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von den dann und wann verkauften Schildern reicht nicht im entferntesten für den Lebensunter­halt der Familie aus.

Aach der Machtübernahme:

1. Ende 1935 wird die Frau des ersten Falles mit einem etwa dreijährigen Kinde zufällig in der Straßenbahn getroffen. Die Frau ist nicht mehr so mager, sie und das Kind sind sauber und ordent­lich angezogen. Sie erzählt vergnügt:Wir wohnen jetzt in einer Stadtrandsiedlung, so daß die Kinder den ganzen Tag im Freien sind. Jetzt sind z w ö l f K i n d e r da! Die Aelteste arbeitet seit Äroei Jahren in einer Fabrik. Ich hole sie jetzt von der Arbeit ab, wir wollen etwas einkaufen. Mein Mann ist noch arbeitslos, aber es geht uns ganz gut, die NSV. sorgt viel für un s."

2. Nach Bekanntgabe der Verordnung über die Gewährung von Beihilfen an Kinderreiche meldete sich u. a. eine Familie mit vier Kindern. Der Mann, früher Buchhalter, nimmt seit Jahren jede sich bie­tende Arbeit an, arbeitet im Sommer beim Bau­gewerbe, im Winter trägt er Kohlen aus. Er hilft seiner Frau bei den Haushaltsarbeiten so gut er kann. Während die Frau mit dem jüngsten Kinde von der NSV. verschickt ist, versorgt der Mann die drei anderen Kinder und besorgt auch noch die Wäsche, damit Mutter bei ihrer Rückkehr nicht gleich so viel Arbeit vorfindet.

Trotz der jahrelangen Arbeitslosigkeit wurde beim Wohlfahrtsamt nur einmal Bettwäsche bean­tragt, Kleidung nie. Der Hausbesuch bestätigt die Angaben des Mannes, daß die Frau außerordent­lich wirtschaftlich sei. Aus den ältesten Sachen näht die unterernährte Frau Kleider, Mäntel und Wäsche für sich und die Kinder, bestickt die Kleid­chen mit bunten Garnresten, die sie gerade hat. Mädchen müssen doch niedlich aussehen. Die Kin­der' sind meine ganze Freude. Oft sitze ich noch nachts, um alles nett herzurichten. Alte Pullover werden aufgetrennt und zu Jacken, Schlüpfern wie­der verarbeitet. Nein, nähen habe ich nie gelernt, für die Kinder habe ich es mir aber angenommen."

Jetzt fehlt es in der Wirtschaft dieser so ordent­lichen Familie bei zunehmender Kinderzahl an allen Wirtschaftsgegenständen. Der Tisch ist nicht mehr groß genug, Stühle, Bettstellen, Betten und Bett­wäsche fehlen. Nur zwei kleine Kochtöpfe, ein Mes­ser und zwei Gabeln, ungenügende, schadhafte Löf­fel sind vorhanden. Zum Wäschewaschen werden Die Geräte dazu geliehen.Weil die Unterstützung und der Verdienst der kurzfristigen Arbeiten des Mannes nur zum Leben reichen, konnten wir nichts neu anschaffen ober ergänzen. Zum Wohlfahrtsamt wollten wir nicht damit kommen."

Vorstehende Fälle zeigen, daß die Hilfsmöglich- keiten für kinderreiche Familien in der Zeit vor der Machtübernahme vollständig versagten, während die Maßnahmen der heutigen Regierung eine individuelle, wirksame Förde­rung und Besserung der sozialen Lage kinderreicher Familien gewährleisten. So wird auch auf diesem Gebiet das Programm Adolf Hitlers weitgehend erfüllt und für einen gesunden Nachwuchs der Nation gesorgt. A. N.

Kunst und Wissenschaft.

