Die Schwedische Akademie hat den Nobelpreis für Chemie dem Direktor des Kaiser-Wilhelm- Jnstituts für Physik in Berlin, Universitätsprofessor Dr. Peter D e b y e , zugesprochen für seinen Beitrag zur Erkenntnis des Baues der Moleküle. (Scherl°M.)
fünf Jahren regelmäßig von der englischen Bevölkerung verzehrt wurde, unablässig angewachsen ist. Für den Gesundheitszustand des englischen Volkes ist natürlich außerordentlich interessant zu erfahren, welche Art von Nahrungsmitteln diese gewaltige Steigerung ausmacht. Es zeigt sich, daß in der Hauptsache Milchprodukte, Eier, Früchte und Gemüse in stärkerem Maße verzehrt worden sind. Wie sie zu einer Aussteuer kommen wollten.
(—) Birmingham.
Vor den Geschworenen der Grafschaft Middleser stand ein junges Pärchen wegen Diebstahls, die Fabrikarbeiterin St. und der 19jährige Frederick William W. Sie hatten gemeinsam aus einem Erfrischungspavillon einen ganzen Posten Weine und Liköre gestohlen, und sie gaben ihre Verfehlung auch ohne weiteres zu Nur der Grund für den Diebstahl war ein nicht alltäglicher, sie wollten nicht etwa sich einen vergnügten Tag machen, sondern die Weine verkaufen, um mit dem Gelde heiraten zu können. Beide besitzen außer ihrer großen Liebe so gut wie nichts. Die Geschworenen trugen erstaunlicherweise dieser großen Liebe Rechnung und gewährten dem heiratslustigen Pärchen zwei Jahre Bewährungsfrist.
Krenzotternfleisch — eine Delikatere
D. Z Stockholm
Die nordische Küche hat manche Eigentümlichkeiten Am bekanntesten ist der „smörgasbord" der aus unendlich vielen ..Schwedenplatten" besteht und dem Ausländer gewöhnlich schon beim Anblick das Wasser im Munde zusammenlaufen läßt. Zu der Kehrseite der Medaille wird man den „surström- ming" rechnen, ein nordschwedisches Nationalgericht. Es ist ein in Gärung übergegangener Fisch, dessen Geruch genügt, um die unerschro/ensten und stärksten Männer zum Rückzug und die Frauen zum Umfallen zu bringen
In diesen Tagen nun wußten die skandinavischen Zeitungen von einem neuen Leckerbissen zu berichten, nämlich Kreuzotterbraten. Hiermit hat es folgende Bewandtnis: Der dänische Zoologe Adjunkt Hans Hvaß wurde schon vor längerer Zeit in der Presse genannt, als er die kulinarischen Vorzüge der gebratenen Blindschleiche pries. In einem Vortrag, den er kürzlich im dänischen Rundfunk hielt, erwähnte er, daß er niemals Kreuzotterfleisch genossen habe. Wenn jedoch jemand seiner Hörer ihm eine Kreuotter schicke, werde er gern den Versuch machen.
Zu Dutzenden kamen in den nächsten Tagen Kreuzottersendungen Hvaß suchte sich ein ihm geeignet erscheinendes, lebend gefangenes Tier aus, das seiner Ansicht nach besonders lecker aussah. Nachdem der Versuch, die Kreuzotter zu mästen, mißglückt war, ließ Herr Hvaß die Otter töten und in Stücken braten, und zwar in ähnlicher Art, wie man Aal zubereitet. Auch Frau Hvaß und der Sohn nahmen an der Mahlzeit teil, zu der Burgunder getrunken wurde. Kreuzotter schmecke ganz ähnlich wie Frosch, erklärte Herr Hvaß, nur etwas fleischiger und zäher.
Auf jeden Fall glaubt er den Beweis geführt zu haben, daß Kreuzotterbraten ungefährlich ist. „Die meisten Menschen glauben, daß Kreuzottergenuß wie Gilt wirkt", erklärt Hvaß in der Presse, „Ich habe jetzt bewiesen, daß dies nicht der Fall ist."
So berichten die skandinavischen Blätter. Daß Kreuzotterfleisch ein Nationalgericht werden wird, ist allerdings zu bezweifeln. Wir gestehen jedenfalls, daß wir kein Verlangen danach haben.
Beim Spiel mit einem Pferdchen ..
