Einzelbild herunterladen

OFENPUTtj

Sonntag

nkenSiean Wer, damit M schnell

! 6/s 20 y. H. er» ederholtenVer» einer Anzelgtl

läuser

Ben 7163 a

Idsgarten k. 2145/46

iederArt jszwetschen usw. Spalier in Hocbsl.u, Busch ipfianzen ihl . L mehr suchen Sie uns!

hhacker, hbretter, :htmesser, irstahl, löpte, chgläser.

:r Qualität ' preiswert

Tepp'ch j tauf. 8=i* chr. Ans. um- 269£i®i'

pSi Säg: ?le>chges.o -u.Zusich. erm.ieb.n [l»-.Weira1 «ankhirt n.

LruHöhe oder .TWaussadU. aufen

ML Ang. UN .

Zut erhaltener iWkllvW , (auf. geM.

529U154

<en as piß

Äff

r 8 h;u* Rosten* :onr"en wir Mw Ede|. bdll9 Wär. ecker lerg Job

Opere&r v.Fran*L

)Vbr-.iö6fetll

-Ws

aumschule mgäitnerel [Schwarz Blefon 4082

leineres, gut eingerichtetes MM i kauf, gesucht» chr-Am. mt. i267a^G^t,.

11.30-12.30

; f, Händel

SSV- ntfgS 1 ^ei!

Bg.fi

§amrtag. 14. November 19,56

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nr. 268 Zweiter Blatt

im

kannte Schauspieler Thielscher hatte es

nicht nehmen lassen, das Wort vom Leutnant

verlangen . -

und und und aus oder

und jene germanische Erkenntnis, baß auch Baum sich ein Stück Naturseele offenbare.

Sehr fein gab Eumaios alle jenen

sanften, weiblich Wesens.

sich und

Form des Lebens hindurchziehen, gesondert in Be­trachtung: den Kohlenstoff, das Kalzium, den Sauer­stoff, Stickstoff, Wasserstoff, das Natrium, Eisen, Chlor usw., was hat das an und für sich mit dem Leben, den Vorgängen der Seele und des Geistes zu tun? Alles dieses wird erst im menschlichen Sinne lebendig dadurch, daß die Idee es zur orga­nischen Form ordnet; aber alsdann und solange es dieser Form dient, ist es auch nicht mehr von dem, was Aristoteles die Form nennt, zu trennen; es ist in dieser Form überall Leib und Seele zugleich, und nur die Verschiedenheiten dieser Form sind es, die zuweilen fälschlicherweise als Leib und Seele einander entgegengesetzt werden."

Als Bismarck sich gegen Caprivis Baumfrevel wandte, wird dieser die Meinung vertreten haben, ein wenig mehr Licht sei wertvoller als die Ent­fernung eines Baumes. Hier stießen tatsächlich zwei Weltanschauungen aufeinander: der Rationalismus

Doch bleiben noch dichterische Motive genug: vor allem das des gewaltigen Bogens, den niemand zu spannen vermag als der rechtmäßige Besitzer; in seinen Händen wird der Bogen zu einer furchtbaren Waffe, mit der Odysseus am Ende als Rächer seiner Ehre und seiner Gemahlin ein Blutbad unter den immer zügelloser gewordenen Freiern anrichtet, die ihrerseits schon dem jungen Telemach nach dem Leben trachten. Penelope, von Telemach ritterlich verteidigt, bleibt unsichtbar; zwar wird sie indirekt sehr lebendig geschildert, und auch das berühmte Motiv des bei Tage gewebten, bei Nacht wieder aufgetrennten Gewandes (so hält die einsame Frau die lästigen Freier hin) ist ein dichterisch und menschlich wesentlicher Bestandteil des Werkes.

Hauptmann bricht aber mit dem fünften Akt ab, die Wiederbegegnung der Ehegatten nur eben an­deutend, und beraubt sich damit ohne Zweifel einer Szene von außerordentlicher Wirkung. Ihm lag mehr an der Beziehung und Gegenüberstellung von Vater und Sohn; die Szene, in der Telemach in dem alten Bettler endlich den Vater erkennt, darf als Scheitelpunkt des Dramas gelten. Damit ist dos Geheimnis um den rätselhaften Fremdling entschlei­ert, der zuerst die FrageWer bist du?" fast verräte­risch beantwortet:Ich? Odysseus! ... war mein Freund", und später, mit gefährlichem Doppelsinn, sichNiemand" nennt, womit das homerische Mo­tiv von der Ueberlistung des einäugigen Zyklopen verwandelt wieder ausgenommen ist.

