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Aus Natur und Technik.

DerNelioplan".

Eine Lösung des Hubschrauber-Problems?

Die Bemühungen, Start- und Lande­st r e ck e n der Flugzeuge zu verkürze n, sind so alt wie die Luftfahrt selbst. Einen je größeren Umfang sie annimmt, um so intensiver werden auch die Bemühungen sein, den ja tatsächlich nicht nur unbequemen, sondern unter Umständen sogar hinderlichen Nachteil auszuschalten, der mit der Bereitstellung weiter Flugplätze verbunden i|t. Große Nutzflächen mitten in der Großstadt für den Flugbetrieb reservieren zu müssen, ist vom kommu­nalpolitischen Standpunkt aus gesehen, eine un­rentable Kapitalsanlage, während sich aber auf der andern Seite durch die Verlegung der Flugplätze für den Personen- und Frachtverkehr (für militä­rische Anlagen gelten andere Maßstäbe) in die Außenbezirke der Großstadt verkehrstechmsche Schwierigkeiten ergeben würden. Aber wie die zi­vile, so hat auch die militärische Luftfahrt ein Inter­esse daran, die für Start und Landung benötigten Flächen zu begrenzen. Im Kriegsgebiet wer­den ja nicht nur bei unvorhergesehenen Not­landungen kaum jemals entsprechende Start­end Landebedingungen vorhanden sein. Ein in zerklüftetem Gebiet oder jedenfalls nicht auf ebe- nem Gelände zum Niedergehen gezwungenes Drachen-Motor-Flugzeug setzt sich immerhin der Gefahr aus, zertrümmert zu werden oder m Er­mangelung des dafür benötigten Platzes nicht wie­der starten zu können.

Unter diesen Umständen kann es nicht wunder­nehmen, daß schon seit jeher größte Anstrengungen gemacht wurden, Flugzeuge zu konstruieren, die unter Beibehaltung oder gar Steigerung der Flug­eigenschaften der bisher benutzten Apparate zu Start und Landung recht wenig Platz beanspru­chen. Bisher ist das aber noch nicht einwandfrei gelungen, denn alle auf die Erreichung dieses Zieles zugeschnittenen Flugapparate wiesen mehr oder roenic v große Mängel hinsichtlich verminder­ter Fluggesa,windigkeit oder gar gefährdeter Flug­sicherheit auf, so daß die durch sie vermittelten Vor­züge nicht ausreichten, um vom Gebrauch des Drachen-Motor-Flugzeuges abzugehen. Die mit Hilfe eines eigenmotorisch angetriebenen Hubpro­pellers senkrecht gestartetenHubschrauber sind nicht nur außerordentlich schwerfällig, weil der nahezu 15 Meter im Durchmesser große Propeller und das zu seiner Stütze erforderliche Gerüst die Bewegungsmöglichkeiten des Flugzeuges stark be­einträchtigen, sondern sie büßen zufolge dieses hin­derlichen Aufbaues auch erheblich an Vorwarts- gefchwindigkeit ein. Selbst dasA u t o g i r o", das von dem Spanier de la Cierva konstruierte Windmühlenflugzeug, hat sich trotz mancher Be­währung in Spezialfällen, d. h. bei seiner Verwen­dung zur Durchführung bestimmter, aber nur be­schränkter Sonderaufträge, nicht allgemein durch­setzen können. Das ist in Anbetracht der Tatsache, daß dasAutogiro" als bislang reifste Konstruk­tion des Hubschraubers angesehen werden darf, immerhin bemerkenswert. Im übrigen ist ja das Problem auch durch diesen Flugzeugtyp keineswegs gelöst worden: abgesehen davon, daß es einen senk­rechten Auf- und Abstieg nicht gewährleistet, sondern lediglich die Auf- und Abstiegswinkel vergrößert, büßt auch dasAutogiro" infolge seiner den Luft­widerstand vermehrenden Winmühlenflügel an Vor­wärtsgeschwindigkeit ein.

