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merarbeit ein und konnte eine Anzahl von Lehr­gängen eröffnen. Weiter wurden durch diese Ab­teilung Verhandlungen mit den zuständigen Stellen gepflogen mit dem Ziel, die noch nicht in einer Lehre untergebrachten schulentlassenen Jugendlichen durch besondere Betreuungsmaßnahmen der DAF. zu erfassen.

Meldung zu den Motorsportschulen.

NSG. Die NSKK.-Motorgruppe Hessen teilt mit, daß die Meldungen zur Teilnahme an den Lehr­gängen der Motorsportschulen nunmehr unmittel­bar an die Motorsportschulen unter Beifügung des Musterungsausweises oder einer entsprechenden Bescheinigung zu richten sind. Die Anschriften der Motorsportscyulen sind:

1. Motorsportschule We st mark in D i e z a. d. Lahn (ist zuständig für die hessischen Provinzen Starkenburg und Rheinhessen sowie die südliche Hälfte des Regierungsbezirks Wiesbaden einschließlich Frankfurt a. M.).

2. Motorsportschule Hessen in Helsa bei Kassel (ist zuständig für den Regierungs­bezirk Kassel, den nördlichen Teil des Regierungs­bezirks Wiesbaden sowie die hessische Provinz Ober- hessen).

Da die Einberufung zu dem nächsten Lehrgang (8. Juni bis 15. Juli 1936) bereits vorbereitet wird, ist Meldung schnellstens erforderlich.

Am Donnerstag (Himmelfahrt), 21. Mai, findet eine Omnibusfahrt nach Kassel-Wilhelmshöhe statt. Die Abfahrt erfolgt ab Gießen 6.30 Uhr Ecke Lie- bigstraßeFrankfurter Straße (Bahnübergang). Der Fahrpreis beträgt einschl. Mittagessen 6.30 RM. Rur noch einige Anmeldungen für diese Fahrt können auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18, entgegengenommen werden.

Gießener Wochenmarktpreise.

* G i e ß e n , 14. Mai. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10 %, Klasse B 10, Klasse C 9%, ungezeichnete 8, Enteneier 9 bis 11, Wirsing, neu, kg 23 bis 28, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben, alt 10 bis 12, neu, das Bündel 20 bis 25, rote Rüben, Vi kg 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10 bis 15, Spargel, 1 Sorte 35 bis 50, Unterkohlrabi 8, Tomaten 50 bis 55, Zwiebeln, ausländische 15 bis 18, Meerrettich 30 bis 65, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rhabarber 12 bis 15, Kartoffeln, alte, kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,90 Mark, neue, kg 18 bis 20 Pf., Aepfel, % kg 25 bis 50, Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppen­hühner 85 bis 90, Tauben, das Stück 60, Blumen­kohl 70, Salat 10 bis 20, Salatgurken 40 bis 50, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich, das Bündel 15 bis 30, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf.

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** D i e Sprech st und en des Kreislei­ters. Wie aus einer parteiamtlichen Bekannt­machung ersichtlich ist, finden die Sprechstunden des Kreisleiters Mittwoch von 15 bis 18 Uhr in Friedberg und Donnerstags von 15 bis 18 Uhr in Gießen statt. An anderen Tagen sind Besuche zwecklos.

** Der Ladenschluß in d e n Landge­meinden des Kreises Gießen. Wie das Kreisamt Gießen bekannt gibt, gilt der von der Landesregierung für offene Verkaufsstellen in Ge­meinden mit vorwiegend Landwirtschaft treibender Bevölkerung bis Ende September 1936 widerruflich auf 9 Uhr abends festgesetzte Ladenschluß für alle Landgemeinden des Kreises Gießen, mit Ausnahme der Gemeinden Grünberg, Klein-Linden, Lollar und Wieseck.

** Den Bebauungsplan für das Gelände zwischen Schiffenberger Weg und Heegstrauchsweg betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung in unserem heutigen Anzeigenteil. Den interessier­ten Grundstückseigentümern sei die Bekanntmachung zur Beachtung empfohlen. ________________

Anton und das Fräulein.