75 Iahre Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig.

Die Gesellschaft für Erdkunde zu Leip­zig beging mit einem akademischen Festakt die Feier rhres 75jährigen Bestehens. Oberbürger­meister Dr. Goerdeler feierte die Gesellschaft, die u. a. Mittel zur Unterstützung größerer For­schungsreisen und für den Druck wichtiger geogra­phischer Werke zur Verfügung gestellt habe. Der Vorsitzende Professor Dr. Reinhard gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Gesellschaft. Es wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: Professor Dr. Hans Wattson Ahlmann, Stockholm; Hans Baedeker, Leipzig; Professor Dr. Walter Behrmann, Frankfurt a. M.; Dr. Fritz Brock­haus, Leipzig; Dr. Hugo Eckener; General­leutnant Gadegast, Leipzig; Prof. Dr. Robert Gradmann, Erlangen; Professor Dr. G r a n o e, Finnland; Professor Dr. Kurt Hassert, Dresden; Professor Dr. Hans Koßmat, Leipzig; Geheim­

rat Prof. Dr. Le Blanc; Prof. Dr. Wilhelm Meinardus, Göttingen; Prof. Dr. Friedrich Metz, Freiburg i. Br.; Prof. Dr. Erwin Scheu, Königsberg; Prof. Dr. Otto Schlüter, Halle; Prof. Dr. Heinrich Schmitthenner, Leipzig; der Polarforscher Dr. H. Sverdrup, Bergen; der Verleger Earl Wagner; Prof. Dr. Ludwig Weickmann, Leipzig; zu korrespondierenden Mitgliedern: Dr. Nils G. Hörner, Upsala, der Mitarbeiter Sven H e d i n s auf seiner letzten Reise; Prof. Dr. Herbert Luis, Ankara; Prof.

Dr. Rudolf Lütgens, Hamburg; Prof. Dr. Fumio T a d a von der Universität Tokio und Dr. Hermann von Wißmann, der durch seine Forschungs­reisen in Südarabien und China bekanntgeworden ist Den Festvortrag hatte der Altmeister der deut­schen Geographie, der 77jährige Geheimrat Prof. Dr. P e n ck, übernommen, der seit 50 Jahren der Gesellschaft als Ehrenmitglied angehört. Er sprach überaus fesselnd überDie Ausbreitung der Mensch­heit".

Wir alle dürfen stolz fein!

HSfL Durch die weitgespannten Riesenzette, durch die historischen Kundgebungshallen der Kampfzeit, durch die Tausende und aber Tausende der Versammlungssäte, durch den größten und den kleinsten Raum der Volksgemeinschaft in Stadt und Land schwingt seht der heiße Atem nationaler Begeisterung, Hingabe und Gesinnung. M i t Adolf Hitler an der Spitze legt das poli­tische Führerkorps vor dem kommenden Stichtag deutscher Zukunftsgestaltung Rechenschaft über das ab, was in drei Jahren unter nationalsozia­listischer Führung geschah, was gewollt und erreicht wurde, was erstrebt und durchgeseht wurde: Freiheit, Ehre, Gleichberechtigung Ar­beitsbeschaffung Blüte der Industrie, kultureller Aufstieg soziale Fürsorge seelische Erneue­rung ... Gewaltige Zahlen, unaussprechbare, ethische und moralische Werte, unauslöschlich eingetragen in das Buch vom neuen deutschen Leben und Glauben.

Aus dem Munde derer, die noch nie in billigen Phrasen und Theorien, sondern stets in eisernen Tatsachen, durchblutet von einer Weltanschauung, gesprochen haben, erfährt das deutsche Volk die ge­schichtlich einzigartige Bilanz der national- sozialistischen Leistung.

Gewiß macht jeden, der sich mit ganzem Bewußt­sein zu der deutschen Volkgemeinschaft zählt, diese Abrechnung stolz. And mit gutem Recht kann es so sein, muh es sogar so sein. Denn in diesen Tagen, da vor unseren Augen das Heer derer aufmar­schiert, die wieder Arbeit fanden, die wie­der freien Boden ackern, die wieder ein einiges Volk mit den Waffen zu schützen bereit sind, da kann uns in großartiger Weise unsere Schicksalsgemeinschaft be­wußt werden.