Wenn man den aus Japan kommenden Meldun­gen Glauben schenken darf, ist es dem Ingenieur Nishi gelungen, einen Flugapparat zu konstru­ieren, der unter Beibehaltung der guten Flugeigen­schaften des Drachen-Motor-Flugzeuges vermöge seiner Hubschraubenvorrichtung ganz neuartiger Anordnung senkrecht starten und landen kann. Sowohl die beiden Hubschrauben als auch der zu ihrem Antrieb dienende Motor, mithin also die gesamte Hubvorrichtung, sind im Flugzeug selbst untergebracht. Lediglich eine tropfenförmige Ver-

dickung des Rumpfes des im übrigen ganznor­mal" aussehenden Flugzeuges fällt an diesem Yetto plan" auf. Die Verdickung wird von einem am oberen Rumpfrand mit einer kleinen Oesfnung beginnenden Hohlraum verursacht, der sich trichterförmig zum unteren Rumpfrand erweitert. Dieser Hohlraum gewährt den beiden Hubpropel­lern von knapp einem Meter Durchmesser Platz- -Ole durch einen starken Motor in außerordentlich schnelle Umdrehung versetzten Propeller saugen die Lust durch die untere Trichteröffnung, führen sie dann an den Wänden des Hohlraumes gegen eine im Trichterinnern angebrachte Ringtragfläche, vor der die Luft stark komprimiert wird, zumal sie ja durch jene Tragfläche am Austritt verhindert - aus der kleineren Trichteröffnung am oberen

Autoreifen aus Kalk und Kohle.

Aus dem Kriege ist das Bemühen um Ersatz des natürlichen Kautschuks durch Synthese bekannt geblieben. Die Verfahren richteten sich dar­auf, das Naturerzeugnis nachzubilden und dann ebenso nutzbar zu machen wie nach den bisherigen Methoden. Hierbei ergab sich die Schwierigkeit, daß man den molekularen Aufbau des Kautschuks und seine physikalischen Bedingtheiten nicht kannte. Heute stehen wir auf diesem Gebiete wieder in regster Arbeit. Aber das Ziel der Chemiker ist nicht die Nachbildung des Natur-Kautschuks, sondern die Schaffung eines neuen Stoffes, der, besonders die an einen Autoreifen gestellten Anforderungen er­füllt. Der natürliche Gummi ist keineswegs ideal. Wir kennen die Empfindlichkeit des Autoreifens gegen Benzin und Del, also gerade gegen die Stoffe, mit denen er am leichtesten in Berührung kommen kann. Ferner verliert er mit der Zeit auch bei Nichtgebrauch an Festigkeit und ist gegen Wärme sehr empfindlich. Diese Eigenschaft ist bei der Stei­gerung der Fahrgeschwindigkeiten sehr unangenehm. Bei den künstlichen Reifen werden diese Nachteile vermieden. Wenn auch die vorhandenen Erzeugnisse noch nicht restlos befriedigen, so lassen doch die gesammelten Erfahrungen erkennen, daß das Ar­beitsgebiet sehr große Erfolge verspricht. Der Che­miker bezeichnet den Ausgangsstoff für den künst­lichen Kautschuk als Butadien, das aus den Grund­stoffen Kohle und Kalk entstanden ist. Man wird also künftig Reifen aus Kalk und Kohle herstellen. Die Probereifen haben schon Fahrtleistungen von mehr als 40 000 Kilometer ausgehalten. Wenn man berücksichtigt, daß derartige Leistungen auf Heeres- fohrzeugen erzielt wurden, so wird man überzeugt sein, daß bei einer wesentlich geringeren Bean­spruchung der Reifen im Wirtschaftsbetrieb die Laufdauer noch höher sein wird.

Operationen werden gefilmt.

