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neten. Da ich keinen Grund hatte, mii

ver­

kriechen, begab ich mich selbst in die Versammlung, die von einem jungen Amtsrichter geleitet wurde. Als der freisinnige Abgeordnete seine Rede beendet hatte, bat ich ums Wort. Diesen Augenblick benutzte der Amtsrichter, um mir vor dem versammelten Rosenberg zu sagen:Ehe ich Ihnen das Wort

^arbeiten, und hatte den Vorzug, sofort den ent­scheidenden Punkt herauszufinden. Er war das Gegenteil eines Bürokraten und besaß außerdem noch die Eigenschaft, rückhaltlos seine Meinung in witziger Form zu sagen, weshalb er im Grunde bei Freund und Feind beliebt war. Seine schnelle praktische Handlungsweise, sein persönlicher Mut, leine Offenheit hätten ihn, wenn er noch den Welt­krieg erlebt hätte, zu dem für diese Zeit geeignet­sten Landwirtschaftsminister gemacht.

Podbielski ging einmal im Reichstag auf einen Stock gestützt durch die Wandelhalle. Zufällig be­gegnete ihm der sozialdemokratische Parteivorsitzende, den Podbielski in seiner Berliner Art mit den Worten begrüßte:Tag August Bebel." Bebel wandte sich um und fragte mit einem Blick auf den Spazierstock Podbielski:Nun, sind Exzellenz leidend, daß Sie sich auf einen Stock stützen müs­sen?" Podbielski entgegnete:Nein, den Stock habe ich für Euch Ludersch mitgebracht."

Der neue Minister war nach Berlin gefahren und ging in den Reichstag, den ich gerade mit einigen Fraktionsgenossen verlassen wollte, so daß wir uns an der Tür begegneten. Im ersten Augen­blick fiel uns beiden nicht das rechte Wort ein, da wir uns kurz vorher in Danzig gesprochen hatten, ohne daß damals schon von seiner Ernennung zum Handelsminister die Rede war. Ich faßte mich aber eher als er, legte ihm die Rechte auf den Rand seines Zylinders und sagte:Exzellenz, Ihren Ein­gang segne Gott, Ihren Ausgang gleichermaßen". Diese Worte machten im Reichstag schnell die Runde und kamen auch zu Ohren des Reichskanzlers. Bülow ließ mich rufen, gab mir die Hand und sagte:Ein ausgezeichneter Witz, Ihren Ausgang segne Gott, das können wir uns in diesem Lokal alle wünschen."

Aus Versehen zu Bismarck.

Auf eine ganz wunderbare Weise sollte ich Bis­marck vor die Augen treten. Zusammen mit einigen Kameraden war ich als junger Leutnant zum Ball beim Hausmini st er eingeladen. Unsere Droschke verfuhr sich aber, so daß wir ohne es zu merken mit einem Male im Palais des Reichskanzlers standen. Wir gaben unsere Mäntel in der Garderobe ab und entdeckten erst beim Hineingehen in den Saal, daß wir versehent­lich in einen Bierabend Bismarcks geraten waren.

Sofort drehten wir um und wollten wieder hin­ausgehen, als die mächtige Gestalt des Reichs­kanzlers im Türrahmen vor uns stand. Er fragte uns:Nun, meine Herren, was verschafft mir die Ehre?" Einer von uns faßte sich und erklärte Bismarck, daß wir nur durch ein Versehen in sein Palais gekommen waren. Darauf winkte Bismarck einen Diener mit einem Tablett voll Sektgläser heran und sagte:Meine Herren, bitte bedienen Sie sich." Er nahm selber auch ein Glas und leerte es auf einen Zug mit den Worten:Ihr Wohl, meine Herren?" Noch etwas verdutzt taten wir ihm Bescheid. Nach diesem freundlichen Empfang be­merkte er lächelnd zu uns:Und nun, meine Herren, will ich Sie Ihren Damen nicht länger ent­ziehen." Damit waren wir entlassen und eilten zum Ball des Hausministers.

3m Wahlkampf 1912.

Im Jahre 1912 wurde der Deutsche Reichstag neu gewählt. Mein Mandat im Abgeordnetenhaus hatte ich schon 1910 niedergelegt, um mich mehr als bisher meiner beruflichen Tätigkeit in Westpreußen widmen zu können. Bei den Reichstagskämpfen von 1912 sollte ich auch dieses Mandat verlieren. Der Wahlkampf nahm Formen an, die wir bis dahin noch nicht gekannt hatten. In meinem Wahlkreise Elbing-Marienburg war alles angespannt, mich zu stürzen. Dabei spielte das Geld eine große Rolle.