Für das erkrankte Frl. Gerhardt war Fraulein Prinz im letzten Augenblick eingesprungen; sie fand sich mit der Rolle der Melanto lobenswert unö umsichtig zurecht Eine hübsche, lebendige, sauber ausgefeilte Charge gab Herr G e i ß l e r als Laer- tes Von den übrigen feien noch die Herren Schorn, F r i ck h o e f f e r , Kühne und Frau Stirl als Eurykleia genannt.

und Blumen und Tiere, die täglich ihm vor Augen kommen, alle Seltenheiten oder Feinheiten der Na­tur sindWissenschaft" und werden demgemäß mit einem lateinischen Namen gekennzeichnet. Das französische Volk hat keine Bezeichnung in seiner Sprache dafür. Selbst bei den im deutschen Volks­munde bekanntesten Pflanzen mußte der franzö­sische Student das gestehen.

Hier haben wir ein typisches Beispiel des den Franzosen angeborenen Rationalismus, also der Verstandesenge, während im deutschen Volke der innere Sinn, die Intuition, gerade der Umwelt gegenüber sehr lebendig war und die Natur durch­aus als Polarität aller schöpferischen Kräfte, und, weil schöpferisch, zugleich dämonisch oder gefährlich, angesehen wurde. Ehe die Systematisierung daran ging, alles einzuschachteln--und zwar derart,

daß wir vor einem Menschenalter auf den Gym­nasien genau wußten, wieviel Staubfäden eine Pflanze batte, aber von der Umwelt der Pflanze ahnungslos blieben war das deutsche Volk, auch fein gebildeter Kreis, unzweifelhaft naturnäher. Die Systematisierung aber richtete trotz ihrer Not­wendigkeit, sich von der Natur ein Bild zu machen, durch die Auslegung, die ihr gegeben wurde, grauenhafte Verwüstungen an und die Technisie­rung scheint vor allem die Jugend noch mehr der Natur zu entfremden, obgleich sie in der Natur kraftfahrtelt, wandert, schwimmt usw. Die Natur ist eben keine Maschine, und auch nicht der Mensch. Es ist grundfalsch, den menschlichen Körper nut einer Maichine zu vergleichen und die einzelnen Funktionen rein technisch zu deuten, denn eine Ma­schine kann man auseinandernebmen und wieder zusanirnensetzen, aber keinen menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Körper, ohne ihn dabei zu ver­nichten. . _ .

Gegenüber dem einfachsten Bau einer Zelle, der organischen Funktion eines Muskels, sind alle Wun­derwerke der menschlichen Technik eitel Stümperei,

derb bezeichnete. Wenn Professor Driesch, der sich vom Biologen zum Philosophen entwickelte, vor einigen Jahren schrieb:Tatsachen kommen immer zuerst und bleiben Tatsachen, auch wenn wir sie nicht verstehen können", dann ist es traurig genug, daß eine solche Selbstverständlichkeit gegenüber der Wissenschaft ausgesprochen werden mußte, die sich auf ihre Exaktheit etwas zugute tut und dabei alles übersah, was nicht in ihren Kram paßte, die hochmütig auf den Volksglauben herabschaute und ihm nur widerwillig Konzessionen machte, als sich erwies, daß die wissenschaftlichen Forschungen im Grunde zu den gleichen Schlüssen kamen.

Allmählich nähert man sich wieder der uralten Erkenntnis, der der Präsident der Kaiser­lich Leopoldinisch-Carolinischen Akademie, der be­rühmte Mediziner Carl Gustav C a r u s (1789 bis 1869) aussprach:Trennen mir in Gedanken den Stoff, wie ihn Aristoteles nennt, von der Form des Lebens, nehmen wir ihm alle die chemischen Ele­mente, welche in ewiger Flucht durch die organische

