetzt. Bei den Feuerwerkskörpern handelte es sich um die gleichen, wie sie auch auf den spanischen Jahrmärkten abgebrannt werden.
Die Kommunisten versuchten, sich mit ihren roten Fahnen der Parade anzuschließen, wurden jedoch von der Polizei daran gehindert. Kurz nach dem Zwischenfall wurden von Kommunisten Flugzettel verteilt und auch zu den Tribünen des diplomatischen Korps hinaufgeworfen. Nach Beendigung der Parade kam es zwischen Kommunisten und politischen Gegnern zu einer Schießerei, die ein Todesopfer und vier z. T. Schwerverletzte forderte.
Weitere Tote und Verwundete in Spanien.
Madrid. 15. April. (DNB. Funkspruch.) In der Nacht zum Mittwoch kam es in Spanien im Anschluß an die amtlichen Feiern anläßlich des fünfjährigen Bestehens der spanischen Republik zu mehreren blutigen Zwischenfällen. Im „Jerez de la Frontera" wurde der Führer der spanischen Faschisten von Marxisten überfallen und lebensgefährlich verletzt. Im Verlaufe einer Schießerei wurde weitere sechs Personen verwundet und eine getötet. In Linares forderte eine Schießerei zwischen Sozialdemokraten und Kommun i ft e n einen Toten und drei Schwerverletzte. Unter den letzteren befindet sich auch der Chef der städtischen Polizei. In P a mp l o n a wurde aus Protest gegen die Arbeitslosigkeit von den sozialdemokratischen Gewerkschaften der Generalstreik erklärt. In Madrid stellten um Mitternacht sämtliche Kraftdroschken ihren Betrieb ein, um ihre Lohnforderungen durchzudrücken.
©er apostolische Nuntius bei Garraut.
Paris. 15. April. (DNB.) Der französische Mi- nifterpräfioent Sarraut empfing am Dienstagnachmittag den apostolischen Nuntius.
Sin Wechischer„phöliix"-profesl
Wien, 15. April. (DNB.) Wie zuverlässig verlautet, hat die tschechoslowakische Regierung durch ihren Wiener Geschäftsträger am Dienstag beim Außenminister Berger-Walde n e g g Vorstellungen in der Angelegenheit der Versicherungsgesellschaft Phönix erhoben. Dem Vernehmen nach soll der Geschäftsträger darauf hingewiesen haben, daß die von der österreichischen Regierung durchgeführte Regelung der Phönix- Angelegenheit gegen die verschiedenen Vereinbarungen verstoße, die zwischen der österreichischen und der tschechoslowakischen Regierung sowie zwischen den staatlichen Versicherungsaufsichtsbehörden in Wien und Graz im Laufe der Jahre geschlossen wurden.
Die Beisetzung Demerdzis'.
Athen, 14. April. (DNB.) Unter großer Anteil- nähme der Bevölkerung wurde der in den frühen Morgenstunden des Ostermontag plötzlich verstorbene griechische Ministerpräsident Demerdzis am Dienstagnachmittag z u Grabe getragen. Die Beisetzung fand in überaus feierlicher Form statt. Dem Trauergottesdienst in der Kathedrale wohnten der König, der Thronfolger, alle Mitglieder der Regierung, die hohen geistlichen Würdenträger, Vertreter der Beamtenschaft und der Wehrmacht sowie das diplomatische Korps bei. Die Garnison von Athen erwies dem Verstorbenen bis zum Friedhof militärische Ehren.
Der neue Ministerpräsident General Metaxas hielt in der Kathedrale auf feinen verstorbenen Amtsvorgänger eine Trauerrede, in der er u. a. feststellte, daß das ganze politische Leben Demerdzis' ohne Hintergedanken und ohne persönliche Interessen dem Wohle Griechenlands gewidmet gewesen sei. Der Tod von Demerdzis, der gleichsam als Soldat auf dem Schlachtfeld gefallen sei, bedeute einen großen Verlust für Griechenland. Sein Andenken werde unvergessen bleiben.
Seiki!) des Führers.
Berlin, 14. April. (DNB.) Anläßlich des Ablebens des griechischen Ministerpräsi- denten Demerdzis hat der Führer und Reichskanzler Seiner Majestät dem König von Griechenland und der griechischen Regierung telegraphisch feine aufrichtige Teilnahme übermittelt.
Moskau wühlt in Frankreich und Spanien
Eine kommunistische französisch-spanische Legion in Vorbereitung. Besorgnisse in der französischen presse.
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