Ausgabe 
14.2.1936
 
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möglich, die Machtstellung Räterußlands in Zen­tralasien aufrechtzuerhalten, wobei wieder ein un­ausweichlicher Zwang darin liegt, auf China und auf die Küste Vorstößen müssen. Entscheidend ist aber auch hier, daß die angelsächsischen Mächte, daß die Vereinigten Staaten vor allem mit dem A b - s a tz m a r k t im Fernen Osten rechnen, well, wenn er verloren geht, der wirtschaftliche und politische Kampf im Pazifik sich verschärfen muß. Das ist der Sinn der Pittman-Lehre.

Einstellungstermin für Freiwillige der Lustwaffe.

Berlin, 13. Febr. Verschiedene Anfragen bei Dienststellen der Luftwaffe und beim Reichsluft­fahrtministerium haben gezeigt, daß vielfach Un­klarheit über die Einstellungstermine von Frei­willigen der Luftwaffe, insbesondere von Frei­willigen der Flakartillerie, besteht.

Frühjahrs- und Herbsteinstellungen finden statt für die Fliegertruppe, die Luftnachrichtentruppe und das Regiment General Göring. Die Flakartil-' lerie stellt nur im Herb st ein.

Meldeschluß für die Frühjahrseinstellungen ist der 15. März, Meldeschluß für die Herbstein­stellungen ist der 30. April.

Wer sich also für die Flakartillerie melden will, muß dies bis zum 3 0. April getan haben. Die Dienstzeit beträgt bei der Flakartillerie ein Jahr; es ist aber erwünscht, daß der Freiwillige eine Verpflichtung auf zwei Jahre ein- geht. Die Dienstzeit beim Regiment General Göring beträgt zweieinhalb Jahre beim Eintritt im Früh­jahr und zwei Jahre beim Eintritt im Herbst.

Wegen weiterer Auskünfte wende man sich a n die näch st gelegene Dienststelle der Luftwaffe oder das für den Wohnsitz zustän­dige Wehrbezirkskommando bzw. in der entmilitarisierten Zone an die untere Ersatzbehörde.

Reichsschulungsiagung des Gartenbaus.

Goslar, 13. Febr. (ZdR.) Um das Führer- korps des Gartenbaus für seine Aufgaben in der Erzeugungsschlacht zu schulen, waren die zustän­digen Fachwarte und Unterabteilungsleiter (II C 9) im Reichsnährstand sowie die Fachbeiräte, Vor­sitzenden und Geschäftsführer der Garten- und Wein­bauwirtschaftsverbände zu einer dreitägigen Tagung nach Goslar einberufen worden. Der erste Tag stand im Zeichen der FachgruppenBlumen und Zierpflanzen",Baumschulen" undGfi­rn ü f e b a u". Einen Ueberblick über die Erfahrun­gen der Marktregelung für Gartenbauerzeugnisse 1935, gab der Vorsitzende der Hauptvereinigung der deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft, B o e t t- n e r (Berlin). Eine Marktregelung für die Erzeug­nisse des Gartenbaues ist nach den Erfahrungen der Vergangenheit unbedingt notwendig. Mehr als an­der Berufe hat der Gartenbau mit einer leichten Verderblichkeit und etnem ruckhaften Anfall seiner Erzeugnisse zu rechnen. So hat sich die Regelung des Marktes als ein Segen für den gesamten Gar­tenbau erwiesen.

Dr. B ö m m e l s - Berlin sprach über den Ein­satz der Gemüse- und Obstoerwertungsindustrie für die Verarbeitung der deutschen Ernte. Groß, Berlin, gab einen Rückblick und Ausblick auf die gartenbauliche Marktentwicklung. Es folgten Vor­träge von Weinhausen und D e m n i g über Die Stalldüngung und Humusfrage im Zuge der Erzeugungsschlacht^ und über »Heizung und Heiz­material als wichtige Erzeugungsfaktoren." Pro­fessor Dr. Ebert schilderte den Einsatz der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Er- zeugungsschlacht. Hier ist ein enges Zusammenarbei­ten zwischen ehrenamtlichen Mitarbeitern und An­gestellten des Reichsnährstandes notwendig, damit das Verständnis für die gegenseitigen Lebensbe­dingungen wächst. Professor Ebert wies auf die Reichsgartenschau Dresden vom 24. April bis 11. Oktober 1936 hin. End- August findet auch der deutsche Reichsgartenbautag in Dresden statt. Wenn die letzte Gartenbauausstel­