Unser aller Mühen und Opfern, Werken und Denken, Glauben und Wollen ließ diese jetzt über­all aufgezählte Leistung des deutschen Wunders werden. Dein Teil, unbekannter, schweigender Volksgenosse, auf der letzten Bank der Wahlver­sammlung, dein ehrlicher Anteil steckt mit in dem Werk des Führers. Dein Wille stärkte des Führers Entschluß. Dein Hammerschlag er­neuerte die Wirtschaft. Dein Werktag ließ die Wehrmacht werden. Dein Opfer gab Notleiden­den Mut. Dein Verständnis schuf neue Ar­beitsplätze. Deine Kraft ließ die Autobahnen werden. Dein Können machte uns vom Aus­land unabhängiger.

In allem, was wir an Taten und Schöpfungen erlebten, ruht unsichtbar und unerkennbar, aber ebenso unverkennbar und unleugbar die L e i - stung des ganzen Volkes, der Anteil des unbekannten Volksgenossen. Des Führers Idee und Weitblick war der zündende Funke; er lieh Deutschland sich selbst wiederfinden.

Ein Tor wäre ein jeder, den nicht sein Anteil mit Stolz erfüllt; wer aber könnte erst feinen eige­nen Willen und Fleih seiner Hände und Ge­dankenwerk im Stich lassen? Im Führer personifi­ziert sich das deutsche Leben, findet der Wille Form und Gestalt. Gibt es da überhaupt einen Zweifel, wie wir, nachdem wir uns Rechenschaft ablegten, die Frage des 29. März beantworten?

Immer wieder finden wir zu der einen These zurück: wir alte sind Deutschland, und Deutschland ist der Führer. And das ist es, was wir am Wahltag geloben werden, weil wir sonst uns selbst betrügen würden.

Eindringliche Zahlen deutscher Opserbereilschast.

Sich steigernde Erfolge des Winierhilfswerks im Sau Hessen-Nassau.

Vorn mittelalterlichen Turmzimmer des Saal- Hofes über die ganz notdürftig ausgeftattete Etagen­wohnung in der Taunusstraße zum geräumigen Haus in der Mainzer Landstraße, das ist der Weg, den die Gauamtsleitung der National­sozialistischen- Volkswohlfahrt in Frankfurt gehen mußte, um von bescheidenen Anfängen zu einer umfassenden Fürsorgeorganisa- tton mit allem Drum und Dran zu gelangen. Tausend Dinge waren zu überlegen und tausend Besserungen und Aenderungen wurden mit dem Wachsen dieser Einrichtung, die sich bis auf das kleinste Dorf unseres Gaues erstreckt, notwendig. Damals im Herbst 1933 aalt es wie in ganz Deutschland eine neue Art von Fürsorge zu schaffen, die in Wahrheit sozialistisch sein sollte im Sinne dessen, was der Führer inz Herbst 1933 bei der Verkündung des Winterhilfswerkes aussprach: An die Stelle der privaten Fürsorge, die mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt arbeitete, wurde ein Werk gigantischer sozia­ler Hilfe gesetzt. Die geeinte Nation wurde Trägerin der sozialen Fürsorge, die sich nunmehr von Person zu Person, vom Deut­schen zum Deutschen in edler Selbstverständlichkeit

übertrug. Der bedürftige Volksgenosse wurde durch die rettende Tat des Führers aus der traurigen Rolle des Almosenempfängers herausgerissen und in den Mittelpunkt des Mitempfindens der Nation gestellt. Die Beweisführung, daß der eine mit dem Schicksal des anderen auf Gedeih und Verderben verknüpft ist, gab der nationalsozialistischen Für­sorge Sinn und letztes Ziel. Durch die Forderung des Führers, daß die Leistung des einzelnen, die er für das Winterhilfswerk aufbringt, ein Opfer bedeuten müffe, wurde dem Gebenden die soziale Verpflichtung auferlegt, daß feine Mithilfe nicht dem eigenen Ermessen anheimgestellt ist, sondern daß sie abhängig ist von der Größe der Not. Der Empfangende aber wurde damit zum vollwertigen Volksgenossen, der empfängt,, um später, wenn es ihm besser geht, in dieser oder jener Form geben zu können. Die soziale Fürsorge gestaltete sich um in die großeNot- und B r o t g e m e i n s ch a f t" des deutschen Volkes, das sich als große Familie fühlt.