13on Erich paetzmann.

Es war nur ein Zufall. Mit diesem Zufall ver­hält es sich so: Anton Schmelzer macht morgens an seinem Arbeitsplatz das Fenster auf, hängt die Rase in den Morgenwind und in seinen neuen Blumenkasten und gießt aus einem verbeulten Oel- kanister etwas Wasser auf die beiden halbflüggen Geranienstöcke darin.

Anton ist keineswegs ein besonderer Blumen­freund und Geranienzüchter Hauptsache ist, daß ich jenseits des Hofes, wo die Büros liegen, eben- atls ein Fenster öffnet, Fräulein Fjnze heraus- chaut, sich ebenfalls über einen Blumenkasten beugt und aus einem grünen Gießkännchen etwas Wasser auf die ihrerseitigen Geranienstöcke träufelt. Dabei fällt ihr eine kleine kornische Locke ins Gesicht, und sie wirft mit einem winzigen Lächeln den Kopf nach hinten und bläst die Locke an ihren Platz.

Das sieht sehr niedlich aus, und Anton kann sich nickt helfen, er muß es auch seinerseits verteufelt niedl-ch finden und starrt mit offensichtlichem Wohl­gefallen hinüber. Sie nickt ihm lächelnd zu, so dah Anton plötzlich heftig seine Aermel aufzukrempeln beginnt, nicht etwa, um mit seinen muskulösen Armen herumzuprunken, sondern aus bloßer blöder Verlegenheit. Denn er ist erst zwanzig Jahre alt und weiß mit Bürofräuleins noch herzlich wenig umzugehen.

Aber er kann natürlich nicht verhindern, daß Fräulein Finze seine Muskeln dennoch mit geheimer Bewunderung betrachtet, sogar ein bißchen voll an« aenehmen Gruselns daran denkt, wenn man von solchen Armen etwa

Da funkt die Sirene dazwischen, und jeder geht an seinen Platz. Das Fräulein an die Schreib­maschine und Anton an seine Schachtelstanzen. Und somit wäre alles in Ordnung.

Aber Fräulein Finze bekommt in der Frühstücks­pause den Einfall, sich Antons Geranien aus der Nähe zu betrachten. Anton hat ein sehenswürdiges Karo aus seinem Brot geschnitten und aufgespießt und hebt es eben mit dem Messer an den Mund, da tritt Fräulein Finze in den Saal und steuert frisch und lieblich auf ihn los:Ach Sie sind noch beim Frühstücken? Dann lassen Sie sich nicht stören, Herr Schmelzer, und guten Appetit auch."

Danke, ja, gleichfalls!" stottert Anton und wickelt sein Brot roieoer ein,ich bin schon grade fertig, Fräulein"

Finze. Ich komme nur ich habe nämlich auch Geranien drüben, und da wollte ich mal sehen, wie

Die 3. Reichsnä'hrstandsausfiellung.

500 Sonderzüge.-100000 Bauern aus Hessen-Nassau angemeldet.

In 40Tiersonderzügen treffen seit gestern früh die wertvollen Zuchttiere auf den eigens für diesen Zweck hergestellten Ausladegleisen auf dem Ausstellungsgelände ein, wo sie in den mustergül­tigen Ställen untergebracht werden. Zur Fütterung der Tiere befinden sich große Futterlager auf dem Gelände. Der Bedarf an Futter wird während der Ausstellungszeit durch den heimischen Futterhandel gedeckt.

Auch die Frankfurter Bevölkerung hat sich bereits für die Ausstellung gerüstet. Bis jetzt sind rund 4 0 00 0 Quartiere zur Verfügung gestellt, eine Zahl, die der Gastfreundschaft der Frankfurter alle Ehre macht. Man wird für jeden Tag mit einer durchschnittlichen Uebernachtungsziffer von 35 000 Fremden rechnen müssen. Damit sind aber noch lange nicht alle Besucher untergebracht. Ein sehr großer Teil wird auf dem Lande ausgenommen werden. Wie stark die Besucherziffer in den näch­sten Tagen in Frankfurt sein wird, geht schon allein daraus hervor, daß aus dem Gaugebiet Hes­sen-Nassau bis heute rund 1 0 0 000Bauem zum Besuch der Ausstellung angemeldet sind.