lung in Dresden 1926 schon drei Millionen Besucher gesehen hat, so darf man wohl im Jahr der olym­pischen Spiele mit einem großen Erfolg der Ver­anstaltung rechnen. Am letzten Tage fanden noch zwei Sondertagungen statt, die der Fach­gruppenGartenausführende undFried- hofsgärtner" undO b st b a u". Die drei­tägige Schulung bildete einen vielversprechenden Auftakt für die Arbeit des Gartenbaues im kom­menden Anbaujahr.

Studentischer Einiah

RSG. Mitte Dezember wurde in der Reichs- studentenbundsführung das Referat Studentischer Einsatz" (Landdienst, Fabrikdienst, Autobahndienst, NSV.-Dienst usw. werden von nun ab in einer Hand zusammengefaßt) geschaffen und eine gleiche Regelung für alle Gaue des Reiches getroffen. Die studentische Mannschaft der Partei sieht hier nicht allein eine soziale, sondern haupt­sächlich eine politische Aufgabe. Für die Volks­tumsarbeit in unseren Notstandsgebieten ist nur eine Mannschaft von weltanschaulich festfundierten Menschen, wie sie aus den Kameradschaf­ten des NSD. Studentenbundes hervor­gehen, brauchbar. Möglichst alle Studentinnen und

Studenten sollen durch den Land- und Fabrikdienst in unserem Gaugebiet gehen; die besten von ihnen sollen würdig sein, das deutsche Studententum an der gefährdetsten und wichtigsten Front, im deutschen Osten, zu vertreten. Alle im Studentenbund zusammengefaß­ten Facheinrichtungen und Schulgattungen finden hier große Arbeitsmöglichkeiten.

Von der Hauptstelle für studentischen Einsatz Gau Hessen - Nassau wurden in den Der» gange.nen letzten zwei Monaten an allen Hoch- und Fachschulen des Gaues Referenten für die Ar­beitsgebiete berufen. Sie werden am 21. und 22. Februar in einem Schulungslager zusammen­gefaßt. An diesem nehmen auch die ANSt.-Referen- tmnen für Fabrikdienst und Vertreter der für den Einsatz in Frage kommenden Organisationen der Bewegung teil. Die Referenten werden, von Zeit zu Zeit in Lehrgänge der DAF., des Reichsnähr­standes, der Hitlerjugend usw. eingewiesen.

Im Monat März führt der NSDStB. seinen ersten Fabrikeinsatz in der Bayrischen O st m a r k durch. Die für unseren Gau festgesetzte Einsatzziffer wurde allein schon durch die Hochschul­gruppe Frankfurt a. M. überschritten. Es werden daher alle 20 Hoch- und Fachschulen unseres Gaues nach der Bayrischen Ostmark Kameraden entsen­den; in den dortigen Textil-, Glas- und Pozellan-

werken können Kameraden aller Fachrichtungen als ungelernte Arbeiter beschäftigt werden. Auch die­ser Dienst wird durch ein Einführungslager vor­bereitet.

Ab 1. April 1936 werden im ganzen Gaugebiet an jeder Hoch- und Fachschule Arbeltsgemein- sch asten für studentischen Einsatz entstehen, in denen alle Studenten und Studentinnen, die be­reits am Fabrik- oder Landdienst teilgenommen haben, das vorliegende Material in Zusammen­arbeit mit den zuständigen Stellen der Bewegung ausarbeiten und auswerten. Jede Hoch­schule hat immer das gleiche Einsatzgebiet. Bevor neue Kameraden und Kameradinnen hinausgeschickt werden, müssen sie über den genauen Stand der Arbeiten unterrichtet werden. Die Arbeitsgemein­schaften werden ferner bei der Ausgestaltung von Dorfabenden und Betriebsappellen einen großen Wirkungsbereich haben. Kameraden und Kamera­dinnen, die sich in den Sommerferien für diese Arbeit einsetzen wollen, die dem Bauern seine Ernte einbringen helfen oder einem deutschen Ar­beiter oder einer Arbeiterin die so notwendige Er­holung verschaffen wollen, melden sich beim ört­lichen Referenten für studentischen Einsatz bis Ende dieses Semesters; sie werden zu besonderen Schu­lungen zusammengefaßt werden.