23on Eugen Siebert

Im dritten Bande derGedanken und Erinne­rungen" kommt Fürst Bismarck in einer Fuß- note auf die Tatsache zu sprechen, daß sein Nach­folger Caprivi die wundervollen Bäume vor dem Arbeitszimmer des Reichskanzlers fällen ließ, um mehr Licht zu haben. Bismarck bemerkt dazu: Aus dieser Baumoertilgung spricht nicht ein deut­scher, sondern ein slawischer Charakterzug. Die Slawen und die Kelten, beide ohne Zweifel stammverwandter als jeder von ihnen mit den Ger­manen, sind keine Baumfreunde, wie jeder weiß, der in Polen und Frankreich gewesen ist; ihre Dör­fer und Städte stehen baumlos auf der Ackerfläche, wie ein Nürnberger Spielzeug auf dem Tische. Ich würde Herrn von Caprivi manche politische Mei­nungsverschiedenheit eher nachsehen, als die ruch­lose Zerstörung uralter Bäume, denen gegenüber er das Recht des Nießbrauchs eines Staatsgrund- stücks durch Deterioration desselben mißbraucht hat."

Was dem alten Recken unfaßbar war, wird die gesamte germanische Nation mitempfinden, aber ich entsinne mich jenes Erstaunens, als ein französischer Student der Naturwissenschaften mir seine sehr sorg-

Copyright 1936 by Koehler & Amelang, Leipzig.

Aus den Reihen der alten Vorkämpfer gegen den Parlamentarismus und für ein starkes Vaterland ragt ein Mann hervor, dessen Leben Arbeit für die deutsche Ernährung, Wehrhaftigkeit, Zucht und Ordnung war: Elard von Oldenburg-Ja­nus ch ä u. Seine Erinnerungen, die demnächst im Verlag Koehler & Amelang erscheinen und aus denen wir bereits heute Proben bringen können, zeigen ihn als unbestechlichen aufrechten Politiker und treffsicheren Redner, sie bieten aber auch eine Fülle von Anekdoten.

Berühmt wurde Oldenburg durch fein Wort vom Leutnant und zehn Mann". In einer Reichstagssitzung, die zu heftigen Agitationen der Linken gegen die Machtbefugnisse des Kaisers ge­führt hätte, erklärte von Oldenburg:Der König von Preußen und der Deutsche Kaiser muß jeden Moment imstande sein, zu einem Leutnant zu sagen: Nehmen Sie zehn Mann und schließen Sie den Reichstag!" Die Wirkung war ungeheuer, die Linke betrachtete Oldenburgs Worte als Aufruf der Armee gegen das Parlament. Doch lassen wir Oldenburg selbst weitererzählen:

Das Wort vom Leutnant und den zehn Mann erregte großes Aufsehen. Es gab kaum eine Zei­tung, die nicht ihre Spalten mit ihrer Stellung­nahme zu diesem Wort anfüllte. Ueberall, wohin man kam, schallte es einem entgegen. Zu meinem eigenen Erstaunen hatte dies Wort auch bei der Masse gezündet. Denn als wenige Tage später eine neue Reichstagssitzung stattfand, war der Platz vor dem Wallotbau schwarz von Menschen. Es gelang mir aber, ohne erkannt zu werden, in den Reichs­tag hineinzukommen. Drinnen hörte ich dann von den Fraktionsgenossen, man habe irgendeinen Un­bekannten für mich gehalten und verdroschen. Das war für mich Grund genug, um am Abend des gleichen Tages einen Rundgang durch Berlin zu tun. So nahm ich mir eine Droschke, die mich nach einer von den Sozialdemokraten einberufenen Ver­sammlung im Friedrichshain führen sollte. Als ich dort ankam, sah ich, daß die dort zusammengetrom­melten Menschenmassen in einen ungeheuren Wut- taumel versetzt waren. Es war nicht zweifelhaft, daß man mich hätte ich meine Droschke verlas­sen erkannt und verprügelt hätte. Dem wollte ich mich nicht ohne Not aussetzen und zog es darum vor, ungesehen in meiner Droschke wieder zu verschwinden.

Nach einigen Tagen wagte ich mich m eine Revue ins Metropol-Theater. Der damals sehr be-

Der Beifall, anfangs matt, rief zuletzt die Haupt- beteiligten an die Rampe. hth.

auf und bekam einen Beifallssturm nach dem an­deren. Das Unglück wollte es, daß die Besucher mich beim Verlassen des Theaters erkannten. Gott sei Dank war ich schon in der Nähe der Türe und er­klärte, ich sei nur inkognito da und bäte, mich un­gehindert meines Weges ziehen zu lassen. Diese Bitte hatte den gewünschten Erfolg, über den ich nicht wenig glücklich war, wußte ich doch nicht, wel­cher Art die' Ovationen sein würden, die mir das Publikum unter Umständen bereitet hätte.