Die Zahl der Sonderzüge aus dem Reich übertrifft die Zahl der zur Hamburger Schau ein­gelegten Sonderzüge ganz beträchtlich. Es werden insgesamt 2 50 Sonderzüge auf den Frankfur­ter Bahnhöfen während der Ausstellung ankommen. Annähernd die gleiche Zahl von Sonderzügen wer­den in Frankfurt ihren Ausgangspunkt haben. Das bedeutet eine ganz gewaltige Anspannung aller Kräfte, um diesen Massenverkehr bewältigen zu können.

Wer einmal einen Ausstellungsbummel machen will, ohne sich dabei die Stände und Lehrschauen eingehender zu besehen, hat eine Wegstrecke von 18,5 Kilometer zurückzulegen. Daß er sich überall erfrischen kann, ist selbstverständlich. In einer be­sonderen Milchkosthalle wird man alle Milcherzeug­nisse zu billigen Preisen versuchen können.

Was müssen die Besucher wissen?

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonn­tag, 17. Mai, um 8 Uhr statt. Die eigentliche Eröff­

nungsfeier beginnt um 11 Uhr im Ehrenhof des Reichsnährstands-Hauses (Festhalle).

Die Ausstellung ist täglich von 8 bis 20 Uhr ge­öffnet. Karten zum Besuch der Ausstellung sind am Haupteingang der Ausstellung, Hohenzollernplatz, so­wie am Eingang Bismarckallee zu haben. Der Preis der Karten zum einmaligen Besuch beträgt 2,, für Kinder bis zu 14 Jahren 1, RM. Ab 15 Uhr be­trägt der Eintrittspreis nur 1, bzw. für Kinder 0,50 RM. Für Erwerbslose, Studenten, Schüler usw. sind Ermäßigungen vorgesehen. Dauerkarten^ die zum Besuch der Ausstellung während der ganzen Zeit berechtigen, kosten 5, RM. Sie werden nur gegen Vorlage eines Personalausweises ausgegeben und sind nur in Verbindung mit diesem benutzbar.

Das Ausstellungsgelände liegt an der Westgrenze der Stadt an der großen Autostraße MainzWies­baden und ist in zwölf Minuten Fußmarsch vom Hauptbahnhof zu erreichen. Der Haupteingang be­findet sich am Hohenzollernplatz. Autoparkplätze be­finden sich in der Bismarckallee. An beiden Ein­gängen befinden sich Gepäck- und Kleiderablagen.

Wer die 3. Reichsnährstands-Ausstellung besuchen will, mkß sich rechtzeitig mit dem Plan des Aus­stellungsgeländes vertraut machen, damit er nicht allzu viel Zeit durch nutzloses Hin- und Herlaufen verliert. Eine günstige Wegführung ist auf der Ausstellung durch rote Pfeile markiert.

Während der ganzen Ausstellungszeit finden an den Nachmittagen das große Reit- und Fahrturnier mit einer Anzahl großangelegter Schaunummern statt. Das Reit- und Fahrturnier wird imGroßen Ring", der im Freigelände aufgebaut ist, durchge­führt. Eintrittskarten für das Turnier sind vom 16. Mai ab am Eingang Bismarckallee erhältlich.

Wer nicht die Möglichkeit hat, zum Besuch der 3. Reichsnährstands - Ausstellung einen der zahl­reichen Sonderzüge zu benutzen, dem ist die Reise nach Frankfurt auf Sonntags - Rückfahrkarte zu empfehlen. Sonntagsrückfahrkarten werden für die ganze Dauer der Ausstellung im Umkreis von 300 Kilometer von Frankfurt a. M. ausgegeben. Die Karten gelten an allen Tagen der Ausstellung und find in der Ausstellung abzustempeln. Die Abstem­pelstelle auf dem Gelände ist besonders gekennzeich­net.