Die genaue Betrachtung eines Vorgangs, der sich auf einem nur sehr kleinen Raum abspielt, durch eine größere Menge von Beobachtern läßt sich schwer durchführen. Das macht sich insbesondere beim Unterricht oft unangenehm geltend, wenn ein Versuch oder eine Operation zahlreichen Hörern in den Einzelheiten ihres Verlaufs gezeigt werden soll. Um das zu ermöglichen, hat man die Opera­tionssäle und sonstige Lehrstätten mit aufsteigenden Sitzreihen gebaut. Das konnte nicht verhindern, daß bei einer gewissen Größe auf den höheren Reihen der Gebrauch des Feldstechers nötig wurde. Auch Umgänge wurden eingerichtet, von denen man herabblicken konnte. Angesichts dieser Umstände be­deutete es einen wesentlichen Fortschritt, als die Technik Einrichtungen schuf, um Vorgänge der er­wähnten Art, insbesondere Operationen mit Hilfe des Films aufzunehme n. An der

Rumpfrand ohnehin nicht so widerstandslos ent­weichen kann, wie sie in den Trichterschlund hmein- geschleudert wurde. Dadurch wird em überaus großer Auftrieb des Flugzeuges erreicht

Es wird versichert, daß der Yettoplan bei 100- prozentig erhaltener Dorwärtsgeschwindigkeit eine Aufstiegsgeschwindigkeit von fünf Meter in der Sekunde habe. Wie das kaum anders zu erwarten ist, wahren die japanischen Fachkreise, die an der Ausbeutung dieser möglicherweise umwälzenden Erfindung interessiert sind, unbedingtes Stillschwei­gen. Man wird also zunächst weitere Angaben und Mitteilungen über die Versuchsergebnisse abwarten müssen, ehe man diese Neuerung auf dem Gebiete des Flugwesens nach ihrer wahren Bedeutung ab­schätzen kann.

Decke über dem Operationstisch wurde das Objektiv der Aufnahmekamera angebracht. Eine entsprechende Beleuchtung wurde eingerichtet. Verschiedene Maß­nahmen sorgten dafür, daß die bei der Operation Beschäftigten durch die Aufnahme in keiner Weise gestört wurden. Die nach diesem Verfahren gewon­nenen Filme stellen einen äußerst wertvollen Unterrichtsstoff dar, der jederzeit an be­liebigen Orten vorgeführt werden kann. Die optische Technik ist aber weiter bemüht geblieben, Versuche und Operationen unmittelbar zur Anschauung zu bringen. Im neuen großen physikalischen Hörsaal der Technischen Hochschule zu Berlin wurden schon vor einigen Jahren Einrichtungen durchgebildet, um die Versuche vor Bildwerfern auszufüh­ren, b.ie die Vorgänge in beträchtlicher Vergröße­rung an der Wand erscheinen ließen. In einem neu

Der sprechende Gtahldraht.

Wichtige Besprechungen pflegt der vorsichtige Ge­schäftsmann im Protokoll, das seine Sekretärin niederschreibt, festzuhalten. Hierbei können selbst­verständlich Unklarheiten auftreten, weil bisweilen die eine Meinung schon durch den Tonfäll zum Ausdruck gebracht werden kann, ohne daß eine schriftliche Aufzeichnung das gleiche Ergebnis dar- zustellen braucht. Der Gedanke, Gespräche mit Hilfe eines Grammophons aufzuzeichnen, ist daher nicht neu. Benutzt man aber zur Auf­zeichnung Wachsplatten oder -walzen, so verlangt die Aufbewahrung der gesprochenen Protokolle viel Raum. Auch ist die Wiederverwendung der benutz­ten Platten beschränkt. Eine Neuerung auf diesem Gebiet stellt eine Vorrichtung dar, bei der die Sprache nicht mechanisch auf Platten, sondern elektromagnetisch auf einen Stahldraht auf­genommen wird. Während des Sprechens läuft ein dünner Stahldraht an einem Elekromagneten vor­bei, der den Draht im Rhythmus der Sprache ma­gnetisiert. Eine Wiedergabevorrichtung gestattet das Anhören der Aufnahme nach beliebiger Zeit. Will man den Draht wieder verwenden und das auf­genommene Protokoll vernichten, wird der Draht von feiner magnetischen Besprechung elektromagne­tisch wieder befreit und läßt sich ohne Material­oerlust von neuem besprechen. Es ist nur eine Frage der Schaltung, ob man dieses Textophon auch bei der Führung von Ferngesprächen als Mithörer und -schreiber benutzen will. Die eigenen Worte und die des entfernten Teilnehmers gelangen auf den Draht und ergeben ein unwiderrufliches Proto­koll. In vielen Geschäftsbetrieben wird es nötig fein, die besprochenen Stahldrähte aufzubewahren. Da jede Drahtspule nur einen winzigen Raum be­ansprucht, kann man hie bisher dazu gebräuchlichen Aktenschränke auf einen kleinen Wandschrank ersetzen.