Damit nicht genug, verfolgte mich das Wort vom Leutnant und den zehn Mann bis in die Kasino­räume der 2. Gardeulanen. Dort stieg damals in Anwesenheit des Generalstabschefs Graf von S ch l i e f f e n ein Regimentsessen. Der große Schlachtendenker, der schon Bethmann mit dem sar- kastischen Satz begrüßt hatte, er glaube nicht, daß es dem Frankfurter gelingen werde, Preußen zu regieren, sagte in seiner Rede, wenn es einmal nötig sein werde, den Uebergriffen der Volksvertre­tung mit der Waffe in der Hand entgegenzutreten, dann hoffe er, daß der Leutnant und die zehn Mann von den 2. Gardeulanen gestellt würden.

podbielskis Krückstock.

Die Landwirtschaft erfreute sich längere Jahre hindurch eines ganz hervorragenden Ministers, des Generals von Podbielski. Dieser Minister war als alter Soldat ein Mann mit einem außerge­wöhnlichen praktischen Blick. Er verstand es, sich schnell in ihm bis dahin unbekannte Dinge hinein-

Ein Leutnant unv zehn Mann."

Oer alte Zannsthauer erzählt Anekdoten aus seinem Leben.

sättig angelegten Herbarien zeigte, die eine Menge Seltenheiten neben bekannten Pflanzen enthielten. Wir haben in Deutschland für fast alle Vögel auf dem Boden lebenden Tiere, für Käfer Schmetterlinge und Blumen und Sträucher Bäume deutsche Namen, die übrigens

grauen Jahrhunderten stammen, z. T. witzig humorvoll den Artcharakter kennzeichnen und jenen häufig in Kulturgeschichten zu findenden Ausspruch Lügen strafen, wonach der Bauer vornehmlich in früheren Jahrhunderten keine Zeit oder keine Lust gehabt hätte, sich^um die Natur genauer zu küm­mern. Aber der Franzose kennt nur einige Vögel

Herr Rosenthal als Telemach: schlank, blond, entflammt im jugendlichen Gefühl, schwankend und manchmal erschüttert auf dem Boden, dem das Schicksal ihm zuwies; nicht ganz so knabenhaft mehr, wie man nach dem Lesen ihn sich denken könnte; am unmittelbarsten sich äußernd in der Erkennungs­szene und in den Auftritten mit Leukone. Diese, von Fräulein B i r k m a n n gegeben, wirkte von allen Gestalten des Stückes schön im äußeren Umriß am meistengriechisch" ganz natürlich eingefügt in Umwelt und Landschaft, wenn sie, ins Profil ge­wendet, im fließenden, rostroten Gewand gegen den helleren Hintergrund stand; diesem Bilde entsprach die dialektische Klarheit, das ruhige Gleichmaß eines mitfühlenden und hellsichtigen

Man sollte vor der Aufführung das Stück gelesen haben, um die aus Erlebnis und Anschauung ge­borene, starke Atmosphäre in sich aufzunehmen, die Hauptmann ihm gegeben hat, um jenen Hauch von Primitivität und Antike zu spüren, von dem oben die Rede war; wir glauben, daß eine der wesent­lichen Ausgaben eindringender Spielführung darin besteht, diese Atmosphäre, diesen antikischen Hauch und Glanz eines frühen Zeitalters empfinden zu lassen; den gesättigten, klingenden Vers in der Welt des Theaters heimisch zu machen mit den sinnlichen Mitteln, die der Bühne zu Gebote stehen. Wir fan­den auch, daß die Aufführung, vom Intendanten Schultze-Griesheim in Szene gesetzt, dieser Forderung entsprach. Die von Herrn L ö f f I.e r auf­gebauten, großlinigen und einfachen Spielräume hatten etwas von der Welt eingefangen, die da be­schworen wird, und zumal der sehr schöne Durchblick vom Innern des Hirtenhofes ins Freie vermochte eine Vorstellung von der hellen, hellenischen Insel­welt zu geben, ein Bild vom blühenden Eiland Ithaka, wo die Irrfahrt des Odysseus schrecklich und glücklich zugleich ihr Ende findet.

