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Samstag, 15. Zebruar 1956

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 39 Drittes Blatt

Die deutsche Mannschaft bei der Schießübung des Patrouillen-Laufs. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Vallangruds dritte Goldmedaille

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Weltmeister Karl Schäfer.' (Schsrl-M.)

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Oie Auslosung zum Ski-Marathon.

Für den am Samstag in Garmisch-Partenkirchen stattfindenden 50-Kilometer-Ski-Dauerlauf wurden 45 Läufer aus 15 Nationen gemeldet. Die Höchst­zahl von vier Teilnehmern haben Norwegen, Schwe­den, Finnland, Deutschland, Italien, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Lettland, USA und Japan gemel­det. Griechenland, Polen, Kanada, Rumänien und Estland stellen je einen Mann. Als erster Läufer geht um 8 Uhr der Grieche Negropontes auf die Reise. Als erster Deutscher nimmt Erich Marx an 10. Stelle den Kampf auf. Mit Nummer 22 geht dann Josef P o n n ins Rennen. Ihm folgt sein Landsmann Fritz G a i s e r an 33. Stelle, während

f. Norwegen 78; 2. Deutschland 43; 3. Finnland 35; 4 Oesterreich 25,5; 5 USA. 15,5; 6. Schweiz 15; 7. Schweden 14, 8. Ungarn 7; 9. England 7; 10. Holland 4; 11. Frankreich 4; 12. Tschechoslowakei 4, 13. Kanada 4; 14. Japan 3; 15. Italien 3;

den deutschen Meisterschaften eine starke technische Verbesserung, lief leicht und flüssig mit guter Körper­haltung. Nur im Aufbau des Programms blieben noch einige Wünsche offen. Mit einer Mond-Kom­bination verschaffte er sich einen effektvollen Abgang. Der Oesterreicher Hellmuth May gefiel durch eine sehr nette Kür, die die typisch Wienerische Schule verriet. Der Finne Marcus N i k k a n e n hinterließ einen sehr guten Eindruck und brachte ein sehr ge­schickt aufgebautes Programm. Jack Dünn (Eng­land) begeisterte die Massen als Sechzehnter mit einer glänzenden Kür, die reich an Pirouetten und Sprüngen war. Der Lette Werners Auls verriet bei seinem Lauf guten Durchschnitt, hatte aber da» Unglück zu stürzen. Der Oesterreicher Leopold Lin«

Die Schießübung.

500 Meter nach dem Skistadion, am Fuße des Kochelberges, war die Schießübung zu erledigen. Die Finnen waren bald damit fertig; sie hatten die drei Ballons mit fünf Schuß erledigt. Auch die Polen brauchten nicht mehr als fünf Patronen, ebenso die Italiener. Schlecht schossen die Schweizer. In fünf Schuß erledigten die Franzosen ihr Pen­sum. Sehr schnell absolvierte die deutsche Patrouille

ihre Schießübung. Fünf Schuß hatten genügt. Die Schweden brauchten acht Schuß. Die Oesterreicher warteten mit einer Prachtleistung auf. Dreimal chossen sie, jeder Schuß war ein Treffer. Die Tschechen brauchten wiederum fünf Schuß.

Unmittelbar nach dem Schießplatz erwartete der chwierigste Streckenteil die Mannschaften, der charfe Anstieg zur T o n i h ü t t e. Dort erschienen rls erste die Finnen. Sensation rief dann das Er- cheinen der Italiener hervor, die aufgeholt hatten. Als dritte Mannschaft passierten die Schweizer die Tonihütte, gefolgt von den Franzosen und Deut- chen, die hier auf den 5. Platz vorgekommen waren. Borne lieferten sich Finnen und Italiener einen chweren Kampf um den Sieg, bei dem schließlich die Nordländer unterlagen. Die Italiener verteidig­ten bei der Schußfahrt zur Kreuzeck-Talstation ihren knappen Vorsprung.

Italien siegt vor Finnland.

Die Schußfahrt zur Talstation, die von den Fin­nen und Italienern so ausgezeichnet genommen

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konnte und damit Deutschland zu einer kaum warteten Silbernen Medaille verhalf.

Das Kürlaufen der Männer.

