Ausgabe 
12.12.1936
 
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Nr. 291 viertes Blatt

Geheuer Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Samstag, (2. Dezember (936

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Winterherrlichkeit im Hohen Vogelsberg.

Hinauf zum Hoherodskopf! Paradies der Skiläufer.

Das Jägerhaus mutet

die Bindung zu lockern, die Bretter in den tiefen Schnee zu stecken und ein­mal hinaufzusteigen in in den Turm. Die feinen Schnee- und Eiskristalle sind eingedrungen in den Turm und bedecken auch hier innen die Treppen und die Mauern. Der Gitterkranz, der oben die Aussichts - Plattform des Turmes umgibt, ist zu einer einzigartigen Krone aus feinstem Filigran ge­worden.

So schön der Weg zum Taufstein war und so etwas mühsam der An­stieg über die Felstrüm- mer an dem schmalen Weg zum Turm, so dank­bar lohnend war die Aus­sicht, die sich von der Plattform des Turmes aus bot. Die klare Luft hatte den Bilstein, die Herchenhainer Höhe und den Gackerstein greifbar nahe gerückt. Aus der Ferne grüßten scharf um­

rissen die Höhen der Rhön und des Spessart, des Westerwaldes und des Taunus. In unend­licher Bielfalt lagen unter den Ausschauhaltenden die schier endlosen Wälder (in denen sich der Un­kundige so leicht verläuft) und über all dem Sonne, Sonne, Sonne

Immer neu und schön ist der Anblick des idylli­schenJägerhauses", das von vielen tiefverschneiten und der Last des Schnees gebeugten Tannen, wie von einem Wall umgeben ist und aus dem Mär­chenland hierher versetzt erscheint. Tiefe Schatten liegen um das Haus, aber wenn man es gegen die Sonne sieht, vom Klubhaus aus z. B., dann ist es immer wie von einer Gloriole umgeben, von dem feinen Schimmer des Lichts, das sich in den Kristal­len des Schnees auf dem First und auf den Tannen bricht. Wie oft sieht der beschauliche Skiläufer das vielgestaltige Spiel von Licht und Schatten in den Schneisen des Waldes, in den lichten Laubbaum­beständen und beim Lauf in der Heide, in der

Das Klubhaus des VHC. in seiner rauhbereisv der Schnee alle Härten ausgeglichen l^at. Die Bäche, die vom Berg nach Breungeshain hinab zu» Tal plätschern, sind eingebettet in die tiefen Schnee­polster der Ufer und selbst das Steingeröll im Bach hat verbindliche Formen angenommen. Ganz be­sonders schön aber ist der breitästige uralte Baum am Breungeshainer Kirchhof anzusehen, wenn er die rauh bereiften Aeste in den blauen Himmel reckt. Drüben, den Gackerstein entlang steht der Wald wie eine Mauer aus Schnee und Eis.

Die Schneisenabfahrt vom Taufstein nach der Laubacher Hütte zu werden die Wintersportler unserer Heimat am morgigen Sonntag verändert oorfinöen. Das heißt, sie werden nicht im Schuß vom Fuß des Turmes aus abfahren können, denn etwa 30 Meter unterhalb hat der Sturm einen alten Waldriesen über die Schneise gelegt und der urige Baum neidet mit seinem breiten Geäst den Skiläufern die glatte Abfahrt. Da heißt es also einen kleinen Umweg machen!

Noch etwas anderes werden die Winterfportgäste des Hoherodskopfes verändert sehen: das Klub­haus! Es ist erweitert worden. Der Erweiterungs­bau ist nahezu fertiggestellt. Der terrassenartige Vorbau, der mit dem bisherigen, stets zu Heinen Gastraum unmittelbar verbunden ist, wurde nach der Talseite zu mit großen Fenstern ausgestattet, so daß sich aus dem ge­schützten Raum gleichzei­tig ein schöner Ausblick genießen läßt. Die Ski­läufer werden diese Er­weiterung sicherlich be­grüßen, denn die drang­voll fürchterliche Enge im Klubhaus dürfte da­mit behoben fein.