DasKabmettSarraui geht gegen die französischen Royalisten vor

Oer Marxistenführer Blum von Royalisten verprügelt. OieAction Fran^aise" verboten.

Paris, 13. Febr. Der Sozialistenführer Löon Blum wurde, kurz nachdem er die Kammer zu Fuß verlassen hatte, von vier Mitgliedern der Action Fran^aise angehalten und mißhandelt. In diesem Augenblick kam zufällig ein Fraktions­mitglied der Sozialistischen Partei in seinem Auto­mobil vorbei und nahm den Sozialistenführer mit in seinen Wagen, in dem sich auch die Frau des Abgeordneten befand. Als das Auto am Trauer­hause des kürzlich verstorbenen Schriftstellers

L6on Blum. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Jacques Bainville angelangt war, wo die Straße wegen der Trauerfeierlichkeit abgesperrt war, schlu­gen Studenten die Fensterscheiben des Autos ein. L6on Blum versuchte, sich durch die Flucht zu retten. Er wurde jedoch in wenigen Sekunden von etwa 100 bis 200 jungen Leuten umzingelt und nie­dergeschlagen. Blum rettete sich in eine Nebenstraße, wo er an einer Haustür klingelte. Als die Portier­frau jedoch einen blutüberströmten Mann vor sich sah, schlug sie die Tür wieder zu, so daß Blum weiterflüchten mußte. Im Nebenhaus, wo einige Ar­beiter beschäftigt waren, wurde ihm die Tür geöffnet, so daß er vorläufig in Sicherheit war. Erst als der Chef der Pariser Sicherheitspolizei mit einem stär­keren Polizeiaufgebot eintraf, konnte Blum ins Krankenhaus übergeführt werden.

Augenzeugen behaupten, daß von einem lieber» fall auf den Marxistenführer keine Rede sein könne. Leon Blum habe vielmehr versucht, mit dem Auto d i e Absperrung zu durchfahren, die we­gen der Beisetzung von Jacques Bainville vor dem Trauerhause vorgenommen worden war. Man habe zunächst nicht gewußt, daß es sich um den Soziali­stenführer handele; er sei erst erkannt worden, als man ihn aus dem Auto herausgetrieben hatte. Der Angriff auf Blum hat bereits eine gerichtliche Untersuchung nach sich gezogen. Es wurde fest- gestellt, daß Blum mehrere Wunden im Gesicht und auf dem Kopf davongetragen hat, die von Schlägen mit einem harten Gegenstand herrühren. Einer die­ser Schläge hat die Schläfengegend verletzt und ein Blutgefäß zerrissen, was zu einer inneren Blutung geführt hat. Ein kleiner chirurgischer Ein­griff war notwendig geworden. ߣon Blum hat nachmittags das Krankenhaus verlassen können. Auch die Frau des Abgeordneten Monnet, die sich in dem Auto befand, ist niedergeschlagen und ver­letzt worden.

(Sarraut vor der Kammer.

In der Kammer erklärte Ministerpräsident Oarraut, die Regierung werde nicht zögern, energisch einzuschreiten. Es handele sich bei dem Vorgehen gegen den Sozialistenführer um einen organisierten Anschlag. Die Regierung werde sich der Gesetze bedienen, die die Kammer ihr an die Hand gegeben habe. Herriot erklärte, es sei unzulässig, daß aufrichtige Republikaner nicht mehr frei in Frankreich umhergehen könnten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Ueberfaü auf Lson Blum die letzte derartige Kundgebung darstelle, die noch geduldet würde. Franklin Bouillon (Rechte Mitte) verurteilte ebenfalls das gewaltsame Vorgehen gegen Parlamentarier. Als Der rechts­gerichtete Abgeordnete Soulier das Wort neh­men wollte, um ebenfalls den Angriff gegen Blum zu verurteilen, erhob sich auf der Linken großer Lärm. Von links ertönte der ZwischenrufMör­der". Der Kammerpräsident sah sich gezwungen, die Sitzung vorübergehend aufzuheben.