(rt) Kopenhagen
An das Schicksal jenes Drahtfeil-Ueberquerers der Niagarafälle, der dann später von einem einfachen Fuhrwerk totgefahren wurde, erinnert das Schick- lal des pensionierten Kirchspielbeamten L., der auf einem Gut bei Grindsted auf Jütland, dessen Jn- Ipektor sein Schwiegersohn ist, seinen Lebensabend ^ubrachte. Da seine Frau vor vielen Jahren einem Straßenunglück zum Opfer gefallen ist, scheute sich der fast 70jährige alte Herr seit damals, irgend ein Gefährt zu besteigen, war nicht dazu zu bewegen, jemals die Eisenbahn, eine Straßenbahn, ein Automobil oder auch nur ein gewöhnliches Pferdefuhrwerk zu benutzen Dieser Tage nun spielte er an einem der letzten schönen Herbsttage im Gutsgarten mit seinem 4jährigen Enkelkind „Pferderennon". das heißt, er und der Kleine zogen an einem Bindfaden ein auf Rädern laufendes Holzpferdchen hinter sich her und liefen dabei um die Wette. Dabei stolperte der alte Herr über einen weggeworfenen Kohlstrunk, stürzte, schlug mit dem Kopf auf eine jener bekannten und geschmacklosen tönernen Zwergfiguren, wie sie gelegentlich in Gärten aufgestellt werden, zerschlug diese, und eine Scherbe zerschnitt ihm die Halsschlagader, so daß er in wenigen Minuten hilflos verblutete
Neues für den Bücheriisch.
— Hans Carosfa: Geheimnisse des reifen Lebens. Aus den Aufzeichnungen An- aermanns. 237 Seiten In Leinen 5,50 Mark. Im Insel-Verlag zu Leipzig, 1936. — (420) —Es wird, wie wir glauben, auch den Freunden Carossas und seiner Dichtung nicht ganz leicht werden, den Zugang zu diesem Buche zu finden und es in seinem Wesenskern zu erschließen. Was sich im Untertitel als „Aufzeichnungen" zu erkennen gibt, ist weder Roman noch Philosophie noch Autobiographie im landläufigen Sinne; eher eine Mischung aus diesen Grundelementen, und man darf wohl voraussetzen, daß der Held des Buches (sofern dieser etwas altertümlich-farblose Begriff hier gestattet ist), wenn nicht in allen Teilen, so doch in vielen sich mit dem Erzähler identifizieren läßt; daß jedenfalls das, was Angermann hier in der Jch-Form von seinen Erlebnissen und Erfahrungen und Lebenseinsichten berichtet, im wesentlichen auch von Carossa persönlich erlebt, erfahren und also mitgeteilt wird. Das Buch ist in der klaren und einfachen Sprache geschrieben, die wir an Carossa schätzen, und es liest sich auch eigentlich mühelos und fließend wie ein Roman oder eine Lebensbeschreibung wobei dem Leser äußerlich die Gliederung des Ganzen in kleine übersichtliche Abschnitte zu Hilfe kommt. Dennoch erweist es sich bei fortschreitender Lektüre als nicht ganz einfach, die auf den ersten Blick kaum in einem inneren Wesenszusammenhang stehenden Teile zu einem sinnvollen Ganzen zu verbinden. Wenn das Buch von den Geheimnissen des reifen Lebens handelt, so wird der Leser, vermutlich zunächst überrascht, finden, daß diese in einem alltäglichen Leben vorhanden sind oder gefunden werden müssen: er wird, fortschreitend und tiefer dringend, einsehen, daß das Leben Angermanns soweit es sich hier vor unseren Blicken abspielt, nur gleichsam als die äußere und oberste Schicht eines andern, allgemeineren, überpersönlichen und innerlichen Lebens geschildert wird: daß, mit anderen Worten, in dem täglichen und nüchternen Dasein, wie es da geschildert wird, alle, auch die scheinbar nebensächlichen, nüchternen und tagtäglichen Dinge, Erlebnisse und Begebenheiten aleichsam beispielhaft begriffen werden, als Sinn-Bilder eines tiefer erfahrenen und erlebten Lebens Um Angermann herum gruppieren sich als die neben ihm wesentlichsten Figuren des Buches drei Frauengestalten: Cordula, Barbara und Sihylle die nicht nur in ihrer äußeren Gestalt, ihrem Wesens- und Eharakterbilde scharf und kontrastreich von einander geschieden, sondern auch in der Behandlung durch den Dichter, in ihrer Darstellung und Ausforrnuna sehr unterschiedlich belichtet sind, so daß ihre Gestalten