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Für den Militär-Patrouillen-Lauf, der am Freitag als Vorführungswettbewerb außerhalb der Olym­pischen Winterspiele in Garmisch - Partenkirchen durchgesührt und von den Italienern gewonnen wurde, war diese Medaille als Preis ausgesetzt. (Scherl-Bilderdienst-M.)

mern der vier Finnen lauten Nr. 11: Kalle Heik­kinen, Nr 23: Franz Heikkinen, Nr. 34: Karp- pinen und Nr 45: Niemi.

Inoffizielle Länderwertung

Nach den Ergebnissen des 9. Wellbewerbslages.

In der inoffiziellen Länderwertung konnte Oester­reich durch seinen Erfolg im Eiskunst- und Eis» schnellaufen am 9 Wettbewerbstag einen großen Sprung nach vorne tun Die Oesterreicher schoben sich vom 7. auf den 4. Platz hinter Norwegen, Deutschland und Finnland, die nach wie vor in die­ser Reihenfolge die Tabelle anführen. .Die Liste der bisher bei den Olympischen Winterspielen 1936 erfolgreich gewesenen Nationen und deren Punkt­zahlen lauten:

10 000-m-Eisschnellaufen: Dieses Bildtelegramm zeigt Mathis en (Norwegen) mit Wazulek (Oesterreich) während des Laufs. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Spiele

hart führte seine ausgezeichnete Kür in einem prachtvollen Stil vor. Wie bei allen Wienern bedeu­tete sein Lauf eine sehr glückliche Verbindung zwi­schen Musik und Ausführung. Der Kanadier Mont­gomery Wilson, der sich in der Pflicht den zwei­ten Platz hinter Schäfer erlaufen hatte, brachte auch in der &ür eine gute Leistung zustande. Der Ungar Elemer Tardonfalvi lief mit viel Schwung und errang sich eine bessere Bewertung als bei den Europameisterschaften in Berlin.

Weltmeister Karl Schäfer wurde von den Zu­schauern jubelnd begrüßt. Der Oesterreicher legte die größte Kür von allen Teilnehmern aufs Eis. Sein Lauf war ein Meisterwerk an Technik und Eleganz, ungeheuer schwer, aber trotzdem mit hin­reißendem Schwung gebracht. Lauf und Musik, Wollen und Können waren hier eins. Die Körper­haltung nicht zu übertreffen, durchdacht bis ins kleinste. Besonders entzückt waren die Zuschauer von einer mit größter Exaktheit durchgeführten Mond-Kombination. Ideal die Platzoerteilung, yer- oorragend jeder einzelne Sprung und jede einzelne Figur. Mit diesem Lauf, der aber auch nicht durch den leisesten Fehler getrübt war, vollbrachte der Wiener eine wahrhaft olympische Leistung. Bei­fallsstürme von selten gehörter Stärke belohnten Schäfer für seine Darbietungen. Karl Schäfer hat

Der Japaner Kazukichi O i m a t s u hatte etwas undankbare Aufgabe, die Reihe der Dar-

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Am Freitagfrüh beherrschte die Uniform das ^Olympische Skistadion. Zum Start der Militär- Patrouillen aus neun Ländern nämlich hatten sich zahlreiche in- und ausländische Militärs im Ski­stadion eingefunden. Veranstalter dieser Olympi­schen Vorführung ist die deutsche Wehrmacht.

Das Wetter war ausgezeichnet. Die Strecke es avaren 25 Kilometer zu bewältigen bot reichlich Schwierigkeiten.

Der Start erfolgte reibungslos. Mit raumgrei­fenden Schritten machten sich die Patrouillen auf ben Weg. Als erste startete die finnische Patrouille. Die übrigen folgten mit je drei Minuten Zeitab­stand. Zwischen den beiden Sprungschanzen hatte man ein Profil der Strecke angebracht, an dem je nach den Meldungen von den Kontrollpunkten der Stand des Rennens abzusehen war.

Auf der Strecke.

