Ausgabe 
13.6.1936
 
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Neue Oelpflanzen aus Asien zum erstenmal auf deutschem Boden.

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vorgegangen sein. Und solche Prüfungen werden in großem Umfange vom Pflanzenbau-Institut un­serer Universität (im Auftrage des Reichsnährstan­des) vorgenommen. Die wissenschaftliche Arbeit ist wie ein Sieb vor die Freigabe, die Empfehlung für die breite Praxis geschaltet. Hier liegt also eine große Verantwortung. Diese Arbeit ist im End­ergebnis von höchster Bedeutung für die Ernäh­rungslage unseres Volkes. Es bleibt nicht dabei, die zur Untersuchung und Prüfung aufgegebenen Sa­men einfach auszusäen, wachsen zu lassen und zu beobachten. Nein! Die Arbeit wird weitaus gründ­licher und systematischer geleistet.

Man begnügt sich nicht damit, daß zwei gleich­große Felder verschieden gedüngt oder zwei zur Prüfung stehende Sorten einmal nebeneinander an­gelegt und beobachtet und ihre Erträge ermittelt werden. Um alle das zu erwartende Ergebnis etwa beeinflussenden Momente (wie Bodenungleichheiten, zufällige Verminderung der Pflanzenzahl usw.) aus­schalten zu * können, ist eine sehr sorgfältige Ver­suchsanstelluna erforderlich. Sämtliche Versuche wer­den in mindestens ömaliger Wiederholung angelegt, also z. B. jede Sorte auf 6 verschiedenen kleinen Teilstücken ausgesät und jedes Teilstück für sich geerntet, gedroschen und auf seine Qualität unter­sucht. Danach wird mit Hilfe der Wahrscheinlich­keitsrechnung die Sicherheit des Ergebnisses genau ermittelt.

Und alle Stadien der Entwicklung der Versuchs- iflanzen, wie auch der Bodenzustand, Düngung, )ie Witterungsverhältnisse (Niederschläge, Sonnen- chein, Temperaturen), Aussaat-, Blüte und Ernte­zeiten usw. werden statistisch erfaßt und tabellarisch verankert. Aus der Quersumme aller Beobachtun­gen und Aufzeichnungen ergibt sich das wissenschaft­liche Urteil über dieses oder jenes der Prüfung unterworfene Saatgut.

Neben den reinen Versuchsanbauten findet man zum Beispiel auf den Feldern an der Krofdorfer Straße auch ganze Sammlungen, da ja die Gie­ßener landwirtschaftlichen Institute nicht nur der Forschung, sondern auch der Lehre dienen sollen. Man braucht also Anschauungsmaterial!

In diesem Zusammenhang ist es wohl für einen Laien interessant, zu hören, daß auf einem Strei­fen Land, das in lauter etwa einen Quadratmeter

Gießener Wissenschastler im Dienst der Volksernährung.

Streifzug durch die Arbeit des Instituts für Pflanzenbau.

In den Zuchtfeldern des Instituts.

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Die Wissenschaft stand von jeher, mittel- oder un­mittelbar, mehr oder weniger, im Dienste der Volksgemeinschaft. Sicherlich aber zu keiner ande­ren Zeit mehr, als gerade in der Gegenwart, in unserer deutschen Gegenwart, in der alle wirkenden und ruhenden Kräfte zur vollen Entfaltung kommen sollen und müssen, wenn sich unser Volk inmitten einer wenig wohlmeinenden Umwelt behaupten soll. Sr Wissenschaft hat die Aufgabe, alle vorhandenen Kräfte aufschließen und erhalten zu helfen. Die Arbeitsgebiete sind sehr unterschiedlich. Das Insti­tut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung unserer Universität hat die Aufgabe, dem deutschen Bo­den. der ja die erste und größte Kraftquelle für unser Volk darstellt, all das abzuringen, was ihm abzugewinnen ist und ihn dabei doch in solchem Zustande zu halten, daß er Kraftquell für alle kommenden Generationen bleibt! Keine leichte Auf­gabe! Und eine unendlich vielfältige Aufgvbe. Boden ist nicht gleich Boden. In jeder deutschen Landschaft sind die Bodenverhältnisse anders. In vielerlei Wech­selbeziehungen steht die Pflanze zum Boden, auf dem sie wachsen soll. So unterschiedlich das Ver­hältnis der Pflanze zur Erde ist, so unterschiedlich ist das Verhältnis der Pflanze zum Klima. Unend­liche Mannigfaltigkeit in den Erscheinungsformen und Eigenschaften jeder Pflanze selbst! Und für jeden Fall soll und muß dem Bauern, da, wo seine eigene Erfahrung nicht ausreichen kann, unter die Arme gegriffen werden, muß ihm die Wissen­schaft helfen. Die Arbeit in Laboratorien, Gewächs­häusern wie auf den etwa 15 Hektar (60 Morgen) großen Versuchsfeldern des Instituts stehen ganz im Dienste unserer Volksernährung, die möglichst aus eigener Scholle gewährleistet werden soll. Den Weg zu diesem Ziel kann einzig und allein die Wis­senschaft bahnen. Der Bauer aber muß diesen Weg gehen und muß verwirklichen. Der Bauer geht auch den bereiteten Weg, er folgt dankbar dem, was ihm in seinem eigenen und des ganzen Volkes Nutzen an Anregungen gegeben wird. Die Wissenschaftler sind mit Leidenschaft und Liebe bei ihrer-Arbeit, der Bauer folgt mit ruhiger Sicherheit und mit Ver­trauen und tüt immer auch seine Pflicht