teils mit lebendigen Konturen in den Vordergrund rücken, teils aber bis zulebt im Halbdunkel, im Zwielicht bleiben aber nur gleichsam durch einen Schleier erkennbar sind. Daß das Buch einer gereiften und reinen Lebenserfahrung und Weltansicht entsprang scheint uns ebenso unbezweifelbar wie die für jeden Leser versönlich sich ergebende Notwendigkeit, sich nachdenkend mit diesen Aufzeichnungen auseinanderzu- fefcen: wer fie herunterliest wie einen beliebigen Rowan, wird unbefriedigt bleiben und am Ende destensalls eine Reihe von Einzeleindrücken gewonnen haben, aus deren innerer Verbindung erst ein '^siorblick über die Einheit und fubieftine Gefchlos- ^»nheit des Ganzen stch finden läßt. In diesem Sinne ist das an fich fließend fegbare Buch nicht ganz beauem sondern anspruchsvoll zum Nachdenken und zur Vnseinanderfetzung anreaenb und ouffordernd Schwissel und Ansatzpunkt mögen dem Qpfer hierzu die afg Epilog an den Schluß aestellten Verse An das Hnaebarene" bieten, mit denen die Aufzeichniinaen Anaermanns oder Earosios aus- ^inaen- si-> enden M't den gedankenvollen Worten:
Sekunden braucht'? um die Kiaur des Menschen zu umaebn Doch wer die Seele eines Liebenden umroanhern will, dem reichen affe Jahre feines Erdenwegs nicht aus." bth
— VaufAfverdes:ReinholdimDienst. Novelle. 116 Seiten Biegsam gebunden 2.20 Mark (auch biegsam in Leder gebunden 4 50 Mark) Verlag Albert stangen 'Georg Müller, München, Neuausgabe 1936 — (431) — Wir haben schon früher auf diese schöne Erzöhluna hingewiefen, die zuerst in dem Nonellenbande .Reinhold oder die Verwandelten" von Afvendes erschien. Jetzt liegt sie in einer schmucken, schlanken Einzelausgabe vor. und wir freuen uns, noch einmal darauf aufmerksam machen zu können: diese Erzöbfvng vom Leben und Sterben eines iungen Freiwilligen 'm großen Kriege verdient um ihrer menschlichen Gesinnung, ihrer männlichen Haltung und ihrer klaren und noblen Sprache nun-m hohe Vnerfc'nnuna Das gelchmackvoU ausaeffnttete handliche Rändchen fei mich als Gofchenk van Mann zu Mann unter Freunden und alten Kriegskameraden angel-aent- lich emnfohfen. Mb
— Adolf von Hatzfeld: V^lffano Ve- kenntnis einer Reife. K3 Seiten. Mit Lichtbildern, deinen 3 60 Mark Rüffln ft Loenina, Verlag, Vot-chgm 10.37 — 6100) — Dieses kleine fehr oefchnw-^noll aucaeffattefe Ruch des münsterlandi- schon Dichters ^hnff von Hatzfeld welches einen Aufenthalt in Vafitano dem Kerzen und dem fehcnhiaen Puls des Golf? von Saferno", frhifhert, fügt sich ein in die unabsehbare Reihe der Rü^tzor. die au« her deutschen R-ülelull und der deutschen Jt^fienfehnfucht geboren wurden. Wenn m^n die schönen Licksthifder betrachtet rnefche die-Schilderung lehendia heqfeiten fo wirkt -'s, auf den ersten Rfick überafchend am Ende des Ruches, nach den Aufnahmen non Vositano und aus Vomvesi einer Ansicht von Münster, der Heimatstadt Hatzfelds, zu begegnen- doch sieht man nach der Lektüre ein daß diele Vildwfammensteflunq sinnvoll und vielleicht fogar sinnbildlich genannt werden darf- das Entscheidende dieser Reiseschilderung, die sich ein Bekenntnis nennt, liegt nicht so sehr in der Aneinanderreihung von an sich gewiß reizvollen und vielfach anregende Erlebnissen, Beobachtungen und Betrachtungen wahrend eines beglückend ungebundenen Aufenthaltes in Italien, unweit von Neapel; sondern darin, daß — wohl ein typisch germanischer
Zug — aus Der erfüllten Sehnsucht nach dem Süden, aus Den mancherlei tiefen und herzbewegenden Erlebnissen dieser Reise, die neue und tiefere Sehnsucht nach dem Norden und nach Der deutschen Heimat erwächst. So verbinden sich die beigegebenen Bilder sinnvoll zur Einheit. Wenn die Namen Neapel, Capri, Ischia, Pompeji — um einige bekanntere aus Hatzfelds Schilderung zu nennen — mehr bedeuten als nüchterne geographische Ortsbezeichnungen, der wird das kleine Buch mit Genuß und vielfältiger Anregung in sich aufnehmen, hth.