Eine spaßhafte Geschichte erlebte ich in dem kleinen Kreisstädtchen Rosenberg, das unweit von Januschau gelegen ist. Auch in dieser Stadt wurden von meinen Gegnern Versammlungen ver­anstaltet, um mir das Wasser abzugraben. Man holte zu diesem Zweck einen freisinnigen Abgeord-

aebe, müssen Sie mir schon sagen, wer Sie sind." Ich erwiderte darauf:Wer mich in Rosen­berg noch nach meinem Namen fragen muh, hier, wo mich jedes Kind kennt, beweist, daß ihm Kennt­nis und Erfahrung abgehen, um eine politische Rolle zu spielen. Ehe Sie sich weiter blamieren, geben Sie schnell dem alten Oldenburg aus Januschau das Wort." Das schlug ein. Meine Aus­führungen waren verhältnismäßig kurz. Denn ich sagte nur, ich wäre nicht herausgekommen, um mir die Rede eines freisinnigen Abgeordneten anzu­hören. Die hätte ich längst in der Zeitung gelesen. Ich wollte die Versammlung nur fragen, ob sie als Einwohner einer kleinen Landstadt glaubten, besser daran zu tun, den Freisinnigen, den Vertretern der Bankwelt, Gefolgschaft zu leisten, oder bei ihrer alten Fahne, der Landwirtschaft, zu bleiben. Dann schloß ich:Ich kann Ihr Fest nicht länger mehr verherrlichen. Denn meine Frau hat heute abend Bratklops, und der wird sonst kalt." Diese Sprache verstanden die Rosenberger. Mein Witzwort machte in den nächsten Wochen die Runde durch die ganze Provinz.

Der ostpreußische Dolksmund hat seine eigene Tonart. Wie er mich kennzeichnete, erfuhr ich nach

einer Versammlung in Königsberg. Als ich aus dem Saal herausging, sagte einer aus der vor der Tür versammelten Menge:De deiht nuscht wie freete!" Hinter mir kam ein Gesinnungsgenosse, der eine auffallend schlanke Figur hatte. Aber auch hier fand der Volksmund die richttge Bezeichnung. Einer brach bei seinem Anblick in die Worte aus: De is to ful to freete!"

Infolge des Ausgangs der Wahl wurde eine Stichwahl notwendig. Bei dieser zweiten Wahl einigten sich meine Gegner einschließlich der Sozial­demokraten auf einen freikonservativen Abgeord­neten, so daß ich unterlag und von diesem Tage an mir selbst zur Freude der Bürde des Parlaments entledigt war. Ein freisinniger Jude war über den Ausgang der Sttchwahl so entzückt, daß er mir eine Karte mit folgendem Inhalt schrieb:

Dem Kammerherren ist jetzt wohl, Er bleibt zu Hause und baut Kohl."

Ich antwortete im gleichen Stil:

Zum Kohl ich den Schweinebraten, Den Moses Ihnen abgeraten."

Schwestern beim Führer

Anläßlich der 70-Jahr-Feier empfing der Führer in der Reichskanzlei eine Abordnung des Reichs­frauenbundes vom Deutschen Roten Kreuz. Er begrüßte die Schwestern, von denen sich einige auch im Weltkriege besondere Verdienste erworben haben. (Presse-Jllustrativn-Hvffmann-M.)

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Geschichten ans aller Welt

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Wir schwärmen durch die weite Welt..

(r.) Amsterdam.