WorengerdW.

Eine technische Plauderei.

Mühsam und mit einigen Windungen schleppt sich die Fahrstraße hinauf zum Muggelturm einem Ausflugsziel in der Umgebung Berlins. Plötzlich braust ein Auto herunter, bremst, halt ganz kurz und wendet, die Gänge werden neu geschaltet, und bald ist es wieder oben. Dies Manöver wiederholt sich mehrere Male, als ob es dem Fahrer Freude machte, immer nur herauf und wieder ^nunter zu fahren. Da ist die Limousine wieder! Ein sonder­bares Gebilde, es sieht aus wie ein ausgedienter Regenschirm, ist an ihr befestigt. Dieser Drahtstern, der so über das Dach hinausragt, ist eine zlntenne. Damit sind wir schon einigermaßen im Bilde. Darum kommen wir gar nicht erst auf den Ge­danken, daß der Mitfahrer neben dem Mann am Steuer etwa dauernd aus einer Thermosflasche trinkt. Nein, er spricht in ein Mikrophon. Wo aber Mikrophon und Antenne so dicht beieinander sind, kann der kleine Sender nicht fern fein. Im Wagen ruht, wie ein kleiner Handkoffer, weich und vor­sichtig gebettet, der Kurzwellensender, der von einem dritten Mann bedient wird.

Der Wagen braust wieder einmal den Bergweg hinab und entschwindet den Blicken. Schnell laufen wir hinauf, um seinen Weg von oben zu verfolgen.

Jeder gehe in die Werkaussiellung am 21., 22 23. März im Neuen Studentenheim.

Dabei stoßen wir unversehens auf die Empfangs­station, die zu diesem kleinen Sendewagen gehört. In einem Zimmer des Restaurants auf den Müg- gelbergen haben sich die Techniker häuslich nieder» gelaßen.

Eine Wachsplatte beginnt auf einem Schneid­apparat zu kreisen. Die Nadel gräbt feine Rillen in das Wachs, und die hauchdünnen Späne werden abgesaugt, während aus dem Lautsprecher dauernd die Geräusche des fahrenden Autos ertönen, nur hin und wieder unterbrochen von der freundlich er­klärenden Stimme des Mitfahrers.

Wir Horen deutlich, wie die Gänge geschaltet wer­den. Jetzt, jetzt muß die letzte große Steigung kommen. Nun kehrt der Wagen zurück. Das Horen wir alles aus dem Lautsprecher.

Wir eilen hinaus, und schon kommt der geheim­nisvolle Wagen die Straße herauf. Der Mitfahrer macht akrobatische Hebungen, er steckt sein Mikro­phon unter die geöffnete Motorhaube, er holt es wieder hervor, er spricht hinein, und damit sind sie wieder oben angelangt. Das ist wirklich ein sonder­barer Betrieb! Wir sind doch neugierig, was diese Funkakrobatiker und Schallplattenfritzen treiben.

Das ist kurz erklärt. Der kleine Kurzwellensender im Wagen überträgt die vom Mikrophon aufgenom­menen Geräusche des arbeitenden Motors zur Empfangsstation. Hier werden sie ausgenommen und auf Schallplatten festgehalten, fTamit und das ist der Zweck der Uebung Schallplatten von diesen Geräuschen angefertigt werden können. Die Platten werden dann an technischen Schulen, Hoch­schulen, Kraftfahrerlehrgängen usw. vorgeführt, damit sich das Ohr der jungen Kraftfahrer schon frühzeitig daran gewohnt, wie ein gut arbeitender Motor klingt. Verschiedene Sorten von Kraftstoff, Benzin und Benzol in ihrer verschiedenartigsten Zusammensetzung hort das geübte Ohr aus dem Motorengeräusch heraus. Hin und wieder einmal treten starke Klopfgeräusche im Motor auf, die am zeigen, daß die Verbrennung des Gemischs über dem Kolben nicht ordnungsmäßig vor sich geht. Das aber schadet dem Motor. So erkennt man sofort die Ursache warnender Motorgeräusche und kann entsprechend Abhilfe treffen.