Der Größe dieser Aufgabe wurde unser Gau durch den restlosen Einsatz aller Kräfte gerecht. Der Erfolg entsprach den Anstrengungen:

Das Winterhilfswerk 1933/34 betreute in unse­rem Gau 900 000 hilfsbedürftige oder 300 000

Familien, das find 27 v. h. der Gefamtbevöt- kerung.

Naturalleistungen u. a.:

470 000 Ztr. Kartoffeln (mit Kaufkartoffeln rund 600 000 Zentner)

200 000 Pfd. Frischfleisch

500 000 Hülsenfrüchte

250 0Ö0 Grieß

1 000 000 Mehl 250 000 Zucker 7 000 000 Brot

250 000 Schweineicymala

700 000 Weizenmehl für Ostern

240 000 Grünkern

100 000 Wurst und Speck

100 000 Dosen Fischkonserven

1000 000 Stück Eier (von BDM. und Jungvolk gesammelt)

250 000 Dosen Konservenfleisch

12 000 Paar Arbeitsschuhe

25 000 Kinderschuhe

1 000 000 Pfd. Lebensrnittel in Weihnachtspaketen 260 000 Gutscheine für Lebensmittel

3 000 000 Portionen warmes Essen

2 000 000 Zrr. Brennstoff

22 000 frische Seefische

4 000 Festtagskuchen

500 000 Stück Kleiderspenden.

Gebrauchswert der^esamtspenden 12 000 000 Mark.

1934 35 wurden vom WHW. rund 600 000 Be­dürftige oder 210 000 Familien des Gaues betreut, das find rund 20 v. h. der gesamten Bevölkerung.

Naturalleistungen u. a.:

2 209 230 Ztr. Brennstoffe

828 000 Kartoffeln

1 242 367 Brotgetreide und Mehl

35 000 Paar Schuhe

495 500 Pfd. Fische

139 000 Dosen Fischkonserven

476 000 Pfd. Fleischkonferven

290 000 Käse

170 000 Marmelade

438 000 Liter Milch

950 000 Pfd. Nudeln

59 000 Wurstwaren

844 000 Zucker

160 000 Stück Wunschpakete zu Weihnachten. Gebrauchswert der Gesamtspenden 19 000 000 Mark.

Die Zahl der Bedürftigen ist gesunken, der Wert der Spenden hat sich stark erhöht: d. h. die Leistung für den einzelnen Betreuten konnte außerordentlich gesteigert werden.

Diese Zahlen werden lebendig, erhalten Fleisch und Blut, wenn man sich die Tausende und Aber­tausende von freiwilligen Helfern und Helferinnen vorstellt, die in uneigennütziger Arbeit das Gebot des Führers durchführen, wenn man sich vorstellt die vielen Hilfsbedürftigen, die« von der nationalsozialistifchen Volkswohlfahrt be­treut wurden. Der Geist restloser Opfer­bereitschaft war es, der die Leistungen des Winterhilfswerkes von Jahr zu Jahr wachsen ließ.

Und 1935/36 ? Noch liegen die abschließen­den Zahlen nicht vor. Aber schon jetzt darf gesagt werden, daß der Gau Hessen-Nassau seine führende Stellung in den Leistungen für das WHW. be­hauptet und gefestigt hat. Abermals ist eine Steigerung f e st z u st e l l e n: Alle Samm­lungen und Sachleistungen des Winterhilfswerkes 1935/36 haben sich wesentlich erhöht; in manchen Kreisen haben sich einzelne Leistungen um 5 0 o. H gesteigert. Die Einsicht in die Notwendig­keit des Volksganzen hat diese Erfolge, die ein lebendiges Zeugnis für den Opferwillen unseres Gaues ablegen, werden lassen. Tatbereiter Idea­lismus und leidenschaftliche Hingabe an das große Werk des Führers haben die verbindenden Brücken von Mann zu Mann über Not und Elend geschlagen. Nirgends und niemals ist Sozialismus so eindringlich gelehrt und geübt worden wie im Winterhilfswerk. Der Gau Heffen-Naffau hat bier- aus feine Folgerung gezogen.Dr. A. H._

Mder neue hochempfindliche FEINKORN Filml

OLYMPAN

Das Meisterstück.