DieAction FranMe" verboten

Paris, 13. Febr. (DNB.) Der Ministerrat hat die Auflösung der Liga der Action Fran^aise, des Studentenoerbandes der Ac­tion Fran^aise, und der sog. Camelots du Roi, der

eigentlichen Kerntruppe der Action Fran$aise, be­schlossen. Es wurde sofort eine Haussuchung bei der Liga der Action Fran^aise angeordnet. In dem Gebäude der Action Fran$aise befinden sich das Ehepaar Daudet, Charles M a u r r a s und die Führer der Camelots du Roi. Der Polizeikom­missar und der Untersuchungsrichter wurden durch 60 Polizeiinspektoren unterstützt, während die Um­gebung von einem scharfen Ordnungsdienst über­wacht wurde. Der Hauptschriftleiter derAction Franfaise, Pujo, erklärte, man habe eine alte Liste von Mitgliedern der Action Fran^aise von vor dem Kriege beschlagnahmt, die keinerlei Wert habe. Die Aufforderung, die Namen der ge­genwärtigen Camelots und der Mitglie­der der Liga mitzuteilen, habe er abgelehnt, ebenfalls die Auslieferung der Rechnungsbücher. Man könne Männer verhaften, Bünde auflösen, aber nie werde es gelingen, eine Idee zu unter­drücken. Die Mitglieder der Action Fran^aise feien Monarchisten seit 30 Jahren, und ihre Haltung sei genau bekannt. Nach der Haussuchung im Gebäude der aufgelösten Action Frangaise wurden d i e Büros versiegelt und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt.

Sarraut will durchgreifen.

Verfahren gegen Maurras eingeleitet.

In der Umgebung des Ministerpräsidenten ver­sichert man, Sarraut sei entschlossen, dafür zu sorgen, daß die Auslosung der Action Fran^aise nicht nur auf dem Papier stehe. Jede öffentliche Kundgebung der Camelots du Roi werde künftig nicht nur verboten, sondern unterdrückt werden. Zur Zeit sei keine Rede von der Verhaf­tung politischer Persönlichkeiten. Die Regierung werde erst zusehen, wie das Gesetz befolgt werde, und entsprechend handeln. Das gerichtliche Verfahren sei eingeleitet worden und müsse erst abgeschlossen werden. Das Pariser Gericht hat gegen Charles Maurras und den Heraus­geber der TageszeitungAction Fran^aise ein Verfahren wegen Aufforderung zum Mord auf Grund eines am 13. Januar, und zwar unmittelbar nach Verabschiedung des Gesetzes über die Bestrafung solcher Aufforderungen er­schienenen Artikels eingeleitet. Der Ordnungs- dienst in der Stadt ist erheblich ver­stärkt, besonders in der Gegend, wo sich der Sitz der Action rranfaise und die gleichnamige Zeitung

Fährmann Maria."

Lichtspielhaus.

Man muß diesen Film begrüßen (auch wenn man vielleicht im einzelnen noch Vorbehalte oder Einwendungen hat) weil er bewußt neue und eigene Wege geht, und weil die Hersteller offenbar die Gefahr erkannt haben und ihr zu begegnen versuchten, die unsere Produktion bedroht. Es ist hier in letzter Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten darauf aufmerksam gemacht worden: die Gefahr besteht darin, daß sich der Film allmählich aus feinen eigenen Bezirken und Gesetzen verliert und immer mehr in die Literatur hinübergespielt wird, die grundsätzlich anderen Gesetzen untertan ist, ihr eigenes Leben führt und allenfalls Anregungen zu geben vermag. Solche Anregungen können gut, brauchbar und fruchtbar sein, aber sie müssen von schöpferischen Händen empfangen werden. Mit der einfachen Der-filmung ist, nne oft genug gezeigt worden ist, noch nichts getan, selbst dann nicht, wenn Höchstleistungen in Der Spielführung, in der Darstellung und in der Photographie aufgeboten werden. Zu oft haben wir die im Grunde über­flüssigen und also unkünstlerischen Wiederholungen erlebt, die zweite und fast immer schwächere Fassung von Werken, die im Drama, im Roman, im Buch oder auf der Bühne gut und endgültig formuliert waren. Darüber konnten dem kritisch Aufnehmen­den auch die besten Schauspieler, die tüchtigsten Regisseure, die begabtesten Kameraleute nicht yin- weghelfen. Das führt zu einem andern, oft be­sprochenen Problem, dem nachgerade fühlbaren Mangel nämlich an guten, das heißt also künstle­rischen und unter Den Gesetzen des Films ge­schriebenen Drehbüchern. Erst wenn wir die Haden, werden wir von unzulänglichen, fremben Vorlagen freiwerden.