** E i n Nutzholzverkauf der Stadt Gießen wird in einer Bekanntmachung der Stadtverwaltung in unserem heutigen Anzeigenteil angekündigt. Interessenten seien auf die Bekannt­machung besonders hingewiesen.

** Das F e st der silbernen Hochzeit begehen am heutigen Donnerstag die Eheleute Loko­motivführer August R u l l m a n n und Frau Emma, geb. Bien, Gießen, Frankfurter Straße 132. Die Jubilare sind seit 25 Jahren Leser des Gießener Anzeigers.

** 89 Jahre alt. Am heutigen Donnerstag, 14. Mai, kann Herr Johannes Herzberger, Krofdorfer Straße 21 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische seinen 89. Geburtstag begehen. Der alte Herr ist Veteran von 1870/71 und nimmt noch regen Anteil an allen Geschehnissen.

** E i n Vierundachtzigjähriger. Am morgigen Freitag, 15. Mai, feiert der Rentier und frühere Schneidermeister Wilhelm Stumpf seinen 84. Geburtstag. Der alte Herr ist der älteste hier noch lebende Anhänger von Dr. Otto Böckel und stammt aus Maulbach (Kreis Alsfeld). 1878 ließ er sich als selbständiger Schneidermeister hier nieder und eröffnete ein Jahr später einen Laden für Militäruniformen. Mancher alte 116er, oft Vater und Sohn, wurde von Stumpf mit Mütze und Kop­pel beliefert. Die Studenten Beinbach aus Grebenau und Gerhard aus Steinbach brachten ihn 1888 in die völkische Bewegung. Er war Mit­gründer des Deutschen (antisemitischen) Vereins in Gießen. Auch später unter Philipp Köhler, Langs­dorf, und Dr. Ferd. Werner fehlte Herr Stumpf bei keinem Wahlausschuß. Nach dem Kriege war er Mitgründer der deutschnationalen Ortsgruppe in Gießen und deren Vorstandsmitglied. Auch heute

nimmt er noch regen Anteil an den politischen Vor­gängen und freut sich, daß es in unserem Vater­lande unter Adolf Hitler vorwärts geht. Diele in Stadt und Land, besonders aber seine alten poli­tischen Freunde, werden des biederen Alten an sei­nem Geburtstag gerne gedenken. Der Jubilar ist seit langen Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers.

** Unfall am Bau. Gestern stürzte bei einem Wohnhausbau im Günthersgraben der Maurer­polier Heinrich Schäfer aus Winnen so unglücklich ab, daß er mit einem Knöchelbruch von der Sani­tätskolonne nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden mußte.

(Schöffengericht Gießen.

Wegen Beleidigung eines Amtsleiters der NSV., der bei dem Angeklagten Kartoffeln für das WHW. abholen wollte, wurde der Wilhelm Petri aus Reiskirchen zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Dem Beleidigten wurde das Recht zur Veröffentlichung des Urteils zugesprochen.

Der Th. Sch aus Homberg, dem ein Vergehen nach § 183 StGB, zum Vorwurf gemacht wurde, wurde freigesprochen.

Große (Sfraffammer Gießen.

Der H. K. aus Bellersheim wurde durch Urteil der Kammer dauernd in einer Heil- und Pflege­anstalt untergebracht. Der Angeklagte zündete am 29. Januar in Hungen eine Scheune an, in der sich Flachsoorräte der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft Frankfurt a. M. befanden. Durch Gutachten eines medizinischen Sachverständigen wurde festgestellt, daß der Angeklagte schon zur Zeit der Tat geistes­krank war. Die Unterbringung in der Anstalt war

weit Ihre schon sind. Herr Stövesand zieht mich nämlich immer auf mit meinen und sagt nebulöses Gemüse dazu. Sie kennen ja Herrn Stövesand?"

Nur so, nicht persönlich", entgegnet Anton, man kann ja auch nicht alle Leute kennen", denn er weiß, daß Stövesand, zweiter Korrespondent der Firma, Fräulein Finzes Freund ist.