Von Hans Franck.

Wie war es doch einst?

Als der Großvater die Großmutter nahm, da gingen er und sie zu einem Handwerker, einem Meister feines Faches, und bestellten für den ge= liebtesten Menschen ein besonders schönes Stück, ein Meisterstück, durch das nicht den Bedürfnissen des Taaes gedient werden sollte, das ein Ausdruck der Liebe war und sie durch ihr ganzes Leben be­gleitete, oftmals auf Kind und Kindeskind sich ver­erbte. Wochen, Monate, selbst Jahr und Tag ar­beitete der Meister daran, denn es galt, Ehre mit ihm einzulegen und das Letzte an Schönheit, Zweck­mäßigkeit und Werkgerechtigkeit herauszuholen. Ich !iabe sie noch mit eigenen Augen gesehen in un= erem Haus, in andern Häusern, diese Meisterstücke; ich werde eines von ihnen durch den Willen der nun bald achtzigjährigen Mutter an einem hoffentlich noch recht fernen Tage besitzen. Unvergeßlich sind sie mir geblieben: der Mahagonischreibschrank mit Der eingelegten Arbeit, der Nähtisch mit unzähligen Fächern und Kästchen in geflammter spiegelblan­ker Birke, die vielgewundene goldene Brosche, die Uhrkette aus geflochtenen Haaren mit dem goldenen Schieber, der aus zwei ineinander verschlungenen Händen bestand, der kleine Stehspiegel mit silber­getriebenem Rahmen, das handgebundene Fami­lienbuch mit dem genarbten Ledereinband und manche andere Köstlichkeit mehr. Liebe war ihr Ursprung, Liebe war ihr Geleit, Liebe war ihr Ziel. Kam der Besteller zu dem Meister, so wußte er, daß er mit Geld die eigentliche Leistung nicht ausgleichen konnte. Gab der Meister das besondere Werk aus der Hand, so ging es ihm nicht verloren. Oft sah er es an dem Platz wieder, für den es ent­standen war. Das Unalltägliche fügte sich dem All­tag ein, das Alltägliche wurde durch das Meister­stück überleuchtet. Und was mit der Bezahlung nicht abgegolten werden konnte, das wurde durch an­erkennende Worte, durch bewundernde Blicke, durch behutsame Behandlung im Lauf der Jahre nach und nach ausgeglichen. Soweit ein lebendiges Werk durch Nebenhergehendes, durch anderes als feine sinnvollste Nutzung im Innersten berührt werden kann.

Wie aber wurde es dann?

Zu den Zeiten der Väter entwickelte sich das Gew zur allbeherrschenden Macht. Es verselbstän­digte sich; war nicht mehr Diener sondern Herrscher, Tyrann. Und es schuf sich, um (eine Macht auszu­breiten und zu behaupten, das Heer der Maschinen.

Da bestellte man nicht mehr eine Meisterarbeit, verfolgte nicht mehr ihr Werden, bekümmerte sich

nicht mehr um das Wesen der Dinge, die dem Le­ben botmäßig sein und ihm dienen sollten. Man kaufte Fertiges, das irgendwo von irgendwem in Massen hergestellt wurde, so billig, so anreißerisch wie möglich. Die Werke wurden Gebrauchsgegen­stände, wurden Ware. Sie richteten sich nun oft­mals nicht mehr nach dem Wunsch und Willen und Bedürfnis der Menschen, sondern die Menschen richteten ihre Bedürfnisse und Wünsche nach dem, wasauf Lager" war. Schreierische Reklame brachte es ihnen bei, was sie zu benützen und als Beweis einer gehobenen Lebensstellung zu beziehen und zu bezahlen hatten. Geld hatte man ausreichend. Aber Geschmack, Gefühlssicherheit, Selbständigkeit hatte man nicht mehr. Und ein grauenhafter Verfall des schöpferisthen Handwerks war die Folge. Der Mei­ster wurde vielfach zum Unternehmer und der Un­ternehmer nur zu oft zum Schwindler. Nicht etwa in rechtlichem Sinne, sondern aufs Menschliche ge­sehen. Er redete den Kunden und sich selber Maß­stäbe, Wertungen ein, an die er im Grunde seines Herzens selber nicht glaubte. Er folgte demZuge der Zeit". Wohin sie Deutschland geführt hat, haben wir erlebt: an den Rand des politischen, wirtschaft­lichen, kulturellen Verderbens.