Die Aufführung vermittelte indessen nicht nur bas äußere Bild, das man zu sehen erwartet: sie ließ im antikischen Vers die menschliche Stimme sich lösen, sie zeigte hinter dem Gewände sehr prunk­voll, sehr schlicht oder ganz zerlumpt und verkom­men das nackte, fühlende, geängstigte Herz. Und auch jenes Daimonion war zu spüren, das den an sich einfachen Vorgang an die Grenze des Mythi­schen und des Ueberfinnlichen rückt ... in dem sehr starken, von inneren Spannungen geladenen dritten Akt vor allem, wenn aus der Gestalt des armseligen und alten Bettlers ein Herr und Held sich aufreckt und die Götterwelt, ihm beistehend, ihn stärkend und anerkennend, mit Donner und Blitz und mit dem Wunder der nach langer Trockenheit plötzlich flie­ßenden Quellen panisch in die irdische Verwirrung des Gefühls eingreift. Dieser reine und starke Ein­druck reichte über die äußere Mitte des Dramas hinweg auch in die beiden Schlußakte hinein. In der Erkennungsszene zwischen Vater und Sohn und in bem Strafgericht zuletzt sammelten sich noch einmal alle guten und lebendigen Kräfte der Aufführung. (Ein paar kleine sprachliche Schwankungen wer­den sich mühelos abschleifen.l

Den Odysseus gab Herr Neuhaus so menschlich, wie er von Hauptmann angelegt ist, ganz naiv

Gießener Gtadttheater.

Gerhart Hauptmann: Der Bogen des Ldhsseus".

Wer mit Gerhart Hauptmanns Namen nur ben Begriff des leidenschaftlichen und konsequenten Naturalismus verbände, müßte ein Stück wie Öen Bogen des Odysseus" wenig charakteristisch fin­den- wir wissen aber, längst, wie gründlich Haupt­mann später den Natüralismus überwunden hat und kaum ein Werk könnte eindringlicher dafür xeuaen- wir erinnern uns auch, daß man nicht mit Unrecht darauf verwiesen hat, wie Hauptmann es Jtebe, gleichsam eine Maske sich vorzubinden, seine Stoffe in mancherlei Gestalt und Stilform zu kleiden und sich selbst und uns lebendig zu machen. Ein Blick auf die lange Namenreche seines Lebens­werkes wird das erläutern; Naumann sagt in seinerDeutschen Dichtung der Gegenwart :

Hauptmann greift gern auf Stoffe zuruck, die andere bereits vor ihm geformt haben. Jedes große Menschheitsmotiv will immer und immer wieder in jedem großen neuen Stil noch einmal durchdacht sein will immer von neuemübertragen sein. Hatten mir einen neuen Begriff von ber Me fo durften wir auch eine neue Formung des Odysseus

Noch eines der jüngsten Schauspiele Hauptmanns bestätigt diese Gedankengange; em einziger <5f)ate= fpeaw^ers gab die Anregung zu neuer Formung eines sehr alten Stoffes, zu dem SchauspielHam­let in Wittenberg". Was denOdysseus" betnfft, o wurde die Idee, zunächst jedenfalls, nicht litera­risch sondern aus lebendiger Anschauung, aus dem Erlebnis einer klassischen Landschaft gewonnen; xmar war die erste und eigentliche Frucht seiner südlichen R-is- im Jahre IM der Gn-chn,ch- Frühling" Aber schon in diesem Buche taucht der Plan und tauchen Gestalten auf wie Telemach und der aöttliche Sauhirt Eummos , die m dem ödjau- schel'^mBogen des Odyff-us" (1914) eine wesent- dem erwähnten Hamlet-Motiv ist die Fabel des Obysseus-Dramas bei Homer be- rcits vorgebildet und sehr viel ausführlicher behan­delt, als es dem Dramatiker schon aus räumlichen Gründen möglich gewesen wäre; °us andern Grün- den freilich mußte Hauptmann auf emes der schön­sten Motive verzichten, auf jene rührende Szene nämlich, wie nach zwanzig langen $^en äer Argos leise schweifwedelnd fernen he'Mkehrenden Herrn wiedererkennt und wenig fpater stirb. (Odyssee, XVII) Auch sonst wich Hauptmann von der homerischen Überlieferung ab; der Verzicht auf die Gestalt der Penelope und bannt auf tue Wiederbegegnung der Gatten ist am auffallendst n und auch häufig getadelt worden.