Don der Kontrolle Kaltenbrunn traf die erste Positionsmeldung im Skistadion ein. Die Fin­nell führten vor Italien, das in prächtigem Lauf hier schon die vorher gestarteten Polen überholt hatte. Nach Schluß der Kontrolle Kaltenbrunn lag Finnland nach reiner Laufzeit vor Schweden, Oester­deich, der Schweiz, Deutschland, Italien, Tschecho­slowakei. Frankreich und Polen. Auch bei der Kontrolle Wamberg (Kilometer 8,5) lagen die Finnen an erster Stelle. Mit größter Spannung erwartete man das erste Eintreffen der Mannschaf­ten im Skistadion, bei Kilometer 12,5 der Strecke. In schöner Schlußfahrt erschienen als Erste die 0innen und passierten geschlossen das Stadion. Die taliener, die hier an zweiter Stelle lagen, hatten aber Boden gutgemacht und waren zeitlich den Fin­nen nahegerückt. Oesterreich, Schweden, die Schweiz und Deutschland lagen auf den nächsten Plätzen.

Als am Freitagnachmittag im Kunsteis-Stadion zu Garmisch-Partenkirchen mit dem Olympia-Kür- Laufen der Männer begonnen wurde, war das prächtige Stadion mit 10 000 Zuschauern wieder voll besetzt. 25 Teilnehmer aus 12 Nationen stell­ten sich den Schiedsrichtern, 25 der besten Eiskunst­läufer aus der ganzen Welt. Die Zuschauermassen bekamen im Verlauf der nächsten Stunden eis­sportlicheSachen" zu sehen, wie sie wohl vorher nur von den wenigsten erlebt worden waren. Die Läufer überboten sich gegenseitig mit den schwie­rigsten Figuren, Sprüngen und Kombinationen und rissen dabei die Masse immer wieder zu neuen Bei­fallsstürmen hin. Der Höhepunkt der ganzen Ver­anstaltung war die Kür des Weltmeisters Karl Schäfer. Schäfer lief als 21 erst gegen Schluß der Veranstaltung, stellte aber alles in den Schat­ten, was vor ihm geboten worden war. Auch un­ser Meister Ernst Baier kam da nicht mit.

Für Deutschland besonders erfreulich ist es, daß sich Ernst Baier den zweiten Platz sichern

worden war, wurde mancher anderen Mannschaft zum Verhängnis. Hier büßten die Schweizer, von denen drei Mann stürmten, entscheidende Zeit em. Die französische Mannschaft kam in guter Haltung die Hänge herunter, war aber langsam. Sehr sicher fuhren die Deutschen ab. Die Franzosen waren be­reits überholt. Gut waren die Schweden und die Oesterreicher.

Die Ankunft im Stadion.

Als erste Patrouille kam nach 2:28,49 Stunden die finnische ein. Die Leute machten einen ausge­zeichneten, frischen Eindruck. Noch schneller als die Finnen waren aber die Italiener, die als nächste Patrouille am Ziel erschienen. Sie hatten 14 Mi­nuten Vorsprung vor den Finnen gerettet und mit 2:28,35 Stunden die beste Zeit aller Patrouillen erzielt. Auf den dritten Platz in der Gesamtwertung setzten sich die Schweden (2:35.24) vor Oesterreich (2:36,19 Std.) und Deutschland mit 2:36,24 Std. Frankreich folgte vor der Schweiz, der Tschecho­slowakei und Polen.

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Matthias Wörndle als Vorletzter vor dem Finnen Niemi in den Kampf eingreift. Von bekann­ten Läufern der nordischen Staaten nennen wir die Norweger Samuelshaug, Bergendahl Tust und Kaare Hatten, die die Startnummern 9, 21, 32 und 43 erhalten haben. Die Schweden Wollström, Eng­lund, Bergström und Viklund gehen mit den Nurn-1 4; 15. Ä'anaoa 4; mern 4, 15, 26 und 37 ins Rennen. Die Startnum-116. Belgien 2 Punkte.