Und wie wird es fein?

Nun, nachdem Einer wider die Zeit aufgeftanben ist und das Steuer im allerletzten Augenblick herum- geriffen hat, ist zu hoffen, daß unsere Kinder auch in dieser Hinsicht zu dem Früheren zurückfinden. Nicht um das Ehemalige zu wiederholen im Le­ben eines Volkes ist, wie im Leben des Menschen, kein Jahr gleich dem andern, keine Epoche gleich der andern sondern um von da aus die rechte Richtung zu nehmen, wo mit dem Sieg einer fal­schen, volkverderbenden Weltanschauung die Allge­meinheit xur unrichtige^ Seite abbog. So wie der neue ständische Aufbau des Handwerks nicht eine Wiederholung des mittelalterlichen Zunftwesens ist, wohl aber das Gesunde dieses Ordnungsgedankens aufnimmt, wird sich auch bei dem Verkehr zwischen Handwerksmeister und Verbraucher der einstige Zu­stand nicht wiederholen. Aber es gilt, entschlossen mit dem Mißbrauch eines entwurzelten Geschlechtes zu brechen und von der Stelle aus, die als letzte richtig war, den Weg ins Zukünftige au nehmen. Eine der schönen, tausendfacher Abwechselung fähi­gen alten Sitten ist die Bestellung, bas Jn-Aus- trag-Geben, bas gemeinsame Erarbeiten eines Meisterstückes", eines Werkes, bas im Leben bes Auftraggebers unb bes Aussührenben über ben All­tag hinausgeht, bas sich nicht an bas Zeitliche in unb an uns wendet, sondern an das Unzeitliche, das Ueber.zeitliche. Ein großer Tag im Leben bes Volkes, ein Feiertag in ber Familie, ein Glückstag im per­sönlichen Dasein, sie geben immer roieber Gelegen­

heit bazu. Versuche es jeber wenigstens einmal. Er wirb ber Meister, bie ihm ein wahrhaftes Mei­sterstück schaffen können unb mit Freube schaffen werben, in feiner Nähe heute noch, heute schon roieber, mehr finben als er glaubt.

Wiedersehen mit dem alten Jagdflugzeug.

Äon E. K Belhig, ehemals Jagdstaffel C.

Vor achtzehn Jahren fast um diese Jahres­zeit dein unvergeßlicher Führer, der 25jährige Rittmeister Manfred Freiherr von Richthofen, steuerte dich damals. Wo du an der Front erschienst, brachtest du dem Gegner Schrecken und Entsetzen, uns aber Ruhe und bedingungsloses Vertrauen! Weithin leuchtete dein roter Rumpf. Die flattern­den Silhouetten deiner langen Führerroimpel ließen dich schon auf Kilometerweite erkennen. Wer sich dir zum 'Kampf stellte siel!

Zwei Monate steuerte dich der Rittmeister von Luftsieg zu Luftsieg! Als bann ber schnellereFok­ker" dich verdrängte, kamst bu zu meiner Staffel, in ben nörblichen Flanbernabschnitt. Wie stolz unb sicher fühlte ich mich, als ich bich über Ppern steuern durfte! Dein Motor war ein luftiger Kumpan. Immer summte er ein Lieb. Die Melobie, bie er in ber Luftschlacht über Brügge fang, klingt mir noch heute in ben Ohren: ber Gott, ber Eisen wachsen ließ, ber wollte feine Knechte .."

EinenSopwith" erledigten wir. Dann aber packte uns ein anbererSopwith" im Nacken. Wir mußten uns bem großen, fairen Englänber, Captain Bishop stellen. Eng kurvten wir umeinanber. Immer kleiner unb steiler würben bie Kreise, die wir drehten. Und bann kam biete verwünschte Labehemmung auf meinen beiben Maschinengeweh­ren. Wir saßen mitten in ber Geschoßgarbe bes Engländers!