Erste und zweite Geige, Ziehharmonika und Fagott: das muß ja ein herrliches Quartett ab­geben! Da kann es uns an Beifall und an Ein­nahmen in dieser verhältnismäßig großen Stadt Deventer nicht fehlen!" So dachten vier junge Leute, die sich in holländischen Orten seit geraumer Zeit als Straßenmusikanten ihr kärgliches Brot verdienen, als sie dieser Tage den Boden der ge­nannten Stadt betraten. Bevor sie aber nun mit ihrer Musik loslegten, erfuhren sie, daß in Deventer die Vorschrift besteht, daß jeder Musikant, der die Erlaubnis zum Spielen auf den Straßen und Hinterhöfen erhalten will, vorher auf dem Polizei- kommissariat der Stadt ein Probespiel vorführen muß, da sich hier die Polizei dankenswerterweise auch für die Trommelfelle der ihrer Obhut anver­trauten Bevölkerung verantwortlich fühlt. Die vier Musikanten also stiefelten zum Polizeikommissariat, < wurden auch vorgelassen, brachten ihr Anliegen vor |

und baten, dem Herrn Polizeichef aus ihrem reich­haltigen Spielplan das zur Zeit in Holland sehr volkstümlicheSchwärmerlied" vorspielen zu dür­fen, dessen Text beginnt:Wir schwärmen durch die weite Welt". Die Bitte wurde gewähkt, und nun legten die beiden Geigen, die Ziehharmonika und das Fagott mit einer Verve und Innigkeit los, daß es eine wahre Freude war. Der Polizeikom­missar hörte andächttg zu. Als das Lied jedoch mit einem hinreißenden schmelzenden Finale ausae- klungen war, trat ein anderer Beamter zum Chef und flüsterte ihm etwas ins Ohr, worauf dieser sich erhob und eine kleine Ansprache hielt, deren Sinn in der Feststellung gipfelte, daß leider nur die Ziehharmonika heute den Einwohnern der guten Stadt Deventer dasSchwärmen durch die weite Welt" vor die Ohren führen könne, da man neben­an während des wirklich hübschen Konzertes nicht müßig gewesen sei und aus dem Fahndungsbuch leider habe feststellen müssen, daß die beiden Geigen und das Fagott bei anderen holländischen Polizei­verwaltungen noch allerhand auf dem Kerbholz hätten. Er müsse die soeben genannten Instrumente

daher bitten (mit einem Wink an ein paar soeben eingetretene stämmige Polizisten), den gastlichen Räumen seines staatlichen Unternehmens näher zu treten. Mit demSchwärmen durch die weite Welt" war es nun aus. Eine einsame Ziehharmonika soll an diesem Tage in Deventer durch ihr aewisser- maßen tränenreiches Spiel die Herzen aller Zu« Hörer bis ins Innerste aufgewühlt haben.

Die Rennjacht nachSchnittmustern".

(rt) Sidney.

Bei einem Jachtrennen trug zum ersten Male eine Frau, eine Mrs. D. Schaer, den ersten Preis davon. Die Siegerin hatte ihre Jacht selbst gebaut. Eines Abends zankte sie sich mit ihrem Gatten, der ein begeisterter Jachtsportler war. Sie behauptete, daß sie genau so wie ein Baumeister imstande sei, eine seetüchtige Jacht herzustellen. Ihr Gatte lachte sie aus. Schon am anderen Tage begann Mrs. Schaer mit ihren Streifzügen durch den Hafen. Sie baute die Jacht genau so, wie man ein Kleid schneidert. Sie nahm von den einzelnen Jachtteilen Schnittmuster" in Papier und übertrug diese dann auf Holz bzw. auf Metall. Ein ganzes Jahr baute Mrs. Schaer an ihrer Jacht, die 3,30 Meter lang und entsprechend breit wurde. Heute ist die Jachtschneiderin die berühmteste Frau von Sidney. Uebersee-Telephonate höflichst verbeten!"

(sk) Los Angeles.

Ein bekannter Filmstar sah öfters amerikanische Gäste bei sich, von denen ihn einer eines Abends bat, ob er einmal eben telephonieren dürfe. Nie­mand achtete daraus, wohin er sprach, es fiel höch­stens auf, daß das Gespräch recht lange dauerte. Ein paar Wochen später erhielt der Filmstar eine Telephonrechnung, die ihn beinahe in Ohnmacht sinken ließ. Jener längst vergessene Bekannte hatte nämlich die Gelegenheit benutzt, um von Hollywood nach London zu telephonieren zwar zur Nacht­zeit, aber doch immerhin zu einer Taxe von 150 Dollar für drei Minuten. Seit jenem Tage hat der Filmstar seinem Telephonapparat ein deutlich sicht­bares Schild anbringen lassen:Uebersee-Telepho­nate höflichst verbeten!"

Einer, der rückwärts schreibt.

(th) Neuyork.