— gehör v Z 0 beltitz: Briefe deutscher Frauen. Mit 16 Tafelbildern. Preis Ganzleinen 6,80 Mark. Verlag Ullstein, Berlin — (405) — Seitdem die Frau des Dichters Gottsched durch ihre von, feinem Geschmack ausgezeichneten Briefe dem Briefstil eine Aenderung zum Besseren gab, sind die Frauen oft vortreffliche Briefschreiber ge- gewesen Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts entwickelte sich aus der plätschernden Schwatzhaftigkeit, aus dem Schwulst von Höflichkeits-Floskeln ein „Abdruck der Seele". Aus Künstlichkeit und Unnatur wurde reines Gefühl, aus gezierter Emp- findelei vollendete Individualität. Eine Anzahl solcher Briefe vereinigt dieses neue Buch. Die Auswahl wurde so getroffen, daß immer das Charakteristische der Frauen hervortritt, ihr Innenleben, ihre Natur. Der Zweck des feinsinnigen Buches, ein Sprache gewordenes Bild der deutschen Frauenseele zu geben, ließ es nicht zu, daß nur die Briefe geistvoller, literarisch tätiger Frauen ausgewählt wurden. Zum Geist mußte das Herz treten, und so stehen neben den Briesen der Frau von Stein
die Briefe Christianens, neben den der Charlotte von Kalb die Briefe der Frau Susette Gontard an Hölderlin. Zu der Frau Rat Goethe, zu Caroline Herder, Dorothea Schlegel und der Droste, zu Clara Schumann und Mathilde Wesendonk gesellen sich die Briefe von Caroline Schelling und die der Gün- derode, Bettinas unglücklicher Freundin. Auch die ungekünstelten Briefe fehlen nicht, die Grillparzers „ewige Braut", Kathi Fröhlich an ihre Schwestern oder an den alternden Dichter gehen ließ. Fast eine Neuentdeckung ist die Korrespondenz von Hebbels Jugendgeliebter Elise Lensing, an den Dichter und seine Frau Christine. Brautbriefe von Johanna Bismarck und Frauenbriefe aus dem Weltkrieg stehen am Schluß dieser Briefsammlung, die Herz untT Seele der deutschen Frau widerspiegelt.
— H a n n s M a r i a B r a u n : G e s a n g der anderen Tage. Gedichte. 60 Seiten. Kart. 2,— Reichsmark. Verlag Wilhelm Hartung, Leipzig C1. — (288) — Die in diesem Bande vereinigten Gedichte umfassen mehrere Themenkreise (Kindheit — Gedichte der Fremde — Verse vom Vaterland — Dem Ruf der Stunde) und hinterlassen ihrer äußeren Form und ihrem inneren Gehalt nach sehr verschiedenartige Eindrücke. Manches, wie die „Marseiller Bilder", wirkt wie ein verspäteter Nachklang des Naturalismus, doch erweisen andere Stücke („vom Vaterland"), daß Braun die Zeichen der Zeit verstanden hat. Eine Entwicklung zur sttengen, in sich ruhenden lyrischen Form würde dem jungen Autor sicher zustatten kommen. Das Beste gelingt ihm in diesem Bande da, wo ein Bild oder ein Gefühl in der schlichtesten Form sich zu gestalten vermag.
Frankreich unter den Valois.