Naja, alle Leute Herr Stövesand ist ja nicht alle Leute. Herr Stövesand hat nun mal nichts für Blumen übrig, dafür kann er nun wieder tanzen, sehen Sie."

So? Ja, wenn man das gut kann"

Ja, sogar blendend tanzen. Sie sollten uns mal sehen, abends im Parkschlößchen zum Beispiel. Aber da kommen Sie wohl gar nicht hin, Herr Schmel­zer?"

Doch Parkschlößchen komm ich schon mal hin, Samstags manchmal" lügt Anton.

Ach? Wir sind ja auch Samstags fast immer dort. Da muß ich heute doch mal aufpassen, ob ich kann doch möglich sein, nicht?"

Ja, kann schon, freilich", sagt Anton, und guckt angestrengt in seinen Blumenkasten, denn es wird ihm sonderbar beklommen zumute. Fräulein Finze stellt sich neben ihn, sehr dicht, und guckt ebenfalls in den Kasten. In der Luft ist plötzlich ein seltsam weicher Duft wie von einem jungen Hyazinthenbeet. Zwischen diesem Duft und aller Beklommenheit faßt Anton den Entschluß, heute abend ins Park- fchlößchen zu gehen.

Da sitzt man also unter alten Kastanien, die voll heller Blütenkerzen stehen, und zwischen den Bäu­men hängen bunte Lampionketten. Anton sitzt auch wirklich mit Fräulein Finze und Herrn Stövesand zusammen. Fräulein Finze hatte ihm zugenickt, und Anton hatte das in seinem ungehobelten Gemüt als Erlaubnis aufgefaßt, bei den beiden Platz zu nehmen.

Herr Stövesand war zwar eine ganze Weile über­rascht, aber da Anton sich nicht mehr als nötig in die Unterhaltung drängt, findet er sich mit ihm ab. Außerdem beginnt Herr Stövesand in seinem prima neuen hellfarbigen Sommersakko allmählich etwas zu frieren. Er muß also öfters einen Kognak trin- fen, hat Halsschmerzen und läßt sich von Fräulein Finze bemitleiden. Man sitzt danach außen noch in ziemlicher Ordnung beieinander. Bis Fräulein Finze ein bißchen wegaehen muß, um sich rasch mal auf- zufrychen, sagt sie.

Da wendet sich Stövesand an Anton, in sehr ver­ändertem Ton:Sagen Sie mal, Herr Schmatzer, oder wie Sie nun heißen"

Schmelzer!"

Ja, Schmelzer. Sagen Sie mal, sind Sie ein bißchen schwer von Begriff? Fräulein Finze hat Sie doch wohl extra eingeladen, für heute abend, was?"

(Singelaben? Nee, nicht daß ich wüßte."

Aber mit dem Zaunpfahl hergewunken? Und Sie merken nichts, denken wohl noch, das wäre wegen Ihrer schonen Augen geschehen, oder wegen dem komischen Schlips, he!"

Anton hat sich diesen Schlips eigens für den Zweck erstanden und kommt daher ein wenig in Harnisch:Schlips spielt ja keine Rolle hier. Aber vielleicht drücken Sie sich ein bißchen deutlicher aus."

Noch deutlicher? Das ist Ihnen wohl gar nicht aufgegangen, daß Sie extra herbestellt sind, um mich ein bißchen eifersüchtig zu machen. Fräulein Finze glaubt nämlich ich weiß nicht, ob Sie das so verstehen von wegen erkälteten Gefühlen und so"

Versteh ich schon. Und da meinten Sie, daß ich daß Fräulein Finze mich?"

Ich habe gar nichts gemeint, Herr Schmalzler. Ich muß mich bloß wundern, daß Sie sich einbilden konnten, Sie hätten sowas wie Chancen gegen mich. Mensch, Sie gegen mich! Stellen Sie sich das mal vor, gegen mich, Sie, mit Ihrem Kavalierschlips!"

Halten Sie den Mund von meinem Schlips gefälligst!"