Das sind ungefähr die Grundlagen, von denen die Hersteller dieses Terra-Films ausgegangen sind. Der Regisseur Frank W y s b a r und Hans Jürgen N i e r e n tz schrieben das Drehbuch und wiesen Da­mit ganz klar die allgemeine Richtung, welche ein» zuschlagen war, um den Film wieder seinen eigen­sten Bezirken und naturgegebenen Möglichkeiten zuzuführen: Beschränkung Der akustischen Elemente auf ein äußerstes Maß; möglichste Sparsamkeit im Dialog, im gesprochenen Wort überhaupt; dies be­deutete gleichzeitig: Hinwendung zum Optischen, zum lebendigen und beseelten Bild als dem ent­scheidenden Träger derHandlung", des Vorgangs oder der Fabel, wie man sich nun in diesem

Falle ausdrücken will. (Es ist nicht ganz leicht, das treffende Wort zu finden.) Ferner sollte was im wesentlichen als gelungen bezeichnet werden darf ein möglichst vollkommener Zusammenklang von Bild und Ton, von Musik und Handlung, von Mensch und Landschaft erreicht werden. Hier war nun em Regisseur wie Wysbar, der im Keller- Film vom Fähnlein der sieben Aufrechten seine

Sibylle Schmitz.

erste große Leistungsprobe abgelegt hat, der rechte Mann. Er hat schon damals bewiesen, was er an beseeltem Detail, an liebevoller Kleinmalerei zu geben vermag. Er zeigt es jetzt, unterstützt von dem femneroig arbeitenden Kameramann Weihmayr, aufs neue. Die Landschaft, in welcher dieser Film splelt, die Lüneburger Heide, ist nämlich hier, wie '<?on gedeutet wurde, nicht eine beliebige Staffage ober Kulisse, nichtstimmungsvolle" Einkleidung, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Ganzen, nutspifilender und wirkendes Element. Und jede Einzelheit, welche die Photographie herausschneidet, eine Baumgruppe, ein Bauernhaus, ein Stück Moor, eine bewegte Wasserfläche, Wolken am Himmel ober

nur ein Blütenzweig, ist nicht bloß so mitgenommen und hineingeschnitten, sondern gehört wesentlich dazu.

*

Der Naturcharakter dieses Films ist so ausge­sprochen, daß manche Partien wie Bilder aus einem Kulturfilm wirken; aber es handelt sich hier um eine Legende, wie die Hersteller sich ausdrücken; um etwas sehr Einfaches, Altertümliches und Volks­tümliches also, und es finden sich auch balladeske und märchenhafte Züge darin. Sind schon die Hauptmotive dem uralten Schatz dichterischer Phan­tasie aller Völker und Länder entnommen, so sind das Motiv etwa vom Fährmann, den der Tod auf der Ueberfahrt ablöst, ober bas Totentanz-Motiv wohl­bekannte unb vertraute Bestanbteile ber beutschen Volksbichtung, bes Märchens unb ber Sage. Der ethische Grundgedanke aber ist bie Jbee ber großen, sich aufopfernben unb im Gebet ben Tob überwin» benben Liebe. Manche Züge in ber im einzelnen schwer erzählbaren Fabel konnten aus ben Büchern von Wiechert stammen, etwa aus ber Erzählung von ber Magb bes Jürgen Doskocil; der alte Fährmann und das landfremde Mädchen konnten ebensogut in den tiefen Wäldern seiner ostpreußi­schen Heimat zu Hause sein wie in der Lüneburger Heide.