Dor einem verblüffenden medizinischen Rätsel stehen die amerikanischen Gelehrten im Falle des elfjährigen Volksschüler Harald Elliot in Mounds- ville in West-Virginia. Dieser Knabe nämlich kann nur rückwärts denken. Eine seltsame Gehirnveran­lagung nämlich zwingt feine Finger, jedes Wort rückwärts zu schreiben. Man gab ihm eine Zahlen­liste zum Abschreiben, die die Zahlen von 1 bis 9 in ihrer natürlichen Reihenfolge aufwies. Harald begann beim Abschreiben prompt mit der 9 und en­dete mit der 1. Auch beim Abschreiben von Wör­tern zeigt sich dieselbe Erscheinung, und so kopiert er z. B. den ihm vorgelegten eigenen Vornamen: dlaraH". Sein Lehrer erklärte, man bekomme von ihm richtige Abschriften nur, wenn man ihn aus einem Spiegel abschreiben läßt, der hinter der Vorlage aufgestellt wird. Es liege bestimmt nicht am bösen Willen ober an einer raffinierten Ver­stellung des Jungen, wenn er rückwärts schreibe. Die Aerzte, die den Jungen genau untersucht ha­ben, sind der Ueberzeugung, daß diese rätselhafte Veranlagung des Knaben an einer falschen Ver­bindung und Funktionsordnung zwischen Sehnerv und Gehirn liegt.

England itzt tztehr.

() London.

Die Engländer hatten nie einen schlechten Appe­tit. Aber seit einigen Jahren stellt die britische Statistik fest, daß der Hunger in England offen­bar gewaltig zunimmt. Das ergibt sich nach den Mitteilungen des englischen Ministeriums für öffentliche Gesundheitspflege vor allem daraus, daß die Menge der Nahrungsmittel, die in den letzten

füe5MusiknChallier

Gegr. 18 57-Gl 855611-Neuenweg^

Bayerische Holzballade.

Von Anton Schnack.

Wuchtig und wild, einer Ballade gleich, ist die Reise des Holzes im bayerischen Jsarwinkel, wo die Berge Kämpen, Benediktenwand, Geierstein, Karwendel, Guffert, Roßstein, Ruifen und die Orte Lenggries, Fleck, Graben, Holz, Wegscheid, Fall, Wies, Winkel, Hain und Anger heißen, Namen, die nach Holz und Harz duften, nach Wasserüber­mut und Wasserstille, nach Wald und Wiese und kurz und hell wie Stein und Fels klirren. Unsere Holzballade fängt in einem versteckten Bergwinkel an, wo eine gewaltige Bergfichte auf Geheiß des Försters vom Holzknecht eine Kerbe in die regen­geschwärzte Rinde gehauen bekommt. Diese Kerbe heißt Tod durch Axt und Baumsäge. Wenn die verwegenen Holzfäller ober Holzerer ihr Tagewerk beginnen, liegt bie gewaltige Urstille bes Berg­morgens auf Schluchten unb Tälern: Pans Ge­heimnis webt. Die Rotte ber Holzfäller hat ihre Hütte, basHaus ber Holzer", im blauen Duft der Morgendämmerung verlassen; so eine Hütte enthält nicht viel, einen Steinherb, trockenes Moos fürs Nachtlager: gebaut ist sie luftig aus ein paar Stangen und Holzstämmen, und gedeckt ist sie mit großen Baumrinden. Die Wälder sind keine Wälder der Ebene, sondern ziehen sich in zerklüftetem und steilem Gestein hinauf: ein Holzknecht muß also auch ein Kletterer sein, schwindelfrei und kräfttg, nicht widerspenstig gegen die Einsamkeit: denn der Aufenthalt, oft umsponnen von Nebeln und triefen­den Regengüssen, dauert wochenlang. Krachend ist die Fichte niedergestürzt, kein Weg führt dorthin, und kein Fuhrwerk kann den Stamm abholen. Mit einem scharfen Schaber wird sie entrindet und aus­einandergesägt. In der Nähe geht eine Rinne durch die Felswand, vom Wasser ausgeschliffen und von Zehntausenden von Holzstämmen glattgewetzt. Alle diese Rinnen führen zu einem Weg oder zu einem Bergwasser. Bei feuchtem Wetter wird unser ge­fällter Fichtenstamm an die Rinne geschleift und tritt eine sausende Talfahrt an, die manTreiben" nennt. Von diesem Treiben erhält ber Stamm fürchterliche Wunden, die Schnittflächen fransen aus und werden zerfetzt, Splitter und Risse werden in den Baumleib vom Fels gezeichnet. Aber seine Reise ist noch lange nicht zu Ende. Aus dem Treiben wird nun eineTrift" im Bergbach. Die