Machen Sie lieber mal gefälligst, daß Sie ein Haus roeiterfommen, ja! Das ist hier mein Tisch! Jawoll, ich habe Sie nicht hergebeten. Also, Sie dürfen wieder gehen. Bitte, gehoben Sie sich wohl, junger Mann!"

Herr Stövesand!" sagt Anton drohend und schiebt die Faust über den Tisch, auf Stövesand zu.

Aber wenn Sie kein Deutsch verstehen gut! Herr Ober, zahlen!"

Der Ober eilt herzu, er ahnt nichts Gutes. Fräu­lein Finze steht ebenfalls dabei und hat die Augen vor Schreck aufgerissen, und Antons Faust liegt noch immer drohend über dem Tisch.

Komm!" sagt Stövesand zu Fräulein Finze. Aber das Fräulein bleibt unschlüssig am Tisch stehen.

Komm!" ruft Stövesand barscher und geht voran. Fräulein Finze mochte weg, wegen der vielen Leute, die zum Tisch herüberstarren; dann sinkt sie plötz­lich weinend auf einen Stuhl, gerade neben Anton.

Anton muß nun doch seine Faust aufmachen, weil er sie zunächst trösten und dann am Arm hinaus­führen muß in das rettende Dunkel des Parkes.

So ist also doch noch wahr geworden, was Anton in seinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen wagte: Er sitzt nun mit dem kleinen schlanken Fräulein vom Büro auf einer Bank abseits in der Nacht,

in Anbetracht der Gefahr der Wiederholung der­artiger Handlungen anzuordnen.

Ein weiterer Angeklagter, der sich wegen Sitt­lichkeitsoerbrechens zu verantworten hatte, wurde freigesprochen.

Oberhessisches Schwurgericht.

In seiner gestrigen Sitzung befaßte sich das Ober­hessische Schwurgericht bis in die späten Nach­mittagsstunden mit dem 27jährigen Otto Bach­mann aus Wieseck wegen versuchten Mordes.

Im Jahre 1935 lernte der Angeklagte, der schon in seiner Jugend wegen seines Verhaltens in Für­sorgeerziehung gegeben werden mußte, die Zeugin Sch. auf der Kirmes in Wieseck kennen. Beide freundeten sich an und kamen überein, daß der An­geklagte zu der Zeugin nach Gießen ziehen solle. Nachdem sich beide zu verloben verabredeten, zog der Angeklagte am 19. August 1935 zu der Zeugin. In den ersten Tagen brachte der Angeklagte weder der Zeugin Sch. noch dem bei ihr aus einer ge­schiedenen Ehe lebenden zehn Monate alten Kinde irgendwelche Mißstimmung entgegen. Bald darauf änderte der Angeklagte aber seine Haltung. An einem Freitag bemerkte die Zeugin, daß das Kind dauernd erbrach. Als dieser Zustand nicht nachließ, forderte sie den Angeklagten auf, zum Arzt zu gehen, was Bachmann jedoch ablehnte. Die Ur­sache des Erbrechens blieb zunächst unbekannt. Als die Zeugin am anderen Morgen Flecken am Körper des Kindes bemerkte, begab sie sich in die Klinik. Dort wurde das Kind, da eine schwerere Krankheit nicht oorlag, wieder entlassen. Am darauffolgenden Sonntag verließ der Angeklagte plötzlich die Küche. Die Zeugin Sch. folgte ihm und stellte fest, daß er das Kind .auf dem Arm hielt. Die Mutter nahm das Kind, das kalten Schweiß auf der Stirn zeigte sowie völlig erschöpft war, und legte es auf das Bett. Am folgenden Morgen ging die Zeugin Sch. abermals zur Klinik. An jenem Morgen ging Bach­mann entgegen seinen Gepflogenheiten nicht zur Arbeit, sondern blieb im Bett. Bei ihrer Rückkehr mußte die Zeugin feststellen, daß der Angeklagte ihr 10 Mark sowie ein Fahrrad entwendet hatte und verschwunden war.