— Paul Wie gl er: Könige von Frankreich von der Jungfrau bis zur Bluthochzeit. (Das Gesicht der Epochen.) Preis in Seinen geb 8,40 RM. Verlag Reimar Hobbing, Berlin SW 19. — (375.) — Die rund zweihundert Jahre der Regierung des Hauses Valois, von denen in diesem Buche die Rede ist, bedeuten für Frankreich den Aufstieg aus den Tiefen völliger Verwilderung im Innern und schwerster Bedrängnis von außen im hundertjährigen Krieg mit England, dessen Könige zu Zeiten mehr als die Hälfte des Landes besetzt hielten, zu einem einigen, in seinen natürlichen Grenzen gefestigten Reich straffer zen- tralisttscher Staatsführung, dem aber unter den letzten drei Valois wieder ebenso schnell eine Zeit völliger Zerrüttung in den furchtbaren Religionskämpfen des ausgehenden 16. Jahrhunderts folgt, denen erst der erste Bourbone Heinrich IV. ein Ende setzt. Es ist in der an Wechselfällen wahrlich nicht armen Geschichte Frankreichs sicher eine der unruhigsten und schwankendsten Epochen und deshalb besonders geeignet, in zeitgenössischen Berichten, Denkwürdigkeiten, Briefen und Chroniken wieder vor unserem Auge zu erstehen, wie es in der Absicht dieses Buches liegt. Paul Wiegler war der rechte Mann für diese Aufgabe. Seine eigenartige Auswahl und Zusammenstellung der Dokumente der Zeit, die er durch knappe, aber durchaus hinreichende Erläuterungen zu einem Ganzen verband, stellt ein überaus farbiges Bild vor uns hin, in dem keine politische, soziale und kulturelle Nuance außer Acht blieb. Das Schicksal Frankreichs spiegelt sich in feinen Königen. Das Buch setzt ein mit dem geisteskranken Karl VI., unter dem die Händel der Großen des Reiches in der Fehde zwischen Armagnacs und Bourguignons ihren Gipfel erreichten, während das geringe Volk unter Steuerlast und wirtschaftlicher Unsicherheit stöhnt und in Aberglauben verkommt. Unter dem Schwächling Karl VII. ergreift die Jungfrau die Sache Frankreichs, aber nach ihrem Siege in die Adelsintrigen verstrickt und an die Eng
länder verraten, wird ihr der Prozeß gemacht. Die hier abgedruckten Protokolle von Rouen, eins der interessantesten Stücke des Buches, gewähren tiefen Einblick in die geistige Verfassung dieser Zeit der Gärung. Ludwig XL, der Begründer der Einheit des Reichs, verschlagen und listig, brutal und skrupellos, sparsam bis zum Geiz, eröffnet die Reihe her großen Könige aus hem Hause Valois, dessen letzter
Niederlage: Jean Weisel, Hießen, Sonnenstralle 6, Tel. 3888
Franz I. wohl in der Machtgier und Skrupellosigkeit feinem Ahnen Ludwig ähnelt, der aber sonst ein echter Renaissancefürst ist, prachtliebend und verschwenderisch, der Kunst und edlen Frauen hold. Die Frauen haben am Hose der Valois immer eine große Rolle gespielt, im Guten und im Bösen: Jsabeau, die eisig kalte Mutter Karls VII. und seine Geliebte Agnes Corel, Anna von Beaujeu, der tüchtige Vormund ihres Bruders Karl VIII., Luise von Savoyen, Stifterin des „Damenfriedens" von Cambrai, Mutter Franz I. und dessen kluger Schwester Margarete von Navarra, die schöne Diane von Poitiers, allmächtige Geliebte Heinrichs II. und schließlich dessen Frau Katharina von Medici, Mutter dreier Könige, deren unversöhnlicher Haß den Hugenottenkriegen eine so schlimme Wendung gab. Die Pariser Bluthochzeit und der Barrikadentag unter Heinrich III. in her Schilherung von Augenzeugen sinh her schaurige Ausklang hieses Buches, has in seltener Treue uns ben Geist einer Zeit nahe zu bringen versteht. —e.
AeMlen: Kunst und Geschichte.