bietungen zu eröffnen. Er brachte ein Programm, das aber bereits vom zweiten Starter, von dem Amerikaner George Hill, bedeutend überboten wurde. Als Dritter erschien der Tschechoslowake Jaroslaw S a d i l e k, der ebenfalls mit einer guten Leistung aufwartete, aber das Pech hatte, bei einem Axel Paulsen-Sprung mit der Hand leicht den Bo­den zu berühren. Als Vierter lief Zenjiro Wata­nabe. Er war besser als sein Landsmann. Henry Graham Sharp (England), der sich in der Pflicht den dritten Platz erkämpft hatte, brachte eine sehr elegante Eröffnung, betonte stark Pirouetten und Sprünge, stürzte aber bei einem Dreier-Sprung in der Mitte des Feldes.Die Benotung fiel sehr gut aus. Der nächste Japaner Toshiichi Katayama überraschte gleich zu Beginn feiner Darbietung mit einem doppelten Axel Paulsen-Sprung. Anschlie­ßend bot der Rumäne Roman Turusanka ein durchschnittliches Programm, das aber recht geschickt aufgebaut war. Dann kam als Achter unser Meister Ernst Baier. Er zeigte wundervoll weiche und geschmeidige Figuren. Alle Schwierigkeiten meisterte der Deutsche spielend, Axel Paulsen- und Salchow- Sprünge gelangen gänzend. Schöne langsame Pi­rouetten, eine stark verbesserte Körperhaltung und eine kaum zu übertreffende Platzoerteilung sicher­ten der Kür, die frei von störenden Figuren, in flüssigem Stil, mit guten Ueberleitungen und in flottem Tempo vorgetragen wurde, stärksten Bei­fall bei den Zuschauern. Auch die Punktrichter wa­ren vom Können Baiers überzeugt, sie bewerteten die Leistung einmütig mit 5,5 Punkten und zwar für den Grad der Schwierigkeit und für die Aus­führung.

Nach Baier lief der Engländer Geoffrey Sidney Pates eine recht gefällige Kur in typisch englischem Stil. Der Oesterreicher Felix Kaspar machte mit sei­nem Lauf Ansprüche auf einen guten Platz geltend. Die Kür fiel gegen die von Baier etwas ab, wurde aber doch sehr gut bewertet.

Der Engländer Frederick T o m l i n s brachte einen guten und flüssigen Lauf in schöner Körper­haltung, wobei aber die Uebergänge nicht ganz ein­wandfrei waren. Der Ungar Denes Pataky wirbelte mit echt magyarischem Temperament über das Eis. Als Dreizehnter erschien bann der Deutsche Günther Lorenz auf der Eisfläche. Lorenz zeigte gegenüber

Wettmeisier Karl Schäfer unerreicht

Unser Meister Ernst Baier auf dem 2. platz.

Auf dem Rießer See hatten sich am Freitagvor- imittag zahlreiche Zuschauer eingefunden. Die Wett­bewerbe im Eisschnellläufen wurden hier mit der 10 000-Meter-Strecke abgeschlossen. Im Mittelpunkt Des allgemeinen Interesses stand die Frage, ob es dem in überragender Form befindlichen Norweger Ävar Ballangrud tatsächlich gelingen würde, aud) die dritte Goldmedaille an sich zu bringen. Das schien mit aus dem Grunde schwer, weil ja be­kanntlich gerade diese Strecke die Stärke des Oester- reichers Stiepl ist, dem man also schon eineUeber- raschung" 'zutrauen konnte.

Der Norweger machte das Unwahrscheinliche Wahr. Er gewann seinen Lauf in 17:24,3 gegen Len Finnen Vasenius, der mit 17:28,2 den zweiten Platz in der Gesamtwertung belegen ckonnte. Ballangrud wie auch Vasenius hatten damit lvlympischen Rekord gelaufen, der vorher schon von Lern Oesterreicher Stiepl auf 17:30,6 Min. gestellt

worden war. Wetter und Eisverhältnisse waren ganz ausgezeichnet. Sehr gut hielten sich die bei­den Deutschen. Sarnes war wieder einmal mit Koops-Holland gepaart, den er im letzten Teil der Strecke klar hinter sich ließ. Mit 18:04,3 stellte der Berliner einen neuen deutschen Rekord auf, wurde aber wenig später von Willi S a n ö t n e r noch übertroffen. Der Münchener hatte in dem Belgier de Signe den schlechtesten Mann des Wettbewerbs als Partner, der von dem Deutschen nicht weniger als sechs Mal überrundet wurde. Trotzdem lie Sandtner mit 18:02,0 deutsche Rekordzeit.

Ivar Ballangrud brachte es mit feinem Sieg erstmals fertig, dreifacher Gewinner einer Gold­medaille auf einem Olympia zu werden. Das ist vor ihm noch keinem gelungen. Die Leistung des Norwegers wird vollständig, wenn man der Silber- Medaille gedenkt, die er im 1500-Meter-Lauf an sich brachte.