Dr. G. Duvigneau.

Was gibt es Neues in -er Technik?

Von Joachim Boehmer.

Das Geheimnis des Rhodiums.

Spiegel, die nicht anlausen.

Der deutschenHeraeus-Gesellschaft" ist es nach langjährigen Versuchen nunmehr ge­lungen, im Rhodium, einem bisher fast un­bekannten Metall der Platingruppe, ein Mittel zu finden, durch das die Oberflächen­veredelung von Metallen auf ganz neue Grundlagen gestellt wird. Das neue Ver­fahren ist insbesondere für die Spiegelher­stellung sowie die gesamte Schmuckwaren­industrie von Bedeutung.

Selbst der Fachmann wird von Rhodium noch nicht viel gehört haben, obwohl es sich hierbei um das edelste Metall handelt, das es gibt. Rhodium ist daher noch teurer als Platin und kam früher, als ein Kilo Platin noch zweitausend Mark kostete, auf nicht weniger als zwanzigtausend Mark, also das Zehnfache des Platins, pro Kilo zu stehen. Seitdem man jedoch in kanadischen Nickelerzlagern eine neue Quelle für die Rhodium-Gewinnung ent­deckt hat, kostet ein Kilo des seltenen Metallsnur" noch 45000 Mark. Es ist ein Nebenprodukt des Platins, bei dessen Gewinnung es miterzeugt wird.

Trotz des außerordentlichen hohen Preises ist es jedoch deufichen Technikern nunmehr gelungen, das Rhodium in den Dienst der Oberflächenveredelung von Metallen zu stellen. Miteinem einzigen Gramm des kostbaren Stoffes im Werte von 4 bis 5 Mark kann heute ein ganzer Quadratmeter einer Silber-, Messing-, Alpaka-, Bronze- oder Nickelfläche mit einer Rhodiumhaut überzogen wer­den. Rhodiniertes Metall, wie der neue Fachausdruck lautet, braucht überhaupt nicht mehr geputzt zu werden. Es eröffnen sich durch diese Eigenschaft des Rhodiumüberzugs vor allem der Spiegel- und Schmuckwarenherstellung ungeahnte Möglichkeiten. So wird möglicherweise der gewöhnliche Metallspiegel des Mittelalters durch die Rhodinierung wieder zu Ehren kommen. Er wird einfach zuerst auf Hochglanz poliert und so­dann mit einem galvanischen Ueberzug von Rho­dium versehen. Dieser Spiegel kann niemals anlaufen oder splittern, was vor allem der Kraftfahrer zu schätzen wissen wird. Auch ver­leiht das Rhodium den Spiegeln ein erhöhtes Reflexionsoermögen, was z. B. für Kino­spiegel von erheblicher Bedeutung ist.

Ebenso eröffnen sich dem Rhodium auf dem Ge­biet der Schmuckwarenindustrie dank seines weichen, silberartigen Glanzes, seiner vollständigen Anlauf­festigkeit und großen Härte' weite Anwendungs­gebiete. Selbstverständlich können auch Schmuck-

gegenstände aus unedlen Metallen aller Art mit einem Rhodiumüberzug versehen werden.

Auch die Anwendung des Rhodiums ist mit gro­ßen Vorteilen verbunden. Es hat großes Streu- oermögen und kann in kaltem Zustande und ohne Entwicklung giftiger Gase aufgetragen werden. Den Chemikern der Heraeus-Gesellschaft ist es nach drei­jährigem Studium gelungen, ein Rhodium herzu­stellen, das den Vorteil hat, nicht einmal von Königswasser angegriffen zu werden, das selbst Gold und Platin auflöst.

Flammen ersticken im Schaum.

Neuartige Brandbekämpfung.