Steilab, wie ein zu Tode getroffener Vogel, saustest du ber Erbe zu. Ein weißsprühenber, glitzernber Strahl zischte hinter uns, unb ftanb, wie ber Schweis eines leudjtenben Kometen, weit über ber Sturzbahn. In Haushöhe'singst bu bich roieber. Glatt lanbeten wir wenn auch schwer angeschossen im Sturzacker bei Roselaere. Schnell würbest bu roieber ausgeheilt. Dann flog bich mein Kamerab Ieckert. Unb roieber warst bu mitten in heißen Luftkämpfen! Eine großeDe Havilanb" flog vor beinen Maschinengewehren. Brennend, in Feuer gehüllt, steuerte der englische Pilot seine angeschossene Maschine dir nach. Er sprang nicht ab. Er wollte dich rammen und mit in bie Tiefe reißen! Wieder, um eines Haares Breite, entkamst du heil!

Drei Tage später zerriß ein englisches Flakge­schoß deinen Propeller. Abermals trugst bu beinen Führer glatt zur Erbe. Ganz konnten wir bich nicht ausheilen. Du würbest nicht mehr frontfähig. Auf bem Flugplatz ber Jagbfliegerfchule von Farmars fanbeft bu weitere Verwenbung. Werbende Jagd­flieger steuerten dich nun. Junge Flieger, bie in bie Lücken eintreten sollten, bie bes Gegners Ma­schinengewehre im Frühjahr 1918 so zahlreich in unsere Reihen gerissen.

Als bie Hölle von Flanbern verschwanb, sah ich bich wieder. Es war Mitte Dezember 1918! Auf dem rheinischen Flugplatz war es, wo bu, inmitten von 618 anberen deutschen Kriegsflugzeugen stau­best, um unbesiegt ben amerikanischen unb englischen Offizieren übergeben zu werben. Als die fremden Offizieren prüfend bie Reihen der Flugzeuge ab- schritten, blieben sie längere Zeit vor dir stehen. Sie musterten dich schweigend. Zwei amerikanische Sol­daten zogen dich vor die Reihe der übrigen Ma­schinen.

Um nicht vor Wut aufzuheulen, schluckte ich wür­gend. Mit meinen beiden anderen Kameraden ver­ließ ich schnell den Platz. Am Ausgangstor des Flugplatzes, wir wollten gerade die amerikanische Postenkette passieren, erreichte uns das Kommando des englischen Obersten. Schneidend scharf kam der Befehl blitzschnell legten die amerikanischen und englischen Offiziere die Hände zum militärischen Gruß an die Mützen ruckartig salutierten die Posten die Gewehre bis wir drei deutsche Flie­ger den Platz verlassen hatten!

Diese militärische Ehrenbezeugung der damaligen Gegner dem Gedenken deines ersten, heldenhaften Führers, galt allen deutschen Fliegern, und dir Albatros, bem Meisterwerk beutscher Arbeit! Wir leben beide noch, alter Albatros etwas älter finb wir zwar geworden ... Wie kommst bu eigent­lich hierher? ...Mein Herr, bas Museum wird .gleich geschlossen!" Die Worte bes Beamten reißen mich jäh aus meinen Träumen in bie Gegenwart zurück. Ich besuche bich halb roieber, treuer Vogel, alter Kampfkumpan!

Hochschulnachrichten.

Von ben amtlichen Verpflichtungen rourben ent» bunben bie orbentlichen Professoren Dr. Felix Ehrlich (Biochemie, unb landwirtschaftliche Tech­nologie) an ber Universität B r e sl ä u, unb Dr. Wilhelm Anschütz (Chirurgie) an ber Universität Kiel.

Professor Dr. Wolfgang Freiherr von Budd en- brock-Hettersborf, Drbinarius für Zoologie an ber Universität Kiel, würbe in gleicher Eigen­schaft an bie Universität Halle versetzt.