Nachdem der Angeklagte in der Voruntersuchung zunächst geleugnet hatte, legte er im Oktober ein Geständnis ab. Dieselbe Haltung behielt er bei seiner Vernehmung vor dem Amtsgericht sowie vor dem Untersuchungsrichter bei. Hier erklärte der An­geklagte, er habe beabsichtigt, das Kind, das ihm hinderlich gewesen sei, insbesondere wegen seines komischen" Aussehens, aus der Welt zu schaffen, und zwar habe er ihm während des Schla­fes Tabak eingegeben, der das Erbrechen hervorgerufen habe.

In der gestrigen Hauptverhandlung widerrief der Angeklagte sein Geständnis, obwohl sämtliche Zeu­gen gegen ihn aussagten. Der Vertreter der An­klage legte seinem Plädoyer die nationalsozialistische Rechtsauffassung zugrunde, wobei er seine Anklage­rede auf den verbrecherischen Willen des Ange­klagten abstellte, der der Entscheidung zugrunde gelegt werden müsse. Der Anklagevertreter bean­tragte eine Zuchthausstrafe von acht Jahren so­wie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren.

Das Gericht erkannte auf sechs Jahre Zucht­haus sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehren­rechte auf die Dauer von sechs Jahren. Sechs Monate Untersuchungshaft werden auf die Strafe in Anrechnung gebracht.

aus*

schneiden I Prdeaufgabe I

liebt die Tiere.

Seine Kaninchen ver­sorgt er immer gut. Junger Löwenzahn",

lagt er,ist für sie genau so ein Leckerbissen, wie für mich ein Or.Getker=£uöömg oder ein StückBackin"- Kuchen".

und das Fräulein rückt sehr nah an ihn heran, weil in der Stille ein Ast geknackt hat. Anton muß aber noch einmal auf die Frage zurückkommen, die ihm im Schädel sitzt und keine Ruhe läßt:Also das ist wirklich nicht wahr, was Stövesand gesagt hat, von wegen eifersüchtig machen und so?"

Nein, zuletzt nicht mehr, wirklich nicht. Als ich sah, wie Sie da die Faust"

Sie?"

Du! Wie du da die Faust liegen hattest und hättest den ganzen Stövesand zermalmen können Stövesand ist nämlich schrecklich schwach und wird auch immer gleich müde, wenn wir Sonntags ein bißchen gelaufen sind."

Da meinst du also wirklich, da glaubst du, daß wir zwei?"

Und du dagegen, du bist doch so furchtbar stark, Anton? Ja, ich glaube Drück nur mal, fester, ich will bloß mal sehen, wie stark du bist Ja, so Anton"

Sie kann den Satz nicht zu Ende sprechen, aus einem gewissen Grunde.

Zeitschriften.

lieber den Zeitpunkt des Auftretens der Ma­sern, über die Art des Auftretens selbst, über die Pflege des masernkranken Kindes, über die Ge­staltung und Zubereitung der Nahrung usw., über alle diese für jede Mutter wichtigen Fragen berich­tet Prof. Dr. Rott im Mai-Heft der bekannten ElternzeitschriftM utter und Kind" (Verlag Staude, Berlin W. 30.) Ferner seien folgende Bei­träge erwähnt:Die Lebenshaltung der hoffen­den Frau",Unselbständigkeit",Kinder spielen im Sande",Mein Kind ißt keinen Spinat" undDie Aufgaben der Mutter im Heim".

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Hermann Wolfgang Beyer, Ordi­narius für Kirchengeschichte und Christliche Archäo­logie an der Universität Greifswald, erhielt einen Ruf an die Universität Leipzig.

Professor Dr. I. Schmidt, Ordinarius für Tierzuchtlehre an der Universität Göttingen, er­hielt einen Ruf an die Landwirtschaftliche Hochschule Berlin.

Professor Dr. Wilhelm E n ß l i n , Ordinarius für Alte Geschichte an der Universität Graz, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Er­langen ernannt. Professor Enßlin wirkte von 1921 bis 1930 in Marburg.