Wasser ist nicht immer ein Helfer bei Brandge­fahren. Von den Phosphor-Brandbomben beispiels­weise weiß man, daß sie sich nur zeitweise mit Wasser löschen lassen, da das Phosphor, wenn es trocken geworden ist, sich von neuem entzündet. Die Elektron-Termit-Bomben lassen sich überhaupt nicht löschen, auch nicht mit Wasser. Dazu kommt noch, daß durch die Wasserfluten beim Löschen häufig be­trächtlich größere Schäden entstehen als durch das Feuer selbst.

In bestimmten Fällen, da Wasser zur Be­kämpfung einer Feuersbrunst nicht mehr ausreicht, geht man neuerdings einen anderen Weg: man er­stickt das Feuer durch Schaum und hält damit einen weiteren Zustrom von Sauerstoff fern. Neu ist hier vor allem die Art der Schaumerzeugung. Im Gegensatz zu den chemischen Flüssigkeiten, die man bisher in solchen Fällen fast regelmäßig an­zuwenden gewohnt war, beginnt sich jetzt das überaus wirksame und in schwersten Fällen glän­zend erprobte Luftschaumverfahren durch­zusetzen, das sich einer seifenähnlichen, starken Schaum bildenden Lösung bedient. Diests Verfah­ren setzt die Verwendung eines besonderen Stahl­rohres voraus, das durch Anschrauben am Feuer­wehrschlauch befestigt wird. Die Frage, ob der Schlauch aus einem Pumpengerät ober aus einer Hydrantenleitung gespeist wird, bleibt nebensächlich. Die seifenähnliche Lösung, Tutogen genannt, befin­det sich in einem besonderen Behälter, den der Feuerwehrmann auf dem Rücken festgeschnallt hat. Von diesem Behälter aus führt eine besondere Zu­leitung zum Stahlrohr. Es tritt nun eine Vermen­gung Der Lösung mit den Wassermengen der Hy­drantenleitung ein, wobei der Wasserdruck die leb­hafte Schaumerzeugung veranlaßt. Der jeweiligen Druckwirkung entsprechend kann das Präparat in Höhen bis zu fünfundvierzig Meter getragen wer­den. Wo der Schaum auftritt, muß das Feuer er­sticken, da der Schaum die weitere Luftzufuhr un­

terbindet und dadurch den Flammen die weitere Ausbreitungsmöglichkeit entzieht. Sie, r a f ch e Wir­kung wird insbesondere auch durch die große Zähigkeit der Schaumassen erreicht. Trotz dieser Zähigkeit aber hat der Schaum noch Elastizität ge­nug, um sich beim Auftreffen auf die gefährdeten Stellen schnell auszubreiten und sich genügend weit auszudeynen.

Ein außerordentlich schätzenswerter Vorteil liegt darin, daß das Schaummittel, zu dessen Herstellung durchweg inländische Stoffe verwandt wer­den, noch Kältetemperaturen bis zu zwanzig Grad widersteht. Mindestens ebenso wertvoll und wichtig bleibt ferner die Tatsache, daß die Schaum­bildung gänzlich frei ist von schädlicher Gasent­wicklung, der Schaum bleibt in allen Stücken unge­fährlich, selbst die Entstehung von lästigen Flecken wird vermieden. Bei all diesen Vorzügen bleibt das Verfahren von größerem Wasserbedarf unab­hängig. Bereits eine kleine Motorspritze mit nur einer Minutenleistung von sechshundert Liter ge­nügt zu einer Schaumversorgung von vier Schlauch­leitungen. Man hat damit also die Möglichkeit, aus verschiedenen Richtungen gegen die Flammen vor­zugehen, ein Vorteil, der namentlich auch der Feuerbekämpfung auf dem Lande zu­statten kommt.

Kunstharz - ein neuer Werkstoff

Von Dr. Liener.