— I. H. B r e a st e h: Geschichte Aegyptens, heutsch von Professor Dr. Hermann Ranke, Heihelberg. Mit einem Bilderanhang: Die ägyptische Kunst (250 Kupfertiefhrucktafeln unb 8 Wieher- "ab"n in Farben). Preis geb. 4,80 Mark. PHaihon- Verlag Zürich. — (394) — Seit den großartigen Funhen, hie bei ben letzten Ausgrabungen im Niltal vor etwa zehn Jahren gemacht worben sind, ist bas Interesse für altägyptische Kunst nicht wieher eingeschlafen. Aber nur selten Hat es zu nachbrück- firfpr Beschäftigung mit her Geschichte unb Kultur biefes Volkes geführt, bas anberthalb Jahrtausenbe unb länger vor unserer Zeitrechnung so herrliche Kunstdenkmäler in Architektur, Bilbnerei, Plastik und Kunsthandwerk hervorgebracht hat, wie sie Heute unsere großen Museen Allen. Unb hoch besitzen wir in dem vorliegenden Werk eines amerikanischen Historikers schon seit langem eine ungemein fesselnde Schilderung der ägyvtischen Geschichte Die klare Gliederung des Stoffes, ■ die Schlichtheit des Stils, die Bescheidenheit des Verfassers, der sich nirgends in Phantasien verliert, wo die oft nur sehr dürftigen Quellen keine sicheren Aussagen erlauben, aber auch ein Drang zu größter Anschaulichkeit, her uns erlaubt, von der Kultur des ägyptischen Volkes in ben verschiebenen Zeitaltern ein sehr eindrucksvolles und detailliertes Bild zu gewinnen, alle diese Eigenschaften machen das Buch als Führer in der Hand des gebildeten Laien besonders geeignet. Und es ist ein unleugbares Verdienst, in bas sich Herausgeber und Verlag teilen, daß fie dieses Buch in einer fo schönen und überaus preiswerten Neuausgabe gleichsam als Einführung zu einem großartigen Bilderatlas altägyptischer Kunst dem deutschen Leser barbieten. Der Gipfel in her Schilherung Breastebs ist wohl bie Begrünbung her ägyptischen Weltherrschaft der 18. Dynastie unter dem gewaltigen Thutmosis III., anderthalb Jahrtausende vor Beginn unserer Zeitrechnung. Theben, bie Resibenz her Pharaonen am oberen Nil, war nicht nur bas politische Machtzentrum her hamals bekannten Welt, fonbern auch Mittelpunkt einer Kultur, beren Ausstrahlungen
wir bis weit nach Vorberasien hinein unb bis an bie nörblichen Küs^n bes Mittelmeeres verfolgen können. Die Ruinen gewaltiger Säulentempel, bas monumentale Stanbbilb eines Amenhotep III., bie herrlichen Erzeugnisse bes ägyptischen Kunsthanb- werks biefer Zeit, bie wir in ausgezeichneten Wiehergaben sorgfältig ausgewählt und doch in beispielloser Fülle in diesem Bilderatlas bewundern können, zeugen von einem materiellen Reichtum, aber auch von einem durchgebildeten Geschmack, wie ihn bis zu den Griechen fein Volk des Altertums wieder erreicht zu haben scheint. In feiner eindringlichen Schilderung her religiösen Revolution des Echnaton, der die Priesterherrschaft des Amonkults stürzte und den Weltgott Aton einfetzte, gibt uns Breasteb auch Einblick in das geistige Leben dieser Zeit, soweit dies die wenigen auf uns überkommenen zuverlässigen literarischen Quellen gestatten. Eine zweite Blüteperiobe erlebte bann bas ägyptische Volk unter Ramses II. nach Sicherung bes Reiches gegen bie Hethiter. Aber es war in bie Verteibigung gebrängt, bie es volksfremben Heeren überlassen mußte. Auch ein Psammetich vermochte auf bie Dauer nicht ben Niebergang aufzuhalten. Aegypten fällt nacheinanber unter bie Frembherrschaft her Perser, her Makehonier und Römer. Zu hem Bilherteil, in hem besonbers bie Hervorragend wiedergegebenen farbigen Tafeln unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, hat Professor Ranke eine Einführung geschrieben, in her er daraus aufmerksam macht, daß bie ägyptische Kunst zu allen Zeiten bobenftänbige Kunst war, aus den religiösen Vorstellungen und Bedürfnissen der Nilbewohner entstanden, wohl auch Anregungen aus der kretisch-mykenischen Welt empfangend, aber weit mehr die Kulturen Vorderasiens und des östlichen Mittelmeers befruchtend. Wir wünschen diesem schönen Buch nicht nur viele aufmerksame Betrachter, sondern auch viele Leser, die hier einmal Gelegenheit Haben, bie Einheit von Kunst unb Geschichte des ägyptischen Volkes auf sich wirken zu lassen.
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Unverblndlldie Vorführung In jedem Fedigesdiift I
DAS GAB ES NOCH NICHT - Mit Schwundausgleich, automat. Trennschärfe-Regelung, Leucht-Amplimeter, Stummabstimmung, Blitzwähler usw. Wechselstrom RM208.- m.R. Allstrom RM222.- m.R. (o.Gleichr.-R.)
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