Es ist eine fast verwirrende Fülle von Ein­drücken, die den empfängt, der, einmal von sach­kundiger Hand geführt den Garten der Institute an der stillen Senckenbergstraße, den Gewächshäu­sern, den Laboratorien und schließlich den ausge­dehnten und mannigfaltig bebauten Versuchsfeldern

an der Krofdorfer Straße einen Besuch abstattet. Es ist wie ein Blick in ein Buch vom ewig pul­sierenden Leben selbst, in das man einen tiefen Einblick gewinnt, wenn man aus berufenem Munde hört, wie die Pflanze und ihr komplizierter Orga­nismus aus dem ebenso lebendigen Boden keimt, wächst, gedeiht, blüht und Frucht trägt, wie sie ihre Lebensbedingungen erfüllt sehen will, ja gebieterisch fordert, wie sie um die Erhaltung ihrer selbst, wie ihrer Art, kämpft, wie sie dem Licht entgegenstrebt, die von Wasser aufgelösten Grundstoffe aus der Erde in sich aufnimmt, verarbeitet, um sich daraus aufzubauen und dabei in all ihrem Bemühen vom Menschen, hier also vom Wissenschaftler (wie drau­ßen auf dem Lande in einfacherer Form vom Bauern) beobachtet, beeinflußt und gefördert wird.

Es gibt kaum eine Kulturpflanze, die nicht schon auf den Versuchsfeldern oder in den Gewächshäu­sern angekeimt, gepflanzt oder gesät, beobachtet, in züchterischen Bemühungen abgewandelt oder höher entwickelt worden wäre! In zäher Forschungsarbeit beschäftigt man sich mit dem Getreide, mit Hülsen­früchten, mit Futterpflanzen, mit Oelfrüchten und Faserpflanzen, deren wir dringend bedürfen, mit Gräsern usw., und zwar geschieht das alles mit bestimmten vorgefaßten Zielen. Hauptsächlich aber mit dem Ziel, dem Bauern Sorten- und Anbau­methoden an die Hand geben zu können, mit denen er bei sachgemäßer Behandlung auf dem Felde hohe

Züchtung des Apfelblütenstechers, eines Insekts, unter der Hand des Pflanzenarztes.

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und was vielleicht noch wichtiger ist stetige Er­träge erzielen kann.

Es ist bekannt genug, daß der Bauer, wenn er von Fehlschlägen und Mißernten bewahrt bleiben will, gut daran tut, nur anerkanntes Saatgut aus anerkannten Saatgutbetrieben verwendet.

Vor die Anerkennung haben aber die Götter den Schweiß gesetzt. Alles Saatgut, das anerkannt wer- I den soll, muß aus vielen Prüfungen siegreich her-

Die Gewächshausanlage des Instituts.

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Sn dsx Vegetationshalle des Instituts.

Bei der Arbeit in der Samenprüfungsstation.

Sojalorten werden im Gewächshaus auf ihr Wachstum geprüft.

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Nr. 136 viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Somstag, !3.Zuni 1936

große Flächen ausgeteilt ist, Hunderte verschiedener Getreidesorten angebaut sind.

Große Aufmerksamkeit wendet man im Rahmen der umfangreichen Forschungsarbeit auch den Eiweiß-, Oel- und Faserpflanzen zu, da gerade Eiweiß, Fette und Faserstoffe für unsere Bedarfs­deckung von größter Bedeutung sind. Hier wird die Forschung nicht weniger intensiv betrieben wie im Anbau der übrigem Kulturpflanzen. Die Versuche bedeuten dabei Arbeit über mehrere Jahre. Beson­dere Beachtung schenkt man hier der Soyabohne, als einer besonders eiweiß- und fetthaltigen Pflanze, die auch in Deutschland heimisch gemacht werden soll. Züchtung und Erprobung von Anbauarten werden mit größtem Eifer betrieben. Aus vielen vorhandenen Sorten sollen solche herausgebildet werden, die auf unseren Böden und unter unserem Klima Erträge und Fett liefern, die den Anbau in der Zukunft rechtfertigen. Die Versuche sind noch nicht abgeschlossen. Arbeit mit der Pflanze erfor­dert viel Geduld und Ausdauer.