Die Kunstharzindustrie hat in den letz­ten Jahren einen glänzenden Aufstieg genommen und damit zur Verbreiterung unserer Rohstoffver­sorgung und zur Erleichterung unserer Devisenlage beigetragen. Die Erzeugung ist von 5300 Tonnen im Jahre 1929 auf 17 000 Tonnen im Jahre 1934 angewachsen und hat sich damit mehr als verdrei­facht. Im laufenden Jahr rechnet man sogar mit einer, Herstellung von 23 000 bis 25 000 Tonnen, deren Wert etwa 30 Millionen Reichsmark beträgt. Nicht nur der heimische Markt wird mit deut­schem Kun st harz versorgt, sondern etwa ein Drittel der Erzeugung wird von ausländischen Märkten ausgenommen. Die große Bedeutung der Kunstharzindustrie liegt in erster Linie darin, daß ausschließlich heimische Rohstoffe als Grund­lage dienen. Es handelt sich dabei vor allem um Phenol, das aus Steinkohlenteer gewonnen wird und mit etwa 90 v. H. an der Erzeugung der Kunstharze beteiligt ist; die aus Phenol hergestell­ten Kunstharze sind unter dem Namen Phenoplaste zusammengefaßt und zu unterscheiden von den Aminoplasten, für die das Carbamid, ein aus der Luft gewonnener Harnstoff, und das Formaldehyd

als Ausgangsstoff verwendet wird. Diese ermög­lichen die Herstellung von 'Kunstharzen in leuchten­dem Weiß.

Ist bei den genannten Rohmaterialien Pressung und Härtung in heißen Formen ein Hauptmerk­mal der Verarbeitung, so wird bei den sogenann­ten Spritzmassen die heiße Maße in kalte Formen gespritzt, die sofort erstarrt. Auf diese Weise kön­nen sehr komplizierte Stücke hergeftellt werden, die in der Feinmechanik und Stark st rom- t e ch n i k Verwendung finden, da sie sich durch starke Isolierfähigkeit auszeichnen. Hierbei dient das Polystyrol, ein aus Benzol gewonnener Kohlen­wasserstoff, also auch ein heimischer Rohstoff, als Ausgangsstoff. Jedoch der weitaus größere Teil des gewonnenen Kunstharzes bildet die Grundlage für die Herstellung von Preßmassen, denen Füllstoffe beigemischt werden, um je nach dem Verwendungszweck bestimmte gewünschte Eigenschaften zu erzielen. So verleiht Holzzusatz von Holzmehl und Gewebeschnitzel außerordentliche Festigkeit, Asbestsvser hohe Wärmebeständigkeit, Glutsicherheit und Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit, Carbamidstoffe lassen sich in den zar­testen Farbtönen lichtecht Herstellen.

Durch all diese Eigenschaften sind die Kunstharze für vielseitige Verwendungsmöglich­keiten geeignet, besonders auch auf den Gebieten, wo früher Auslandsrohstoffe benötigt wurden. So wurden sie im Maschinenbau erfolgreich für Me­talle und Pockholz eingesetzt, wo sich Lager und Zahnräder aus Hartgewebe durch geräuschloses Laufen, geringen Verschleiß und Kraftersparnis auszeichnen. In der Hartpapierindustrie haben sich Kunstharze ebenfalls bestens bewährt, in zuneh­mendem Umfang wird dieses Material in der Elektrotechnik für Konstruktionsmaterial und selbst für Schalttafeln verwendet. Auch in der Radioindustrie, in den Kabelwerken und bei der Post finden Kunstharze weitgehende Verwen­dung an Stelle von Hartgummi. Edelkunstharze werden zu hübschen Gebrauchsgegenständen ver­arbeitet und ersetzen Elfenbein, Schildpatt, Horn, Marmor usw. Im Haushalt erfreut sich Geschirr aller Art aus Kunstharz großer Beliebtheit, Tassen, Teller, Tabletts, Ascher usw.

Im Jahre 1934 bestanden in Deutschland etwa 600 Kunststoffpressereien. Durch den stark erweiter­ten Anwendungsbereich von Kunstharzen hat sich die Zahl der Betriebe inzwischen stark vermehrt, sie dürften sich jetzt auf insgesamt 1000 belaufen. Der Hauptsitz dieses Industriezweiges ist Rheinland- Westfalen, es folgen Thüringen und Berlin. In den nächsten Jahren ist auf Grund der außerordent­lich günstigen Zukunftsaussichten der Kunstharze mit einem weiteren Ausbau zu rechnen.