meisten dieser wilden und stürmischen Bäche mün­den in einem Triftkanal, dessen Ende einGanter­platz (Holzstapelplatz) ist. Hier wird das Holz ent­weder herausgefischt, aber unsere Fichte bleibt im Wasser: der Flößer (Flößler) geht in das eiskalte Bergwasser, schlägt seine Axt in den Fichtenleib und zieht ihn zu anderen Stämmen gleicher Größe. Mit Spann und Wiedling wird die Fichte an andere Stämme befestigt, bis das Floß gebaut ist. Anderes Holz wird alsOblast" auf das Kernfloß gewor­fen, der Flößler bringt Sack und Pack darauf, Mit­reisende stellen sich ein, und das fertige Floß schießt durch den Triftkanal hinaus in das hellgrüne Jfar- roaffer, um feine Reife anzutreten. Es ist eine hübsche schnelle Wasserreise, groß und breit ist das Flußbett der Isar, ausgefüllt mit den weißen blin­kenden Kieselsteinen, in dem die hellgrünen und silbernen Wasserschnüre des Flusses ihren Lauf sich suchen. Welches Flußband ist nun das richttge? DerFerge", der das Floßruder bedient, weiß es: er ist der Lotse und kennt die tiefen und die seichten Stellen, die Wirbel und die Strudel, die Krüm­mungen und die großen Felssteine. Er gehört zu­sammen mit dem©teuerer" zu einer kühnen, ver- roetterten, luftgegerbten, fröhlichen und immer dur­stigen Zunft. Scharf gebogen fließt die Isar, bald reißt das Floß an dem linken Ufer vorbei, bald an dem rechten, aber jedes Ufer ist schön und bietet eine neue landschaftliche Ueberraschung. Zur Som­merzeit, wenn der Himmel echt bayrisch blau leuch­tet, der Kies im Flußbett der Isar blinkt und einen blendenden kalkigen Schein ausstrahlt, ist eine Floß- reife, die man im schönsten Teil der Isar von Fall oder Vorderriß bis Lenggries unternimmt, ein großer Genuß, der vollkommen gefahrlos ist: denn das Jsarwasser ist um diese Zeit nicht das stürmische und ungebärdige der Schneeschmelze ober des späten Herbstregens. Man sitzt gemächlich und vergnügt auf dem uralten bewährten Beförderungsmittel, das seit Jahrhunderten diesen Fluß herunterfährt: rechts und links blättert sich ein wundersames in allen Farben strahlendes Bilderbuch auf: hohe felsige Berggipfel, niedere düstere Waldhügel, Weioenbüsche, Wiesenbuckel mit weidendem Vieh, Dörfer und Gehöfte, die im Blumenschmuck leuch­ten, dazu das hellgrüne, bläulich schimmernde und oft milchweiß strudelnde Jsarwasser, Schatten und Licht; ununterbrochen trinken die Augen Schön­heit und Farbenfreude.

Oie Fresken des Michelangelo.

Ein Artikel unseres römischen ^.-Korrespondenten im gestrigen Feuilleton beschäftigte sich mit den gegenwärtig in der Sixtinischen Kapelle vorgenom­menen Jnstandsetzungsarbeiten und den im Zusam­menhang mit diesen Arbeiten auch außerhalb der Grenzen Italiens verbreiteten Gerüchten. DerOsservatore Romano, das offizielle Organ dcs Vatikans, veröffentlicht hierzu die folgende Er­klärung, die wir unfern Lesern nicht glauben vor­enthalten zu sollen:

Eine römische Zeitung, die mit bedauerlicher Leichtfertigkeit einen Gegenstand behandelt, der schon an sich vollkommenen Ernst der Behandlung erheischte, hat in auffälligen Lettern eine Nottz ver­öffentlicht, nach der in Verfolgung der gegenwär­tigen Arbeiten in der Sixtinischen Kapelle Aende- rungen oder Hinzufügungen an den wunderbaren Fresken Michelangelos geschehen würden oder schon geschehen seien. In Erfüllung unserer Pflicht sind wir ermächtigt, zu erklären, daß diese Nachricht tendenziös und vbantastisch ist, und daß im beson­deren die mitgeteilten Nebenumstände jeder Grund­lage entbehren. Es ist ferner verwunderlich, daß derlei widersinnige Erfindungen in einer römischen Tageszeitung bereitwillig ausgenommen werden."