und der alte Voltaire hatte durchaus recht, wenn er sagte, daß in der Natur allüberall Kunst im höchsten Sinne am Werke sei. Er berührt sich auch damit mit Goethes Naturerkenntnis, daß , er den Urheber dieses Kunstwerks Gott nennt. Vol­taire hat cs ausgesprochen, wer gegen Gott sei, versündige sich gegen die Natur, und auch Goethe nennt die Naturdas Wesen, an dem wir die Breite der Gottheit lesen." Aehnlich Herder in seinem Vorwort zu denIdeen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit:Die Natur ist kein selbständiges Wesen, sondern Gott ist Alles in seinen Werken."'

Im Zeitalter Goethes und Herders war man noch von dem deutschen Gefühl der Volkheit durchdrun­gen, daß, wie Goethe es nannte, dieEinführung in die Welt des Auges" die Menschen natursichtiger mache. Goethe war sichtlich beeindruckt durch die Philosophie Jakob Böhmes, desPhilosophus Teutonicus" (1575 bis 1624) und vor allem von dessen tiefinnigstem WerkDe signatura rerum. Böhme lehrte, daß die sichtbare Welt eine Figur ober Bezeichnung der inneren geistigen Welt ist und meinte:Und ist kein Ding in der Natur, das ge­schaffen oder geboren ist es offenbart seine inner­liche Gestalt auch äußerlich. Denn das Innerliche arbeitet stets zur Offenbarung. Als wir solches an der Kraft und Gestaltnis dieser Welt erkennen: Wie sich das ewige Wesen mit der Ausgebärung in der Begierde hat zu einem Gleichnis offenbart, als wir solches an Sternen und Elementen, sowohl an Kreaturen, auch Bäumen und Kräutern sehen und erkennen. Darum ist in der Signatura der größte Verstand, darinnen sich der Mensch nicht allein lernet selber kennen, sondern er mag auch darinnen bas Wesen aller Wesen lernen erkennen."

Währenb ber moberne Rationalismus ber Natur ihr Wesen, also ihren göttlichen Urgrunb, ihren seelischen Inhalt rauben wollte, haben trotz bieser Finsternis ber Systematisierung selbst im vorigen Jahrhunbert Gelehrte gelebt, bie ben Mut zur Wahrheit im Sinne Goethes besaßen, unb so ist es gelungen, in ber neuen Zeit ben Materialismus zu überroinben unb eine beseelte Welt als selbst- verstänblich anzunehmen, wobei sich überbies alte Volkskenntnis natürlicher Zusammenhänge auch wieber, z. B. in ber Heilkunbe, als burchaus zu- treffenh bewährte. Als ber berühmte Biologe Pro­fessor Weismann auf ber 54. Tagung beutscher Naturforscher unb Aerzte seinen Vortrag über ben Tob hielt unb barin zwischen Fortvflanzungszellen, bie unsterblich sind, unb Körperzellen, bie er nach der griechischen Bezeichnung dafür, Soma, soma­tische' Zellen nennt unb sterben, unterschied, wurde der rationalistischen Wissenschaft der Todesstoß versetzt, die nach wie vor an der durch Häckel ver­gröberten Darwinschen Entwicklungslehre, an der materialistischen Auslassung, daß alles gewisser­maßen Krait und Stoff sei, festhielt, kurzum an her Mechanisierung, ohne zu fragen, woher denn selbst Kratt und Stoff gekommen seien und wo die Zwischenglieder der Entwicklung sich befinden.

Zunächst versuchte man, Weismanns Hypothese durch Stillschweigen ad acta zu legen, aber immer mehr Wissenschaftler bestätigten und erweiterten seine Lehre, so Doflein, der große Mediziner Schleich, Woodruff und Driesch. Das anscheinend so fest gefügt? System wurde zunächst aufgelockert, bann zertrümmert, unb bie Lehre von ben Atomen z. B., bie wir noch in der Schule als ziemlich hand­feste und feststehende Aufbaustoffe kennenlernten, ist geradezu revolutioniert worden. Alle d'ese Theo­rien werden selbst vom größten Materialisten gläu­big hingenommen, weil sie von Fachleuten gelehrt werden, aber daß eine Erweiterung des Weltbildes im Sinne der Geistigkeit möalich fei, das Volk viel­leicht im Grunde richtig gesehen unb gefühlt hatte, wenn es bie Natur beseelte, bas widersprach ber sogenannten wissenschaftlichen Skepsis, bie Schopen­hauer als bie Skepsis ber Ignoranz richtig unb

ben zehn Mann zu einer befonberen Zugkraft für bas Theater zu machen. Er trat in meiner Maske, gefolgt von 11 anberen uniformierten Schauspielern, einem Leutnant unb zehn Mann, auf ber Bühne