Wenn nun am morgigen Sonntag wieder viele Wintersportler mit ihren Brettern hinausziehen in den Winter unserer Berge, wenn ihnen der Wetter­gott diesmal so günstig ist, wie er im vorigen Winter ungnädig war, dann stehen ihnen genug der Freuden bevor, und auch jene, die vielleicht in diesem Jahre zum ersten Male den Hohe- rodskopf im Winter und dabei die Eigenwilligkeit der Skier kennenlernen, werden erfüllt fein von

der Schönheit der Natur. Winterid,ll am Bach.

n Umgebung. Vom Jägerhaus aus gesehen.

rer Stadt zu morgendlicher Stunde am Ludwigs- platz einfinden, dann wissen sie schon, warum sie es tun. Inmitten der vielen vertrauten Gesichter junger Menschen, die schon oft dabei waren und noch manches Jahr dabei fein werden, fahren sie im Omnibus hinauf und unterwegs wird manches fröhliche Lied gesungen, mancher Scherz erzählt und mancher Ausflug verabredet, den der Tag bringen soll. Wenn der Abend kommt und die Nacht über Breungeshain hereinsinkt, dann sind die Skiläufer zwar rechtschaffen müde, aber nicht weniger guter Laune.

Ganz zum Schluß fei aber noch eines vermerkt: die Anfahrtstraße zum Vogelsberg hat eine durch­greifende Verbesserung erfahren! Die gefürchtete Haarnadelkurve kurz vor Schotten, ist wenn auch nicht ganz beseitigt so doch so gestaltet worden, daß sie erheblich leichter zu befahren ist wie bisher. Man könnte sagen, daß die Milderung dieser Kurve für die Kraftfahrer, die Führer der Omnibuffe, ein kleines Weihnachtsgeschenk darstellt, das ihnen bei der großen Verantwortung ihres Amts sehr zu gönnen ist. Für die abenteuerlustigen und auf der Heimfahrt immer sehr angeregten Ski­läufer fällt allerdings der hochinteressante Augen­blick (wie wird der Fahrer die Kurve packen?!) fort. N.

weicher Fülle deckt der Schnee das Steingeröll.

Breungeshain das Ziel der Winterfportfahrten und Startplatz in die Winterherrlichkeit.

Paar Brettl'n aus, jene Bretter, die auch eine Welt bedeuten und wahrhaftig nicht die schlechteste. Unbeschreiblicher Augenblick, wenn man nach den langen Wochen eines mißvergnügten Herbstes, eines trostlos verregneten Novembers, und heraus aus den Tälern und Ebenen, in denen sich nur die Grippe wohlfühlen und gedeihen konnte, hineintrabt, hinein­gleitet in die reine Luft über den Höhen, und dabei die Augen schließen muß vor all dem vielen Licht über dem frischgefallenen Schnee.

Am Dienstag dieser Woche war es da blaute über den heimischen Bergen ein Himmel, wie über dem Bodensee an schönsten Sommertagen. Kein Wölkchen trübte den reinen Glanz über den Höhen und kein Nebelschleier hinderte den Blick in die weite Runde. In den Dörfern blitzte das Licht der Sonne festlich in den Fensterscheiben, und jeder­mann freute sich des herrlichen Tages. Die Kinder hatten längst ihre Rodelschlitten hervorgeholt und rutschten freudig über die verschneiten Hügel.

Doppelt verheißungsvoll war da der Aufstieg von Breuügeshain nach dem Klubhaus auf dem Hoherodskopf. Aber es waren nur wenige, die an diesem Tage hinaufstiegen, an den Fingern konnte man si» herzählen, vier ober fünf mögen es nur gewesen fein. Es wäre ein leichtes, die Namen der wenigen Glücklichen hier aufzuzählen. Es schien, als hätten die Wintersportler in den Städten den Glauben verloren an ihren Berg, nachdem erst am vergangenen Sonntag unglücklicherweise der Om­nibus abgesagt worden war, weil am Samstag die Wetteraussichten schlecht waren. Die Absage war gut gemeint aber sie war das, was manKünst­lerpech" nennt! Die Wetzlarer Skikameraden star­teten ihrenBus" und hatten es nicht zu bereuen, denn in der Nacht zum Sonntag schneite es. Sport­möglichkeit: gut!