Sehr interessant sind auch die Versuche, mittels Keimstimmung und Zusatzbeleuchtung, die Ent­wicklungszeiten der Pflanzen abzukürzen. Mit Hilfe dieser von russischen Forschern vorgearbeiteten Methode soll es gelingen, auch unter unseren klima­tischen Verhältnissen zwei Generationen in einem Jahr zu erzielen. Ein Verfahren, das für die Praxis große Bedeutung hat wegen der Verkürzung der Zeit, welche züchterische Tätigkeit sonst in Anspruch nimmt.

Den Gießener landwirtschaftlichen Forschungs­instituten sind in letzter Zeit neben all dem noch andere, weittragende Aufgaben zuteil geworden, und zwar aus den Ergebnissen der Hindukusch- Expedition heraus, die bekanntlich (wir berichteten darüber) viele Tausende von verschiedenen Pflaw zensamen mitbrachte. Diese Samen sollen dazu oert wandt werden, in Anbau- und auch in Züchtungs«

Beim Studium am Samensortiment der Sojabohne. (Aufnahmen [8|: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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versuchen evtl, eine Ausartung unserer Kultur­pflanzen zu bewirken, indem wertvolle Eigenschaf­ten der Pflanzen aus dem Fernen Osten (Wider­standsfähigkeit gegen Schädlinge, gegen Feuchtig­keit oder Trockenheit, höhere Ertragsfähigkeit usw.) auf unsere heimischen Kulturpflanzen übertragen werden sollen. Sicherlich eine ebenso schwierige wie dankbare und in 5ie Zukunft weisende Aufgabe'

Neben dieser Arbeit auf den Versuchsfeldern und in den Gewächshäusern geht noch viel Laborato­riumsarbeit einher. Da sind viele Samenunter­suchungen durchzuführen, bei denen es immer viel zu zählen, zu wiegen, zu sortieren gibt, da müssen Fett- und Eiweißgehaltsbestimmungen gemacht und sorgfältig registriert werden. Kurzum, überall in den Räumen des Hauses sind viele Kräfte am Werk, um der gemeinsamen großen Sache zu dienen. Leider sind die räumlichen Verhältnisse zum Teil denkbar ungünstig und für das Maß der zu leisten­den Arbeit unzureichend, so daß es für alle Be­teiligten nicht nur des heiligen Eifers zur Sache, sondern auch vielen guten Willens zur Ueberroin- dung der räumlichen Beschränkungen bedarf.

Einen wichtigen Teil der Forschungsarbeit stellt auch die Arbeit dar, die in der Abteilung für Pflan­zenkrankheiten geleistet wird, in dem berufene Kräfte das Rüstzeug für eine fachgemäße Schäd­lingsbekämpfung schaffen. Hier interessiert zweifel­los besonders ein großes wissenschaftliches Vor­haben: die Bekämpfung des Apfelblütenstechers, der jährlich großen Schaden anrichtet. Die Forschungs­arbeit auf diesem Spezialgebiet wird in diesem Gießener Institut zentral für das ganze Reich ge­leistet. Aus vielen Hunderten deutscher Gemeinden werden nach genauen Fragebogen und an Hand vieler Einsendungen von befallenen Blüten das Vorkommen des Schädlings, die Gesetzmäßiakeiten des Vorkommens vom Landschaftlichen und Klima- tischen her erfaßt, werden die Lebensbedingungen des Schädlings erforscht und Gegenmittel ausprobiert. Selbstverständlich wird auch hier die Arbeit mit exaktesten wissenschaftlichen Methoden vorwärts­getrieben, damit eines Tages der Kampf auch gegen diesen bisher fast unangreifbaren Schädling auf­genommen werden kann.

Ein großer Teil der Aufgaben, welche das Insti­tut im Rahmen der Erzeugungsschlacht zu erfüllen hat, werden ihm vom Forschungsdienst der Land- bauwissenschaft gestellt und wären nicht in Angriff zu nehmen gewesen, wenn nicht die Forschungs­gemeinschaft (Notgemeinschaft) in großzügiger Weise Mittel dafür bereitgestellt hätte.

In der zusammenfassenden Betrachtung der für unsere Volkswirtschaft so bedeutsamen Arbeit in die­sen Instituten läßt sich sagen, daß es ein schönes und beruhigendes Gefühl ist, zu wissen wie hier der Wissenschaftler in verantwortungsbewußtem Schaffen in engster Verbindung mit dem bäuerlichen Men­schen bemüht ist, unserem Volke die Griften^runB* läge sichern zu helfen, von der aus das deutsche Volk schon oft vorbildlich geworden ist und wohl auch immer bleiben wird Ganz besonders aber muß es mit Freude erfüllen, zu sehen, wie gerade deittuye wissenschaftliche Methodik von jeher beispielhaft in dex ganzen Welt Ergebnisse vorbereitet, die immev andere Völker aufhorchen lassen müssen