Nach 17 Zabren . . .

In Chikago wurde ein Mann von der Polizei verhaftet, der 17 Jahre lang ein ehrbares Leben führte, nachdem er aus dem Gefängnis entsprungen war, der sich verheiratet hatte und in der ganzen Nachbarschaft geachtet wurde, in der niemand etwas von seiner Vergangenheit ahnte. Erst jetzt hatte die Polizei entdeckt, wer der Mann, der sich Howard ^aro nannte, wirklich war. Sein wahrer Name ist Howard Fulger. Der heute 56jährige hat damals, vor 17 Jahren, im Jackson-Gefängnis mit 13 an­deren Sträflingen zusammen einen unterirdischen Gang gegraben, der ihn schließlich in die Freiheit führte. Als die Chikagoer Polizisten in Fulgers gepflegtes Heim eindrangen, um den solange ge­suchten entsprungenen Strafgefangenen festzuneh- men, konnten sie ihn schnell überführen, indem sie seine Hemdärmel aufstreiften und auf Tätowierun­gen hinwiesen, durch die er unzweifelhaft als der entwichene Sträfling festgestellt wurde. Fulger gab auch zu, der Gesuchte zu sein. Er erzählte, daß er.

als ihm die Flucht aus dem Gefängnis geglückt war, bald in Iowa eine 13 Jahre ältere Witwe geheiratet habe und mit diefev nach Chikago über­siedelte, wo es ihm glückte, Arbeit zu finden unb lange Jahre hindurch ein geordnetes Leben zu füh­ren. Die Frau hatte von dem Vorleben ihres Man­nes nicht die geringste Ahnung. Als ihn die Detek­tive aufforderten, mitzugehen, wandte sie sich fas­sungslos zu ihm um und fragte ihn:Was soll das alles nur bedeuten?". Fulger antwortete:Ich muß nun zurück. Aber du geh zu deinem Bruder unb lebe bei ihm!" Die Frau konnte nur erwidern: Wir waren doch alle die Jahre so glücklich! Ich will bei niemand anderem wohnen." Sie hat nun ein Gnadengesuch an den Gouverneur von Michigan gerichtet und hofft auf einen guten Erfolg.

3eiffrf)ri9en.

Professor Wolfgang Schultz, den bahnbrechen­den Forscher auf dem Gebiet arischer Weltanschau­ungslehre und germanischer Vorgeschichte, der im September dieses Jahres verstarb, würdigt ein Nachruf, der das Novemberheft der Zeitschrift Volk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW, Einzelpreis 70 Pf.) eröffnet. Dr. P. L. Krieger schildert unter dem TitelDoro­thy und der Arbeitsdienst" an Hand eigener Er­fahrungen und mit Hilfe von Kamera-Schnapp­schüssen, die durch ihre Unmittelbarfeit überzeugen, die Wirkung welche der Arbeitsdienst und andere Einrichtungen des nattonalsozialisttschen Staates auf amerikanische Besucherinnen ausübt.

Dem deutschen Porträtmaler Anton Graff, in dessen Werken sich der Geist des klassischen Jahr­hunderts spiegelt, widmet dieI11 u ft r i r t e Zei­tung Leipzig" (Verlag I. I. Weber, Leipzig) in ihrer neuesten Nummer aus Anlaß seines 200- jährigen Geburtstages einen reich illustrierten Bei­trag von Dr. Hildegard Heyne. So manche be­rühmten Persönlichkeiten, wie Herder, Chodowiecki, Oeser um nur einige zu nennen treten dem Beschauer hier entgegen als Zeugen der lebens­nahen Kunst dieses besten und wahrhafttgsten Bild­nismalers jener Zeit. Von großem Interesse ist auch der BeitragWeltenwandernde Spielkarten" von Irmgard v. Stein. Wandernd durch die Jahr­hunderte, durch die Weltteile und ihre verschiedenen Völker, deren Eigenart sie annimmt, wird die Spielkarte zum Kulturdokument, das ein SttüE

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