Es wirb, wie wir glauben, bem unvoreingenom­menen heutigen Zuschauer unb Hörer bas Einbringen in ben Stoff erleichtern unb bie Freube an biesem chönen unb bebeutenben Werk vertiefen, wenn er bebenft, baß ber menschliche Kern bes Schauspiels burchaus nicht notroenbig an ben antiken Sagenkreis gebunben, sonbern immer wieber neu unb gegen­wärtig ist. Das Heimkehrer-Motiv findet sich in allen Zeitaltern unb Kulturkreisen; wir haben es im Welt­kriege unb in ben Jahren nachher oft genug ganz aktuell unb nicht selten erschütternb erlebt. Wie tief unb fruchtbar aber bas Erlebnis ber süblichen Reise in Hauptmann nachwirkte, erwies erst sieben Jahre später berBogen bes Obysseus": hier ist zu emp- finben, wie ihm bie alte Welt mit ihrer Lanbschast, ihren Menschen und ihrer Kultur Besitz geworden war. Hauptmanns Odysseusist Mensch, plastisch realistisch, derb und lebendig, irdisch wie eine braune Terrakottafigur; ... ein undefinierbarer Hauch von Primitivität und Antike zugleich durchstromt das Stück mit feinen Säuen und Ziegen, Hunden und Bettlern ..." (Naumann.)Es ist fabelhaft", so lesen wir weiter, wenn sichim Verlaufe größter drama­tischer Handlung aus dem Bettler der bamomsch- graufame übermenschliche Held erhebt."

Und wir dürfen hinzufügen, daß man m diesem Bettler und diesem Helden, in jedem Wort, in jeber Regung und jeder Gebärde, den homerischen Men- schen, bas antike Geschöpf roieberfinbet: völlig naiv.

(wenn man das Wort hier recht verstehen will) uni) ohne das klirrende Pathos, das den Unkundigen oft von klassischen Gestalten und Vorgängen abschreckt. Man kann sich gut vorstellen, daß das Urbild eines alten Bettlers dem Dichter so auf seiner griechischen Reise erschienen ist. Herr Neuhaus gab die Figur auch mit der Ueberlegung und dem Ueberblick, die jene fortschreitende Entwicklung und Verwandlung voraussetzt, wenn anders sie glaubhaft erscheinen soll: sie geschah schrittweise, allmählich, mit lieber« gängen; so war sie zu verfolgen und folgerichtig genug, um überzeugend zu wirken. So wuchs aus einem geschlagenen und verelendeten Schiffbrüchigen, aus demDulder" Homers der Held und der Herr, Herr des Hauses, dem der heimische Herd die alte Gewalt und patriarchalische Würde zurückgibt; Herr des Landes, der nach endlosem Krieg und Abenteuer in der neugeschenkten Heimat seine wahre Bestim­mung, seinen Lebenskreis und seine Aufgabe wie- öerfinbet.

Herr (Beia^r bem Hirten mehr als nur idyllischen Züge, welche die mit Liebe gezeichnete Gestatt eines wahr­haft treuen Dieners seines Herrn uns naher-ückten. Aus der lärmenden, prahlenden, trunkenen, zuletzt von Entsetzen gelähmten Horde der fürstlichen oder vielmehr unfürstlichen Freier hoben sich der An- tinoos (Herr v. Gschmeidler; besonders im jähen Ausbruch des vierten Aktes) und der Eury- machos (Herr Hub) am markantesten heraus.

ive genug: vor jo kindlich und unmittelbar in allen seinen Lebens- unb Gefühlsäußerungen, mitleiberregenb unb schreck­lich zugleich, immer bem Gesetz seines Lebens, ber Stimme seines Herzens, bem von ben unsterblichen Göttern verhängten Schicksal untertan unb bemutig hingegeben; immer in seinen Tränen, in seiner Angst, in seinem Zorn ein ursprünglicher Mensch.