So war es auch noch am Dienstag und die ganze vergangene Woche. 25 Zentimeter Schnee lagen und obendrauf ideal für den Skiläufer waren 9 Zentimeter Pulverschnee gestreut. In Myriaden Kristallen blitzte das Sonnenlicht, in jeder Ge­ländefalte, am Bachrand, in jeder Bodenwelle lagen blaue Schatten, das Jägerhaus lag wie verwun­schen inmitten seiner tiefverschneiten Tannen. Kein Ruf störte die Stille im weiten Raum und vieler­orts lag in Schneisen und Lichtungen der Schnee in jungfräulicher Schönheit. Nur wenige Skispu­ren furchten die Hänge. Der Glanz des Sonnen­lichtes über den feinen weißen Flächen war un­erhört. Das dunkle Blau des Himmels ließ alle Unendlichkeit des Weltenraumes ahnen.

In den Schneisen lag tiefe Stille und das feine Schleifen der eigenen Skier im lockeren Schnee wurde zur sphärischen Musik. Der Bismarckturm auf dem Taufstein stand rauh bereist in der ver­trauten Umgebung der ebenfalls vom Rauhreif ge­schmückten Bäume. Da wird es inmitten solcher Pracht wohl kaum jemanden zuviel gewesen sein,

In den Tälern liegen die Fluren immer noch im stumpfen Grün. Nur am frühen Morgen erinnert ein leichter Reif an Baum, an Strauch und Gräsern an den Winter. In der Stadt merkt man gar nichts vom Winter, wenn es nicht eben kalt wäre und wenn nicht das Weihnachtsfest vor der Türe stünde, wenn nicht in Höfen und auf Plätzen die Tannenbäume zum Verkauf bereitstünden. Aber in unserem Hohen Vogelsberg ist der Winter eingezogen! Auf der Fahrt nach Schotten begegnet man ihm zum erstenmal auf den Höhen zwischen Laubach und Schotten. Auf den Kuppen der Hügel liegt etwas Schnee. Nicht sehr viel aber doch Schnee! Im Tal von Schotten und im Städtchen selbst suchte man aber in der vergan­genen Woche auch noch vergeblich nach dem winter­lichen Schmuck.

Wald und Heide sind erfüllt vom abwechslungsreichen Spiel des Lichtes und der Schatten.

Erst bei Busenborn und bei Michelbach also ver­heißungsvolle Richtung Breungeshain fmbet der sehnsüchtige Skiläufer die gesch ossene Schneedecke. Breungeshain selbst liegt im tiefen Schnee Breun­geshain! Was bedeutet doch der Name dieses stillen Dörfchens für den Wintersportler unserer HeimaU Dort werden im Winter die Skier vom Omnibusdach heruntergeholt und jedermann sucht sich das beste

Baum und Strauch tragen glitzernden Rauhreifschmu-k. (Ausnahmen |6h Neuner, Gietz-Anz.)

inmitten tiefverschneiter Tannen wie ein Stück Märchenreich an.

Die Nachrichten, die gestern vorn Hoherodskopf in das Tal gelangten, lauteten tröstlich. Der Wirt vom Klubhaus konnte melden:Sportmöglichkeit sehr gut!" Wenn die Skiläufer Glück haben, bann treffen sie auch morgen guten Schnee an und die Jugend kann frohgemut rüsten. Wenn auch die Sonne nicht scheint, dann wird trotzdem der Aus­flug nach der Herchenhainer Höhe oder nach Hoch­waldhausen lohnen und in der Kameradschaft mit den vielen gibt es doch ein paar luftige Stunden. Ganz abgesehen davon, daß der Skisport nun ein­mal ein urgesunder Sport ist, trotz des Muskel­katers, der sich nach dem ersten Skisonntag mehr oder weniger heftig einzustellen pflegt. Aber der Muskelkater entfernt sich auch bald wieder und übrig bleiben nur die schönen Erinnerungen, die noch jeder auf dem Hoherodskopf, in der Winter­pracht des heimischen Vogelsberges, sinnvoll ver­lebte 'Tag mit sich gebracht hat.

Wenn sich nun wieder Die Wintersportler in unse-