Es ist klar, daß solche Dinge nur in einer stren­gen Stilisierung zu gestalten waren. Das ist in der Formung der Bilder ohne Zweifel gelungen; nicht ganz so überzeugend in den sparsamen Textpar­tien: hier finoen sich noch Stellen, die (mit Ab­sicht?) ein wenig nüchtern unb alltäglich klingen unb deshalb stellenweise von bem mystisch-märchen­haften, immer ans Unwirkliche ftrelfenben ©e- schehen abstechen Aber, wir sagten es schon, es handelt sich um einen ersten schöpferischen Versuch, neuen Boden, neue Ansatzpunkte, neue (im Grunde die alten und ursprünglichen) Möglichkeiten zu ge­winnen, wiederzugewinnen. Ein Weg ist gewiesen, der verfolgt und weitergeführt roeroen muß; er braucht nicht durchaus in eine Stilisierung, ins Un­wirkliche ober Primitive zu führen; die allgemeine Richtung ist gegeben: das war nötig und sollte mit Aufmerksamkeit und Nachdenklichkeit begriffen werden.

*

Ganz im Mittelpunkt steht das Mädchen Maria. Diese Rolle spielt Sibylle Schmitz; wir haben in letzter Zeit des öfteren ihre außerordentlichen Fähigkeiten gewürdigt. Wenn man sich freilich ber Gestalten entsinnt, bie sie kürzlich zu spielen hatte, wirb man begreifen, baß es ein Wagnis bebeutete, sie gerabe hier einzusetzen, wo alles auf Einfach­heit, Verhaltenheit, zusammengerafstes Gefühl an­

kommt; welch ein Abstanb etwa zwischen ,Hack Mortimer" ober Wilbes Gesellschaftsstück unb bem Fährmann Maria"; kein Zweifel, baß die Dar­stellung von diesen Eindrücken ein wenig belastet wird. Aber Sibylle Schmitz erzwingt doch, was eine Schauspielerin wie Marieluise Claudius wahr­scheinlich zwangloser vermocht hätte. Sie bringt in der Tat die Kraft des starken Gefühls, des gläu­bigen Gebetes, der zu jedem Opfer bereiten Liebs auf; sie war sparsam im Ausdruck von je, sie kann auch ganz einfach sein, und das Hintergründige, Verschleierte, Getriebene, das dieses Naturwesen Maria kennzeichnet, war auch in manchen ihrer so ganz anders gearteten, früheren Rollen zu spüren.

Ueberzeugend wirken auch die wenigen anderen Spieler: Peter V o ß in der starren und unerbitt­lichen Maske desFremden"; Aribert Mog als der Mann", bembas Mäbchen" bebingungslos verfallen ist; Karl b e Vogt im unruhigen Vagan- tentum bes Fieblers. Mit biefen Darstellern, bem Spielleiter, dem Kameramann sei zuletzt auch der Musiker Herbert Windt genannt, der mit einfachen Mitteln, stilvoll unb feinfühlig, den Bild­eindruck untermalt und vertieft. __r

Zeitschriften

Worin zeigt sich die Rachitis? In welchem Lebensjahr beginnt in der Regel diese Krankheit, und welche Verhütungsmaßregeln kommen in Be­tracht? Diese Fragen behandelt Professor Dr. F. Rott in seinem AufsatzDie Verhütung der englischen Krankheit im Januarheft der bekannten Elternzeit, schriftMutter unb Kinb" (Verlag Staube, Berlin W 30). Auch ber übrige Inhalt biefes Heftes sowie bes Februarheftes ist für jebe junge Mutter äußerst lehrreich. Beiträge wieMehr Ehrlichkeit im Umgang mit Kindern",Säuglinge turnen",Du mußt »Danke* sagen",Das Kinb im elterlichen Schlafzimmer",Vati, sind bie Märchen wahr?" usw. werden neben ben reizenben Bildern dazu bei­tragen, ber Zeitschrift neue Freunde zu gewinnen.

Sochschuinacknchten

Der durch die Entpflichtung von Professor Dr. Schmalenbach an ber Universität Köln frei- gewordene Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre ist bem o. Professor Dr. Walb in Köln übertragen worden. Professor Walb wurde gleichzeitig zum Direktor des Seminars für allgemeine Betriebswirt- schäft, Revisions- und Treuhandwirtschaft ernannt unb beauftragt, bis auf weiteres die Leitung des bis­her von ihm verwalteten Bank-Seminars beizu- behalten.